UFO-Sekten Teil 2 – Organisierter Wahnsinn

von Shinzon

Im ersten Teil haben wir uns mit den theosophisch angehauchten UFO-Sekten beschäftigt, die sich vor allem durch gechannelten Schwachsinn auszeichnen. Die vermeintlichen Kontakte zu blonden Aliens von den Plejaden oder der Andromeda-Galaxie waren dabei noch eher unterhaltsam. Es bedarf schon einer großen Portion Naivität, um auf solch esoterische Desinformation hereinzufallen. Im zweiten Teil wird es nun etwas ernster, denn die folgenden UFO-Sekten sind weitaus besser organisiert und teilweise sogar gemeingefährlich.

Als erstes wäre da die Rael-Bewegung, welche 1973 von Claude Vorilhon noch unter dem Titel MADECH (mouvement pour l’accueil des extraterrestres, créateurs de l’humanité / deutsch: Bewegung für den Empfang der Außerirdischen, Schöpfer der Menschheit) gegründet wurde. Die Umbenennung der UFO-Religion in Raelismus erfolgte drei Jahre später.

Der 1946 im französischen Vichy geborene Sektengründer ist der Sohn einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Es ist recht offensichtlich, dass er sich beim Raelismus von den Religionen seiner Eltern inspirieren ließ und das Ergebnis anschließend mit Okkultismus anreicherte. So behauptet er, 1973 einem Außerirdischen namens Yahweh begegnet zu sein, was der Name Gottes im Judentum ist. Im Prinzip hätte er seine UFO-Religion auch gleich Israelismus nennen können, wenn er schon einmal dabei ist, das Judentum zu verunglimpfen.

In die gleiche Richtung geht das ursprüngliche Symbol des Raelismus, welches aus einem Hakenkreuz in einem Hexagramm besteht. Für sich genommen haben beide Symbole eine okkulte Deutungsmöglichkeit und kommen auch in der Freimaurerei vor. In anbetracht des persönlichen Hintergrundes von Claude Vorilhon wirkt diese Kombination jedoch eher wie eine Gleichsetzung des Davidsterns mit dem Symbol des Hitlerfaschismus. Wohl aus diesem Grund wurde das Hakenkreuz inzwischen durch einen Wirbel ersetzt.

Raelianerlogo

Die Schöpfungsgeschichte hat Claude Vorilhon indes dem alten Testament der Bibel entlehnt. Mit der Behauptung, dass die Elohim Außerirdische waren, welche die Menschheit erschaffen haben, könnte er dabei sogar richtig liegen. Allerdings ist diese Vorstellung nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern fester Bestandteil der Prä-Astronautik. Es ist davon auszugehen, dass er dieses Wissen nicht von einem Alien namens Yahweh erhalten, sondern schlichtweg bei Erich von Däniken abgeschrieben hat.

Da es etwas auffällig gewesen wäre und wohl auch entsprechende Urheberrechtsklagen nach sich gezogen hätte, von Dänikens Bücher komplett zu kopieren, hat Vorilhon seine Irrlehre mit eigenem Nonsens angereichert. So soll die Erde erst vor 22.000 Jahren von den Elohim erschaffen worden sein. Spätestens ab diesem Punkt würde kein ernstzunehmender Prä-Astronautik-Befürworter Vorilhons Bullshit noch weiter unterstützen. Zumal die Elohim nach raelistischer Lehre bereits vor 25.000 Jahren das erste Mal die Erde betreten haben, also 3.000 Jahre bevor sie den Planeten überhaupt erschaffen haben sollen.

Ebenso wenig wie die Prä-Astronautiker würden die Juden den Raelismus unterstützen, obgleich dieser durchaus philosemitisch ist. So sieht Vorilhon in den Juden zwar das auserwählte Volks, aber eben nicht auserwählt von Gott, sondern von Außerirdischen. Seiner Auffassung nach sind die Juden das gelungenste Genexperiment der Elohim, was völlig außer Acht lässt, dass die ersten Juden eigentlich nur eine Glaubensgemeinschaft unter den Ägyptern waren.

Aber egal, wie sehr sich Vorilhon bei den Juden einzuschleimen versucht, als Messias werden sie ihn gewiss niemals akzeptieren. Als solcher feiert er sich nämlich selbst und nennt sich seit seiner herbei fantasierten Begegnung mit Yahweh selbst nur noch Raël. Weiterhin behauptet er, der Halbbruder von Jesus zu sein und sein Vater Yahweh hätte ihn am 25. Dezember 1945 gezeugt. 1946, das Jahr seiner tatsächlichen Geburt, ist das Jahr 1 des raelianischen Kalenders. Ähnlichen Größenwahnsinn findet man sonst nur in Nordkorea, wo das Geburtsjahr von Kim Il Sung ebenfalls das Jahr 1. des koreanischen Kalenders ist.

