Die Anastasia-Bewegung – Esoterische Hippies unterm Hakenkreuz

von Anton Nymous

In der heutigen hochtechnisierten, kapitalistischen Gesellschaft, die zunehmend unseren Planeten zerstört, streben immer mehr Menschen nach einem einfacheren Leben im Einklang mit der Natur. Bio-Obst statt Pestizide, Wiesen und Wälder statt Beton, gemeinschaftliches Erleben statt alleine vorm Fernseher „Dschungelcamp“ zu gaffen. Das ist an sich nicht verkehrt, wenn es denn nicht unter dem Hakenkreuz stattfinden würde. Statt einem ganzheitlichen Denken findet man bei den neuen rechten Siedlungsbewegungen eher Rassismus, Antisemitismus und krude Esoterik.

Ganz neu ist das Konzept nicht, gab es doch bereits vor und während des 3. Reichs den Armanen-Orden. Dort trafen esoterisches Heidentum und Ariosophie auf das vermeintlich idyllische Landleben. Den Armanen-Orden gibt es bis heute, aber neben ihm existieren inzwischen jede Menge andere rechte Siedlungsbewegungen. Zuweilen sind sie eng mit rechtsextremen Parteien und Organisationen wie der NPD oder dem III. Weg verbunden, die durch gezielte Käufe von Bauernhöfen und Dorfgrundstücken den ländlichen Raum okkupieren wollen. Auf der anderen Seite wären dann aber noch unabhängige Kulte wie die Anastasia-Bewegung, die sich einen unpolitischen Anstrich geben.

Doch schaut man genauer hin, woher der Wind weht, ist der Lack schnell ab. Benannt hat sich die 1997 in Russland gegründete Bewegung nämlich nach den Werken des antisemitischen New Agers Wladimir Megre, in denen er von seinen Begegnungen mit einem angeblich allwissenden Wesen namens Anastasia berichtet. Die moderne Gesellschaft wird darin komplett abgelehnt, selbst ihre positiven Seiten. Gewürzt ist das Ganze mit Rassismus, Judenfeindlichkeit und einer Prise völkischem Denken.

Insbesondere antisemitische Verschwörungstheorien, wie die angebliche Kontrolle der Medien und des Finanzsystems durch Juden, können in den Anastasia-Bänden nachgelesen werden. Vor versteckter Kamera schwafelte zudem einer ihrer deutschen Vertreter, Markus Krause, über „jüdische Eliten“, die angeblich alles kontrollieren und Chaos verbreiten. Nach außen hin will die Bewegung allerdings nichts davon wissen und auch nicht öffentlich damit konfrontiert werden. Die Siedler geben sich unschuldig und volksnah.

Betroffen ist u.a. die Gemeinde Grabow im Norden Brandenburgs, welche die vermeintlichen Ökobauern aufgrund massiver Abwanderungsprobleme willkommen heißt. Die Anastasier setzen dort alles daran, mit Dorffesten und volkssportlichen Wettkämpfen einen harmlosen Eindruck zu erwecken. Gegenüber den Medien geben sich die Siedler hingegen weit weniger Mühe und pöbeln herum, wie man es von Rechtsextremen kennt.

In ihren Werbevideos, die sie im Internet verbreiten, reden sie schließlich ganz offen und strafen damit ihre Aussagen vor Fernsehkameras Lügen. So fordert z.B. Iris Krause, die Frau des oben erwähnten Vertreters, dass ihr Dorf frei bleiben soll von illegalen Einwanderern, die angeblich das Land „überfluten“. Dabei sind sie und die anderen Rechtsextremisten die Einzigen, die Grabow momentan tatsächlich überfluten. Darunter auch der Jugendbund Sturmvogel, eine Abspaltung der 1994 verbotenen Wiking Jugend, der auf dem Gelände der Anastasier Ferienlager abhält.

Die Sturmvögel sind stramme Neonazis, die Kinder bis zum Umfallen militärisch drillen. Was es sonst noch für Übergriffe auf die Kleinen geben mag, möchte man sich gar nicht vorstellen. Die heimlich gefilmten Aufnahmen, welche zeigen, wie kollabierte Jungen davongetragen werden, sind schlimm genug. In jedem Fall ist das absolut nicht spirituell und naturverbunden, was da abgeht. Ebenso wenig spirituell wie der Vorschlag der Krauses, eine Dorfwehr zu bilden. Da können die beiden noch so viele Bioprodukte verkaufen und Yoga machen, mit Hass im Herzen kann nichts Positives gedeihen.

Ein weiterer führender Kopf der Bewegung ist Frank Ludwig, der die Anastasier nach außen nur durch Musik und Volkstanz präsentiert sehen möchte. Unter dem Namen „Urahnenerbe Germania“ hält er dazu Vorträge, doch schon das Label ist entlarvend. „Urahnenerbe“, da war doch irgendwas… Ja richtig, Ahnenerbe war eine Forschungsgemeinschaft der SS, die 1935 von Heinrich Himmler höchstpersönlich gegründet wurde.

Dazu passt auch, dass Ludwig auf Facebook-Fotos mit Hitlergruß posiert und Hakenkreuzbilder teilt. In seinen Augen natürlich einfach nur Glückssymbole, doch da er weder Hindu noch Buddhist ist, wirkt diese Ausrede wenig glaubwürdig. Erst recht nicht, wenn er bei seinen Siedlertreffen so richtig vom Leder zieht und klare Bezüge zur NS-Zeit zieht. In diesem Sinne ist er sowohl der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole als auch der NS-Verherrlichung schuldig.

In der Öffentlichkeit fabuliert Ludwig zwar darüber, wie man sich möglichst harmlos präsentiert, damit einen Staat und Medien in Ruhe lassen. Unter seinesgleichen redet er allerdings Tacheles, was verdeckt gemachte Aufnahmen belegen. Darunter auch von einem Treffen im Haus eines bekannten Reichsbürgers im bayrischen Ebern. Auf die dort getätigten Aussagen gegen Homosexuelle angesprochen, reagierten er und seine ach so friedlichen Siedler dann nur noch handgreiflich.

Weitere heimlich gedrehte Aufnahmen stammen aus dem sachsen-anhaltischen Wienrode, wo das Ehepaar Schulz die Dorfschenke gekauft und in ein rechtsextremes Kulturzentrum umgewandelt hat. Dort stand u.a. schon das Thema Telegonie auf der Tagesordnung, eine pseudowissenschaftliche Rassenlehre, die auch von den Nazis verbreitet wurde. Maik Schulz bekennt sich darüber hinaus offen zu seinen Kontakten in die Identitäre Bewegung und auch seine Verbindungen zur NPD sowie der Wiking Jugend sind bereits dokumentiert worden.

Insgesamt gibt es 17 Landsitze der Anastasia-Bewegung in ganz Deutschland. Das ist zwar noch nichts im Vergleich zu den hunderten Niederlassungen in Russland, darf aber dennoch nicht unterschätzt werden. Immerhin bereitet man sich intern auf den erhofften Zusammenbruch der BRD vor, was in eine stark reichsdeutsche Richtung geht.

Leider konnten sich die Anastasier in den meisten Dörfern bislang gut integrieren. Die Einwohner bis hin zu den Ortsvorstehern sehen nur das friedliche Auftreten nach außen und die Hilfe bei Dorffesten. Ob die Betreffenden auf dem rechten Auge blind oder einfach nur naiv sind, sei einmal dahingestellt. Immerhin haben die Anhänger der Bewegung das Kreidefressen perfektioniert.

Es verwundert daher nicht, dass auch Interessierte ohne rechtsextremen Hintergrund zu den Veranstaltungen der Anastasier kommen. Sie stoßen nicht immer durch die volksverhetzenden Videos einzelner Mitglieder zur Bewegung, sondern viel häufiger über Portale wie Quer-Denken TV oder Lebens-Forum-Wohlstand aus Erfurt, die sich ebenfalls nach außen spirituell geben, aber immer wieder die Brücke zu brauner Esoterik schlagen. Besonders bedenklich ist die Ausstrahlung der Lebens-Forum-Wohlstand-Sendungen auf dem Lokalsender Salve-TV, wo auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (DIE LINKE) eine Sendung hatte. Andere Anastasier durften derweil schon in Gartensendungen des MDR auftreten.

Wer auf diese geschickte Propaganda hereinfällt, wird schnell in einen Strudel aus antisemitischen und rassistischen Verschwörungstheorien hineingezogen. Um zukünftig schon Kinder von klein auf zu indoktrinieren, wollen die Anastasier in Grabow eine eigene Schule aufbauen. Was dort gelehrt werden soll, offenbarte ein Berufsschullehrer vor verdeckter Kamera. Jungen sollen wieder zu Männern und Mädchen zu Frauen erzogen werden. Mit anderen Worten ein Rückfall in die alten Rollenklischees, in denen der Mann das Sagen hat und die Frauen nichts als entrechtete Gebärmaschinen sind. Individualismus Fehlanzeige!

Am schlimmsten ist jedoch das Geschichtsverständnis, demnach alles an staatlichen Schulen gelehrte eine Lüge sei. Holocaustleugnung und Opfermythos scheinen da vorprogrammiert zu sein. Den Ortsvorsteher freut es dennoch, da sein Kaff endlich wieder eine Schule hat. Die brandenburgische Landesregierung hat hier offenbar am falschen Ende gespart, mit möglicherweise fatalen Folgen.

Widerstand gegen diese sektenartige Bewegung ist dringend nötig und tatsächlich gibt es andernorts im brandenburgischen Lychen schon massiven Gegenwind. Dieser hatte nicht nur eine Isolation des dortigen Anführers André Brötel zur Folge, sondern ermutigte auch skeptische Siedler zum Ausstieg. Einige haben inzwischen gemerkt, dass es eben nicht um Bio-Anbau geht, sondern um rechte Verschwörungstheorien. Eine Aussteigerin berichtete sogar, dass von Anastasiern ein Reichsbürgeramt gegründet wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anastasia-Bewegung unter dem Deckmantel spiritueller Naturnähe rechtsextreme Ideologie verbreitet. Es werden gezielt rassistische Überfremdungsängste geschürt und antisemitische Weltverschwörungsphantasien verbreitet. Die Nähe zu Neonaziorganisationen und Reichsbürgerbewegung ist offenkundig. Hinzu kommt, dass Siedler, die nicht ins Schema passen, weil sie z.B. einen Migrationshintergrund haben oder homosexuell sind, eiskalt abgewiesen werden. Da können sich die führenden Köpfe noch so unschuldig geben oder vor der Fernsehkamera unwissend stellen, ihre Taten sprechen für sich!

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Lichtnahrung – Oder: Wie fastet man sich zu Tode

von Joe Doe

Von Licht und Liebe leben, das ist ein Sprichwort, welches man nicht zu wörtlich nehmen sollte. Leider glauben immer mehr Menschen, dass dies tatsächlich möglich sei. Sie fallen auf esoterische Gurus herein, die behaupten, sich allein durch Lichtkonsum ausgewogen ernähren zu können. Doch was diese Gurus predigen, ist nichts anderes als Magersucht, welche im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

Im Prinzip unterscheiden sich die Opfer von Lichtnahrung kaum von abgemagerten Models, die einem kranken Schönheitsideal folgen. Nur geht es bei ihnen um vermeintliche geistige Schönheit. Feste Nahrung soll ihrem Irrglauben nach nämlich die spirituellen Kräfte schwächen, da sie auf Leid basiert. Feinstoffliche Lichtnahrung sei dagegen rein. Das propagiert u.a. der 2010 erschienene Pseudodokumentarfilm „Am Anfang war das Licht“, welcher sogar im ORF ausgestrahlt wurde.

Nun wäre es ja kein Problem, wenn spirituelle Menschen in Anbetracht von Massentierhaltung und grausamer Schlachtungsmethoden Vegetarier wären und auf Fleisch verzichten würden. Selbst vegane Ernährung wäre noch okay. Etwas übertrieben sind dagegen schon die so genannten Fruitarier, die nicht mal einen Salat oder eine Möhre futtern, weil sie die arme Pflanze damit töten würden. Sie essen nur Früchte, die alleine vom Baum oder Strauch fallen. Aber wenigstens essen sie überhaupt noch etwas.

Lichtfasten kann dagegen einfach nicht gesund sein und muss zwangsläufig ein tragisches Ende nehmen. Denn Menschen sind keine Pflanzen und haben keine Chloroplasten, mit denen sie Sonnenlicht in Energie umwandeln könnten. Wobei selbst Pflanzen CO2 für die Photosynthese benötigen und Mineralstoffe aus dem Boden ziehen. In der Natur gibt es faktisch kein Lebewesen, was sich allein von Licht am Leben halten könnte.

Wir Menschen gewinnen unsere Energie, indem wir Kohlenstoffverbindungen zu CO2 verbrennen. Daran ist nichts unspirituell, denn so hat uns die Natur geschaffen. Feste Nahrung zu verzehren steht also absolut im Einklang mit der Natur und erst recht mit der Vernunft. Wir haben nun einmal keine Photovoltaikzellen und können daher Sonnenlicht nicht direkt in Energie umwandeln. Lediglich für die Produktion von Vitamin D brauchen wir Licht, doch das ist kein Energieträger.

Der einzige (hypothetische) Weg, wie wir uns in der Zukunft vielleicht tatsächlich mit Sonnenenergie versorgen könnten, wären Cyborgimplantate. Das wäre natürlich eine wenig spirituelle Methode und sie würde auch nur das Energieproblem lösen. Gehen wir einmal davon aus, dass wir uns über Photovoltaik versorgen könnten, würden uns nämlich immer noch Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente fehlen. Gleiches gilt für Wasser, welches wir täglich verlieren und daher nachfüllen müssen. Außerdem brauchen wir Kohlenstoffverbindungen nicht nur zum Verbrennen, sondern auch als Bausteine für die Zellteilung.

Mit anderen Worten, selbst wenn an dem Lichtnahrungsmumpitz etwas dran wäre, würde der Verzicht auf feste Nahrung dennoch unweigerlich zum Tod führen! Und tatsächlich gibt es bereits erste Todesopfer, darunter ein Deutscher, der auf einer Pilgerreise in die Karibik mit nur 22 Jahren jämmerlich verhungert ist. Dieser esoterische Unfug ist also hochgradig gefährlich!

Allein tote Menschen brauchen keine feste Nahrung mehr und dieses Stadium hat Finn Bogumil aus Hamburg im November 2017 erreicht. Als körperlose Seele kann man freilich von Licht und Liebe leben, nur sollte man damit warten, bis man sein physisches Leben hinter sich hat. Gerade als spiritueller Mensch sollte man akzeptieren, dass man eine Aufgabe in der physischen Welt hat und der physische Körper physische Nahrung braucht.

Aber darin besteht bekanntlich der Unterschied zwischen Spiritualität und Esoterik. Das eine kann nicht schaden, das andere ist gefährlicher Blödsinn. Nicht einmal Buddha hat den Verzicht auf feste Nahrung gepredigt. Im Gegenteil heißt es im Buddhismus, dass nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele leben kann und ohne ausreichend Mineralstoffe und Vitamine bleibt der Körper nicht gesund. Man kann sein Essen dabei gerne in der Sonne zu sich nehmen. Nur von Lichtfasten sollte man dringend die Finger lassen, sonst gehen einem ganz schnell mal die Lichter aus!

