Die größten Lügenmärchen über Flüchtlinge

von Anton Nymous

Rechtsextreme Organisationen wie die NPD, Der III. Weg, die sogenannten Identitären und Pegida setzen derzeit alles daran, das Internet mit ihrer fremdenfeindlichen Propaganda zu überschütten. Es muss davon ausgegangen werden, dass sie mit ihrer Hetze sehr wohl wissentlich zum Prinzip „teile und herrsche“ beitragen. Als Chaosagenten bringen sie Europa Tod und Zerstörung, wie man insbesondere in der Ukraine sehen kann. Doch warum fallen so viele Menschen auf ihre Propaganda herein und glauben ihre Lügen? Hier hilft nur Aufklärung und daher wollen wir im Folgenden einige der größten Lügenmärchen entzaubern.

Lüge 1: „Über 90% der Flüchtlinge sind Wirtschaftsflüchtlinge“

Es gibt tatsächlich Wirtschaftsflüchtlinge, die nach Deutschland kommen, weil sie sich hier ein besseres Leben versprechen. Zum einen ist dies jedoch ein nachvollziehbarer Grund, insbesondere da das reiche Deutschland maßgeblich zur sozialen Schieflage in der Welt beiträgt. Zum anderen machen Wirtschaftsflüchtlinge nur einen geringen Prozentsatz aus. Es verhält sich eher so, dass über 90% der Flüchtlinge vor Krieg, Folter und politischer sowie ethnischer Verfolgung fliehen. Das zeigt bereits ein Blick auf die Herkunftsländer, unter denen Syrien der Spitzenreiter ist, gefolgt vom Irak, Afghanistan, Somalia, Nord- sowie Südsudan und Eritrea. Alles Länder, in denen entweder Kriege, Bürgerkriege oder grausame Diktaturen herrschen.

Verfolgung als Fluchtursache schließt aber auch vermeintlich sichere Herkunftsländer wie Ungarn, Rumänien oder die Balkanstaaten ein. Zwar können Normalbürger dort einigermaßen angstfrei leben, doch Minderheiten wie Roma sind nach wie vor Ziel von Diskriminierung und rassistischer Gewalt.

Lüge 2: „Fast alle Flüchtlinge kommen nach Deutschland“

Von 51 Millionen Flüchtlingen weltweit nimmt Deutschland lediglich 800.000 auf. Das sind gerade einmal lächerliche 1,5%. Die meisten Flüchtlinge, ca. 65%, sind Binnenflüchtlinge. Das heißt, sie verlassen ihre Heimatländer nicht. Syrien ist ein gutes Beispiel, wo Menschen aus dem umkämpften Norden in Richtung Damaskus oder in bereits befreite Städte fliehen.

Danach kommen erst einmal die unmittelbaren Nachbarländer, allen voran der Libanon. Während Deutschland durchschnittlich 2,5 Flüchtlinge pro 1.000 Einwohner aufnimmt, ist der Libanon mit 232 Asylsuchenden pro 1.000 Einwohner Spitzenreiter. Die Libanesen nehmen ihre knapp 1,4 Millionen Flüchtlinge dabei weitaus gelassener, obwohl der Libanon weitaus kleiner und ärmer als Deutschland ist und weit weniger Kapazitäten hat, die Geflüchteten menschenwürdig unterzubringen. Geradezu lächerlich scheint angesichts dessen, dass sich einige Eingeborene hierzulande schon bei einem Ausländeranteil von 1,8% (aktueller Stand in Thüringen) „überfremdet“ fühlen.

Lüge 3: „Flüchtlinge leben im Luxus, beinahe jeder hat ein Smartphone“

Wer es als Luxus erachtet, wenn sich ein Flüchtling sein Zimmer mit bis zu 8 wildfremden Leuten teilen muss oder gleich hunderte zusammen in einer Turnhalle oder in Zelten untergebracht werden, dem ist nicht mehr zu helfen. Ebenso ist es ein Mythos, dass ein Flüchtling mehr als ein deutscher Hartz-IV-Empfänger bekommt. In den ersten 15 Monaten erhalten Asylsuchende überwiegend Sachleistungen und dazu ein Taschengeld von monatlich 143 € für Alleinstehende und je 129 € für Verheiratete. Im Gegensatz zu Asylsuchenden leben eher deutsche Arbeitslose im Luxus. Die Betreffenden sollten ihren Sozialneid also lieber an Bankern und Spekulanten ablassen.

Die Sache mit den Smartphones, die unter Flüchtlingen tatsächlich weit verbreitet sind, hat indes vollkommen andere Hintergründe als Rechtspopulisten und Neonazis behaupten. Die Asylsuchenden kommen keineswegs hierher und kaufen sich erst mal das neuste Handymodell für 600 bis 800 Euro. Tatsächlich kommen sie bereits mit Smartphones hier an. Das hat, je nach Herkunftsland, zweierlei Hintergründe.

