Die Luzifer Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist nach der in Frankfurt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands und ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Sie findet alljährlich gegen Mitte März statt und bietet Fläche für über 2.000 Verlage. Die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren von über 150.000 auf fast 200.000 gestiegen.

Nun stellt sich die Frage, warum wir uns dafür interessieren sollten, wo wir uns thematisch doch in erster Linie mit okkulter Symbolik beschäftigen? Leider findet sich diese gleich im Logo der Leipziger Buchmesse. Dieses zeigt ein allsehendes Auge, welches ein Buch liest. Man hätte auch zwei Augen nehmen können, denn Bücher werden ja in der Regel nicht von Zyklopen gelesen, aber so ist die Botschaft für Eingeweihte klar und deutlich.

Wie die Film- und Musikindustrie ist auch der Buchmarkt ein Tummelplatz für Okkultisten. Seien es die Pamphlete von Aleister Crowley und Helena Blavatsky, die satanische Bibel von LaVey oder moderne Horrorliteratur aus der Feder von Clive Barker und Co. Die Liste einschlägiger Bücher ist lang. Selbiges trifft auch auf die Liste der Verlage zu.

Den 1982 gegründeten Ahriman-Verlag hatten wir bereits ausgiebig vorgestellt. Ahriman ist der Name Satans im Zoroastrismus und entsprechend kommt das Verlagslogo in Gestalt eines Teufels mit Dreizack und erigiertem Phallus daher. Inhaltlich präsentiert sich der Verlag augenscheinlich marxistisch, allerdings gibt es enge Verbindungen zur neuen Rechten. Der Teufel ist ja bekanntlich ein Täuscher.

Noch eindeutiger ist der Luzifer-Verlag, der mit einem Stand auf der diesjährigen Buchmesse für seine Krimi- und Horrorliteratur wirbt.

2011 gegründet ist er noch relativ jung, hat sich aber schon eine große Fangemeinde aufgebaut. Publiziert werden hauptsächlich deutsche Übersetzungen von internationalen Autoren, es werden aber auch Romane von deutschen Autoren herausgegeben. Dabei lassen sich recht schnell Verbindungen zur Freimaurerei recherchieren. So findet sich unter den Stammautoren ein Biograf des Rappers Sido. Zudem werden auf der Facebook-Seite namhafte Freimaurer wie Henry Ford zitiert, was besonders pikant ist, denn dessen bekanntestes Buch trägt den Titel „Der internationale Jude“.

Einschlägige Symbolik findet sich selbstverständlich auf den Covern diverser Romane. Darunter das Auge des Ra oder das Siegel Salomons.

Baphomet und die 666 dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Luziferische Literatur ist aber selbstverständlich nicht allein dem Luzifer-Verlag vorbehalten. Auch große Verlagshäuser wie Heyne und Bastei-Lübbe haben Sympathien für den Teufel. Wahlweise mit Schlangensymbolik oder allsehendem Auge.

Bastei-Lübbe bedient neben Luzifer auch Satan, wobei letzterer gar zum „Retter der Welt“ erklärt wird. Die beiden Bände gibt es natürlich in den Farben der Freimaurergrade, Blau und Rot.

Blau/Rot ist das auch das Cover von „Lucifer’s Hammer“. Ob damit wohl der Hammer gemeint ist, den Ahriman vor sich herträgt?

Wer neben Lesestoff auch bunte Bilder braucht, für den gibt es ganze Serien von luziferischen Graphic Novels.

Sogar Verlage für Schundheftchen haben einen „Pakt mit Luzifer“ im Sortiment.

Für die ganz kleinen Leseratten gibt es schlussendlich „Luzifer Junior“. Eltern, die ihren Kindern derartiges zu lesen geben, brauchen sich anschließend nicht wundern, warum ihr Satansbraten gegen sie rebelliert.