Boriska und das Märchen vom Mars

von Joe Doe

Um die Jahrtausendwende machte ein russischer Junge namens Boriska von sich reden, indem er behauptete, in einem früheren Leben ein Marsianer gewesen zu sein. Seine Schilderungen des roten Planeten waren derart detailliert, dass er viele Menschen in Erstaunen versetzte. Es dauerte nicht lange und die Internetgemeinde sah in ihm ein so genanntes „Indigokind“, also einen hochbegabten Wunderknaben. Seine Behauptungen über den Mars wurden jedoch immer abenteuerlicher und er berichtete von einer ganzen Marszivilisation, der er einst angehört haben wollte und die sich selbst mittels Atomwaffen ausgelöscht habe.

Nun ist es tatsächlich so, dass Erinnerungen an frühere Leben fast ausschließlich bei Kindern an die Oberfläche kommen und später wieder vergessen werden. Allerdings unterscheiden sich die glaubwürdigen Fälle erheblich von Boriskas Aussagen. Die von Kindern erinnerten Vorleben haben sich in der Regel auf der Erde abgespielt und sind daher nachprüfbar. Bekannte aus früheren Leben und dokumentierte Todesfälle, die den Beschreibungen der Kinder entsprechen, können zur Verifikation herangezogen werden.

Das ist bei Boriska aufgrund der Entfernung zum Mars nicht der Fall. Allerdings haben sämtliche Marsmissionen keine Hinweise auf eine blühende Marszivilisation gefunden und erst recht nicht auf eine erhöhte Radioaktivität, wie sie ein Atomkrieg hinterlassen hätte. Abgesehen von einigen Artefakten, die bestenfalls als Indizien für antike außerirdische Aktivitäten aufgeführt werden können, gibt es keinerlei Beweise für Boriskas Aussagen.

Seine überdurchschnittliche Intelligenz kann ebenfalls mitnichten als Beweis für seine außerirdische Herkunft gelten. Zwar konnte er bereits mit nur 4 Monaten erste Worte sprechen und begann mit einem Jahr zu lesen. Die bedeutet jedoch, dass er sich das Wissen über den Mars schon frühzeitig angelesen haben kann. Astronomiebücher für Kinder waren Ende der 1990er keine Neuheit mehr, sodass im Prinzip jedes Kind mit diesem Wissen hätte aufwarten können. Ebenso waren Filme wie „Mission to Mars“ aus dem Jahr 2000 und erst recht „Die Mars-Chroniken“ von 1979 noch vor Boriskas Einschulung aktuell und bei Kindern beliebt.

Der einzige Unterschied zu normalen Kids war das extrem junge Alter des am 11. Januar 1996 geborenen Russen, in welchem er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit ging. Seine hohe Intelligenz steht dementsprechend außer Zweifel. Dank dieser Intelligenz konnte er auch eine so überzeugende Lügengeschichte um seine Person stricken, die er noch heute mit über 20 Jahren vertritt. Er wusste, dass seine Behauptungen schwierig nachzuprüfen sind und sein Fachwissen über den Mars seine Glaubwürdigkeit untermauern würde.

Ein weiterer geschickter Schachzug war seine Zukunftsvision, laut der sich die Menschheit und das Leben auf der Erde verändern würden, sobald die Menschen die Tür hinter dem Ohr der Sphinx öffnen würden. Zum einen befindet sich dort lediglich eine rechteckige Gesteinsformation. Diese stellt zwar keine Tür dar, aber da die meisten Menschen niemals vor Ort nachsehen werden, könnten sich entsprechend viele Leute davon beeindrucken lassen.

Darüber hinaus verbietet die ägyptische Regierung aus Angst vor Beschädigungen seit Jahrzehnten jede genauere Untersuchung der Sphinx, weshalb Boriskas Schwindel in absehbarer Zeit nicht auffliegen wird. Seine Prophezeiung ist schlauerweise auch nicht datiert, weshalb sie sich stetig weiter in die Zukunft verschieben lässt. So wird eine reine Glaubensfrage daraus und Esoterik ist nun mal ein Glaube und keine Wissenschaft.

Zum Schluss stellt sich die Frage, warum Boriska sich etwas Derartiges ausgedacht hat? Dafür könnte es einen ganz pragmatischen Grund geben, denn Intelligenz gerät auf diesem stumpfsinnigen Planeten schnell zum Fluch. Intelligente Kinder werden von ihren Altersgenossen oft gemobbt und angefeindet. Ihr einziger Ausweg besteht darin, sich interessant zu machen. Wenn einen dann noch die Eltern in allem unterstützen und Kapital aus den Phantasien ihres hochintelligenten Kindes schlagen, wird daraus schnell ein Selbstläufer.

Unabhängig davon, was wirklich auf dem Mars vor sich geht, sind Boriskas Schilderungen reine Fantasy und teilweise sogar trotz der Distanz widerlegt. Wenn niemand auf seine Story hereinfallen würde, wäre er sicherlich schon so schlau gewesen, sich davon zu distanzieren. Sein Festhalten an den alten Kindheitsphantasien hat wohl in erster Linie einen monetären Hintergrund. Im schlimmsten Falle könnte er inzwischen aber durchaus selbst daran glauben, da in der Erinnerung die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit zuweilen verschwimmen können.

Videoanalyse: Ariana Grande will befreit werden

Ariana Grande ist ein aufgehender Stern am Himmel der Pop-Okkultur. Sie wurde 1993 als Tochter von sizilianischen Einwanderern in Florida geboren und begann mit 16 eine Schauspielkarriere bei Nickelodeon. Nachdem sie einige Werke bekannter Popstars wie Lady Gaga coverte, erhielt sie 2011 ihren ersten Plattenvertrag.

Wie bei vielen Kinder- und Jugendstars finden sich auch bei ihr deutliche Anzeichen für rituellen Missbrauch und Gedankenkontrolle. In ihren Liedern gibt es z.B. häufig Rückwärtsbotschaften wie „Send help!“ oder „Help me, my life is heavy.“ Es geht aber auch ganz offensichtlich. Insbesondere in ihren Musikvideos gibt es richtig üble Darstellung von physischer sowie psychischer Versklavung, Satanismus und New Age. Als Beispiel soll hier das Video zu „Break free“ analysiert werden.

Oberflächlich betrachtet ist der Musikclip von Chris Marrs Piliero an Science Fiction Filme wie „Barbarella“ angelehnt und wurde von Ariana Grande über Twitter mit Alienbildern beworben. Allerdings wirken Teile des Videos eher wie die Hölle, womit hier wieder einmal die Alien-Dämonen-Verbindung propagiert wird. Ähnliches gab es bereits bei Katy Perrys Single „ET“.

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Das erste Symbol dürfte eine Fleur de Lys sein, die Arianas Stirn ziert. In einer Einstellung schließt sie außerdem ihr rechtes Auge, um das linke Horusauge zu betonen. Diese Anlehnung an den Science Fiction Klassiker Metropolis wurde offiziell übrigens nicht zugegeben.

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Das nächste Symbol ist eine Abwandlung des Siegels von Satan. Die einzelnen Elemente wurden zwar etwas anders arrangiert, aber sie sind alle vorhanden. Die Pyramide ist gleichzeitig das V, zeigt aber nach oben statt nach unten. Das X in der Mitte ist gleichzeitig der überkreuzte Teil, der eigentlich um 90° gedreht unter die Pyramidenspitze gehört. Warum das Siegel Satans leicht entstellt wurde, kann viele Gründe haben. Vielleicht damit es nicht allzu offensichtlich ist oder um es patentieren lassen zu können.

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Interessant ist, dass Ariana dieses Symbol ihrer Versklavung abreißt und zertritt. Der Titel „Break free“ spielt also darauf an, dass sie sich eigentlich aus der satanistischen Knechtschaft befreien möchte. Bekräftigt wird dies durch die Zeile: „Tried to hide it, fake it, I can’t pretend anymore“/„Ich habe es versucht zu verstecken, zu faken, ich kann nicht mehr vortäuschen“.

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Wie wörtlich die Gefangenschaft zu nehmen ist, in der sie sich befindet, zeigt die nächste Einstellung. Diese zeigt ihre Mitgefangenen in Käfigen. Übrigens sind diesmal auch Männer dabei.

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Der Gefängniswärter ist nicht zufällig ein reptiloides Alien, welches das Siegel Satans trägt. An Offensichtlichkeit ist dieses Video nun wirklich nicht mehr zu überbieten.

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Ariana erschießt den Repto, lässt die Gefangenen frei und singt dabei: „This is the part when I say I don’t want it“/“„Das ist der Part, an dem ich sage, dass ich es nicht will“. Dumm nur, dass die Musikindustrie sie nicht gehen lassen wird. Es hat schon etwas Perverses, dass Ariana einer solchen Illusion ausgesetzt wird, die abrupt endet, als sie von weiteren Alienwärtern gestellt wird. Diese bilden ein Dreieck mit ihr in der Mitte.

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Nur so nebenbei bemerkt ist das eine Alien aus Star Wars geklaut. Allerdings gehört Star Wars ja nunmehr zu Disney und die TV-Premiere von „Break free“ fand auf dem Disney-Channel statt. Zufälle können bei diesem finsteren Konzern wohl ausgeschlossen werden.

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Nachdem Ariana ihre Häscher brutal hingerichtet hat, darf sie sich erst einmal für das männliche Publikum ausziehen. Diese sexistische Szene ist tatsächlich an „Barbarella“ angelehnt.

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Übrigens, wer genau hinschaut, entdeckt unter ihren Brüsten eine Pyramide mit Auge.

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Zwischendurch bekommt sie es noch mit einem satanischen Roboter zu tun.

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Diesen besiegt Ariana mit Raketen, die aus ihren Hupen schießen. Ja, auch das ist sexistisch.

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Leider wird sie von einer Kralle des Roboters erwischt und erneut gefangen genommen. Diesmal wird sie von einem Höllenfürsten zwischen die Säulen Jachin und Boas gekettet, welche ebenfalls das Siegel Satans tragen.

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Der Höllenfürst selbst trägt das Symbol der Kabbalah, den so genannten Sephiroth oder Weltenbaum.

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Wer das Video aufmerksam verfolgt hat, dem wird bereits aufgefallen sein, dass Ariana ein rotes Armband am linken Handgelenk trägt. Dieser Schmuck ist typisch für Anhänger der okkulten Kabbalah und wurde u.a. durch Madonna populär.

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Ariana gelingt es, ihre Ketten zu sprengen und dem Teufelsknecht das Kabbalah-Symbol zu stehlen. Sie nimmt also seine Religion an. Anschließend befördert sie ihn in die Hölle. Diese Szene kommentiert sie mit den Worten: „This is the part when I break free, cause I can’t resist it no more“/„Das ist der Part, bei dem ich mich befreie, denn ich kann das nicht mehr aushalten”. Hier wird ihr Wunsch deutlich, aus dem Alptraum auszubrechen, den die Satanisten um sie herum geschaffen haben. Doch genau mit diesem Wunsch wird sie von ihnen verhöhnt.

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Es ist wie mit dem Laserlippenstift, den sie in den Händen hält. Sieht nach außen hübsch aus, aber man verbrennt sich daran. Gegen Darth Sidious hätte sie mit dem Teil ohnehin keine Chance.

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Am Ende des Videos wird Ariana auf ein Raumschiff hoch gebeamt und gelangt so in die scheinbare Freiheit.
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An Bord darf sie erst einmal Ganesha küssen. Kabbalah trifft auf Hinduismus, theosophischer geht es kaum noch.

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Apropos Kabbalah und Theosophie, das Raumschiff scheint mit Vril-Energie zu fliegen.

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Der Sinn und Zweck dieses Videos sollte klar sein. Der Sklavenplanet ist die Erde und als einziger Ausweg aus der Knechtschaft wird die Esoterik angeboten. Am Anfang befreit Ariana zwar noch ihre Mitgefangenen, doch am Ende darf nur sie auf der Party der Elite tanzen, weil sie deren Religion angenommen hat. Welche Rolle die Aliens dabei spielen, kann sich jeder denken.

In einem Interview, welches am 5. November 2013 veröffentlich wurde, sprach Ariana u.a. von einer „Geister/Dämonen-Erfahrung“, die sie laut eigenen Aussagen hatte. Angeblich wurde sie eines Nachts von einer „massiven schwarzen Masse“ in ihrem Schlafzimmer aufgesucht. Sie hatte sich davor gefürchtet, will dann aber das Bewusstsein verloren haben und erst wieder aufgewacht sein, als die Kreatur verschwunden war. Klingt nach einer typischen Entführung durch die Grey, aber in diesem Fall könnte es auch mit Satanismus zu tun haben. Sie beschreibt es immerhin selbst als Dämon und genau auf diesem Ereignis basiert ihre Single „Break free“. Es ist also keine Sache der Interpretation.

Quelle

John Dee – Mathematiker, Hofastrologe und Magier

von Joe Doe

John Dee stammte aus einer wohlhabenden walisischen Adelsfamilie und wurde am 13. Juli 1527 in der City of London geboren. Dieses berüchtigte Finanzzentrum besaß bereits seit 886 das Recht zur Selbstverwaltung und wurde maßgeblich von Templern geprägt. Dieser Geburtsort sollte jedoch nicht das einzige dunkle Omen sein. Der Familienname Dee soll darüber hinaus vom walisischen „du“ abgeleitet worden sein, was übersetzt so viel wie „schwarz“ bedeutet. So schwarz wie die Magie, die das spätere Leben John Dees prägte.

Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Chelmsford (Essex), wo er die Chantry School besuchte. Ab 1542 ging er dann auf das St. John’s College in Cambridge, wo er 1545 den Bachelor of Art erwarb. Im Mai 1547 reiste John Dee in die Niederlande, wo er bei Gemma Frisius (1508-1555) und dessen Schüler Gerhard Mercator (1512-1594) Mathematik und Astronomie studierte. Vor seiner Rückkehr nach Cambridge erwarb Dee Mercators astronomische Instrumente für das Trinity College.

1548 wurde Dee zum Master of Arts ernannt. Er verweilte jedoch nicht lange in Cambridge und bereiste sowohl Frankreich als auch die Alte Universität Löwen in den Niederlanden. War sein Leben bisher von der kühlen Rationalität der Mathematik und Astronomie geprägt, begann er in dieser Zeit sein Studium in Alchemie und Magia Naturalis.

Sein wissenschaftlicher Ruf verschaffte ihm alsbald Zugang in höchste gesellschaftliche Kreise. Zu Dees Kontakten zählten Johann Capito, Herzog von Mantua, und Sir William Pickering, Herzog von Medinaceli. In Paris lernte er ab 1550 die Humanisten und Philosophen Adrianus Turnebus (1512-1565) und Petrus Ramus (1515-1572) sowie die Mathematiker und Astronomen Pedro Nunes (1502-1578) und Jean François Fernel (1497-1558) kennen. Bis dahin wirken Dees Lebenslauf und seine Bekanntschaften eher unauffällig, doch dies sollte sich schon bald ändern.

1552 traf John in London den Mathematiker, Arzt und Humanisten Gerolamo Cardano (1501-1576). Gemeinsam arbeiteten sie erfolglos an einem Perpetuum Mobile und untersuchten einen Edelstein, dem magische Kräfte nachgesagt wurden. Dies bildete bereits einen ersten Kontrast zu Dees bisher eher wissenschaftlichem Weltbild.

Zwei Jahre später lehnte er dann einen Lehrstuhl für Mathematik in Oxford ab, da er inzwischen eher anderen Wissenschaften und der Philosophie zugeneigt war. Nicht ablehnen konnte er dagegen seine Mitgliedschaft in der „Ehrenwerten Zunft der Händler“, die er 1555 durch ein System der Vererbung erhielt. Karriere machte er in dieser Zunft jedoch nie.

