Die verlogene Moral der Rechtskonservativen

von Anton Nymous

Die konservative Rechte vermittelt nach außen gerne ein Bild von Moral und Ordnung. Selbstverständlich sind das Euphemismen, denn hinter der propagierten Moral verbergen sich mitnichten Anstand und Ethik. Andernfalls müssten sich die Konservativen von Korruption und Militarismus verabschieden. Aber Gott bewahre, es geht ihnen lediglich um überalterte Moralvorstellungen aus dem Mittelalter, insbesondere in Bezug auf Geschlechterrollen, Familie und Sexualität.

Begründet wird dies meist mit religiösen Dogmen, die ebenfalls seit dem Mittelalter überholt sind. Durchgesetzt wird dieses Weltbild, bei dem es im Kern eigentlich nur um Macht und Kontrolle geht,  schlussendlich mit Gewalt. Die vielgepriesene Ordnung ist lediglich ein Deckmantel für massive Eingriffe in die persönlichen Freiheitsrechte. Der Begriff „Law and Order“ ist längst zum Synonym für den Polizeistaat geworden.

Die Mentalität dahinter könnte direkt von den Sith aus „Star Wars“ stammen. Darth Vaders Ziel ist es, Frieden und Ordnung in der Galaxis durchzusetzen und durchgesetzt wird der Frieden mit Krieg und die Ordnung mit Chaos. Es grenzt an ein Wunder, dass die konservative Rechte noch nicht an ihren inneren Widersprüchen kaputt gegangen ist, was sie vornehmlich dem blinden Eifer und der Dummheit ihrer tumben Anhängerschaft zu verdanken hat.

Diese scheint völlig faktenresistent zu sein und schafft es immer wieder, sogar die offenkundigsten Skandale zu ignorieren. Einen solchen gab es jüngst wieder um den ungarischen EU-Abgeordneten Josef Szajer von der Fidesz-Partei. Wie es sich für ein Gründungsmitglied der Partei des Präsidenten Victor Orban gehört, hat Szajer stets für das traditionelle Familienbild geworben und gegen Homosexuelle gehetzt. Zumindest bis er am ersten Adventswochenende bei einer illegalen Sexparty in einem Brüsseler Schwulenclub aufgegriffen wurde.

Zusammen mit mehr als 20 anderen nackten Männern hat Szajer es so richtig krachen lassen. Als schließlich die Polizei anrückte, versuchte er, über ein Fenster zu entkommen. Die Polizei löste die Veranstaltung übrigens nicht etwa deswegen auf, weil erwachsene Männer keinen Sex miteinander haben dürften. Brüssel liegt immerhin in Belgien und nicht in Ungarn. Illegal war die Sexparty aufgrund des Lockdowns und der verhängten nächtlichen Ausgangssperre. An das Thema „Law and Order“ kann die Fidesz also auch gleich einen Haken machen. Unzucht und Unordnung trifft es wohl eher.

Um den Schaden zu begrenzen, ist Szajer noch am Sonntag des 1. Advent zurückgetreten. Ein toller Auftakt für die bei den konservativen Katholiken so geschätzte Vorweihnachtszeit. Ob es am 6. Dezember dafür die Rute gab und wenn ja, welche, ist nicht bekannt. Man könnte wirklich herzlich darüber lachen und Späße machen, wenn die Rechtskonservativen wenigstens daraus lernen würden. Doch mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen oder gar deren rechtliche Anerkennung wird es in Ungarn wohl so schnell nicht geben. Eher wird die Fidesz dieses „brandige Glied abschneiden“, wie es hierzulande Höcke ausdrücken würde.

Dabei ist Josef Szajer beileibe kein Einzelfall. Die deutsche AfD glänzt ebenso durch Homophobie und hat Klage gegen die Ehe für alle eingereicht, obwohl ihre Fraktionsvorsitzende Alice Weidel bekanntermaßen selbst eine verheiratete Lesbe ist. Dieses inkonsequente Verhalten reicht bis tief in die rechtsextreme Szene hinein. Eines der bekanntesten Beispiele war Michael Kühnen (1955-1991), der in den 1980ern einer der führenden Neonazis in Westdeutschland war, bis er 1991 vorzeitig an AIDS verstarb.

Der erste Fall war Kühnen allerdings nicht. Bereits der SA-Führer Ernst Röhm (1887-1934) war ebenfalls schwul und brachte mit seinem Schlägertrupp ausgerechnet das homophobe Terrorregime an die Macht, welches sich seiner 1934 in der „Nacht der langen Messer“ entledigte. Da fragt man sich, warum es einige Homosexuelle immer wieder zu schwulenfeindlichen Organisationen zieht? Oder Afrikaner zu Rassisten, Juden zu Antisemiten usw. Ist es Selbstverleugnung? Selbsthass? Oder Masochismus? In jedem Falle zeigt sich einmal mehr, was von der rechtskonservativen Moral zu halten ist.

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US-Präsidentschaftswahl – Trump, der schlechte Verlierer

von Anton Nymous

Die US-Präsidentschaftswahl ist vorbei und der Gewinner heißt Joe Biden. Allerdings erkennt Trump dessen Sieg nicht an. Wenig überraschend, denn narzisstische Persönlichkeiten sind von Natur aus schlechte Verlierer. Obendrein hatte Trump schon vorab angekündigt, dass er die Wahl nur dann anerkennen werde, wenn er sie gewinnt. So viel zum Demokratieverständnis dieses Protofaschisten.

Wie wenig er von Demokratie hält, bewies Trump auch bei der Auszählung. So forderte er, die Auszählung in allen Bundesstaaten zu stoppen, wo er nur knapp vorn lag oder sich Bidens Sieg bereits abzuzeichnen begann. Seine diesbezüglichen rechtlichen Schritte wurden allesamt von den zuständigen Gerichten abgewiesen, was nicht weiter verwundert. Jede gültige Stimme muss nun einmal ausgezählt werden. Andernfalls wäre das Wahlfälschung.

Obwohl der momentane Amtsinhaber selbst einen Wahlbetrug gerichtlich durchsetzen wollte, warf er genau dies den Demokraten vor. Und das schon vor der Wahl, was an Absurdität kaum zu überbieten ist. Beweise für seine Anschuldigungen hat Trump selbstverständlich keine. Wenn er etwas behauptet, werden es zumindest seine Anhänger schon glauben und leider funktioniert das bei diesen Fanatikern tatsächlich.

Schuld sein soll die Briefwahl, die aufgrund von Corona in diesem Wahljahr hoch im Kurs stand. Ironischerweise hat Trump seine eigene Stimme per Briefwahl abgegeben, wo er doch so wenig Vertrauen in die Post hatte. Entweder ist der Mann nicht mehr zurechnungsfähig oder er glaubt seine eigenen Lügen nicht, die er dem dummen Pöbel eintrichtert. Wie auch immer, er hat die Wahl verloren und es gibt keine Anzeichen für einen Betrug seitens der Demokraten.

Zu kritisieren wäre lediglich das überholte Wahlmännersystem. Gemäß diesem gewinnt ein Kandidat alle Wahlmänner eines Bundesstaates schon mit nur einer einzigen Stimme Mehrheit. Das ist vor allem in Bundesstaaten mit vielen Wahlmännern entscheidend und kann eine Wahl sehr wohl verfälschen. So hatte George W. Bush seinerzeit deutlich weniger Stimmen als sein Kontrahent Al Gore. Ebenso hatte Trump 2016 fast 3 Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton, gewann aber die Mehrheit der Wahlmänner.

Halten wir also fest, dass das Wahlmännersystem durchaus undemokratisch ist. Allerdings war es Trump, der 2016 davon profitiert hat. Biden hat hingegen sowohl die Mehrheit der Wahlmänner als auch der Wählerstimmen gewonnen. Der Fall ist daher in jeder Hinsicht klar.

Fälschen mussten die Demokraten dafür nichts. Es ist der alleinige Verdienst von Trump, dass ein farbloser 78-Jähriger mit ersten Anzeichen einer Demenz die Wahl gewinnen konnte. Die Demokraten hätten schon Bernie Sanders aufstellen müssen, um die Massen wirklich zu begeistern. Der Grund, warum die Mehrheit dennoch für Biden stimmte, ist die tiefe Spaltung der Gesellschaft, die Trump hinterlassen hat.

Dabei konnte der scheidende Präsident sogar einige neue Wähler hinzugewinnen und das in Schichten, von denen man es nicht erwartet hätte. Vor allem bei Migranten aus Lateinamerika konnte Trump zulegen, obwohl er eigentlich eine rigorose Abschottungs- und Abschiebepolitik betrieben hat. Allerdings ist der Anteil von Antikommunisten unter den Exilkubanern und Exilvenezolanern sehr hoch und bei denen kam es wohl gut an, dass Biden als vermeintlicher Sozialist diffamiert wurde.

Tatsächlich hat Biden viele Wähler aus dem linken Lager gezogen, die der Wahl unter normalen Umständen wohl ferngeblieben wären. Jedoch nicht, weil er so ein arbeiterfreundlicher Sozialist wäre, sondern weil Trump derart extrem polarisiert hat, dass die linken Wähler um jeden Preis das kleinere Übel wollten, statt weitere vier Jahre unter Trump zu leiden. Auch das also ein Verdienst des Verlierers und nicht Bidens.

Doch was erwartet uns nun unter dem künftigen US-Präsidenten? Zunächst einmal zu den Pluspunkten. Zuallererst will Joe Biden Maßnahmen gegen die Coronapandemie ergreifen. Nachdem die USA unter Trump weltweit sämtliche Rekorde in Sachen Infektionszahlen und Todesopfer gebrochen hat, wird es höchste Zeit, die Lage ernst zu nehmen.

Über 250.000 Tote zählen die USA bereits (Stand: 23.11.2020) und ausgerechnet in dieser Krise wollte Trump auch noch allen Armen die gesetzliche Krankenversicherung streichen, welche sein Vorgänger Obama eingeführt hatte. Das ist nicht nur verantwortungslos, sondern zutiefst menschenverachtend! Das Schlimme dabei ist, dass Trump bis Januar durchaus noch weiteren Schaden anrichten kann und alles deutet darauf hin, dass er Biden nur verbrannte Erde hinterlassen möchte. Das Aus für Obama-Care könnte sein letzter Nerobefehl werden.

Der zukünftige Präsident hat derweil nicht nur ein Interesse daran, die Coronapandemie möglichst schnell zu beenden, sondern ebenso den Klimawandel. Während Trump selbigen trotz Rekordwaldbränden stets geleugnet und obendrein Amerikas Wälder zur Abholzung freigegeben hat, will Biden zurück ins Pariser Klimaschutzabkommen. Ohne Zweifel ist auch er ein Kapitalist, der die Profite der Wirtschaft im Blick hat, jedoch nicht um den Preis der Zukunft. Profite lassen sich genauso gut mit regenerativen Energien machen, aber nicht auf einem Planeten, auf dem kein Leben mehr existiert.

Zu guter Letzt steht Joe Biden für Versöhnung. Er will die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die sein Vorgänger hinterlassen hat, wieder kitten. Ob ihm dies gelingen kann, bleibt abzuwarten, aber zumindest sind von ihm keine weiteren rassistischen oder sexistischen Pöbeleien zu erwarten. Den Grad der Verrohung in Politik und Gesellschaft könnte er daher durchaus abmildern.

So viel zu den guten Seiten des kommenden US-Präsidenten. Die schlechten sollten natürlich nicht verschwiegen werden. Allen voran ist Biden ein leidenschaftlicher Verfechter der NATO, die Trump noch als „überholt“ bezeichnete. Das ist die NATO tatsächlich, denn sie ist ein Relikt des Kalten Krieges. Gegründet wurde sie als Gegengewicht zum Warschauer Pakt, der seit dem Zusammenbruch des Ostblocks nicht mehr existiert. Seitdem führt die NATO einen Aggressionskrieg nach dem anderen und zündelt gegen Russland.

Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass Trump die NATO durchaus nicht auflösen wollte. Er forderte lediglich von den anderen Mitgliedsstaaten mehr Engagement sowie die Einhaltung des 2%-Ziels bei den Rüstungsausgaben gemessen am BIP. Zudem fand das Großmanöver Defender 2020 trotz Corona in abgeschwächter Form statt, was nichts anderes als ein Training für den 3. Weltkrieg ist. Das Etikett „Pazifist“ hat Trump wahrlich nicht verdient, aber unter seinem Nachfolger kündigt sich durchaus wieder ein weitaus härterer Ton in der US-Außenpolitik an.

Dies zeichnet sich auch in Bezug auf Bidens Horrorkabinett ab, welches überwiegend aus kriegslüsternen Falken besteht. Der künftige Außenminister Antony Blinken ist ein Befürworter der aktiven US-Kriegspolitik und Architekt der zynischerweise „humanitär“ genannten Interventionen. Was Blinken unter „humanitär“ versteht, hat er bereits als nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Obama bewiesen. In dieser Funktion unterstützte er die Intervention des Terrorregimes von Saudi-Arabien gegen dessen Nachbarland Jemen.

Wem da schon das Kotzen kommt, der sollte erst die mögliche Kriegsministerin Michele Flournoy abwarten. Als ehemalige Staatssekretärin im Kriegsministerium unterstützte sie bereits die völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen Afghanistan, Irak und Libyen. Aktuell befürwortet die Gründerin des von der Rüstungsindustrie gesponserten „Center for a New American Security“ die Konfrontation mit Iran, Nordkorea und China.

Trump hat zwar viel gegen den Iran gewettert, aber große Töne zu spucken tötet nicht gleich Millionen Menschen, wie es Flournoy beabsichtigt. Mit Nordkorea hat sich Trump derweil sogar ausgesöhnt. Man kann seine Wesensverwandtschaft mit Kim Jong Un zwar kritisieren, aber zumindest hat selbige den Frieden gerettet. Ausnahmsweise mal ein Pluspunkt für Trump.

Gegen China führte der scheidende Präsident dagegen einen Handelskrieg, aber den hat China längst gewonnen. Peking hat inzwischen die größte Freihandelszone der Welt geschaffen und dabei westliche Länder wie Australien mit einbezogen. Biden wird vielleicht die Tonart gegenüber China ändern, aber der Konkurrenzkampf der beiden Großmächte wird ungebremst weitergehen. Im Interesse der amerikanischen Wirtschaft wird und muss er mit allen Mitteln das Projekt der neuen Seidenstraße torpedieren und gleiches gilt in Bezug auf die Nordstream II-Pipeline von Russland.