Die literarische Mystifizierung von John Dee

Bereits William Shakespeare (1564-1616) soll sich John Dee als Vorbild für die Figur des Prospero in seinem Werk „Der Sturm“ genommen haben. Die erste direkte Erwähnung sollte allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen. Der österreichische Theosoph und Freimaurer Gustav Meyrink (1868-1932) beschäftigte sich als einer der ersten Romanautoren mit dem Leben Dees und fasste seine Interpretation 1927 in „Der Engel vom westlichen Fenster“ zusammen.

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H.P. Lovecraft (1890-1937) machte John Dee in seinem „Cthulhu-Mythos“ gar zum Übersetzer des Necronomicons. Da dieses bizarre Buch Lovecrafts eigener Phantasie entsprungen war, kann diese Behauptung jedoch als Fiktion abgetan werden. Das Necronomicon sollte, ebenso wie John Dee, zu einem okkulten Mythos werden. Es tauchte u.a in den „Evil Dead“-Filmen auf.

necronomicon

Der berühmte italienische Schriftsteller Umberto Eco (1932-2016) beschäftigte sich in seinem 1988 erschienen Roman „Das Foucaultsche Pendel“ mit John Dee. Das Buch strotzt nur so vor Kabbalah und Esoterik. Die andere, naturwissenschaftliche Seite von John Dee diente indes der Autorin Mary Hoffman (*1945) als Vorlage für die Figur des Naturphilosophen William Dethridge in ihrer „Stravaganza“-Reihe.

In den Scheibenweltromanen machten Terry Pratchett (1948-2015), Ian Stewart (*1945) und Jack Cohen (*1933) Dees Bibliothek zu einem Portal zwischen der Scheibenwelt und unserer Welt. Michael Scott Rohan (*1951) erhob John Dee schließlich in seinem 1997 erschienen Roman „Maxies Dämon“ zu einer Hauptfigur. Von der Kritik wurde das Buch jedoch verrissen.

Der irische Schriftsteller Michael Scott (*1959) machte John Dee ab 2007 in seiner Reihe „Der unsterbliche Alchemyst“ zum Gegenspieler Nicolas Flamels. Offensichtlich hatte Scott schlecht recherchiert, denn der französische Alchemist lebte von 1330 bis 1413. Er war also keineswegs unsterblich und ist John Dee, welcher mehr als ein Jahrhundert später geboren wurde, nie begegnet. Aber was will mal von offensichtlich okkultem Freimaurergedöns anderes erwarten? Auf den Büchern wimmelt es von Symbolen wie dem Dreizack, der Pyramide mit Auge, der Sanduhr und dem Schmetterling.

der-alchemyst

Der Höhepunkt der okkulter Mystifizierung John Dees wurde bereits ab 2004 in den „Lycidas“-Romanen des deutschen Autors Christoph Marzi (*1970) erreicht. Diesmal sollte John Dee der Unsterbliche sein. Obendrein wurde er zum Diener Lycidas abgestempelt, welcher als Synonym für Luzifer zu verstehen ist. Auf dem Romancover wird wieder einmal das linke Auge betont, was impliziert, dass Marzi sich mit der Materie bestens auskennt.

lycidas

Eine weitere tragende Rolle erhielt John Dee 2010 in den Romanen „In königlichem Auftrag“ und „Im Haus des Zauberers“ von Mary Hooper (*1948).

Literatur für Templer

Der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein hat den Tempelrittern einen Großteil seiner Karriere gewidmet. Seine Romanreihe „Das Blut der Templer“ wurde sogar verfilmt, wenn auch auf einem extrem grottigen Niveau.

Das Blut der Templer

Seine Werke „Der Ring des Sarazenen“ sowie „Die Templerin“ samt Fortsetzungen drehen sich ebenfalls um den Orden. Wenn man schreibt, was die Freimaurer gern lesen, dann klappt’s auch mit der Schriftstellerkarriere. Hohlbein zählt zu den erfolgreichsten Autoren Deutschlands.

