Die Anthroposophische Gesellschaft – Rudolf Steiners Esoteriktruppe

von Joe Doe

Der Begriff Anthroposophie setzt sich aus den beiden altgriechischen Wörtern ánthrōpos für „Mensch“ und sophίa für „Weisheit“ zusammen. Es handelt sich bei dieser esoterischen Strömung um eine Abspaltung von der Theosophie, welche von Rudolf Steiner begründet wurde.

Steiner wurde am 27. Februar 1861 in Donji Kraljevec (damals Kaisertum Österreich, heute Kroatien) geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Er behauptete, bereits als Kind hellsichtige Fähigkeiten gehabt zu haben und interessierte sich daher schon früh für Esoterik. Die heilige Geometrie hatte es ihm ebenfalls angetan. Nach seinem Realschulabschluss bekam er ein Stipendium, welches ihm erlaubte, von 1879 bis 1883 an der Technischen Hochschule von Wien Mathematik und Naturwissenschaften auf Lehramt zu studieren. In dieser Zeit knüpfte er Kontakt zum Freimaurer und Theosophen Friedrich Eckstein (1861-1939), welcher ihn mit den Lehren Helena Blavatskys (1831-1891) bekannt machte.

Mit Ablauf des Stipendiums gingen Steiner die finanziellen Mittel aus, weshalb er das Studium ohne Abschlussexamen beenden musste. Er siedelte daraufhin nach Deutschland über, wo sein Versuch einer Dissertation an der Universität Jena 1884 jedoch ebenfalls scheiterte. Sieben Jahre später reichte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock eine 48-seitige Schrift mit dem Titel „Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte’s Wissenschaftslehre: Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewußtseins mit sich selbst“ ein und promovierte in einer mündlichen Prüfung am 23. Oktober 1891 zum Doktor der Philosophie.

Nebenher interessierte sich Rudolf Steiner vor allem für Johann Wolfgang von Goethe und gab von 1882 bis 1897 dessen naturwissenschaftliche Schriften heraus. Nachdem er sich bis 1890 als Hauslehrer über Wasser hielt, wurde er als Goetheforscher an das Weimarer Archiv berufen. Sein Faible für den Freimaurer und Illuminaten Goethe sollte sich wie ein roter Faden durch Steiners gesamtes Lebenswerk ziehen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Rudolf Steiner auch engen Kontakt mit Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935), der Schwester des damals schon geistig umnachteten Friedrich Nietzsche (1844-1900). Er beschäftigte sich eingehender mit den Werken Nietzsches und traf diesen am 22. Januar 1896 auch persönlich. Nach einem Eklat um die Herausgeberschaft von Nietzsches Werken brach Steiner jedoch mit der Schwester und prangerte ihre zweifelhaften Machenschaften an. Mit ihren eigenwilligen Interpretationen der Werke ihres Bruders wurde Elisabeth Förster-Nietzsche zudem zu einer Vordenkerin der Nazibewegung.

Zu Steiners drittem wichtigen Einfluss sollte sich schließlich die inzwischen verstorbene Helena Blavatsky entwickeln. Kurz vor seinem Aufstieg in deren Theosophischer Gesellschaft heiratete Rudolf Steiner 1899 die verwitwete Anna Eunike (1853–1911), die er bereits aus Wien kannte. Als Student hatte er bei ihr und ihren fünf Kindern aus erster Ehe gewohnt, womit er sich sowohl privat als auch ideologisch wieder seinen Jugendjahren zuwandte.

Rudolf Steiner

Im September 1900 hielt er je einen Vortrag über Nietzsche und Goethe in der Theosophischen Bibliothek des Grafen Cay Lorenz von Brockdorff (1844-1921). Die Theosophen nahmen seine Vorträge derart positiv auf, dass er gleich noch eine 26-teilige Vortragsreihe mit dem Titel „Die Mystik“ anschloss, welche er bis April 1901 abhielt. Stand Steiner den Theosophen als Religionskritiker zunächst noch skeptisch gegenüber, konnte er nun dank ihnen gut von seinen Vorträgen leben.