Deutschland bleibt damit weiterhin in der Zwickmühle. Einerseits ist die Bundesregierung durch eine bedingungslose Vasallentreue gegenüber Washington gekennzeichnet, weshalb in Berlin großer Jubel darüber ausgebrochen ist, dass man diese nicht länger einem ungehobelten Soziopathen erweisen muss. Andererseits ist Deutschland abhängig vom billigen Gas aus Russland, zumal wenn die Bundesregierung die Klimaziele einhalten will. Den gigantischen Absatzmarkt China kann sich derweil die deutsche Autoindustrie nicht entgehen lassen und in deren Anus steckt die Bundesregierung mindestens ebenso tief wie in jedem der USA.

Doch zurück zu den Falken. Da hat Biden noch einige mehr im Angebot. Darunter Jake Sullivan, der Nationaler Sicherheitsberater werden soll. Dieser war als Chef des Planungsstabs im Außenministerium unter Hillary Clinton für zahlreiche Drohnenmorde mitverantwortlich und obendrein Architekt der „Regime Changes“. Der in Libyen war bekanntermaßen erfolgreich, der in Syrien glücklicherweise nicht. Bezüglich des Umsturzversuchs in Syrien meinte Sullivan 2012: „Al-Kaida ist auf unserer Seite in Syrien.“ Einen Freund von Al-Kaida zum Nationalen Sicherheitsberater zu machen, grenzt schon an Realsatire. Das ist allerdings mitnichten zum Lachen. Effektiv hat er bereits in seiner früheren Funktion die gesamte Welt erheblich unsicherer gemacht.

Zu guter Letzt wäre dann noch Bidens zukünftiger Stabschef Ron Klain. Dieser ist gegen einen US-Truppenabzug aus Afghanistan und Irak, obwohl diese Kriege längst verloren sind. Vielleich möchte er gleich noch die bereits abgezogenen Truppen nach Vietnam und Korea zurückschicken? Zumindest wird sich aber Deutschland wieder über mehr US-Besatzer freuen können. Klar, Trump hat den Abzug von rund 12.000 Soldaten als Strafe gemeint. Er hätte uns aber ruhig weiter bestrafen können, in dem er die restlichen Truppen ebenfalls außer Landes bringt und die verdammten Atomwaffen gleich mitnimmt.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Joe Biden zwar drei große Pluspunkte hat. Weltpolitisch gesehen wird sich jedoch nicht viel verändern und die USA werden sich sogar wieder mehr als Imperium aufspielen als unter Trump. Ob es aber überhaupt so weit kommt, bleibt abzuwarten. Trump weigert sich nämlich vehement, seine Niederlage anzuerkennen.

Die USA könnten bis zu Bidens Amtsantritt im Januar sehr wohl noch im Bürgerkrieg versinken. Insbesondere Trumps Anhänger aus der christlichen sowie der extremen Rechten sind äußerst gewaltbereit und zu allem entschlossen. Es gibt zahlreiche bewaffnete Bürgerwehren, die sich in den letzten Wochen derart massiv mit Gewehren und Munition eingedeckt haben als stünde eine Zombieapokalypse unmittelbar bevor.

Besonders erwähnenswert sind diesbezüglich die Proud Boys. In Deutschland wären diese längst als rechtsextreme Terrorvereinigung verboten worden und das will was heißen, wenn man bedenkt, wie lange das Verbot von Combat 18 gedauert hat. Im TV-Duell mit seinem Kontrahenten wandte sich Trump explizit an die Proud Boys, sie sollten sich „zurückhalten“, aber ebenso „bereithalten“.

Das klingt nicht von ungefähr wie eine Drohung. Im Wahlkampf konnte der Amtsinhaber keine gewalttätigen Ausschreitungen von Rassisten gebrauchen, zumal er auf die Stimmen von Migranten angewiesen war. Aber für den Fall der Niederlage würde Trump die Hilfe ultrarechter Milizen natürlich gerne in Anspruch nehmen. Als es nach dem TV-Duell kritische Nachfragen zu seiner Äußerung gab, stritt Donald empört ab, überhaupt je etwas von den Proud Boys gehört zu haben, diese seien ihm gänzlich unbekannt. Diese Taktik des Zurückruderns und Leugnens ist aber unter Rechtspopulisten normal.

Wie schnell sich die Lage in den USA entzünden kann, ist schwer zu sagen. Zunächst einmal wird Trump weiter seine Anwälte an die Front schicken und alle juristischen Mittel ausschöpfen. Das ist taktisch klug, denn sollte nur die geringste Chance bestehen, damit durchzukommen, wäre ein legaler Weg zum Machterhalt allemal besser als ein Bürgerkrieg. Die softe Tour bindet gemäßigte Wähler und richtet weniger Chaos an.

Sollte Trump jedoch auf juristischem Wege scheitern, und alles spricht dafür, dürfte der Ton schnell rauer werden. Dieser Psychopath wird unter keinen Umständen freiwillig aus dem Weißen Haus ausziehen, er müsste schon rausgetragen werden. Hinzu kommt, dass der Ton auf der Straße ebenfalls rauer wird. Mit jeder Niederlage werden die extremen Rechten und Evangelikalen ungehaltener und das kann durchaus spontan in Gewalt umschlagen.

Auf der anderen Seite ist Joe Biden ein alter Mann, bei dem man nicht sicher sein kann, ob er das Ende seiner regulären Amtszeit überhaupt noch erleben wird. Es wird daher schwierig für ihn, gegenüber Trump Stärke zu zeigen. Im Falle seines vorzeitigen Ausscheidens würde zudem erstmals eine Frau afro-asiatischer Abstammung das höchste Amt der USA bekleiden. Kamala Harris wäre zwar in jeder Hinsicht das ultimative Aushängeschild für ein liberales, weltoffenes Amerika, aber genau das würde leider in den Augen der Ultrarechten das Fass zum Überlaufen bringen.

In Zeiten, in denen rechtextreme Milizen zunehmend durch Selbstjustiz auffallen, sollte deren Gefahrenpotential nicht unterschätzt werden. Erst im Oktober 2020 flogen die Pläne einer Gruppe von  Faschisten auf, die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, zu entführen und eigenmächtig zu verurteilen. Ihr Vergehen: Whitmer wollte die Einwohner ihres Bundesstaates mit einem Lockdown vor der Ausbreitung des tödlichen Coronavirus schützen. Zur Tat aufgehetzt hatte im Vorfeld kein geringerer als Donald Trump, der forderte, Whitmer und ihresgleichen „einzusperren“.

Rechtspopulisten sind immer schnell dabei, sich als demokratische Saubermänner aufzuspielen und ihren Gegnern Machtmissbrauch, Wahlfälschung sowie diktatorische Bestrebungen vorzuwerfen. Offensichtlich schließen sie dabei aber stets von sich selbst auf andere. Es ist überall auf der Welt dasselbe, auch hierzulande mit der AfD.

Diese hat erst Mitte November wieder für Aufsehen im Bundestag gesorgt. Während die AfD-Fraktion die Abstimmung des Infektionsschutzgesetzes mit Plakaten als Zugrabetragen des Grundgesetzes darzustellen versuchte, verstießen zwei ihrer Abgeordneten selbst gegen das Gesetz sowie die Verhaltensregeln im Bundestag. Sie hatten rund ein Dutzend ausgewählte Blogger und Youtuber aus dem rechten Spektrum als Gäste eingeladen und sie dann unbeaufsichtigt Jagd auf alle anderen Parteien machen lassen.

Es kam dabei nicht nur zu Pöbeleien und Anfeindungen, einige Abgeordnete wurden darüber hinaus daran gehindert, an der Abstimmung teilzunehmen. Das ist ein klarer Angriff auf die Demokratie und man darf gespannt sein, wen die AfD-Abgeordneten als nächstes in den Bundestag einschleusen. Vielleicht ein paar Rechtsterroristen vom NSU 2.0, welche dann die Regierung stürzen oder zumindest ein paar antifaschistische Oppositionspolitiker ermorden?

Der Fraktionsvorsitzende Gauland braucht gar kein Bedauern zu heucheln und erst recht nicht den Eklat verurteilen, den seine eigenen Leute zu verantworten haben. Im Internet wird die AfD längst wieder für ihre neuste Attacke gefeiert. Allen voran von den rechtsextremen Hetzern, denen sie Zugang zum Bundestag verschafft hat. Wer soll angesichts dessen denn noch die Unschuldsbekundungen Gaulands glauben? Es kann ja nicht beides wahr sein!

Zum Glück ist die Lage in Deutschland noch nicht so schlimm wie in den USA. Die AfD ist noch nicht in der Position, wieder abgewählt zu werden. Sie kann nicht einfach jede Wahl für ungültig und manipuliert erklären, bei der auch nur eine Stimme ausgezählt wird, die nicht an sie geht. So auf die Art: Wählen ist okay, aber ausgezählt wird nicht, denn wir haben ja sowieso gewonnen. Wer Leuten mit einem solchen Demokratieverständnis zutraut, die Demokratie zu verteidigen, muss geistig schon total umnachtet sein. Oder eben konsequent lügen wie Donald Trump.

Querdenken & Querfronten

von Anton Nymous

Auf den diversen Corona-Demos tummelt sich eine bunte Mischung von besorgten Bürgern, Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und Neonazis. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Hauptorganisatoren der großen Demos in Stuttgart, Berlin und München ab, dem Bündnis Querdenken. Manche scheinen einfach nur naiv und politisch unerfahren, andere sind stramm rechts und versuchen, die Proteste für ihre menschenverachtende Ideologie zu instrumentalisieren. Dieser Artikel soll ein möglichst objektives Licht auf die Bewegung werfen und die verschiedenen Gefahren analysieren, die von ihr ausgehen.

Die größte Gefahr ist natürlich die Ausbreitung der Corona-Pandemie, die von vielen verharmlost und von einigen sogar gänzlich geleugnet wird. Zwar erklären sich die aktuell rasant steigenden Zahlen vor allem durch Familienfeiern, illegale Partys und Urlaubsheimkehrer aus Risikogebieten, dennoch sind Massendemonstrationen ohne Schutzmasken und Mindestabstand gleichermaßen leichtsinnig und nicht geeignet, die Infektionskurve abzuflachen.

Es fällt auf, dass fast sämtliche Organisatoren nichts mit Medizin zu tun haben, folglich also keine Experten auf dem Gebiet sind. Bestenfalls beruft man sich auf Mediziner wie Dr. Wolfgang Wodarg (SPD) und Sucharit Bhakdi. Ersterer ist zwar ein Lungenarzt, aber kein Virologe. Zudem sind beide seit Jahren im Ruhestand und haben daher keine aktuellen Kenntnisse über Covid-19. Sie forschen nicht an dem Virus, aber dennoch wird ihre Meinung über die Erkenntnisse jener Mediziner gestellt, welche die Pandemie aktiv erforschen und bekämpfen.

Schlussendlich treffen dann absolute Laien die Entscheidung darüber, wer glaubwürdiger sein soll. Laien wie der Querdenken-Gründer Michael Ballweg, ein mittelständischer IT-Unternehmer aus Baden-Württemberg, der vor 2019 weder in der Medizin noch politisch aktiv war. Während der großen Finanzkrise 2009 galt sein Interesse eher dem neusten iPhone als der großen Weltpolitik. Das damals aktuellste Windows-Betriebssystem konnte ihn ebenfalls begeistern, Bill Gates war da noch nicht der meistgehasste James-Bond-Bösewicht.

Seinen ersten politischen Beitrag teilte Ballweg erst am 4. November 2019. Es ging um Edward Snowden, der als Whistleblower ohne Frage Heldenhaftes geleistet hat. Seine Aussagen über die Machenschaften der US-Geheimdienste haben viele Menschen weltweit wachgerüttelt und zum Nachdenken gebracht. Leider ging das Denken bei einigen schnell in eine falsche Richtung. Obgleich ein gesundes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und insbesondere Geheimdiensten angebracht ist, sollte nicht alles kritiklos geglaubt werden, was im Internet kursiert.

Zu Beginn der Corona-Pandemie verhielt sich Michael Ballweg tatsächlich noch vernünftig und forderte selbst, die Infektionskurve flach zu halten. Er kritisierte sogar das Verhalten des US-Präsidenten aufs Schärfste, was angesichts der inzwischen über 220.000 Toten in den USA absolut berechtigt war. Ende März setzte jedoch ein Wandel bei ihm ein und er begann, sich um seine Grundrechte zur sorgen. Daran ist erst mal nichts verkehrt, zumal die Bundesregierung die Krise genutzt hat, um die neoliberale Umverteilung von unten nach oben weiter zu beschleunigen.

Dank den einseitigen, pauschalisierenden Beiträgen von Ken Jebsen, der absolut kein Fachmann für Medizin und Seuchenbekämpfung ist, vermischte sich bei Ballweg zunehmend berechtigte Kritik am Verhalten der Bundesregierung mit kruden Verschwörungstheorien und einer Verharmlosung des Virus. Es entstand das Bündnis Querdenken711, bei dessen Protesten in Stuttgart auch Ken Jebsen mehrfach als Redner auftrat.

Damit war natürlich jede Glaubwürdigkeit dahin und es wurde fortan einfach hinter allem eine finstere Verschwörung gewittert. So wurde ein Brandanschlag auf einen Bus des Orgateams durch Unbekannte schnell zu einem linksextremistischen Bombenanschlag auf Ken Jebsens Leben umgedeutet. Ein gefundenes Fressen für Rechtsextremisten und Reichsdeutsche, welche die Demos zu diesem Zeitpunkt längst okkupiert und sogar das Orgateam unterwandert hatten.

Dementsprechend ging es nicht mehr nur um die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, wobei die neoliberalen Hilfspakete ohnehin nie wirklich auf der Agenda standen. Plötzlich wurden auch Fragen zum Friedensvertrag und dem Status der BRD gestellt, die eindeutig dem reichsdeutschen Milieu zuzuordnen sind. Fakten brauchte es dafür keine, allein Ballwegs Bauchgefühl gab  und gibt den Ausschlag darüber, was hinterfragt wird und was nicht.

Mit solch einer Einstellung zieht man schnell Faschisten an wie Scheiße die Fliegen. Darunter Stephan Bergmann, Mitbegründer des Schorndorfer Reichsbürgervereins „Primus inter pares“, welcher vom baden-württembergischen Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft wird. Angeblich habe er seit vielen Jahren nichts mehr von dem Verein gehört, was jedoch nur eine Schutzbehauptung sein dürfte. Immerhin gab Bergmann dem AfD-Politiker Stefan Bauer ein Interview und warnte im Internet vor einer „Rassenvermischung“.

Anfang September folgten Bilder, die ihn mit einem hochrangigen Kader der Identitären Bewegung zeigten. Als wäre das nicht schon eindeutig genug, war diese Begegnung obendrein die Grundlage für ein Portrait in Jürgen Elsässers Compact-Magazin, welches inzwischen offen rechtsextrem auftritt und sowohl für die AfD als auch QAnon wirbt. Wenn jemand mit solch expliziten Verbindungen Pressesprecher von Querdenken wird, ist das schon eine Unterwanderung auf höchster Ebene.

