Tschechen wählen sich eigenen Trump

Am 20. und 21. Oktober 2017 wurde in Tschechien das Abgeordnetenhaus neu gewählt. Gewinner war mit weitem Abstand die libertär-populistische Partei ANO (Aktion unzufriedener Bürger), welche 29,6% der Stimmen holte. Ihr Gründer und zukünftiger Präsident Tschechiens ist der Agrar- und Medienunternehmer Andrej Babiš, welcher ankündigte, „den Staat wie eine Firma lenken“ zu wollen. Das kann nichts Gutes für die Bevölkerung bedeuten, denn eine Firma ist auf Profitmaximierung ausgerichtet.

Wie schon im Falle von Donald Trump haben die Wähler einem Milliardär vertraut, in der irrigen Hoffnung, er würde ihre Interessen vertreten. Für jene, die Sozialabbau, Lohndumping und Massenverelendung toll finden, mag das sogar stimmen. Die Mehrheit hat sich jedoch wieder einmal mit plumpem Populismus ködern lassen, der sich wie immer gegen Flüchtlinge gerichtet hat. Kaum sagt einer „Grenzen dicht!“, hat er die Massen hinter sich.

Wen juckt es da schon, dass Babiš in seiner Funktion als ehemaliger Finanzminister seinen eigenen Agrarkonzern bevorzugt und Kleinbauern in die Abhängigkeit getrieben hat? Mit Korruption gewinnt schließlich auch die CSU in Bayern Wahlen. Wer es schafft, sich die eigenen Taschen zu füllen, wird in der spätkapitalistischen Gesellschaft als Gewinner gefeiert. Das ist wie beim Fußball. Da bekommen auch ein paar Sportler hunderte Millionen dafür, dass sie einen Ball treten. Doch statt das einmal in Relation zum Lohn-Leistungs-Verhältnis eines Fließbandarbeiters zu setzen, jubeln die Fließbandarbeiter den überbezahlten Balltretern zu als wären diese gottgleiche Wesen.

Babiš hat dabei gegenüber dem US-Präsidenten sogar noch einen Vorteil. Während Letzterer schon mal von den Massenmedien Schelte kassiert, ist Babiš selbst Besitzer eines Medienkonzerns, welcher drei Zeitungen verlegt. Im Gegensatz zur polnischen PIS, der ungarischen Fidesz oder der türkischen AKP muss er die Massenmedien also nicht erst gegen demokratische Widerstände ideologisch säubern, sondern braucht sie einfach nur aufzukaufen.

Seinen Erfolg verdankt er neben der Propaganda vor allem den hohen Verlusten der Sozialisten und Kommunisten. Die Sozialisten, welche vergleichbar mit der deutschen SPD sind, waren bei der letzten Parlamentswahl 2013 noch stärkste Kraft. Nun haben sie über 13% verloren und landeten mit 7,3% nur noch auf Platz 6. Aber das haben die Sozen genau wie in Deutschland verdient.

Die Kommunisten waren 2013 indes noch drittstärkste Kraft und büßten diesmal fast die Hälfte ihrer Stimmen ein. Sie landeten mit 7,8% knapp vor den Sozialdemokraten. Interessanterweise war ausgerechnet Andrej Babiš von 1980 bis zum Mauerfall selbst Mitglied der Kommunistischen Partei und es wurde der Vorwurf gegen ihn erhoben, damals unter dem Decknamen „Bureš“ mit der tschechoslowakischen Staatssicherheit kollaboriert zu haben. Wenn er das erste Mal mit IM „Erika“ zusammentrifft, kann er also nicht nur über die neoliberale Zukunft Europas, sondern auch über alte Zeiten plaudern.

Heutzutage treibt sich Andrej Babiš scheinbar eher im Umfeld der Logen herum. Er hat also einflussreiche Verbündete, die ihre schützenden Hände über seine politische Vergangenheit halten werden, und da er wie bereits erwähnt einen Teil der tschechischen Medien kontrolliert, wird weder darüber noch über seine aktuellen Machenschaften viel berichtet werden.

Eindeutig ein Freimaurerhandschlag.

Neben der ANO gibt es nur noch drei weitere Gewinner der letzten Wahl, von denen zwei nicht viel besser sind. Auf dem zweiten Platz landete die Liberal-Konservative Partei, welche mit 11,3% ein ähnliches Ergebnis erzielte wie hierzulande die FDP. Scheinbar gibt es auch in Tschechien immer mehr Millionäre. Der vierte Platz ging an die tschechische SPD, welche aber nix mit der deutschen SPD gemeinsam hat, sondern eher mit der AfD. Die Svoboda a přímá demokracie blieb mit 10,6% allerdings hinter dem Ergebnis der AfD bei der letzten Bundestagswahl zurück, was wohl vor allem daran lag, dass Andrej Babiš ebenfalls gegen Flüchtlinge hetzte.