1902 gründete sich eine deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, doch die deutschen Theosophen konnten sich auf keinen Vorsitzenden einigen. Als Kompromiss ernannten die Mitglieder schließlich Rudolf Steiner zum Generalsekretär. In dieser Funktion gab er auch die deutsche Ausgabe der theosophischen Zeitschrift „Lucifer Gnosis“ heraus. Zwei Jahre später erschien dann sein erstes Buch „Theosophie“, in dem er mit dem für Okkultisten üblichen Lehrer-Schüler-Verhältnis brach und sich für die selbstbestimmte Erkenntnisleistung aussprach.

Lucifer Gnosis

Steiner wich auch in einigen weiteren Punkten von den theosophischen Lehren ab. Zum einen sprach er dem Ego eine zentrale Bedeutung in der spirituellen Entwicklung zu, während das Ego in der Esoterik gemeinhin als zu überwindendes Übel gilt. Zum anderen weigerte sich Steiner, in Jesus einfach nur einen hoch entwickelten Menschen bzw. aufgestiegenen Meister zu sehen. Stattdessen betonte er die Einmaligkeit und Einzigartigkeit von Jesus.

Der Konflikt war also vorprogrammiert und verschärfte sich mit Steiners nächstem Buch. 1910 fasste er seine esoterischen Lehren in der Schrift „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ zusammen, welche sich hauptsächlich um abendländische Themen wie die christliche Hierarchienlehre drehte. Steiner nahm zwar auch viele fernöstliche Elemente der Theosophie in sein Weltbild auf, betrachtete Themen wie Reinkarnation und Karma jedoch aus einer wissenschaftlichen Perspektive.

In sich war Rudolf Steiner ein sehr widersprüchlicher Mensch, der Christentum, Okkultismus, wissenschaftlichen Rationalismus und das irrationale Rosenkreuzertum miteinander zu verbinden versuchte. Sogar dem sexualmagischen Ordo Templi Orientis gehörte er an. Über den OTO freundete sich Steiner mit Theodor Reuß (1855-1923) an, dessen Orden der alten Freimaurer vom Memphis- und Misraïm-Ritus er nicht nur angehörte, sondern ihn als Souveräner General-Großmeister von 1906 bis 1914 auch leitete.

Rudolf Steiner war damit in so ziemlich jeder bedeutenden Geheimgesellschaft dieser Zeit, doch in der Theosophischen Gesellschaft fühlte er sich zunehmend unwohl. Bereits 1907 zerstritt er sich mit Annie Besant (1847-1933), nachdem diese behauptete, die Mahatmas (Meister der Weisheit) wären am Totenbett von Blavatskys Nachfolger Henry Steel Olcott (1832-1907) erschienen und hätten sie als seine Nachfolgerin auserkoren. Hatte Steiner zuvor noch ein positives Verhältnis zu Besant, ging ihm die Machtergreifung der 33°-Freimaurerin definitiv zu weit.

Annie Besant mit den Freimaurerinsignien des 33. Grades.

Annie Besant mit den Freimaurerinsignien des 33. Grades.

Zunächst trennte er seine eigene esoterische Schule von der Theosophischen Gesellschaft, wodurch sich die deutschen Sektionen und Logen weiter von der Muttergesellschaft entfremdeten. Der endgültige Bruch kündigte sich an, nachdem einige führende Theosophen um Charles Webster Leadbeater (1847-1934) im Jahre 1911 den damals 16-Jährigen Jiddu Krishnamurti (1895-1986) als kommenden Weltlehrer Maitreya propagierten und ihn als Reinkarnation von Jesus verkauften. Steiner lehnte den Kult um Krishnamurti sowie dessen Order of the Star in the East ab und forderte Annie Besant zum Rücktritt auf. Selbstverständlich blieb sie Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft und setzte ihren Kurs weiter fort.