Da kann Bergmann sich noch so sehr als „Sonnentänzer, Wassergießer, Trance-Coach und Trommelbauer“, verharmlosen, was im Übrigen seiner Expertise gegenüber dem Coronavirus keinerlei Glaubwürdigkeit verleiht. Er hat Querdenken711 nach ganz weit rechts geöffnet und schwadroniert selbst etwas davon, dass das deutsche Volk als Ganzes die Welt befreien werde. Mit diesem messianischen Herrenmenschendenken hat schon einmal jemand massiven Schaden angerichtet.

Michael Ballweg lässt seinem Pressesprecher all dies als freie Meinung durchgehen. Bergmann machte ihn schlussendlich sogar mit dem Holocaustleugner Nicolai Nerling bekannt und lud diesen als Redner zu Querdenken-Demos ein. Erst als Ballweg in einem Interview mit dem Magazin „Monitor“ mit dem politischen Hintergrund von Nerling konfrontiert wurde, begann er zu recherchieren und distanzierte sich augenblicklich von dem Holocaustleugner.

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Offensichtlich ist Ballweg wirklich so naiv wie es den Anschein hat, was die Sache jedoch nicht weniger gefährlich macht. Den Sturm auf den Reichstag auf der zweiten Großdemonstration in Berlin hatte er wohl nicht im Sinn, als er Querdenken ins Leben rief. Dieses Ereignis zeigt jedoch, wohin die Reise gehen kann, wenn man sich nicht klar von rechts abgrenzt. Dies versucht Ballweg inzwischen zwar halbherzig, richtet sich dabei aber ebenso gegen links und bedient damit die Hufeisentheorie.

Es waren allerdings keine Linken, welche die Corona-Demos unterwandert und instrumentalisiert haben. Im Gegenteil betrachten Linke die aktuellen Entwicklungen eher mit großer Sorge, wobei es aber auch Ausnahmen gibt. So schreibt der Journalist Dirk Pohlmann weiterhin für KenFM und begegnet Querdenken mit einem naiven Wohlwollen, welches die Probleme mit der Bewegung völlig ausklammert.

Dies spiegelt sich zunehmend in der Sendung „Das dritte Jahrtausend“ von Exopolitik wieder, in der Pohlmann regelmäßig Gast von Robert Fleischer ist. Um Außerirdische geht es bei Exopolitik schon lange nicht mehr. Die Zeit der wirklich gut recherchierten Beiträge über Julian Assange, Edward Snowden und die US-gesteuerten Umstürze in Lateinamerika scheint ebenfalls vorbei. Inzwischen kennt Exopolitik nur noch ein Thema und das lautet Corona. Es grenzt dabei fast schon an ein Wunder, dass das Virus noch nicht dem Wirken Außerirdischer zugesprochen und Bill Gates zum Reptiloiden wurde.

Robert Fleischer selbst bezeichnete sich in einem weiteren Video übrigens selbst als „Covidiot“, weil er die Schutzmaske ablehnt, mitten in der Pandemie auf Massendemonstrationen geht und jeden Scheiß glaubt, der im Internet kursiert. Man sagt ja, Einsicht wäre der erste Schritt zur Besserung, doch davon kann bei Robert keine Rede sein. Aus einem einstmals vernünftigen Exopolitiker, der sich immer klar von Esoterik und Rechtsextremismus abgegrenzt hat, ist inzwischen ein Aluhütler geworden, der auch noch stolz darauf ist, sich „Covidiot“ zu nennen und die Nazis nicht mal dann erkennt, wenn sie ihm eine schwarz-weiß-rote Flagge vor die Nase halten. Das ist wirklich traurig.

Inzwischen steht Exopolitik auf einer Stufe mit Nina Hagen, deren UFO-Sichtungen auf Drogenkonsum zurückzuführen sind und die sich ebenfalls in einer „Coronadiktatur“ wähnt. In der Pop-Okkultur ist sie damit keineswegs allein. Auch Nena hat sich gegen die Schutzmaßnahmen vor Corona ausgesprochen. Dabei bekräftigte sie – ebenso wie Xavier Naidoo – ihren „tiefen Glauben an Gott“ und betonte ihren „gesunden Menschenverstand“, was ja schon ein Widerspruch in sich ist.

Zum Ende forderte sie ihre Follower auf, „ins Licht zu gehen“. Das ist schon sehr ironisch, denn ins Licht gehen für gewöhnlich nur Tote. Empfiehlt Nena ihren Fans etwa, an Corona zu verrecken? Der leichtfertige Umgang mit dem Virus hat bereits zu einer immensen Bevölkerungsreduktion geführt und das ist doch eigentlich eher ein Ziel der herrschenden Elite. Und wo deren Agenda bedient wird, sind ihre Symbole für gewöhnlich nicht weit. Eines dieser Symbole trägt Nenas Tochter Larissa offen auf ihrem Basecap zur Schau.

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Freimaurercap statt Aluhut: Nena mit Tochter Larissa

Bevor sich die sogenannten „Coronarebellen“ ins Licht schicken lassen, werden sie erst einmal noch kräftig hinters Licht geführt. So werben Querdenken und andere Coronaverharmloser aktuell für eine Sammelklage gegen die PCR-Tests, welche von einer Gruppe Anwälte gegen den Virologen Dr. Drosten und den Direktor des Robert Koch-Instituts, Dr. Lothar Wieler, angestrebt wird. Jeder ist dazu aufgerufen, sich an der Sammelklage zu beteiligen – gegen eine Gebühr von 800 € zuzüglich Mehrwertsteuer.

Die Klage ist selbstverständlich aussichtslos, denn mit diesen Tests wurde niemandem ein Schaden zugefügt. Außerdem sind Sammelklagen in Deutschland nicht zulässig. Deshalb wollen die Anwälte auch in den USA prozessieren. Ja, richtig gelesen: Amerikanische Gerichte sollen über Deutsche urteilen, die in Deutschland etwas getan haben, was in Deutschland gar keine Straftat darstellt.

Wer 1 und 1 zusammenzählen kann, weiß natürlich sofort, dass die US-Justiz überhaupt nicht dafür zuständig ist, was in Deutschland geschieht. Es ist unwahrscheinlich, dass sich überhaupt ein US-Gericht mit dieser Klage beschäftigen wird. Noch unwahrscheinlicher ist, dass Deutschland Dr. Drosten und Dr. Wieler ausliefern wird, zumal die beiden überhaupt nichts verbrochen haben, schon gar nicht in den USA.

Die ganze Sache ist eine Luftnummer, die einzig dazu dient, einfältige Deppen über den Tisch zu ziehen. Ein leichtes Spiel bei einer Szene, die glaubt, Bill Gates wolle die Menschheit per Impfung chippen und über 5G fernsteuern. Im Übrigen dienen Sammelklagen in den USA dazu, Geld für die Kläger rauszuschlagen statt es ihnen aus den Taschen zu ziehen. Aber wer nicht hören kann, der soll halt fühlen.

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Die Finanzierung von Querdenken711 selbst ist ebenfalls höchst unseriös. Da das Bündnis nicht als gemeinnütziger Verein anerkannt ist, darf es keine Spenden annehmen. Um dennoch keine Steuern zahlen zu müssen, lässt Michael Ballweg sich beschenken. Pro Person dürfen innerhalb von 10 Jahren bis maximal 20.000 € steuerfrei verschenkt werden. Je mehr Schenker, desto mehr Geld kann also eingenommen werden.

Sicherlich fließt ein Teil des Geldes in die Organisation der Proteste, sonst müsste Ballweg ja privat dafür aufkommen und damit würde sich der Kreis wieder schließen. Da die Finanzierung jedoch komplett intransparent ist, weiß außer dem Beschenkten niemand, wie viel Geld wirklich eingenommen wird und wie viel er möglicherweise privat einbehält. Blindes Vertrauen wird vorausgesetzt, kritisch hinterfragt werden nur alle anderen.

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Es ist wirklich traurig, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen. Keine noch so stumpfsinnige Behauptung scheint zu krude, um nicht von irgendwelchen unbedarften Deppen geglaubt zu werden. Auffällig ist, dass sich die meisten von denen selbst für besonders intelligent und aufgeklärt halten – ein Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt. Ohne Studium und Doktortitel glauben sie, es besser zu wissen als Virologen, die das Coronavirus erforschen. Ebenso glauben sie, die Mehrheit der Bevölkerung zu repräsentieren, obwohl laut Umfragen rund 60% mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zufrieden sind und weitere 30% sogar noch schärfere Maßnahmen befürworten. Aber gewiss, die restlichen 10% sind die überwältigende Mehrheit – zumindest gefühlt, auf einer Demo unter Gleichgesinnten.

Damit das lächerliche Häufchen nicht noch weniger wird, ist man offenbar gern bereit, auch Neonazis auf den Protesten zu dulden. Dabei stört es die Impfgegner nicht einmal, wenn die Reichdeutschen die Rückkehr zum Kaiserreich fordern, obwohl es damals ein Reichsimpfgesetz gab, welches Impfverweigerer hart bestrafte. 3 Tage Haft und 50 Reichsmark Strafe hatte Kaiser Wilhelm I. für Impfgegner vorgesehen, denn die rund 150.000 Pockentoten hatte er damals im Gegensatz zu Trump heute durchaus ernst genommen.

Heim ins Reich? Dann aber nur mit Impfpflicht!

Coronaleugner wollen zweite Welle

von Anton Nymous

Anfang August fand in Berlin eine umstrittene Demonstration statt, welche sich gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie richtete. Umstritten ist vor allem die Teilnehmerzahl, welche von der Polizei mit rund 17.000 und von einigen Internetquellen mit sagenhaften 1,3 Millionen angegeben wird. Die tatsächliche Zahl muss in etwa zwischen 20.000 und maximal 50.000 gelegen haben. Das ist etwas mehr als von der Polizei behauptet, aber deutlich weniger als die Selbstdarstellung mancher Teilnehmer.

Vergleicht man Luftaufnahmen der Demo mit der Loveparade von 2000, wird offensichtlich, dass es nur wenige Zehntausend Teilnehmer gewesen sein können. Dreiste Versuche, die Aufnahmen der Loveparade auf den August 2020 umzudatieren, lassen wir hier nicht gelten. Ebenso lächerlich wirken die Erklärungsmodelle, die neuerdings von Exopolitik verbreitet werden. Einige Teilnehmer haben die Demo gefilmt und da es mehrere Stunden gedauert hat, bis die Demo an einem Punkt vorbeigezogen war, wurde daraus eine Teilnehmerzahl von über 800.000 abgeleitet. Natürlich ohne nachzuzählen und ohne zu berücksichtigen, dass eine Demo mit 20.000 Teilnehmern bei langsamen Schritttempo ebenfalls recht lange dauern kann.

Es ist äußerst bedauerlich, dass sich Robert Fleischer sowie Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers inzwischen auf die Seite der Coronaverharmloser und -leugner stellen. Bisher haben sie mit ihrer Sendung „Das 3. Jahrtausend“ immer gute Recherchearbeit geleistet und standen politisch eher links auf der Seite der Vernunft. Von Pegida und anderen rechten Kräften hat sich Exopolitik bisher immer klar distanziert. Bei den Coronademos ignorieren sie den Einfluss der Rechtspopulisten und Neonazis jedoch konsequent und leisten diesen damit Vorschub.

Und da wären wir schon beim nächsten Punkt. Egal, ob da nun 20.000 oder 50.000 Menschen auf der Straße waren, unter ihnen war ein nicht unerheblicher Teil an Rechtsextremisten. Diese machten sicherlich nicht einmal die Hälfte aus, aber selbst wenn es nur rund 10% waren, so fällt doch unangenehm auf, dass die Faschisten von allen anderen Teilnehmern toleriert worden sind. Das gilt nicht nur für die AfD und das ihr nahestehende Compact-Magazin, sondern auch für Mitglieder der Identitären Bewegung, der NPD und dem III. Weg. Niemand störte sich an offen zur Schau gestellten rechtsextremen T-Shirts, Flaggen und sogar Hakenkreuztattoos.

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Es ist unerheblich, ob sich die Masse nicht als Nazis sieht, wenn sie schlussendlich Seite an Seite mit selbigen marschiert und den rechten Rednern Beifall klatscht. Die Massen, die 1933 Hitler zugejubelt und ihn aus Protest gewählt haben, waren auch nicht alle NSDAP-Mitglieder. Dennoch haben sie eine Mitschuld an allem getragen, was danach passiert ist. Mit Nazis für die Freiheit zu demonstrieren ist ein Widerspruch in sich und in jeder Hinsicht völlig verantwortungslos!

Apropos Freiheit. Diesen Begriff haben auch schon die Nazis in den 1930ern gerne für sich beansprucht. Die Wahl des Slogans „Tag der Freiheit“ für die Coronademo kommt dementsprechend nicht von ungefähr. „Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht“ ist ein NS-Propagandafilm von Leni Riefenstahl. Die war übrigens auch so eine Mitläuferin, die später jeden Antisemitismus und Rassismus weit von sich wies, aber dennoch im Dienste der Nazis stand.

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Es ist schon wirklich ironisch, dass sich viele „besorgte Bürger“ zu Unrecht mit Faschisten und Verschwörungstheoretikern in einen Topf geworfen fühlen, obwohl sie doch selbst gemeinsam mit eben diesen auf die Straße gegangen sind. Doch setzen wir einmal voraus, dass die Mehrheit wirklich dermaßen naiv und einfach nur durch die Corona-Maßnahmen verunsichert ist. Sollten die Sorgen der Menschen nicht ernst genommen werden?

Selbstverständlich sollten berechtigte Sorgen ernst genommen werden! Die Schließung von Kindergärten und Schulen hat viele Eltern vor massive Probleme gestellt. Durch Kurzarbeit bekommen viele Menschen weniger Lohn bei gleichen Lebenshaltungskosten, nicht wenige haben ihren Job sogar ganz verloren. Hinzu kommen die Selbstständigen, die nichts von den Corona-Hilfen abbekommen, weil ihre Betriebskosten mit den Lebenshaltungskosten identisch sind. Ebenso gingen die vielen Pflegekräfte, abgesehen von einem müden Beifall der Bundesregierung, weitgehend leer aus, während Milliarden Steuergelder in die Sicherung der Dividenden von Aktionären geflossen sind. Allein die Milliardäre Quandt und Klatten haben das deutsche Volk um rund 800 Millionen Euro erleichtert!

