Libertär ist nicht gleich liberal

von Shinzon

In den alternativen Medien gibt es allerhand Leute, die sich selbst als „libertär“ bezeichnen. Die Auslegungen reichen dabei von freiheitlich bis neoliberal. Dementsprechend definieren sich sowohl Anarchisten als auch Kapitalisten als Libertäre. Das ist sehr konträr und daher ist es an der Zeit, den Begriff einmal näher zu analysieren, für was er steht und mit was er nicht verwechselt werden sollte.

Grundsätzlich muss erst einmal zwischen libertär und liberal unterschieden werden. Der Liberalismus ist dabei ein allgemeiner Freiheitsbegriff, der politisch keinem Lager zugeordnet werden kann. Gemeint ist vor allem die Freiheit des Individuums. Es geht also um Selbstverwirklichung.

Doch wie viel Freiheit ist gesund? Darf sich z.B. ein Serienmörder oder Kinderschänder frei entfalten? Folgt man dem Leitspruch des Okkultisten Aleister Crowley, bedeutet Freiheit: „Tu was du willst!“ Dies bedeutet jedoch, dass jeder frei sei, einem anderen die Freiheit zu nehmen. Daraus ergibt sich folgerichtig ein Widerspruch.

Weit vernünftiger und sozial verträglicher ist da der Spruch, der Immanuel Kant zugeschrieben wird: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Um dies zu regeln, gibt es Gesetze. Natürlich können Unrechtsregime auch Gesetze erlassen, die Freiheiten generell einschränken, darum soll es hier aber nicht gehen. Gemeint sind an dieser Stelle gesetzliche Standards, die z.B. dazu dienen, Verbraucher vor Abzocke, Arbeiter vor Ausbeutung oder die Umwelt vor ihrer Zerstörung zu bewahren.

Und genau da kommen die Libertären ins Spiel. Die sehen in solchen gesetzlichen Regelungen nämlich eine Einmischung des Staates in die freie Wirtschaft. Gerhard Schröder (SPD) kann in dieser Hinsicht als bisher libertärster Bundeskanzler gesehen werden, da er u.a. Hedge Fonds legalisiert und Europas größten Niedriglohnsektor möglich gemacht hat. Er könnte jedoch bald von Friedrich Merz (CDU) übertroffen werden, sollte dieser Mitarbeiter des Investmentkonzerns BlackRock tatsächlich nächster Bundeskanzler werden.

Die Freiheit des Marktes geht den Libertären über alles. Scheiß auf die Umwelt, wenn ein Lebensmittelkonzern gentechnisch veränderte Soja anbauen will, muss der Regenwald halt weg! Scheiß auf die Verbraucher, wenn sich mit geplanter Obsoleszenz und Weichmachern wie Quecksilber Gewinn erwirtschaften lässt, dann wachsen halt in Afrika die Müllberge und Kinder werden blöd im Kopf! Scheiß auf die Arbeiter, wenn die einen Betriebsrat gründen wollen, landen sie auf der Straße! Scheiß auf die ganzen Obdachlosen, Wohnungen sind zum Spekulieren da! Immerhin leben wir in einer „marktkonformen Demokratie“, wie Angela Merkel (CDU) unlängst feststellte.

So drastisch würden es die Libertären selbst natürlich nicht ausdrücken, denn das würde ihrem Ansehen schaden. Stattdessen verbreiten sie den Irrglauben, dass der Markt sich schon irgendwie selbst reguliert. Wenn die Verbraucher kein Mikroplastik in der Zahnpasta oder keinen Genmais im Popcorn haben wollen, müssen sie es ja schließlich nicht kaufen. Die Sache hat allerdings einen Haken, denn die Verbraucher sind oft nicht über solche Inhaltsstoffe informiert und eine Kennzeichnungspflicht lehnen die Libertären ab. Pflicht ist nämlich gleich Zwang und Zwang ist böse!