Im selben Jahr wurde John Dee der Ausübung schwarzer Magie und Zauberei angeklagt. Außerdem fügte man der Anklage noch Verrat an der Königin Maria I. (1516–1558) hinzu. Dee verteidigte sich selbst vor dem Court of Star Chamber, wurde allerdings zur religiösen Begutachtung dem katholischen Bischoff Bonner (1500-1569) zugewiesen. Kurioserweise wurden die beiden später Freunde und während Dee nur eine kurze Haftstrafe absaß, starb Bonner unter Elisabeth I. in Gefangenschaft.

John Dee erging es unter der nächsten Königin dagegen wesentlich besser. Lehnte Maria I. 1556 noch seinen Vorschlag zur Gründung einer Nationalbibliothek ab, machte er ab 1558 unter Elisabeth I. Karriere. Obwohl er keine Stelle erhielt, die ihm finanzielle Unabhängigkeit garantierte, wurde er noch im Jahr ihrer Thronbesteigung zu ihrem persönlichen Berater in den Bereichen Astrologie und Wissenschaft ernannt. Er soll sogar mit der Wahl des Krönungsdatums betraut gewesen sein.

Portrait Dees an der Universität Oxford.

Portrait Dees an der Universität Oxford.

Ein Großteil seiner Arbeit bestand für die nächsten zwei Jahrzehnte in der technischen Unterstützung der britischen Entdeckungsreisen. Sein Wissen über die Sterne war nämlich nicht nur für seine Funktion als Hofastrologe wichtig, sondern auch für die Navigation auf den Weltmeeren. 1577 veröffentlichte Dee sein entsprechendes Werk “General and Rare Memorials pertayning to the Perfect Arte of Navigation”, in dem er auch angebliche Territorialansprüche Großbritanniens an die Neue Welt darlegte.

Seine bedeutende Rolle beim Aufbau des britischen Empire trat jedoch in den Hintergrund, sobald Elisabeth I. ihn in seinem Haus in Mortlake besuchte. Bei diesen Gelegenheiten, die sich zwischen 1574 und 1580 ergaben, zeigte Dee der Königin sein magisches Kristall, beriet sie in Gesundheitsfragen und deutete 1577 einen neu entdeckten Kometen. Da sich England unter Elisabeth I. dem Protestantismus zuwandte und der streng reaktionäre Katholizismus seinen Einfluss verlor, wurde derartiger Hokus Pokus zunehmend salonfähig.

Mit dem Okkulten beschäftigte sich John Dee zu dieser Zeit schon lange. Seine hermetische Schrift „Monas Hieroglyphica“ erschien bereits 1564 in Antwerpen. Darin beschäftigte er sich mit der kabbalistischen Interpretation einer Glyphe, in der die mystische Einheit der gesamten Schöpfung Ausdruck finden sollte. Die Verbindung der christlichen Schöpfungsidee mit okkulter Mystik wirkt obskur, doch in der damaligen Zeit stellte dies für viele Magier keinen Widerspruch dar.

Während sich seine Monas Hieroglyphe heute vor allem in esoterischen und satanistischen Kreisen großer Beliebtheit erfreut, erlangte seine „Mathematical Preface“ („Mathematische Einleitung“) von 1570 großen Einfluss in der Wissenschaft. John Dee war in dieser Hinsicht eine zwiespältige Person, da er einerseits den wissenschaftlichen Rationalismus und auf der anderen Seite gleichermaßen esoterische Lehren förderte. Er versuchte nicht zuletzt, die Natur auch mittels Magie zu erklären.

Erfolg hatte Dee mit dieser Vorgehensweise selbstverständlich nicht. Zudem kamen seine Pläne zur Erkundung Amerikas nicht voran und sein Einfluss am königlichen Hof schwand zusehends. So kam es, dass er sich in den 1580ern zunehmend dem Übersinnlichen zuwandte. In dem Bestreben, Weisheit zu erlangen, suchte er mit Hilfe eines Kristallsehers den Kontakt zu Engeln. Er verfiel in einen regelrechten Engelwahn, was auch der Katalog seiner privaten Bibliothek belegt. Ein Großteil seiner Bücher beschäftigte sich mit Angelologie, wobei Dee besonderes Augenmerk auf die Kommunikation zwischen Menschen und Engeln legte.

Fündig wurde er in den Apokryphen und den Texten des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535), welcher seine Leser ermutigte, eine Stimme zu suchen, die sie von oben lehrt. Zudem besaß Dee 16 Werke von Robert Grosseteste (1170-1253); dem einstigen Bischof von Lincoln, welcher wie Dee von Engeln sowie von Mathematik und Astronomie besessen war.

Doch egal wie sehr sich der Hofastrologe bemühte, er hörte einfach keine Englein singen. Erst als er 1582 das Medium Edward Kelley (1555-1597) kennen lernte, sollte sich dies ändern. Der Alchemist Kelley hatte sich zu dieser Zeit bereits einen zweifelhaften Ruf erworben. Ihm wurde Urkundenfälschung nachgesagt und er galt als Betrüger. Dennoch schaffte er es, Dee bei einem Besuch auf dessen Landsitz in Mortlake dermaßen zu beeindrucken, dass sich eine enge Zusammenarbeit daraus entwickelte.

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Bei den spirituellen Konferenzen sollen John Dee mehrere Bücher von Engeln durch das Medium diktiert worden sein, in denen sich ihm ein neues magisches System offenbarte. Obwohl die Seancen von christlicher Frömmigkeit geprägt waren, dürften sie durchaus mit dem theosophischen Hokus Pokus der Moderne vergleichbar gewesen sein. Hinter dem ganzen faulen Zauber verbargen sich wohl am ehesten die skrupellosen Finanzinteressen des Mediums.

John Dee war ein leichtes Opfer, da er problemlos für die vermeintlichen Engelsbotschaften zu begeistern war. Er führte sogar ein Tagebuch über seine Seancen und Reisen mit Kelley, welches bis heute erhalten geblieben ist. Die protokollierten Mitschriften der Seancen wurden indes 1659 von Meric Casaubon veröffentlicht. Auch heute noch ein gefundenes Fressen für Esoteriker und Okkultisten.

1583 lernte Dee den polnischen Edelmann Albrecht Laski (1536–1605) kennen, der sich ebenfalls für das Übersinnliche begeisterte. Im September des gleichen Jahres folgte John nach einer Rücksprache mit den vermeintlichen Engeln der Einladung Laskis, ihn auf dessen Rückreise nach Polen zu begleiten. Er trat die Reise jedoch nicht allein an, sondern mit seiner Familie sowie Kelley und dessen Familie. Über Zwischenstopps in den Niederlanden, Lübeck und Stettin erreichten sie schließlich Laskis Landsitz bei Krakau.

Da Laskis finanzielle Mittel erschöpft waren, schlug er vor, dass seine beiden Gäste am Hofe Kaiser Rudolf II. (1552-1612) unterkommen könnten. Dank Dees europäischem Ruf glückte dieses Vorhaben tatsächlich, Kelley gegenüber blieb der Kaiser jedoch misstrauisch. Der Aufenthalt in Prag fand nach wenigen Monaten ein abruptes Ende, nachdem die päpstlichen Gesandten Malaspina und Sega auf Dee und Kelly aufmerksam geworden waren und die beiden als Ketzer und Hexer der Inquisition ausliefern wollten.

Die zwei flohen über Erfurt und Kassel schließlich zurück nach Krakau. Dort wurden sie anfangs vom polnischen König Stephan Báthory (1533-1586) willkommen geheißen, nachdem sie diesem die Nachfolge von Rudolf II. orakelt hatten. Als aber die Geldforderungen der beiden zunehmend unverschämter ausfielen, wurde der König ihrer Gegenwart schnell überdrüssig. Sie zogen daraufhin nach Böhmen weiter, wo sie im Burggrafen Wilhelm von Rosenberg (1535-1592) einen neuen Förderer fanden.

Bei Rosenberg machte sich Kelley unabhängig als Alchemist und angeblicher Goldmacher beliebt und schließlich erregte er auch die Aufmerksamkeit von Elisabeth I. Die Spannungen zwischen ihm und Dee nahmen in der Folgezeit zu. War Dee eher der naive Spiritist, zeigten sich bei Kelley immer offener seine skrupellosen Geschäftsinteressen. Letztendlich beabsichtigte der Betrüger, sich von seinem Partner zu trennen, was diesen zunächst noch beunruhigte.

Der endgültige Bruch ließ jedoch nicht lange auf sich warten, denn 1587 behauptete Kelley bei einer Seance in Wittingau, der Engel Uriel habe angeordnet, die beiden Männer sollten ihre Frauen tauschen. Dem Tagebuch Dees zufolge haben er und seine Frau zunächst sogar widerstrebend eingewilligt, doch letztendlich haben sie Kelley wohl doch durchschaut. Es folgte die endgültige Trennung und die Rückkehr nach England.

1589 kam John Dee wieder in seiner Heimat an und fand seine geliebte Bibliothek in Trümmern wieder. Während seiner Abwesenheit waren viele Bücher sowie Instrumente gestohlen worden. Er bat Elisabeth I. um Unterstützung und tatsächlich ernannte sie ihn 1592 zum Rektor des Christ’s College in Manchester. Sein Einfluss schwand jedoch zusehends, da er inzwischen als Schwarzmagier verschrien war.

War er der Inquisition in Europa gerade noch entkommen, verschlimmerte sich seine Lage nach dem Tod Königin Elisabeths auch in England. Ihr Thronfolger Jakob I. (1566-1625) war nicht unbedingt für Astrologie, Zahlenzauber und Seancen zu begeistern. Im Gegenteil zählte Hexenverfolgung zu seinen liebsten Hobbys. Als erneut Anklagen gegen John Dee erhoben wurden, wandte sich der einstige Hofastronom der verstorbenen Königin 1604 dennoch Hilfe suchend an den König, der ihn allerdings abblitzen ließ.

Zwar wurde Dee nicht ins Verließ geworfen, doch seine letzten Jahre verbrachte er in Armut. Er verstarb entweder Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Das genaue Todesdatum ist unbekannt, da sowohl das Sterberegister als auch John Dees Grabstein verloren gegangen sind. Er hinterließ acht Kinder aus drei Ehen, wobei sein ältester Sohn Arthur Dee (1579-1651) ihm als Alchemist und hermetischer Autor nacheiferte.

Die Rolle John Dees im Okkultismus ist nicht einfach zu definieren. Er war ohne Frage ein wichtiger Astrologe und Kabbalist, der glaubte, die göttlichen Kräfte mittels Mathematik kontrollieren zu können. Obgleich er nach außen ein frommer Christ war, vertrat er als einer der Ersten die Ansicht, dass der Mensch durch die Hermetik selbst ein Gott werden könne. Ein Gedanke, der später vor allem in der Theosophie Verbreitung fand. Gleiches gilt für die Kommunikation mit Engeln, heute als Channeling bekannt.

John Dee kann also durchaus als Vordenker der modernen Esoterik gesehen werden und in seinem Nachlass befand sich sogar ganz klischeehaft eine Kristallkugel. Ein finsterer Satanist war Dee jedoch nicht. Eher ein gutgläubiges Opfer des Scharlatans Kelley, welches sich bei der Sinnsuche in den Bereich des Übersinnlichen verirrt hat. Nichtsdestotrotz ist John Dee auch im modernen Satanismus en vogue, wo insbesondere seine Monas Hieroglyphe des Öfteren zu finden ist.

Zurückzuführen ist diese okkulte Popularität auf moderne Mythen, die von diversen Autoren um die Person des John Dee gestrickt wurden. So beschäftige sich der österreichische Theosoph Gustav Meyrink (1868-1932) in seinem esoterischen Schlüsselroman „Der Engel vom westlichen Fenster“ mit dem Leben Dees. H.P. Lovecraft (1890-1937) unterstellte in seinem „Cthulhu-Mythos“ gar, Dee sei der Übersetzer des Necronomicons. Dieses fiktive Buch war allerdings eine Erfindung Lovecrafts, weshalb John Dee in keinerlei Verbindung damit gebracht werden kann. Der angebliche Bund zwischen Dee und Luzifer geht schlussendlich auf die „Lycidas“-Reihe des deutschen Schriftstellers Christoph Marzi (*1970) zurück.

Mit der historischen Person hat das alles nicht mehr viel zu tun. John Dee war zwar ein Alchemist und Magier, doch seine Darstellung in der modernen Pop-Okkultur geht weit über seine tatsächliche Rolle für die frühe Esoterik hinaus. Für diese mag er zwar eine wegweisende Bedeutung gehabt haben, über seine spätere Mystifizierung durch die Theosophen und Satanisten wäre er aber wohl nicht gerade glücklich gewesen.

Die Vril-Gesellschaft – Nazi-UFOs und Channelmedien

von Joe Doe

Die Vril-Gesellschaft ist ein historisch kaum nachweisbarer Mythos, über den mehr Verschwörungstheorien als Fakten kursieren. Bereits die Herleitung des Namens führt direkt in die Rubrik Science Fiction. Das Wort „Vril“ tauchte nämlich erstmals in einem 1871 erschienen Roman mit dem Titel „The Coming Race“/„Das kommende Geschlecht“ auf. Abgeleitet wurde es wahrscheinlich vom lateinischen „virilis“, was sich mit „kraftvoll“ übersetzen lässt.

Illustration zu "The Coming Race"

Illustration zu „The Coming Race“

Das würde Sinn ergeben, denn in der Erzählung trifft der Protagonist auf die Vril-ya, eine unterirdisch lebende Menschenrasse, welche sich vom Rest der Menschheit abgespalten hat und über telepathische sowie telekinetische Kräfte verfügt. Obwohl die Unterirdischen im Roman in Höhlensystemen leben, ist dieses Werk wohl gleichermaßen die Ausgangslage für die Verknüpfung des Vril-Mythos mit der Theorie der hohlen Erde, wie er in modernen Verschwörungstheorien häufig anzutreffen ist.

Eine reale Verbindung des Romans zum Okkultismus gibt es derweil tatsächlich. Der Autor von „The Coming Race“, der Brite Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873), war nämlich Patron der Societas Rosicruciana in Anglia. Angeblich wurde ihm der Titel gegen seinen Willen verliehen, doch in seinen Werken tauchten die Rosenkreuzer sowie deren esoterische Lehren immer wieder auf. Erst ab den 1850ern ging er allmählich auf Distanz zur Esoterik, nachdem immer mehr Spiritisten als Betrüger entlarvt wurden.

Die mentalen Fähigkeiten der Vril-ya betrachtete er dementsprechend auch nicht aus einem esoterischen Blickwinkel, sondern versuchte sie mit naturwissenschaftlichen Mitteln zu erklären. Auf Anfrage der London Dialectical Society verfasste er am 28. Februar 1869 eine Stellungnahme, in der er Geister als Ursachen für spiritistische Phänomene ausschloss. Stattdessen führte er sie auf das Vorhandensein einer alles durchdringenden Naturkraft zurück. Lytton dürfte damit der Ideengeber für die Macht in „Star Wars“ gewesen sein. Seine posthume Popularität bei den Theosophen war jedoch keineswegs seine Intention.

Die Theosophen und andere okkulte Gruppierungen interpretierten „The Coming Race“ auf ihre Weise und glaubten, die Vril-Kraft für sich nutzen zu können. 1886 brachten einige Esoteriker sogar ein Rindfleischextrakt mit dem Namen „Bovril“ auf den Markt, weil sie sich durch den Bezug auf die fiktive Vril-Kraft einen höheren Absatz erhofften. Der Blödsinn gipfelte schließlich in einem Vril-ya-Bazaar, welcher vom 5. bis 7. März 1891 in der großen Londoner Royal Albert Hall stattfand.

