Mystery Men – Die beknacktesten Superhelden

von Shinzon

Wer schon immer mal Superhelden mit überflüssigen Kräften erleben und dabei mit okkulten Symbolen bombardiert werden wollte, der ist bei den „Mystery Men“ genau richtig. Dieser sinnlose Streifen aus dem Jahr 1999 hat alles, was man nie sehen wollte. An den Kinokassen geriet diese Verfilmung des „Flaming Carrot Comics“ von Dark Horse aus gutem Grund zum Flop.

Alles beginnt mit einer Ü80-Party, auf der ein GILF ältere Damen anbaggert. An der Theke gibt es statt Drinks Medizin und auf der Tanzfläche werden nicht die Beine, sondern die Räder geschwungen. Wer genau hinschaut, entdeckt unter den Gästen auch einen Shriner.

01 Shriner

Die Party wird plötzlich von einer Gang namens Red Eyes gecrasht, die alle Wertsachen einsackt. Doch die Superhelden sind schon da, um sie zu vermöbeln. Darunter der Schaufler (William H. Macy), der Blue Raja (Hank Azaria), Meister des Tafelsilbers, und Mr. Furious (Ben Stiller), dessen Superkraft es ist, wütend zu werden. Außerdem schmückt er sich mit Pentagrammen, die er vom Schrottplatz aufgesammelt hat, auf dem er arbeitet.

Blue Raja

Blue Raja

Der Schaufler

Der Schaufler

Mister Furious

Mister Furious

05 Furious Pentagramm

Selbstverständlich bekommen die selbsternannten Superhelden erst mal eine Supertracht Prügel. Erst als Captain Amazing (Greg Kinnear) auftaucht, beziehen auch mal die Bösewichter Haue. Am Ende ist Amazing der strahlende Held und obwohl er selbst ein Milliardär ist, lässt er sich von Großkonzernen wie Pepsi sponsern. Sein Kostüm ist eine Werbetafel auf zwei Beinen.

07 Captain Schleichwerbung_1

08 Captain Schleichwerbung_2

Während Captain Amazing den ganzen Ruhm erntet, werden die anderen drei Versager von der Polizei ausgelacht. Die Beamten tragen Lederklamotten, wie man sie sonst nur als Klischees in Schwulenbars kennt, und so bezeichnet Mr. Furious sie als „Ledertunten“. Er hätte sie auch Freimaurer nennen können, denn ihre Mützen werden durch ein Schachbrettmuster geziert.

06 Schachbrettbullen

Captain Amazing ist indes keinesfalls so glücklich, wie es nach außen den Anschein hat. Er braucht einen Superschurken als Gegner, doch die hat er längst alle hinter Gitter gebracht. Um endlich wieder große Schlagzeilen machen zu können, fasst er den sagenhaft dämlichen Entschluss, den Gangster Casanova Frankenstein aus der Irrenanstalt zu holen.

In der Irrenanstalt, wo Frankenstein gerade auf die Freimaurerhymne „Ode an die Freude“ anspielt, legt Lance Hunt alias Captain Amazing ein gutes Wort für den Kriminellen ein. Der Anstaltsleiter, welcher aus unerfindlichen Gründen einen Sowjetorden trägt, entlässt den Insassen daraufhin. Das Unglück nimmt seinen Lauf.

09 Sowjetman

In Champion City (was für ein dämlicher Name) sitzen derweil die drei Versager in einem Restaurant und philosophieren darüber, ob Lance Hunt Captain Amazing ist. Das spielt auf all die Superhelden an, die im normalen Leben eine Brille tragen und deshalb von niemandem erkannt werden. Zumindest dieser Seitenhieb ist absolut gerechtfertigt. Ansonsten versagt der Film mit seiner abgeschmackten Gotham-Version jedoch als Satire auf Superheldenfilme.

10 Champion City_1

11 Champion City_2

Die Hauptfiguren sind einfach zu platt. Der Schaufler ist ein Familienvater, dessen Frau von seinen nächtlichen Streifzügen wenig begeistert ist. Der blaue Raja ist noch schlimmer, denn er wohnt mit über 40 noch bei Mutti und klaut deren Tafelsilber, um damit Ganoven zu bewerfen. Mr. Furious ist indes ein absoluter Loser, der es nicht schafft, das Team zusammen zu halten. Am Ende fährt er allein zur Residenz von Casanova Frankenstein. Übrigens ein wahrer Tempel der Dekadenz.