Templerbücher

Druidenliteratur

Die älteste Sagengestalt, welche in der Moderne oft als Druide interpretiert wird, ist Merlin. In mittelalterlichen Schriften wird er jedoch lediglich als Magier charakterisiert, weshalb Merlin nicht wirklich zu den Druiden gezählt werden kann. In die Artussage wird außerdem im 1982 erschienen Fantasy-Roman „Die Nebel von Avalon“ viel Druidisches hineininterpretiert. Die Autorin Marion Zimmer Bradley gibt ihrer Protagonistin Morgaine, welche die Geschichte aus ihrer Sicht als Artus’ Schwester erzählt, die Charakterzüge einer Druidin.

Alles in allem sind Druiden eher in der modernen Literatur zu finden. Der bekannteste Vertreter ist dabei Miraculix (abgeleitet von Miracle) aus den Asterix-Comics, welcher im französischen Original jedoch Panoramix heißt. Miraculix tritt zwar als Magier und Berater des Häuptlings auf, doch er erfüllt nicht die religiösen Aufgaben, welche eigentlich im Zentrum des druidischen Wirkens stehen sollten.

Miraculix

Ebenfalls aus Frankreich stammt die Comicserie „Die Druiden“, welche seit 2005 erscheint und es bisher auf 8 Bände gebracht hat.

Die Druiden

Bleiben wir noch etwas in Frankreich. Der Theosoph Édouard Schuré (1841–1929) beschreibt in seinem Drama „La Druidesse“ den mystischen Aspekt der keltischen Seele am Beispiel einer keltischen Druidin. In der deutschen Literatur erwähnt indes der Burschenschafter Friedrich Theodor Vischer (1807-1887) in seinem 1878 erschienen Roman „Auch einer“ im Kapitel „Der Besuch“ Druidinnen. Diese werden „Gwyllion“ genannt, nach dem Jugendnamen Gwion Bach des britischen Dichters und Barden Taliesin (ca. 534-599).

Schlussendlich sind zum Rollenspiel „Das schwarze Auge“ diverse Romane erschienen, in denen immer wieder auch Druiden eine Rolle spielen. Insbesondere natürlich im Titel „Druiden-Rache“.

Druiden-Rache

Transhumanistische Literatur

Auf dem Gebiet der transhumanistischen Literatur ist der amerikanische Autor William Gibson eine Art Superstar. Er prägte in seinen Werken u.a. die Begriffe „Cyberspace“ und „Matrix“, womit er als Anhänger des Singularitarianismus gelten kann. Seine wohl bedeutendste Schöpfung ist die Neuromancer-Trilogie, die zahlreiche Elemente des Transhumanismus enthält. Z.B. tragen fast alle Menschen Mikrochips, die sie intelligenter machen.

Im Neuromancer-Universum ist auch die Kurzgeschichte „Johnny Mnemonic“ angesiedelt, welche 1995 verfilmt wurde. Die Hauptrolle spielte Keanu Reeves, welcher später auch die Rolle des Neo in „Matrix“ übernahm.

Johnny Mnemonic

Der Australier Greg Egan ist ebenfalls ein Verfechter des Transhumanismus. In seinem Roman „Distress“ geht es um die künstliche Anpassung des Körpers an das moderne Selbstbild, was als „morphologische Freiheit“ glorifiziert wird. Zu Greg Egans weiteren transhumanistischen Werken zählen „Permutation City“, „Diaspora“, „Radieux“ und „Zendegi“.

Greg Egan

Erschienen sind einige von Egans Büchern übrigens im Verlag Le Belial. Belial ist ein biblischer Dämon und dementsprechend ist das Verlagslogo ein Baphometh-Kopf in einer umgedrehten Pyramide. Es ist wohl keine Verschwörungstheorie, angesichts dessen zu behaupten, dass die transhumanistische Agenda eine Ausgeburt des Satanismus ist.