Gleiches gilt für den Zwang der Arbeitgeber, paritätisch in die Sozialversicherung und Rentenkasse einzahlen zu müssen. Alles was mit „Sozial“ beginnt, trägt schließlich den Wortstamm von „Sozialismus“ in sich und Sozialismus ist das erklärte Feindbild der Libertären. Die Kapitalisten scheißen auf das Allgemeinwohl und kontern mit dem Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht.“ Wozu also sollen Unternehmer überhaupt irgendetwas an den Staat und seine Institutionen abdrücken?

In der Tat lehnen die Libertären jede Form von Steuern als Zwangsabgaben an den Staat ab und schreien sofort „Enteignung“, wenn irgendwo das Wort „Vermögenssteuer“ in den Mund genommen wird. Sie ignorieren dabei völlig, dass der Staat davon im Gegenzug eine Infrastruktur finanziert, die auch von der Wirtschaft genutzt wird. Die produzierten Waren werden über steuerfinanzierte Straßen transportiert und ohne staatliche Schulen könnten die Arbeiter weder lesen, noch schreiben oder rechnen, wären also geistig arbeitsunfähig.

Die Lösung der Libertären lautet, die komplette Infrastruktur, das Bildungssystem und die öffentliche Daseinsvorsorge zu privatisieren. Mit anderen Worten, die Enteignung der Bevölkerung ist für die Libertären okay. Doch was passiert, wenn Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Sozialwohnungen nur noch dazu da sind, Profit abzuwerfen? Richtig, es wird alles kaputt gespart! Welche Konsequenzen das hat, zeigte erst im August 2018 der Einsturz einer privat betriebenen Autobahnbrücke in Genua, bei dem 42 Menschen starben.

Und das ist nur das krasseste Beispiel. Überall, wo Wohnungen privatisiert werden, steigen die Mieten, während die Wohnqualität abnimmt. Wo die Wasserversorgung privatisiert ist, schmeckt das Trinkwasser oft nach Chlor, weil dieser Giftstoff billiger ist als die Reparatur leckender Leitungen. Privaten Krankenhäusern geht es nicht um das Wohl der Patienten, sondern darum, die Betten möglichst schnell wieder frei zu bekommen. In privaten Pflegeheimen muss sich eine Pflegekraft für einen Hungerlohn um Dutzende Menschen kümmern, weil Einsparungen beim Personal die Rendite erhöhen.

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, aber es dürfte bereits klar sein, dass der Markt nichts regelt, außer den Profit und die Dividenden der Aktionäre. Dabei ist der Gewinn keineswegs ehrlich erwirtschaftet. Er ist bis auf wenige Ausnahmen das Produkt von Ausbeutung und Umweltzerstörung. Die Vermögenssteuer wäre daher auch keine Enteignung, sondern vielmehr die Rückführung gestohlener Lebensleistung von Arbeitern!

Es ist eben nicht ehrlich und gerecht, wenn sich Firmenvorstände Millionengehälter in die eigene Tasche stecken oder Börsenspekulanten sich an der Leistung anderer dumm und dämlich verdienen. Die Gewinne werden von den Arbeitern erwirtschaftet und nicht von den Kapitalisten! Diese sind nichts anderes als Parasiten, die andere für sich roboten lassen. Die Freiheit der Milliardäre ist die Lohnsklaverei für Milliarden Menschen!

Die Libertären vertreten einen absolut pervertierten, rein materialistischen Freiheitsbegriff, der allein der maßlosen Bereicherung einer kleinen Elite dient. Diese Elite betreibt Steuervermeidung wo es nur geht (Stichwort Amazon und Co.), während ihre Lohnsklaven die Aufstockung ihres Niedriglohns mit Hartz IV selbst finanzieren müssen. Einige Milliardäre überlegen sogar, schwimmende Städte in internationalen Gewässern zu bauen, um zukünftig gar keine Steuern mehr zahlen müssen, während diejenigen, die ihren Reichtum erwirtschaften, in Slums verrotten sollen.

