Chemnitz und der braune Mob

von Shinzon

Kaum ein Ereignis hat Deutschland 2018 so sehr gespalten, wie die Ereignisse in Chemnitz. Und das ist von mehreren Seiten durchaus so gewollt. Auf der einen Seite werden Sachverhalte übertrieben dargestellt, auf der anderen werden Nazis verharmlost. An der Wahrheit sind dabei viele überhaupt nicht mehr interessiert.

Zunächst einmal verdient der Anlass der gesamten Ereigniskette eine nähere Betrachtung. Dies war der Tod des 35jährigen Daniel H., der am 26. August bei einer Auseinandersetzung auf einem Stadtfest erstochen wurde. Die Täter waren Asylsuchende, darunter der Syrer Alaa S. und der Iraker Farhad Ramazan R., die beide verhaftet wurden. Ein dritter Iraker wurde zwischenzeitlich aus der Haft entlassen, da es keine konkreten Beweise für seine Mittäterschaft gab, es wird allerdings weiter gegen ihn ermittelt.

Für sämtliche rechten Volksverhetzer von der AfD über Pegida bis hin zu ultrarechtsextremen Kleinparteien, Kameradschaften und Hooligans war dieser Umstand natürlich ein gefundenes Fressen. Für sie ist es der ultimative Beweis, dass Flüchtlinge allesamt Kriminelle sind, die nichts Besseres zu tun haben, als Deutsche abzustechen. Dabei ist der Vorfall in Chemnitz einer der wenigen, den sich die rechten Demagogen nicht aus den Fingern gesaugt haben.

Üblicherweise verbreitet nämlich vor allem die AfD Fake News oder verzerrt die Wahrheit zumindest, bis sie in ihr Weltbild passt. Von über 564 Fällen, welche die AfD als Beweise für eine angebliche „Messermigration“ anführt, sind 87% Falschmeldungen. Bei 310 Fällen handelt es sich gar nicht um Messerattacken und bei 178 Fällen fehlt eine Angabe über die Herkunft der Täter. Damit bleiben nur noch eine Handvoll Angriffe, die tatsächlich auf Flüchtlinge oder Migranten zurückgeführt werden können.

Quelle

Vollkommen ignoriert werden dagegen Messerstechereien, bei denen die Täter Deutsche sind. So wurde am Ostermontag des Jahres 2005 in der Dortmunder U-Bahn der Punk Thomas Schulz vom stadtbekannten Neonazi Sven Kahlin erstochen. Einen Trauermarsch gab es damals nicht, wohl aber höhnische Plakate und Kommentare aus der rechtsextremen Szene. Deren Stiefeltreter riefen u.a. auf ihren Demonstrationen Parolen wie „Thomas Schulz, das war Sport!“ Welch unglaubliches Mitgefühl für einen ermordeten deutschen Familienvater!

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In Chemnitz liegt der Fall nun anders und zwar sowohl was die Täter als auch das Opfer betrifft. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich nämlich nicht um den Mord an einem Biodeutschen. Mal davon abgesehen, dass es sich rein rechtlich um einen Totschlag handelt, war das Opfer Daniel H. Halbkubaner, hatte also einen familiären Migrationshintergrund. Darüber hinaus war er politisch links und überzeugter Antifaschist. Damit erfüllte er gleich drei Kriterien, die ihn zur Zielscheibe von Rechtsextremisten gemacht haben. Tatsächlich hatte Daniel H. Zeit seines Lebens sogar mehrfach Ärger mit genau dem Klientel, welches nun Betroffenheit heuchelt.

Gleiches gilt für zwei weitere Opfer der Messerattacke, die mit Verletzungen davongekommen sind. Bei ihnen handelt es sich um Russlanddeutsche. Inzwischen hat die AfD die Russlanddeutschen zwar als Zielgruppe für sich entdeckt, doch noch vor 10 Jahren wurde auf diese Migrantengruppe gespuckt. Seltsam, wie schnell sich die Dinge ändern können.

Jedenfalls sind sämtliche Opfer der Chemnitzer Messerattacke keine Biodeutschen gewesen und schon gar keine Anhänger irgendeiner rechten Gesinnung. Im Gegenteil wären sie bei den anschließenden Ausschreitungen wohl selbst zur Zielscheibe des braunen Mobs geworden, wenn sie nicht im Krankenhaus gelegen hätten bzw. in Daniels Fall zu diesem Zeitpunkt schon tot gewesen wären.