Rudolf Steiner gründete daraufhin am 28. Dezember 1912 in Köln seine eigene Anthroposophische Gesellschaft, zu der rund 2.500 deutsche Theosophen überliefen. Binnen eines Jahres kamen über 1.000 weitere Mitglieder hinzu. Es spielte also schon fast keine Rolle mehr, als die Theosophische Gesellschaft am 7. März 1913 ihre ehemals von Steiner geleitete deutsche Sektion offiziell auflöste. An ihre Stelle trat eine erneuerte deutsche Sektion unter Leitung von Wilhelm Hübbe-Schleide (1846-1916).

Privat ging Steiner ebenfalls neue Wege, indem er am 24. Dezember 1914 seine zweite Frau Marie von Siver (1867-1948) heiratete. Sie hatte bereits einige Hauptrollen in seinen Mysteriendramen gespielt, welche zwischen 1910 und 1913 in München uraufgeführt wurden. Wie er gehörte sie dem Ordo Templi Orientis und dem Memphis-Misraïm-Ritus an, welcher auch Frauen zugänglich war. Den Betrieb der Loge stellte Steiner jedoch im Jahr seiner Heirat ein, um sich gemeinsam mit Marie auf die Anthroposophie zu konzentrieren.

Marie Steiner war dabei vor allem an der Entwicklung der Eurythmie beteiligt, einer esoterischen Tanz- und Bewegungskunst, mit der sie sich schon seit 1907 beschäftigte. Außerdem leitete sie den 1908 von ihr gegründeten Philosophisch-Theosophischen Verlag ab 1913 unter dem Namen Philosophisch-Anthroposophischer Verlag weiter. 1923 verlegte sie ihren Verlag von Berlin ins schweizerische Dornach, welches inzwischen zum Zentrum der Anthroposophie geworden war.

1913 wurde dort das erste Goetheanum gebaut, welches als Hauptsitz und Veranstaltungsstätte diente. In der Silvesternacht 1922/1923 wurde es jedoch von einem Unbekannten in Brand gesteckt. Erst 1928 wurde schließlich das zweite Goetheanum errichtet, welches bis heute der Hauptsitz der Anthroposophischen Gesellschaft ist.

Erstes Goetheanum

Zweites Goetheanum

Von Dornach aus verbreitete Steiner nicht nur seine esoterischen Lehren, sondern nahm auch Einfluss auf die Politik. Erste Kontakte knüpfte er bereits vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, insbesondere in konservative und nationalistische Kreise. Eben diese Kreise erfanden nach Kriegsende allerhand Verschwörungstheorien, mit denen die Schuld am verlorenen Krieg auf politische Gegner abgewälzt werden sollte. Steiner beteiligte sich 1919 mit einer Broschüre an dieser Diskussion, welche den Titel „Die Schuld am Kriege“ trug.

Darüber hinaus finanzierte er eine verschwörungstheoretische Schrift des Ariosophen Karl Heise (1872-1939), in welcher dieser den Juden, Freimaurern und Theosophen die Schuld am Krieg und dessen Verlauf gab. Steiner schrieb sogar eine Einleitung für das Pamphlet, auf welches sich später auch die Nazis beriefen. Nun mag es noch einleuchten, dass Steiner nach dem Bruch mit den Theosophen diesen eine reinwürgen wollte. Aber warum unterstützte er als Freimaurer und Rosenkreuzer eine Schrift, welche sich gegen die Freimaurerei richtete? Und was hatte er für ein Problem mit den Juden? Im Gegensatz zu Hitlers Vorgeschichte ist aus Steiners Lebenslauf nicht ablesbar, wieso er sich plötzlich mit Antisemiten umgab.