Le Belial

Der amerikanische Schriftsteller Dan Simmons beschreibt in seinem Roman „Ousters“ aus dem Hyperion-Zyklus, wie ein Teil der Menschheit in den Weltraum auswandert und sich mittels Nanotechnologie an den neuen Lebensraum anpasst. Die Cyborgs blicken mit Hass und Furcht auf all jene zurück, die auf der Erde blieben und in ihren Augen Barbaren sind. In seinem späteren Werk „Ilium“ präsentiert Simmons indes Posthumane, die völlig von ihrer Technologie absorbiert worden sind.

Dan Simmons - Hyperoin

Noch weiter geht der deutsche Autor Dietmar Dath in seinem transhumanistischen Werk „Die Abschaffung der Arten“, in dem sich ein Teil der Menschheit durch gesteuerte Evolution in die „Gente“ verwandelt hat. Seine abscheuliche Horrorvision wurde 2008 in die Shortlist des Deutschen Buchpreises aufgenommen und 2009 als bester Roman mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Ebenso wie im Rest der Welt wird damit auch in Deutschland eine gezielte transhumanistische Agenda verfolgt, für die der Autor schon mal sein linkes (Horus)Auge betont.

Dietmar Dath Horusauge

In Frankreich wimmelt es ebenfalls von Transhumanisten. Einer von ihnen ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der in seinen Werken „Elementarteilchen“ und „Die Möglichkeit einer Insel“ beschreibt, wie die Menschheit beschließt, einer geschlechtslosen, aber dafür unsterblichen Spezies zu weichen. In letzterem Roman wird die transhumanistische Agenda von einer Sekte namens „Elohimiten“ vorangetrieben, was auf die Elohim anspielt. Nach prä-astronautischer Lesart waren die Elohim Außerirdische, welche einst die Menschheit erschaffen haben. Entsprechend sind die Elohimiten an die UFO-Sekte der Raelianer angelehnt.

Michel Houellebecq hegt offene Sympathien für die Raelianer, die 2002 von sich behaupteten, erfolgreich ein menschliches Baby geklont zu haben. Sie erwarten die Wiederkehr der außerirdischen Menschheitsschöpfer, die von ihnen als gottgleich verehrt werden. Trotz seiner Nähe zu dieser UFO-Sekte sowie Sympathiebekundungen für Josef Stalin wurden schon mehrere Werke von Houellebecq mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Zuletzt sorgte er mit seinem Buch „Unterwerfung“ für Furore, indem er gezielt Angst vor einer Islamisierung Frankreichs schürt und offen Partei für die rechte Front National ergreift. Er wäre demnach einer esoterisch-faschistischen neuen Weltordnung also keineswegs abgeneigt.

Michael Houllebecq

Der 2012 erschiene Roman „Maschinenmann“ von Max Barry geht wieder mehr in die Richtung Cyborg-Agenda. Der Protagonist erhält zunächst nur eine Beinprothese, aber da er damit viel besser laufen kann, ersetzt er nach und nach immer mehr Körperteile.

Max Barry - Maschinenmann

2013 erschien Dan Browns „Inferno“, in dem ein transhumanistischer Wissenschaftler ein Virus erschafft, um aus seiner Sicht die Welt vor einer Überbevölkerung zu retten. Dan Brown ist bereits für seine wohlwollende Charakterisierung von Geheimgesellschaften wie den Freimaurern bekannt. Nun beschäftigt er sich also auch noch mit deren Agenda der Bevölkerungsreduktion. Als Vorlage für seinen Roman dürften dabei wohl die Georgia Guidestones gedient haben.

