Videoanalyse: Ariana Grande will befreit werden

Ariana Grande ist ein aufgehender Stern am Himmel der Pop-Okkultur. Sie wurde 1993 als Tochter von sizilianischen Einwanderern in Florida geboren und begann mit 16 eine Schauspielkarriere bei Nickelodeon. Nachdem sie einige Werke bekannter Popstars wie Lady Gaga coverte, erhielt sie 2011 ihren ersten Plattenvertrag.

Wie bei vielen Kinder- und Jugendstars finden sich auch bei ihr deutliche Anzeichen für rituellen Missbrauch und Gedankenkontrolle. In ihren Liedern gibt es z.B. häufig Rückwärtsbotschaften wie „Send help!“ oder „Help me, my life is heavy.“ Es geht aber auch ganz offensichtlich. Insbesondere in ihren Musikvideos gibt es richtig üble Darstellung von physischer sowie psychischer Versklavung, Satanismus und New Age. Als Beispiel soll hier das Video zu „Break free“ analysiert werden.

Oberflächlich betrachtet ist der Musikclip von Chris Marrs Piliero an Science Fiction Filme wie „Barbarella“ angelehnt und wurde von Ariana Grande über Twitter mit Alienbildern beworben. Allerdings wirken Teile des Videos eher wie die Hölle, womit hier wieder einmal die Alien-Dämonen-Verbindung propagiert wird. Ähnliches gab es bereits bei Katy Perrys Single „ET“.

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Das erste Symbol dürfte eine Fleur de Lys sein, die Arianas Stirn ziert. In einer Einstellung schließt sie außerdem ihr rechtes Auge, um das linke Horusauge zu betonen. Diese Anlehnung an den Science Fiction Klassiker Metropolis wurde offiziell übrigens nicht zugegeben.

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Das nächste Symbol ist eine Abwandlung des Siegels von Satan. Die einzelnen Elemente wurden zwar etwas anders arrangiert, aber sie sind alle vorhanden. Die Pyramide ist gleichzeitig das V, zeigt aber nach oben statt nach unten. Das X in der Mitte ist gleichzeitig der überkreuzte Teil, der eigentlich um 90° gedreht unter die Pyramidenspitze gehört. Warum das Siegel Satans leicht entstellt wurde, kann viele Gründe haben. Vielleicht damit es nicht allzu offensichtlich ist oder um es patentieren lassen zu können.

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Interessant ist, dass Ariana dieses Symbol ihrer Versklavung abreißt und zertritt. Der Titel „Break free“ spielt also darauf an, dass sie sich eigentlich aus der satanistischen Knechtschaft befreien möchte. Bekräftigt wird dies durch die Zeile: „Tried to hide it, fake it, I can’t pretend anymore“/„Ich habe es versucht zu verstecken, zu faken, ich kann nicht mehr vortäuschen“.

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Wie wörtlich die Gefangenschaft zu nehmen ist, in der sie sich befindet, zeigt die nächste Einstellung. Diese zeigt ihre Mitgefangenen in Käfigen. Übrigens sind diesmal auch Männer dabei.

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Der Gefängniswärter ist nicht zufällig ein reptiloides Alien, welches das Siegel Satans trägt. An Offensichtlichkeit ist dieses Video nun wirklich nicht mehr zu überbieten.

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Ariana erschießt den Repto, lässt die Gefangenen frei und singt dabei: „This is the part when I say I don’t want it“/“„Das ist der Part, an dem ich sage, dass ich es nicht will“. Dumm nur, dass die Musikindustrie sie nicht gehen lassen wird. Es hat schon etwas Perverses, dass Ariana einer solchen Illusion ausgesetzt wird, die abrupt endet, als sie von weiteren Alienwärtern gestellt wird. Diese bilden ein Dreieck mit ihr in der Mitte.

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Nur so nebenbei bemerkt ist das eine Alien aus Star Wars geklaut. Allerdings gehört Star Wars ja nunmehr zu Disney und die TV-Premiere von „Break free“ fand auf dem Disney-Channel statt. Zufälle können bei diesem finsteren Konzern wohl ausgeschlossen werden.

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Nachdem Ariana ihre Häscher brutal hingerichtet hat, darf sie sich erst einmal für das männliche Publikum ausziehen. Diese sexistische Szene ist tatsächlich an „Barbarella“ angelehnt.

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Übrigens, wer genau hinschaut, entdeckt unter ihren Brüsten eine Pyramide mit Auge.

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Zwischendurch bekommt sie es noch mit einem satanischen Roboter zu tun.

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Diesen besiegt Ariana mit Raketen, die aus ihren Hupen schießen. Ja, auch das ist sexistisch.

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Leider wird sie von einer Kralle des Roboters erwischt und erneut gefangen genommen. Diesmal wird sie von einem Höllenfürsten zwischen die Säulen Jachin und Boas gekettet, welche ebenfalls das Siegel Satans tragen.

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Der Höllenfürst selbst trägt das Symbol der Kabbalah, den so genannten Sephiroth oder Weltenbaum.

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Wer das Video aufmerksam verfolgt hat, dem wird bereits aufgefallen sein, dass Ariana ein rotes Armband am linken Handgelenk trägt. Dieser Schmuck ist typisch für Anhänger der okkulten Kabbalah und wurde u.a. durch Madonna populär.

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Ariana gelingt es, ihre Ketten zu sprengen und dem Teufelsknecht das Kabbalah-Symbol zu stehlen. Sie nimmt also seine Religion an. Anschließend befördert sie ihn in die Hölle. Diese Szene kommentiert sie mit den Worten: „This is the part when I break free, cause I can’t resist it no more“/„Das ist der Part, bei dem ich mich befreie, denn ich kann das nicht mehr aushalten”. Hier wird ihr Wunsch deutlich, aus dem Alptraum auszubrechen, den die Satanisten um sie herum geschaffen haben. Doch genau mit diesem Wunsch wird sie von ihnen verhöhnt.

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Es ist wie mit dem Laserlippenstift, den sie in den Händen hält. Sieht nach außen hübsch aus, aber man verbrennt sich daran. Gegen Darth Sidious hätte sie mit dem Teil ohnehin keine Chance.

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Am Ende des Videos wird Ariana auf ein Raumschiff hoch gebeamt und gelangt so in die scheinbare Freiheit.
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An Bord darf sie erst einmal Ganesha küssen. Kabbalah trifft auf Hinduismus, theosophischer geht es kaum noch.

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Apropos Kabbalah und Theosophie, das Raumschiff scheint mit Vril-Energie zu fliegen.

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Der Sinn und Zweck dieses Videos sollte klar sein. Der Sklavenplanet ist die Erde und als einziger Ausweg aus der Knechtschaft wird die Esoterik angeboten. Am Anfang befreit Ariana zwar noch ihre Mitgefangenen, doch am Ende darf nur sie auf der Party der Elite tanzen, weil sie deren Religion angenommen hat. Welche Rolle die Aliens dabei spielen, kann sich jeder denken.

In einem Interview, welches am 5. November 2013 veröffentlich wurde, sprach Ariana u.a. von einer „Geister/Dämonen-Erfahrung“, die sie laut eigenen Aussagen hatte. Angeblich wurde sie eines Nachts von einer „massiven schwarzen Masse“ in ihrem Schlafzimmer aufgesucht. Sie hatte sich davor gefürchtet, will dann aber das Bewusstsein verloren haben und erst wieder aufgewacht sein, als die Kreatur verschwunden war. Klingt nach einer typischen Entführung durch die Grey, aber in diesem Fall könnte es auch mit Satanismus zu tun haben. Sie beschreibt es immerhin selbst als Dämon und genau auf diesem Ereignis basiert ihre Single „Break free“. Es ist also keine Sache der Interpretation.