Angesichts einer solch ungerechten neoliberalen Krisenpolitik ist es mehr als verständlich, wenn die Menschen zu zehntausenden auf die Barrikaden gehen. Leider gehen die meisten aber gar nicht gegen diese abartige Umverteilung von unten nach oben auf die Straße, sondern gegen eine vermeintliche „Corona-Diktatur“. Sicherlich ist es sinnvoll, nach dem Ende der Pandemie sämtliche Freiheitsrechte, die notgedrungen eingeschränkt werden mussten, zurückzufordern. Wer aber diesbezüglich von einer Diktatur redet, hat nicht mehr alle Latten am Zaun!

Wie tatsächliche Diktaturen mit Massendemonstrationen umgehen, kann man aktuell in Weißrussland beobachten. Massive Polizeigewalt, willkürliche Verhaftungen und Folter stehen da auf der Tagesordnung. Übrigens stünde derartiges auch in Deutschland zu befürchten, wenn hierzulande jemals wieder Faschisten an die Macht kämen. Wenn Neonazis behaupten, sie würden das Grundgesetz, welches sie nicht einmal anerkennen, gegen eine vermeintliche Diktatur verteidigen, kann das nur ein schlechter Scherz sein. Geradezu zynisch und ekelerregend ist es, wenn selbige sich dann noch einen gelben Stern mit der Aufschrift „Ungeimpft“ anheften.

Doch nicht nur Neonazis verstricken sich auf den Coronademos in offensichtliche Widersprüche. Die naiven Mitläufer haben sich das Prädikat „Covidioten“ ebenso verdient. Ihr Ziel es, dass sämtliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aufgehoben werden. Da sich die meisten aber ohne Maske und Abstand zu Zehntausenden versammeln, provozieren sie genau damit einen zweiten Lockdown. Neben Urlaubsrückkehrern sind aktuell Teilnehmer an Massenveranstaltungen ohne Einhaltung der Regeln die häufigste Ursache von Neuinfektionen. Wie blitzblöd muss man eigentlich sein, sich dabei auch noch selbst als „zweite Welle“ zu bezeichnen?

Richtig gelesen, einer der beliebtesten Sprechchöre auf der ersten Berliner Demo war: „Wir sind die zweite Welle!“ Ist das einfach nur Selbstironie oder schon geisteskrank? Ja, diese Menschen sind die zweite Welle und genau deshalb hat die Bundesregierung jetzt beschlossen, dass bei Verstößen gegen die Maskenpflicht 50 € Bußgeld fällig werden. Statt Lockerungen durchzusetzen, tragen die Covidioten eine erhebliche Mitschuld an neuen Verschärfungen. Na, herzlichen Dank!

Das Demonstrationsverbot am 29. August in Berlin haben sich die Coronaleugner ebenfalls selbst eingebrockt. Leider hat das zuständige Landgericht das Verbot der Demos aufgehoben, mit dem Ergebnis, dass die Hauptdemo am Ende doch wieder wegen Nichteinhaltung der Auflagen aufgelöst werden musste. Auflagen sind im Versammlungsrecht übrigens zulässig und wer dagegen verstößt, muss die Konsequenzen tragen. Das gilt nicht nur für die Maskenpflicht, sondern auch für das Mitführen von Glasflaschen, die am 29. August auf die Polizei geworfen worden sind.

Des Weiteren werden Versuche, das Bundestagsgebäude zu stürmen und die Regierung zu stürzen, ebenso nicht vom Versammlungsrecht gedeckt. Es ist kaum noch an Zynismus zu überbieten, dass solche Möchtegernputschisten sich anschließend als Opfer aufspielen, denen man ihre demokratischen Rechte absprechen würde. Nein Staatsstreiche sind kein Ausdruck von Demokratie! Erst recht nicht, wenn sie von einer Handvoll Nazis unternommen werden.

Ebenso können keine Zweifel an der politischen Einstellung der Demokratiefeinde bestehen. Nahezu jeder, der bei der versuchten Stürmung des Bundestages dabei war, hatte eine schwarz-weiß-rote Flagge oder QAnon-Symbole dabei. Die türkische Flagge kann derweil den Grauen Wölfen zugeordnet werden. Interessant, dass die deutschen Faschisten sich für den geplanten Sturz der Regierung schon ausländische Hilfe holen.

Die schwachsinnig Interpretation von Querdenken und Exopolitik lautet übrigens, dass der Sturm auf den Reichstag eine Inszenierung gewesen sei. Ja klar, das waren alles vom Staat bezahlte Antifas unter falscher Flagge, denn Nazis würden so etwas niemals tun. Das sind ja bekanntlich überzeugte Demokraten und Pazifisten, wie wir alle aus der Geschichte wissen. (Ironie Ende!)

Klar war das eine Inszenierung. Allerdings keine vom Staat oder den Massenmedien. Es war eine Selbstinszenierung rechtsextremer Gruppen. Mit dabei war u.a. Martin Sellner, der Kopf der Identitäten Bewegung Österreichs. Zu behaupten, dass Sellner ein heimlicher Linker sei, der von der Bundesregierung extra nach Deutschland geholt wurde, um das Image der Rechten zu zerstören, ist an Idiotie kaum zu überbieten! Ebenso ist der Möchtegern Reiskanzler Attila Hildmann mit Sicherheit kein Linker, der von Merkel bezahlt wird.

Hinzu kommt, dass Rechtsextremisten von AfD bis NPD schon im Vorfeld offen zu Gewalt aufgerufen hatten. Sogar der Einsatz von Waffen sowie die Hinrichtung von Regierungspolitikern wurden ganz unverblümt gefordert. Damit haben die Verantwortlichen hinter der Demonstration nicht nur ihre Coronaschutzmaske, sondern auch ihre Maske der Freiheit fallen lassen. Wer sich jetzt noch mit den Möchtegernputschisten von AfD bis NPD und III. Weg gemein macht, kann sich nicht länger Demokrat nennen! Das hat nichts mehr mit Querdenken zu tun, sondern nur noch mit Querfront!

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Die Rechten aller Couleur werden die eigenen lautstark verkündeten Umsturzaufrufe natürlich nicht davon abhalten, sich selbst weiter in der Opferrolle zu suhlen. Immerhin hat der Berliner Senat versucht, ihre Demo zu verbieten. Allerdings hat das Verbot rein gar nichts damit zu tun, dass die Berliner Regierung mit der Meinung der Coronaleugner, Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten nicht einverstanden wäre. Sicherlich, das ist sie nicht, aber das Verbot hat einzig mit den steigenden Infektionszahlen zu tun.

Hier geht es um das Recht aller auf körperliche Unversehrtheit, welches angesichts der Pandemie schwerer wiegt als das Versammlungsrecht. Das Verbot war eine Schutzmaßnahme und ob die 38.000 Coronarebellen es glauben wollen oder nicht, es geht dabei vorrangig auch um ihren eigenen Schutz. Immerhin sind sie die Ersten, die ein Ausbruch durch die Regelverletzungen auf der Demo erwischt. Das zeigen bereits einige Fälle aus den USA, bei denen Trump-Anhänger sich auf Corona-Partys und Wahlkampfveranstaltungen infiziert haben. Einige haben sich damit sogar einen Darwin-Award verdient, darunter der Trump-Unterstützer Herman Cain.

Das wollen die Coronaleugner natürlich alles nicht hören bzw. lesen, schon klar. Manche begreifen es erst, wenn sie selbst auf dem Sterbebett liegen. Bis dahin wird munter weiter Stimmung gegen die achso böse Regierung gemacht, die angeblich kritische Meinungen unterdrücken will, während die „linksgrün-versifften Gutmenschen“ und „alimentierten Messermänner“ weiter auf die Straße gehen dürfen. Unerwähnt bleibt dabei, dass in Hanau letzte Woche eine Demonstration zur Erinnerung an die Opfer des rechtsextremen Anschlags vor einem halben Jahr ebenfalls untersagt wurde.

Ja, auch die Antifa und Migranten dürfen nicht demonstrieren, wenn die Infektionszahlen steigen. Denen hilft dabei nicht einmal ein Landgericht. So viel zum Thema „linkes Establishment“! Bei genauerer Betrachtung sind sämtliche Argumente der Rechtspopulisten, Neonazis, Impfgegner und sonstigen Covidioten nichts als an den Haaren herbeigezogene Panikmache. Die Bevölkerung soll mittels Angst vor einer imaginären Diktatur in irrationale Rage versetzt werden, damit die AfD und andere rechte Parteien für die kommenden Wahlen gestärkt werden. Einige träumen gar von einem Umsturz oder Bürgerkrieg und benutzen die Corona-Maßnahmen als Hebel für dieses lang gehegte Ziel.

Mit Corona hat das alles fast gar nichts mehr zu tun. Wären alle Menschen vernünftig und zwar weltweit, hätte sich die Pandemie ohnehin längst erledigt. Es müssten sich nur alle wenigstens 4 bis 6 Wochen lang an die Abstandsregeln halten, eine Maske tragen und auf unnötiges Reisen verzichten. Schon wären sämtliche Infektionsketten unterbrochen und es müssten nur noch die Infizierten für ein paar Wochen in Quarantäne. Aber leider sind viele Menschen nun einmal nicht vernünftig.

Ob nun aus Dummheit, blindem Extremismus oder Eigennutz, einige wollen einfach nicht einsehen, dass sie durch ihr eigenes Verhalten einen zweiten Lockdown heraufbeschwören. Insbesondere gegenüber Risikogruppen ist das höchst unsolidarisch und rücksichtslos, doch letztendlich gefährden sich die betreffenden Personen auch selbst. Es ist einfach unverantwortlich, wenn dann noch alternative Medien etwas von „Gehorsamsexperimenten“ schwafeln, wo es doch lediglich um ein vernünftiges Maß an Selbstdisziplin geht. Die traurige Wahrheit ist, dass die Krise längst vorüber sein könnte, wenn selbige nicht von diversen Kräften missbraucht werden würde, um politisch Stimmung zu machen.

Wer noch einen Funken Vernunft übrig hat, sollte lieber an die sozialen Folgen der aktuellen Corona-Politik denken. Die Bundesregierung macht selbstverständlich viel verkehrt und manches davon ganz bewusst zum Schaden der Bevölkerungsmehrheit. Das betrifft jedoch nicht die Maskenpflicht oder Verbote von Großveranstaltungen, sondern die zutiefst unsozialen Rettungspakete zugunsten des Großkapitals. Es wäre weitaus wichtiger, gerade jetzt die Systemfrage zu stellen und z.B. ein bedingungsloses Grundeinkommen einzufordern, anstatt sich über ein Stück Stoff aufzuregen, das man lediglich in Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln und bei Massenversammlungen tragen muss. Die Masken werden nach dem Ende der Pandemie verschwinden, die sozialen Folgen nicht!

Braune Haut, braune Gesinnung

von Anton Nymous

In den 1990ern konnte man Rechtsextremisten noch sehr leicht an ihrem Äußeren erkennen. Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel oder altbacken in Anzug mit brauner Krawatte. Heute ist das viel schwieriger geworden. Es gibt Nazipunks mit bunten Haaren, Nazihipster, Nazihopper und sogar Nazihippies. Richtig krude wird es jedoch, wenn sich Menschen dunkler Hautfarbe mit offenkundig ausländischen Namen an die Spitze der rechten Bewegung setzen, um dort rassistische Hetze und reichsdeutsche Gesinnung zu verbreiten.

Was wie Satire oder ein extrem bescheuertes Selbstmordkommando klingt, ist längst traurige Realität und scheint obendrein noch zu funktionieren. Während andere Migranten von Nazis bedroht, angegriffen und ermordet werden, feiern dieselben Rassisten neuerdings Xavier Naidoo, Attila Hildmann und Homib Mebrahtu. Warum ein Inder, ein Türke und ein Eritreer so großen Anklang bei den Rechtsextremisten finden, ist dabei noch halbwegs nachvollziehbar, denn immerhin bestätigen sie deren rassistisches Weltbild. Warum sie selbst aber einer Ideologie frönen, welche Deutschland von ihresgleichen säubern möchte, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand.

Am prominentesten ist sicherlich Xavier Naidoo, also fangen wir gleich bei ihm an. Seine Eltern stammen aus Südafrika, allerdings hat seine Mutter irische und sein Vater indische Wurzeln. Nun könnte man meinen, dass sich bereits Mahatma Gandhi bei seinem Aufenthalt in Südafrika rassistisch geäußert hat, als er bei einer Zugfahrt ins Abteil der Schwarzen gesteckt wurde. Allerdings war Naidoo ursprünglich gar nicht so drauf. Im Gegenteil hatte er in seiner Schulzeit selbst Erfahrungen mit rassistischem Mobbing machen müssen und engagierte sich Anfang des Jahrtausends bei dem Musikerzusammenschluss Brothers Keepers gegen Rechtsextremismus. Davon hat er sich nunmehr distanziert und behauptet, es gäbe keine rechte Gewalt.

Was muss da schief gelaufen sein, dass jemand wie Naidoo die Seiten wechselt und genau bei denen landet, die ihn einst wegen seiner Hautfarbe schikaniert haben? Manche meinen, diese Entwicklung hätte 2012 mit einem Hidden Track des Albums „Gespaltene Persönlichkeit“ begonnen. In diesem singt der Rapper u.a. über rituellen Kindesmissbrauch. Tatsächlich gibt es solche Praktiken im Satanismus, weshalb die entsprechenden Songpassagen weniger problematisch sind als die offen homophoben Äußerungen, wobei Naidoo Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleichsetzt.

Seine Homophobie sitzt schon lange sehr tief und dürfte das Resultat seiner streng katholischen Erziehung sein. Das erklärt auch, warum er sich nur auf den rituellen Kindesmissbrauch im Satanismus konzentriert und über die gleichermaßen widerlichen Vorgänge in der katholischen Kirche schweigt. Dass sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige viele Gesichter hat, ist ein Fakt. Doch statt Fakten kommen von Naidoo inzwischen nur noch Fake News über unterirdische Anlagen, in denen angeblich Kinder in Käfigen gehalten werden, um ihr Adrenochrom zu ernten. Diese Behauptungen kommen nicht von ungefähr, sondern von QAnon, zu dessen Anhängern der Sänger längst gehört.

Dieser Dammbruch nach rechts erfolgte spätestens 2015 mit Beginn der Flüchtlingskrise. Den Fokus legte Naidoo dabei nicht nur auf Flüchtlinge, sondern auch auf reichsdeutsche Verschwörungstheorien. So teilte er die Falschbehauptung, die BRD sei eine GmbH und das Deutsche Reich bestehe fort. Zudem begann er, Begriffe wie „Lügenpresse“ zu benutzen und das nicht etwa in Bezug auf die BILD, wo es durchaus den Tatsachen entsprechen würde.

