Die Ariosophen – Okkulter Rassismus

von Shinzon

Im Gegensatz zur Anthroposophie, welche sich 1912 direkt von der Theosophie abspaltete, entwickelte sich die Ariosophie ab 1915 parallel zur Theosophie. Dennoch gab es zahlreiche personelle Überschneidungen sowie ideologische Berührungspunkte zwischen beiden Geheimlehren. So bediente sich die Ariosophie esoterischer Praktiken wie der Astrologie, Kabbalah und Handlesekunst. Zudem wurde der Mythos der „arischen Urrasse“ übernommen.

Obwohl das rassistische Weltbild der Ariosophen zwar auf Helena Petrovna Blavatskys (1831-1891) Theorie der „Wurzelrassen“ basierte, strebten die Theosophen doch stets die „Bruderschaft der Menschheit“ an. Die Ariosophen wollten hingegen eine strikte Rassentrennung sowie eine Rassenhierarchie durchsetzen. Im Ergebnis vermischten die Ariosophen Blavatskys Lehren mit der Rassentheorie des Franzosen Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882), welcher als einer der Begründer des modernen rassistischen Denkens gilt. Hinzu kamen die rassistisch-okkulten Spekulationen des Berliner Theosophen Max Ferdinand Sebaldt von Werth (1859–1916) sowie die explizite Judenfeindlichkeit aus völkisch-konservativen Kreisen.

Bei alledem hatten die Begründer Guido von List (1848-1919) und Jörg Lanz von Liebenfels (1874-1954) offensichtlich nicht begriffen, dass die Arier ein in Persien sowie Indien verbreiteter Volksstamm sind und keineswegs eine Rasse von Urgermanen waren. Die ganze Mystifizierung des Germanentums samt Falschauslegung der Runen war also totaler Mumpitz. Die Kultur der alten Germanen wurde von den Ariosophen aufs schändlichste missbraucht.

Gleiches gilt für das Christentum, welches der Zisterziensermönch Lanz von Liebenfels mit seinen Vorstellungen von Rassenkunde und Eugenik verband. Er betrachtete sogar die Kreuzzüge als Teil eines Jahrtausende alten Rassenkampfes, was ihn im Jahr 1900 in Wien zur Gründung des Neutemplerordens veranlasste. Die erste ariosophische Organisation gab es damit schon 15 Jahre bevor der eigentliche Begriff geprägt wurde.

Adolf Joseph Lanz mit rotem Kruckenkreuz

Adolf Joseph Lanz mit rotem Kruckenkreuz

Anfangs beschränkte sich der Neutempler-Orden mit seinen rund 50 Mitgliedern auf Wien. Dort verweilte zu dieser Zeit ein gewisser Adolf Hitler (1889-1945), welcher die Ordenszeitschrift „Ostara“ geradezu aufsaugte. Die Ostara erschien von 1905 bis 1917 in 89 Ausgaben. Lanz von Liebenfels verfasste diese fast im Alleingang. In den ersten 25 Ausgaben erschienen lediglich 15 Artikel, die nicht von ihm stammten, danach wurde er gänzlich zum alleinigen Autor.

Neben rassistischer Hetze verbreitete von Liebenfels in der Ostara vor allem auch antifeministische Propaganda, da er in der angeblichen Triebhaftigkeit der Frauen eine Bedrohung für die „Reinhaltung der Rassen“ sah. Sein Neutempler-Orden war dementsprechend eine reine Salamiparty. Für diese erwarb von Liebenfels 1907 die Burgruine Werfenstein in Strudengau, welche zum Erzpriorat werden sollte. 1914 gründete Detlev Schmude ein zweites Priorat in Hollenberg bei Aachen, womit der Orden nach Deutschland expandierte.

Nachdem von Liebenfels 1918 mit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie nach Ungarn emigrierte, übernahm Schmude dessen Rolle im deutschsprachigen Raum. In Ungarn bekämpfte Lanz derweil gegen den Aufbau einer kommunistischen Räterepublik und gründete 1925 ein weiteres Priorat in der Nähe des Balaton-Sees sowie 1937 bei Szentendre in Nordungarn. In Deutschland entwickelte sich der Orden nach dem 1. Weltkrieg ebenfalls rasant. Weitere Priorate entstanden 1927 in Dietfurt und 1938 bei Waging am See in Oberbayern. Zu seinen Glanzzeiten hatte der Neutempler-Orden 300-400 Mitglieder.