Quelle

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John Dee – Mathematiker, Hofastrologe und Magier

von Shinzon

John Dee stammte aus einer wohlhabenden walisischen Adelsfamilie und wurde am 13. Juli 1527 in der City of London geboren. Dieses berüchtigte Finanzzentrum besaß bereits seit 886 das Recht zur Selbstverwaltung und wurde maßgeblich von Templern geprägt. Dieser Geburtsort sollte jedoch nicht das einzige dunkle Omen sein. Der Familienname Dee soll darüber hinaus vom walisischen „du“ abgeleitet worden sein, was übersetzt so viel wie „schwarz“ bedeutet. So schwarz wie die Magie, die das spätere Leben John Dees prägte.

Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Chelmsford (Essex), wo er die Chantry School besuchte. Ab 1542 ging er dann auf das St. John’s College in Cambridge, wo er 1545 den Bachelor of Art erwarb. Im Mai 1547 reiste John Dee in die Niederlande, wo er bei Gemma Frisius (1508-1555) und dessen Schüler Gerhard Mercator (1512-1594) Mathematik und Astronomie studierte. Vor seiner Rückkehr nach Cambridge erwarb Dee Mercators astronomische Instrumente für das Trinity College.

1548 wurde Dee zum Master of Arts ernannt. Er verweilte jedoch nicht lange in Cambridge und bereiste sowohl Frankreich als auch die Alte Universität Löwen in den Niederlanden. War sein Leben bisher von der kühlen Rationalität der Mathematik und Astronomie geprägt, begann er in dieser Zeit sein Studium in Alchemie und Magia Naturalis.

Sein wissenschaftlicher Ruf verschaffte ihm alsbald Zugang in höchste gesellschaftliche Kreise. Zu Dees Kontakten zählten Johann Capito, Herzog von Mantua, und Sir William Pickering, Herzog von Medinaceli. In Paris lernte er ab 1550 die Humanisten und Philosophen Adrianus Turnebus (1512-1565) und Petrus Ramus (1515-1572) sowie die Mathematiker und Astronomen Pedro Nunes (1502-1578) und Jean François Fernel (1497-1558) kennen. Bis dahin wirken Dees Lebenslauf und seine Bekanntschaften eher unauffällig, doch dies sollte sich schon bald ändern.

1552 traf John in London den Mathematiker, Arzt und Humanisten Gerolamo Cardano (1501-1576). Gemeinsam arbeiteten sie erfolglos an einem Perpetuum Mobile und untersuchten einen Edelstein, dem magische Kräfte nachgesagt wurden. Dies bildete bereits einen ersten Kontrast zu Dees bisher eher wissenschaftlichem Weltbild.

Zwei Jahre später lehnte er dann einen Lehrstuhl für Mathematik in Oxford ab, da er inzwischen eher anderen Wissenschaften und der Philosophie zugeneigt war. Nicht ablehnen konnte er dagegen seine Mitgliedschaft in der „Ehrenwerten Zunft der Händler“, die er 1555 durch ein System der Vererbung erhielt. Karriere machte er in dieser Zunft jedoch nie.

Im selben Jahr wurde John Dee der Ausübung schwarzer Magie und Zauberei angeklagt. Außerdem fügte man der Anklage noch Verrat an der Königin Maria I. (1516–1558) hinzu. Dee verteidigte sich selbst vor dem Court of Star Chamber, wurde allerdings zur religiösen Begutachtung dem katholischen Bischoff Bonner (1500-1569) zugewiesen. Kurioserweise wurden die beiden später Freunde und während Dee nur eine kurze Haftstrafe absaß, starb Bonner unter Elisabeth I. in Gefangenschaft.

John Dee erging es unter der nächsten Königin dagegen wesentlich besser. Lehnte Maria I. 1556 noch seinen Vorschlag zur Gründung einer Nationalbibliothek ab, machte er ab 1558 unter Elisabeth I. Karriere. Obwohl er keine Stelle erhielt, die ihm finanzielle Unabhängigkeit garantierte, wurde er noch im Jahr ihrer Thronbesteigung zu ihrem persönlichen Berater in den Bereichen Astrologie und Wissenschaft ernannt. Er soll sogar mit der Wahl des Krönungsdatums betraut gewesen sein.

Portrait Dees an der Universität Oxford.

Portrait Dees an der Universität Oxford.

Ein Großteil seiner Arbeit bestand für die nächsten zwei Jahrzehnte in der technischen Unterstützung der britischen Entdeckungsreisen. Sein Wissen über die Sterne war nämlich nicht nur für seine Funktion als Hofastrologe wichtig, sondern auch für die Navigation auf den Weltmeeren. 1577 veröffentlichte Dee sein entsprechendes Werk “General and Rare Memorials pertayning to the Perfect Arte of Navigation”, in dem er auch angebliche Territorialansprüche Großbritanniens an die Neue Welt darlegte.

Seine bedeutende Rolle beim Aufbau des britischen Empire trat jedoch in den Hintergrund, sobald Elisabeth I. ihn in seinem Haus in Mortlake besuchte. Bei diesen Gelegenheiten, die sich zwischen 1574 und 1580 ergaben, zeigte Dee der Königin sein magisches Kristall, beriet sie in Gesundheitsfragen und deutete 1577 einen neu entdeckten Kometen. Da sich England unter Elisabeth I. dem Protestantismus zuwandte und der streng reaktionäre Katholizismus seinen Einfluss verlor, wurde derartiger Hokus Pokus zunehmend salonfähig.

Mit dem Okkulten beschäftigte sich John Dee zu dieser Zeit schon lange. Seine hermetische Schrift „Monas Hieroglyphica“ erschien bereits 1564 in Antwerpen. Darin beschäftigte er sich mit der kabbalistischen Interpretation einer Glyphe, in der die mystische Einheit der gesamten Schöpfung Ausdruck finden sollte. Die Verbindung der christlichen Schöpfungsidee mit okkulter Mystik wirkt obskur, doch in der damaligen Zeit stellte dies für viele Magier keinen Widerspruch dar.

Während sich seine Monas Hieroglyphe heute vor allem in esoterischen und satanistischen Kreisen großer Beliebtheit erfreut, erlangte seine „Mathematical Preface“ („Mathematische Einleitung“) von 1570 großen Einfluss in der Wissenschaft. John Dee war in dieser Hinsicht eine zwiespältige Person, da er einerseits den wissenschaftlichen Rationalismus und auf der anderen Seite gleichermaßen esoterische Lehren förderte. Er versuchte nicht zuletzt, die Natur auch mittels Magie zu erklären.

Erfolg hatte Dee mit dieser Vorgehensweise selbstverständlich nicht. Zudem kamen seine Pläne zur Erkundung Amerikas nicht voran und sein Einfluss am königlichen Hof schwand zusehends. So kam es, dass er sich in den 1580ern zunehmend dem Übersinnlichen zuwandte. In dem Bestreben, Weisheit zu erlangen, suchte er mit Hilfe eines Kristallsehers den Kontakt zu Engeln. Er verfiel in einen regelrechten Engelwahn, was auch der Katalog seiner privaten Bibliothek belegt. Ein Großteil seiner Bücher beschäftigte sich mit Angelologie, wobei Dee besonderes Augenmerk auf die Kommunikation zwischen Menschen und Engeln legte.

Fündig wurde er in den Apokryphen und den Texten des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535), welcher seine Leser ermutigte, eine Stimme zu suchen, die sie von oben lehrt. Zudem besaß Dee 16 Werke von Robert Grosseteste (1170-1253); dem einstigen Bischof von Lincoln, welcher wie Dee von Engeln sowie von Mathematik und Astronomie besessen war.

Doch egal wie sehr sich der Hofastrologe bemühte, er hörte einfach keine Englein singen. Erst als er 1582 das Medium Edward Kelley (1555-1597) kennen lernte, sollte sich dies ändern. Der Alchemist Kelley hatte sich zu dieser Zeit bereits einen zweifelhaften Ruf erworben. Ihm wurde Urkundenfälschung nachgesagt und er galt als Betrüger. Dennoch schaffte er es, Dee bei einem Besuch auf dessen Landsitz in Mortlake dermaßen zu beeindrucken, dass sich eine enge Zusammenarbeit daraus entwickelte.