Was nicht ganz ins Bild passt, sind seine Ansichten über Muslime, die laut ihm „den neuen Judenstern“ tragen würden. Es stimmt zwar, dass Muslime in Europa ausgegrenzt werden, allerdings genau von den Leuten, denen Xavier Naidoo sich inzwischen angeschlossen hat. Der Vergleich mit den Juden ist derweil eine Verharmlosung des Holocausts, was den Verdacht nahe legt, dass er lediglich den Antisemitismus manch muslimischer Extremisten wie der Hamas teilt.

Das passt wiederum sehr gut ins Bild, denn Naidoo ist ein christlicher Zionist. Das hat absolut nichts mit jüdischem Zionismus zu tun, sondern verkörpert den Alleinanspruch des Christentums auf das Heilige Land. Anspielungen auf den Berg Zion finden sich in so ziemlich allen Albentiteln der Söhne Mannheims.

Wie krass fundamentalistisch der Sänger denkt, äußert sich auch in seinem Glauben, dass wir aktuell in der Endzeit leben würden und die Apokalypse unmittelbar bevorstünde. Man könnte fast meinen, er sehne sich den Weltuntergang geradezu herbei. Allerdings steht er dabei mitnichten auf der Seite Gottes, denn sonst würde er nicht finstere Mächte wie Trump unterstützen. Ist Naidoo wirklich so dumm, den US-Autokraten für den Messias zu halten? Möglicherweise ja, denn immerhin glaubt er auch, die Erde sei flach und Außerirdische seien Dämonen aus dem Erdinneren. An den Klimawandel und das Coronavirus glaubt er derweil nicht, obwohl die Existenz des einen wie des anderen wissenschaftlich erwiesen ist.

Diesbezüglich ist er also schon mal auf einer Linie mit Trump und der AfD. Doch glaubt er allen Ernstes, Faschisten seien die Armee Gottes im Kampf gegen das Böse? Dazu sind ihre Verbrechen schlichtweg zu teuflisch. Dennoch positioniert er sich neuerdings ganz weit rechts, indem er jeden Tweet mit drei Herzen in Schwarz/Weiß/Rot abschließt. Eine Liebeserklärung an ein Deutsches Reich, welches Menschen wie ihn für minderwertig hält und verabscheut.

Eigentlich fehlt nur noch, dass er gegen die Rassenvermischung wettert und die Reinhaltung des deutschen Blutes fordert. Als Halbinder und Halbire, der nicht mal einen deutschen Namen hat, muss er diesbezüglich ja ein absoluter Experte sein! So viel Dummheit lässt sich nicht mal mehr mit einem rassistischen und christlich-fundamentalistischen Weltbild erklären, sondern nur noch mit fortgeschrittener Geisteskrankheit. Oder ist Xavier Naidoo am Ende vielleicht ein autorisierter Held der Pop-Okkultur, der wissentlich Bullshit im Rahmen einer faschistischen Agenda verbreitet?

In jedem Fall ist er Teil eines rechten Netzwerkes, dem auch der Deutschtürke Attila Hildmann angehört. Wie schon der Sänger begann auch dieser vegane Kochbuchautor während der Flüchtlingskrise 2015 mit seinen rassistischen Äußerungen. So sprach er in Bezug auf das Thema Integration von einer „Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur“. Zumindest er ist ja bestens integriert, wenn auch nur in der rechtsextremen Szene.

Selbstverständlich gibt es ebenso türkische Nazis wie die Grauen Wölfe und Erdogan belegt zweifelsohne den ersten Platz beim Hitlerähnlichkeitswettbewerb. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass die deutschen Nazis plötzlich türkenfreundlich sind. Das passt ja nicht zu deren paranoiden Wahnvorstellungen vom „Bevölkerungsaustausch“. Wenn es nach den Faschisten ginge, hätten Osmanen nichts in Deutschland zu suchen. Attila sollte da keine Ausnahme bilden, denn seine Haut ist einfach nicht weiß genug für den „Arierpass“.

Dennoch gibt er sich größte Mühe, dazu zu gehören. So äußert er sich zunehmend antisemitisch, empfiehlt die Lektüre der gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ und behauptet, die Juden wollten „die deutsche Rasse auslöschen“. Mal davon abgesehen, dass der Rassebegriff völlig falsch ist, scheint er selbst kein Problem damit zu haben, sein eigenes undeutsches Blut einzubringen. Wenn Attila schon der kruden Rassenlehre anhängt, sollte er doch wenigstens konsequent sein.

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Ein weiterer Punkt, der ihn mit Hitler verbindet, ist seine fleischlose Ernährung. Im Gegensatz zur Menschheit liegen ihm Tiere offenbar am Herzen. Hildmann würde niemals ein Tier verspeisen. Einen Porsche mit Ledersitzen kaufen allerdings schon. Halten wir einmal mehr fest, dass der deutschtürkische Suppenkasper die Inkonsequenz in Person ist.

Anderseits muss Attila schon total durch den Wind sein, wenn er jede noch so hanebüchene Verschwörungstheorie aus dem Internet teilt. So behauptet er u.a., dass die Pfarrerstochter Angela Merkel eine Jüdin sei, die installiert wurde, um die Deutschen auszurotten. Ihm zufolge gehöre sie demselben Stamm an wie Soros, Zuckerberg, die Rothschilds, Warburgs und Helmut Kohl. Sowohl Kohl als auch Merkel gehören jedoch dem christlichen Glauben an und sind allemal deutscher als Hildmann es je sein wird.

Beweise hat er für seine Behauptungen selbstverständlich keine. QAnon oder das Compact-Magazin müssen als Quellenangabe reichen. Dort informiert er sich auch gleich über Corona und nutzt die Pandemie, um noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Allerdings sind die Teilnehmerzahlen seiner Kundgebungen rückläufig und mit Sicherheit will sich ein Teil seiner Follower auf Twitter eher über seine kognitiven Ausfälle amüsieren, als selbige ernst zu nehmen.

Erschreckend ist aber dennoch, dass überhaupt Menschen solchen Psychopathen zuhören, die Gift und Galle in die Welt spritzen. Ein weiterer rassistischer Hetzer, der auf immerhin 42.700 Youtube-Abonnenten kommt, ist Hyperion. Auf seinem Kanal erklärt er u.a. „Warum Vielfalt unsere Schwäche ist“. Auch sonst strotzen seine Videos nur so von ausländerfeindlicher Hetze, insbesondere gegen Flüchtlinge aus Afrika.

Doch nun kommt die Ironie: Hinter Hyperion verbirgt sich Homib Mebrahtu, der im Kindesalter mit seinen Eltern von Eritrea nach Deutschland geflüchtet ist. Dennoch fühlt er sich hierzulande von allen bedroht, die sein Schicksal teilen. Er selbst sieht sich als Deutscher, der seine Kultur vor Fremdeinflüssen bewahren will, weshalb er sogar der AfD beigetreten ist.

Wie erträgt sich so ein Mensch eigentlich selbst? Und warum bekommt er Beifall von deutschen Neonazis? Okay, er erzählt ihnen, was sie hören sollen. Aber sind die deshalb plötzlich alle farbenblind? Er selbst muss wohl daheim alle Spiegel verhüllt haben, dass ihm der offensichtliche Widerspruch seiner rassistischen Ideologie nicht auffällt.

Sein Hass auf Muslime könnte immerhin noch damit erklärt werden, dass er selbst Christ ist und es in afrikanischen Ländern immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Religionen kommt. Das ist zwar pauschalisierend, aber zumindest nachvollziehbar. Seine Hetze gegen Flüchtlinge kann derweil nur mit grenzenlosem Selbsthass oder mit massivem Geltungsbedürfnis erklärt werden. Es scheint fast so, als sei hier ein deutscher Faschist im falschen Körper reinkarniert.

Wirklich alle Aspekte des deutschen Faschismus lassen sich bei ihm wiederfinden. Seine Videos triefen nur so vor Antikommunismus und Hass auf die Antifa. Mebrahtu stellt sich damit gegen all jene Menschen, die ihn einst in Deutschland willkommen geheißen haben, um damit diejenigen zu beeindrucken, die seinesgleichen am liebsten sofort abschieben oder besser gleich erschießen würden.

Hyperion lässt wirklich keine Gelegenheit aus, Antifaschisten und Linke als gemeingefährliche Terroristen darzustellen. Natürlich sind die auch alle vom Staat bezahlt und bekommen für jede Demoteilnahme Honorar, wie sonst könnten sie sich Luxusvillen und Ferraris leisten. Wo wir schon mal dabei sind, der Staat schuldet uns noch eine Phantastilliarde Euro für unser antifaschistisches Engagement. Bisher haben wir noch keinen müden Cent gesehen! Oder sind die Behauptungen der Rechtspopulisten etwa alle frei erfunden?

Wenn dann tatsächlich mal ein Terroranschlag wie in Hanau mit rund einem Dutzend Toten stattfindet und – welch Überraschung – der Täter kein Antifa, sondern ein Neonazi war, kommen Volksverhetzer wie Mebrahtu in Erklärungsnot. Hinter solchen Taten können laut ihnen nur psychisch kranke Einzeltäter stecken. Der NSU bestand dann wohl auch nur aus geisteskranken Einzeltätern und davon gleich drei Stück auf einmal. Plus ein gut organisiertes Unterstützernetzwerk aus lauter Einzeltätern.

Eine Psychose äußert sich u.a. in Wahnvorstellungen. Das war bei Tobias Rathjen aus Hanau zweifelsohne der Fall, immerhin hat er die paranoiden Verschwörungstheorien von QAnon für voll genommen und sein gesamtes Weltbild darauf aufgebaut. Ein Weltbild, welches auch Hyperion in seinen Videos propagiert. Wie der Rest der AfD trägt er damit eine Mitverantwortung für solche rassistischen Massenmorde.

Dabei ist er nicht mal der einzige Schwarze in der AfD. Kamerad Achille Demagbo wetterte ebenfalls schon: „Wir dürfen Deutschland nicht mit Afrikanern überfluten!“. Sagt er! Als Afrikaner! Warum ist er dann noch hier? Hält der sich für witzig? Zumal er nicht wie andere vor Krieg oder Hunger fliehen musste, sondern ein reiner Wohlstandflüchtling ist. Was Mebrahtu und Demagbo mit ihrer rechten Hetze anrichten, werden sie wohl erst dann begreifen, wenn sie selbst Opfer eines rassistischen Übergriffs werden.

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Gleiches gilt für Xavier Naidoo und Attila Hildmann. Es kann einfach nicht funktionieren, dass ein Inder, ein Türke und ein Eritreer die White Power Bewegung anführen. Vielleicht spekulieren sie darauf, dass die deutschen Neonazis vor lauter brauner Gesinnung ihre braune Hautfarbe nicht mehr erkennen. Immerhin saß mit Safet Babic sogar schon ein vorbestrafter Bosnier für die NPD im Stadtrat von Trier, obwohl diese Partei doch eigentlich die Abschiebung krimineller Ausländer fordert.

Letztendlich werden sich Naidoo, Hildmann und Mebrahtu mit ihrer Ignoranz selbst schaden. Über die Ironie könnte man dabei fast lachen, wenn sie nicht auch unzähligen anderen schaden würden, die täglich Opfer von Rassismus und rechter Gewalt werden. Aus genau diesem Grund sollten alle drei wegen Volksverhetzung verknackt und von Twitter sowie Yuotube gesperrt werden!

Ausländerfeindliche Ausländer. Man fragt sich wirklich, was als Nächstes kommt? Juden und Muslime in der AfD? Ach stimmt, gibt es ja schon. Vielleicht verheiratete Homosexuelle mit Kindern, die einer Bundestagsfraktion vorsitzen, welche gegen die Homoehe klagt und auf dem traditionellen Familienbild besteht? Oh, richtig, Alice Weidel. Was die Rechten heutzutage auffahren, kann sich keine Satire-Show ausdenken!

Die USA versinken im Bürgerkrieg

von Anton Nymous

Am 25. Mai wurde in Minneapolis (Minnesota) der 46-Jährige Afroamerikaner George Floyd von Polizisten getötet. Angeblich soll er in einem Geschäft mit Falschgeld bezahlt haben. Doch selbst wenn das stimmen würde, wäre eine Hinrichtung unverhältnismäßig. Eine Straftat stellt ein Mord in jedem Fall dar und so wurden die verantwortlichen Polizisten suspendiert und inzwischen auch verhaftet. Doch leider ist dieses jüngste Ereignis kein Einzelfall.

In den USA sind rassistische Morde durch Polizisten trauriger Alltag. Das Zücken eines Handys kann da schon ausreichen. Joggen gehen kann für Afroamerikaner ebenfalls schnell tödlich enden, denn der rassistischen Logik mancher Polizisten zufolge muss jeder Schwarze, der rennt, ein flüchtiger Verbrecher sein. Der Klassiker ist aber das Anhalten von Autos mit schwarzen Fahrern und sobald diese die verlangten Fahrzeugpapiere aus dem Handschuhfach holen, wird sofort das Feuer eröffnet. Ganz egal, ob auch Kinder im Auto sitzen, welche dann ein Leben lang die traumatische Ermordung ihrer Eltern verarbeiten müssen.

Die Liste der Morde an Schwarzen durch die Polizei ist lang und kann hier nachgelesen werden. Es sollte angesichts dessen nicht verwundern, dass es infolge jedes weiteren Mordes zu Massenprotesten kommt. So auch aktuell in Minneapolis, wo gerade die schlimmsten Unruhen seit den 1960ern ausgebrochen sind. Die Heftigkeit mag dabei im Zusammenhang mit dem massiven gesellschaftlichen Rechtsruck unter einem rassistischen Präsidenten stehen.

Anfangs versprach Donald Trump noch Gerechtigkeit. Eine hohle Floskel, die vielseitig ausgelegt werden kann. Sie dient nicht dazu, die Gemüter zu besänftigen und das will Trump auch gar nicht. Die Unruhen kommen ihm mehr als gelegen. Er benutzt sie, um jedes antifaschistische Engagement als vermeintlichen Terrorismus zu verbieten und will als erster US-Präsident das Militär im Inland gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Wenn Antifaschismus zur Straftat erklärt wird, dann kann das eigentlich nur bedeuten, dass die USA längst im Faschismus angelangt sind.

Das Ganze wirkt dabei inszeniert und von langer Hand geplant. Tatsächlich ist längst aufgeflogen, dass sich Rechtsextremisten und sogar getarnte Polizisten unter die Demonstranten in Minneapolis gemischt und u.a. Geschäfte geplündert haben. Zwar ist die Wut der Bevölkerung groß und die Angriffe auf die Polizei sind teils eine direkte Folge des jüngsten Mordes. Doch warum sollten die Menschen unschuldige Ladenbesitzer ausrauben und unbeteiligte Passanten attackieren? Von dem Bild, welches hier erzeugt wird, profitieren einzig die Faschisten.