Auch die oberste Theosophin Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891) griff die Vril-Kraft in ihrem Werk „Die entschleierte Isis“ von 1877 auf. Die unterirdische Urrasse übernahm sie jedoch nicht aus Lyttons Roman. In ihrem späteren Buch „Die Geheimlehre“ von 1888 behauptete sie stattdessen, die Bewohner von Atlantis hätten die Vril-Kraft zum Bau kolossaler Gebäude benutzt, ähnlich wie Apocalypse bei den „X-Men“. Nach dem Untergang von Atlantis habe dann eine kleine Gruppe überlebender Priester das Wissen um die Vril-Kraft bewahrt.

Die X-Men, von Hollywood als "das kommende Geschlecht" gefeiert.

Die X-Men, von Hollywood als „das kommende Geschlecht“ gefeiert.

Während die Nutzung des Vril-Begriffes durch die Theosophische Gesellschaft bestens belegt ist, sieht es bei der Existenz der Vril-Gesellschaft schon anders aus. Historisch nachweisbar ist lediglich ein Vril-ya-Club, welcher 1904 in London gegründet wurde. Dabei handelte es sich jedoch um einen theosophischen Esoterikclub, welcher keine belegbaren Verbindungen zu den späteren Nazis hatte.

Nach Deutschland kam der Begriff erstmalig 1874 mit der Erstübersetzung von Lyttons Roman. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich auch deutsche Okkultisten für die darin beschriebene Vril-Kraft zu interessieren. Es verwundert daher nicht, dass eine weitere deutsche Übersetzung von „Das kommende Geschlecht“ 1922 vom Anthroposophen Guenther Wachsmuth (1893-1963) in Umlauf gebracht wurde – auf ausdrücklichen Wunsch Rudolf Steiners (1861-1925).

An dieser Stelle kann schon mal zusammenfassend gesagt werden, dass der Mythos der fiktiven Vril-Kraft auch unter deutschen Esoterikern weit verbreitet war. Hinzu kam mindestens ein Privatzirkel aus Berlin, der sich explizit mit dieser Vril-Kraft beschäftigte. Dieser nannte sich jedoch nicht Vril-Gesellschaft, sondern Wahrheitsgesellschaft.

Der deutsche Raketenpionier Willy Ley (1906-1969), der nach der Machtergreifung der Nazis 1935 in die USA emigrierte, gab den irrationalen Überzeugungen dieser und anderer esoterischer Zirkel eine Mitschuld am Aufstieg der Nationalsozialisten. Ley veröffentlichte 1947 einen Artikel im Magazin Astounding Science Fiction, in welchem er die Wahrheitgesellschaft korrekt auf Lyttons Roman „The Coming Race“ zurückführte und ihre Überzeugung schilderte, die Vril-Kraft sei real. Mit der eigentlich ominösen Vril-Gesellschaft hatte aber auch die Wahrheitsgesellschaft nichts zu tun.

Ausschlaggebend für den Mythos waren wohl zwei Pamphlete aus dem Jahre 1930, welche mit „Weltdynamismus“ und „Vril“ betitelt waren. Veröffentlicht wurden sie von einem okkulten Zirkel namens „Reichsarbeitsgemeinschaft: Das kommende Deutschland“. Die Gruppe behauptete in ihren Schriften, sie sei im Besitz von Technologie, welche die Vril-Kraft nutzen könne. Allerdings handelte es sich mehr oder weniger um die Abschrift einer Broschüre des österreichischen Autoren Carl Schappeller (1875-1947), in welcher dieser ein Perpetuum Mobile propagierte.

Vril - Die komische Urkraft

Der Gründer der Reichsarbeitsgemeinschaft soll ein Johannes Täufer gewesen sein, was aber wohl nur ein Pseudonym war. Hinter diesem wird der Verleger und Theosoph Otto Wilhelm Barth (1882-Todesdatum unbekannt) vermutet. Das würde passen, weil bis dato schon immer die Theosophen hinter allem steckten, was mit Vril zu tun hatte.

Für die weitere Existenz der Reichsarbeitsgemeinschaft sowie der Wahrheitsgesellschaft nach 1930 gibt es indessen keine Belege. Und obwohl einige Okkultisten den Nazis ideologisch durchaus nahe standen, gibt es keine nachweisbaren Verbindungen der Vril-Gläubigen zur Führungsebene des 3. Reiches. Angeblich sollen sämtliche Materialien von den Alliierten beiseite geschafft worden sein, aber schaut man sich einmal genauer an, wer solche Behauptungen verbreitet, kommt man schnell auf rechte Esoteriker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad.

Erstmalig erwähnt wurde die Vril-Gesellschaft allerdings schon 1960 von den französischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier (1912-1978). Den beiden selbsterklärten Okkultisten zufolge soll die Vril-Gesellschaft Anfang der 1920er aus der „Loge der Brüder vom Licht“ hervorgegangen sein. Sie beriefen sich dabei zwar auf die Aussagen Willy Leys, doch ihre Daten deckten sich nicht mit denen der von Ley beschriebenen Wahrheitsgesellschaft. Lediglich die erwähnte Verbindung der Vril-Gläubigen zu den Theosophen und Rosenkreuzern entsprach den Tatsachen.

Vril-Logo

Was die neurechten Esoteriker verbreiten, ist noch abenteuerlicher. So soll die Vril-Gesellschaft unter der Leitung von Maria Orsitsch Anfang der 1920er telepathischen Kontakt mit einer Zivilisation vom Aldebaran aufgenommen haben. Um einen besseren Empfang zu haben, sollen sich die Vril-Mitglieder die Haare besonders lang wachsen lassen haben. Allein das ist schon ha(u)nebüchener Unsinn, denn Aldebaran ist ein Doppelsternsystem, dessen Hauptstern ein roter Riese ist. Wenn es dort überhaupt je Leben gab, dann wäre dieses schon vor hunderten Millionen Jahren verbrannt. Natürlich halten solche Fakten einen Reiner Feistle nicht davon ab, zu behaupten, dass die Vorfahren der weißen Europäer von dort gekommen seien.

Projekt Aldebaran

Allerdings gilt dies den rechten Esoterikern zufolge nur für die weißen Aldebaraner, die als einzige ihre Göttlichkeit bewahrt haben sollen, während die anderen Bewohner des Aldebaransystems durch Rassenvermischung degeneriert sein sollen. Das ist eine zutiefst rassistische Irrlehre, die durch wissenschaftliche Fakten leicht zu widerlegen ist. Im Gegenteil wirkt nämlich ein seichter Genpool degenerierend. Die ganze Story um die Aldebaraner ist gleichermaßen lächerlich wie verwerflich.

Es wird aber noch kruder, denn 1922 soll es der Vril-Gesellschaft gelungen sein, mithilfe der Channelingbotschaften eine Jenseitsflugmaschine zu bauen. Da stellt sich einem doch die Frage: Wenn die Nazis schon über 10 Jahre vor ihrer Machtergreifung über funktionstüchtige Reichsflugscheiben verfügten, wie konnten sie dann den Krieg verlieren? Und wieso haben die Aldebaraner den Nazis nicht gleich direkt geholfen, den Krieg zu gewinnen? Stattdessen sollen sie einfach zugesehen und anschließend Maria Orsistsch Asyl auf ihrem Planeten gewährt haben? Wer diesen Schwachsinn glaubt, der sucht auch am Nordpol nach dem Weihnachtsmann oder eben am Südpol nach Hitler.

Ebenso unwahr wie die kruden Verschwörungstheorien sind die Behauptungen, die Wahrheit über die okkulten Umtriebe der Nazis würden unterdrückt werden. Dokus wie „Schwarze Magie im braunen Hemd“ behandeln die Wurzeln des Naziregimes in der Ariosophie und Thule-Gesellschaft sogar äußerst detailliert. Des Weiteren ist es durchaus historisch anerkannt, dass es bereits in der Weimarer Republik Esoteriker gab, die sich mit Channelings und UFOs beschäftigten. Nur ist die Beschäftigung mit solchen Themen eben kein Beweis für Kontakte der Nazis mit Außerirdischen. Es beweist lediglich, dass es UFO-Sekten schon lange vor dem 2. Weltkrieg gab.

Gleiches gilt für die hoch entwickelte Technologie der Nazis. Wernher von Brauns Raketenforschung bei Peenemünde war bereits so weit gediehen, dass die V2 an der Grenze zum Weltraum kratzte. Doch statt damit zum Mond zu fliegen, hat Hitler sie lieber auf London schießen lassen. Ebenso fortgeschritten war das erste Überschallflugzeug der Gebrüder Horten. Zum Glück kam der Durchbruch zu spät, um die Niederlage noch abzuwenden. Gleiches galt für die Atombombenforschung, die kurz vor Kriegsende vor dem Durchbruch stand.

Kein Historiker würde leugnen, dass Deutschland unter dem Naziregime technologisch sehr weit fortgeschritten war. Inzwischen beschäftigen sich seriöse Historiker sogar offen mit dem Projekt Glocke, welches sich um Antigravitation gedreht haben soll. Allerdings besteht bei der Glocke keinerlei Verbindung zur Vril-Gesellschaft. Im Rahmen des Projektes wurde reguläre Elektrizität genutzt und keine fiktive Vril-Kraft. Außerdem handelte es sich um keine Flugscheibe, sondern um ein glockenförmiges Objekt. Der Erfolg ist bei alledem nicht belegt und so kann die Glocke als eines von vielen gescheiterten Geheimprojekten der Nazis betrachtet werden.

Gleiches gilt für die Entwicklungen des Österreichers Viktor Schauberger (1885-1958). Laut rechten Verschwörungstheorien soll Schauberger in Kontakt mit der Vril-Gesellschaft gestanden haben und an der Entwicklung der Vril 7 Flugscheibe beteiligt gewesen sein. Dumm nur, dass Schauberger Zeit seines Lebens nie etwas Derartiges von sich behauptet hat. Er glaubte nicht einmal an die Vril-Kraft, sondern behauptete lediglich, einen Implosionsmotor entwickelt zu haben. Die Funktionstüchtigkeit der so genannten Repulsine konnte jedoch nie nachgewiesen werden.

Gleichermaßen stellte sich Schaubergers Flugscheibe als absoluter Flop heraus und ihm wurden sämtliche Gelder gestrichen. Es handelte sich mitnichten um den Nachbau eines weltraumtauglichen UFOs, sondern um eine Art deutsches Avro-Car, welches konventionell betrieben wurde. Möglicherweise basierte sogar das Avro-Car der Amerikaner auf erbeuteten Plänen Schaubergers, aber auch dieses Vehikel entpuppte sich als totaler Reinfall und hob nicht mehr als einen Meter ab.

Für weitere Gerüchte sorgten einige Nurflügler, mit welchen die Nazis experimentierten. Im Prinzip probierten die deutschen Flugzeugkonstrukteure so ziemlich jede nur erdenkliche Form aus, wovon die meisten jedoch kläglich scheiterten. Darunter befand sich tatsächlich auch ein Rundflugzeug. Dieses trug aber weder die Bezeichnung Vril oder Haunebu, noch hatte es irgendetwas Überirdisches an sich. Es handelte sich schlicht um ein konventionell betriebenes Flugzeug mit runden Flügeln. Auf den wenigen glaubhaften Fotos lassen sich auch ganz klar Landeklappen sowie Heckflosse erkennen, welche bei einem Antigravitationsvehikel überflüssig wären. Ob die verantwortlichen Konstrukteure mit dieser Form versuchten, UFOs nachzubauen, ist nicht überliefert.

Nurflügler-Prototyp

Nurflügler-Prototyp

Historisch belegbar ist einzig und allein der mythologische Ursprung der Vril-Flugmaschinen. Detaillierte Beschreibungen lieferte der Theosoph William Scott-Elliot bereits in seinem 1896 erschienen Buch „The Story of Atlantis“. Laut diesem Werk sollen die Atlanter einst Flugmaschinen gebaut haben, welche die Vril-Kraft als Antriebsenergie nutzten. Es erscheint keineswegs abwegig, dass auch Okkultisten des 3. Reiches von dieser fiktiven Geschichte fasziniert waren. Heinrich Himmler (1900-1945) war z.B. vom Atlantis-Mythos besessen und beschäftigte sich ebenso mit den Vimanas aus der indischen Mahabharata.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass es wahrscheinlich keine Vril-Gesellschaft gab, allerdings sehr wohl theosophische Zirkel, die von der Existenz einer Vril-Kraft überzeugt waren. Was das Thema Reichflugscheiben angeht, gab es wohl ebenfalls eher UFO-begeisterte Okkultisten als tatsächlich funktionierende Naziraumgleiter. Und mal ehrlich, wenn die Deutschen diese Technologie besessen hätten, sähe die Welt heute ganz anders aus.

Was rechtsesoterische Verschwörungstheoretiker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad verbreiten, sind theosophische Irrlehren, die obendrein das 3. Reich verherrlichen. Mit diesem ha(u)nebüchenen Unsinn lassen sich maximal ein paar enttäuschte Neonazis begeistern, die immer noch darauf hoffen, dass ihr Führer irgendwann mit einer Flugscheibenflotte auftaucht, um das Reich wiederaufzubauen. Na da können sie lange warten, denn Hitler wird weder sein Versteck in der Antarktis, der hohlen Erde oder auf dem Aldebaran je verlassen.

Die Anthroposophische Gesellschaft – Rudolf Steiners Esoteriktruppe

von Joe Doe

Der Begriff Anthroposophie setzt sich aus den beiden altgriechischen Wörtern ánthrōpos für „Mensch“ und sophίa für „Weisheit“ zusammen. Es handelt sich bei dieser esoterischen Strömung um eine Abspaltung von der Theosophie, welche von Rudolf Steiner begründet wurde.

Steiner wurde am 27. Februar 1861 in Donji Kraljevec (damals Kaisertum Österreich, heute Kroatien) geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Er behauptete, bereits als Kind hellsichtige Fähigkeiten gehabt zu haben und interessierte sich daher schon früh für Esoterik. Die heilige Geometrie hatte es ihm ebenfalls angetan. Nach seinem Realschulabschluss bekam er ein Stipendium, welches ihm erlaubte, von 1879 bis 1883 an der Technischen Hochschule von Wien Mathematik und Naturwissenschaften auf Lehramt zu studieren. In dieser Zeit knüpfte er Kontakt zum Freimaurer und Theosophen Friedrich Eckstein (1861-1939), welcher ihn mit den Lehren Helena Blavatskys (1831-1891) bekannt machte.

Mit Ablauf des Stipendiums gingen Steiner die finanziellen Mittel aus, weshalb er das Studium ohne Abschlussexamen beenden musste. Er siedelte daraufhin nach Deutschland über, wo sein Versuch einer Dissertation an der Universität Jena 1884 jedoch ebenfalls scheiterte. Sieben Jahre später reichte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock eine 48-seitige Schrift mit dem Titel „Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte’s Wissenschaftslehre: Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewußtseins mit sich selbst“ ein und promovierte in einer mündlichen Prüfung am 23. Oktober 1891 zum Doktor der Philosophie.