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Bei den spirituellen Konferenzen sollen John Dee mehrere Bücher von Engeln durch das Medium diktiert worden sein, in denen sich ihm ein neues magisches System offenbarte. Obwohl die Seancen von christlicher Frömmigkeit geprägt waren, dürften sie durchaus mit dem theosophischen Hokus Pokus der Moderne vergleichbar gewesen sein. Hinter dem ganzen faulen Zauber verbargen sich wohl am ehesten die skrupellosen Finanzinteressen des Mediums.

John Dee war ein leichtes Opfer, da er problemlos für die vermeintlichen Engelsbotschaften zu begeistern war. Er führte sogar ein Tagebuch über seine Seancen und Reisen mit Kelley, welches bis heute erhalten geblieben ist. Die protokollierten Mitschriften der Seancen wurden indes 1659 von Meric Casaubon veröffentlicht. Auch heute noch ein gefundenes Fressen für Esoteriker und Okkultisten.

1583 lernte Dee den polnischen Edelmann Albrecht Laski (1536–1605) kennen, der sich ebenfalls für das Übersinnliche begeisterte. Im September des gleichen Jahres folgte John nach einer Rücksprache mit den vermeintlichen Engeln der Einladung Laskis, ihn auf dessen Rückreise nach Polen zu begleiten. Er trat die Reise jedoch nicht allein an, sondern mit seiner Familie sowie Kelley und dessen Familie. Über Zwischenstopps in den Niederlanden, Lübeck und Stettin erreichten sie schließlich Laskis Landsitz bei Krakau.

Da Laskis finanzielle Mittel erschöpft waren, schlug er vor, dass seine beiden Gäste am Hofe Kaiser Rudolf II. (1552-1612) unterkommen könnten. Dank Dees europäischem Ruf glückte dieses Vorhaben tatsächlich, Kelley gegenüber blieb der Kaiser jedoch misstrauisch. Der Aufenthalt in Prag fand nach wenigen Monaten ein abruptes Ende, nachdem die päpstlichen Gesandten Malaspina und Sega auf Dee und Kelly aufmerksam geworden waren und die beiden als Ketzer und Hexer der Inquisition ausliefern wollten.

Die zwei flohen über Erfurt und Kassel schließlich zurück nach Krakau. Dort wurden sie anfangs vom polnischen König Stephan Báthory (1533-1586) willkommen geheißen, nachdem sie diesem die Nachfolge von Rudolf II. orakelt hatten. Als aber die Geldforderungen der beiden zunehmend unverschämter ausfielen, wurde der König ihrer Gegenwart schnell überdrüssig. Sie zogen daraufhin nach Böhmen weiter, wo sie im Burggrafen Wilhelm von Rosenberg (1535-1592) einen neuen Förderer fanden.

Bei Rosenberg machte sich Kelley unabhängig als Alchemist und angeblicher Goldmacher beliebt und schließlich erregte er auch die Aufmerksamkeit von Elisabeth I. Die Spannungen zwischen ihm und Dee nahmen in der Folgezeit zu. War Dee eher der naive Spiritist, zeigten sich bei Kelley immer offener seine skrupellosen Geschäftsinteressen. Letztendlich beabsichtigte der Betrüger, sich von seinem Partner zu trennen, was diesen zunächst noch beunruhigte.

Der endgültige Bruch ließ jedoch nicht lange auf sich warten, denn 1587 behauptete Kelley bei einer Seance in Wittingau, der Engel Uriel habe angeordnet, die beiden Männer sollten ihre Frauen tauschen. Dem Tagebuch Dees zufolge haben er und seine Frau zunächst sogar widerstrebend eingewilligt, doch letztendlich haben sie Kelley wohl doch durchschaut. Es folgte die endgültige Trennung und die Rückkehr nach England.

1589 kam John Dee wieder in seiner Heimat an und fand seine geliebte Bibliothek in Trümmern wieder. Während seiner Abwesenheit waren viele Bücher sowie Instrumente gestohlen worden. Er bat Elisabeth I. um Unterstützung und tatsächlich ernannte sie ihn 1592 zum Rektor des Christ’s College in Manchester. Sein Einfluss schwand jedoch zusehends, da er inzwischen als Schwarzmagier verschrien war.

War er der Inquisition in Europa gerade noch entkommen, verschlimmerte sich seine Lage nach dem Tod Königin Elisabeths auch in England. Ihr Thronfolger Jakob I. (1566-1625) war nicht unbedingt für Astrologie, Zahlenzauber und Seancen zu begeistern. Im Gegenteil zählte Hexenverfolgung zu seinen liebsten Hobbys. Als erneut Anklagen gegen John Dee erhoben wurden, wandte sich der einstige Hofastronom der verstorbenen Königin 1604 dennoch Hilfe suchend an den König, der ihn allerdings abblitzen ließ.

Zwar wurde Dee nicht ins Verließ geworfen, doch seine letzten Jahre verbrachte er in Armut. Er verstarb entweder Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Das genaue Todesdatum ist unbekannt, da sowohl das Sterberegister als auch John Dees Grabstein verloren gegangen sind. Er hinterließ acht Kinder aus drei Ehen, wobei sein ältester Sohn Arthur Dee (1579-1651) ihm als Alchemist und hermetischer Autor nacheiferte.

Die Rolle John Dees im Okkultismus ist nicht einfach zu definieren. Er war ohne Frage ein wichtiger Astrologe und Kabbalist, der glaubte, die göttlichen Kräfte mittels Mathematik kontrollieren zu können. Obgleich er nach außen ein frommer Christ war, vertrat er als einer der Ersten die Ansicht, dass der Mensch durch die Hermetik selbst ein Gott werden könne. Ein Gedanke, der später vor allem in der Theosophie Verbreitung fand. Gleiches gilt für die Kommunikation mit Engeln, heute als Channeling bekannt.

John Dee kann also durchaus als Vordenker der modernen Esoterik gesehen werden und in seinem Nachlass befand sich sogar ganz klischeehaft eine Kristallkugel. Ein finsterer Satanist war Dee jedoch nicht. Eher ein gutgläubiges Opfer des Scharlatans Kelley, welches sich bei der Sinnsuche in den Bereich des Übersinnlichen verirrt hat. Nichtsdestotrotz ist John Dee auch im modernen Satanismus en vogue, wo insbesondere seine Monas Hieroglyphe des Öfteren zu finden ist.

Zurückzuführen ist diese okkulte Popularität auf moderne Mythen, die von diversen Autoren um die Person des John Dee gestrickt wurden. So beschäftige sich der österreichische Theosoph Gustav Meyrink (1868-1932) in seinem esoterischen Schlüsselroman „Der Engel vom westlichen Fenster“ mit dem Leben Dees. H.P. Lovecraft (1890-1937) unterstellte in seinem „Cthulhu-Mythos“ gar, Dee sei der Übersetzer des Necronomicons. Dieses fiktive Buch war allerdings eine Erfindung Lovecrafts, weshalb John Dee in keinerlei Verbindung damit gebracht werden kann. Der angebliche Bund zwischen Dee und Luzifer geht schlussendlich auf die „Lycidas“-Reihe des deutschen Schriftstellers Christoph Marzi (*1970) zurück.

Mit der historischen Person hat das alles nicht mehr viel zu tun. John Dee war zwar ein Alchemist und Magier, doch seine Darstellung in der modernen Pop-Okkultur geht weit über seine tatsächliche Rolle für die frühe Esoterik hinaus. Für diese mag er zwar eine wegweisende Bedeutung gehabt haben, über seine spätere Mystifizierung durch die Theosophen und Satanisten wäre er aber wohl nicht gerade glücklich gewesen.