Quelle

Da fragt man sich, warum sich libertäres Gedankengut auch in der einfachen Bevölkerung breitzumachen beginnt? Neben dem missverstandenen Freiheitsbegriff liegt dies vor allem an der geschickten Manipulation der Massen durch die Eliten. Zum einen erzählen diese den Menschen, dass es jeder von ihnen vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann und jeder seines Glückes Schmied sei. Wer einmal ein Jobcenter aufsuchen musste, weiß, was für ein Quatsch das ist!

Zum anderen wird permanent Angst vor einem angeblich bösen Sozialismus bzw. Kommunismus geschürt, der allen Menschen die Freiheit und Individualität rauben will. Für den Stalinismus, wie er in den ehemaligen Ostblockstaaten praktiziert wurde und heute immer noch in Nordkorea praktiziert wird, mag das sicherlich zutreffen. Doch von echtem Kommunismus waren und sind solche Diktaturen Lichtjahre weit entfernt. Um zu begreifen, was Kommunismus wirklich bedeutet, sollte man Karl Marx lesen. Für diesen war nämlich „die Freiheit des Einzelnen die Voraussetzung für die Freiheit aller“. Liberaler geht es kaum. Libertärer hingegen schon.

Für die Libertären ist nämlich alles mindestens Sozialismus, was auch nur annähernd nach Allgemeinwohl riecht. So z.B. die Gesundheitsreform von Barack Obama, der für einige schon als Inbegriff eines Kommunisten gilt. Das ist zwar an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, aber von den Libertären absolut ernst gemeint. Geht es nach ihnen, hätten weiterhin alle Geringverdiener, die sich keine Gesundheitsversorgung leisten können, gefälligst verrecken sollen, da die gesetzliche Krankenversicherung Zwang und damit schlimmer als der Tod sei.

Wer das schon als geisteskrank empfindet, sollte sich jetzt gut festhalten. Manche Libertäre behaupten nämlich sogar, wir würden gar nicht im Kapitalismus leben, sondern im Sozialismus. Als Beweise dafür werden u.a. die Verstaatlichungen von Pleitebanken herangezogen. Was da während der letzten großen Finanzkrise stattfand, war allerdings nichts anderes als die Vergesellschaftung privater Schulden, während man die öffentlichen Gewinne ganz schnell wieder privatisiert hat. Es ist schon mehr als tollkühn, diese Korruption als Sozialismus zu bezeichnen! Im Prinzip haben die Staaten – allen voran Deutschland – kriminelle Kapitalisten auf Kosten der Allgemeinheit vor ihrem selbstverschuldeten Ruin gerettet.

Es sollte nicht verwundern, dass die Libertären im Gegenzug Donald Trump feiern, der den Reichen – allen voran sich selbst – die Steuerlast erheblich erleichtert hat. In Deutschland finden sich die Libertären entsprechend im Dunstkreis der AfD sowie der marktradikalen Hayek-Gesellschaft.

Bekanntester Vertreter der deutschen Libertären ist Oliver Janich, der vor allem für die von ihm gegründete Partei der Vernunft Bekanntheit erlangte. Die Wahlerfolge blieben jedoch aus, da noch eine Partei, die den Sozialstaat ablehnt, nicht nur unvernünftig, sondern überflüssig ist. Inzwischen unterstützt er die AfD, da diese die nötige Durchsetzungskraft für marktradikale Forderungen hat. Er würde sich eigentlich ganz gut als festes Mitglied machen, da gegen ihn bereits wegen Börsenkursmanipulation ermittelt wurde. So viel zum Thema rechtmäßig angeeigneter Reichtum.

Ein absoluter Janich-Fan war lange Zeit Tilman Knechtel, der die YouTube-Kanäle Bürgerberg und TrauKeinemPromi betreibt. Was auf letzterem Kanal zum Thema okkulte Symbolik zu finden ist, kann man dabei durchaus weiterempfehlen. Wie auch auf diesem Blog werden die Bedeutungen von Zeichen und Gesten sowie die Verbindungen der Promis zu Geheimgesellschaften aufgedeckt. So weit so gut.