Und da wären wir schon bei den vermeintlichen Trauermärschen. Bereits am Abend der Bluttat gab es zwei Demonstrationen in Chemnitz. Eine eher kleine AfD-Demo mit rund 100 Teilnehmern verlief überwiegend friedlich. Zu einer weiteren Demo, zu der die Hooligangruppe Kaotic Chemnitz aufgerufen hatte, kamen indes ca. 800 Rechtsextreme und Reichsbürger, die den Hitlergruß zeigten und Parolen wie „Wir sind die Krieger, wir sind die Fans, Adolf Hitler, Hooligans“ skandierten. Ironischerweise versammelte sich diese offen rechtsextreme Truppe unter dem Karl-Marx-Denkmal.

Nicht nur das führte in der Folge dazu, dass Rechtspopulisten die krude These aufstellten, diese Demo sei eine Inszenierung des Verfassungsschutzes und diverser Antifagruppen gewesen, um alle Rechten in ein schlechtes Licht zu rücken. In ihren Augen sei es völlig abwegig, dass Faschisten den Hitlergruß zeigen und NS-verherrlichende Parolen grölen. Ja klar, und Wölfe würden niemals Schafe reißen. Wer das glaubt, setzt sich den Hut auch mit dem Hammer auf!

Als angeblicher Beweis dient ein Foto, welches eine Person mit Hitlergruß zeigt, auf deren Arm ein RAF-Tattoo zu sehen ist. Mal davon abgesehen, dass RAF in diesem Fall auch für etwas anderes stehen könnte, gibt es nicht wenige ehemalige Linksextremisten, die die Seite gewechselt haben. Bestes Beispiel ist der einstige RAF-Anwalt Horst Mahler, welcher heute ein strammer Rechtsextremist und Holocaustleugner ist. Das Foto beweist also gar nichts!

Ebenso sind V-Leute des Verfassungsschutzes mitnichten ein Indiz für eine Inszenierung. Viele überzeugte Rechtextremisten nehmen das Geld des Geheimdienstes gerne, um so ihre Strukturen zu finanzieren. Ein Paradebeispiel ist der einstige Thüringer NPD-Vorsitzende und verurteilte Kinderschänder Tino Brandt, der in den 1990ern 200.000 DM vom Verfassungsschutz erhalten hatte, um den rechtsextremen Thüringer Heimatschutz aufzubauen. Aus eben jenem ging später der NSU hervor, welcher ebenfalls tatkräftig vom Verfassungsschutz unterstützt wurde. Die Frage lautet also weniger, in weit die rechte Szene staatlich gelenkt ist, sondern wie weit rechts die staatlichen Behörden selbst stehen? Man denke dabei nur an den Hutbürger Maik G. aus Dresden, der sich als LKA-Mitarbeiter herausstellte.

Der Mob, der sich am 26. August unter dem Nischel versammelte, handelte zweifelsohne aus Überzeugung. Ebenso war klar, dass eine Horde von gewaltbereiten Hooligans nicht lange friedlich bleiben würde, zumal die Polizei mit der Spontandemo hoffnungslos überfordert war. In der Folge kam es zu den berüchtigten Hetzjagden, die von den Rechtspopulisten der AfD und Pegida vehement geleugnet werden. Nun, vielleicht ist Hetzjagden auch der falsche Begriff, da es nur ein Video gibt, welches einen kurzen Sprint einer Handvoll Rechtsextremer dokumentiert. Eine Fälschung, wie oft behauptet wird, ist dieses Video allerdings nicht.

Halten wir also fest, dass es zumindest eine kurze Jagd gab. Das war jedoch noch längst nicht alles, denn in jedem Fall gab es noch weitere Übergriffe. Insgesamt 30 Strafverfahren wegen Körperverletzung sprechen da eine deutliche Sprache und rechtfertigen das in den Medien gezeichnete Bild. Hinzu kommen diverse Sachbeschädigungen, darunter ein Steinwurf auf ein jüdisches Restaurant, und nicht zu vergessen die zahllosen Propagandadelikte, die ebenfalls 30 Strafverfahren nach sich gezogen haben. Daran gibt es nichts zu verharmlosen!