Nebenher interessierte sich Rudolf Steiner vor allem für Johann Wolfgang von Goethe und gab von 1882 bis 1897 dessen naturwissenschaftliche Schriften heraus. Nachdem er sich bis 1890 als Hauslehrer über Wasser hielt, wurde er als Goetheforscher an das Weimarer Archiv berufen. Sein Faible für den Freimaurer und Illuminaten Goethe sollte sich wie ein roter Faden durch Steiners gesamtes Lebenswerk ziehen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Rudolf Steiner auch engen Kontakt mit Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935), der Schwester des damals schon geistig umnachteten Friedrich Nietzsche (1844-1900). Er beschäftigte sich eingehender mit den Werken Nietzsches und traf diesen am 22. Januar 1896 auch persönlich. Nach einem Eklat um die Herausgeberschaft von Nietzsches Werken brach Steiner jedoch mit der Schwester und prangerte ihre zweifelhaften Machenschaften an. Mit ihren eigenwilligen Interpretationen der Werke ihres Bruders wurde Elisabeth Förster-Nietzsche zudem zu einer Vordenkerin der Nazibewegung.

Zu Steiners drittem wichtigen Einfluss sollte sich schließlich die inzwischen verstorbene Helena Blavatsky entwickeln. Kurz vor seinem Aufstieg in deren Theosophischer Gesellschaft heiratete Rudolf Steiner 1899 die verwitwete Anna Eunike (1853–1911), die er bereits aus Wien kannte. Als Student hatte er bei ihr und ihren fünf Kindern aus erster Ehe gewohnt, womit er sich sowohl privat als auch ideologisch wieder seinen Jugendjahren zuwandte.

Rudolf Steiner

Im September 1900 hielt er je einen Vortrag über Nietzsche und Goethe in der Theosophischen Bibliothek des Grafen Cay Lorenz von Brockdorff (1844-1921). Die Theosophen nahmen seine Vorträge derart positiv auf, dass er gleich noch eine 26-teilige Vortragsreihe mit dem Titel „Die Mystik“ anschloss, welche er bis April 1901 abhielt. Stand Steiner den Theosophen als Religionskritiker zunächst noch skeptisch gegenüber, konnte er nun dank ihnen gut von seinen Vorträgen leben.

1902 gründete sich eine deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, doch die deutschen Theosophen konnten sich auf keinen Vorsitzenden einigen. Als Kompromiss ernannten die Mitglieder schließlich Rudolf Steiner zum Generalsekretär. In dieser Funktion gab er auch die deutsche Ausgabe der theosophischen Zeitschrift „Lucifer Gnosis“ heraus. Zwei Jahre später erschien dann sein erstes Buch „Theosophie“, in dem er mit dem für Okkultisten üblichen Lehrer-Schüler-Verhältnis brach und sich für die selbstbestimmte Erkenntnisleistung aussprach.

Lucifer Gnosis

Steiner wich auch in einigen weiteren Punkten von den theosophischen Lehren ab. Zum einen sprach er dem Ego eine zentrale Bedeutung in der spirituellen Entwicklung zu, während das Ego in der Esoterik gemeinhin als zu überwindendes Übel gilt. Zum anderen weigerte sich Steiner, in Jesus einfach nur einen hoch entwickelten Menschen bzw. aufgestiegenen Meister zu sehen. Stattdessen betonte er die Einmaligkeit und Einzigartigkeit von Jesus.

Der Konflikt war also vorprogrammiert und verschärfte sich mit Steiners nächstem Buch. 1910 fasste er seine esoterischen Lehren in der Schrift „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ zusammen, welche sich hauptsächlich um abendländische Themen wie die christliche Hierarchienlehre drehte. Steiner nahm zwar auch viele fernöstliche Elemente der Theosophie in sein Weltbild auf, betrachtete Themen wie Reinkarnation und Karma jedoch aus einer wissenschaftlichen Perspektive.

In sich war Rudolf Steiner ein sehr widersprüchlicher Mensch, der Christentum, Okkultismus, wissenschaftlichen Rationalismus und das irrationale Rosenkreuzertum miteinander zu verbinden versuchte. Sogar dem sexualmagischen Ordo Templi Orientis gehörte er an. Über den OTO freundete sich Steiner mit Theodor Reuß (1855-1923) an, dessen Orden der alten Freimaurer vom Memphis- und Misraïm-Ritus er nicht nur angehörte, sondern ihn als Souveräner General-Großmeister von 1906 bis 1914 auch leitete.

Rudolf Steiner war damit in so ziemlich jeder bedeutenden Geheimgesellschaft dieser Zeit, doch in der Theosophischen Gesellschaft fühlte er sich zunehmend unwohl. Bereits 1907 zerstritt er sich mit Annie Besant (1847-1933), nachdem diese behauptete, die Mahatmas (Meister der Weisheit) wären am Totenbett von Blavatskys Nachfolger Henry Steel Olcott (1832-1907) erschienen und hätten sie als seine Nachfolgerin auserkoren. Hatte Steiner zuvor noch ein positives Verhältnis zu Besant, ging ihm die Machtergreifung der 33°-Freimaurerin definitiv zu weit.

Annie Besant mit den Freimaurerinsignien des 33. Grades.

Annie Besant mit den Freimaurerinsignien des 33. Grades.

Zunächst trennte er seine eigene esoterische Schule von der Theosophischen Gesellschaft, wodurch sich die deutschen Sektionen und Logen weiter von der Muttergesellschaft entfremdeten. Der endgültige Bruch kündigte sich an, nachdem einige führende Theosophen um Charles Webster Leadbeater (1847-1934) im Jahre 1911 den damals 16-Jährigen Jiddu Krishnamurti (1895-1986) als kommenden Weltlehrer Maitreya propagierten und ihn als Reinkarnation von Jesus verkauften. Steiner lehnte den Kult um Krishnamurti sowie dessen Order of the Star in the East ab und forderte Annie Besant zum Rücktritt auf. Selbstverständlich blieb sie Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft und setzte ihren Kurs weiter fort.

Rudolf Steiner gründete daraufhin am 28. Dezember 1912 in Köln seine eigene Anthroposophische Gesellschaft, zu der rund 2.500 deutsche Theosophen überliefen. Binnen eines Jahres kamen über 1.000 weitere Mitglieder hinzu. Es spielte also schon fast keine Rolle mehr, als die Theosophische Gesellschaft am 7. März 1913 ihre ehemals von Steiner geleitete deutsche Sektion offiziell auflöste. An ihre Stelle trat eine erneuerte deutsche Sektion unter Leitung von Wilhelm Hübbe-Schleide (1846-1916).

Privat ging Steiner ebenfalls neue Wege, indem er am 24. Dezember 1914 seine zweite Frau Marie von Siver (1867-1948) heiratete. Sie hatte bereits einige Hauptrollen in seinen Mysteriendramen gespielt, welche zwischen 1910 und 1913 in München uraufgeführt wurden. Wie er gehörte sie dem Ordo Templi Orientis und dem Memphis-Misraïm-Ritus an, welcher auch Frauen zugänglich war. Den Betrieb der Loge stellte Steiner jedoch im Jahr seiner Heirat ein, um sich gemeinsam mit Marie auf die Anthroposophie zu konzentrieren.

Marie Steiner war dabei vor allem an der Entwicklung der Eurythmie beteiligt, einer esoterischen Tanz- und Bewegungskunst, mit der sie sich schon seit 1907 beschäftigte. Außerdem leitete sie den 1908 von ihr gegründeten Philosophisch-Theosophischen Verlag ab 1913 unter dem Namen Philosophisch-Anthroposophischer Verlag weiter. 1923 verlegte sie ihren Verlag von Berlin ins schweizerische Dornach, welches inzwischen zum Zentrum der Anthroposophie geworden war.

1913 wurde dort das erste Goetheanum gebaut, welches als Hauptsitz und Veranstaltungsstätte diente. In der Silvesternacht 1922/1923 wurde es jedoch von einem Unbekannten in Brand gesteckt. Erst 1928 wurde schließlich das zweite Goetheanum errichtet, welches bis heute der Hauptsitz der Anthroposophischen Gesellschaft ist.

Erstes Goetheanum

Zweites Goetheanum

Von Dornach aus verbreitete Steiner nicht nur seine esoterischen Lehren, sondern nahm auch Einfluss auf die Politik. Erste Kontakte knüpfte er bereits vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, insbesondere in konservative und nationalistische Kreise. Eben diese Kreise erfanden nach Kriegsende allerhand Verschwörungstheorien, mit denen die Schuld am verlorenen Krieg auf politische Gegner abgewälzt werden sollte. Steiner beteiligte sich 1919 mit einer Broschüre an dieser Diskussion, welche den Titel „Die Schuld am Kriege“ trug.

Darüber hinaus finanzierte er eine verschwörungstheoretische Schrift des Ariosophen Karl Heise (1872-1939), in welcher dieser den Juden, Freimaurern und Theosophen die Schuld am Krieg und dessen Verlauf gab. Steiner schrieb sogar eine Einleitung für das Pamphlet, auf welches sich später auch die Nazis beriefen. Nun mag es noch einleuchten, dass Steiner nach dem Bruch mit den Theosophen diesen eine reinwürgen wollte. Aber warum unterstützte er als Freimaurer und Rosenkreuzer eine Schrift, welche sich gegen die Freimaurerei richtete? Und was hatte er für ein Problem mit den Juden? Im Gegensatz zu Hitlers Vorgeschichte ist aus Steiners Lebenslauf nicht ablesbar, wieso er sich plötzlich mit Antisemiten umgab.

Es scheint fast so, als hätten die Freimaurer sich absichtlich selbst zum Teil antisemitischer Verschwörungstheorien gemacht, um später Kritiker mit der Antisemitismuskeule mundtot zu machen. In jedem Falle sind Rudolf Steiners diesbezügliche Ambitionen ein weiteres Beispiel für den in der Hochgradfreimaurerei grassierenden Antisemitismus. Karl Heise bezeichnete sich derweil zwar als Anti-Freimaurer, war allerdings selbst ein Okkultist und aus den Reihen der Ariosophen hatte sich gerade in dieser Zeit die Thule-Gesellschaft entwickelt, welche ihrerseits stark freimaurerische Züge trug.

Als wären diese Abgründe nicht schon gruselig genug, nahm der antisemitische Esoterikquerfrontler Rudolf Steiner mit seiner Waldorfpädagogik Einfluss auf die schulische Bildung ganzer Generationen. Die erste Schule nach seinem Modell war die 1919 in Stuttgart eröffnete Betriebsschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik. Der Name der heute weltweit verbreiteten Waldorfschulen geht also auf eine Kippenmanufaktur zurück und ihr Begründer Emil Molt (1876-1936) verdiente sein Geld mit Gift. Selbstverständlich war Molt ebenfalls Theosoph und später Anthroposoph, weshalb es für ihn kein Problem war, die Kinder seiner Angestellten auch mental zu vergiften.

Die esoterische Erziehung verbreitete sich rasant. So wurden Waldorfschulen und –kindergärten nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland gegründet. Bereits nach einem Jahr entstand ein Kindergarten in Warschau, 1928 folgten Schulen unter anderem in Basel, Budapest, London, Lissabon und New York. In Deutschland erfolgte während der Nazizeit ein Rückschlag, nachdem das Kultusministerium 1934 den Beschluss fasste, in den Waldorfschulen keine ersten Klassen mehr zuzulassen. 1935 wurde schließlich die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland verboten, woraufhin sich sechs Schulen freiwillig auflösten. Die verbliebenen Schulen wurden bis 1941 geschlossen.

Die Nazis kritisierten jedoch nicht den esoterischen Unfug, welcher in den Waldorfschulen gelehrt wurde, denn davon hatten sie selbst genug auf dem Lehrplan stehen. Steiners Lehren hatten sogar sozialdarwinistische Züge, die den Nazis sicherlich gefallen hätten. Das einzige Problem, was sie mit der Anthroposophie hatten, war der darin gelebte Individualismus, welcher dem kollektiven Geist des Faschismus entgegen stand. Ansonsten standen sich Anthroposophen und Nazis eigentlich recht nahe, was sich auch in einem Brief führender Anthroposophen an Hitler zeigte, in welchem diese auf Steiners arische Herkunft verwiesen.

Der Konkurrenzkampf der Ariosophen gegen die Anthroposophen endete erst mit dem Sturz des Naziregimes durch die Alliierten. Dafür kam es jedoch alsbald zu einem Konkurrenzkampf unter den Anthroposophen. Ausgangspunkt war die Witwe Rudolf Steiners, der seine irdische Hülle bereits am 30. März 1925 abgelegt hatte. 1943 gründete Marie Steiner die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, der sie am 1. Dezember 1947 sämtliche Rechte an den Werken ihres verstorbenen Mannes übertrug.

Nach ihrem eigenen Ableben am 27. Dezember 1948 brach schließlich ein Rechtsstreit zwischen der Anthroposophischen Gesellschaft und der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung aus. Letztendlich siegte vor Gericht die Nachlassverwaltung, woraufhin die Gesellschaft bis ins Jahr 1968 alle Werke Steiners aus der Buchhandlung des Goetheanums verbannte.

In den 1960ern fanden die Anthroposophen allgemein wieder zueinander. So schlossen sich die 1935 abgespaltenen Landesgesellschaften in Holland und England in den Jahren 1960 und 1963 wieder an. Dornach wurde mit seinem Goetheanum wieder zum weltweiten Zentrum der Anthroposophen.

Die Waldorfschulen feierten kurz darauf ebenfalls eine neue Blütezeit. Bereits nach dem Ende des 2. Weltkriegs kam es umgehend zu Wieder- und Neugründungen in Deutschland. Zu einem regelrechten Boom kam es jedoch erst in den 1970ern. Die Waldorfschulen breiteten sich in dieser Zeit weltweit aus. Bis 2015 entstanden 1.063 Schulen in 60 Ländern sowie rund 2.000 Waldorfkindergärten.

Angesichts der Lehrinhalte ist diese Entwicklung jedoch äußerst bedenklich. Kern der Waldorfpädagogik ist nämlich das anthroposophische Menschenbild, demnach der Mensch nicht nur einen physischen Körper, sondern auch einen Astralkörper, einen Ätherkörper und ein Über-Ich besitzt. Diese drei Körper können natürlich nur übersinnlich wahrgenommen werden.

Nun ist ja wirklich nichts gegen ein ganzheitliches Weltbild einzuwenden, in dem der Mensch eine unsterbliche Seele hat. Angesichts der zahllosen Berichte über außerkörperliche sowie Nahtoderfahrungen sollte die Wissenschaft sich durchaus ernsthaft mit diesem Themenbereich beschäftigen. Wozu der Mensch aber noch einen Ätherleib braucht, der laut Steiner angeblich mit dem Zahnwechsel geboren wird, oder einen Astralleib, der sich während der Pubertät bilden soll, ist keine Frage der Wissenschaft mehr. Das ist esoterischer Unfug vom Feinsten und es sollte verboten werden, derartiges an Schulen zu unterrichten.

Natürlich gibt es an Waldorfschulen auch reguläre und pragmatische Fächer, doch dazwischen tauchen immer wieder Fächer wie Eurythmie auf. Esoterik hat genauso wie die biblische Schöpfungslehre nichts auf dem Lehrplan zu suchen. Schule sollte Wissen vermitteln und keinen Glauben! Natürlich gibt es da noch christliche und jüdische Schulen, die in diesem Punkt auch nicht wirklich besser sind. Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz kann man nicht die einen verbieten und die anderen erlauben. Allerdings sollten Eltern sich gut überlegen, ob sie ihre Kinder an einer Waldorfschule mit anthroposophischen Esoterikmumpitz indoktrinieren lassen.