Es scheint fast so, als hätten die Freimaurer sich absichtlich selbst zum Teil antisemitischer Verschwörungstheorien gemacht, um später Kritiker mit der Antisemitismuskeule mundtot zu machen. In jedem Falle sind Rudolf Steiners diesbezügliche Ambitionen ein weiteres Beispiel für den in der Hochgradfreimaurerei grassierenden Antisemitismus. Karl Heise bezeichnete sich derweil zwar als Anti-Freimaurer, war allerdings selbst ein Okkultist und aus den Reihen der Ariosophen hatte sich gerade in dieser Zeit die Thule-Gesellschaft entwickelt, welche ihrerseits stark freimaurerische Züge trug.

Als wären diese Abgründe nicht schon gruselig genug, nahm der antisemitische Esoterikquerfrontler Rudolf Steiner mit seiner Waldorfpädagogik Einfluss auf die schulische Bildung ganzer Generationen. Die erste Schule nach seinem Modell war die 1919 in Stuttgart eröffnete Betriebsschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik. Der Name der heute weltweit verbreiteten Waldorfschulen geht also auf eine Kippenmanufaktur zurück und ihr Begründer Emil Molt (1876-1936) verdiente sein Geld mit Gift. Selbstverständlich war Molt ebenfalls Theosoph und später Anthroposoph, weshalb es für ihn kein Problem war, die Kinder seiner Angestellten auch mental zu vergiften.

Die esoterische Erziehung verbreitete sich rasant. So wurden Waldorfschulen und –kindergärten nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland gegründet. Bereits nach einem Jahr entstand ein Kindergarten in Warschau, 1928 folgten Schulen unter anderem in Basel, Budapest, London, Lissabon und New York. In Deutschland erfolgte während der Nazizeit ein Rückschlag, nachdem das Kultusministerium 1934 den Beschluss fasste, in den Waldorfschulen keine ersten Klassen mehr zuzulassen. 1935 wurde schließlich die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland verboten, woraufhin sich sechs Schulen freiwillig auflösten. Die verbliebenen Schulen wurden bis 1941 geschlossen.

Die Nazis kritisierten jedoch nicht den esoterischen Unfug, welcher in den Waldorfschulen gelehrt wurde, denn davon hatten sie selbst genug auf dem Lehrplan stehen. Steiners Lehren hatten sogar sozialdarwinistische Züge, die den Nazis sicherlich gefallen hätten. Das einzige Problem, was sie mit der Anthroposophie hatten, war der darin gelebte Individualismus, welcher dem kollektiven Geist des Faschismus entgegen stand. Ansonsten standen sich Anthroposophen und Nazis eigentlich recht nahe, was sich auch in einem Brief führender Anthroposophen an Hitler zeigte, in welchem diese auf Steiners arische Herkunft verwiesen.

Der Konkurrenzkampf der Ariosophen gegen die Anthroposophen endete erst mit dem Sturz des Naziregimes durch die Alliierten. Dafür kam es jedoch alsbald zu einem Konkurrenzkampf unter den Anthroposophen. Ausgangspunkt war die Witwe Rudolf Steiners, der seine irdische Hülle bereits am 30. März 1925 abgelegt hatte. 1943 gründete Marie Steiner die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, der sie am 1. Dezember 1947 sämtliche Rechte an den Werken ihres verstorbenen Mannes übertrug.

Nach ihrem eigenen Ableben am 27. Dezember 1948 brach schließlich ein Rechtsstreit zwischen der Anthroposophischen Gesellschaft und der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung aus. Letztendlich siegte vor Gericht die Nachlassverwaltung, woraufhin die Gesellschaft bis ins Jahr 1968 alle Werke Steiners aus der Buchhandlung des Goetheanums verbannte.

In den 1960ern fanden die Anthroposophen allgemein wieder zueinander. So schlossen sich die 1935 abgespaltenen Landesgesellschaften in Holland und England in den Jahren 1960 und 1963 wieder an. Dornach wurde mit seinem Goetheanum wieder zum weltweiten Zentrum der Anthroposophen.