12 Casanova Bude_1

13 Casanova Bude_2

Dort spielt der Bösewicht erst mal auf den Sündenfall an, um zu unterstreichen, wie böse er ist. Allerdings versäumt er es, in den Apfel hinein zu beißen, weil er von seiner Psychiaterin unterbrochen wird. Diese stand die ganze Zeit auf seiner Seite und hat ihn deshalb für geheilt erklärt, obwohl er dies offensichtlich nicht ist.

14 Sündenfall

Als erstes sprengt der Irre dann auch gleich mal die Irrenanstalt, wobei dieser Akt des Vandalismus Captain Amazing auf den Plan ruft. So schlau, wie dieser immer tut, ist er allerdings nicht. Zunächst verwechselt er den Begriff „Antagonisten“ mit „Anthroposophen“, womit hier Rudolf Steiners Esoterikerverein beworben wird. Allerdings nur in der deutschen Übersetzung. Schließlich fällt Amazing auch noch auf einen dummen Trick herein und lässt sich gefangen nehmen. Natürlich wundert sich niemand, dass nach dem Verschwinden des Milliardärs Lance Hunt auch Captain Amazing aus der Öffentlichkeit verschwindet.

Am darauf folgenden Abend versuchen Mr. Furious, Blue Raja und der Schaufler, in die Residenz von Casanova einzudringen und Captain Amazing zu befreien. Die Aktion endet damit, dass sie von ein paar Disko-Typen verprügelt werden, nachdem sie diese dumm angemacht haben.

15 Drei Deppen

Offensichtlich sind sie den Bösewichten hoffnungslos unterlegen und so beschließen sie, ihr Team zu vergrößern. Sie besiegeln ihren Entschluss mit dem Baphomet-Gruß.

16 Baphomets

Als erstes suchen sie den unsichtbaren Bengel (Kel Mitchell) auf, der allerdings nur unsichtbar werden kann, wenn niemand zusieht. Nun, zumindest ist er ein guter Netzwerker und kennt sämtliche potentiellen Mitbewerber, sodass er fürs Erste mitmachen darf. Im Restaurant stößt dann noch der verpickelte Spleen (Paul Reubens) zum Team, dessen Fähigkeit es ist, zu furzen, wenn man an seinem Finger zieht. Spätestens an dieser Stelle verflüchtigt sich das restliche Niveau unter dem Türschlitz hindurch.

Im Garten des Schauflers organisieren die fünf Superversager ein Casting, bei dem nur Knallchargen aufschlagen. Darunter der Waffler, der Ballerinamann und zwei sich zankende Wonder Women. Erst nach Ende der Party trifft mit der Bowlerin eine Bewerberin ein, die es letztendlich ins Team schafft. Sie hat zwar keine Superkräfte, aber dafür eine Superwaffe. Es handelt sich um eine intelligente Bowlingkugel, in der sie den Schädel ihres ermordeten Vaters einarbeiten lassen hat. Ziemlich kranker Scheiß, zumal sie auch noch mit dem Schädel redet.

17 Bowlingschädel

Die erste Aktion des verstärkten Teams besteht darin, Casanova Frankensteins Limousine zu ramponieren. Einer seiner Discoboys zeigt wieder mal den Baphomet, als dieser die Verfolger bemerkt.

18 Discomet

Casanovas rechte Hand (Eddie Izzard) prahlt indes damit, dass er den Vater der Bowlerin ermordet hat. Diese reagiert darauf sehr ungehalten und schickt ihre Bowlingkugel in den Kampf.

19 Todesbowling

Die ganze Nummer hat natürlich ein Nachspiel und nach einer nächtlichen Sauftour lauern Casanovas Discoboys den sechs Superknallchargen vor deren Wagen auf. Gibt es eigentlich ein dämlicheres Auftreten für Gangster als den Discostyle?

20 Discogang

In letzter Sekunde werden die Supertrottel von einem mysteriösen Helden namens Sphinx gerettet. Der Name sagt eigentlich schon alles. Ursprünglich sollte dieser Charakter schon früher im Film auftauchen und in einer geschnitten Szene hätte man gleich die Pyramide mit Auge als Tattoo auf seiner Hand gesehen. Übrigens wieder mit einem Reptilienauge.