Was Syrien angeht, hatte dieses Land vor dem Bürgerkrieg einen westlichen Lebensstandard und viele Flüchtlinge gehörten einst zur Mittelschicht. In der Regel haben diese Menschen alles verloren, bis auf das wenige, was sie am Körper mit sich führen konnten. Warum das Handy zu den wichtigsten Gegenständen gehört, die man bei einer Flucht mitnehmen sollte, liegt auf der Hand. Es ist nämlich die einzige Möglichkeit, mit Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben.

In Afrika ist die Situation ein wenig anders. Länder wie Somalia, Eritrea oder der inzwischen geteilte Sudan waren schon immer arm. Woher haben die Flüchtlinge von dort nun ihre vermeintlich teuren Handys? Die Antwort ist dermaßen banal, wie die Nazipropaganda vom „reichen afrikanischen Asylanten“ bescheuert ist. Bei den Smartphones handelt es sich um abgespeckte Modelle aus China, die in Afrika kostengünstig auf den Markt geworfen werden. Die Smartphones sind also verhältnismäßig billig und ersetzen sowohl das Festnetznetztelefon, was aufgrund mangelnder Telefonleitungen meist eh nutzlos wäre, als auch den Computer, den sich die meisten Afrikaner nicht leisten können.

Auch die Asylsuchenden aus Eritrea und Somalia führen das Handy mit sich, um mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben zu können. Dabei ist die Kommunikation per Flatrate über das Internet weitaus günstiger als teure Auslandsgespräche am Telefon. Den Asylsuchenden vorzuwerfen, der Kontakt zu ihren Familien sei Luxus, während jeder noch so arme Deutsche mit einem PC am Internet hängt, ist einfach nur unmenschlich.

Quelle

Lüge 4: „Die Massenmedien betreiben Propaganda für Asylanten“

Bei Facebook und anderen Plattformen kursieren seit einigen Monaten vermehrt angebliche Zeitungsartikel, die von Flüchtlingen berichten, die Gutes tun. Sie schenken deutschen Obdachlosen Gutscheine, finden Geldbörsen und geben diese pflichtbewusst in Fundbüros ab. Das klingt wie im Märchen und genau das ist es auch. Allerdings werden diese Märchen nicht von den verhassten Mainstream-Medien verbreitet, sondern von den rechtsextremen Propagandisten selbst.

Sie kopieren dreist Fotos aus der Presse, reißen sie aus dem Zusammenhang und versehen sie mit neuen Texten. Ziel ist die Diskreditierung der Massenmedien als Lügenpresse, denn es kann ja einfach nicht sein, dass Flüchtlinge ständig Brieftaschen finden und zurückgeben. Eine typische Operation unter falscher Flagge, aber das kennen wir ja bereits seit dem Reichstagsbrand und dem gefakten Überfall auf den Sender Gleiwitz. Dazu fällt uns nur eines ein: Lügennazi, halt die Fresse!

Quelle

Lüge 5: „Die Regierung holt immer mehr Flüchtlinge ins Land“

Es ist nun wirklich nichts Neues, dass die Bundesregierung viel Mist baut. Doch die Unterstellung, sie würde Flüchtlinge ins Land holen, ist völlig absurd. Das klingt beinahe so, als würde sie tausende Busse bereitstellen, die die Asylsuchenden direkt daheim abholen. Was für eine abenteuerliche Vorstellung!

Die Flüchtlinge kommen von ganz alleine, weil sie vor bestialischen Diktaturen oder den Säbeln des IS fliehen. Dafür ist die Bundesregierung zwar tatsächlich mitverantwortlich, jedoch nicht zum Zwecke der angeblichen „Überfremdung des eigenen Volkes“. Die wahren Gründe sind die Profitinteressen der Rüstungsindustrie, die Klötenküsserei gegenüber dem türkischen Machthaber Erdogan sowie die Zusammenarbeit mit grausamen Regimen wie in Eritrea. Darauf gehen aber weder die Rechtspopulisten von Pegida noch die Neonazis ein. In ihren Augen geht es der Regierung um einen „Austausch der Völker“.

Quelle

Das ist jedoch mitnichten so. Denn während Bundeskanzlerin Merkel in Heidenau Betroffenheit heuchelte, plant ihr Innenminister de Maizière eine erneute Verschärfung des Asylrechts. Angesichts dessen ist es geradezu grotesk, dass der braune Pöbel Merkel in Heidenau ausbuhte und mit Eiern bewarf. Die Bundesregierung ist in der Tat der beste Verbündete des rechten Mobs. Hier eine kleine Auswahl der flüchtlingsfeindlichen Maßnahmen aus Berlin:

● Weniger Asylanträge
● Verlängerung von Aufenthalten Geflüchteter in Lagern
● Verschärfung der Residenzpflicht und damit Einschränkung der Bewegungsfreiheit
● Sachleistungen statt Geld
● Einstufung mehrer Länder als sichere Herkunftsländer
● Zunehmende Abschottung Europas nach außen

Unglaublich, wie „gastfreundlich“ die Bundesregierung gegenüber Flüchtlingen ist. Angesichts dessen verwundert es schon sehr, wie unfreundlich Merkel in Heidenau empfangen wurde. Ihre warmen Worte waren ja offensichtlich nur für die fromme Wählerschaft gedacht, denn mit den Stimmen der Pegida allein reicht es nicht zum Regieren.