Die Waldorfschulen feierten kurz darauf ebenfalls eine neue Blütezeit. Bereits nach dem Ende des 2. Weltkriegs kam es umgehend zu Wieder- und Neugründungen in Deutschland. Zu einem regelrechten Boom kam es jedoch erst in den 1970ern. Die Waldorfschulen breiteten sich in dieser Zeit weltweit aus. Bis 2015 entstanden 1.063 Schulen in 60 Ländern sowie rund 2.000 Waldorfkindergärten.

Angesichts der Lehrinhalte ist diese Entwicklung jedoch äußerst bedenklich. Kern der Waldorfpädagogik ist nämlich das anthroposophische Menschenbild, demnach der Mensch nicht nur einen physischen Körper, sondern auch einen Astralkörper, einen Ätherkörper und ein Über-Ich besitzt. Diese drei Körper können natürlich nur übersinnlich wahrgenommen werden.

Nun ist ja wirklich nichts gegen ein ganzheitliches Weltbild einzuwenden, in dem der Mensch eine unsterbliche Seele hat. Angesichts der zahllosen Berichte über außerkörperliche sowie Nahtoderfahrungen sollte die Wissenschaft sich durchaus ernsthaft mit diesem Themenbereich beschäftigen. Wozu der Mensch aber noch einen Ätherleib braucht, der laut Steiner angeblich mit dem Zahnwechsel geboren wird, oder einen Astralleib, der sich während der Pubertät bilden soll, ist keine Frage der Wissenschaft mehr. Das ist esoterischer Unfug vom Feinsten und es sollte verboten werden, derartiges an Schulen zu unterrichten.

Natürlich gibt es an Waldorfschulen auch reguläre und pragmatische Fächer, doch dazwischen tauchen immer wieder Fächer wie Eurythmie auf. Esoterik hat genauso wie die biblische Schöpfungslehre nichts auf dem Lehrplan zu suchen. Schule sollte Wissen vermitteln und keinen Glauben! Natürlich gibt es da noch christliche und jüdische Schulen, die in diesem Punkt auch nicht wirklich besser sind. Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz kann man nicht die einen verbieten und die anderen erlauben. Allerdings sollten Eltern sich gut überlegen, ob sie ihre Kinder an einer Waldorfschule mit anthroposophischen Esoterikmumpitz indoktrinieren lassen.

Hinzu kommen immer wieder Rassismusvorwürfe gegen Waldorfschulen. Offiziell hat sich der Bund der Freien Waldorfschulen e.V. zwar gegen Rassismus, Diskriminierung und Nationalismus ausgesprochen. Einer 1996 in Auftrag gegebenen Untersuchung der niederländischen Anthroposophischen Gesellschaft mit dem Titel „Anthroposophie und die Frage der Rassen“ zufolge, wären jedoch 12 Aussagen Rudolf Steiners heute in den Niederlanden strafbar und 50 weitere könnten diskriminierend verstanden werden. Eine Abkehr von ihrem Gründer kommt für die Anthroposophen dennoch nicht in Frage.

Auffällig ist auch das Vorgehen des Bundes der Freien Waldorfschulen gegen kritische Berichterstattung. Teilweise kam es schon vorab zu Gerichtsverfahren, Gegendarstellungsbegehren und Unterlassungsansprüchen. Konsequente Schritte erfolgten dagegen erst nach kritischen Berichten, wie z.B. die Verbannung des rassistischen Buches „Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst“ des Anthroposophen Ernst Uehli (1875-1959) aus den Schulbibliotheken, nachdem dieses 1998 auf einer Literaturliste für Waldorflehrer entdeckt worden war.

Neben der Waldorfpädagogik hinterließ Rudolf Steiner der Welt auch seine anthroposophische Medizin. Diese bezieht Astral- und Ätherleib in die Behandlung ein und trägt stark homöopathische Züge. Obwohl es sich um eine absolute Pseudowissenschaft handelt, genießt die anthroposophische Medizin in Deutschland seit 1978 den Status einer „besonderen Therapierichtung“. Ein Wirksamkeitsnachweis ist daher für anthroposophische Arzneien nicht zwingend erforderlich.