Hinzu kommen immer wieder Rassismusvorwürfe gegen Waldorfschulen. Offiziell hat sich der Bund der Freien Waldorfschulen e.V. zwar gegen Rassismus, Diskriminierung und Nationalismus ausgesprochen. Einer 1996 in Auftrag gegebenen Untersuchung der niederländischen Anthroposophischen Gesellschaft mit dem Titel „Anthroposophie und die Frage der Rassen“ zufolge, wären jedoch 12 Aussagen Rudolf Steiners heute in den Niederlanden strafbar und 50 weitere könnten diskriminierend verstanden werden. Eine Abkehr von ihrem Gründer kommt für die Anthroposophen dennoch nicht in Frage.

Auffällig ist auch das Vorgehen des Bundes der Freien Waldorfschulen gegen kritische Berichterstattung. Teilweise kam es schon vorab zu Gerichtsverfahren, Gegendarstellungsbegehren und Unterlassungsansprüchen. Konsequente Schritte erfolgten dagegen erst nach kritischen Berichten, wie z.B. die Verbannung des rassistischen Buches „Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst“ des Anthroposophen Ernst Uehli (1875-1959) aus den Schulbibliotheken, nachdem dieses 1998 auf einer Literaturliste für Waldorflehrer entdeckt worden war.

Neben der Waldorfpädagogik hinterließ Rudolf Steiner der Welt auch seine anthroposophische Medizin. Diese bezieht Astral- und Ätherleib in die Behandlung ein und trägt stark homöopathische Züge. Obwohl es sich um eine absolute Pseudowissenschaft handelt, genießt die anthroposophische Medizin in Deutschland seit 1978 den Status einer „besonderen Therapierichtung“. Ein Wirksamkeitsnachweis ist daher für anthroposophische Arzneien nicht zwingend erforderlich.

Wenn das mal kein Lobbyismus für die Weleda AG ist. Diese Pharmafirma wurde 1921 von Anthroposophen gegründet und vertreibt seitdem allerhand homöopathische Mittelchen sowie Naturkosmetik. Der Hauptsitz der Weleda AG befindet sich im schweizerischen Arlesheim, keine 3 Kilometer von Dornach entfernt, wo das Goetheanum steht. Das Umfeld von Basel ist ohnehin ein esoterischer Hot Spot, welcher sonst nur noch von London übertroffen wird.

Das erste anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus wurde allerdings 1969 im deutschen Herdecke (NRW) gebaut. Gründer war der anthroposophische Arzt Dr. Gerhard Kienle (1923–1983). Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke besitzt zahlreiche schulmedizinische Abteilungen, darunter eine Intensivstation und Chirurgie. Neben dem umfangreichen schulmedizinischen Angebot, welches von Geburt bis Tod reicht, werden allerdings auch esoterische Praktiken wie Heileurythmie angeboten. Es ist geradezu ironisch, dass es auch eine psychiatrische Abteilung gibt.

Geld lässt sich natürlich nicht nur auf dem Gesundheitsmarkt verdienen. Seit 1974 sind die Anthroposophen auch im Finanzsektor aktiv. In diesem Jahr wurde von Gisela Reuther, Wilhelm Ernst Barkhoff (1916-1994), Albert Fink und Rolf Kerler die GLS-Genossenschaftsbank gegründet. 2003 übernahm diese die Geschäfte der Ökobank, welche in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, und 2008 schluckte sie außerdem die Münchner IntegraBank.

Das Konzept der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, welche 2009 Gründungsmitglied der Global Alliance for Banking on Values war, ist dabei gar nicht mal so verkehrt. So finanziert die GLS weder Atomkraft, Gentechnik und Rüstung noch Drogen wie Alkohol und Tabak oder Unternehmen, die auf Kinderarbeit und Tierversuche setzen.

Alles in allem ist die GLS eine äußerst ethisch agierende Bank, deren Kunden selbst mitbestimmen können worin ihr Geld angelegt wird. Die über 11.000 Unternehmen und Projekte, die jährlich finanziert werden, sind aber auf jeden Fall in Branchen wie ökologische Landwirtschaft, regenerative Energien, nachhaltiges Bauen, Kultur, Gesundheit, Altenpflege und Behinderteneinrichtungen angesiedelt. So weit so gut. Allerdings werden auch freie Schulen und Kindergärten finanziert. Es sollte klar sein, dass damit vorrangig Waldorfeinrichtungen gemeint sind. Die GLS trägt also auch zur Verbreitung der anthroposophischen Esoterik bei.

Des Weiteren engagiert sich die GLS beim Thema Klimahysterie und ist vom Programm Stop Climate Change zertifiziert. Ferner ist sie Partner des World Future Council, welches stark vom Club of Rome durchsetzt ist. Zu den Ratsmitgliedern des WFC gehörten 2014 u.a. die Club of Rome Mitglieder Hans-Peter Dürr (1929-2014), Manfred Max-Neef und Vandana Shiva. Die Nähe zur Anthroposophenbank macht das World Future Council nicht unbedingt sympathischer, denn mit diesen Verbindungen geht das ganze schon wieder stark in Richtung einer esoterischen neuen Weltordnung.

Ethik, Menschenrechte und Globalisierungskritik sind ohne Frage positiv besetzt, doch gerade das macht sie zu einer geeigneten Fassade für esoterische Heilsbringer. Die Anthroposophen haben diese Taktik bestens verstanden und in ihr Gesamtkonzept integriert. Wie schon ihr Schöpfer Rudolf Steiner benutzen sie fernöstliche, christliche und humanistische Elemente, doch hinter dieser Maske verbergen sich obskure Esoterik und finsterer Okkultismus. Wirklich überraschend ist dies jedoch nicht, da die Anthroposophische Gesellschaft eine Abspaltung der Theosophischen Gesellschaft ist. Teilweise haben Rudolf Steiner und seine Anhänger sogar die rassistischen Ideen von deren Gründerin Helena Petrovna Blavatsky übernommen und wie die Theosophen pflegen auch die Anthroposophen enge Verbindungen zur Hochgradfreimaurerei und zum Rosenkreuzertum.

Wake News – Für alle, die weiterschlafen wollen

von Anton Nymous

Das Desinformationsportal Wake News sowie der dazugehörige Youtube-Kanal Wake News TV werden von Detlev Hegeler betrieben. Der am 28. Dezember 1954 in Heepen (NRW) geborene Hegeler schloss zunächst ein Studium als Betriebswirt ab und zog 1994 als Angestellter eines Großkonzerns in die Schweiz. Später machte er sich selbstständig, verlor jedoch zusehends Kunden. Nachdem er seine Consulting-Unternehmen vor den Baum gefahren hatte, suchte er die Schuld beim Staat. Schnell machte er sich dabei die Theorien der Reichsbürgerbewegung zu Eigen.

Bei der Firma General News Service Network Association bestellte er sich für rund 130 € plus einer Jahrespauschale von rund 20 € einen Presseausweis, um sich fortan Journalist nennen zu können. Seitdem macht er das Internet mit seinen Theorien unsicher, deren Hauptzweck scheinbar darin besteht, Mitleid zu erregen. Inzwischen lebt er nämlich in einer Basler Sozialwohnung und kassiert Sozialhilfe. Die Suche nach einem neuen Job hat er längst aufgegeben und da man als freier Internetjournalist nicht wirklich was verdient, besteht die Hälfte seines Programms aus Werbung für Merchandise.

Wake News ist weniger ein Nachrichtenportal als viel mehr eine Marke, mit der richtig viel Geld zu verdienen ist. Da mag er noch so rumjammern, dass die 50 Aufkleber für 5 € lediglich die Selbstkosten decken. Die T-Shirts mit „Wake News“-Aufdruck kosten bereits zwischen 17,90 € und 21,90 €, Hoodies gibt es für 39,90 €, Westen für 59,90 € und die Bomberjacken kosten stolze 99,90 €. Angeblich will er auch mit solchen Angeboten, die er dreist „günstig“ nennt, keinen Gewinn machen. Nur mal zum Vergleich: Band-T-Shirts auf Festivals gibt es bereits ab 15 € und die Händler machen trotz Standgebühren gute Gewinne. Wenn Hegeler also nichts daran verdient, dann nur, weil kaum jemand seinen Schrott kauft.

Bomberjacke

Er braucht sich auch gar nicht hinter dem externen Laufteufel-Shop zu verstecken, wo er Provision auf alle Verkäufe erhält. Immerhin ist Wake News seine Marke. Der Verdacht liegt nahe, dass seine Behauptungen, nichts zu verdienen, auf das Finanzamt abzielen. Dazu würde passen, dass er von seinen Zuschauern verlangt, Geld in Alufolie gewickelt an ein Postfach zu schicken. Immer schön am Fiskus vorbei.

Spenden gingen indes zunächst auf das Konto einer Jutta Lackhaus. Nach wohlverdienter Kritik wurde im Juli 2015 ein Vereinskonto für Spenden eröffnet. Der „Verein zur Förderung internationaler freier Medien“ ist selbstverständlich nirgendwo eingetragen und wohin das Geld wirklich fließt, kann sich jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch denken. Es hat wohl seine Gründe, dass Detlev Hegeler sämtliche Gesetze gegen Steuerhinterziehung kategorisch ablehnt und weder den Staat noch dessen Justiz anerkennt. Doch dazu später mehr.

Halten wir bis hier hin erst mal fest, dass Detlev Clemens Hegeler ein knallharter Geschäftemacher ist. Seine Fans wollen das vielleicht nicht wahrhaben, aber die das omnipräsente Product Placement ist kaum zu leugnen. Es gibt kaum eine Websendung oder Internetseite, die mehr mit Werbung zugeknallt ist als Wake News. Zwar vertreiben andere Internetaktivisten ebenfalls Merchandise oder finanzieren sich über Crowdfunding, doch Hinweise darauf gibt es meist nur am Ende der Sendung und zudem führen fast alle anderen brav ihre Steuern ab.

Was Hegeler dagegen abzieht, ist dermaßen durchschaubar und dreist, dass es eigentlich selbst dem dümmsten Freak auffallen müsste. Der Gipfel ist dabei die Kooperation mit dem Shop Laufteufel. Da schwadroniert Hegeler über die okkulte Elite und dann geht er selbst den Pakt mit dem sprichwörtlichen Teufel ein? Wer sich wirklich ernsthaft mit okkulter Symbolik beschäftigt, sollte den Firmennamen sowie das Dreizack-Logo zu deuten wissen.

Lauf Teufel lauf!

Obgleich der Geschäftemacher noch nicht der Steuerhinterziehung überführt wurde, geriet er durchaus schon mit dem Gesetz in Konflikt. So geschehen 2012, als seine Wohnung polizeilich durchsucht und er wegen übler Nachrede verurteilt wurde. Am 27. April 2015 geriet er dann im baden-württembergischen Grenzach-Wyhlen in eine Verkehrskontrolle, bei der er hops genommen wurde. Allerdings erfolgte die Verhaftung erst, nachdem er Widerstand gegen die Staatsgewalt leistete und deren Legitimität infrage stellte. Übrigens fährt er für einen Sozialhilfeempfänger ein ziemlich schickes rotes Chrysler-Cabrio.

Detlevs Bonzenkarre

Kaum wieder auf freiem Fuß, produzierte Hegeler am 30. April 2015 eine Sondersendung mit dem bizarren Titel „’Justiz’ sperrte Detlev ins Foltergefängnis GUANTANAMO Freiburg“. Die Gleichsetzung seiner Zelle in Freiburg mit dem US-Foltergefängnis in Guantanamo Bay kann eigentlich nur ein derber Scherz sein. Jeder einigermaßen intelligente Zuschauer muss sich spätestens ab diesem Punkt verzweifelt die Hand vors Gesicht schlagen.

Facepalm

Für ein Folteropfer sah Märchenonkel Detlev nach seiner Entlassung selbstverständlich noch ziemlich frisch aus. Keine blauen Flecken oder Brüche, keinerlei Erschöpfung aufgrund stundenlangen Waterboardings und auch keine Spuren von Peitschenhieben oder Daumenschrauben. Es wird zwar gemunkelt, dass sein Gehirn während der Inhaftierung amputiert wurde, allerdings könnte dies auch schon Jahre zuvor geschehen sein.

Das würde zumindest auch erklären, warum er „Justiz“ in Anführungszeichen setzt. Es gibt zwar tatsächlich Justizskandale, wie der Fall Gustl Mollath belegt, doch das lässt sich mit Hegelers Festnahme nicht einmal ansatzweise vergleichen. Immerhin wurde er wenig später wieder freigelassen und nicht mal rechtskräftig verurteilt. Bei alledem ist es ziemlich offensichtlich, dass es Wake News gar nicht um echte Justizskandale geht, sondern um die generelle Delegitimierung der deutschen Justiz als solche.

Und da wären wir auch schon bei Detlev Hegelers Nähe zur Reichdeutschenbewegung. Diese braun gefärbte Gruppierung interessiert sich nicht wirklich für die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland, welche spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen tatsächlich angezweifelt werden darf. Es geht den Reichsdeutschen um nichts Geringeres als um die Fortführung des 3. Reiches. Sie wollen die BRD nicht reformieren, die Regierung nicht abwählen und das Grundgesetz nicht zur Verfassung erheben. Sie wollen einfach nur alles Bestehende hinwegfegen und das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 zurück.

Dabei wird völlig ignoriert, dass Nazideutschland den 2. Weltkrieg verloren hat. Großadmiral Karl Dönitz kapitulierte auch nicht nur für die Wehrmacht, sondern war zu diesem Zeitpunkt bereits von Hitler zum Nachfolger als Reichskanzler ernannt worden. Das Reich hat also kapituliert und die BRD trat die Rechtsnachfolge an. Da können reichsdeutsche Knallchargen wie Detlev Hegeler behaupten, was sie wollen.

Ohnehin lebt der selbsternannte Journalist schon seit über 20 Jahren in der Schweiz und die ist weder besiegt noch besetzt. Dennoch erkennt er auch diesen Staat nicht an, wobei er die Sozialhilfe allerdings durchaus gern in Anspruch nimmt. Keine Steuern zahlen wollen, aber auf Steuerkosten leben. Hegeler will bestimmt nicht wissen, wie mit solchen Subjekten im Deutschen Reich verfahren wurde. Er würde sich angesichts dessen wohl in seine Freiburger Zelle zurück wünschen und den Polizeibeamten für ihre Nachsicht danken.

Selbstverständlich wollen Detlev Hegeler und seine Gesinnungsgenossen nur das Reich zurück, aber nicht Hitler oder Auschwitz. Immerhin wäre das etwas zu offensichtlich und gegen das Label „Nazis“ wird sich vehement gewehrt. Allerdings nicht, ohne die Geschichte entsprechend zu verdrehen. So wird aus dem tyrannischen Psychopathen Hitler schnell mal eine armselige Marionette, die lediglich von höheren Mächten benutzt wurde. Zwar stimmt es, dass Hitler von Kapitalisten wie Henry Ford, den Krupps und Quandts unterstützt wurde, doch ihn als ohnmächtiges Opfer darzustellen ignoriert sowohl seine menschenverachtende Gesinnung als auch seine tatsächliche Macht, die er als Diktator sehr wohl hatte.

Ebenso absurd ist die Behauptung, dass Hitler ein Rothschildabkömmling gewesen sei. So wird der Antisemit zum Juden erklärt oder mit anderen Worten seien die Juden selbst schuld an ihrer Vernichtung.

Haunebüchener Bullshit by Wake News.

Haunebüchener Bullshit by Wake News.

Entsprechend verhält es sich mit der Darstellung der Shoa. Diese offen zu leugnen wagt sich Hegeler zwar nicht, aber zumindest verharmlost er sie, indem er die Opferzahlen anzweifelt. Offenbar fürchtet er trotz seiner Weigerung, die deutsche Justiz anzuerkennen, rechtliche Konsequenzen. Dafür verlinkt er dann halt rechte Webseiten wie den Honigmannblog, die beim Thema Holocaustleugnung wesentlich konkreter werden. Warum sich selbst die Finger verbrennen, wenn das schon andere tun?