Thor – Marvels extradimensionaler Superheld

von Shinzon

Thor war der Donnergott der nordischen Sagenwelt und wurde von Marvel zum Superhelden uminterpretiert. Der Grundplot ist dabei gar nicht mal so abwegig, denn in der Tat war Thor der Sage nach der Beschützer von Midgard – der Erde.

Die Verfilmung der Comicreihe beginnt mit Thors Ankunft auf der Erde, doch kurz darauf folgt eine Rückblende, die seine Vorgeschichte erzählt. In dieser halfen die nordischen Götter den Menschen, die Eisriesen zu besiegen. Bei den Eisriesen handelt es sich um dämonische Kreaturen mit rot glühenden Augen, die den finsteren Planeten Jotunheim bewohnen.

Die Bewohner von Asgard scheinen jedoch nicht besser drauf zu sein. Während die Eisriesen das satanische Prinzip der Zerstörung vertreten, wirkt in Asgard alles stark luziferisch. Alle Göttergestalten tragen Helme mit Teufelshörnern. Allen voran der einäugige Odin, der mit seinem Kopfschmuck eher dem einäugigen Luzifer ähnelt. Wie praktisch, dass sich beide Charaktere in der Pop-Okkultur so schön verbinden lassen.

Thor Odin

Im Film ist Odin (Anthony Hopkins) der Vater von Thor (Chris Hemsworth) und Loki (Tom Hiddleston). Als er jedoch Thor als Thronerben bevorzug, schmiedet Loki einen Plan, die Vereidigung seines Bruders zu verhindern und die Eisriesen zu benutzen, um Odin zu beeindrucken. Hitzköpfig wie Thor ist, kommt er Loki jedoch zuvor und entfesselt einen Krieg mit den Eisriesen.

Für diese Tat wird er auf die Erde verbannt und kann seinen Hammer erst dann wieder benutzen, wenn er die nötige geistige Reife dafür erwirbt. Er landet da, wo der Film bereits begonnen hat und der Hammer kurz darauf in einem Krater, der alsbald von einer Schattenarmee des militärisch-industriellen Komplexes abgeschottet wird. Nur so nebenbei, den Hammer ziert ein Hexenknoten und er besitzt natürlich magische Kräfte.

Thor Hexenknoten

Das Wurmloch, durch welches Thor reist, ist eine Verlängerung der Regenbogenbrücke, die nach Asgard führt. Dies deckt sich mit der nordischen Mythologie. Allerdings ist in dieser nirgendwo die Rede davon, dass sich am Ende des Regenbogens ein Wurmlochgenerator in Form einer gigantischen weiblichen Brust befindet.

Thor Regenbogenbrücke

Thor Booptransporter

Ebenso wenig wird in der nordischen Mythologie der Torwächter Heimdall (Idris Elba) mit Teufelshörnern beschrieben. In Marvels Umsetzung kann der Regenbogen daher durchaus als Brücke zu Luzifer gesehen werden.

Thor Heimdall

An Sonnensymbolen besteht ebenfalls kein Mangel. Immerhin gibt es ohne Sonnenlicht keinen Regenbogen.

Thor Sonnensymbol

Bei der Ankunft auf der Erde hinterlassen Thor und seine Götterkollegen keltisch anmutende Muster auf dem Erdboden. Dies ist ganz offensichtlich eine Anspielung auf Kornkreise, für deren Entstehung mitunter extradimensionale Kräfte verantwortlich gemacht werden.

Thor Sandkreis

Auf der Erde begegnet Thor als erstes der Astrophysikerin Jane Foster (Natalie Portman), deren wissenschaftliches Weltbild er ganz nebenbei umstößt. Denn dort wo er herkommt, sind Wissenschaft und Magie dasselbe. Theosophisches Gedankengut in Reinkultur.

Als wäre noch nicht genug, erklärt Thor, wie die 9 Welten zusammenhängen. Die neun Kugeln erinnern bereits optisch an die Kabbalah und wie zur Bestätigung nimmt Thor auch noch das Wort „Weltenbaum“ in den Mund, um das Modell zu erklären. Obwohl die Kabbalah und der Weltbaum eng miteinander verbunden sind, gibt es aber einen kleinen Unterschied. Der Weltenbaum der nordischen Mythologie umfasst neun Welten, jeweils drei von Utgard, Midgard und Asgard. Bei der Kabbalah sind es hingegen zehn Sphären.

Thor Weltenbaum

Da Thor schon lange nicht mehr in Midgard war, muss er sich erst einmal in die moderne Kultur einleben, was zu mancher Situationskomik führt. Die Stadt, in der er sich aufhält, heißt Puente Antiguo, was übersetzt so viel wie „Antike Brücke“ bedeutet. Eine recht offensichtliche Anspielung darauf, dass dieser Ort ein Sternentor zur Götterwelt ist.

Thor Antike Brücke

Es folgt ein kleiner Kampf mit einem Zerstörerdämon und schlussendlich kehrt Thor nach Asgard zurück. Dort hat Loki bereits seinen Plan durchgezogen, Odin erst an die Eisriesen zu verraten, um ihn dann vor ihnen zu retten und als Held dazustehen. Seine Motivation wirkt zu diesem Zeitpunkt leicht wirr, da er kurz zuvor erfahren musste, dass Odin nicht sein richtiger Vater und er selbst ein adoptiertes Eiskind ist.

Thor Loki

Als Loki wider alle Vernunft und persönliche Rachemotive seine Heimatwelt zerstören will, greift Thor ein und zerstört die Regenbogenbrücke. Loki fällt von der Scheibenwelt, von der aus irgendeinem unlogischen Grund immer neues Wasser ins Nichts fließt, und ward bis „The Avangers“ nicht mehr gesehen.

In Asgard herrscht daraufhin wieder Friede, Freude, Eierkuchen, während sich auf der Erde die finstere Geheimgesellschaft S.H.I.E.L.D. neu formiert. Diese wirkt wie eine Mischung aus CIA, Militär und Freimaurerei. Ein faschistoider Haufen also, dem zu allem Übel eine antike Geheimwaffe in die Hände gefallen ist. Der Tesserakt in dabei in eine Matrix gebettet, welche die Form eines Hakenkreuzes hat.

Kubus

Fazit: Der Film ist actionlastig und bildgewaltig, allein die Story ist etwas dünn geraten. Des Weiteren hält „Thor“ sich zwar größtenteils an die nordische Sagenwelt, vermischt diese jedoch mit esoterischem Gedankengut und satanistischer Symbolik. Man hat den Eindruck, dass hier zwei Dämonenfraktionen um die Vorherrschaft kämpfen, während die Menschen nur sterbliches Kanonenfutter sind.

Der Film vermittelt den Eindruck, die Menschheit bräuchte extradimensionale Götterwesen und finstere Geheimgesellschaften zu ihrem Schutz. Insbesondere wird die Menschheit dabei vor der Wahrheit geschützt, indem S.H.I.E.L.D. alles abriegelt, die Beweise einkassiert und Zeugen verschwinden lässt. Und dann besitzen diese faschistoiden Men in Black auch noch die Chuzpe, sich als „die Guten“ zu bezeichnen.

Der nächste Nostradamus

Wie kann man die Zukunft vorhersagen, ohne die genauen Pläne der herrschenden Elite zu kennen? Ganz einfach: Mit entsprechendem politischem Hintergrundwissen und etwas Kenntnis von menschlicher Psychologie lassen sich sehr präzise Zukunftsprognosen erstellen. Die folgende Doku vergleicht die Prophezeiungen des Nostradamus mit den modernen Methoden des Analytikers Bruce Bueno de Mesquita – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Nur so nebenbei: Das Entstehen eines islamistischen Staates im Norden von Syrien und dem Irak sagte nicht nur Mesquita präzise voraus. Auch wir hatten bereits vorab über die Gefahr berichtet, welche von den Islamisten im syrischen Bürgerkrieg ausgeht. Jeder, der 1 und 1 zusammenzählen kann, hätte den IS kommen sehen müssen.

