Akte X auf den Spuren der Satanisten

von Joe Doe

Die Serie „Akte X“ beschäftigt sich mit allerhand Mystery-Themen, angefangen bei UFOs über Kryptide bis hin zu Okkultismus. Was letzteres Thema angeht, sticht die Folge mit dem bezeichnenden Titel „Satan“ besonders heraus. Im Original heißt die 14. Episode der zweiten Staffel kurioserweise „Die Hand die verletzt“. Dies geht darauf zurück, dass im englischen O-Ton während eines okkulten Rituals zwei Sätze auf Deutsch gesprochen werden: „Sein ist die Hand, die verletzt. Sein ist der Ort, genannt Hölle.“

Das Ritual wird in einer fiktiven Kleinstadt in den USA von einem Eltern-Lehrer-Komitee zelebriert, dessen Logo eine Schlange und 10 Pentagramme enthält.

Im Prinzip besteht der gesamte Lehrkörper aus Satanisten und entsprechend lautet der Name der Schule Crowley High School. Dies ist ganz offiziell eine Anspielung auf Aleister Crowley.

Selbstverständlich hat die Schule auch einen Schachbrettboden, wenn auch etwas dezent.

Mulder und Scully ermitteln in Mordfällen an Schülern, die einen rituellen Charakter haben. Dabei kommt heraus, dass ein Mädchen in ihrer Kindheit von ihren Eltern und deren Freunden rituell missbraucht wurde. Bei den Beschreibungen haben die Autoren gründlich recherchiert, denn sowohl die roten Kellerwände als auch das Tragen von schwarzen und roten Kapuzen werden immer wieder von realen Opfern rituellen Missbrauchs geschildert.

Wäre es aber vielleicht auch möglich, dass die Autoren mit dieser Episode Insider-Informationen preisgegeben haben? Zumindest wimmelt es in ihren Biografien von weiteren hochgradig okkulten Werken. Glen Morgan und James Wong haben beide an der „Final Destination“-Reihe mitgewirkt, in welcher der Teufel allgegenwärtig ist, und Wong zeichnet sich darüber hinaus für mehrere Episoden der abartigen Horrorserie „American Horror Story“ sowie des Remakes von „Rosemary’s Baby“ verantwortlich.

Eine wahre Horror Story ist auch die „Akte X“ Episode „Satan“, in der die Morde allerdings nicht von den alteingesessenen Satanisten begangen werden. Diese finden am Ende gar selbst den Tod, weil sie ihre Religion vernachlässigt haben und der Vater des ermordeten Mädchens sogar ausgestiegen ist. Aussteiger haben im Satanismus bekanntlich nichts zu lachen, wobei dieser Herr ironischerweise von einer Schlange gefressen und binnen weniger Minuten bis zur Unkenntlichkeit verdaut wird.

Hinter den paranormalen Morden steckt die neue Lehrerin Phyllis Paddock, deren Nachname auf einen Dämon aus der ersten Szene von Shakespeare’s „Macbeth“ anspielt. Damit dürfte klar sein, dass Paddock kein menschliches Wesen ist und tatsächlich zeigt sie während einer rituellen Beschwörung ihre wahre Gestalt. Ihre geschlitzten Pupillen verraten ihre reptiloide Natur. Übrigens werden Reptilienaugen auch immer wieder von Opfern rituellen Missbrauchs beschrieben, wobei unklar ist, ob es sich tatsächlich um fremde Wesen oder bloß Kontaktlinsen handelt.

Bei den Agenten Mulder und Scully bedankt sich Paddock, indem sie den Spruch „It’s been nice working with you“ auf einer Tafel hinterlässt. Offiziell ist dies ein Abschiedsgruß der beiden Autoren Morgan und Wong, die allerdings später wieder für die Serie geschrieben haben. Mit dieser Episode wollten sie angeblich ausdrücken, dass man sich die Finger verbrennt, wenn man mit Feuer spielt. So beschwören die Jugendlichen Satan nur als Mutprobe und bezahlen dafür mit dem Leben.

Das wirkt allerdings etwas sehr drastisch und die satanistischen Lehrer bringt Paddock auch nicht etwa um, weil sie Satan beschworen haben, sondern weil sie es in den letzten Jahren eben nicht mehr getan haben. Das könnte man schon direkt als Drohung verstehen. Zumal die Folge damit endet, dass die Mörderin zweier unschuldiger Jugendlicher und einer Handvoll Aussteiger ungestraft davon kommt.

Die beiden Autoren dieses zweifelhaften Statements stecken auch hinter der ersten Vampir-Episode von „Akte X“. Die Folge „Drei“ stammt ebenfalls aus der zweiten Staffel und bietet einiges an Symbolik. Dort treiben die Blutsauger ihr Unwesen in einem Restaurant, welches nach dem ägyptischen Sonnengott Ra benannt ist.

In diesem Gebäude wird gerade ein nichtsahnendes Opfer von einer Vampirlady verführt. Für ein stimmungsvolles Ambiente sorgen pyramidenförmige Kerzen. Auch eine Art, die Spitze einer Pyramide zu illuminieren.

Andere Autoren haben ähnliche Symbolik verwendet, jedoch falsche Fährten gelegt. So geht es in der Episode „Energie“ aus der dritten Staffel nicht um einen Satanskult, obwohl alles danach aussieht. Einschließlich eines eingebrannten Ziegenkopfes auf der angekokelten Leiche eines Teenagers.

Passend dazu ist das Maskottchen der Schulmannschaft eine Ziege.