Wenn das mal kein Lobbyismus für die Weleda AG ist. Diese Pharmafirma wurde 1921 von Anthroposophen gegründet und vertreibt seitdem allerhand homöopathische Mittelchen sowie Naturkosmetik. Der Hauptsitz der Weleda AG befindet sich im schweizerischen Arlesheim, keine 3 Kilometer von Dornach entfernt, wo das Goetheanum steht. Das Umfeld von Basel ist ohnehin ein esoterischer Hot Spot, welcher sonst nur noch von London übertroffen wird.

Das erste anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus wurde allerdings 1969 im deutschen Herdecke (NRW) gebaut. Gründer war der anthroposophische Arzt Dr. Gerhard Kienle (1923–1983). Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke besitzt zahlreiche schulmedizinische Abteilungen, darunter eine Intensivstation und Chirurgie. Neben dem umfangreichen schulmedizinischen Angebot, welches von Geburt bis Tod reicht, werden allerdings auch esoterische Praktiken wie Heileurythmie angeboten. Es ist geradezu ironisch, dass es auch eine psychiatrische Abteilung gibt.

Geld lässt sich natürlich nicht nur auf dem Gesundheitsmarkt verdienen. Seit 1974 sind die Anthroposophen auch im Finanzsektor aktiv. In diesem Jahr wurde von Gisela Reuther, Wilhelm Ernst Barkhoff (1916-1994), Albert Fink und Rolf Kerler die GLS-Genossenschaftsbank gegründet. 2003 übernahm diese die Geschäfte der Ökobank, welche in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, und 2008 schluckte sie außerdem die Münchner IntegraBank.

Das Konzept der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, welche 2009 Gründungsmitglied der Global Alliance for Banking on Values war, ist dabei gar nicht mal so verkehrt. So finanziert die GLS weder Atomkraft, Gentechnik und Rüstung noch Drogen wie Alkohol und Tabak oder Unternehmen, die auf Kinderarbeit und Tierversuche setzen.

Alles in allem ist die GLS eine äußerst ethisch agierende Bank, deren Kunden selbst mitbestimmen können worin ihr Geld angelegt wird. Die über 11.000 Unternehmen und Projekte, die jährlich finanziert werden, sind aber auf jeden Fall in Branchen wie ökologische Landwirtschaft, regenerative Energien, nachhaltiges Bauen, Kultur, Gesundheit, Altenpflege und Behinderteneinrichtungen angesiedelt. So weit so gut. Allerdings werden auch freie Schulen und Kindergärten finanziert. Es sollte klar sein, dass damit vorrangig Waldorfeinrichtungen gemeint sind. Die GLS trägt also auch zur Verbreitung der anthroposophischen Esoterik bei.

Des Weiteren engagiert sich die GLS beim Thema Klimahysterie und ist vom Programm Stop Climate Change zertifiziert. Ferner ist sie Partner des World Future Council, welches stark vom Club of Rome durchsetzt ist. Zu den Ratsmitgliedern des WFC gehörten 2014 u.a. die Club of Rome Mitglieder Hans-Peter Dürr (1929-2014), Manfred Max-Neef und Vandana Shiva. Die Nähe zur Anthroposophenbank macht das World Future Council nicht unbedingt sympathischer, denn mit diesen Verbindungen geht das ganze schon wieder stark in Richtung einer esoterischen neuen Weltordnung.