Peter Fitzek – Wenn ich König von Deutschland wär’

von Shinzon

Deutschland hat ein Problem. Es ist nicht wirklich souverän – weder innerhalb der EU noch gegenüber den USA. Die Regierung stört sich jedoch nicht daran, sondern ist im Gegenteil sogar stolz auf ihre Vasallentreue. Im Bundestag wimmelt es von Bilderbergern sowie Vertretern der Atlantik-Brücke, des CFR und der Trilateralen Kommission.

Die Deutschen fühlen sich vollkommen zu recht von dieser Regierung verraten, die erst schwört, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, dann aber Abkommen wie den ESM oder TTIP unterzeichnet. Wir leben in einer Lobbykratie, in der Politik für Banken und Konzerne gemacht wird. Das ist die traurige Wahrheit. Eine Wahrheit, die sich radikale Gruppen wie die Reichsdeutschen zunutze machen. Sie nutzen das Misstrauen in die etablierte Politik geschickt aus, um Menschen für ihre eigenen Machtphantasien zu begeistern.

Selbstverständlich ließe sich die Souveränität auch auf demokratischem Wege wiederherstellen. Aber das ist nicht im Interesse der Reichsdeutschen, die lediglich eine Diktatur durch eine noch schlimmere austauschen wollen. Wahlweise wollen sie zurück ins 3. Reich oder gar ins Kaiserreich. Eine einzigartige Ausnahme in dieser Bewegung bildet Peter Fitzek, der vorwärts in die Monarchie will. Das ist in etwa so, als würde man im Rückwärtsgang vorwärts fahren wollen.

Bevor wir jedoch zur Gründung des Scheinstaates NeuDeutschland kommen, werfen wir kurz einen Blick auf das Leben von Peter Fitzek. Er wurde 1965 in Halle geboren und hat zwei Kinder aus einer Ehe Anfang der 1990er Jahre. Beruflich unterhielt er mehrere Läden, eine Bar und ein Tattoo-Studio. Seit 2000 betreibt er in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) einen Buchladen für Esoterikliteratur und schrieb 2005 sein eigenes Buch „Wege zur Entdeckung feinstofflicher Welten“. Er ist zudem Dauergast in Esoteriksendungen wie Norbert Brakenwagens Time To Do und Jo Conrads Bewusst TV.

Seine politische Karriere begann Fitzek 2008 mit seiner Kandidatur für den Oberbürgermeisterposten in Wittenberg. Bei der Wahl erhielt er jedoch nur 0,7% der Stimmen. Das Rathaus wird er weder als Bürgermeister noch als Bürger je wieder betreten, denn zwei Jahre später erhielt er ein Hausverbot. Dazu kam es, weil er 2009 und 2010 mehrfach Sachbearbeiterinnen angepöbelt und sogar tätlich angegriffen hatte. Fitzek wollte dabei allen Ernstes eine Mitarbeiterin des Rathauses verhaften, was Zweifel an seiner geistigen Gesundheit aufkommen lässt.

2009 kandidierte er zur Bundestagwahl abermals als unabhängiger Direktkandidat für den Wahlkreis Wittenberg-Dessau und erhielt wieder nur 0,7%. Man kann nur darüber mutmaßen, dass diese beiden Misserfolge den gelernten Koch dazu getrieben haben, sein eigenes Süppchen zu kochen. Es ist offensichtlich, dass Peter Fitzek mit der Realität nicht klar kommt und sich deswegen seine eigene Fantasy-Welt erschafft.

Bevor er sein eigenes Königreich ausrief, hob er am 13. Juli 2009 zunächst seinen Verein NeuDeutschland aus der Taufe. Er behauptete dabei, seinen eigenen Staat innerhalb der BRD errichten zu können, da er nicht als natürliche Person ausgewiesen sei. Warum und vor allem auf welcher Grundlage er kurz darauf für den Bundestag kandidierte, ist angesichts dessen fraglich. Immerhin spricht er der BRD und damit auch dem Bundesparlament jegliche Legitimität ab.

Diese offensichtliche kognitive Dissonanz zieht sich durch das gesamte Konzept des NeuDeutschland-Vereins. Dieser sieht sich zwar keineswegs als rechtsextrem, fordert jedoch die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen von 1937. Also ein eher altes als neues Deutschland. Den östlichen Nachbarländern dürfte dieses aufgewärmte Konzept vom Lebensraum im Osten gewiss gar nicht gefallen und ohne einen Krieg lässt sich diese Forderung wohl auch nicht durchsetzen. Unter anderem aus diesem Grund wurde dem Verein am 30. Juli 2010 vom Landgericht Stendal die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Fitzek will dennoch im Rückwärtsgang nach vorn, was nur einer Katastrophe enden kann. Wenn es ihm nur darum ginge, in Polen oder Tschechien leben zu wollen, könnte er dies dank der europäischen Freizügigkeit längst tun. Klar müsste er dann eine fremde Sprache lernen und bei einem dauerhaften Umzug eine andere Staatsbürgerschaft annehmen. Da er Letzteres aber nun einmal nicht will, schwelgt er in großdeutschen Allmachtsphantasien, die ihm nichts außer einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz eingebracht haben.

Die Rückforderung der Ostgebiete ist purer Revanchismus, mit dem Fitzek bestenfalls bei Erika Steinbach und der NPD punkten kann. Der einzige Unterschied zu den Reichsdeutschen besteht darin, dass der Verein NeuDeutschland eine neue Verfassung erarbeitet hat, statt die des deutschen Reiches zu übernehmen. Auf die Idee, das tendenziell gute Grundgesetz als Verfassung zur Abstimmung zu stellen, kommen die NeuDeutschen natürlich nicht. Nun ja, vielleicht haben sie ja etwas gegen den Artikel 1…

In jedem Falle haben Fitzek und seine Anhänger ein Problem mit der Bundesrepublik Deutschland, die sie samt ihrer Institutionen als unrechtmäßig ablehnen. Woher sie die Rechtmäßigkeit ihres NeuDeutschlands nehmen, ist allerdings fraglich. Eine Legitimation durch die Mehrheit der Bevölkerung wird Fitzeks Projekt jedenfalls nicht erhalten. Wir erinnern uns an die 0,7%.

Leider hält das ihn und seine Anhänger nicht davon ab, einen eigenen Staat im Staate aufzubauen. Am 16. September 2012 wurde aus dem NeuDeutschland offiziell das Königreich Deutschland. Bei der Gelegenheit entledigte sich Peter Fitzek auch gleich sämtlicher demokratischer Ansätze und aus der ursprünglich angedachten, basisdemokratischen Räterepublik mit konstitutioneller Monarchie wurde eine absolute Monarchie. Fitzek begründete diesen Schritt wie folgt:

„Aufgrund der fehlenden Menschenzahl und kompetenter Ratsmitglieder, einem noch fehlenden Wahlgesetz, fehlender Wahlberechtigter, wählbarer Minister und noch anderer Erfordernisse kann es nun leider keine basisdemokratische Räterepublik in Verbindung mit einer konstitutionellen Monarchie mehr werden“.

Einerseits war Fitzek also einfach zu faul, ein Wahlgesetz auszuarbeiten, aber andererseits mangelte es ihm ohnehin an Deppen, die seine Konkurrenzdemokratie unterstützt hätten. Aber wozu braucht Fitzek schon Wähler, wenn er sich selbst zum König krönen kann? Napoleon Bonaparte lässt grüßen, also scheiß auf die 0,7%!