Claude Vorilhon grüßt seinen wahren Meister.

Claude Vorilhon grüßt seinen wahren Meister.

Nach seiner Erleuchtung durch Yahweh im Jahr 1973 schrieb Raël „Das Buch, das die Wahrheit sagt“. 1975 folgte „Die Außerirdischen haben mich auf ihren Planeten mitgenommen“, in dem er die raelianischen Lebensregeln veröffentlichte. Mit anderen Worten ist Claude Vorilhon ebenso ein verhinderter Science Fiction Autor wie L. Ron Hubbard und obwohl sich beide Sekten gegenseitig nicht ausstehen können, hören ihre Gemeinsamkeiten noch längst nicht auf.

Eines der Ziele des durchgeknallten Irren mit Messiaskomplex ist der Bau einer Botschaft für die Außerirdischen bis zum Jahr 2025. Errichten will er das Gebäude in Israel, wo er allerdings bis heute keine Baugenehmigung für diesen Schwachsinn bekommen hat. $cientology ist da schon einen Schritt weiter, denn die haben genügend eigenen Grundbesitz, auf dem sie eine Botschaft für Xenu errichten können.

Das zweite Ziel der Raelianer ist noch abgefahrener. Während $cientology Milliardengewinne mit Psychospielchen macht, hat sich die Rael-Bewegung auf das Gebiet der Genetik spezialisiert. Die Sekte will tatsächlich das Klonen von Menschen ermöglichen, damit diese nach dem Tod in ein exaktes Duplikat inkarnieren können. Angeblich soll bereits 2002 der erste Klon mit dem Namen „Eve“ im Reagenzglas gezeugt worden sein, was jedoch gemeinhin als Schwindel betrachtet wird. Bis die irdische Gentechnik so weit ist, sollen die Außerirdischen das Klonen übernehmen, wobei die Körperbaupläne der Sektenmitglieder angeblich per Handauflegen des Gurus telepathisch übermittelt werden.

Wer das schon für schwachsinnig hält, den dürfte es wohl erschüttern, dass die BILD-Schlagzeile „UFO-Sekte will jetzt Hitler klonen“ vom 4. August 2001 keine Ente war. Die Raelianer planen tatsächlich, den Führer zu klonen, um ihn seiner Verbrechen anzuklagen. Nur leider funktioniert Reinkarnation nicht so und vor Gericht stünde ein Unschuldiger, der zwar dieselben Gene wie Hitler hätte, aber eine völlig andere Person wäre. Gleiches gilt für die Bestrebungen, Jesus mithilfe des Turiner Grabtuches klonen zu wollen. Dabei käme wohl ohnehin eher ein Klon von Leonardo daVinci heraus, denn das Tuch wurde längst als Fälschung entlarvt.

UFO-Sekte will Hitler klonen

Das Klonen von Menschen ist eine wahrhaft dumme Idee, aber keineswegs die einzige dumme Idee der Raelianer. Parallel zum Klonen sollen nämlich Supercomputer entwickelt werden, in denen das Bewusstsein der verstorbenen Sektenmitglieder zwischengelagert werden kann. Im Prinzip wollen es die Raelianer genauso machen wie die Cylonen in der TV-Serie „Battlestar Galactica“, womit hier ganz eindeutig die transhumanistische Agenda bedient wird. Es ist angesichts dessen wohl kaum ein Zufall, dass Transhumanisten wie der französische Autor Michel Houellebecq zu den bekanntesten Mitgliedern der Sekte zählen. Nun, immerhin hat dieser STO-Verschnitt noch keine Terroranschläge verübt. Die „Caprica“-Fans werden wissen, was gemeint ist.

Zum Schluss bleibt die Frage, wie der ganze Mist finanziert wird. Immerhin kostet die Klonforschung momentan noch mehr als die einbringt. Woher also das Geld nehmen? Ganz einfach, indem jedes Mitglied 3% seines Nettoeinkommens an die Sekte abführt. Bei offiziell rund 40.000 Mitgliedern weltweit kommt da schon eine ansehnliche Summe zusammen. Obendrein bedient sich die Rael-Bewegung bei Erbschaften verstorbener Mitglieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rael-Bewegung im Gegensatz zu den theosophischen Dünnbrettbohrern von der Galaktischen Föderation durchaus gefährlich ist. Die Raelianer verbreiten nicht nur den üblichen New Age Bullshit, sie betreiben darüber hinaus unethische Klonexperimente und fördern den Transhumanismus. Ihr Wirkungsgrad ist dabei weitaus höher als jener von Ashtars lächerlichen Youtube-Videos. Immerhin durfte Claude Vorilhon seine kruden Botschaften schon im französischen Fernsehen verbreiten, was seine Anhängerschaft allein in den ersten zwei Jahren auf 700 Personen anwachsen ließ.