Die einzige Landesregierung, die sich tatsächlich für Flüchtlinge einsetzt, ist Rot-Rosa-Grün in Thüringen. Und das macht sie sympathisch, weil sie damit zu ihren Werten wie Mitgefühl, Solidarität und Menschlichkeit steht. Es ist gut, dass die Thüringer Regierung unter Bodo Ramelow den menschenfeindlichen Forderungen faschistischer Verbrecher nicht nachgibt. Direkt ekelhaft ist es dagegen, wie sich der Erfurter OB Andreas Bausewein (SPD) um die Zustimmung von Rassisten bemüht, indem er fordert, dass für Flüchtlingskinder die Schulpflicht entfallen sollte. Laut UN-Kinderrechtscharta hat jedoch jedes Kind ein recht auf Bildung, zumal die Schulpflicht die Integration fördert.

Lüge 6: „Asylanten nehmen uns die Arbeitsplätze weg“

Diese Behauptung entpuppt sich ebenfalls schnell als grober Unfug. In den ersten drei Monaten dürfen Asylbewerber überhaupt nicht arbeiten, was auch gleichzeitig die Unterstellung entkräftet, sie würden sich freiwillig in eine „soziale Hängematte“ legen. Später müssen sie sich dann erst einmal eine Arbeitserlaubnis besorgen und werden dabei einer Vorrangprüfung unterzogen. Zuerst müssen nämlich deutsche Bewerber bevorzugt werden und nach denen kommen noch die EU-Ausländer. Die NPD-Forderung „Arbeit zuerst für Deutsche“ ist also längst obsolet, weil sie bereits Gesetz ist. Welch verlogenes Pack!

Schlusswort

Abschließend liegt es uns sehr am Herzen, dass sich unsere Leser nicht von fremdenfeindlichen Parolen und Lügen aufhetzen lassen. Das Problem sind nicht die Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen. Sie sind nur das Symptom einer ungerechten Weltwirtschaft, die Kriege um Ressourcen führt, Waffen in Krisengebiete verschachert und Geschäfte mit totalitären Regimen macht. Egal ob Kurden, Syrer, Griechen, Spanier oder Deutsche – wir sind alle Opfer einer globalen Banken- und Konzernmafia.

Wer gegen Schwächere hetzt und Asylheime anzündet, dient damit dem Kapital. Wer dagegen noch einen Funken Vernunft und Menschlichkeit besitzt, hat die verdammte Pflicht, Solidarität zu üben. Unser Motto muss wieder lauten: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“ Das ist nicht nur irgendeine Parole, sondern der einzige Weg, wie wir den von Kapitalisten ausgerufenen Klassenkrieg gewinnen sowie Freiheit und Wohlstand für alle Menschen sichern können.

Israel greift Syrien an

Es ist eine heikle Angelegenheit. Die Hisbollah ist wahrlich kein Freund von Israel und hat sich ihren Ruf als Terrororganisation durchaus verdient. Dennoch ist Israels Angriff vom 3. Mai nicht ohne Weiteres zu rechtfertigen.

Zum einen bestand trotz der Bewaffnung der Hisbollah durch die syrische Armee keine Bedrohung für Israel. Die Waffen waren nämlich nicht für den Kampf der Hisbollah gegen Israel gedacht, sondern für deren Unterstützung im syrischen Bürgerkrieg.

Zum anderen ist die Paranoia der israelischen Regierung gegenüber Ländern wie Syrien und Iran hinlänglich bekannt. Von daher ist der Angriff durchaus als Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg zu sehen. Das Nitanjahu-Regime sollte es sich jedoch zweimal überlegen, ob es Assad wirklich stürzen will. Denn ein sunnitisches Islamistenregime, welches nach Assads Sturz an die Macht käme, stünde Israel gewiss nicht freundlich gegenüber.

Der Angriff war jedoch nicht nur kurzsichtig und dumm, sondern geschah überdies ohne Kriegserklärung und ist damit völkerrechtswidrig, auch wenn Israel behauptet, den syrischen Luftraum nicht verletzt zu haben. Das dürfte der israelischen Regierung noch auf die Füße fallen, zumal selbst die USA ihre militärische Unterstützung für einen Syrien-Krieg vorerst verweigert haben. (Obgleich sie geheimdienstlich und finanziell sehr wohl die Terroristen gegen Assad unterstützen…)