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Das Staatsgebiet des Königreichs erstreckte sich über 9 Hektar am Stadtrand von Wittenberg. Auf dem ehemaligen Krankenhausgelände waren ein Kindergarten, eine Privatschule und eine Universität geplant. Die Flagge des einstigen Scheinstaates ist eine umgedrehte BRD-Fahne, was eigentlich ein Seenotzeichen ist. Die Flagge ist zudem von einer aufgehenden Sonne geziert, was auf einen kultischen Hintergrund hindeutet. Fitzek sieht sich wohl als eine Art Sonnenkönig und behauptet tatsächlich, von Gott persönlich gesandt worden zu sein.

Königliches Logo

Das Königreich hatte selbstverständlich eine eigene Währung, das so genannte Engelgeld. Auf der Forderseite findet sich ein Lebensbaum, während auf der Rückseite ein Wappen abermals von Sonnensymbolik geziert und mit einer Krone geschmückt wird.

Engelgeld

Nun gibt es ja durchaus einige erfolgreiche Lokalwährungen und im Prinzip ist nichts gegen dieses Modell einzuwenden. Zumindest sofern solche Lokalwährungen auf einem Konsens beruhen. Die „neue deutsche Mark“ ist jedoch definitiv ein Betrugsmodell, da sie zentral von einer gefakten Staatsbank herausgegeben wird. Zudem kann man zwar im Königreich Euros in Engelgeld umtauschen, aber keine anerkannte Bank der Welt würde Engelgeld in Euro umtauschen. Da Fitzek seine Rechnungen natürlich in Euro bezahlt, dürfte klar sein, wie der Hase läuft.

Allerdings konnte man im Königreich tatsächlich mit der neuen deutschen Mark bezahlen. Zu den wenigen Gütern zählten zum Beispiel Autokennzeichen. Für 120 Euro im Jahr versprach Fitzek seinen Opfern, dass sie keine KFZ-Steuern zahlen müssten und Bußgelder nur an sein Königreich zu entrichten seien. Selbstverständlich versteht die Polizei bei solchen Possen keinen Spaß und wer meint, tatsächlich keine KFZ-Steuern oder Bußgelder zahlen zu müssen, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden. Immerhin fahren die selbsternannten Reichsbürger nicht auf königlichen Straßen, sondern auf dem Verkehrsnetz der BRD.

Auf öffentlichen Straßen ist dabei die Straßenverkehrsordnung der BRD zu beachten. Peter Fitzek denkt darüber natürlich anders und geriet daher nicht nur wegen seines ungültigen Autokennzeichens mit der Polizei aneinander. Am 13. Oktober 2013 wurde er zusätzlich vom Amtsgericht Neustadt bei Hannover zu drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, weil er ohne Führerschein mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt wurde. Zum Glück für ihn ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Dennoch zeigt dieses Beispiel sehr gut, mit welch arrogantem Charakter wir es zu tun haben. Selbst wenn sein imaginäres Königreich international anerkannt gewesen wäre, hätte er sich im Ausland BRD an die dort gültigen Geschwindigkeitsbegrenzungen halten oder die entsprechenden Konsequenzen tragen müssen. Wer als BRD-Bürger z.B. in Italien geblitzt wird oder in Großbritannien auf der rechten Straßenseite fährt, kann sich ja schließlich auch nicht mit deutschen Verkehrsregeln herausreden.

Die königliche Knallcharge war damit aber noch lange nicht am Ende der Possenspielchen angelangt. Der Polizei zeigte Fitzek dreist einen Führerschein, den er sich selbst ausgestellt hatte. In seinem Königreich bekam scheinbar jeder zahlende Kunde einen Fake-Führerschein ausgehändigt, ohne eine entsprechende Prüfung ablegen zu müssen. Immerhin gab es in NeuDeutschland keine einzige Fahrschule und keine Führerscheinstelle, sondern nur einen Peter Fitzek mit einem Drucker. Da muss schon die Frage erlaubt sein, wer die Führerscheinprüfung abnimmt?

Neben den gängigen Souvenirs, die man im Königreich kaufen konnte, gab es noch weitere Betrugsmodelle, die nicht mal einen Materialwert besaßen. Gemeint sind die königliche Renten- sowie Krankenkasse. Wer diese abgeschlossen hat, sollte weder alt noch krank werden, denn sofern überhaupt, werden Rente und Leistungen nur in fiktivem Engelgeld ausgezahlt. Davon kann man weder Miete, noch Strom, Wasser oder Einkäufe bezahlen, womit man im Alter noch beschissener dasteht, als mit der ohnehin schon mickrigen gesetzlichen Rente der BRD.

Noch kruder war die Krankenkasse, denn es gibt wirklich keine Ärzte und keine Apotheken, die Engelgeld akzeptieren. Allerdings waren Arztbesuche und Medikamente ohnehin nicht im Leistungskatalog vorgesehen. Gezahlt wurden nur Fitzeks eigene Gesundheitsseminare und Behandlungen bei ausgewählten Quacksalbern, die Homöopathie und Neue Germanische Medizin praktizieren. Wahrscheinlich hätten aber nicht einmal Fitzeks Esoterikfreunde dauerhaft Engelgeld akzeptiert, denn immerhin hauen die mit ihren nutzlosen Diensten andere übers Ohr und wollen nicht selbst mit Spielgeld über den Tisch gezogen werden.

Faktisch hatte man von der königlichen Krankenkasse also keine Leistungen zu erwarten gehabt. Völlig zu recht wurde dieses Treiben daher am 1. Dezember 2010 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterbunden. Fitzeks Versuch, sein Projekt als Unterstützerkasse weiterlaufen zu lassen, die nicht der Versicherungsaufsicht unterliegt, wurde am im März 2012 ebenfalls von der BaFin gestoppt. Auf Anzeige der BaFin wurden am 13. April 2013 zudem 12 Objekte, die Fitzeks Phantasiekönigreich zuzuordnen waren, von der Polizei durchsucht, weil der selbsternannte Monarch weiterhin unerlaubt im Banken- und Versicherungsgeschäft tätig war.

Es folgten zwei weitere Razzien am 26. März und 27. November 2014. Am 8. Januar 2015 verhängte das Amtsgericht Dessau-Roßlau schließlich wegen Verstoßes gegen das Versicherungsgesetz eine Geldstrafe von 4.200 Euro. Zudem wurde von staatlicher Seite ein Anwalt bestellt, der nun sämtliche illegalen Versicherungs- und Bankgeschäfte abwickelt. Darüber hinaus übt der Anwalt die Kontrolle über die Grundstücke aus, für die Fitzek nun Miete zahlen muss.

Das ist eine durchaus gerechte Strafe, die nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Fitzek selbst hatte nämlich von seinen Anhängern verlangt, dass diese bei der Einbürgerung ihre Privatgrundstücke als Schenkung in seinen Scheinstaat einbringen. Ähnliche Methoden findet man auch bei diversen Psychosekten und es wäre wünschenswert, wenn der BRD-Staat gegen diese ebenso konsequent vorgehen würde.

Da sich Fitzeks Königreich derzeit in Auflösung befindet, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Geld weiter mit esoterischer Literatur und dazugehörigen Seminaren zu verdienen. Es ist ja leider nicht so, dass es dafür keinen Markt gäbe und er am Hungertuch nagen müsste. Es sei denn, seine Kundschaft entdeckt eines schönen Tages den Unterschied zwischen Spiritualität und Esoterik. Das würde nämlich mit der Erkenntnis einhergehen, dass ein Despot mit Allmachtsphantasien, der obendrein wegen Körperverletzung vorbestraft ist, nicht sonderlich spirituell verlangt sein kann.

In der Tat ist König Schmalzlocke ein erfahrener Kampfsportler, der gerne mal zuschlägt. Er wollte sogar seine eigene Polizei ausbilden, um abtrünnige Anhänger und Kritiker einzuschüchtern. Eine Idee, auf die auch schon einige Islamisten in Wuppertal gekommen sind, welche den deutschen Rechtsstaat gern durch ein Kalifat mit Scharia austauschen würden. Der Vergleich klingt zu krass? Nun, Fitzek mag vielleicht kein Islamist sein, aber was Familie und Sexualität angeht, hat er ähnlich fundamentalistische Ansichten.