Dan Brown - Inferno

Der Moloch in der Literatur

Im 1667 veröffentlichten „Paradise Lost“ („Verlorenes Paradies“) geht um den Höllensturz der gefallenen Engel sowie den Sündenfall der Genesis. Einer der Höllenfürsten in der Erzählung trägt den Namen Moloch. Offenbar wusste der Autor John Milton (1608-1674) nicht, dass Moloch kein Dämon ist, sondern ein Opferritual bezeichnet. Die später hinzugefügten Illustrationen, darunter „The Flight of Moloch“, stammen übrigens vom englischen Hochgradfreimaurer William Blake (1757-1827).

The Flight of Moloch - William Blake

The Flight of Moloch – William Blake

Die 1896 erschienene russische Erzählung „Der Moloch“ von Alexander Kuprin (1870-1928) ist dagegen eher als Metapher zu verstehen. Selbiges gilt für den 1902 veröffentlichten Roman „Der Moloch“ von Jakob Wassermann (1873-1934) sowie „Moloch. Das Leben des Moravagine“ vom französischen Schriftsteller Blaise Cendrars (1887-1961) aus dem Jahr 1926. In beiden Werken gibt es weder Dämonen noch Opferrituale.

Etwas verwirrend ist der Romantitel „Moloch oder die Gojische Welt“ von Henry Miller (1891-1980), da Miller selbst ein Goi (Nichtjude) war. Wie bei so ziemlich allen Büchern mit einem „Moloch“ im Titel, ist auch dieser nur im übertragenen Sinne gemeint. Am deutlichsten wird dieser Gebrauch der Bezeichnung in „Der Moloch. Zur Amerikanisierung der Welt“ von Karlheinz Deschner (1924-2014). Mit dem Moloch ist in diesem Fall der US-Imperialismus gemeint. Deschners Sachbuch ist allerdings sehr umstritten, da es auf zweifelhaften und teilweise gefälschten Quellen beruht.

Der amerikanische Moloch

In eine ähnliche Kerbe haut „The Eye of Moloch“ von Glenn Beck, ein Politthriller, der die okkulten Machenschaften der Globalisten aufgreift. Bereits das Buchcover zieht alle Register, ist aber wohl eher aufklärerisch zu verstehen.

The Eye of Moloch - Glenn Beck

Literatur für Blutsauger

Die große Beliebtheit von Vampirgeschichten reicht bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Eine der ersten Kurzgeschichten war „Der Vampyr“ von John Polidori (1795-1821). Schon in diesem frühen Werk von 1816 wird der Blutsauger als kultivierter Edelmann dargestellt, was nachhaltig das Bild von Vampiren als Aristokraten prägte.

Der russische Schriftsteller Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852) orientierte sich in seiner Erzählung „Der Wij“ von 1835 dagegen eng am überlieferten Volksglauben. Der ebenfalls russische Autor Alexei Konstantinowitsch Tolstoi verfasste 1839 die Kurzgeschichte „Die Familie des Wurdalak“ und 1841 die Erzählung „Der Vampir“.

Der Vampir - Tolstoi

1845-1847 wurden in der Groschenheftreihe „Penny Dreadfuls“ die Geschichten um „Varney the Vampire“ veröffentlicht. Varney war der erste Vampir, der sein Dasein als Blutsauger verabscheute, aber gleichzeitig das Thema bei einer breiten Leserschaft populär machte.

Varney the Vampire

Von einem weiblichen Vampir erzählt indes die Novelle „Carmilla“ des irischen Autors Joseph Sheridan Le Fanu (1814-1873), welche 1872 erschien.

Carmilla 1972 D H Friston

Das bekannteste Werk dieser Epoche dürfte jedoch Bram Stokers „Dracula“ sein. Der irische Schriftsteller Abraham „Bram“ Stoker (1847-1912) nahm sich den Herzog Vlad III. zum Vorbild und schuf damit den berühmtesten Vampir der Literaturgeschichte. Weiterhin erschuf er in diesem Roman den holländischen Vampirjäger Abraham van Helsing, welcher sich ebenfalls bis heute großer Popularität erfreut.