21 Sphinx Tattoo

Auf dem Kostüm der Sphinx ist das Zeichen der Freimaurer ebenfalls deutlich zu sehen. Die Frage, warum dieser grottige Film für den Saturn Award in der Kategorie beste Kostüme nominiert war, erübrigt sich damit wohl.

22 Sphinx Cape

Die Sphinx wird der Lehrmeister des Teams und trainiert die Superhelden in der Kampfkunst. Außerdem klopft er die ganze Zeit spirituelle Sprüche, bis es Mr. Furious reicht. Roy, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, verlässt den Schatten der Pyramide und geht von nun an eigene Wege.

23 Stoffpyramide

Die Sphinx gedenkt, den Verlust von Arbeitskraft durch Feuerkraft auszugleichen. Diese holen sich die Superhelden bei dem GILF von der Ü80-Party. Dr. Heller (Tom Waits) betreibt nämlich eine Waffenschmiede in einem verlassenen Freizeitpark. Natürlich sind die Waffen alle nicht tödlich, wie der Tornado in der Dose. Gefährliche Waffen dürfen nur die Bösewichte tragen. Die Zeit war damals halt noch nicht reif für „Deadpool“.

Mr. Furious flirtet in der Zwischenzeit mit der Kellnerin Monica (Claire Forlani), die endlich auf seine Avancen eingeht. Sie überredet ihn, sich dem Team wieder anzuschließen, womit das Team wieder komplett wäre. Zusammen machen sie sich auf den Weg, Captain Amazing aus den Klauen von Casanova Frankenstein zu retten.

Letzterer hat alle kriminellen Banden der Stadt zu einem rauschenden Fest eingeladen. Darunter eine Studentenverbindung, die wegen tödlicher Rituale vorbestraft ist. Wer muss da nicht sofort an Skull & Bones denken?

24 Gangsterbanden

Draußen überwachen der Spleen und der unsichtbare Junge die Lage. Als es plötzlich anfängt zu stinken, ist diesmal nicht der Spleen schuld, sondern ein Stinktier, welches es mit dem Bein des Spleens treibt. Diese überflüssige Szene spielt sich im Licht des Vollmondes statt, wobei über Champion City irgendwie jede Nacht Vollmond ist.

25 Vollmondromanze

Zum krönenden Abschluss der Party will Casanova eine Superwaffe vorstellen, mit der er Champion City zu terrorisieren gedenkt. Zunächst will er sie an Captain Amazing testen, doch da kommen ihm Mr. Furious, Blue Raja, die Bowlerin und der Schaufler zuvor. Bei dem Versuch, den Star der Stadt zu retten, grillen sie ihn aus Versehen und Amazing endet als abstraktes Kunstwerk. Welch Ironie, dass jene, die tödliche Waffen ablehnen, mit einer ebensolchen gerade jemanden aus dem eigenen Team erledigen. Obwohl, eigentlich hat Captain Amazing den ganzen Schlamassel überhaupt erst verursacht. Karma is a Bitch!

26 Autsch_1

26 Autsch_2

27 Autsch_3

Entsetzt treten die sechs Superidioten den Rückzug an und suchen den Rat der Sphinx. Zwischenzeitlich outet sich der Blue Raja gegenüber seiner Mutter als Gabelwerfer, was diese überraschend positiv aufnimmt. Sie übergibt ihm sogar das Tafelsilber seiner Oma. Die Frau des Schauflers droht ihrem Mann dagegen mit Scheidung. Roy holt sich derweil einen Abschiedskuss von Monica. Nachdem alle sich in ihre neuen Outfits geworfen haben, sind die glorreichen Sieben bereit, Casanova Frankenstein den Arsch aufzureißen.

28 Glorreiche 7

Mit einem Panzerwagen penetrieren die Superhelden den Partysaal von Casanovas Villa und entwaffnen die Schurken erst einmal mit einem Supermagneten. Um am Superlaser der Schurkenresidenz vorbei zu kommen, brauchen sie einen Unsichtbaren und siehe da, die Kräfte des unsichtbaren Jungen sind tatsächlich real. Nur schwinden sie auch tatsächlich, als alle ihn ansehen und so steht er ziemlich entblößt da. Irgendwie ist es schon rassistisch, dass es den einzigen Afroamerikaner im Team trifft.