Kaum geht es jedoch um Politik, wird der haarsträubendste Unsinn behauptet. Knechtel impliziert eine kommunistische Weltverschwörung, der u.a. Banker wie die Rockefellers und Rothschilds angehören sollen. Das riecht schon fast „jüdisch-bolschewistischer Weltverschwörung“. Während er allerdings richtig erkannt hat, dass die Rothschilds eigentlich Satanisten sind, will er nicht wahr haben, dass sie auch Kapitalisten sind. Das was ihr Laufbursche Macron gerade in Frankreich durchsetzt, könnte nämlich nicht weiter von Sozialismus oder gar Kommunismus entfernt sein. Es ist der pure Raubtierkapitalismus, die Enteignung der Massen zugunsten einer kleinen Elite aus Investmentbankern.

Allerdings nicht, wenn es nach Knechtel geht. Die Hochfinanz und multinationale Konzerne befinden sich laut seinem Glaubensmodell allesamt in der Hand von Kommunisten, die von den Ideen eines Karl Marx geleitet werden. Nun wollte Marx aber eine klassenlose Gesellschaft, während aktuell die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Welch kognitive Dissonanz führt zu solch offensichtlichen Widersprüchen? Oder wird hier gezielt Desinformation betrieben? So nach dem Motto: Kommunismus ist Profitmaximierung, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit ist Stärke!

Das würde passen, denn weiterhin lehnt Tilman die Menschenrechte kategorisch ab, weil sie für ihn der Inbegriff einer Neuen Weltordnung sind. Es stimmt zwar, dass die Menschenrechte die Handschrift der Freimaurer tragen, doch sind es gerade die Mächtigen, die sie am häufigsten brechen. Knechtel würde ihnen gern dabei helfen, denn er spricht den Menschen sämtliche Grundrechte wie das auf Nahrung, Wasser, Obdach usw. ab. Als Libertärer möchte er all dies in privater Hand wissen und glaubt, die Menschen bräuchten ausschließlich das Recht am eigenen Körper, um wahrhaftig frei zu sein. Nur werden sie ihren Körper bzw. ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um sich das nackte Überleben leisten zu können, wodurch sie wiederum zu Sklaven werden.

Wer diese Widersprüche offenlegt, muss den Zorn des libertären Großinquisitors fürchten, denn mit politischen Gegnern verfährt Knechtel gnadenlos. So bezeichnete er u.a. Gregor Gysi als „minderwertig“ und die Rapper von K.I.Z als „Untermenschen“. Nun kann man ja Gysi durchaus zu recht kritisieren und was K.I.Z für gewöhnlich zusammentexten, ist unter aller Sau. Das rechtfertigt jedoch keinen Nazijargon! Laut Artikel 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar, auch die von Politikern und Gangsterrappern. Aber vielleicht ist das Grundgesetz in den Augen von Libertären auch nur so ein kommunistisches Unterdrückungspamphlet?

Auf dem Bürgerberg-Kanal hat er indes Sahra Wagenknecht am Rande einer Parteiveranstaltung einen stalinistischen Artikel von 1992 vorgeworfen, von dem sie sich schon längst distanziert hatte. Mit ihren Antworten hat er sich nicht zufrieden gegeben, da sie nicht zur Untermauerung seines Weltbildes geeignet waren. Stattdessen hat er sich mit der immer gleichen Frage nach vorne gedrängelt. Guter Journalismus sieht anders aus und setzt einen fairen Umgang miteinander voraus. Doch was LINKE-Politiker angeht, ist Knechtel ganz auf Markus Lanz-Niveau oder eher noch darunter.

Irrwitzigerweise reagierte sein einstiges Vorbild Oliver Janich weitaus ablehnender auf eine Interviewanfrage und schlussendlich mag auch Tilman keine spontanen Interviews. Die Kritik muss er sich wohl oder übel gefallen lassen.

Im Prinzip sind Janich und Knechtel allerdings nur die auffälligsten Libertären. Selbst sind sie weit von denen entfernt, die wirklich von der Durchsetzung libertärer Politik profitieren. Die wahrhaft libertären heißen Donald Trump, Silvio Berlusconi und Andrej Babiš – allesamt Milliardäre, die als Staats- und Regierungschefs einzig ihre eigenen Interessen vertreten haben.