Wie ernst die Lage in und um Chemnitz wirklich ist, belegte darüber hinaus erst kürzlich die Aufdeckung einer rechten Terrorzelle, die Anschläge auf Ausländer und Andersdenkende geplant hatte. Offensichtlich war es das Ziel der Gruppe mit dem passenden Namen „Revolution Chemnitz“, einen Bürgerkrieg auszulösen. Der Generalbundesanwalt hat Ermittlungen einleiten und 6 Faschisten verhaften lassen, ein weiterer befand sich bereits in Polizeigewahrsam.

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Aggressiv ging es am Montag, den 27. August weiter. An diesem Tag fand der größte so genannte „Trauermarsch“ mit rund 6.000 Teilnehmern statt. Dieser wurde prompt von der „Ich bin kein Nazi, aber…“-Fraktion verteidigt. Es seien doch mehrheitlich „besorgte Bürger“ gewesen und man könnte ja nichts für die paar Neonazis am Rande. Friedlich und still soll alles abgelaufen sein, nur die Antifa hätte Stress gemacht.

Doch bei genauerer Betrachtung ist das vollkommener Bullshit! Die überwiegende Mehrheit der Demonstration bestand aus Rechtsextremisten, von denen nicht wenige bereits am Vorabend aus Thüringen angereist waren, wo ein Rechtsrockfestival in Mattstedt wegen einer abgesperrten Zufahrt ausgefallen war. Die Ereignisse in Chemnitz waren da der perfekte Anlass, um sich abzureagieren.

Zahlreiche Fotos belegen, dass in der ersten Reihe der Demo hunderte Plakate der Nazikleinpartei Der III. Weg hochgehalten wurden. Es gibt Videos, die zeigen, dass Parolen wie „Nationaler Sozialismus jetzt!“ und „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer!“ gebrüllt wurden. Wer als angeblich unbescholtener Bürger bei solchen Vorkommnissen nicht einschreitet und stattdessen brav weiter den Faschisten hinterher läuft, muss sich den Nazivorwurf sehr wohl gefallen lassen. Immerhin hätte man sich jeder Zeit von der Demo abspalten oder die Rechtsextremisten von der Polizei entfernen lassen können. Ersteres wäre bei der schieren Anzahl der Neonazis sicherlich einfacherer gewesen.

An den darauffolgenden Tagen kam es zu weiteren Demonstrationen, auf denen vermeintlich unpolitische Wutbürger Seite an Seite mit extremen Rechten marschierten. Auffällig dabei war auch der Schulterschluss zwischen AfD, Pegida und Identitären. Wer hätte gedacht, dass Lutz Bachmann und Bernd Höcke mal auf demselben Bild zu sehen sein werden?

AfD und Pegida Seite an Seite.

Ein weiteres pikantes Detail waren die weißen Rosen, die von den Promis der neuen Rechten getragen wurden. Die AfD hatte schon in der Vergangenheit Sophie Scholl für sich vereinnahmt, was eine absolute Frechheit darstellt. Wie kann sich ein Rechtsextremist, der eine 180°-Wende in der Erinnerungskultur fordert, nur mit dem Symbol einer antifaschistischen Widerstandsbewegung schmücken?! Das erinnert sehr an die Identitären, die sich ihre Aktionsformen ebenfalls von links abgeschaut haben, seien es nun Besetzungen von öffentlichen Gebäuden oder Flugblätter von irgendwo herunterstoßen, wie es einst Sophie Scholl getan hat. Sogar die Texte werden kopiert und auf völkischen Nationalismus umgeschrieben.

Kopiert wird aktuell natürlich auch der Vorwurf, bei den Demonstrationen in Chemnitz ginge es nicht um Trauer. Gemeint sind natürlich die Gegendemos der Antifa. Diese erheben aber gar nicht den Anspruch der Trauer. Ihnen geht es darum, sich den Nazis in den Weg zu stellen und ihre Heuchelei zu entlarven. Das ist absolut legitim.

Gleiches gilt für das Konzert unter dem Hashtag „Wir sind mehr“, welches am 3. September fast 70.000 Menschen in die Chemnitzer Innenstadt lockte. Der Anspruch, mehr zu sein, war damit schon mal erfüllt. Nur gaben sich die Rechten damit nicht geschlagen. Stattdessen übten sie massive Kritik an dem Konzert. Dabei wurde eine Fotomontage in Umlauf gebracht, die den Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet mit Hitlergruß zeigt. Sieht so der viel beschworene „Mut zur Wahrheit“ aus?