29 Unsichtbar

30 Sichtbar

Nach dem Rassismus gibt es noch etwas Sexismus. Die Schrumpfkanone lässt nämlich keine Menschen schrumpfen, sondern lediglich die Klamotten der Girlie-Gang eingehen. Hier gibt es für das männliche Publikum nackte Hintern.

31 Sexismus

Nachdem die glorreichen Sieben alle Gangster ausgeschaltet haben, darf zum Schluss Mr. Furious noch mal so richtig wütend werden.

33 Wutbürger

Er schmeißt den Casanova in dessen eigene Superwaffe, die übrigens eine sechseckige Form aufweist, und rettet Monica aus den Klauen des Bösewichts.

34 Gerechte Strafe

Bei der Zerstörung der Superwaffe kommt derweil die Bowlingkugel zum Einsatz, die es schwer beschadet übersteht.

35 Schädelwaffe_1

36 Schädelwaffe_2

Diesmal sind es die Mystery Men, auf welche die Presse draußen wartet. Scheinbar interessiert sich sogar das israelische Fernsehen für die Truppe, denn das Mikrophon einer Reporterin wird von hebräischen Buchstaben geziert.

37 Israel TV

Fazit: Was für ein bundesligareifer Schwachsinn! Außer einem Sammelsurium okkulter Symbole hat dieser Film absolut nichts zu bieten. Die „Zieh an meinem Finger!“-Witze sind dabei echt das Sahnehäubchen der Niveaulosigkeit. In die Tonne damit!

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Mit Fes durch Hollywood

Im 1933 erschienen Film „Die Wüstensöhne“ schließen sich Stan Laurel (1890-1965) und Oliver Hardy (1892-1957) einem gleichnamigen Club an. Die albernen Rituale erinnern nicht zufällig an die Freimaurer und die roten Filzhüte sind sogar eine direkte Anspielung auf die Shriners. Oliver Hardys Zugehörigkeit zur Freimaurerei ist dabei kein Geheimnis, die von Stan Laurel gilt zumindest als wahrscheinlich. Sein mitwirken in diesem freimaurerischen Machwerk kann als deutlicher Hinweis verstanden werden.

Sons of the Desert

Sons of the Desert Prügel

In „Indian Jones und der letzte Kreuzzug“ aus dem Jahr 1989 ist der Fes allgegenwärtig. Das ist nicht ganz überraschend, denn ein Großteil des Films spielt im arabischen Raum, wo diese Kopfbedeckung zu der Zeit, in der die Handlung spielt, tatsächlich weit verbreitet war. Die massive Bedienung dieses Klischees hat schon fast etwas Rassistisches.

Allerdings wird der Fes im Film auch von den Anhängern eines Geheimbundes getragen, welcher den heiligen Gral schützt. Der Gral steht in direktem Zusammenhang mit den Tempelrittern, welche wiederum Teil des Freimaurermythos sind.

Gralshriners

In der platten Komödie „Guess Who – Meine Tochter kriegst du nicht!“ von 2005 ist ein afroamerikanischer Vater entsetzt darüber, dass eine Tochter einen weißen Freund hat. Kurzerhand schmeißt er ihn aus dem Haus und will ihn in einem Hotel einquartieren. Das reservierte Zimmer ist jedoch schon vergeben und das Hotel komplett ausgebucht. Die Dame an der Rezeption begründet dies mit einer Shriners Convention (in der deutschen Übersetzung eine Freimaurertagung), die gerade in der Stadt stattfindet. Ind er gesamten Hotelszene und auch später im Film sieht man ständig ältere Herren mit Fes herumrennen.

Guess Who - Shriners

„Dr. Who“ trägt des Öfteren scheinbar grundlos einen Fes. Der 11. Doktor betont dabei, wie cool er diese Kopfbedeckungen findet. Was er damit wohl andeuten will?

11th Doc Fez_2

Doctor Fez

Bei den Simpsons wimmelt es ebenfalls von Shriners-Anspielungen. Kein Wunder, denn immerhin ist Serienschöpfer Matt Groening Freimaurer.

Shriner Mobiles

Shriner Bear

Es gibt sogar einen Shriners Couch Gag.

Shriners Couch Gag

Am besten bringt es die Episode mit den Steinmetzen auf den Punkt. Grandpa Simpson erwähnt in dieser Folge, dass er nicht nur besagten Steinmetzen, sondern auch den Freimaurern angehört. In anderen Episoden sieht man ihn folglich immer mal wieder mit Fes.