Die Raelianer sind inzwischen die einflussreichste UFO-Sekte nach $cientology. In Sachen Gefährlichkeit werden beide allerdings von einer weitaus kleineren UFO-Sekte getoppt. Die Rede ist von Heaven’s Gate, welche in den 1980ern von Marshall Herff Applewhite (1931–1997) und Bonnie Lu Nettles (1927–1985) gegründet wurde.

Applewhite wurde als Sohn eines presbyterianischen Priesters geboren und trat als Kirchenmusiker zunächst in dessen Fußstapfen. Offensichtlich hatte er bereits zu diesem Zeitpunkt schwere psychische Probleme, denn 1970 wurde er aufgrund von „Gesundheitsproblemen emotionaler Natur“ entlassen. Möglicherweise wurzelten diese in einem Konflikt zwischen seiner sexuellen Orientierung und seiner Religion. Ein Jahr später versuchte er jedenfalls, sich in einem Hospital von seiner Homosexualität heilen zu lassen. Da Homosexualität aber keine Krankheit ist, gibt es dafür auch keine Heilung. Im Gegenteil tragen so genannte Homoheiler nachweislich zur psychischen Destabilisierung ihrer Opfer bei, was wohl auch bei Applewhite der Fall war.

Neben der missglückten Behandlung hatte der Hospitalaufenthalt noch eine weitere negative Folge, denn dort lernte er Bonnie Nettles kennen. Beide lagen auf derselben Wellenlänge, interessierten sich für Astrologie, glaubten sich von Geistern und Schutzengeln umgeben. Sie waren sogar überzeugt, sich aus einem früheren Leben zu kennen. Es ist direkt überraschend, dass Nettles keine Patientin des Hospitals war, sondern als Krankenschwester dort arbeitete. Dennoch hatten sich hier zwei Verrückte gefunden.

Das geistesgestörte Paar trat unter Namen wie „The Two“, „Bo und Peep“ oder „Winnie und Pooh“ auf. Alsbald gründeten sie eine UFO-Religion, zunächst unter dem Namen „Guinea Pig“ (Meerschweinchen bzw. „Versuchskaninchen“). Später wurde daraus HIM (Human Individual Metamorphosis), dann TOA (Total Overcomers Anonymous) und zuletzt Heaven’s Gate. Das Logo der Sekte bestand aus einer angedeuteten Pyramide mit einem Stern an der Spitze.

Heavens Gate Logo

Die Sektenmitglieder lebten wie in einem mittelalterlichen Mönchsorden asketisch und gemeinschaftlich. Privatbesitz sowie Privatsphäre war ihnen untersagt und was Letzteres betraf, war die Villa der Sekte komplett mit technischen Überwachungseinrichtungen ausgestattet. Finanziert wurde dieses zweifelhafte Vergnügen aus unterschiedlichen Quellen, zuletzt mittels professioneller Webseiten-Entwicklung unter dem Namen „Higher Source“. Auch hier fand sich wieder eine Pyramide im Layout.

Higher Source

Während die Gurus der meisten Sekten durchaus schlaue Geschäftsleute sind, die ihre Glaubensgemeinschaft ausbeuten, war Applewhite tatsächlich ebenso bekloppt wie seine Anhänger. Dies äußerte sich unter anderem darin, dass er sich, zusammen mit sechs weiteren Männern der Gemeinschaft, zwecks besserer Askese kastrieren ließ. Zumindest waren damit seine sexuellen Probleme gelöst, aber seine psychopathische Erkrankung stand ihm nach wie vor ins Gesicht geschrieben.

Applewhite

Ein Psychopath war Applewhite in jedem Fall. Er war ein extrem manipulativer Charakter, agierte total verantwortungslos und ohne Empathie. Dies führte schlussendlich auch zum traurigen Untergang der Sekte, die er nach dem Tod von Bonnie Nettles im Jahr 1985 allein leitete. Der Grund für das Ende ist zwar hinlänglich bekannt, doch war keineswegs auf Applewhites eigenem Mist gewachsen.