Zusammenfassen lässt sich anhand der tschechischen Parlamentswahlen also sagen, dass Hetze + Korruption + obszöner Reichtum das neue Erfolgskonzept ist, um Wahlen zu gewinnen. Hat ja schließlich auch bei Trump funktioniert. Die Menschen wollen einfach betrogen werden, solange sie dabei nur eine Minderheit serviert bekommen, auf die sie ihren Hass projizieren können. Willkommen in der Matrix. Und wie es nun einmal allen ergeht, die Menschen über die Matrix aufzuklären versuchen, werden wir wieder Hasskommentare von denen ernten, die Teil dieser Matrix sind und es auch bleiben wollen.

Einen winzigen Lichtblick bieten die tschechischen Abgeordnetenhauswahlen schlussendlich aber doch noch. Die dortige Piratenpartei hatte mit einem Plus von 8,1% die zweitgrößten Zuwächse zu verbuchen und landete mit 10,8% auf Platz 3. Es ist uns zwar bewusst, dass es auch bei den Piraten genügend Kritikpunkte gibt, doch hier zeichnet sich dennoch ein Stimmungsbild gerade bei den jungen Wählern ab. Das macht Hoffnung, denn es zeigt, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung sich durchaus nach Veränderung sehnt und die Gegebenheiten kritisch hinterfragt. Insbesondere wenn es um den orwellschen Überwachungsstaat geht, den die Piraten immerhin kategorisch ablehnen.

Die deutschen Piraten können von solchen Ergebnissen selbstverständlich nur träumen. Hierzulande verbindet die Mehrheit der Bevölkerung totale Überwachung immer noch mit einem wohligen Gefühl der Sicherheit und im Bundestag hält einzig die Linksfraktion dem Kontrollwahn noch etwas entgegen. In dieser Hinsicht können die Deutschen vielleicht doch etwas von zumindest 10,8% der Tschechen lernen.

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2 Kommentare zu “Tschechen wählen sich eigenen Trump

  1. Vermutlich haben die Massen auch gar keine Veränderung verdient. Oder der Masse geht es scheinbar doch zu gut. Oder die „wahre“ Masse geht einfach nicht wählen, was man durchaus nachvollziehen kann.

    Wieso wählen wenn man Herrschaft ablehnt?
    Sicher wäre es vermutlich fatal jetzt von heute auf morgen die Staaten abzuschaffen, aber so ein Staatsapparat lässt sich nur durch Gewalt aufrecht erhalten. Kann es das sein? Ich finde eure Arbeit hier klasse, nur bezweifle ich, dass man zuviel Hoffnung in Politik legen sollte. Aber vermutlich verlange ich auch zuviel, die Masse will ja nicht mal sehen, dass das Finanzsystem total krank ist und Armut im Kapitalismus vorprogrammiert ist. Und das Ganze geplant und hausgemacht ist. Wie will man solche Zombie-Sklaven davon überzeugen, dass ein gutes Leben ohne Staat und Herrschaft möglich ist?

    Aber trotzdem danke für den Artikel. Schön, dass es doch noch ein paar Leute gibt, die genauso wenig wie ich nachvollziehen können, was mit den Menschen hier los ist… Das gibt immer wieder ein wenig Kraft nicht komplett zu resignieren.

    Genau das Fußball-Beispiel trifft schon sehr gut, wie dämlich ein Großteil des Volkes ist.

    „Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen…“ Zitat von Schiller, den ich aber keineswegs als Weltverbesserer sehe. Nur irgendwie hat er schon Recht.

    Glaubt ihr, dass aus dieser gesamten Weltverschwörungsgeschichte vielleicht doch etwas Gutes noch entstehen kann?

    Ist es möglich, das die ersten „Weltvertschwörer“ schon noble Absichten hatten, weil die Mehrheit der Menschen schon immer dämlich war und man mit der Wahrheit und dem Appell an Vernunft nichts erreichen konnte?

    Ist es möglich, dass es dann einfach „außer Kontrolle“ geriet und die „falschen“ Leute Machtpositionen ergatterten?

    Das sind so Fragen, die sich mir immer wieder aufdränge,n wenn ich die endlose Ignoranz der großen Masse der Menschheit betrachte.

    Wie seht ihr das?

    Und was haltet ihr von Mark Passio? Echter Aufklärer oder Chaos Agent?

    Ich freu mich schon auf eure Antwort. 🙂
    MFG

    • Um Deine Fragen zu beantworten:

      Nein, aus dieser Verschwörung kann nichts Gutes entstehen. Bereits ihre Intentionen sind negativ und wenn etwas auf den ersten Blick zu schön erscheint, um wahr zu sein, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eineTäuschung. (Siehe Venus-Projekt…)

      Was die noblen Absichten angeht, gab es immer wieder Gruppen, die diese durchaus hatten, aber entweder gescheitert sind oder infiltriert wurden. Mit Sicherheit gab und gibt es auch einzelne Freimaurer, die auf die Propaganda hereingefallen sind und glaubten, in den Logen etwas Positives bewirken zu können. Bakunin war so ein Fall, der ja auch offen zugegeben hat, dass er nur die finanziellen Mittel der Freimaurer anzapfen wollte, in der Sache aber gescheitert ist.

      Was Mark Passio angeht, haben wir uns überhaupt noch nicht mit dem beschäftigt. Von daher müssen wir uns erst noch ein Bild machen, bevor wir uns dazu äußern können.

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