Shriner Grandpa

„Spongebob“ hat ebenfalls eine komplette Episode zu bieten, in der es ausschließlich um die Shriners geht. Man achte dabei mal auf die Hände des Schwammkopfs. Er macht die Geste „Wie im Himmel, so auf Erden“ und formt dabei mit beiden Händen den Baphomet.

Teuflischer Shriner

Zu guter Letzt darf natürlich der Disney-Konzern nicht fehlen. Dessen Zeichentrickserie „Gravity Falls“ ist dermaßen mit Freimaurersymbolik voll gestopft, dass es selbst dem Blindesten auffallen müsste. In einer solchen Propgandashow dürfen natürlich die Shriners nicht fehlen. Typisch für Disney ist der Name „S(a)tan“.

GF Shriner

Musik vom mystischen Schrein

Mit ihrem 1985 erschienen Album „Frankenchrist“ sorgten die Dead Kennedys für ziemlichen Rummel. Grund war ein beigefügtes Poster, welches ein Werk des Schweizer Okkultisten H.R. Giger mit dem Titel „Penis Landscape“ zeigte. Die Klagen besorgter Eltern hätten die Band fast in den finanziellen Ruin getrieben und nach dem Prozess erklärten sich die Dead Kennedys für aufgelöst. Auf dem Cover des fraglichen Albums ist eine Parade der Shriners zu sehen.

Dead Kennedys - Frankenchrist

Die Shriner-Illuminati-Connection

Im Illuminati Card Game von 1995 gibt es eine Karte mit dem Titel „Fraternal Orders“ (dt. „Brüderliche Orden“), welche einen Shriner zeigt. Interessant ist die Aufschrift, welche frei übersetzt wie folgt lautet:

„Du glaubst, sie seien albern mit ihren Hüten und Motorscootern. Wenn du wüsstest, was ihre Hüte wirklich bedeuten, würdest du nie wieder über sie lachen.“ Passend dazu hat der Fes des Shriners Teufelshörner.

Fraternal Shriners

Der Fes – Von Marokko zu den Shriners

von Shinzon

Der Fes ist eine Kopfbedeckung, die vor allem im Orient und auf dem Balkan anzutreffen ist. Der genaue Ursprung des Fes ist unbekannt. Eine These geht von Griechenland als Ursprungsort aus, benannt ist der rote Filzhut jedoch nach der marokkanischen Stadt Fès, welche auch für die entsprechende Färbemittelherstellung bekannt ist. Es gibt dabei auch die Schreibweise Fez und die ägyptische Variante des Fes wird Tarbusch genannt.

Neben der roten Farbe gehört eine Quaste zu den markanten Merkmalen des Fes, welche wahlweise schwarz blau oder golden sein kann. Die Form kann je nach Region leicht variieren, läuft jedoch meist auf einen Kegelstumpf hinaus.

Fes

Nachdem der Fes anfangs vor allem in Nordafrika verbreitet war, machte ihn der osmanische Sultan Mahmud II. (1785-1839) in seinem Reich populär. Anlass war eine Reform der Traditionskleidung für Reichsbedienstete. Zunächst gedachte der Sultan, den westeuropäischen Dreispitz zu übernehmen, doch da dieser an die Dreifaltigkeit im Christentum angelehnt war, überzeugten ihn seine Berater, davon Abstand zu nehmen. Nachdem eine Schiffsladung Fes aus Tunesien angekommen war, entschied sich der Sultan spontan für diese Hüte. Die Einführung erfolgte in zwei Schritten, 1826 für die Armee und ab 1829 auch für die zivile und religiöse Dienerschaft.

Der Übergang verlief nicht ganz reibungslos, da gleichzeitig das bisherige Tragen von Turbanen untersagt wurde. Proteste gab es vor allem von Seiten religiöser Gruppen, doch nachdem der Scheichulislam in einer Fatwa (Rechtsauskunft) den Fes billigte, erloschen diese recht schnell. Mit der Zeit wurde der Fes zu einem patriotischen Symbol, welches alle Bürger zu tragen hatten. Es gab sogar eine kleinere Form ohne Quaste für Frauen. Bei Staatsbediensteten zeigte die Farbe der Quaste indes den Rang des Trägers an.
Sultan Mahmud II

Mit der Gründung einer Fes-Fabrik in Istanbul durch Mahmud II. wurde das Herstellungsmonopol der Stadt Fès gebrochen und nachdem synthetische Farben das aufwendig herzustellende Rot aus dem Blut der Kermes-Schildlaus ersetzten, verbreitete sich die Produktion über halb Europa. Aufgrund billiger Importe aus Österreich bediente die türkische Produktion am Ende nur noch die reiche Oberschicht.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Fes unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) als Zeichen der Rückständigkeit wieder aus dem öffentlichen Leben verbannt. In einem Hutgesetz vom 30. August 1925 wurde das Tragen des Fes ausdrücklich verboten. 1953 ließ auch der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (1918-1970) das Tragen des Fes unter Strafe stellen.