Der einzig wahre Vorwurf waren die vulgären Songtexte der Rapper von K.I.Z. Diese provozieren tatsächlich gerne mit sexistischen und brutalen Texten. Passagen wie „Ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiß ich sie mit Scheine, macht sie sich dann nackt, dann beschmeiß ich sie mit Steine“ mögen dabei vielleicht als zynische Kritik an der Doppelzüngigkeit islamistischer Männer gemeint sein. Immerhin sind die Bandmitglieder Maxim und Nico bereits als Spitzenkandidaten der Satirepartei DIE PARTEI in Berlin angetreten. Doch ohne entsprechenden Kontext sind solche Aussagen sehr missverständlich und in Chemnitz wirkten sie maximal unangebracht. Was K.I.Z dort abgezogen haben, war in der Tat höchst unsensibel.

Der Vorwurf, dass die rund 70.000 Konzertteilnehmer allesamt einen Sprung in der Schüssel hätten und möglicherweise sogar bereit wären, irgendetwas von dem leichtfertig dahin Gerappten in die Tat umzusetzen, ist jedoch an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Es geht hier nur um ein einzelnes Musikstück, wobei die Masse der Konzertbesucher ohnehin eher wegen den Toten Hosen gekommen war. Alternative Medien wie Nuoviso und Steinzeit TV haben sich mit ihrer Berichterstattung selbst ins Abseits geschossen und gießen Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten, denen sie sich laut eigenen Aussagen nicht zuordnen wollen.

Ein weit wichtigerer Kritikpunkt wäre dabei gewesen, dass die Toten Hosen und Co. mit ihrem Konzert reine Symbolpolitik betrieben haben. Der Millionär Campino wird sich mit Sicherheit nicht einem Chemnitzer Bündnis gegen Rechts anschließen und dieses durch sein fortlaufendes Engagement unterstützen. Darum müssen sich schon andere kümmern.

Eine weitere Kritik hat sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer verdient. Allerdings nicht, weil er sich für das Konzert bedankt hat, wie es von rechter Seite tönt. Dieser Dank ist ebenfalls nur Symbolpolitik, denn immerhin hatte der CDU-Politiker die Chemnitzer Heimspieler von Kraftklub wenige Monate zuvor noch eine „unmögliche linke Band“ genannt. Zu kritisieren ist viel mehr, dass die Union den Rechtsextremismus über 28 Jahre lang kleingeredet hat, obwohl sie zwischenzeitlich schon mit der NPD im Landtag zu kämpfen hatte.

Im Prinzip hat die CDU sich das Problem am rechten Rand sogar selbst herangezüchtet, als Bollwerk gegen alles Linke. Die Polizei setzte man lieber auf linke Störenfriede an, während sie mit Pegida bestens kooperiert und unliebsame Journalisten festgehalten hat. Ein Statement gegen Rechtsextremismus gibt es dagegen immer erst dann, wenn die Welt mal wieder auf Sachsen blickt und andere Länder Reisewarnungen aussprechen.

Angesichts dessen mutet es fast schon wie Realsatire an, wenn die Rechtspopulisten mit ihren Standardneusprech um sich werfen und von einem „linksgrünversifften Staat“ schwadronieren. Die werden sich spätestens dann selbst entlarven, wenn die AfD das erste Mal mit der CDU in Koalitionsverhandlungen geht. Gerade in Sachsen könnte das schon bald der Fall sein, wenn die AfD wirklich mit 25% zweitstärkste Kraft nach der Union werden sollte und damit andere Konstellationen unmöglich werden. Man kann nur hoffen, dass die Mehrheit der Wähler dann doch keinen Bock auf ein schwarzblauversifftes Sachsen hat. Noch haben sie es selbst in der Hand, das Vorurteil vom braunen Dunkeldeutschland zu entkräften und den von rechts angestrebten Bürgerkrieg zu verhindern.

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10 Kommentare zu “Chemnitz und der braune Mob

  1. das finde ich doch sehr eigenartig, daß „ZOmbieland“ auf der einen SEite Vieles über die FReimaurer enthüllt, aber hier auf der anderen SEite deren AUsführende unterstützt.