Diese engagierten sich vor allem in Österreich für die NSADAP, welche dort vor dem Anschluss ans deutsche Reich noch verboten war. Der Wiener Lumenklub diente gar als Rekrutierungsbasis für die Nazipartei. Doch die NSDAP sollte den Ariosophen dieses Engagement nicht danken. Ende der 1930er wurde der Neutempler-Orden von der NS-Diktatur als Sekte deklariert und aufgelöst. Hitler, der im christlich geprägten Deutschland nicht als Okkultist dastehen wollte, lehnte ebenfalls jede Verbindung zu esoterischen Geheimlehren ab. Das war natürlich eine aalglatte Lüge und der enttäuschte Lanz von Liebenfels lag gewiss richtig damit, dass er einer der wichtigsten Vordenker Hitlers gewesen war.

Das war allerdings schon alles, womit er recht behalten sollte. Seine späteren Aussagen, dass er, der Antikommunist, ein Vordenker Lenins gewesen sei, war dagegen vollkommen absurd und wohl ein letzter Versuch, nach dem Ende der NS-Diktatur noch irgendwo Anschluss zu finden. Lanz von Liebenfels suchte Zeit seines Lebens nach Anerkennung, wofür er auch vor Betrug nicht zurückschreckte. Selbst sein Doktortitel sowie sein Adelsprädikat waren frei erfunden. Sein eigentlicher Name lautete Adolf Joseph Lanz, mit der Adelsfamilie Lantz von Liebenfels bestand keinerlei Verwandtschaft.

Gleiches galt für das Adelsprädikat seines Weggefährten Guido von List, welcher schon frühzeitig eine Brücke zwischen Ariosophen und Theosophen schlug. Ab 1903 verband er Elemente der Theosophie mit germanischer Mythologie. Im selben Jahr veröffentlichte er einen Aufsatz mit dem Titel „Die esoterische Bedeutung religiöser Symbole“ in der theosophischen Zeitschrift Die Gnosis. Darin griff er erstmalig fernöstliche Vorstellungen von Reinkarnation und Karma auf und postulierte eine altarische Sexualreligion. Sein Weltbild garnierte er schließlich noch mit seinen Wahnideen von Rassenhygiene und Eugenik.

Guido List

Guido List

Die Verbindung von Rassismus, einem verfälschten Ariertum und Reinkarnation sollte später auch den Reichsführer SS Heinrich Himmler begeistern. Guido List kann also als wichtigster Wegbereiter des Naziokkultismus gesehen werden. Aus der 1908 in Wien gegründeten und nach ihm benannten Guido-von-List-Gesellschaft, der auch einige Wiener Theosophen angehörten, ging zudem der Germanen-Orden hervor. Aus diesem entstand wiederum die Thule-Gesellschaft, welche die NSDAP gründete und steuerte. List erlebte sogar noch die Entstehung dieses Monstrums und glaubte, aus dem Edda-Lied Völuspá die Ankunft eines großen germanischen Führers herauszulesen.

Eine weitere Hinterlassenschaft Lists war das Armanen-Furthark, von welchem die Nazis großzügigen Gebrauch machten. Der ganze Runenkult, angefangen bei der SS, geht auf dieses völlig falsch interpretierte Runenalphabet zurück. Ebenso hatte Lists Auffassung von den Armanen nichts mit historischen Tatsachen zu tun, wobei schon der Begriff nur eine germanisierte Form der Herminonenstämme darstellte.

In den drei Stämmen der Teutonen glaubte Guido List lediglich drei Stände zu erkennen, von denen die Armanen die Priesterschaft gewesen seien. Diese Priesterschaft soll die Christianisierung überlebt und ausgerechnet in den Reihen der Tempelritter überdauert haben. Allein das ist schon ein Widerspruch in sich, denn die Templer waren Christen und keine Heiden. Nach dem Untergang der Templer sollen die Armanen unter den Kabbalisten und Rosenkreuzern weiterexistiert haben. Das geht nun in die Richtung Freimaurerei und tatsächlich übernahm List auch Begriffe aus selbiger und sein postulierter Armanen-Orden trug stark freimaurerische sowie rosenkreuzerische Züge.

Letzteres führte dazu, dass viele ariosophische Gruppierungen Ende der 1930er aufgelöst und einige ihrer Mitglieder Anfang der 1940er gar verfolgt und zur Zwangsarbeit verurteilt wurden. Ausgenommen davon blieb die Thule-Gesellschaft, welche selbst freimaurerisch-okkult war und sich für die Verfolgung anderer okkulter Gruppen verantwortlich zeichnete. Offensichtlich sollte damit jede Konkurrenz ausgeschaltet werden.