Alles ging auf ein Foto des Kometen Hale-Bopp zurück, welches der Amateurastronom Chuck Shramek im November 1996 veröffentlichte. Auf dem Foto war ein leuchtendes Objekt zu sehen, welches Shramek als viermal so groß wie die Erde einschätzte. In Wirklichkeit entpuppte es sich sogar als noch größer, denn es handelte sich um einen weit entfernten Stern. Damit hätte der Fall eigentlich erledigt sein können, doch leider wandte sich Shramek vor dieser Erkenntnis an den Radio-Moderator Art Bell. In dessen Sendung gab ein Politikwissenschaftler namens Courtney Brown bekannt, dass Hellseher an seinem Farsight Institute in dem Objekt ein außerirdisches Raumschiff erkannt hätten.

Für Marshall Applewhite war diese Desinformation ein gefundenes Fressen. Er glaubte in dem Kometen ein Zeichen der nahenden Apokalypse zu sehen und in dem vermeintlichen Raumschiff die einzige Rettung. Aus welchen Gründen auch immer glaubte Applewhite jedoch nicht, dass das Raumschiff ihn und seine Anhänger auf physischem Wege abholen würde, also wurde beschlossen, es auf astralem Wege zu erreichen.

Am 19. März 1997, drei Tage bevor Hale-Bopp seinen erdnächsten Punkt erreichen sollte, sprach Applewhite in einer Videobotschaft über Massensuizid. Dies sei ihm zufolge der einzige Weg, die Erde zu verlassen. An Bord des nicht existenten Raumschiffs glaubten seine Anhänger, in eine höhere Daseinsstufe überführt zu werden. Theoretisch hat sich dieser Wunsch für 39 Sektenmitglieder, darunter Applewhite selbst, durchaus erfüllt, wenn auch auf eine etwas andere Weise.

Am 26. März 1997 wurden ihre Leichen entdeckt. Offenbar hatten sie sich in mehreren Stufen von ihren irdischen Hüllen verabschiedet. 15 Mitglieder starben am 24. März, 15 weitere am Tag darauf und die restlichen 9 am 26. März. Alle trugen schwarze Einheitskleidung mit neuen Turnschuhen und waren mit purpurnen Tüchern zugedeckt. Zudem hatten alle ein Armband mit der Aufschrift „Heaven’s Gate Away Team“, was schon derbe zynisch ist, denn von dieser Außenmission kehrte niemand von ihnen zurück. Warum jeder einen 5-Dollar-Schein sowie drei Vierteldollar-Münzen mit sich führte, bleibt indes ein Rätsel. Immerhin sollte man meinen, dass astrale Aliens keinen Eintritt verlangen, zumal solch materielle Dinge ohnehin zurückbleiben.

Den Massensuizid überlebte nur ein einziges Sektenmitglied. Rio Di Angelo hatte Wochen vor dem Ereignis mit Applewhite vereinbart, die Gruppe zu verlassen, um deren Videos und Schriften weiterzuverbreiten. Von ihm stammt auch ein Video der Villa in Rancho Santa Fe, welches der Polizei fünf Jahre nach dem Gruppenselbstmord zukam. Trotz Rio Di Angelos Bemühungen ging die Heaven’s Gate Sekte mit dem Tod ihres Anführer unter. Das Endresultat ist auch nicht wirklich zur Nachahmung geeignet.

Allerdings blieb zumindest das Konzept von Raumschiffen, die sich in Kometenschweifen verstecken, bis heute erhalten. 2013 geisterten sogar Behauptungen durchs Internet, der Komet ISON sei selbst ein intelligent gesteuertes Raumschiff. Anfang Dezember 2013 zerbrach der Komet, womit die Diskussion vorzeitig beendet wurde. Zum Glück noch bevor sich die nächsten Deppen einen Schierlingsbecher runterkippen konnten, um auf ein Raumschiff zu gelangen, das gar nicht existiert. Dennoch scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste UFO-Sekte psychisch labile New Age Anhänger mit ha(u)nebüchenen Behauptungen auf dumme Gedanken bringt.

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Transhumanistische Literatur

Auf dem Gebiet der transhumanistischen Literatur ist der amerikanische Autor William Gibson eine Art Superstar. Er prägte in seinen Werken u.a. die Begriffe „Cyberspace“ und „Matrix“, womit er als Anhänger des Singularitarianismus gelten kann. Seine wohl bedeutendste Schöpfung ist die Neuromancer-Trilogie, die zahlreiche Elemente des Transhumanismus enthält. Z.B. tragen fast alle Menschen Mikrochips, die sie intelligenter machen.