Bram Stokers Dracula

Im 20. Jahrhundert kam es schließlich zu einem regelrechten Boom der Vampirliteratur. Hervorzuheben ist dabei die Kinderbuchreihe „Der kleine Vampir“, welche 1979 von der deutschen Autorin Angela Sommer-Bodenburg geschaffen wurde und das okkulte Thema Kindern zugänglich machte. Neben 20 Romanen sind auch Comics und Hörbücher zur Reihe erschienen, zudem gibt es diverse Verfilmungen und sogar Musicals.

Der kleine Vampir

Auf dieser Erfolgswelle surfte später auch Christian Seltmann mit seiner Kinderbuchreihe „Paul – Plötzlich Vampir“ mit. Blutsaugende Ungeheuer sind ja schließlich das beste Vorbild.

Paul Vampir

Einen ähnlichen Erfolg konnte Stephenie Meyer mit ihrer ab 2005 erschienenen Jugendromanreihe „Twilight“ erzielen. Die Vampire sind in diesen Erzählungen höchst atypisch und halten sich zudem streng an mormonische Verhaltensregeln. Auf den Buchcovern gibt es dagegen eine Anspielung auf den Sündenfall beim ersten Band und ein Schachbrett mit Figuren in den Venusfarben beim letzten Band.

Twilight

Aufgrund der Fülle von Vampirromanen beschränken wir uns ab hier auf eine unvollständige Auflistung.

● Richard Matheson: „Ich bin Legende“, 1954
● Dieter Sturm: „Von den Vampiren oder Menschensaugern“, 1968
● Helmut Degner & Eva Luther: „Vampire“, 1969
● Stephen King: „Brennen muss Salem“ (Originaltitel: „Salem’s Lot“), 1975
● Fred Saberhagen (1930-2007): „The Dracula Tape“, 1975

The Dracula Tape

● Anne Rice: „Gespräch mit einem Vampir” (Originaltitel: „Interview with the Vampire“), 1976; „Chronik der Vampire“ und „Der Fürst der Finsternis“ (Originaltitel: „The Vampire Lestat“), 1985
● Brian Lumley: „Necroscope“-Reihe, 1986

Necroscope

● Alan Ryan: „The Penguin Book of Vampire Stories”, 1988
● Nancy A. Collins: „Sonja Blue“-Serie (5 Bände), ab 1989; „Vamps”-Serie (3 Bände), seit 2008

● David J. Skal: „Hollywood Gothic. The Tangled Web of Dracula from Novel to Stage to Screen” (Sachbuch), 1990
● Patricia Nead Elrod: „Vampirdetekiv Jack Fleming“-Serie (Originaltitel: „The Vampire Files”, 11 Bände), seit 1990; „Jonathan Barrett, der Gentleman-Vampir”-Reihe (4 Bände), seit 1993
● Lisa Jane Smith: „Tagebuch eines Vampirs“-Reihe (8 Romane), seit 1991
● Laurell K. Hamilton: „Anita Blake”-Serie, seit 1993
● Ken Gelder: „Reading the Vampire” (Sachbuch), 1994
● Raymond T. McNally & Radu Florescu: “In Search of Dracula” (Sachbuch),1994
● Richard Laymon (1947-2001): „Vampirjäger“ (Originaltitel: „Bite“), 1996
● Diverse Autoren: „Draculas Rückkehr – Vampir-Geschichten“, 1996
● Sergei Wassiljewitsch Lukjanenko: „Wächter“-Reihe (5 Bände), seit 1998
● Wolfgang Hohlbein: „Chronik der Unsterblichen“ (insgesamt 17 Bücher), seit 1999