Am 5. April 2013 drang er zum Beispiel in die Wittenberger Grundschule „Friedrich Engels“ ein, um die sexuelle Aufklärung seines Sohnes zu verhindern. Bei dieser Aktion versuchte er, ein Sexualkundebuch gewaltsam an sich zu bringen, was ihm ein weiteres Hausverbot einbrachte.

Nach Fitzeks Meinung ist sexuelle Aufklärung in der Grundschule gleich Frühsexualisierung. Personen unter 18 Jahren dürften demnach nicht wissen, woher die Babys kommen. Dabei werden den Kindern im Klassenzimmer keineswegs Pornos gezeigt, es geht lediglich um die Aufklärung über den biologischen Vorgang. Ginge es jedoch nach dem Willen von Fitzek und anderen Esoterikern, müssten Kinder dumm gehalten werden. Obgleich die Pubertät unvermeidlich ist, sollten Heranwachsende nicht verstehen, was da mit ihnen geschieht. Stattdessen sollten sie sich vor ihrem eigenen Körper zu ekeln haben. Ein Glück, dass Fitzek nicht das Sorgerecht für seine Kinder hat.

In seinem untergegangenen Königreich wäre angesichts dieser kruden Moralvorstellungen sicherlich auch kein Platz für Homosexuelle oder sonstige „Abweichler“ gewesen. Aber unter einem Sektierer wie Fitzek fühlen sich ohnehin nur verblendete Esoteriker und neurechte Reichsbürger wohl. Vielleicht hätte auch Beatrix von Storch einen Platz im neudeutschen Königreich gehabt, allerdings hätte dann wohl ihr Cousin Philip von Preußen dem Imperator Fitzek den Thron streitig gemacht.

Zusammenfassend wirkt Peter Fitzeks Lebenslauf wie der freimaurerische Klassiker „Der Mann, der König sein wollte“. Offenbar hat er den Film jedoch nie gesehen, sonst hätte er gewusst, dass die Geschichte nicht gut ausgeht. Fraglich ist allerdings, ob er die richtigen Lehren daraus gezogen hätte, denn aus seinem eigenen Leben zieht er sie keinesfalls. Nach seiner Niederlage kündigte King Schmalzlocke an, ein ganzes Dutzend neuer Königreiche zu gründen und noch verbissener gegen die Bundesrepublik vorzugehen.

Auf die offensichtlichste Lösung kommt der ehemalige Regent jedoch nicht. Er könnte sein Königreich doch einfach in der feinstofflichen Paralleldimension wiederaufbauen, die er angeblich entdeckt haben will. Dort würde er niemanden stören und herrschen könnte er dort auch von einer gepolsterten Zelle aus.

Die unheilige Madonna am Kreuz

Madonna ist eine der bekanntesten Kabbalistinnen, welche offen Werbung für den okkulten Zahlenhokuspokus macht. Selbstverständlich ist sie als Nichtjüdin Anhängerin der Hollywood-Kabbala und nicht der traditionellen jüdischen Geheimlehre. Sie sucht also nicht nach einem mathematischen Verständnis von Gott, sondern nach weltlichem Erfolg durch die Anwendung okkulter Praktiken.

madonna-kabbalah

Madonna beschränkt sich jedoch nicht auf diesen Affront gegen das Judentum. Mit ihrer Tour von 2006 zog die Pop-Ikone abermals den Zorn zahlreicher Christen und Juden auf sich. Der Grund: Während der Performance ihrer Single „Live to tell“ wurde sie mit einer Dornenkrone wie Jesus ans Kreuz gehängt. Völlig richtig wurde hier der verhöhnende Ritualcharakter dieser Szene erkannt. Nicht wahrgenommen wurde hingegen die offensichtliche Sonnensymbolik im Hintergrund.

Madonna am Kreuz

Die Weltenbäume der kabbalistischen Filmindustrie

Einer der wichtigsten kabbalistischen Filme ist „π“ aus dem Jahre 1998. In diesem geht es um die jüdische Kabbala, welche nach einer mathematischen Ordnung in der Natur sucht. Verwunderlich ist dies nicht, da der Regisseur Darren Aronofsky aus einer jüdischen Lehrerfamilie stammt. In diesem Sinne kann „π“ also nicht als okkult angesehen werden.

In seinem 2006 gedrehten Werk „The Fountain“ greift Aronofsky ebenfalls auf das Thema der spirituellen Erleuchtung zurück.

The Fountain Erleuchtung

Im Zentrum steht dabei der Lebensbaum, welcher als Quelle des ewigen Lebens dargestellt wird.

The Fountain Lebensbaum_1

The Fountain Lebensbaum_2

Weit weniger beeindruckend ist der 2011 erschienene „Tree of Life“ von Regisseur Terence Malick. In diesem geht es um eine christlich-fundamentalistische Familie, deren geistig umnachtete Kinder Tiere quälen. In einigen Szenen, die in keinem Zusammenhang zum Rest der Handlung stehen, wird obendrein versucht, die monumentalen Bilder von „The Fountain“ zu kopieren. Was dieser abstruse Streifen mit dem Lebensbaum zu tun hat, welchen er im Titel trägt, bleibt bis zum Ende schleierhaft.

The Tree of Life

Von 2012 bis 2013 lief die Serie „Touch“ mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle. Die Frau seines Seriencharakters Martin Bohm starb bei den 9/11-Anschlägen von 2001 und ein Teil der Serie spielt im besetzten Irak. Nachdem Sutherland bereits die Hauptrolle in der Serie „24“ hatte, durfte er in „Touch“ einmal mehr das amerikanische Fernsehpublikum mit dem Terrorgespenst erschrecken.

Diese Serie, die es zum Glück nur auf zwei unsägliche Staffeln brachte, hat aber noch eine andere Seite. Bohms stummer Sohn kritzelt nämlich unentwegt Zahlen vor sich hin, was ein wenig an den Film „Know1ng“ erinnert. In den Zahlen verbergen sich zukünftige Ereignisse, womit hier eindeutig die okkulte Kabbala bemüht wird.

Die Kabbala und der Weltenbaum – Jüdische versus okkulte Mystik

von Anton Nymous

Die Kabbala (auch Kabbalah) ist ursprünglich eine mystische Tradition des Judentums, welche ihre Wurzeln im Tanach hat. Das Wort bedeutet übersetzt so viel wie „Überlieferung“, was zunächst sehr allgemein zu verstehen war. Im 12. Jahrhundert kristallisierte sich schließlich eine religiöse Bedeutung heraus, der zufolge die Kabbala dem Streben nach einer unmittelbaren Beziehung zu Gott dient.

Das erste Buch, welches einen modernen kabbalistischen Text enthält, ist das 1180 fertig gestellte „Sefer ha-Bahir“. Es stellte lange Zeit die Hauptgrundlage der kabbalistischen Geheimlehre dar. Ende des 13. Jahrhunderts folgte dann der Zohar aus der Feder von Mosche de Leon (†1305), welcher kanonische Geltung erlangte und andere kabbalistische Schriften in den Hintergrund verdrängte. Der Zohar enthält, neben Auslegungen der Tora, vor allem Spekulationen über Zahlen und Buchstaben als Fundamente der Welt.

Im Mittelalter bildeten sich darüber hinaus einige kabbalistische Zentren, darunter der Chassidismus im Rheinland und die prophetische Kabbala in Spanien. Im 14. Jahrhundert verbreitete sich die Kabbala von Nordspanien aus über ganz Europa. Im 15. Jahrhundert spaltete sich schließlich sogar eine christliche Kabbala ab, deren wichtigster Vertreter Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) war.