Heute wird der Fes wieder zunehmend populärer und gilt geradezu als Klischee für die nordafrikanische Kultur. In den USA und Europa hat die zunehmende Verbreitung des Fes jedoch einen gänzlich anderen Hintergrund. Obwohl die Kopfbedeckung im Ursprung rein gar nichts mit Okkultismus und Freimaurerei zu tun hat, wurde sie 1872 von der freimaurerischeren Organisation der Shriners übernommen. Verantwortlich war der Mitbegründer William J. Florence, welcher seit einer Party bei einem arabischen Diplomaten einen Faible für alles Orientalische hatte.

Wenn also heute in der Pop-Okkultur irgendwo ein Fes auftaucht, hat dies in 99,9% der Fälle einen freimaurerischen Hintergrund. Insbesondere gilt dies, wenn auf dem Filzhut ein Krumsäbel mit Mondsichel, Sphinx und Pentagramm abgebildet ist, da dies das offizielle Logo der Shriners ist. Doch auch der blanke Fes kann inzwischen als Erkennungszeichen der Shriners gesehen werden und ist lediglich noch in Nordafrika und einigen Balkanstaaten unverdächtig.

Shriners Fes

Eine noch abscheulichere Zweckentfremdung erfuhr der Fes in Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo er von faschistischen Milizen getragen wurde. Die schwarzen Brigaden passten die Kopfbedeckung selbstverständlich farblich ihren Uniformen an und statteten sie mit dem Rutenbündel aus.

Fes Faschismus

Die Shriners – Freimaurer mit Fes

von Shinzon

Die Shriners sind eine freimaurerische Charity-Organisation, ähnlich dem Rotary oder Lions Club. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied. Während Rotary und Lions Club lediglich von Freimaurern gegründet wurden und ein Beitritt keine Logenmitgliedschaft voraussetzt, sind die Shriners der Freimaurerei direkt angegliedert. Das zentrale Anliegen ist jedoch bei allen drei Vereinen eine wohltätige Außenwirkung.

Gegründet wurden die Shriners, welche auch als „Alter arabischer Orden der Edlen vom mystischen Schrein“ bekannt sind, 1871 in New York. Die Initiatoren waren der Arzt Walter M. Fleming und der Schauspieler William J. Florence, welche den Fokus mehr auf Spaß als auf Rituale legen wollten.

Walter M. Fleming

Walter M. Fleming

Einige Shriners sehen sich sogar selbst als Clowns und es sollte nicht verwundern, dass die beiden berühmten Komiker Stan Laurel (1890-1965) und Oliver Hardy (1892-1957) der Bruderschaft angehörten.

Doof, Dick & Shriner

Doof, Dick & Shriner

Die Bruderschaft verbreitete sich vor allem in den USA rasant. Gab es 1878 noch 425 Mitglieder in 13 Tempeln, waren es 1888 bereits 7.210 Mitglieder in 48 Tempeln, wobei einige davon in Kanada gelegen waren. 1903 kam die erste Frauenorganisation hinzu, welche in Wheeling (West Virginia) gegründet wurde. Heute gibt es rund eine halbe Million Shriners, die in 194 Tempeln rund um den Globus organisiert sind. Ihr Hauptquartier liegt in Tampa (Florida).

Der Dachverband der Shriners International nennt sich Imperial Divan und fungiert als Verwaltungsapparat. Ihm gehören 13 Mitglieder an. Das höchste Amt ist der Imperial Potentate, welcher zugleich Präsident und Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes ist. Außerdem ist der Imperial Potentate der Aufsichtsratsvorsitzende der 22 Kinderkrankenhäuser, welche die Bruderschaft betreibt.