Der Vampyr - Hohlbein

● William Hughes: „Beyond Dracula: Bram Stoker’s Fiction and its Cultural Contexts” (Sachbuch), 2000
● Claus-Artur Scheier: „Der logische Graf Dracula“ (Sachbuch), 2000
● Charlaine Harris: „Sookie-Stackhouse“-Reihe (15 Romane), seit 2001
● Darren O’Shaughnessy: „Darren Shan“-Reihe (4 Trilogien), seit 2001
● Christine Feehan: „Die Karpatianer“-Serie (Originaltitel: „Dark Carpathians-Novels“, 27 Bände), seit 2003
● Tom Holland: „Der Vampir“, 1995; „Das Erbe des Vampirs“ (Originaltitel: „Supping with Panthers“), 1996; „Die Botschaft des Vampirs“ (Originaltitel: „Deliver Us from Evil“), 1997
● Ulrike Schweikert: „Vampir Peter Borgo & Kommissarin Sabine Berner“ (3 Bände), seit 2003; „Die Erben der Nacht“ (6 Bände), seit 2008
● John Ajvide Lindqvist: „So finster die Nacht“, 2004
● Elizabeth Kostova: „Der Historiker“, 2005
● J. R. Ward: „Black Dagger Brotherhood”-Reihe (13 Bände), seit 2005
● Michaela Schäuble: „Wiedergänger, Grenzgänger, Doppelgänger. Rites-de-Passage in Bram Stokers Dracula” (Sachbuch), 2006
● Nancy Kilpatrick: „The Power of the Blood”-Serie (5 Bände), seit 2006
● Robert Eighteen-Bisang & Elizabeth Miller: „Bram Stoker’s Notes for Dracula: A Facsimile Edition” (Sachbuch), 2008
● Fred Vargas: „Der verbotene Ort“, 2008
● Jeaniene Frost: „The Night-Huntress”-Serie (7 Bände), seit 2008; „The Night-Huntress World”-Serie (2 Bände), seit 2010
● P.C. & Kristin Cast: „House of Night”-Serie (16 Romane), seit 2009
● Guillermo del Toro & Chuck Hogan: „Die Saat, “Das Blut” & „Die Nacht“ (Trilogie), seit 2009

Saat Blut Nacht

Literatur zum Heulen

In der Literatur kommen Werwölfe bereits seit der Antike vor. Im fast 4.000 Jahre alten Gilgamesch-Epos verwandelt z.B. die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf. Es ist zwar durchaus möglich, dass dieser Epos einen wahren Kern hat, da er Bezug auf reale Ereignisse wie die Sintflut nimmt, doch eine solche Verwandlung ließe sich nur mittels prä-astronautischer Theorien erklären.

Bei der „Naturalis Historia“ von Plinius dem Älteren (ca. 24-79) handelt es sich indes um eine definitiv naturwissenschaftliche Abhandlung, in welcher ebenfalls Wolfsmenschen erwähnt werden. Plinius hielt diese zwar für einen Mythos, doch könnte dieser sehr wohl plausibel durch die Hypertrichose erklärt werden. Dies gilt jedoch nicht für nächtliche Verwandlungen bei Vollmond, wie sie der schwedische Katholik Olaus Magnus (1490-1557) in seinem Werk „Geschichte der nördlichen Völker“ ernsthaft in Erwägung zog. Statt einer wissenschaftlichen Arbeit lieferte Magnus ein religiöses Pamphlet ab, welches aber die Grundlage der modernen Werwolfsliteratur darstellt.

Einer der ältesten Romane des Werwolf-Genres ist “Wagner, the Werewolf” von George W. M. Reynolds, welcher 1846 erschien.

Wagner The Werewolf

In den letzten 25 Jahren erschien eine wahre Flut von Werwolfsromanen, sodass an dieser Stelle eine unvollständige Auflistung ausreichen muss. Wie bereits beim Vampir-Genre dürfte der Markt bald von den Werwolfsgeschichten nach Schema F übersättigt sein.