Ethik, Menschenrechte und Globalisierungskritik sind ohne Frage positiv besetzt, doch gerade das macht sie zu einer geeigneten Fassade für esoterische Heilsbringer. Die Anthroposophen haben diese Taktik bestens verstanden und in ihr Gesamtkonzept integriert. Wie schon ihr Schöpfer Rudolf Steiner benutzen sie fernöstliche, christliche und humanistische Elemente, doch hinter dieser Maske verbergen sich obskure Esoterik und finsterer Okkultismus. Wirklich überraschend ist dies jedoch nicht, da die Anthroposophische Gesellschaft eine Abspaltung der Theosophischen Gesellschaft ist. Teilweise haben Rudolf Steiner und seine Anhänger sogar die rassistischen Ideen von deren Gründerin Helena Petrovna Blavatsky übernommen und wie die Theosophen pflegen auch die Anthroposophen enge Verbindungen zur Hochgradfreimaurerei und zum Rosenkreuzertum.

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Der Club of Rome – Imperialismus nach antikem Vorbild

von Joe Doe

Die Gründung des Club of Rome im Jahr 1968 geht auf eine Konferenz an der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom zurück, bei der Zukunftsfragen der Menschheit diskutiert wurden. Die Konferenz, zu der der italienische Industrielle Aurelio Peccei (1908-1984) und der Schotte Alexander King (1909-2007) eingeladen hatten, war zwar ein Misserfolg, doch sechs der Teilnehmer ließen sich davon nicht entmutigen. Neben Peccei und King waren dies Hugo Thiemann (1917-2012), Max Kohnstamm (1914-2010), Erich Jantsch (1929-1980) und Jean Saint-Geours. Die Gruppe wollte ihre Ziele weiterverfolgen und benannte sich nach dem Veranstaltungsort der Konferenz „Club of Rome“.

Vordergründig geht es dem Club um Verantwortung für die Zukunft der Menschheit, was augenscheinlich ganz vernünftig klingt. Doch schaut man sich einmal die konkreten Ziele an, strebt der Club of Rome nach derselben neuen Weltordnung, wie die meisten anderen Think Tanks auch. Ein Ziel lautet z.B. „building a global society in the 21st century“ oder zu Deutsch “Aufbau einer globalen Gesellschaft im 21. Jahrhundert“. Dies betrifft nicht nur die wirtschaftliche Globalisierung, sondern setzt die Erschaffung eines Eine-Welt-Staates voraus. Das Logo des Clubs spricht da für sich.

Club of Rome Logo

Um dieses Ziel zu erreichen, kümmert sich der Club of Rome vor allem um heranwachsende Generationen. Der Club unterstützt zu diesem Zweck die Gründung von Ganztagsschulen, die mit außerschulischen Lernorten wie Betrieben, Vereinen und Universitäten in der gesamten Welt vernetzt sind. Internationale Partnerschaften zwischen Schulen sind ja durchaus sinnvoll, da sie Toleranz und Völkerfreundschaft fördern. Doch warum sollten Schulen international mit Betrieben und Vereinen vernetzt werden und um welche handelt es sich dabei? Gewiss ist hier nicht der Bäcker von nebenan gemeint, sondern multinationale Konzerne und deren Stiftungen sowie freimaurerische Frontorganisationen.

Der Eindruck einer globalkapitalistischen Gehirnwäsche wird durch die Beratung jeder neuen Schule durch einen ausgebildeten Schulcoach verstärkt. Zudem werden für einzelne Fächer Spezialisten hinzugezogen, die den Kindern ihre Weltsicht einhämmern. Nach der geglückten Umwandlung erhalten die betroffenen Schulen das Gütesiegel „Club of Rome Schule“.

Neben diesem Umerziehungsprogramm ist der Club of Rome auch Mitinitiator der Global Marshall Plan Initiative. Zudem veröffentlich er zahlreiche politische Studien. Die erste erschien 1972 über „Die Grenzen des Wachstums“. Seit dem betreffenden Jahr nimmt der Club auch andere Publikationen an. Zu den bekanntesten zählen die 33 „Berichte an den Club of Rome“. Die Anzahl von 33 ist wieder einmal ein Wink mit dem Freimaurerpfahl, handelt es sich dabei doch um die Anzahl der Grade nach dem schottischen Ritus.