Nun ist es ja wirklich nichts Neues, dass Polizisten in Zivil und auch Neonazis als Agent Provokateure auftreten. Das kennen wir bereits vom G20-Gipfel in Hamburg. Zudem haben die Nazis Operationen unter falscher Flagge schon seit dem Reichstagsbrand und dem Überfall auf den Sender Gleiwitz drauf. Darin haben sie inzwischen so viel Übung, dass es für sie schon zur Routine geworden ist.

Im Zeitalter des Internets sind die Möglichkeiten dabei noch weitaus vielfältiger und die Methoden einfacher geworden. Da reicht es schon, wenn Rechtsextreme einen Twitter-Account unter dem Namen „Antifa USA“ anmelden und dort zu Gewalt aufrufen. Eine Steilvorlage für Trump, der nun gegen die Antifa vorgehen will, obwohl seine eigenen Anhänger dahinter stecken. Natürlich wird er sich vom Auffliegen dieser False Flag Operation nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen.

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Im Gegenteil hat Trump noch einen oben drauf gesetzt und den roten Winkel zu einem Antifa-Symbol erklärt. Tatsächlich handelt es sich aber mitnichten um ein antifaschistisches Symbol, sondern um eine Kennzeichnung, mit der im 3. Reich politische KZ-Häftlinge markiert wurden. Verwendet wird der rote Winkel nur von einer antifaschistischen Organisation und zwar vom Verband der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten. Dabei handelt es sich aber um einen deutschen Verein, der 1947 von Holocaustüberlebenden und Widerstandskämpfern gegründet wurde. Die Verwendung des roten Winkels durch den VVN BdA geht auf die persönliche Vergangenheit der Vereinsgründer als Opfer der Nazis zurück, was durch die blau-weißen Häftlingsstreifen im Hintergrund unterstrichen wird.

Die USA hatten damals zusammen mit den Alliierten gegen die Nazis gekämpft und geholfen, die Konzentrationslager zu befreien. Es ist daher eine Schande, dass der heutige US-Präsident Nazisymbole verwendet, um damit erneut Antifaschisten zu markieren. Dabei ist es sehr unwahrscheinlich, dass Trump nicht über die Geschichte des Holocausts im Bilde ist. Vielmehr scheinen er und seine Wahlkampfberater eine unmissverständliche Botschaft an die Antifaschisten schicken zu wollen. Er hätte genauso gut einen gelben Stern zum Symbol der Antirassisten erklären können. Kein Wunder, dass es sogar Mark Zuckerberg zu viel wurde und dieser Trumps Eintrag auf Facebook löschen ließ.

Der US-Präsident lebt längst in seiner eigenen Welt, in der seine Lügen zur alleingültigen Wahrheit werden. Dieses kranke Weltbild verbreitet er mit allen Mitteln, sei es mit seinem eigenen Twitter-Account oder über Fox News. Von wegen die Massenmedien wären alle gegen ihn. Einige ja und das auch aus gutem Grund. Aber Fox News als einer der wichtigsten Nachrichtensender der USA steht genauso hinter Trump, wie die BILD in Deutschland die WerteUnion und AfD nach besten Kräften unterstützt.

Hinzu kommen unzählige alternative Medien, die entweder schon immer rechts waren oder in den letzten Jahren einen massiven Rechtsruck hingelegt haben. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Alternativmedien in Wirklichkeit Systemmedien des ultrarechten Flügels der herrschenden Elite sind. Wahrscheinlich steckt hinter QAnon wirklich ein Vertrauter des US-Präsidenten, wenn nicht sogar der Präsident höchstselbst. Dafür spricht, dass sowohl QAnon als auch Trump selbst sich als Opfer stilisiert und dabei seine Propaganda in die Köpfe seiner Anhänger hämmert.

Sein Opfermythos geht dabei so weit, dass er bei der letzten Präsidentschaftswahl Wahlfälschung witterte, obwohl er diese gewonnen hat. Das einzig Manipulative ist jedoch das Wahlmännersystem, bei dem es keine Rolle spielt, ob Clinton rund eine halbe Million Stimmen mehr hatte, wenn am Ende die Wahlmänner nach Bestechlichkeit entscheiden.

Für die nächste Wahl prognostiziert Trump schon im Voraus Fälschungsversuche, wobei er vor allem die Briefwahl in Misskredit zu bringen versucht. Schuld sollen natürlich wieder die Demokraten sein, die angeblich den Tiefenstaat kontrollieren. Dabei haben die Demokraten Trump das größte Geschenk gemacht, indem sie statt Bernie Sanders Joe Biden aufgestellt haben. Biden gilt als konservativ und zudem ist seine Demenzerkrankung kaum noch zu leugnen, weswegen sein Wahlsieg eher unwahrscheinlich ist. Falls Trump die Wahl gegen einen solch schwachen Kandidaten verlieren sollte, dann durch sein eigenes Verschulden, weil er sich aufführt, als sei er bereits Diktator auf Lebenszeit.

Des Weiteren stimmt es einfach nicht, dass die Demokraten den Staat und seine Behörden kontrollieren. Ja, es gibt neben Republikanern auch Demokraten in den Behörden. Und ja, manche Beamten bremsen Trump tatsächlich aus, wenn er etwas Illegales macht. Das nennt man Pflichtbewusstsein. Der Einzige, der jedoch versucht, den Staat zu seinen Gunsten umzubauen, ist Trump selbst! So hat er sich bereits eine republikanisch-konservative Mehrheit im Obersten Gerichtshof geschaffen, womit dieser seiner absoluten Machtergreifung nicht mehr im Weg steht.

Wie größenwahnsinnig Trump bereits ist, kann man aus seiner Ankündigung ablesen, das Wahlergebnis nur dann anzuerkennen, wenn es zu seinen Gunsten ausfällt. Ein seltsames Demokratieverständnis und spätestens nach seiner Wiederwahl wird er die Maske endgültig fallen lassen und die Begrenzung der Präsidentschaft auf zwei Amtsperioden aufheben. Vorausgesetzt natürlich er gewinnt die Wahl.

Sollte Trump die Wahl jedoch verlieren, hat er ebenfalls schon vorgesorgt. Seine Anhänger haben sich längst bis an die Zähne bewaffnet, in Bürgerwehren organisiert und drohen unverhohlen vor laufender Kamera, Trumps Präsidentschaft im Falle seiner Abwahl mit Gewalt durchzusetzen. Das Zusammenziehen des Militärs in Washington kann ebenfalls als Vorbereitung für einen Militärputsch interpretiert werden. Zwar sind 40% der Soldaten Nichtweiße und könnten daher den Gehorsam gegenüber einem Rassisten verweigern, aber der Rest zusammen mit den Bürgerwehren stellt eine reale Gefahr dar.

Die USA befinden sich aktuell am Rande eines Bürgerkrieges und sind nur noch eine Wahl von der Errichtung einer Militärdiktatur entfernt. Eine Demokratie sind die USA selbstverständlich schon lange nicht mehr. Längst haben die Wallstreet, der militärisch-industrielle Komplex und die Geheimdienste das Sagen. Der letzte Präsident, der sich dagegen gestellt hat, wurde 1963 in Dallas erschossen.

Dennoch hatten die USA bisher eine absolute Meinungsfreiheit und jeder Einwohner mit ausreichendem Einkommen konnte sein Leben einigermaßen frei gestalten. Damit könnte demnächst Schluss sein. Die USA werden schon bald den Faschismus in seiner vollendeten Form erleben. Trump könnte dabei die Rolle des 3. Antichristen zufallen, egal wie christlich er sich gibt. Er ist ein Blender, ein Täuscher, ein rassistischer und sexistischer Hetzer, ein notorischer Lügner, Narzisst und gefährlicher Psychopath. Wer ihm folgt, wird seine Hände früher oder später im Blut Millionen Unschuldiger baden.

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In Deutschland gilt gleiches für die Anhänger des Rechtspopulismus. Erst kürzlich ist durch geleakte Facebookchats bekanntgeworden, dass rechtsextreme Bundeswehrreservisten einen „Rassenkrieg“ vorbereiten. Der Gruppierung gehören mehrheitlich Mitglieder der Burschenschaft Germania Leipzig sowie ein Fraktionsmitarbeiter der sächsischen AfD an. Die zahlreichen Verbindungen zwischen Neonaziszene, AfD, Militär, Polizei, Geheimdiensten und Justiz (Stichworte: Uniter, Hannibal, Nordkreuz etc.), wären einem Putsch ebenfalls dienlich.

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Die öffentliche Meinung könnte von diesem rechten Netzwerk ebenfalls leicht nach US-Vorbild manipuliert werden. Ein paar über Fake-Accounts gestreute Hetzkommentare auf linken Webseiten oder Angriffe durch schwarz Vermummte und schon lassen sich die gewünschten Schlagzeilen erzeugen. Die Massenmedien, insbesondere die BILD, erweisen den Faschisten mit ihrer antilinken Hetze dabei einen großen Dienst, indem sie die Stimmung weiter zu ihren Gunsten kippen lassen. Möglicherweise steht uns ein globaler Bürgerkrieg bevor, der von Faschisten angeführt für ethnische und ideologische Säuberungen benutzt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die breite Masse nicht auf dieses abartige Spiel einlassen wird.

Hass, Hetze und Verschwörungstheorien

Aktuell hört man in den Massenmedien wieder häufig das Wort „Verschwörungstheoretiker“. Oft werden dabei alle bunt in einen Topf geworfen, völlig egal ob sie zu recht das herrschende System kritisch hinterfragen, einfach nur kruden Mist verbreiten oder selbst Teil einer rechten Verschwörung sind. Leider machen es gerade die Rechtspopulisten und Nazis den Herrschenden leicht, neben ihren wirklich gefährlichen Wahnvorstellungen auch alle anderen Kritiker zu diffamieren.

Im Netz kursieren derzeit allerhand krude Verschwörungstheorien, angefangen bei Bill Gates‘ angeblichen Weltherrschaftsplänen bis hin zu QAnon. Allerdings hat das nicht erst mit Corona angefangen. Auch die Märchen von der „Umvolkung“ und der „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“ sind nach wie vor Dauerbrenner. Reale Verschwörungen wie Korruption, neoliberale Netzwerke und Geheimgesellschaften oder rechtsextreme Netzwerke in Polizei und Militär gehen dabei entweder unter oder werden oft mit in die Lächerlichkeit gezogen.

Ob das ein gewollter Effekt ist, sei einmal dahingestellt. Hinter dem, was rechte Blogger, Youtuber und Twitterer verbreiten, steckt jedenfalls eine einheitliche Agenda. Alles, was diese so genannten „Alternativmedien“ den Massenmedien vorwerfen, trifft dabei auf sie selbst zu. Sie sind absolut gleichgeschaltet, wobei die meisten Fäden bei der AfD zusammenlaufen. Sie verbreiten Lügen und manipulieren ihr Publikum. Die Filterblasen, die sie erschaffen, wirken regelrecht wie eine Gehirnwäsche.

Solche Methoden kennt man auch von Sekten und tatsächlich verbirgt sich hinter dem Portal Klagemauer TV sowie der daran angegliederten AZK (Antizensurkoalition) eine Sekte namens Organische Christus Generation. Zudem hat die AZK auch schon $cientology eine Plattform gegeben, um ihre Propaganda zu verbreiten. Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Bei den meisten anderen rechten Verschwörungsplattformen steckt keine religiöse Gruppierung dahinter, Anknüpfungspunkte zu brauner Esoterik, Okkultismus und dergleichen finden sich dennoch immer wieder.

In der folgenden Doku „Infokrieg – Wie die neuen Rechten die Medien hacken“, werden die Methoden der blau-braunen Internetfront sehr genau analysiert und ihre Netzwerke aufgedeckt. Während die Faschisten im Minutentakt wilde Behauptungen aufstellen oder diese unkontrolliert verbreiten, hat das Y-Kollektiv ein Jahr lang intensiv recherchiert. Die meisten rechten Blogger zeigten sich dabei wenig gesprächsbereit. Die Wenigen, die sich vor die Kamera getraut haben, geben derweil erschreckende Einblicke in die Szene. Gleiches gilt für die Aussteiger, die massiv diffamiert und bedroht werden.

KenFM und die Öffnung nach rechts

von Joe Doe

Nicht noch ein Verriss über KenFM, werden jetzt einige denken. Tatsächlich gibt es schon viel zu viel boshafte und sogar verleumderische Kritik am Newsportal von Ken Jebsen, auf die sich dieser Artikel keinesfalls stützen will. Im Gegenteil gab es einst auf der Internetseite und dem Youtube-Kanal von KenFM zahlreiche gute Beiträge, die auch schon auf diesem Blog geteilt worden sind. Leider fällt seit ca. 3 Jahren auf, dass sich KenFM in eine Richtung entwickelt, welche es schwierig bis unmöglich macht, dieses alternative Medium noch weiter zu unterstützen.

Doch werfen wir zuvor noch kurz einen Blick auf die Person Ken Jebsen sowie die Entstehung von KenFM. Über Jebsens biografischen Hintergrund ist nicht viel bekannt, nur dass er 1966 als Kind einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters in Krefeld geboren wurde. Bei seinem Namen soll es sich um ein Pseudonym handeln. In einem Interview bei Radio Fritz gab er an, mit bürgerlichem Namen Moustafa Kashefi zu heißen, was er später jedoch in einem Interview mit Mathias Bröckers als ausgedachten Scherz abtat.

Seine Karriere als Radiomoderator begann 1987 bei Radio Neufunkland in Reutlingen, wo er bis 1991 blieb. Danach war er als Fernsehreporter bei der Deutschen Welle und 1994 als Showmoderator beim ZDF tätig. 1999 war er zudem in der Pro7 MorningShow zu sehen. Zwischenzeitlich kehrte er zum Radio zurück, wo er beim SFB (Sender Freies Berlin) tätig wurde, der 2003 zusammen mit dem ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg) zum RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) fusionierte.

Sein Programm KenFM startete am 28. April 2001 auf Radio Fritz, einem Hörfunksender, der ebenfalls zum RRB gehört. Ken Jebsen kennt also die Arbeitsweise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus erster Hand, weshalb seine Kritik an selbigem durchaus fundiert ist. Allerdings war er Teil des Systems und verwendet noch immer einige der Methoden. Auch er betreibt Meinungsbildung und zwar massiv. Im Übrigen gibt es kein Medium, auf welches dies nicht zuträfe, einschließlich dieses Blogs. Wer behauptet, völlig neutral und frei von einer eigenen persönlichen Meinung zu sein, lügt schlichtweg.

