Die Flat Earth Society – Kreationistische Hirnwäsche

von Shinzon

Über das Internet breiten sich neben sinnvollen und wichtigen Informationen leider auch die gröbsten Dummheiten aus. Eine der krudesten Hirnlosigkeiten ist dabei mit Abstand die Behauptung, die Erde sei in Wahrheit flach. Dieser Irrglaube ist vor allem in den USA verbreitet, findet jedoch zunehmend Anhänger in Deutschland und Osteuropa. In der Regel sind diese christliche Kreationisten, aber auch nichtreligiöse Verschwörungstheoretiker fallen immer öfter auf solchen Unfug herein. Es wird also Zeit, diesem besorgniserregenden Trend mit Fakten entgegen zu wirken.

Fangen wir am besten beim Ursprung an. Interessanterweise stammt die Theorie der flachen Erde nicht etwa aus dem christlichen Mittelalter, wie oft behauptet wird. Im Gegenteil war die Kugelgestalt der Erde von der römisch-katholischen Kirche längst anerkannt und lediglich über ihren Platz im Universum wurde noch gestritten. Ebenso ging schon der griechische Astronom Ptolemäus, auf dessen geozentrisches Weltbild sich die Kirche berief, von der Kugelgestalt der Erde aus.

Die Vorstellung der flachen Erde ist weitaus älter und war in antiken Kulturen wie der Mesopotamiens verbreitet. Zuletzt wurde sie von frühen griechischen Philosophen wie Anaximander und Hekataios vertreten. In dieser grauen Vorzeit hatte die Menschheit noch nicht den Wissensstand, den wir heute haben. Von daher ist es eine schlechte Idee, sich auf die Irrtümer primitiver Kulturen zu berufen, die noch nicht einmal die gesamte Welt kannten.

Eine ebenso schlechte Idee ist es, sich auf die Bibel zu stützen, wie es die kreationistischen Flacherdler gerne tun. Diese beinhaltet nämlich sehr widersprüchliche Angaben über die Gestalt der Erde. So herrscht im Alten Testament zwar teilweise noch das mesopotamische Weltbild vor, doch bereits im Buch Hiob ist unmissverständlich vom „Erdenrund“ die Rede. Damit stellt sich die vermeintlich wichtigste Quelle der Flacherdler gegen selbige.

Nun sollte man meinen, das Thema hätte sich damit erledigt, denn welche Quellen bleiben noch, wenn die heilige Schrift die Kugelgestalt der Erde unterstützt? Tatsächlich gibt es da nur die Werke des Briten Samuel Rowbotham (1816-1884), beginnend mit einem 16-seitigen Pamphlet aus dem Jahre 1849, welches einige sehr frei interpretierte Bibelpassagen enthält.

1865 erweiterte Rowbotham, der unter dem Pseudonym Parallax veröffentlichte, seine kruden Behauptungen auf ein 221-seitiges Buch mit dem Titel „Zetetic Astronomy: Earth Not a Globe“, welches in einer späteren Auflage von 1881 auf 430 Seiten anwuchs. In diesem Werk wurden u.a. Behauptungen aufgestellt, dass die Erde eine Scheibe mit dem Nordpol im Zentrum sei und die Sonne sich weniger als 4.000 Meilen über London befände. Natürlich beruht nichts davon auf wissenschaftlicher Nachforschung. Samuel Rowbotham, der bereits mit 9 Jahren die Schule abgebrochen hatte, saugte sich schlichtweg alles aus den Fingern und hat seine Phantasien anschließend als Wahrheit verkauft.

Die unseriösen Ideen des Samuel Rowbotham wären sicherlich längst vergessen worden, wenn seine Anhänger nicht die Universal Zetetic Society gegründet hätten, die weiterhin die Zeitschrift „The Earth Not a Globe Review“ herausgab. 1956 ging aus diesem Verein die Flat Earth Society hervor, die seitdem eine maßgebliche Triebfeder für die Verbreitung von Rowbothams Wahnvorstellungen ist.

Darüber hinaus wurden Rowbothams Ideen auch von der 1895 gegründeten Christian Catholic Apostolic Church übernommen und fanden so schon frühzeitig ihren Weg in die USA. Dank dem Vormarsch des Kreationismus sind die USA heute das Zentrum der flachen Erde. Die Flat Earth Society ist indes rund um den Globus vertreten, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Überhaupt könnte man glauben, dass die Theorie der flachen Erde im Zeitalter des globalen Reiseverkehrs nur als Satire gemeint sein kann. Dem ist leider nicht so und Flacherdler lassen auch nicht mit sich diskutieren. Sie ignorieren konsequent alle Beweise für die Kugelgestalt der Erde und sind keinen logischen Schlussfolgerungen zugänglich.