Neben vielen anderen Almosenaktionen gehören die Kinderkrankenhäuser zu den Kernprojekten der Shriners. Sie verfügen über ein unfassbares Budget von 5 Milliarden Dollar, gespeist aus Stiftungsvermögen, Aktienfonds und Spenden. Dennoch leisten kubanische Ärzte weltweit mehr, obwohl ihnen kein solches Budget zur Verfügung steht. Davon einmal abgesehen sollten sich Eltern lieber zweimal überlegen, ob sie ihre Kinder in die Obhut eines Freimaurerkrankenhauses geben. Immerhin gehören die Shriners überwiegend der Hochgradfreimaurerei an.

Bis zum Jahr 2000 musste jeder, der den Shriners beitreten wollte, entweder den 32. Grad des Schottischen Ritus oder den Grad Ritter vom Tempel des York Ritus erreicht haben. Erst mit der Jahrtausendwende wurden die Anforderungen aufgeweicht, sodass heute der Meistergrad einer anerkannten Freimaurerloge ausreicht. Dennoch haben sich in Europa erst wenige hundert Freimaurer der Charity-Organisation angeschlossen, welche sich hierzulande Emirat Shriners nennt. In den USA sind die Shriners dagegen omnipräsent. Auf jeder noch so kleinen Parade fahren sie dort in ihren Miniaturautos mit.

Shriner Bobby Car

Auffällig sind auch die Kopfbedeckungen der Shriners. Der Fes sowie das darauf abgebildete Emblem der Bruderschaft wirken schon auf den ersten Blick orientalisch, was durchaus so beabsichtigt ist. Der Mitbegründer William J. Florence war nämlich während einer Tour de Marseille Gast auf der Party eines arabischen Diplomaten. Offensichtlich beeindruckt von dem orientalischen Flair, schlug er selbiges als Stil der Shriners vor. Dieser zeigt sich bereits von außen an der Architektur der Tempel.

Tripoli Shrine Tempel (Milwaukee)

Tripoli Shrine Tempel (Milwaukee)

Der erwähnte Fes wurde schon ein Jahr nach Gründung der Shriners zu dessen Erkennungsmerkmal. Allerdings war der aus Marokko stammende rote Filzhut ursprünglich kein okkultes Symbol. Diesen Status erlangte er erst 1872 durch die Shriners.

Shriners Fes

Das Logo der Bruderschaft besteht aus Krummsäbel, Halbmond, Sphinxkopf und Pentagramm. Offiziell soll der Krummsäbel für die Mitglieder der Bruderschaft stehen, welche deren Rückgrat bilden. Der Halbmond soll für Brüderlichkeit sowie Menschenliebe stehen und der fünfzackige Stern für die Kinder. Insbesondere die Erklärung des Pentagramms klingt hanebüchen, wenn man um dessen Bedeutung als Venussymbol weiß. Lediglich die Bedeutung der Sphinx als Repräsentation des regierenden Organs der Shriners hört sich plausibel an.

Shriners Logo

Das Motto der Shriners ist „Rubor et Furor“, was „Stärke und Wut“ bedeutet. Wie dies zum Slogan „Spaß haben – Kindern helfen“ passen soll, muss einem erst einmal erklärt werden. Alles in allem handelt es sich bei den Shriners um einen Freimaurerverein, der das öffentliche Image der Logenbrüder als Wohltäter feiern soll. Die Bruderschaft kann dabei als Vorlage für die später gegründeten Rotary und Lions Clubs gesehen werden, obgleich das Auftreten der Shriners weitaus unseriöser und alberner daher kommt.

Zu den einflussreichsten Mitgliedern der Shriners zählen die US-Präsidenten Harry S. Truman (1884-1972) und Gerald Ford (1913-2006).

Harry S. Truman im Dunstkreis der Shriners.

Harry S. Truman im Dunstkreis der Shriners.

Weitere berühmte Mitglieder waren und sind der Apollo-Astronaut Buzz Aldrin, der Country-Star Brad Paisley, der Rennfahrer Samuel Hornish jr. und Harland Davis Sanders (1890-1980), Gründer der Restaurantkette Kentucky Fried Chicken. In Hollywood sind die Shriners ebenfalls weit verbreitet. Neben den bereits erwähnten Komikern Stan Laurel und Oliver Hardy gehörten u.a. die Schauspieler Pat Morita (1932-2005) und Harold Lloyd (1893-1971) der Clownstruppe an.

Herold Lloyd

Herold Lloyd