      • Meiner Meinung nach sind es die „BUnten“. welche die NWO vorantreiben. Noch scheint es so, daß lediglich die KOnservativen sich dem entgegenstellen.

        • Ja, genau. Zwar kann man auch da nicht ausschließen, das bestimmte Teile gelenkt sind, allen voran die Antideutschen. Alles in allem ist die politische Linke aber die größte Hürde für die NWO. Mehr Mitsprache, Datenschutz, Völkerfreundschaft und sozialer Ausgleich sind genau das Gegenteil von dem, was man braucht, wenn man einen diktatorischen Überwachungsstaat haben will, in dem sich die Völker zum Nutzen einer kleinen, reichen Elite die Köpfe einschlagen.

          Jede Wette, dass der Typ AfD wählt. Eine Partei, die gerade gegen die Ehe für alle klagt, obwohl ihre Fraktionsvorsitzende selbst in einer lesbischen Beziehung lebt. Daran zeigt sich deutlich, dass die Blauen anderen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben, während sie sich selbst nicht daran halten. Das ist NWO in Reinkultur!

  2. Guter Artikel!
    Wobei ich das mit Stoner bzw NuoVisoTV nicht ganz verstehe. Meintet ihr das eine Interview, wo er sagt er sei selbst DJ und hat da erlebt wie es Probleme mit Ausländern gab? Das halte ich für wahr. Denn die Kriminalität durch jugendliche Flüchtlinge fand oder findet ja in der Innenstadt am Stadthallenparl statt (da wo auch „seine“ Disko war).

    Ansonsten seh ich das auch so. Ich muss sagen ich bin auch kein Fan von KIZ und deren Texten, auch wenn sie halt künstlerisch gemeint sind, aber da fand ich das auch unpassend.

    Bei dem erstochenen Opfer bin ich mir nicht sicher, ob er wirklich direkt Antifaschist war, zumindest zuletzt auch noch und nicht nur als Jugendlicher oder so.
    Jedenfalls fand ich es seltsam, dass sich Freunde äußerten (die sich zumindest so bezeichneten und meinten sie hätten zuletzt auch mit ihm zu tun gehabt) irgendwie rechts eingestellt waren bzw. auch da mitgelaufen sind. Zumindest in manchen TV Beiträgen.

    Campino hat doch auch nen Bruder, der Insolvenzverwalter ist und eben aus reichen Kreisen stammt. Wobei man für seine Familie andererseits ja auch nichts kann bzw, nicht zwangsläufig was mit den anderen zu tun haben muss.

    Ich fürchte auch, dass auf so ein Ereignis hingearbeitet wurde, also dass Rechte eben sich besser kanalisieren können und zusammenschließen.
    Ja Chemnitz hatte in den 90ern ein starkes Naziproblem. Später nicht mehr, aber jetzt werden wieder Strukturen aufgebaut und generell viele sog. Aktivisten unterstützen die AfD und machen Fremdenfeindlichkeit salonfähig.

    Allerdings muss ich auch sagen, unsere Justiz ist schon mit schuld bzw. mit den allgemein zu laschen Strafen bei Gewalttaten.
    Oder auch, dass es Fakt ist, dass es zu Problemen kommt, wenn viele v.a. junge Männer aus Fluchtgebieten kommen, wo die Behörden und Integrationseinrichtungen überfordert sind, weil es unkoordiniert abläuft und so viele kamen.
    Hätte man ja vorher wissen können, aber nein es wurde nur gesagt „Wir schaffen das“ im Sinne von „Ihr macht das schon irgendwie“.
    Dass Menschen, die aus Kriegs- und Armutsgebieten kommen, brutal und gewalttätig werden können, ist auch nicht erstaunlich, bei dem was sie so erlebt haben.
    Und auch die teilweise frauenfeindlichere Sozialisation trägt dazu bei.
    Diese Sachen wurden meiner Meinung nach tatsächlich ignoriert oder nicht als Problem gesehen bzw. versucht herunter zu spielen. Dabei hätte man da einfach strenge Regeln aufstellen müssen und durchführen müssen für die Leute.
    Dass das Fakt ist wird meiner Meinung nach auch von manchen (so genannten) Linken ignoriert, was aber nicht zielführend ist.
    Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass z.B. die laxen Strafen vollzogen werden, um eben den Rechtsruck zu stärken. Menschen sind ja nicht blöd und wissen, dass manches eben zum Gegenteil führt, bei dem was sie (angeblich) eigentlich wollten.