Zeigt man ihnen Satellitenbilder oder Aufnahmen der bemannten Raumfahrt, welche die Erde in ihrer Gänze zeigen, lehnen sie diese als angebliche Fälschungen ab. Lässt man selbst einen Wetterballon mit einer Kamera aufsteigen, um die Wölbung der Erde zu fotografieren, begründen die Flacherdler diese mit dem Fischaugeneffekt. Dass man für diesen Effekt auch ein extra Fischaugenobjektiv benötigt, geschenkt! Ja selbst das Auftauchen von Schiffen am Horizont, von denen man immer erst den Mast sieht, tun die Anhänger der flachen Erde als optische Täuschung ab.

Ein weiterer Beweis für die Kugelgestalt der Erde ist der Sonnenstand. Dieser ändert sich sowohl mit den Jahreszeiten als auch mit dem Abstand vom Äquator. Ersteres hat mit der Achsneigung der Erde zu tun und schon dieser Fakt bestätigt die Kugelgestalt der Erde. Mit dem unterschiedlichen Einfallwinkel des Sonnenlichts in Abhängigkeit zum Äquatorabstand lässt sich indes sogar der Erdumfang sehr präzise berechnen.

Die erste Messung wurde bereits im 3. Jahrhundert v.Z. durch Eratosthenes vorgenommen. Er wies nach, dass die Sonne, während sie in Syene (Südägypten) zur Sommersonnenwende mittags im Zenit stand, gleichzeitig in Alexandria 7° vom Zenit abwich. Mit dem Wissen um die ungefähre Entfernung beider Städte (ca. 850 km) konnte er den Erdumfang erstaunlich präzise berechnen. Inwieweit sie abweicht, lässt sich nicht genau sagen, da Eratosthenes‘ genaue Maßeinheit leider nicht überliefert ist. In jedem Falle hat er aber schon mehr als 2000 Jahre vor dem ersten Weltraumbild der Erde den Beweis für ihre Kugelgestalt erbracht.

Die Weltumseglungen von Ferdinand Magellan (1480-1521) und Francis Drake (1540-1596) im 16 Jahrhundert räumten schließlich die letzten Zweifel aus. Heute kann sich inzwischen jeder in ein Flugzeug setzen, die Welt umrunden und sich so selbst von der Kugelgestalt der Erde überzeugen. Ein Blick aus dem Flugzeug reicht dabei schon aus, um eine leichte Wölbung am Horizont zu erkennen.

Selbstverständlich haben die Flachschädel aber auch dafür eine Erklärung. Ihnen zufolge fliegen die Flugzeuge nämlich im Kreis, also einmal rund um den Nordpol im Zentrum der flachen Erde. Das hätte freilich schon einigen Piloten auffallen müssen, weshalb folgerichtig sämtliche Geräte wie der Bordkompass manipuliert sein müssen.

Wie aber erklären sich die Flachpfeifen, die unterschiedlichen Zeitzonen? Wenn die Erde flach wäre, müsste die Sonne überall zu gleichen Zeit auf- und untergehen. Dem ist aber nicht so! Wenn in Europa und Afrika Tag ist, herrscht auf der gegenüberliegenden Seite im Pazifik Nacht. Da wir inzwischen Echtzeitverbindungen rund um den Globus haben, kann dies jeder leicht mit einer Skype-Verbindung nachprüfen.

Doch welch Überraschung, die Flachzangen akzeptieren diesen Beweis ebenfalls nicht! Stattdessen behaupten sie, die Sonne kreise im Abstand von rund 4000 Meilen über der Erde einmal rund um den Nordpol. Allerdings würde das voraussetzen, dass sich ihr Licht wie ein Scheinwerferspot verhält, was definitiv nicht so ist. Außerdem müsste man die Sonne, wenn dieses Modell zuträfe, immer noch in der Ferne mit einem Fernglas ausmachen können. Denn wenn die Erde flach wäre, könnte die Sonne ja nirgendwohin verschwinden, außer hinter die Scheibe und dann wäre wiederum überall gleichzeitig Tag und Nacht.