Die christliche Kabbala wurde mitunter genutzt, um Juden zum Christentum zu konvertieren. Auf der anderen Seite wurde die Kabbala als göttliche Wahrheit verstanden, wodurch einige jüdische Bücher vor der Verbrennung gerettet werden konnten, da ihnen kabbalistische Inhalte zugesprochen wurden. Nichtsdestotrotz waren die christlichen Kabbalisten verständlicherweise eher an einer christlichen Auslegung sowie der Suche nach griechischer Philosophie interessiert.

Symbolisiert wird die Kabbala durch den Weltenbaum (hebr. Sephiroth), welcher die zehn göttlichen Emanationen umfasst. Diese werden als Sphären dargestellt, wobei das aus dem griechischen stammende Wort „Sphäre“ laut kabbalistischer Deutung von dem hebräischen „Sephira“ abstammen soll. „Sephira“ bedeutet wiederum „Ziffer“, womit im Sephiroth bereits die kabbalistische Zahlenmystik angedeutet wird.

Kabbala

Der Welten- oder Lebensbaum spiegelt die göttliche Schöpfung wider, wobei die Sephiroth Gegensatzpaare bilden, die in der mittleren Achse einen Ausgleich erfahren. Laut Auslegung des Rabbiners und Kabbalisten Isaak Luria (1534-1572) bilden die Sephiroth in ihrer Gesamtheit zudem den „himmlischen Menschen“ ab.

Interessanterweise gibt es auch in der nordischen Mythologie einen Weltenbaum, der ganz ähnlich aussieht, allerdings nur 9 statt 10 Sphären enthält. Die 9 Sphären des nordischen Weltenbaums Yggdrasil stehen für die jeweils 3 Welten von Asgard, Midgard und Utgard. Wie bei den jüdischen Sephiroth stellt auch der nordische Welten- oder Lebensbaum eine göttliche Ordnung dar.

Weltenbaum

Bei den Wurzeln des nordischen Weltbaums findet sich indes die Schlange Nidhöggr, welche der Mythologie zufolge die Toten peinigt. Dies deckt sich mit anderen europäischen Legenden von Drachen, die in Höhlen hausen. Nach prä-astronautischer Lesart könnten diese Legenden eine Anspielung auf im Untergrund lebende Reptiloide sein. Die Unterwelt wäre demnach im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle unter Erden.

Doch zurück zum Weltenbaum bzw. Baum des Lebens. Dieser findet sich nicht nur in der jüdischen Kabbala sowie der nordischen Mythologie. Es gibt ihn auch bei den antiken Sumerern, Babyloniern, Griechen (Baum der Hesperiden), Persern (Simurgh-Baum) und sogar bei den Maya (Wacah Chan und Yax Cheel Cab). Bis heute wird der Baum des Lebens zudem in Indien (Asvattha-Baum) und im Islam (Tūbā) verehrt. Es handelt sich also um eine weltweit verbreitete Symbolik, welche auf eine untergegangene globale Hochzivilisation zurückzuführen sein könnte.

Das alles ist zwar hochinteressant, hat jedoch bis hier hin wenig mit dem Okkultismus zu tun. Nun findet man die Kabbala sowie den Weltenbaum aber häufig in der modernen Pop-Okkultur wieder. Unter anderem zeigt eine Karte des Tarot die Sephiroth, was häufig zu Missverständnissen führt. Schnell werden dabei vor allem den Juden finstere Absichten unterstellt, obwohl diese gar nichts mit der okkulten Auslegung der Kabbala zu tun haben.

Man darf nicht vergessen, dass Juden und Christen in der Kabbala ein Werkzeug sehen, mit dem sie eine Beziehung zu Gott aufbauen. Die esoterisch-okkulte Kabbala stellt die absolute Antithese dazu dar. Im Gegensatz zur jüdischen und christlichen Kabbala vertritt die hermetische Qabalah einen universellen Ansatz. Mit anderen Worten klammert sie Gott aus und legt ihren Schwerpunkt auf Magie. Dabei bedienen sich hermetische Kabbalisten esoterischer Hilfsmittel wie Tarot-Karten, Astrologie und Numerologie.

Die Sephiroth zwischen Jachin und Boas

Die Sephiroth zwischen Jachin und Boas

Ähnlich wie diese Hilfsmittel wird auch die Kabbala im Okkultismus benutzt, um die Zukunft vorherzusagen. So war z.B. der berühmte Hellseher Michel de Nostradame ein Kabbalist. Zwar könnte die Zukunft in der Tat mathematisch berechnet werden, da alles im Universum auf dem Prinzip Aktion-Reaktion basiert, doch die okkulte Kabbala vertritt keinen wissenschaftlichen, sondern einen rein magischen Ansatz.

Die Anfänge der hermetischen Kabbala liegen bei den Okkultisten Robert Fludd (1574-1637) und John Dee (1527-1608). Einige Historiker sehen in der okkulten Philosophie sogar eine Triebfeder der Renaissance, in welcher viele antike Lehren und Stile ihre Wiedergeburt feierten. Ihre Blütezeit erreichte die hermetische Kabbala schließlich im 18. und 19. Jahrhundert, wo sie u.a. Einzug in die Theosophie und den Geheimbund „Hermetic Order of the Golden Dawn“ fand. Angesichts dessen wird der okkulten Kabbala sogar von offizieller Seite eine antichristliche Ausrichtung attestiert. Allerdings entwickelte sich diese Ausrichtung wohl nicht erst im 18. und 19. Jahrhundert, sondern lag schon immer in der Natur okkulter Praktiken.

Im Okkultismus ist es außerdem üblich, die Wahrheit zu verzerren. Es verwundert daher nicht, dass Autoren wie der französische Schöpfer des modernen Baphomet, Éliphas Lévi (1810-1875), die kabbalistischen Lehren nur verfälscht wiedergaben. Dem amerikanischen Okkultisten Arthur Edward Waite (1857-1942) wird dagegen zwar nachgesagt, er hätte sich um eine korrekte Darstellung der Kabbala bemüht, doch konnte er weder Hebräisch noch Aramäisch. Daher übernahm er sämtliche Fehler aus Jean de Paulys Zohar-Übersetzung. Waites daraus resultierendes Werk „The Secret Doctrine in Israel“ dürfe ebenfalls für einige Missverständnisse verantwortlich sein, welche die Judenfeindlichkeit in Bezug auf die okkulte Kabbala befeuert haben.

Aus der hermetischen Kabbala entwickelte sich im 20. Jahrhundert die so genannte „Hollywood-Kabbala“. Diese geht auf Philip Bergs Kabbalah Centre zurück, welches 1969 in Tel Aviv gegründet wurde und inzwischen weltweit 40 Filialen hat. Philip Berg (1929-2013), dessen eigentlicher Name Feivel Gruberger lautete, war tatsächlich Jude. Er vertrat jedoch eine esoterische Auslegung der Kabbala, in welcher er auch Nichtjuden unterrichtete. Unter Rabbinern und jüdischen Kabbalisten ist Berg daher sehr umstritten.

Einige Kritiker sehen in Bergs New Age-Kabbala, welche er ab seinem Umzug nach Los Angeles in den 1990ern in Hollywood verbreitete, sogar die Antithese zur jüdischen Kabbala. Kein Wunder also, dass sie bei den Stars der Pop-Okkultur so beliebt ist. Zu ihren Anhängern zählen u.a. Madonna und Britney Spears – beide Nichtjüdinnen.

Die heutige Hollywood-Kabbala steht absolut in der Tradition der hermetischen Auslegung, welche sich in der freimaurerischen Gnosis, der Theosophie und dem Satanismus wieder findet. Wenn sich dementsprechend Stars als Kabbalisten outen, so hat dies rein gar nichts mit dem Judentum oder Christentum zu tun. Die Rolle von Philip Berg ist bei alledem sehr zweifelhaft. War er nur ein mieser Geschäftemacher, der den Okkultisten in Hollywood gelegen kam, oder war er selbst zum Okkultismus konvertiert und verbreitete absichtlich eine verzerrte New Age-Version der Kabbala?