    • Zunächst einmal zu Nuoviso. Da ging es uns nicht um die Erfahrungsberichte von Stoner, sondern um das Interview mit Robert Stein. Der hat das Konzert von „Wir sind mehr“ total gebasht wegen dem einen Lied von K.I.Z. Das fanden wir total überzogen, da ein krankes Lied von einer Band kein Maßstab für die gesamte Veranstaltung mit einem halben Dutzend Bands und fast 70.000 Teilnehmern sein sollte. Es wurde ja nicht mal was von den anderen Bands gezeigt, womit das Interview absolut einseitig und manipulativ war.

      Mit den Verfehlungen beim Thema Integration hast Du vollkommen recht. Es mangelte an Koordination und die Bundesregierung hat alles auf die ehrenamtlichen Helfer abgewälzt, die hoffnungslos überfordert waren. Gerade die Ehrenamtlichen werden aber von den Rechten attackiert, weil sie aufgrund ihrer Willkommenskultur verantwortlich gemacht werden. Das ist aber absolut falsch! Man sollte ihnen dankbar sein, weil es sonst noch weitaus schlimmer gekommen wäre!

      Regelrecht abartig wird es dann, wenn die rechtsextreme Intermettrolle in sozialen Netzwerken ehrenamtlichen Helferinnen wünschen, dass sie von Flüchtlingen vergewaltigt werden und wenn dann tatsächlich so etwas passiert, heucheln sie wiederum Betroffenheit. Als wäre das noch nicht verlogen genug, scheint es für die Rechten okay zu sein, wenn deutsche Männer Frauen vergewaltigen, wie es erst kürzlich wieder auf dem Münchner Oktoberfest geschehen ist. Da gibt es kein Bündnis „München ist überall!“

      Allgemein fehlt den Rechten von AfD bis NPD die Fähigkeit zum differenzierten Denken. Deutsche sind gleich die Guten, deshalb werden deren Verbrechen ignoriert. Wenn jedoch ein Ausländer ein Verbrechen geht, dann wird er gleich als Beleg dafür herangezogen, dass die anderen 7 Milliarden Menschen auf der Welt Abschaum sind. Dieser irrationale Glaube nimmt schon regelrecht religiöse Züge an, wobei rechte Parteien wie die AfD wie eine Sekte funktionieren. Sie haben ihre eigene Codesprache, genau wie $cientology, und Aussteiger werden gnadenlos verfolgt.

  3. Seltsam finde ich auch den Angriff auf das jüdische Restaurant zu der Zeit.
    Nicht dass ich das bezweifle (so wie ja so einige andere). Aber das Restaurant liegt in einer eher ruhigen Gegend wo nicht viel los ist.
    Was sollte das bringen mit den Vermummten?
    Nicht dass ich denke, es gibt keine Nazis oder es waren angeblich keine, aber ich denke , wie bei dem RAF-Tattoo-Typen: Es ist nicht unmöglich, dass eben auch Agent Provocateure eingesetzt werden.
    Auf beiden Seiten (in den 80ern gab es das bewiesenermaßen auch bei der linken Szene).

    Dass der Verfassungsschutz und andere Geheimdienste zu großen Teilen selbst aus Rechten bestehen, steht außer Frage.

    Aber dass unabhängig davon zusätzlich Provocateure und Aufheizer eingesetzt werden, um zu eskalieren, ist nun auch nicht unwahrscheinlich.

    • Was der Angriff auf das jüdische Restaurant bringen sollte? Hass ist selten rational, weshalb sich diese Frage nicht zufriedenstellend beantworten lässt.
      Ob es Agent Provokateure waren lässt sich nicht sagen. Wenn, dann wahrscheinlich nur ein Anheizer und bei den strunzdummen Faschos finden sich genug Mitläufer, die sie etwas aus Überzeugung mitmachen würden. Gleiches gilt für die Hitlergrüße, die ja definitiv von mehreren Kundgebungsteilnehmern gezeigt wurden. Wer von denen eventuell V-Mann sein könnte, ist unerheblich, da das nichts an der inneren Überzeugung dieser Leute ändert.

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