Ken Jebsens Bruch mit dem RBB erfolgte 2011, nachdem er in einem Chat die unglückliche Formulierung wählte: „„Sie müssen mir nicht den Holocaust erklären, ich weiß, wer ihn als PR erfunden hat.“ Davon erfuhr ausgerechnet Henryk M. Broder, dessen Beschwerde dafür sorgte, dass Jebsen suspendiert wurde. Das könnte nicht ironischer sein, ist Broder doch selbst ein rechter Neoliberalist, der inzwischen als Mitglied der Hayek-Gesellschaft enge Verbindungen zu AfD-Spitzenpolitikern pflegt.

Broders Vorwurf, Ken Jebsen sei ein Holocaustleugner und Antisemit, ist jedenfalls nichts weiter als blanke Verleumdung. Das Zitat wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Jebsen meinte damit nicht, dass der Holocaust eine Erfindung sei, sondern der Missbrauch desselbigen als Propagandamittel, um Kritiker mundtot zu machen. Insbesondere gilt dies für Israelkritiker, die pauschal mit der Antisemitismuskeule verprügelt werden, selbst wenn ihre Kritik berechtigt und sogar links ist.

Bei KenFM sind zwischenzeitlich mehrere Juden wie Moshe Zuckermann zu Wort gekommen und mitunter kommt die Kritik an Israel auch direkt von Juden. Diese betrifft sowohl die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik im Westjordanland als auch die korrupte, neoliberale und in Teilen rassistische Regierung unter dem rechten Hardliner Benjamin Netanjahu. Keiner, der sich links nennt, kann sich ernsthaft hinter diesen israelischen Ex-Ministerpräsidenten stellen und erst recht nicht hinter dessen rechtsextremen Ex-Außenminister Avigdor Lieberman, der in seiner Jugend einer faschistischen Terrororganisation angehörte (was er selbst bestreitet). Nur antideutsche Knallköpfe setzen Kritik an einer solchen Regierung mit Antisemitismus gleich.

Halten wir also fest, dass Ken Jebsen weder ein Holocaustleugner noch ein Antisemit und erst recht kein Neonazi ist. Vorwerfen kann man ihm lediglich, dass seine Israelkritik komplett einseitig ist und er mit keinem Wort darauf eingeht, dass die palästinensische Hamas eine Terrororganisation ist, die sich auf die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ beruft. Jebsen ergreift im Nahostkonflikt unkritisch Partei für jeden, der gegen Israel ist. Das kann durchaus Wasser auf die Mühlen echter Antisemiten und Neonazis sein, wenn auch unabsichtlich.

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Ein weiterer Vorwurf gegen Ken Jebsen ist der des Verschwörungstheoretikers. Dieser ist mitunter legitim, aber ebenso legitim ist es, die offizielle Geschichtsschreibung infrage zu stellen. Dies hat er vor allem in Bezug auf die 9/11-Anschläge getan und berechtigte Fragen zu Ungereimtheiten gestellt. Z.B. warum ist das WTC-Gebäude Nummer 7 zusammengestürzt und warum schwieg der offizielle 9/11 Commission Report dazu? Oder wie konnte Mohammed Attas Pass den Feuerball überstehen und unbeschadet oben auf den Trümmern der WTC Gebäude 1 und 2 landen?

Es gibt noch weit mehr Ungereimtheiten zu den Anschlägen von 2001 und es darf auch nicht vergessen werden, dass die offizielle Version von Ali bin Laden und den 14 Flugzeugräubern nichts als anderes als eine Verschwörungstheorie ist. Übrigens eine noch viel krudere als die Möglichkeit, dass US-Geheimdienste die Anschläge inszeniert haben könnten. Leider ist jedes kritische Hinterfragen dieses historischen Ereignisses ein absolutes Tabu. Während RBB die Antisemitismusvorwürfe gegen Jebsen noch als unbegründet zurückgewiesen hatte, trennte sich die Rundfunkanstalt schließlich am 23. November 2011 doch von ihm, weil seine Beiträge wiederholt nicht den journalistischen Standards des RBB entsprochen hätten.

Es ist offensichtlich, dass bei dieser Entscheidung auch Druck von außen ausgeübt wurde. Selbiges galt bei der Verleihung des Kölner Karlspreises 2017 an KenFM, die eigentlich im Kino Babylon stattfinden sollte. Die Veranstaltung wurde auf Drängen des Berliner Kultursenators Klaus Lederer unterbunden, der dafür die alten Antisemitismusvorwürfe aufwärmte.

Klaus Lederer gehört zum neoliberalen Flügel der Linkspartei, der eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene unter Mittragen der BRD-Staatsräson anstrebt. Das bedeutet eine Befürwortung von NATO-Kriegseinsätzen, die bedingungslose Loyalität zu den USA und Israel sowie strikter Antikommunismus. Man könnte also auch vom rechten Flügel der LINKEN sprechen. Spitzenpolitiker des linken Flügels, darunter Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke, haben sich indessen für die Meinungsfreiheit Jebsens eingesetzt. Die beiden Genannten hatten zuvor auch schon dem Portal KenFM Interviews gegeben.

Zum damaligen Zeitpunkt war das noch absolut legitim, denn KenFM zeichnete sich bis 2017 durch eine strikt anti-imperialistische Berichterstattung aus. Während die neoliberalen Massenmedien und insbesondere Mitglieder der Atlantik-Brücke wie Claus Kleber Kriegspropaganda gegen Syrien, Venezuela, Bolivien und andere vornehmlich sozialistisch regierte Staaten verbreitet haben, hat KenFM immer sachliche Hintergrundinfos zu allen Konflikten recherchiert. Vor allem die auf Youtube veröffentlichten Vorträge von Dr. Daniele Ganser sind diesbezüglich lobend zu erwähnen.

Weiterhin hat sich sowohl Ken Jebsen als Person als auch KenFM als Ganzes in die Friedensbewegung eingegliedert. So nahmen Jebsen und andere Autoren an den Demonstrationen gegen die US-Airbase Ramstein teil, von der aus die Kriege gegen Afghanistan und Irak sowie sämtliche illegalen Drohnenmorde im Nahen Osten gesteuert wurden und werden. Diese Konflikte wurden auf KenFM bisher auch immer als Fluchtursache benannt.

Ken Jebsen, der sich laut eigener Aussage als Weltbürger versteht und alle Menschen ansprechen will, sammelte in der Vergangenheit zudem Spendengelder für das durch die Wirtschaftskrise gebeutelte Griechenland und berichtete direkt darüber, wohin diese Gelder geflossen und wofür sie ausgegeben worden sind. Bis dahin war alles noch okay.

Anfangs hatte sich Ken Jebsen zudem klar von Pegida und der AfD distanziert, während Überläufer wie Jürgen Elsässer längst als Redner in Dresden aufgetreten sind und sich mit Rechtsextremisten wie Götz Kubitschek bei AfD-Parteitagen die Klinke in die Hand gegeben haben. Auf KenFM gab es sogar einige Beiträge, in denen die AfD als neoliberale Systempartei mit Anknüpfungspunkten zur extremen Rechten entlarvt wurde.

Leider hat sich dies inzwischen geändert und zwar radikal! Begonnen hat diese Kehrtwende im Laufe des Jahres 2017, nachdem Donald Trump das Amt des US-Präsidenten angetreten hat. Da die Massenmedien kein gutes Haar an Trump gelassen haben, schaltete Jebsen automatisch in den Verteidigungsmodus. Da er selbst schon angefeindet wurde, ergriff er sofort Partei für Trump. Ganz nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Jebsens Einseitigkeit, die zuvor schon bei seiner Israelberichterstattung kolossal genervt hat, fiel ihm spätestens bei Trump auf die Füße. Wäre er zu differenziertem Denken fähig, hätte er vielleicht erkannt, dass die meisten Vorwürfe der Massenmedien gegen Trump der Wahrheit entsprechen. Trump ist ohne jeden Zweifel ein Rassist, ein Sexist, ein Rechtspopulist und ein narzisstischer Egomane. Die Idee, dass ein korrupter Milliardär mit Verbindungen zur Mafia ein Interessenvertreter des einfachen Volkes sein könnte, ist zudem ein offensichtlicher Widerspruch und daher sagenhaft bescheuert!

Doch Jebsen blieb dabei und setzte sogar noch einen oben drauf, als die Massenmedien über den türkischen Sultan Erdogan ebenfalls negativ berichteten. Prompt ergriff Ken auch für diesen Despoten Partei. Dabei folgt er sogar dem Kurs der deutschen Bundesregierung, denn obwohl Erdogan (zu Recht) kritisiert wird, lässt man ihm doch alles durchgehen. Erdogan fällt völkerrechtswidrig in Syrien ein, die Bundesregierung schweigt und liefert weiter Waffen. Erdogan annektiert syrische Städte wie Afrin, wobei er im Gegensatz zu Putin im Falle der Krim keineswegs die dortige Bevölkerung fragt, sondern abschlachten lässt, aber das Wort Sanktion wagt sich keiner in den Mund zu nehmen. Die Endlösung der Kurdenfrage wird mit deutschen Panzern vorangetrieben, aber weil die deutschen Massenmedien Erdogan anprangern, ist das für Ken alles kein Problem.

So richtig verinnerlicht hat Jebsen den Anti-Imperialismus scheinbar doch nicht. Dazu passt auch, dass er neuerdings rechte Neoliberalisten wie dem Risikomanager Markus Krall eine Plattform bietet, ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Krall ist nicht nur Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH mit Sitz in Frankfurt a.M., sondern schreibt zudem für den rechtskonservativen Blog „Tichys Einblick“ und tritt bei Veranstaltungen der AfD auf, wo er u.a. schon gefordert hat, Arbeitslosen und anderen Leistungsempfängern das Wahlrecht abzuerkennen.

Aber Wahlen fordert Ken ja schon seit jeher zu boykottieren, wohlwissend, dass sich die Gesamtlage dadurch sehr wohl weiter verschlechtern kann. Mag sein, dass bei Wahlen am Ende nur das kleinere Übel herauskommt, aber das ist immer noch besser als ein Viertes Reich. Die kläglichen Reste von Demokratie zu beseitigen ist der feuchte Traum der Neoliberalisten und Faschisten gleichermaßen. Beide gehören dem politisch rechten Spektrum an, weil sie gleiche Rechte für alle Menschen ablehnen und die Menschheit in mehr oder weniger wertvolle und sogar wertlose Individuen unterteilen.

Warum lädt Ken Jebsen, der doch immer von der „Menschheitsfamilie“ redet, rechte Propagandisten ein, welche diese Familie in Herren und Sklaven unterteilen? Warum hinterfragt er nicht deren neoliberale Ideologie, die letztendlich Schuld an allen Kriegen und Krisen ist, über die er zuvor noch kritisch berichtet hat? Die Ausrede, er wolle sich alle Seiten anhören und jeden zu Wort kommen lassen, zieht längst nicht mehr. Denn während Figuren wie Krall immer öfter auf KenFM zu Wort kommen, werden Kommunisten, Anarchisten und Antikapitalisten überhaupt nicht mehr eingeladen.

Ähnlich sieht es bei den Autoren aus. So wurde in den vergangenen zwei Jahren Rainer Rupp immer mehr Platz auf KenFM eingeräumt, der in übelster Manier gegen Flüchtlinge hetzt und rassistische Stereotypen bedient. Wie Elsässer ist auch Rupp ein ehemaliger Linker, der nach ganz rechts übergelaufen ist. Vor der Wende war Rupp ein DDR-Agent, der 1994 wegen Landesverrats verurteilt wurde. Aus der PDS trat er 2003 aus und landete zunächst bei der DKP. 2016 kündigte er schließlich seine Zusammenarbeit mit der linken Tageszeitung „Junge Welt“ und sprach sich während des US-Wahlkampfs für die Kandidatur von Trump aus.

Allein in dieser Personalie steckt jede Menge Ironie. So zieht Ken Jebsen inzwischen permanent Vergleiche der heutigen Politik zur DDR, wobei er die einseitige Dämonisierung der DDR 1:1 von den Massenmedien übernimmt. Dann lässt er aber einen Ex-Agenten der DDR für sich arbeiten, weil dieser sich um 180° gedreht hat. Das ist ja wie bei der CDU, die ununterbrochen auf der LINKEN als SED-Nachfolgepartei rumhackt, während sie selbst in den Ostbundesländern Landtagsabgeordnete mit SED-Vergangenheit in ihren Reihen hat. Derartiges wird gemeinhin als Verlogenheit bezeichnet.

Verlogen ist es auch, wenn Ken Jebsen behauptet, er sei weder links noch rechts und lehne diese Spaltung ab. Zum einen ist die Gesellschaft nun einmal gespalten, egal ob man das wahrhaben will oder nicht. Es gibt wenige Reiche, die den Rest der Menschheit ausbeuten, genauso wie es Faschisten gibt, die andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder was auch immer angreifen. Von einer „Menschheitsfamilie“ zu schwafeln ändert daran nichts!

Zum anderen ist man definitiv ein Rechter, wenn man Ideologien propagiert, die Menschen unterschiedliche Wertigkeiten zusprechen. Das geschieht auf KenFM in zunehmendem Maße. Dabei zählt es auch als rechts, wenn man kein Rassist ist. Ken Jebsen ist mit Sicherheit kein Rassist, denn seine Zielgruppe bleibt ja schließlich nach eigener Aussage der Mensch und als Halbiraner wäre er ja überdies schön blöd, wenn er wie die Neonazis gegen „Rassenvermischung“ wettern oder rechtsextreme Begriffe wie „Umvolkung“ in den Mund nehmen würde.

Und da ist der Knackpunkt. Das rechte Spektrum untergliedert sich in rechts und rechtsextrem. Rechts ist jemand schon, wenn er neoliberale Ideen vertritt und die Menschheit in Reich und Arm unterteilt. Wer dieser Ideologie anhängt, muss noch lange kein Rassist sein, obwohl es wie im Falle von Donald Trump durchaus auch Überschneidungen gibt. Rechtsextrem ist derweil jemand, der die Menschheit zusätzlich aufgrund von Ethnie, Religion, Sexualität usw. in mehr und weniger wertvolle Individuen unterteilt.

Um links zu sein reicht es dagegen nicht, für Frieden zu sein und Flüchtlingen zu helfen, was Ken Jebsen in der Vergangenheit durchaus getan hat. Wenn ein Mitglied der reichen Elite kein Rüstungsunternehmer ist, kann er z.B. absolut für Frieden sein. Ein Neoliberalist kann ebenso Flüchtlinge willkommen heißen, immerhin sind diese für ihn billige Arbeitskräfte, mit denen die Löhne gedrückt werden können. Als rechter Neoliberalist kann man sogar Antifaschist sein, wenn einem die Nazis zu stumpf und brutal sind. Von daher ist Ken Jebsen sicherlich ein Friedensaktivist und Nazigegner, aber noch lange kein Linker.