● Guy Endore: „The Werewolf of Paris“,1933
● Louis Whitley Strieber: „Wolfsbrut“, 1978
● Stephen King: „Das Jahr des Werwolfs“, Kalendergeschichten von 1988, und „Der Werwolf von Tarker Mills“, Kalendergeschichten von 1991
● Roger L. DiSilvestro: „Werwölfe küssen gut“, 1989
● Wayne Smith: „Thor“, 1991
● Laurell K. Hamilton: „Anita-Blake”-Serie, seit 1993
● Gillian Bradshaw: „Das Lied des Wolfes“ (Originaltitel „The Wolf Hunt“), 1997
● Wolfgang Hohlbein: „Wolfsherz“, 1999

Wolfsherz

● Joanne K. Rowling: „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, 1999
● Alice Borchardt „Die Silberwölfin“, 2000, und „Der Gesang der Wölfin“, 2001
● Donna Boyd: „Das Haus der Wölfe“ und „Die Schneewölfin“, 2001
● Kelley Armstrong: „Die Nacht der Wölfin“, 2003, und „Rückkehr der Wölfin“, 2004
● Markus Heitz: „Ritus“ und „Sanctum“, 2006

Ritus & Sanctum

● Sarah Baines: „Die Spur der Wölfin“, 2006
● Stephenie Meyer: „Bis(s)“-Serie, ab 2006
● Patricia Briggs: „Ruf des Mondes“, 2007
● Jim Butcher: „Wolfsjagd“, dt. Erstausgabe 2007
● Kit Whitfield: „Wolfsspur“, 2007

Cover in Blau/Rot

Cover in Blau/Rot.

● Lynn Raven: „Werwolf“, 2008
● Kresley Cole: „Nacht des Begehrens“, 2008, und „Versuchung des Blutes“, 2009
● Brigitte Melzer: „Wolfsgier”, 2009

Cover in Blau/Rot

Cover in Blau/Rot.

● Christoph Hardebusch: „Die Werwölfe“, 2009

Noch mehr Blau/Rot-Symbolik…

Noch mehr Blau/Rot-Symbolik…

● Nicholas Pekearo: „Wolfsrache”, 2009

Cover mit allsehendem Auge.

Cover mit allsehendem Auge.

● Carrie Vaughn: „Midnight Hour”-Serie, 2009
● Sandra Henke: „Alphawolf“, 2010 und weitere Bände der „Alpha“-Reihe
● Rainer Stenzenberger: „Berlin Werwolf – Blutsbrüder“ und „Berlin Werwolf – Rache“, 2012

Berlin Werwolf

● Simone Dorra: „Fluchmond“, 2014
● André Wiesler: „Hexenmacher. Die Chroniken des Hagen von Stein“; „Teufelshatz. Die Chroniken des Hagen von Stein 2“; „Wolfsfluch. Die Chroniken des Hagen von Stein 3“
● Lori Handeland: „Night Creature: “Wolfskuss”; „Night Creature: Wolfsgesang”; „Night Creature: Wolfsglut”; „Night Creature: Wolfsfieber”; „Night Creature:. Wolfsbann “; „Night Creature: Wolfspfade”
● Kim Harrison: „Rachel-Morgan“-Serie

Noch mehr allsehende Augen…

Noch mehr allsehende Augen…

Behämmerte Literatur

1977 erschien ein Roman mit dem viel sagenden Titel „Luzifer’s Hammer“. Jerry Pournelle und Larry Niven beschreiben darin, wie sich die menschliche Zivilisation nach einem Kometeneinschlag von neuem entwickeln muss. Es geht mit anderen Worten darum, das Alte zu zerstören, um eine neue Weltordnung aufzubauen. Da Luzifer als Person in dem Roman gar nicht vorkommt, kann also nur das luziferische Prinzip gemeint sein.

Das Cover des Hörbuches ist übrigens weitaus interessanter als die diversen Romancover, da es in typischer Blau/Rot-Symbolik gehalten ist. Die Farbe der niedrigen Freimaurergrade findet sich dabei unten auf der Erde und das Rot der hohen Grade hoch oben im Himmel.

Luzifers Hammer