Schlussendlich findet sich sogar in der Tierkreisreklame einer Astrologin eine Ziege, obwohl dort eigentlich ein Widder hingehört. Aber wie gesagt ist das nicht das Einzige, was hier nicht stimmt. So steckt hinter den Morden eben kein Satanskult, sondern zwei fiese Mitschülerinnen mit telekinetischen Fähigkeiten.

Die Ziege mit den sieben Hörnern aus der Episode „Rückkehr der Seelen“ in der vierten Staffel passt derweil wieder sehr gut ins Bild. Immerhin geht es um eine Weltuntergangssekte, die an die Johannesoffenbarung glaubt und darin spielt das Biest nun mal die zentrale Rolle.

In der gleichen Staffel gibt es noch die Episode „Hexensabbat“. Diese stammt zwar aus der Feder von Valerie und Vivian Meyhew, als Berater fungierten aber wieder einmal Morgan und Wong. So verwundert es nicht, dass es abermals einige versteckte Hinweise gibt. Der Hexenmeister, der in dieser Episode Patienten einer Schönheitsklinik opfert, welche an den vier Hexensabbaten Geburtstag haben, wohnt beispielsweise in der Gardner Street 1953. Das ist eine offizielle Referenz an den Wicca-Gründer Gerald Gardner (1884–1964). Die Hausnummer könnte auf seinen 69 Geburtstag anspielen.

Im Haus des Hexers finden Mulder und Scully ein gigantisches Pentagramm auf dem Boden.

Ein weiteres befindet sich auf dem Konferenztisch des Krankenhausvorstandes.

Am ersten Tatort entdeckt Mulder ebenfalls ein Pentagramm, welches er mit dem Blut des ersten Opfers nachzeichnet. Ziemlich unprofessionell, einen Tatort derart zu verändern.

Wie sich herausstellt, hat das Pentagramm auf dem Boden eine Krankenschwester als Schutzzauber hingezeichnet. Offensichtlich hat der jedoch nicht funktioniert und auch das Setzen von fünf Blutegeln auf der nächsten Patientin verhindert nicht deren Ableben.

Am Haus von Schwester Rebecca Waite befindet sich ebenfalls ein aufrecht stehendes Pentagramm, welches sie als weiße Hexe identifiziert. Übrigens ist sie nach einer Freundin der Drehbuchautorinnen benannt. Ihr Name spielt also offiziell nicht auf die Schwester Rebecca an, die während der Salem-Prozesse 1692 unschuldig als Hexe hingerichtet wurde.

Gegen den schwarzen Hexenmeister hat sie allerdings keine Chance. Als sie einen auf Gräfin Bathory macht und ihm in seiner Wohnung in einem Blutbad auflauert, überwältigt er sie und tötet sie durch einen Schadenzauber.

Anschließend levitiert er eine Runde im Bett…

…und bringt am nächsten Tag das letzte Opfer um. Die Ritualmorde verübt er, um sich selbst zu verjüngen. Die Gesichtstransplantation nimmt er selbst an sich vor und entkommt so den FBI-Agenten. Mit einer neuen Identität bewirbt er sich bei einer anderen Schönheitsklinik als Chirurg. Wie bereits die Reptiloidentante Paddock kommt er ungestraft davon und darf weiter morden.

Neben der satanistisch-okkulten Symbolik gibt es weiterhin einiges an esoterischen Symbolen. In der Episode „Der Hellseher“ aus der dritten Staffel ist gleich zu Beginn die Hand mit Auge zu sehen. Zumindest leuchtet dies aber noch ein, da in dem Gebäude eine Wahrsagerin praktiziert, die aus Händen liest.

Tarotkarten dürfen in einer Episode über Hellseher natürlich ebenso wenig fehlen. Die Todeskarte ist dabei für den Wahrsager selbst bestimmt. Warum nur sehen die ganzen Zukunftspropheten ihren eigenen Tod nicht kommen?

Soweit passt die Symbolik noch zum Inhalt, weshalb sie nicht überinterpretiert werden sollte. Etwas expliziter ist da schon die Zimmernummer 66, hinter der sich ein Mord ereignet.

Auf die Spitze treibt es jedoch die Episode „Andere Wahrheiten“, in der eine Pyramide mit gleich drei Augen in allen drei Spitzen zu sehen ist.

Zum Glück sind nicht alle „Akte X“-Episoden dermaßen symbolbehaftet. Die wesentlich interessanteren Alien-Folgen, die einen durchgängigen Handlungsbogen ergeben, glänzen dafür aber durch jede Menge beängstigende Bezüge zum realen UFO-Phänomen, inklusive der Vertuschung durch das Militär und die Geheimdienste. Angeblich soll der Serienschöpfer Chris Carter dabei sogar von Insidern beraten worden sein. Doch das ist ein anderes Thema.

Ein Kommentar zu “Akte X auf den Spuren der Satanisten

  1. Als einer, der in seinen 20ern die Serie wie ein Süchtiger reingezogen hat, habe ich euren Artikel sehr genossen. Auch ich „wollte glauben“, an die Präsenz Ausserirdischer. Keine Ahnung hatte ich davon, dass Aliens auf Erden meistens dämonischer Natur sind, ich verweise auf die Arbeit von Tom Montalk, Eva Lorgen, dem späten Bill Cooper und anderen. Dabei hat Chris Carter ja eine überdeutliche Spur gelegt: Seine Serie war eine merkwürdige Mischung aus dem Übernatürlichen und dem Extraterrestrischen!

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