Die Juden sind jedoch ohnehin nicht der Hauptfeind in der kleingeistigen Welt von Wake News. Seinen Hass spart sich Hegeler lieber für die Ausländer auf. Da schwimmt er voll und ganz auf der Welle von Pegida, deren Anhänger teils schon vom jüdisch-christlichen Abendland reden, welches gegen vermeintliche „Asylschmarotzer“ verteidigt werden müsse.

Wie die meisten Pegida-Anhänger fühlt sich der Pseudojournalist dabei zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt. Unter anderem jammerte er in einem Artikel mit dem Titel „Ein Alptraum nimmt Formen an!“ vom 1. September 2015, dass er und andere vom „System“ als „Nazis“ und „Rechte“ bezeichnet würden. Wie käme man denn nur auf die Idee, Wake News und ähnliche Formate auch nur in die Nähe von Neonazis zu rücken?

Vielleicht gibt das folgende Zitat Aufschluss darüber, welches Hegeler nur wenige Zeilen später im selben Artikel vom Stapel ließ: „die Systemlinge im Auftrag der DIMs wollen diese unheilige und tyrannische “Neue Welt Ordnung” umsetzen, koste es, was es wolle. Dazu brauchen sie diese unfreiwilligen, herbeigelockten Mithelfer aus Afrika, dem Nahen Osten, woher auch immer, als Asylanten-Invasions-Heer um hier alles zu zerrütten um unseren Widerstand zu erdrücken mit Menschen, die keinen Bezug hierher haben, vielleicht werden diese auch noch vom System bewaffnet, im Moment des Schlachtens, wer weiss.“

Allein die Bezeichnung „Asylanten-Invasions-Heer“ sagt eigentlich schon alles. Kein kritisches Wort über die Fluchtursachen, stattdessen nur Angstmache vor allem, was fremd ist. Angeblich sollen die Flüchtlinge, die gerade dem Regime in Eritrea oder dem IS in Syrien entkommen sind, sogar bewaffnet werden, um uns Deutsche im eigenen Land auszurotten. Wie meschugge muss man sein, zu glauben, traumatisierte Kriegsflüchtlinge kämen mit solch kranken Zielen hierher? Die allermeisten von ihnen dürften für den Rest ihres Lebens genug von Krieg, Waffen und Gewalt haben.

Mit Gewalt werden die Asylsuchenden dann aber doch wieder konfrontiert. Zum Beispiel in Heidenau, wo es zu rechten Krawallen kam. Auf seiner Facebook-Seite geht Hegeler jedoch mit keinem Wort auf die braune „Willkommenskultur“ ein, sondern predigt erneut die „Asylanteninvasion“ herbei. Ganz so, als wären alle Flüchtlinge Teil einer gigantischen Weltverschwörung und auch der ärmste Eritreer ein finsterer Illuminat.

Wake News FB Asylanteninvasion

Für seine wiederholte Hetze gegen Ausländer bekam der Hassprediger auf seiner Facebook-Seite inzwischen sogar Solidaritätsbekundungen von Hogesa-Aktivisten. Nur zur Erinnerung: Das waren die gewalttätigen rechten Hooligans, die vor nicht allzu langer Zeit in Köln gewütet haben. Obwohl sich Hegeler selbst nicht als Nazi betrachtet, hat er offensichtlich keine Probleme mit denen, die offen zu ihrer rechtsextremen Gesinnung stehen.

Wake News FB Hogesa

Diese verlogene Argumentation, von wegen „Ich bin kein Rassist, ich hasse nur Ausländer!“, hängt einem langsam zu Halse raus. Das ist wie mit dem identitären Slogan „0% Rassistisch“, aber 100% ausländerfeindlich. Menschen, die solche Propaganda glauben, wollen offensichtlich verarscht werden. Oder sie wissen, dass es gelogen ist, und stehen voll dahinter. Die breite Masse der Bevölkerung werden sie damit jedenfalls nicht überzeugen können.

Jeder, der noch bei klarem Verstand ist, weiß, worauf Wake News hinaus will. Wenn Hegeler in Zeiten brennender Asylheime und zunehmender Angriffe auf Flüchtlinge und Migranten seine Sendung mit „Ein Volk erwacht!“ übertitelt, ist das eine unmissverständliche Sympathiebekundung für die rechtsextremen Täter. Damit führt er dann auch gleich seinen angeblichen Kampf gegen die NWO ad absurdum, denn er propagiert das Prinzip „teile und herrsche“. Es sind die Faschisten, die den angestrebten Bürgerkrieg in Europa anzetteln, das sollte inzwischen sogar dem dümmsten Verschwörungstheoretiker klar sein.

Selbst Detlev Hegeler dürfte das längst kapiert haben, aber offenbar unterstützt er dieses Ziel der NWO. Wie wir nämlich alle wissen, ist die Weltdiktatur faschistisch und fremdenfeindliche Hasspropaganda trägt zur Machtübernahme der Faschisten bei. Allerdings ist das nur ein Übergangstadium, denn die wahre neue Weltordnung ist das esoterische Wassermannzeitalter. Und siehe da, auch bei diesem gefährlichen Unfug ist Hegeler an vorderster Front dabei.

Auf seinem Programm stehen nicht nur regelmäßige Besuche auf Esoterikmessen, ihn verbindet zudem eine tiefe Freundschaft mit Norbert Brakenwagen. Wake News war schon des Öfteren bei Time To Do zu Gast und umgekehrt war auch Brakenwagen schon bei Wake News. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Zum Beispiel, dass der Verschwörungstheoretiker in Wirklichkeit ein esoterischer Verschwörer ist. Seine Wahlheimat Schweiz ist ja ohnehin als freimaurerische Esoterikhochburg bekannt.

Mit Sicherheit werden wir schon bald Nachricht von Detlev Clemens Hegeler erhalten bzw. in seiner Sendung als „bezahlte Geheimdiensttrolle“ gebrandmarkt werden. Natürlich sind wir das nicht. Wir fallen einfach nur nicht auf seine fremdenfeindliche Hetze und seine billige Abzocke herein. Aber wozu sollte er schon Beweise für derartige Anschuldigungen brauchen? Behauptungen haben ihm bisher immer vollkommen ausgereicht. Wir hingegen haben hier durchaus eindeutige Beweise geliefert, dass Hegeler ein Rassist, Esoteriker, Desinformant und Geschäftemacher ist.

Das alles weiß er auch, denn er kann zwar andere belügen, aber nicht sich selbst. Wie ernst er seinen eigenen Bullshit nimmt, stellt es durch ständiges Gelächter unter Beweis. Er kann selbst nicht glauben, was er da von sich gibt und ein Lachen lässt sich nun mal schwer unterdrücken.

Impfgegner – Gefährliche Desinformation

von Joe Doe

Die Impfgegner sind schon seit Jahren auf dem Vormarsch und verbreiten Angst vor der etablierten Medizin. In die Hände spielt ihnen dabei das tiefe Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie, welches durchaus berechtigt ist. Skandale wie Contergan oder die HIV-verseuchten Medikamente von Bayer haben die Welt erschüttert und bewiesen, dass es den Pharmakonzernen nicht darum geht, Menschen gesund zu machen, sondern maximalen Profit zu erwirtschaften. Eine entsprechende Kapitalismuskritik sucht man bei den Impfgegnern allerdings meist vergebens.

Das Misstrauen richtet sich nicht nur gegen chemische Medikamente mit all ihren Nebenwirkungen, sondern vorrangig gegen Impfungen. Ein Grund dafür sind die manipulierten Todeszahlen, mit welchen die Pharmaindustrie zur alljährlichen Grippeimpfung rät. Von jährlich rund 30.000 Grippetoten allein in Deutschland ist da die Rede. Eine völlig absurde Zahl, der eine krude Rechnung zugrunde liegt. Die von der Pharmaindustrie mitfinanzierten Statistiken rechnen nämlich Wintertote–Sommertote = Grippetote. Im Winter liegt die Sterberate jedoch immer höher, da es z.B. durch Glatteis zu mehr Verkehrsunfällen kommt und die Selbstmordrate dank Winterdepressionen steigt. Die tatsächliche Todeszahl durch Grippe liegt in Deutschland im Durchschnitt bei lächerlichen 14 Fällen pro Jahr.

Das macht die Grippeimpfung zwar nicht gleich zu einer Gefahr für Leib und Leben, wie von den Impfgegnern behauptet, aber es offenbart doch einmal mehr die Profitgier der Pharmakonzerne. Wer ein gesundes Immunsystem hat, kann gut und gerne auf die jährliche Grippeimpfung verzichten, zumal die Symptome auch durch die Impfung selbst auftreten können. Ratsam ist diese Vorsorge lediglich für ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen.

Das düsterste Kapitel der Impfgeschichte ist mit Abstand die Schweinegrippe-Impfung, die viele Menschen zu recht verunsichert hat. Das Serum wurde nämlich mit einer Quecksilberverbindung gestreckt, die logischerweise hoch giftig ist. Quecksilber greift vor allem das Nervensystem an und kann zu dauerhaften Lähmungen und Hirnschäden führen. Besonders perfide beim Schweinegrippeskandal war die Tatsache, dass es eine zweite Impfung für Politiker und Bundeswehrsoldaten gab, die kein Quecksilber erhielt. Warum gab es also überhaupt ein giftiges Serum, wenn der Quecksilberzusatz offensichtlich überflüssig war?

Selbstverständlich standen auch bei der Schweinegrippeimpfung die Profitinteressen im Vordergrund, weshalb die WHO auf Druck der Pharmalobby sogar die Fallzahlen für den Pandemiestatus absenkte. Diese blieb dennoch aus und der Verkauf der Impfung floppte. Allerdings lagen die Verluste nicht nur bei den Pharmakonzernen, sondern größtenteils beim Steuerzahler, da die Bundesrepublik einen großen Vorrat ankaufte, der letztendlich eingestampft werden konnte.

Dank solch unschöner Skandale wird die zunehmende Skepsis bei den Verbrauchern verständlich. Die Pharmakonzerne haben die Menschen durch ihr profitorientiertes und rücksichtloses Verhalten massiv verunsichert. Doch sind deshalb alle Impfungen überflüssig oder gar gefährlich? Nein! Es ist im Gegenteil gefährlich, sich nicht gegen bestimmte Krankheiten impfen zu lassen.

Wer sich z.B. nicht gegen Tetanus impfen lassen hat, kann schon an einem Kratzer sterben. Des Weiteren gibt eine Vielzahl von Krankheiten, die einmal ausgebrochen nicht mehr zu heilen sind. Dazu zählt u.a. Kinderlähmung, die sich mit einer einfachen Schluckimpfung dauerhaft vermeiden lässt. Neben dem Pflichtprogramm gibt es noch eine Reihe von Impfungen, die nur bei Bedarf anfallen, z.B. wenn man Urlaub in einem Verbreitungsgebiet von Tropenkrankheiten wie Malaria macht.

Impfen ist in den meisten Fällen absolut sinnvoll und Krankheiten wie Pocken oder Polio konnten durch groß angelegte Impfkampagnen sogar ausgerottet werden. Was dagegen passiert, wenn wichtige Impfungen ausgelassen werden, zeigte Anfang 2015 die Masernepidemie in Berlin. Mit Masern ist nicht zu spaßen, da die Krankheit durchaus tödlich enden kann. Zudem handelt es sich um keine reine Kinderkrankheit, wie oft angenommen wird. Masern können sehr wohl auch bei Erwachsenen ausbrechen.

Dank erfolgreicher Impfkampagnen in zahlreichen Ländern, waren die Masern fast ausgerottet. Doch nun feiert die Krankheit wegen der Impfgegner ein Comeback. Durch deren Weigerung sinkt dabei auch gleich noch die Gruppenimmunität, was insbesondere Menschen trifft, die sich nicht impfen lassen können. Dazu zählen z.B. Schwangere und Säuglinge, die unnötigerweise an Masern sterben, weil sie von nicht geimpften Idioten angesteckt werden. Die Impfgegner spielen also nicht nur mit ihrem eigenen Leben, sondern auch mit dem ihrer Mitmenschen.

Besonders fatal ist es, wenn Impfgegner ihre Kinder auf Masernpartys schicken, weil sie glauben, das Durchleiden der Krankheit wäre gut für ihre Kinder und mache sie auf natürlichem Wege immun. Der zweite Teil stimmt sogar, aber dafür müssen die Kleinen die Krankheit erst einmal überleben. Es wäre daher in jedem Falle besser, ihr Immunsystem mit den abgeschwächten Erregern der Impfung zu trainieren, als ihr Leben mit der einer direkten Infektion zu riskieren.

Leider wollen das die Impfgegner nicht einsehen, da sie in den meisten Fällen entweder der Esoterik oder dem Kreationismus anhängen. Die eine Hälfte glaubt, dass Krankheiten allein durch Willenskraft überwunden werden können, und die andere Hälfte ist der Ansicht, jede Krankheit sei gottgewollt. In beiden Fällen gehen die Impfgegner von dem Prinzip aus, was einen nicht umbringt, macht einen stark. Dumm nur, wenn es einen umbringt, aber das ist dann halt Schicksal.

Garniert wird der wahlweise esoterische oder kreationistische Blödsinn dann noch mit allerhand Verschwörungstheorien und Falschaussagen. So wird z.B. behauptet, dass bereits Babys im ersten Lebensjahr mit über 30 Impfungen traktiert werden. Zum einen sind es bei weitem nicht so viele, denn selbstverständlich ist den Ärzten bekannt, was das heranreifende Immunsystem eines Kleinkindes vertragen kann und was nicht. Zum anderen werden nicht alle Impfungen auf einmal vorgenommen, sondern verteilen sich über die ersten Lebensjahre. Bilder, die Babys als Nadelkissen für Spritzen darstellen sind nichts als absurde Übertreibungen. Direkt nach der Geburt wird übrigens generell gar nicht geimpft.

Gänzlich an den Haaren herbeigezogen sind Behauptungen, dass Impfungen Allergien auslösen würden oder Teil eines Komplotts zur Bevölkerungsreduktion wären. Der erste Punkt kann anhand von Zahlen ganz leicht widerlegt werden und die zweite Behauptung wird schon dadurch ad absurdum geführt, dass geimpfte Menschen resistent gegenüber Krankheiten sind, an denen sie ohne Impfung leicht sterben könnten. Eine Bevölkerungsreduktion ließe sich zudem wesentlich leichter durch Mikroplastik, Weichmacher, Nanopartikel, Pestizide und andere krebserregende Nahrungszusätze erreichen. Diese ganze Fresschemie sowie übertriebene Hygiene im Alltag dürften dabei auch gleich wahrscheinlichere Gründe für die rasante Zunahme von Allergien sein.

Noch grotesker ist der Irrglaube, dass Krankheiten nicht durch Viren und Bakterien ausgelöst werden, sondern im Gegenteil durch Impfungen. Einerseits hätte es die Pest im Mittelalter dann wohl kaum geben dürfen, denn Impfungen gab es damals noch nicht und der Erreger wäre dieser These zufolge harmlos. Des Weiteren müssen die betreffenden Esoterikspinner erst einmal erklären, warum der Mensch Antikörper besitzt, wenn Viren doch angeblich harmlos sind und Krankheiten allein durch negative Energien ausgelöst werden sollen.