Dies zeigt auch das Beispiel des Neutemplers Karl Maria Willigut (1866-1946), welcher trotz seiner Zugehörigkeit zu den Ariosophen zu einem der wichtigsten Berater Heinrich Himmlers avancierte und Karriere in der SS machte. 1934 wurde er zum SS-Oberführer befördert und übernahm die Leitung des Archivs im Rasse- und Siedlungshauptamt. 1936 erfolgte dann die Ernennung zum SS-Brigadeführer. Außerdem arbeitete Willigut an der Umgestaltung der Weswelsburg bei Paderborn mit und entwarf den Totenkopfring der SS. Erst als er 1939 zunehmend durch Medikamenten- und Alkoholmissbrauch auffiel und seine Einweisung in eine Nervenklinik aufgrund einer paraphrenen Psychose im Jahr 1924 bekannt wurde, musste er die SS verlassen. Doch selbst danach holte sich Himmler noch häufig den astrologischen Rat des Ariosophen Willigut ein.

Nach der Kapitulation des 3. Reichs verbrüderten sich die Nazis wieder restlos mit den Ariosophen, was 1976 zur Neugründung des Germanen-Ordens führte. Die neuen Ariosophen arbeiten seither eng mit rechtsextremen Strukturen aus dem NPD-Umfeld zusammen. Eine enge Verbindung gibt es z.B. zur 1951 von Wilhelm Kusserow gegründeten „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“. Diese wurde von 1989 bis 2009 vom NPD-Politiker Jürgen Rieger (1946-2009) geleitet.

Ebenfalls 1976 wurde in Krefeld die Gylfiliten-Gilde gegründet, welche Adolf Hitler als Heiligen verehrt und sowohl das Judentum als auch das Christentum ablehnt. Darüber hinaus gibt es noch weitere ariosophische Gruppierungen wie den Bund der Goden und die Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas. Auch in den USA ist die Ariosophie unter rechtsextremen Neoheiden weit verbreitet.

Unter unpolitischen Neoheiden ist die rassistische Fehlinterpretation der altgermanischen Kultur durch die Ariosophen dagegen vollkommen zu recht verhasst. Zum einen, weil die Ariosophie historisch vollkommener Unsinn ist, zu anderem, weil ihre verdorbenen Früchte zu einem der größten Genozide der Neuzeit geführt haben. Dies ist weder im Sinne der alten Germanen, noch im Sinne der echten Arier, welche mit ihrer persisch-indischen Abstammung nicht wirklich ins rassistische Weltbild der Ariosophen passen.

2 Kommentare zu “Die Ariosophen – Okkulter Rassismus

  1. Sehr interessant! So entdeckt man immer neue Seiten der Elite! Mann kann eh niemandem trauen.😉

    Ich habe eine sehr grobe Theorie entworfen und weil sie nirgendswo reinpasst, haue ich sie wenn’s geht hier raus.

    In London wurde der Brexit auf Plakaten als „Independence Day“ beworben. Also der 23. Juni. Ohne Verbindungen zum Sci-Fi-Klassiker wohlgemerkt! Am 23. Juni erschien dort aber auch der Film „Independence Day 2: Resurgence“. Die Poster zum Film zeigten London.

    Was verbindet man mit London? Wachsfiguren! Zufälligerweise tauchen nun 12 Personen in einem breiten Bett im neuen Video von Kanye West auf, der damit mal wieder auf Jesus anspielt und am Ende als einzige Person erwacht und in die Kamera schaut. Kim Kardashian ist Teil des Videos und bald auch in einem Video der Sängerin Fergie zu sehen, die es als einzige Künstlerin mit Kanye in Sachen Okkultismus in diesem Monat aufnehmen kann. Die Laken des Bettes im Kanye Video sind übrigens weiß!

    Was bedeutet dies? Wolken? Flugzeugabsturz? Terrorgefahr? Ein Hotel(bett) in London? 12 Tote in einem Hotel(bett)? Falscher Jesus. Falscher Jesus in den Wolken. Project Blue Beam? Man denke auch das Putins unterschiedliche Brillengläser auf dem Cover der „Economist“. (In den Händen der Rothschilds) Putin könnte als einäugiger Täuscher aus den Prophezeiungen des Islams auftreten. Wer weiß, was nun nach dem Brexit passiert?

    Habe es mit dieser Theorie über FB zu Filmdenken und in ein paar Blogs geschafft.

    Schönen Gruß von der Verschwörerfront,

    Conspiracytime/ ehemals Questionmark1 Blog

  2. Sehr interessant! Annie Lennox war allerdings auch so mega auffällig. Schade, „Sweet Dreams“ war mein Liebliengslied als ich irgendwie 5 war oder so.

    Checkt meinen Beitrag hisnichtlich Warnungen für London auf Filmdenken.de!

    Questionmark1/ Conspiracytime

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