Alle anderen, die sich als libertär bezeichnen, sind entweder wirr oder verwechseln da was. So auch das Libertäre Kultur- und Aktionszentrum Schwarze Katze in Hamburg, welches ein Anlaufpunkt für Anarchisten ist. Wobei die Linksautonomen zumindest etwas mit den Marktradikalen gemeinsam haben, nämlich die Ablehnung des Staates. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf und ebenso sind die Intentionen von Grund auf verschieden.

Liberale können sich dagegen mit dem Staat arrangieren, sofern dieser die freiheitlichen Bürgerrechte nicht angreift. In diesem Punkt ist die FDP tatsächlich liberal, im Bereich Wirtschaft ist sie hingegen absolut neoliberal, was wieder etwas anderes bedeutet.

Insgesamt ist der Liberalismus indes eher links anzusiedeln, da der Bruch von gesellschaftlichen Konventionen die Voraussetzung für die Selbstverwirklichung aller Menschen ist. Seien es bunte Haare, Transgender oder die Ehe für alle – die Akzeptanz von Andersartigkeit findet man vor allem bei Linken. Die politische Rechte versucht dagegen mittels Zwang Konformität zu erreichen. Ein Beispiel ist die von der AfD geforderte deutsche Leitkultur, wie auch immer diese aussehen soll. Die Rechtspopulisten sind daher bestenfalls libertär, aber auf keinen Fall liberal!

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11 Kommentare zu “Libertär ist nicht gleich liberal

  1. Sehr schön. Hervorheben möchten ich indes noch, dass beide, Tillmann und Janich, das Zinssystem verteidigen… Für mich ist damit die Frage nach U-Booten beantwortet.

    Mein Problem mit dem Libertarismus ist, dass mit keinem Wort erklärt werden kann, wie denn eine rein privatrechtlich organisierte Gesellschaft nicht auch in (globalen) Faschismus abgleiten wird. Die puschen in meinen Augen eine alternative NWO rein auf der Schiene der Konzerne, ohne jegliche Staaten, Nationen und Grenzen (fällt euch etwas auf zu den aktuellen politischen Themen?). Privatrechtlicher, globaler Konzernfaschismus, NWO im Schnellzug.

  2. Jaja, der Kapitalismus ist böse und führt zu Verelendung und Umweltzerstörung. Stimmt, Umwelt und Lebensqualität waren damals in der DDR soooooo viel besser als drüben in der BRD, weiß ich noch genau [Sarkasmus aus]. Die Parole mit „Allgemeinwohl vor Einzelwohl“ kommt mir auch irgendwie bekannt vor, aber WIR sind ja die Nazis … Da hat jemand schlecht recherchiert, sonst wüßte der Verfasser daß im Libertarismus neben dem Recht auf materielles Eigentum auch das Recht auf Selbsteigentum (das am eigenen Körper und Leben) sowie das NAP (Nicht-Aggressions-Prinzip) zu den Grundannahmen gehören. Das schließt Mord und Totschlag sowie Vergewaltigung aus. Und da „wir“ auch für freies Waffenbesitzrecht sind werden solche Psychos sowieso schnell erschossen und sind weg. Als Alternativliteratur zu Karl Marx empfehle ich mal was von Roland Baader („Geldsozialismus“ und „Kreide für den Wolf“) und Oliver Janichs „Sicher ohne Staat“. Von den beiden Autoren war erstgenannter übrigens gläubiger Christ mit entsprechender Ethik was der widerlichen Unterstellung freiheitlich denkende Menschen seien Satanisten diametral entgegensteht. Libertäre Grüße!

    • 1. Die DDR war nicht sozialistisch, sondern hatte bestensfalls Ansätze. Die Wirtschaft war staatskapitalistisch!