Außerdem ist die Sonne viel weiter als 4.000 km von der Erde entfernt und damit auch viel größer. Anders ließen sich die Mond- und Venusphasen nicht erklären und diese kann jeder selbst nachvollziehen. Der Mond ist ein gutes Stichwort, denn bei ihm lassen sich nicht nur die Phasen mit bloßem Auge beobachten. Bei einer Mondfinsternis zeichnet sich außerdem der runde Erdschatten deutlich auf dem Mond ab. Doch halt, auch dafür haben die Flachköpfe eine Ausrede. Der Mond ist nämlich ein Hologramm! Dummerweise gibt es die Hologrammtechnologie noch nicht sehr lange, während der Mond und seine Phasen schon aus der Antike überliefert sind.

Des Weiteren erzeugt die Gravitation des Mondes die Gezeiten, die exakt mit dem Mond rund um die Erde laufen und damit ihre Kugelgestalt beweisen. Ein Hologramm hätte sicherlich nicht solche Auswirkungen. Was sagen die Flachhirne also dazu? Natürlich sind das nur Propagandalügen und die Gezeiten entstehen irgendwie anders. Vielleicht durch die Hand Gottes? Denkt euch was aus!

Nicht ausgedacht sind derweil die knallharten Fakten, welche die Astronomie liefert. So steht der Polarstern immer im Norden, während alle anderen Sterne über den Nachthimmel zu wandern scheinen, was natürlich an der Erdrotation liegt. Wer schon einmal den Sternenhimmel mit einer Langzeitbelichtung fotografiert hat, kann dieses scheinbare Kreisen ferner Sonnen um den Polarstern eindrucksvoll nachweisen.

Wäre die Erde nun eine Scheibe, müssten auch an ihren Rändern, also im Süden, alle Sterne um den Polarstern kreisen. Dem ist jedoch nicht so! Auf der Südhalbkugel ist der Polarstern nicht einmal zu sehen und die restlichen Sterne kreisen stattdessen um Sigma Octantis. Zudem sind Sternbilder wie das Kreuz des Südens und die Magellanschen Wolken ausschließlich auf der Südhalbkugel zu sehen, während nördliche Sternbilder nur auf der Nordhalbkugel zu sehen sind. Abhängig von der jahreszeitlichen Achsneigung wandern einige Sternbilder obendrein und sind von einem Standpunkt aus betrachtet nur zu bestimmten Zeiten sichtbar.

All diese Beobachtungen lassen nur den Schluss zu, dass die Erde eine Kugel ist, wenn auch keine perfekte. Das schöne dabei ist, dass jeder die Beobachtungen mit bloßem Auge machen kann. Die Anhänger der flachen Erde verweigern jedoch strikt, das Offensichtliche anzuerkennen. Stattdessen behaupten sie einfach, dass das Weltall eine Erfindung der NASA sei und gar nicht existiere. Einfach die Augen schließen und schon ist es weg!

„Wanderer am Weltrand“ von Camille Flammarion (1888)

Es ist wirklich egal, welches Argument man aufführt, Menschen ohne logisches Denkvermögen sind schlichtweg unfähig, rationale Informationen zu verarbeiten. Für die Flacherdler ist alles Lüge und Täuschung und überhaupt würde die Mehrheit der Weltbevölkerung nur das glauben, was in Lehrbüchern steht. Das liegt vielleicht daran, dass nicht alles, was in Lehrbüchern steht, eine Propagandalüge ist.

Ja, die herrschende Elite belügt uns, vor allem wenn es um Kriege, das Geldsystem und die aktuelle Tagespolitik geht. Doch warum werden wir belogen? Weil sich die Herrschenden dadurch einen Vorteil versprechen, allen voran die Durchsetzung ihrer Machtinteressen. Nun stellt sich die Frage, inwiefern es dem Machterhalt der Elite förderlich sein könnte, wenn sie uns über die Gestalt der Erde belügen würde? Wo läge da der Nutzen? Das wäre in etwa so, als würde die Herrschaftselite uns belügen, wenn sie sagt, dass wir Sauerstoff zum Atmen brauchen. Wer glaubt, dass das nicht stimmt, kann ja gerne mal die Luft für eine Stunde anhalten, dann wäre die Welt um ein paar Schwachköpfe erleichtert.