Der größte Clou, in den der Club bisher verwickelt war, ist mit Abstand der Zusammenbruch der Sowjetunion. Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow ist bis heute Ehrenmitglied des Club of Rome. Während Politik und Medien gegen echte Kommunisten hetzen, wo es nur geht, erhielt Gorbatschow für seine Verdienste 1990 den Friedensnobelpreis und wird bis heute von den übelsten Kapitalisten hofiert.

An üblen Kapitalisten mangelt es auch dem Club of Rome nicht. Das zeigt schon ein Blick auf die Liste der Präsidenten des Think Tanks:

1969-1984 ● Aurelio Peccei (†) – ehem. Mitglied der Firmenleitung von Fiat
1984-1990 ● Alexander King (†) – Direktor für Wissenschaft, Technologie und Erziehung bei der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
1990-2000 ● Ricardo Diez-Hochleitner – ehem. Mitarbeiter der Weltbank und UNESCO, ehem. Vizebildungsminister von Kolumbien und Staatssekretär für Erziehung Wissenschaft in Spanien, Ex-Vizepräsident der Mediengruppe Timon
2000-2006 ● Prinz Hassan ibn Talal – Mitglied des Herrscherhauses von Jordanien
2007-2012 (Co-Präsident) ● Eberhard von Koerber – ehem. Vorstandsmitglied von BWM
seit 2012 (Co-Präsident) ● Ernst Ulrich Freiherr von Weizsäcker – SPD-Politiker

Die Mitgliederzahl des Club of Rome ist auf 100 beschränkt, es gibt jedoch auch assoziierte sowie Ehrenmitglieder. Zu den bekanntesten (Ehren-)Mitgliedern zählen u.a.:

● Juan Carlos I. – ehem. König von Spanien, ehem. Ehrenpräsident des WWF in Spanien und Elefantentöter
● Frederik Willem de Klerk – ehem. Präsident von Südafrika
● Philippe von Belgien – seit 2013 belgischer König
● Václav Havel (1936-2011) – ehem. Präsident von Tschechien
● Reinhard Mohn (1921-2009) – Gründer der Bertelsmann-Stiftung
● Beatrix von Oranien-Nassau – ehem. Königin der Niederlande
● Wolfgang Sachs – ehem. Aufsichtsratsvorsitzender von Greenpeace Deutschland
● Mário Soares – ehem. Präsident von Portugal
● Eduard Schewardnadse (1928-2014) – ehem. Präsident von Georgien
● Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg – ehem. spanische Königin, Ehefrau von Juan Carlos I.
● Richard Freiherr von Weizsäcker (1920-2015) – CDU-Politiker, 6. deutscher Bundespräsident

Eine ausführlichere Liste gibt es hier.

Der Club of Rome bekam 1978 auch einen deutschen Ableger. Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome wurde als gemeinnütziger Verein im Haus Rissen in Hamburg gegründet. Das Haus Rissen ist von der Bundeszentrale für politische Bildung als Träger der politischen Bildung in Deutschland anerkannt, was dem Club of Rome umfangreiche Einflussmöglichkeiten auf die öffentliche Meinung in Deutschland beschert. Die Kernthemen des Think & Do Tanks sind dabei Wachstum und Klimakontrolle.

Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Club of Rome ist Andreas Huber, Vorstand der Desertec Foundation. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

● Max Schön (Präsident)
● Frithjof Finkbeiner (stv. Präsident)
● Michael F. Jischa (Ehrenpräsident)
● Christian Berg
● Fabian Brandt
● Uwe Möller – ehem. Generalsekretär Club of Rome
● Philipp A. Schoeller

Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome unterhält zusätzlich den Think Tank 30, der am Tag der deutschen Einheit 2004 in Hamburg gegründet wurde. Der Think Tank, dem junge Menschen um die 30 angehören, tagt zweimal jährlich und formuliert Empfehlungen für eine langfristige Politik. Offizielles Ziel ist es „einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung leisten“.