      2. Ja toll, dass uns allen wenigstens unser Körper gehört. Mehr besitzen die meisten nämlich nicht, weil der Reichtum ungleich verteilt ist. Und wie bitteschön kann ein Mensch durch ehrliche Leistung zum Milliardär werden? Wenn Menschen wie Trump Milliarden erben oder durch Aktiengeschäfte absaugen, wo ist da das Leistungsprinzip? Die Kapitalisten leben wie Parasiten von der Arbeit anderer und tragen so gut wie nichts zur Gesellschaft bei!

      Sie nennen dieses raffgierige Pack Leistungsträger und behaupten, ein Mensch, der 40 Jahre lang hart gearbeitet hat und dann als Obdachloser Flaschen sammeln muss, sei selbst schuld. Das ist nicht nur falsch und unmenschlich, es widerspricht auch dem Prinzip der christlichen Nächstenliebe. Aber Ihr Prinzip der Nächstenliebe lautet ja, dass jeder sich selbst lieben soll, alle anderen sind Konkurrenz.

      3. Wenn jeder seines Glückes Schmied sei und jede Form von Gemeinwohl schädlicher Sozialismus wäre, was ist dann mit Babys? Babys kommen vermögensfrei zur Welt, sie leisten nichts, sie kosten nur und müssen rundum versorgt werden. Der libertären Logik zufolge sind Babys Parasiten und sollten sich selbst überlassen werden!

      4. Wir haben nirgendwo behauptet, dass Libertäre Satanisten sind. Im ersten Teil unseres Artikels geht es um die verschiedenen Auslegungen des Begriffes „liberal“, von denen Crowleys „Tu, was du willst“ nur eine von vielen ist. Im Pinzip fordern Libertäre dieses Prinzip allerdings tatsächlich für die Wirtschaft. Verschmutz die Umwelt, verkaufe alles was Profit abwirft, egal ob Gift oder Waffen, sei rücksichtslos und unmenschlich, es ist dein Recht, dir alles anzueignen. Wenn Sie das als christlich empfinden, sind Sie wohl auf einer Linie mit der Inquisition.

  3. Ich weiß nicht, ob ich in meinem ganzen Leben schon einen Text gelesen habe, in dem weniger stimmte und mehr hanebüchener Schwachsinn eines politisch vollkommen ahnungslosen, ökonomischen Analphabeten stand.
    Ein Großteil der Sätze ist derartige Grütze, dass „falsch“ noch ein Euphemismus wäre.

    Der Autor hat keine Ahnung von Anarchie, keine von Kapitalismus, keine von Liberalismus, keine von Kommunismus, keine von Freiheit, keine von den Intentionen Libertärer und so könnte ich ewig weitermachen. Er kennt von nichts von alldem, über das er da schreibt, die tatsächliche Bedeutung und Funktionsweise, er kann substanzlose Phrasen nicht von echten Prinzipien unterscheiden…
    Der ganze Beitrag ist einfach unfassbarer Nonsense.

    • Wenn Sie uns vorwerfen, wir hätten von nichts eine Ahnung und würden nur Mist schreiben, hieße das im Umkehrschluss, dass sie Tilman Knechtels Aussagen, die Rockefellers seien Kommunisten und es gäbe keinen Kapitalismus auf der Welt, für richtig erachten würden. Doch Argumente bringen Sie dafür keine, nur plumpe Herabwürdigungen.

      Wir haben sehr wohl Marx gelesen und kennen auch den Unterschied zwischen Kommunismus und Stalinismus. Unseren Standpunkt haben wird zudem mit Marx-Zitaten unterstrichen. Was wir über die Äußerungen Knechtels geschieben haben, ist ebenfalls nicht falsch. Jeder kann die Interviews mit ihm bei Nuoviso oder seine eigenen Videos auf YouTube nachsehen. Also viel Spaß beim Widerlegen!

  4. „Insgesamt ist der Liberalismus indes eher links anzusiedeln, da der Bruch von gesellschaftlichen Konventionen die Voraussetzung für die Selbstverwirklichung aller Menschen ist.“

    Nein ist er nicht . Und was Libertarismus angeht, man kann auch vor dem Schreiben ein wenig einlesen z.B. was NAP bedeutet – wäre hilfreich zu kennen. Man kann es aber auch sein lassen, dann gibt es so einen Eintrag wie hier.