Es macht absolut keinen Sinn, uns bezüglich des Erscheinungsbildes unserer Welt zu belügen. Jeder kann die Kugelgestalt der Erde mittels eigener Nachforschungen erfassen und logisch begründen. Mit einem Teleskop kann zudem jeder die Kugelgestalt der anderen Planeten unseres Sonnensystems deutlich erkennen. Warum sollte die Erde in eklatanter Weise davon abweichen? Wirklich jeder braucht nur die Augen aufzumachen, um die Wahrheit zu sehen. Die Anhänger der flachen Erde schließen ihre Augen jedoch und meinen, sie so viel besser und klarer sehen zu können.

Einstein sagte einst, dass es nur zwei Dinge gibt, die grenzenlos sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum war sich Einstein allerdings nicht sicher, wohingegen für letzteres die Flacherdler den ultimativen Beweis darstellen. Denn wenn ihnen die Argumente ausgehen, wird aus einem Teleskop plötzlich eine Erfindung des Teufels, die uns Dinge sehen lässt, die gar nicht da sind. Und wer den Mars oder die Venus mit bloßen Augen erkennt, ist ebenfalls Opfer einer satanischen Sinnestäuschung.

Keine Behauptung ist zu blöde, um nicht von den Flachwichsern angeführt zu werden. Sie selbst bleiben der Welt dabei jeglichen Beweis für ihre Theorie der flachen Erde schuldig. Denn wenn die Erde wirklich flach wäre, hätte schon längst irgendwer ihren Rand entdeckt haben müssen. Im Prinzip müsste es sogar ausreichen, auf einen genügend hohen Berg zu klettern, dann müsste man den Rand mit einem ausreichend starken Teleskop sehen können. Dem ist aber nicht so!

Wie genau der Rand aussehen soll, darüber gibt es ebenfalls unterschiedliche Auffassungen. In der Antike glaubte man, die bekannte Welt sei von einem ringförmigen Ozean umgeben. Wäre dies der Fall, so wären die Weltmeere schon längst ins Nichts abgeflossen oder sie wären inzwischen „Wasser für die Elefanten“ aus den Scheibenwelt-Romanen von Tarry Pratchett.

Zumindest darüber hat sich die Flat Earth Society Gedanken gemacht und behauptet, dass die Antarktis einen Ring um die Erdscheibe bildet. Doch warum ist die Erde dann nicht nur am Rand, sondern auch im Mittelpunkt am kältesten? Bei den Polen einer runden Erde stellt sich diese Frage nicht. Gleiches gilt für die Entstehung der Erde. Wenn Materie sich zusammenklumpt, ist eine annähernde Kugelform nur logisch, da Gravitation in jede Richtung nach unten wirkt. Wie sollte jedoch eine Scheibe entstehen? Aber lassen wir das! Zum Glauben an die flache Erde gelangt man schließlich nicht durch Beweise oder logisches Denken, sondern einzig durch billige Youtube-Videos mit lächerlichen Animationen.

Bedauerlicherweise fühlen sich gerade Wahrheitssuchende zunehmend von solchen Beiträgen angesprochen. Das mag daran liegen, dass viele Protagonisten der Bewegung ihr Publikum mit völlig anderen Themen anlocken. Auf ein inhaltlich korrektes Video über den Zustand der Gesellschaft oder den Einfluss satanistischer Geheimbünde folgt immer öfter pure Desinformation, mit der die Wissenschaftsgemeinde pauschal diffamiert werden soll. Im Prinzip werden damit aber nur Wahrheitssuchende in die Irre geführt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Die Anhänger der flachen Erde stehen dabei wie keine andere Gruppe sinnbildlich für den geistigen Niedergang der Menschheit. Nicht einmal der Stuss, der rund um die Uhr auf RTL II läuft, kommt auch nur ansatzweise an die Blödheit der Flat Earth Society heran. Es stellt sich abschließend die Frage, ob es sich ebenso wie bei RTL II um einen gezielten Angriff auf die Gehirne handelt oder die Verfechter der flachen Erde selbst an den Bullshit glauben, den sie verbreiten?

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2 Kommentare zu “Die Flat Earth Society – Kreationistische Hirnwäsche

    • In dieser Zusammenstellung wird nix erklärt. Einfach nur eine Aneinanderreihung von Bildern. Auf die tatsächlich vorhandenen okkulten Symboliken wird dabei gar nicht eingegangen, während der angebliche Bezug zur flachen Erde völlig konstruiiert ist.

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