Wahr ist bei dem ganzen Gezeter lediglich, dass es durchaus zu Impfkomplikationen kommen kann. In Deutschland gibt es jährlich 34 solcher Fälle, allerdings bei 50 Millionen Impfungen. Die Chance, bleibende Schäden durch eine Krankheit wie Masern davonzutragen oder gar daran zu sterben, ist also wesentlich höher. Im Prinzip haben die ganzen Impfgegner lediglich Angst vor einem kleinen Piks, kalkulieren dabei aber nicht die schwerwiegenden Folgen für ihre Gesundheit ein.

Es mag zwar stimmen, dass positives Denken den Heilungsprozess beschleunigt, denn es stärkt das Immunsystem. Optimismus allein ist jedoch kein Ersatz für das Immunsystem. Dieses muss wissen, welche Erreger es zu bekämpfen hat und genau dafür sind Impfungen gedacht.

Jo Conrad – Braune Esoterik bis zur Bewusstlosigkeit

von Anton Nymous

Johannes Conrad, der 1958 im Landkreis Osterholz-Scharmbeck geboren wurde, ist eigentlich eine ziemlich verkrachte Existenz. Die Schule verließ er ohne Abschluss und auch seine Lehre als Fotograf brach er vorzeitig ab. Als autodidaktischer Komponist hatte er ebenso wenig Erfolg und verdiente sein Geld zunächst 15 Jahre lang als Taxifahrer. Nebenher verkaufte er Landschaftsaufnahmen für Kalender, bis er 1991 doch noch einen kleinen Auftrag als Komponist für drei Folgen der Serie „Großstadtrevier“ erhielt.

In den 1990ern moderierte Conrad für den Bremer offenen Kanal ehrenamtlich die Unterhaltungsshow „Lift“, bei der u.a. Gregor Gysi von der damaligen PDS zu Gast war. Allerdings interviewte er auch schon zu dem Zeitpunkt Esoteriker und Numerologen, was seine weitere Karriere offensichtlich maßgeblich beeinflusste. Jos bedenklichster Gast bei „Lift“ war der Verleger Harm Menkens, der Kontakte zum verstorbenen Holocaustleugner Thies Christophersen unterhielt. Christophersen war nicht nur ein Leugner, sondern ein Lügner, da er als Aufseher der Waffen-SS selbst im KZ Auschwitz-Raiska tätig war.

Den großen Durchbruch hatte Jo Conrad 1996 mit seinem ersten Buch „Entwirrungen“, welches kommerziell sehr erfolgreich werden sollte. Seitdem verdient er sein Geld als Autor und Seminarleiter. Die Theorien, die er dabei vertritt, enthalten viele Halbwahrheiten, die letztendlich immer ins Braunesoterische abgleiten. So stimmt es zwar, dass der deutsche Personalausweis mit freimaurerisch-okkulten Symbolen übersät ist, aber das bedeutet mitnichten, dass das deutsche Reich in seinen Grenzen von 1937 fortbesteht. Der negative Einfluss von Hollywood ist ebenfalls kaum zu leugnen, doch Jo Conrad führt diesen auf eine jüdische Kabale zurück.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Uncle Jo einen Hang zur Judenfeindlichkeit sowie eine Nähe zum Rechtsextremismus hat. Unter anderem verteidigt er die „Protokolle der Weisen von Zion“ und behauptet, dass Juden einen negativen Einfluss auf ihre „Wirtsländer“ hätten. Allein schon diese Wortwahl lässt tief blicken, denn wer Länder als „Wirte“ bezeichnet, impliziert, dass die dort lebenden Juden „Parasiten“ seien. 1998 machte Conrad in einem Leserbrief an den Focus schließlich die Juden selbst für den Antisemitismus verantwortlich, den er und seinesgleichen verbreiten.

Obendrein kritisiert Conrad das deutsche Verbot der Holocaustleugnung, obgleich er sich aus rechtlichen Gründen nicht wagt, die Shoa selbst öffentlich zu leugnen. Stattdessen formuliert er rhetorische Fragen. Eine weitere indirekte Leugnung offenbart sich durch seine Solidarität für den Rechtsextremisten Horst Mahler (ehemals NPD). 2011 behauptete er in einem Video, dass der verurteilte Holocaustleugner nur aufgrund seiner „falschen Meinung“ eingesperrt sei. Dabei unterschlägt Conrad, dass Mahler darüber hinaus ein Feind der freiheitlich-demokratischen Ordnung ist und 2003 sogar aus der NPD austrat, da ihm die Partei zu angepasst sei.

Durch sein diesbezügliches Verhalten vergiftet Jo Conrad auch ernste Themen wie die Freimaurerei und Illuminaten, die er ebenfalls in einen judenfeindlichen Kontext setzt. Eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Okkultismus der Elite wird dank brauner Esoteriker wie ihm erheblich erschwert. Rationale Elitenforscher kommen nun einmal nicht um den Themenkomplex der Geheimgesellschaften herum, stehen dabei aber ständig unter dem Druck, sich von Jo Conrad und Co. zu distanzieren.

Gleiches gilt für das Thema Exopolitk. Die Existenz von Spezies wie den Grey und blonden Humanoiden (so genannte Nordics) lässt sich zwar nicht dadurch negieren, dass sich auch rechtsesoterische Spinner mit ihnen beschäftigen. Leider werden jedoch seriöse UFO-Forscher und Augenzeugen viel leichter zur Zielscheibe von Spott und Verleumdungen, wenn Jo Conrad und Konsorten behaupten, die Nordics seien der Ursprung der „arischen Rasse“. Rassistische Verschwörungstheoretiker fungieren in dieser Hinsicht als Brunnenvergifter.

Ein Rassist ist Uncle Jo auf jeden Fall und das nicht nur in Bezug auf Außerirdische. Vor allem die Polen haben es dem reichsdeutschen Revanchisten angetan, wie seine Witzeleien bei diversen Seminaren belegen. Wenn es da z.B. um Nazis am Südpol geht, kommt Jo Conrad ganz schnell mal zu den anderen Polen, die er klischeehaft als Autodiebe darstellt.

Doch zurück zu seinen kruden Verschwörungstheorien, in denen die Nazis mit ihren Reichsflugscheiben in die hohle Erde geflüchtet sind. Derartigen Müll äußert auch Jan Udo Holey, auf den sich Jo Conrad oft bezieht. Die zwei waren sogar einmal Weggefährten, als Conrad bei Holeys Secret TV arbeitete. 2009 trennten sich die Wege der beiden allerdings, nachdem Conrad bei Secret TV rausgeschmissen wurde. Ironischerweise begründete die Internetplattform den Rauswurf mit dessen Engagement beim „Fürstentum Germania“. Wenn Secret TV jemanden vor die Tür setzt, weil derjenige zu rechts ist, will das schon was heißen.

Das Fürstentum Germania, welches Conrad unterstützte, ähnelte dem reichsdeutschen Projekt der kommissarischen Reichsregierung. Nach außen versuchte es sich jedoch als basisdemokratischer Kirchenstaat zu verkaufen, was neben rechten Verschwörungstheoretikern auch einige Libertäre anlockte. Zu Bestzeiten hatte das Fürstentum rund 220 Anhänger. Sitz des Scheinstaates, welcher von einem Adoptiv-Adeligen mit dem Kunstnamen Michael Freiherr von Pallandt geleitet wurde, war ein baufälliges Schloss im brandenburgischen Ort Krampfer.

Das Phantasiefürstentum existierte jedoch nur für eine recht kurze Zeit. Es wurde am 15. Februar 2009 ausgerufen und am 19. Mai desselben Jahres fand auch schon die Räumung des Schlosses durch die Polizei statt. Die Wohnräumlichkeiten genügten nicht den behördlichen Anforderungen und nach der Räumung wurde das Schloss von seinem Besitzer ganz und gar dem Verfall preisgegeben. Das Projekt versucht sich seitdem unter der Bezeichnung Exilregierung Fürstentum Germania neu zu formieren und plant einen Umzug nach Südamerika, wohin nach dem 2. Weltkriegs bereits viele Nazis geflohen sind.

Jo Conrad kehrte dem Projekt jedoch den Rücken und initiierte stattdessen zusammen mit Michael Vogt im Jahr 2012 den „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“. Diese Farbabfolge erinnert nicht von ungefähr an Peter Fitzeks NeuDeutschland-Flagge. Immerhin kennen sich die drei, wobei Fitzek regelmäßig sowohl bei Vogt im Alpenparlament TV als auch bei Conrads Bewusst.TV zu sehen ist. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Bewusst.TV überschwemmt seit 2010 das Internet mit Verschwörungs- und Esoterikvideos. Es wurde von Conrad nach dessen Rauswurf bei Secret TV als kommerzielles Propagandaprojekt gegründet. Der Profit wird durch gezielte Werbung für Esoterik sowie die Einnahmen des angeschlossenen Webshops erwirtschaftet. Dank der hohen Klickzahlen und einem Heer leichtgläubiger Kunden dürften die beiden Protagonisten Conrad und Vogt inzwischen sehr gut von dieser Internet Plattform leben können.

Die beiden sind allerdings die einzigen bekannten Namen, die sich zweifelsfrei Bewusst.TV zuordnen lassen. Ein Impressum gibt es nämlich nicht, denn wer will schon für die kruden Inhalte des selbsternannten Bildungskanals haften? Das fängt schon bei der Propaganda für Reichsdeutsche an, die den BRD-Staat beseitigen wollen, und reicht bis hin zu selbsternannten Homoheilern, Impfgegnern und Vertretern der Neuen Germanischen Medizin von Ryke Geerd Hamer, die mit der Gesundheit und dem Leben leichtgläubiger Menschen spielen.

Braunes Gedankengut, Judenfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie sind wahrlich keine Seltenheit bei den bewusstlosen Gästen und Gastgebern. Wie 2006 bekannt wurde, ist Jo Conrad selbst schon wegen Volksverhetzung für schuldig befunden und rechtskräftig verwarnt worden. Es gab mindestens zwei Strafverfahren wegen Volksverhetzung und übler Nachrede gegen ihn. Gäste wie Andreas Popp und Jürgen Elsässer wirken dagegen fast schon harmlos.

Nun geht es bei Bewusst.TV aber nicht ausschließlich um rechtsgerichtete oder nationalkonservative Politik und Verschwörungstheorien. Der Großteil der Gäste kommt eher aus der esoterischen Ecke, wobei es allerdings oft zu Überschneidungen kommt. Dies trifft z.B. auf Jessie Marsson zu, der sowohl als Druide auftritt, wie auch als Reichsdeutscher. Er ist kein Geringerer als der bereits erwähnte Michael Freiherr von Pallandt, ehemaliges Staatsoberhaupt des Fürstentums Germania. Ein weiterer bekannter Name ist Rainer Feistle, der nur vordergründig über seine UFO-Entführungen spricht, am Rande aber rechtsextreme Gruppierungen wie die Vril-Gesellschaft propagiert.

Zu den weniger politischen Dauergästen zählen der Mentaltrainer Alexander Wagandt, der Esoterik-Guru Karma Singh, Dagmar Neubronner und der Yoga-Mönch Dada Madhuvidyananda. Der prominenteste Interviewpartner war jedoch mit Abstand David Icke, der sich mit Jo Conrad über absurde Verschwörungstheorien wie die Mondmatrix diskutierte. Auch sonst wimmelt es in der Sendung von Druiden, Hexenmeistern, Geisterbeschwörern und Channelmedien, deren Gruppierungen und Literatur auf der Bewusst.TV-Webseite massiv beworben werden.

Wer sich nun im Gegensatz zu Jo Conrad und seinesgleichen ernsthaft mit dem Einfluss okkulter Geheimgesellschaften auseinandersetzt, wird zwangsläufig zu dem Schluss gelangen, dass der gesamte Esoterikmarkt ein Teil von deren Agenda ist. Man braucht wahrlich nicht lange zu suchen, um bei Bewusst.TV die einschlägige Symbolik zu finden. Als erstes fällt natürlich das Kanallogo unangenehm auf. Es handelt sich um einen Schmetterling, der hier für die esoterische Transformation hin zum Wassermannzeitalter stehen dürfte. Allerdings wäre er auch als Mind Control Symbol nicht unbedingt deplaziert, da Bewusst.TV pure Esoterikhirnwäsche ist.

Bewusstlos TV

In der Blogroll der Bewusst.TV-Webseite finden sich dann noch die üblichen Verdächtigen, darunter Norbert Brakenwagens theosophische Sendung Time To Do, Andreas Popps (Un-)Wissensmanufaktur, Jo Conrads Privatwebseite und das Freigeistforum. Letzteres ist ein weiteres Projekt von Conrad, welches er schon zu seiner Zeit bei Secret TV anleierte. Bis zu dem Bruch mit Holey wurde dessen Plattform noch im Forum beworben, während heute selbstverständlich Bewusst.TV der offizielle Partner ist.

Die Kategorien des Freigeistforums erwecken oberflächlich betrachtet einen unverdächtigen Eindruck und decken Themen wie Politik, Geheimgesellschaften, Okkultismus, Satanismus und UFOs ab. Schaut man aber etwas genauer hin, findet man im Forum einschlägig rechtsextreme Themen. Darunter die angebliche Ermordung von Jörg Haider, die Behauptung des naturgegebenen Rassismus, Reichsdeutschenpropaganda und Solidaritätsbekundungen mit Holocaustleugnern wie Ernst Zündel. Es wurden in der Vergangenheit zudem Briefe des inhaftierten Auschwitz-Leugners Germar Rudolf im Forum veröffentlicht, in denen gleich noch Links zu rechtsextremen Webseiten wie der des Holocaust-Leugners Ahmed Rami enthalten waren.

Nun sichert sich Jo Conrad zwar im Haftungsausschluss ab, in dem es heißt, dass der Forenbetreiber nicht für die Meinungen der Nutzer verantwortlich ist. Allerdings heißt es in den Forenregeln auch: „Einträge und Mitglieder können ohne weitere Begründung gelöscht werden.“ Conrad hat es also in der Hand, strafrechtlich relevante Äußerungen zu unterbinden. Davon macht er jedoch keinen Gebrauch, was die Vermutung nahe legt, dass die Löschung wohl eher Kritiker betrifft.

Neben den eindeutig rechtsextremen Ergüssen gibt es im Freigeistforum noch allerhand unsinnige Esoterikthemen wie Astrologie, Lichtarbeit, Elfen und Dämonen. Das Ganze wird dann noch mit gefährlichem Blödsinn wie der Neuen Germanischen Medizin garniert. Prinzipiell sind damit alle Bereiche abgedeckt, die auch bei Bewusst.TV zu finden sind. Der Unterschied besteht nur darin, dass im Forum jeder mitdiskutieren kann, wodurch der Umgangston etwas radikaler und unverblümter ist.

So viel zu Jo Conrads eigenen Projekten. Als Autor ist er jedoch nicht nur für seine eigenen Publikationen aktiv. Unter anderem schreibt er auch für die Kent-Depesche, was eine noch interessantere Verbindung offenbart, als seine ohnehin schon brisanten Kontakte zu den Reichsdeutschen- und der Esoterikszene. Die Kent-Depesche wird nämlich von dem $cientologen Michael Hinz herausgegeben.

Das ist vor allem in der Hinsicht interessant, da bereits Ivo Saseks Anti-Zensur-Koalition und Norbert Brakenwagens Time To Do der Psychosekte ein Podium bieten. Wir haben es hier offensichtlich mit einem esoterischen Netzwerk zu tun und es dürfte klar sein, wer bei diesem die Fäden zieht. Jo Conrad ist letztendlich nur ein weiterer Stein in der Dianetik-Pyramide.