    Oder noch schlimmer wie das von einem Kommentator: „Der libertären Logik zufolge sind Babys Parasiten und sollten sich selbst überlassen werden!“

    Das hat einer genau nichts über Libertarismus gelesen und wenn doch gelesen irgendetwas verstanden. Und ja man könnte mal subjektive Wertung nachschlagen, dann käme man darauf wieso Libertäre darauf nicht kämen.

    Nach der Sicht des Autors sind Kinder wohl wichtige Stützen des Sozialstaates. Keine Kinder keine Sozialabgaben in der Zukunft, das ist wohl der Horror für diesen Autor…

    • Ob jemand Kinder haben möchte, ist jedem selbst überlassen. Das ist nämlich persönliche Freiheit. Und was den Sozialstaat angeht, wollen die Libertären diesen ja abschaffen! Also nix Kindergeld und wenn die Eltern arbeitslos sind, Pech gehabt!

      • Und kommt da noch was? Oder einfach nur ein Hänger Pech gehabt? Wer genau behindert denn die Eltern zu arbeiten? Verbieten Liberale oder Libertäre jemanden zu arbeiten?

        Und ja Entscheidung Pro/Gegen Kind ist eine subjektive und warum müssen die Eltern von Kindern für diejenigen aufkommen die meinen ohne zu recht zu kommen? Und warum müssen die Kinderlosen für’s Kindergeld aufkommen? Müssen weder die einen oder anderen im Liberalen/Libertären Spektrum.

        Und nun nehmen wir noch ein Zitat eines Liberalen zu Sozialstaat:
        „Ich bin erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Falls diese Sucht weiter um sich greift, schlittern wir in eine gesellschaftliche Ordnung, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat. Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich. Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein.“ (Erhard 1958)

        Soviel auch zu Liberale sind „links“ – sind Sie nicht. Wie gesagt man kann sich durchaus erkundigen was Liberalismus und Libertarismus meint. Und man kann sogar nachlesen wie problematisch gerade Erhard auch den Sozialstaat gesehen hat. Die Bücher dazu sind „Wohlstand für Alle“ und die Biographoe von Erhard.

        Wer also meint über Liberalismus schreiben zu müssen/könne/dürfen/sollen, sollte eine grobe Idee haben was er beinhaltet. Und das was er meint zu wissen durchaus auch mal in Frage zu stellen.

        • Es kann nicht jeder in vollem Umfang für sich selbst aufkommen. Was ist z.B. mit behinderten Menschen oder solchen, die aufgrund eines Unfalls arbeitsunfähig sind? Der libertären Logik zufolge sollten diese nicht unterstützt werden, weil sie nichts leisten und daher letztendlich lebensunwert sind. Das passt zu Knechtels Äußerungen über „Untermenschen“ und der ist ja bekanntlich ein bekennender Libertärer.

          Interessant wird es auch beim Thema Rente, da diese zum Sozialsystem gehört. Laut neoliberaler und libertärer Ansicht sollte jeder privat vorsorgen. Doch was ist mit all den Niedriglöhnern? Die sind wie immer selbst schuld, dass sie nicht reich geerbt haben und dürfen dann im Alter Flaschen sammeln!

          Es geht hier nicht darum, die Hand in die Tasche eines anderen zu stecken, was übrigens auch Kinder bei ihren Eltern sehr wohl machen! Es geht darum, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Das ist ein evolutionärer Vorteil, der uns in der Natur das Überleben gesichert hat. Einzelgängertum, wie es die Libertären fordern, wäre für Menschen in der Natur tödlich.

          Das Gemeinwohl hat letztendlich auch für die marktradikalen einen Nutzen. Ist für die Allgemeinheit gesorgt, wird der soziale Frieden gewahrt. Sobald sich jedoch Armut und Elend breit machen, wächst die Gefahr von Unruhen und steigt die Kriminalität. Das Resultat ist Unsicherheit bei den Reichen, die als einzige Lösung einen totalitären Polizei- und Überwachungsstaat fordern. Da ist der Staat dann übrigens wieder gern gesehen, wenn die Armen gegen die Reichen aufbegehren.