Im Neuromancer-Universum ist auch die Kurzgeschichte „Johnny Mnemonic“ angesiedelt, welche 1995 verfilmt wurde. Die Hauptrolle spielte Keanu Reeves, welcher später auch die Rolle des Neo in „Matrix“ übernahm.

Johnny Mnemonic

Der Australier Greg Egan ist ebenfalls ein Verfechter des Transhumanismus. In seinem Roman „Distress“ geht es um die künstliche Anpassung des Körpers an das moderne Selbstbild, was als „morphologische Freiheit“ glorifiziert wird. Zu Greg Egans weiteren transhumanistischen Werken zählen „Permutation City“, „Diaspora“, „Radieux“ und „Zendegi“.

Greg Egan

Erschienen sind einige von Egans Büchern übrigens im Verlag Le Belial. Belial ist ein biblischer Dämon und dementsprechend ist das Verlagslogo ein Baphometh-Kopf in einer umgedrehten Pyramide. Es ist wohl keine Verschwörungstheorie, angesichts dessen zu behaupten, dass die transhumanistische Agenda eine Ausgeburt des Satanismus ist.

Le Belial

Der amerikanische Schriftsteller Dan Simmons beschreibt in seinem Roman „Ousters“ aus dem Hyperion-Zyklus, wie ein Teil der Menschheit in den Weltraum auswandert und sich mittels Nanotechnologie an den neuen Lebensraum anpasst. Die Cyborgs blicken mit Hass und Furcht auf all jene zurück, die auf der Erde blieben und in ihren Augen Barbaren sind. In seinem späteren Werk „Ilium“ präsentiert Simmons indes Posthumane, die völlig von ihrer Technologie absorbiert worden sind.

Dan Simmons - Hyperoin

Noch weiter geht der deutsche Autor Dietmar Dath in seinem transhumanistischen Werk „Die Abschaffung der Arten“, in dem sich ein Teil der Menschheit durch gesteuerte Evolution in die „Gente“ verwandelt hat. Seine abscheuliche Horrorvision wurde 2008 in die Shortlist des Deutschen Buchpreises aufgenommen und 2009 als bester Roman mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Ebenso wie im Rest der Welt wird damit auch in Deutschland eine gezielte transhumanistische Agenda verfolgt, für die der Autor schon mal sein linkes (Horus)Auge betont.

Dietmar Dath Horusauge

In Frankreich wimmelt es ebenfalls von Transhumanisten. Einer von ihnen ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der in seinen Werken „Elementarteilchen“ und „Die Möglichkeit einer Insel“ beschreibt, wie die Menschheit beschließt, einer geschlechtslosen, aber dafür unsterblichen Spezies zu weichen. In letzterem Roman wird die transhumanistische Agenda von einer Sekte namens „Elohimiten“ vorangetrieben, was auf die Elohim anspielt. Nach prä-astronautischer Lesart waren die Elohim Außerirdische, welche einst die Menschheit erschaffen haben. Entsprechend sind die Elohimiten an die UFO-Sekte der Raelianer angelehnt.

Michel Houellebecq hegt offene Sympathien für die Raelianer, die 2002 von sich behaupteten, erfolgreich ein menschliches Baby geklont zu haben. Sie erwarten die Wiederkehr der außerirdischen Menschheitsschöpfer, die von ihnen als gottgleich verehrt werden. Trotz seiner Nähe zu dieser UFO-Sekte sowie Sympathiebekundungen für Josef Stalin wurden schon mehrere Werke von Houellebecq mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Zuletzt sorgte er mit seinem Buch „Unterwerfung“ für Furore, indem er gezielt Angst vor einer Islamisierung Frankreichs schürt und offen Partei für die rechte Front National ergreift. Er wäre demnach einer esoterisch-faschistischen neuen Weltordnung also keineswegs abgeneigt.

Michael Houllebecq

Der 2012 erschiene Roman „Maschinenmann“ von Max Barry geht wieder mehr in die Richtung Cyborg-Agenda. Der Protagonist erhält zunächst nur eine Beinprothese, aber da er damit viel besser laufen kann, ersetzt er nach und nach immer mehr Körperteile.

Max Barry - Maschinenmann

2013 erschien Dan Browns „Inferno“, in dem ein transhumanistischer Wissenschaftler ein Virus erschafft, um aus seiner Sicht die Welt vor einer Überbevölkerung zu retten. Dan Brown ist bereits für seine wohlwollende Charakterisierung von Geheimgesellschaften wie den Freimaurern bekannt. Nun beschäftigt er sich also auch noch mit deren Agenda der Bevölkerungsreduktion. Als Vorlage für seinen Roman dürften dabei wohl die Georgia Guidestones gedient haben.

Dan Brown - Inferno