          Schlussendlich ist auch die aktuelle Flüchtlingskrise ein Produkt der Ausbeutung der Massen zugunsten einer elitären Minderheit. Die Afrikaner kommen nicht über das Mittelmeer, weil es ihnen in ihrer Heimat langweilig ist oder sie unsere Frauen vergewaltigen wollen, wie es Rechtspopulisten pauschal darstellen. Sie kommen, weil die reichen Industrienationen ihren Kontinent ausbeuten, die dort heimische Wirtschaft durch subventionierte Waren ausbooten und absolut nichts zurückgeben, außer Krieg und Waffenlieferungen an Despoten.

          Wer also hier die Hand in wessen Tasche hat, muss noch einmal genauer betrachtet werden. Libertäre jammern immer über den Sozialstaat, aber wenn sie sich über Aktienhandel an der Lebensleistung anderer bereichern, ohne selbst auch nur einen Finger zu rühren, nennen sie es ehrlich erworbenen Reichtum. Genau aus diesem Grund wird der Libertarismus immer nur eine Ideologie einer kleinen Elite bleiben und niemals die Massen begeistern!

          Ebenso wird er sich nie bei den geistig Aufgewachten durchsetzen. Der Libertarismus ist eine rein materielle Ideologie, die einzig Konkurrenzkampf predigt. Das ist das exakte Gegenteil einer spirituellen Sichtweise auf das Leben. Im Leben geht es jedoch nicht um den Erwerb des größtmöglichen Reichtums, sondern darum, für andere da zu sein! Es ist dabei übrigens wissenschaftlich nachgewiesen, dass unsere Hirne Glückshormone ausschütten, wenn wir anderen helfen.

  5. Ebenso wird er sich nie bei den geistig Aufgewachten durchsetzen. Der Libertarismus ist „eine rein materielle Ideologie, die einzig Konkurrenzkampf predigt.“

    Falsch den der Libertarismus ist für freie Entscheidungen. Es geht um freien und unbehinderten Handel und Handelt ist nun mal Kooperation und nicht Konkurrenzkampf. Es ist aber nun sehr klar, Sie wollen sich nicht erkundigen und ich habe keine Lust jemanden etwas über Liberalismus zu erklären wenn der nicht zuhören will.

    Nur um es noch mal klar zu stellen. Sie haben weder den Kern von LIberalismus erfasst noch dessen Erweiterung Libertarismus. Sollten Sie wirklich lernen wollen, empfehlen sich für sie die drei Bänder von Human Action oder dessen Vorläufer Nationalökonomie.

    Über Staat und dessen Eingriffen kann man man in Interventionsmus etwas nachlesen.

    Solange Sie hier mit Definitionen arbeiten die nicht mit der Realität zu tun haben, werde ich mich dazu nicht äußern

    Nicht wissen ist nicht schlimm, nicht wissen wollen ist das Problem und genau dann kommen solche halbgaren Pamphlete heraus, die so tun als könnten Sie LIberalismus diskreditieren. Weil man es ja „besser“ weiiß. Wissen Sie nicht.

    • „Es geht um freien und unbehinderten Handel“

      Richtig erkannt! Es geht nicht um freie Menschen, sondern ausschließlich um freie Märkte!

      “ ist nun mal Kooperation und nicht Konkurrenzkampf“

      Falsch! Kooperation gibt es nur in vor- und nachgelagerten Produktionsabschnitten. Also z.B. zwischen einer Erzmine und einem Stahlkonzern. Aber wo kooperieren z.B. Coca Cola und Pepsi? Oder schon mal was von feindlichen Übernahmen gehört?

      „ich habe keine Lust jemanden etwas über Liberalismus“

      Uns ging es doch aber um Libertarismus!

      „dessen Erweiterung Libertarismus“

      Wieder falsch! Sie implizieren, dass Freiheit nur in der Freiheit der Märkte gipfeln kann.

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