Linke Schreiberlinge gab und gibt es auf der Plattform KenFM allerdings durchaus. Darunter Susan Bonath, die zwar sicherlich in manchen Punkten kontrovers ist, jedoch stets eine klare antikapitalistische sowie anti-imperialistische Linie fährt. Ihre Beiträge für die Tagesdosis zeichneten sich durch gute Recherche und einen unmissverständlichen Klassenstandpunkt aus. Leider hat Ken Jebsen ihre Tätigkeit zunehmend eingeschränkt und dafür Rechtspopulisten wie Rainer Rupp mehr Platz eingeräumt.

Ob es dabei nur um Klickzahlen und die Zufriedenstellung des tendenziell eher rechten Publikums ging oder Ken aus persönlicher Überzeugung gehandelt hat, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls konnte Susan Bonath den Rechtsruck nicht länger ertragen und verabschiedete sich daher von KenFM. Leider trägt ihr Weggang natürlich dazu bei, dass die rechten Tendenzen sich nun noch weiter verschärfen. Dennoch ist ihre Entscheidung nachvollziehbar und zumindest muss sie sich nicht als Querfrontlerin beschimpfen lassen.

Da Ken Jebsen einerseits linke Autoren schasst, auf der anderen Seite aber Wahlkampf für Milliardäre wie Trump macht und Neoliberalisten wie Krall eine Plattform bietet, begibt er sich definitiv ins rechte Spektrum. Dabei nimmt er Trumps Rassismus sowie Kralls Nähe zur AfD zumindest billigend in Kauf. Gleiches gilt für seine offen zur Schau gestellte Solidarität mit Xavier Naidoo, der trotz seines offenkundigen Migrationshintergrunds immer radikalere Ansichten der extremen Rechten vertritt.

Ähnlich wie die Hiphop-Band Die Bandbreite, die einst „Kein Sex mit Nazis“ forderte und heute bei Wahlkampfveranstaltungen der AfD auftritt, rappte Naidoo einst als Teil der Brothers Keepers gegen Fremdenfeindlichkeit, verbreitet inzwischen aber reichsbürgerliche Verschwörungsphantasien. Jemand, der die BRD mit einer gleichnamigen GmbH gleichsetzt, wird bestimmt nicht missverstanden, wie es Ken Jebsen darstellt. So jemand ist ein rechter Desinformant!

Und da wären wir schon beim letzten Punkt. Es stimmt zwar, dass KenFM in der Vergangenheit viel Wahres aufgedeckt und berichtet hat. Mit Sicherheit hat er viele Menschen wach gerüttelt und zum Nachdenken gebracht. Das ist ohne Zweifel ein Verdienst. Doch indem er nun einen Rechtsschwenk macht, reißt er alles wieder ein und treibt seine Anhänger in die Fänge der neoliberalen Agenda. Er gibt zwar weiterhin vor, gegen das Establishment zu sein, doch seine neuen Freunde von Trump bis Krall gehören zum Establishment. Übrigens findet sich dieser innere Widerspruch auch bei der AfD und allen anderen Rechtspopulisten wieder.

Angesichts dessen kommt die Frage auf, ob Ken Jebsen nicht von Anfang an ein geschickter Desinformant war? Kann jemand, der in den letzten Jahren so viel Wahres gesagt hat, ein Lügner sein? Die Antwort lautet leider ja, denn die schlimmste Lüge ist bekanntlich die Wahrheit – mäßig entstellt!

Wie eingangs erwähnt, gehörte Jebsen einst den Systemmedien an. Von ZDF bis Pro7 war fast alles dabei. Aus dieser Zeit stammen einige interessante Fotos, auf denen er z.B. den Baphomet zeigt.

Freimaurerische Schachbrettmuster gefielen ihm sogar dermaßen, dass er sich gleich komplett damit in Schale geworfen hat.

Nun könnte man sagen, dass wären nur Jugendsünden ohne tiefere Bedeutung. Es fällt jedoch einerseits auf, dass Jebsen zwar viel über die Machenschaften von Geheimdiensten berichtet, aber kein einziges Wort über Geheimbünde verliert. Mit deren Symbolen schmückt er sich andererseits aber bis heute.

Der Verdacht liegt nahe, dass Ken ein Chaosagent ist, der als autorisierter Held aufgebaut wurde, um kritisch denkende Menschen einzufangen und dem System zurückzuführen. Passend dazu hat er sich jüngst als Joker aus dem Film „Batman – The Dark Knight“ geschminkt. Der Joker ist der Inbegriff eines Chaosagenten und Ken wählte nicht irgendeinen, sondern ausgerechnet die Verkörperung von Heath Ledger. Der Darsteller kam kurz darauf unter merkwürdigen Umständen ums Leben, wobei seine freimaurerische Hinrichtung im Film „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ sogar angekündigt wurde.

Was will uns Ken Jebsen damit sagen? Vielleicht, dass er genauso ein Desinformant ist wie Alex Jones? Der hat sich nämlich einige Jahre zuvor ebenfalls als Joker aus „The Dark Knight“ angekaspert. Leider ist das nicht das Einzige, was Jebsen mit Jones gemein hat. Beide sind narzisstische Selbstdarsteller, die sich regelmäßig in Rage reden. Das gipfelt in teils grotesken Ausbrüchen, die schon an Unzurechnungsfähigkeit grenzen.

Es ließe sich vortrefflich darüber streiten, ob dahinter Kalkül, eine Geistesstörung oder gar Mind Control stecken könnte. In jedem Fall ist das kein seriöser Journalismus mehr, wenn Moderatoren regelmäßig total ausrasten, sich als Krönung wie geisteskranke Filmcharaktere kostümieren und wie jüngst zum Sturz einer gewählten Regierung aufrufen. So etwas kann kein vernunftbegabter Mensch noch länger ernst nehmen!

Zum Schluss noch ein kleiner Fun Fact am Rande: In der „Family Guy“-Episode „Kinderkrankheiten“ wird Peter Griffin zum Impfgegner. Als er sämtliche Masernimpfungen der Stadt zerstört, ist er ebenfalls als Joker aus „The Dark Knight“ verkleidet und spielt die Szene nach, in welcher dieser ein Krankenhaus in die Luft sprengt. Zwar geht aktuell nicht um Masern, sondern um Corona, aber wer wettert doch gleich alles gegen Impfungen? Ach ja richtig, noch so ein Zufall…

QAnon – Ultrarechte Trump-Jünger

von Anton Nymous

QAnon ist ein Internetphänomen, welches erstmals am 28. Oktober 2017 auf dem Imageboard 4chan auftrat, damals noch unter der Bezeichnung „Q clearance patriot“. Das Q soll dabei für die Q Clearance Sicherheitsfreigabe stehen und das Anon für „anonym“. Wer hinter dem Auftritt steckt, der inzwischen in zahlreichen sozialen Netzwerken sein Unwesen treibt, ist bis heute ein Geheimnis.

Angeblich soll es sich um einen Militär- oder Geheimdienstmitarbeiter aus dem engsten Umfeld von Donald Trump handeln, doch dafür hat QAnon bisher keinerlei glaubhafte Beweise vorgelegt. Das wird natürlich auch nie geschehen, denn immerhin will die betreffende Person anonym bleiben, so heißt es. Gegen den Wahrheitsgehalt seiner Selbstdarstellung spricht allerdings, dass er längst vom Tiefenstaat aus dem Verkehr gezogen worden wäre, wenn er selbigen tatsächlich von innen heraus bekämpfen würde. Vor der NSA kann sich nämlich niemand verstecken.

Wahrscheinlich handelt es sich nicht einmal um eine Einzelperson, sondern um eine Gruppe Rechtsextremisten, die Trump unterstützt, indem sie Verschwörungstheorien über seine Gegner verbreitet. So behauptet QAnon, Barack Obama und die Clintons würden einen Putsch planen, um Amerika in eine Diktatur zu verwandeln. Obama ist jedoch nach zwei Amtsperioden regulär aus dem Weißen Haus ausgezogen und Hillary Clinton wird nach ihrer ersten Niederlage gegen Trump aktuell auch nicht wieder von den Demokraten zur Wahl aufgestellt.

Ein Putsch ist ohnehin eher den Rechtsextremisten zuzutrauen, deren Gruppierungen bis an die Zähne bewaffnet und in den letzten Jahren immer wieder durch Terroranschläge aufgefallen sind. Unter Trump hat sich derweil nicht wirklich viel verändert, abgesehen von einer Zunahme des Rassismus. Die USA sind längst nur noch eine Scheindemokratie, in der jeder Präsident ein Lobbyist der Wall Street und des militärisch-industriellen Komplexes ist. Von daher ist die Annahme, Trump sei ein wohlwollender Volkstribun, an Absurdität kaum zu überbieten.

Durch sein dummdreistes Auftreten ist er im Gegenteil sogar eine Gefahr für die Allgemeinheit. So fällt er aktuell durch absurde Empfehlungen bezüglich der Pandemie auf, wie z.B. den Einsatz von UV-Licht, um Coronaviren abzutöten. Dummerweise wurde bereits festgestellt, dass den Viren UV-Licht nichts ausmacht. Aber vielleicht möchten Trumps Anhänger zusätzlich zu Corona noch Hautkrebs bekommen. In jedem Fall ist es eine blöde Idee, auf die nicht vorhandene Expertise von Dr. mad. Trump zu hören. Nicht umsonst haben die USA inzwischen fast so viele Infizierte wie der gesamte Rest der Welt und mit fast 80.000 Opfern (Stand Mitte Mai 2020) die höchste Todeszahl.

QAnon ignoriert jedoch die Fakten und geht noch einen Schritt weiter. Die vermeintliche Quelle behauptet nämlich, Donald Trump würde den Tiefenstaat bekämpfen. Der letzte Präsident, der dies tatsächlich versucht hat, war John F. Kennedy. Die Sache ging nicht gut für ihn aus. Trump erfreut sich dagegen bester Gesundheit. Das mag daran liegen, dass er keinesfalls mit dem Militär und den Geheimdiensten aufräumt, sondern stattdessen sämtliche Schlüsselpositionen mit Hardlinern besetzt hat.

Mit seinen verzerrten Behauptungen sorgt QAnon lediglich dafür, dass das Problem des Tiefenstaates nicht mehr ernst genommen wird. Dessen Existenz ist seit den Enthüllungen von Edward Snowden längst erwiesen. Ebenso gibt es deutliche Hinweise auf weltweit agierende pädokriminelle Netzwerke, die von QAnon thematisiert werden. Da wären die Zeugenaussagen von Corey Feldman und anderen Missbrauchsopfern, bekannte Fälle wie Jeffrey Epstein oder Marc Dutroux und die unzähligen Vorfälle in der katholischen Kirche. Vergessen wir schlussendlich auch nicht, dass dem Pizzagate-Skandal originale E-Mails von John Podesta zugrunde liegen, die auf Wikileaks veröffentlicht wurden.

Indem nun aber rechtsextreme Verschwörungstheoretiker die Themen Tiefenstaat und Pädophilie okkupieren und jede Menge Mythen darum spinnen, fällt es den Beschuldigten umso leichter, jede Kritik lächerlich zu machen und alles an Spinnerei abzutun. Vor allem, wenn QAnon behauptet, Satanisten würden Kinder töten, um das Stoffwechselprodukt Adrenochrom zu ernten und als Droge zu verwenden. Was für ein sagenhafter Blödsinn!

Die Theorie von der psychoaktiven Wirkung des Adrenochroms ist längst überholt. Es handelt sich um ein Gerücht aus den 1950ern, welches der Autor Hunter S. Thompson (1937-2005) in seinem 1971 erschienenen Roman „Fear and Loathing in Las Vegas“ aufgegriffen hat. Zwar wimmelt es in der Verfilmung aus dem Jahr 1998 nur so von okkulten Symbolen und gleiches gilt für den offenkundig satanistischen Horrorschocker „Adrenochrom“ von 2017. Ob Satanisten aber wirklich Adrenochrom konsumieren, wo es doch weitaus wirkungsvollere Drogen gibt, ist mehr als fraglich.

Hinzu kommt, dass sich Adrenochrom auch künstlich herstellen und leicht beschaffen lässt. Warum also sollten Satanisten Kinder dafür töten? Es gibt inzwischen genügend Aussagen von Opfern satanistischer Gewalt und niemand hat bisher etwas Derartiges zu Protokoll gegeben. Über den Konsum von Kokain, LSD usw. gibt es dagegen sehr wohl Zeugenaussagen.

Um zu verstehen, warum Satanisten Kinder opfern, braucht man derweil nur die Bücher von Aleister Crowley zu lesen, welche die Adrenochrom-Theorie ebenfalls widerlegen. Satanisten glauben, bei ihren Missbrauchs- und Opferritualen würde Energie freigesetzt, mit der sie arbeiten können. Das ist natürlich gleichermaßen Bullshit, aber daran glauben diese geisteskranken Psychopathen tatsächlich. Die Fakten über Kindesmissbrauch, Kindesmord und Kannibalismus sind auch ohne hanebüchene Falschbehauptungen über Adrenochrom grässlich genug.

Warum also verbreiten rechte Verschwörungstheoretiker solche offensichtlichen Desinformationen, wenn die Wahrheit doch schon krank genug ist? Dahinter könnte eine perfide Absicht stecken, denn im Ergebnis werden alle, die sich mit diesen Themen beschäftigten, in die rechte Ecke geschoben und mundtot gemacht. QAnon fungiert damit als weiterer Chaosagent.

Letztendlich bauen die rechten Verschwörungstheoretiker sogar Vertrauen gegenüber genau dem Establishment auf, von dem sie behaupten, es zu bekämpfen. Donald Trump als Milliardär und Präsident der USA gehört nämlich zum Establishment. Von daher sind QAnons Behauptungen, er würde den Tiefenstaat bekämpfen und hätte schon massenhaft Kinder aus Käfigen befreit, pure Desinformation. Tatsächlich hat der Despot selbst Flüchtlingskinder aus Lateinamerika in Käfige sperren lassen. Außerdem war er ein enger Freund von Jeffrey Epstein und verteidigte dessen Vorliebe für Minderjährige öffentlich.

In der rechtsextremen Szene wimmelt es ebenfalls von Kinderschändern, wobei Deutschland keine Ausnahme bildet. So war der NSU in den Handel mit Kinderpornografie verstrickt und der ehemalige Thüringer NPD-Landesvorsitzende Tino Brandt wurde in 66 Fällen wegen Kindesmissbrauchs und Kinderprostitution verurteilt. Die Liste der pädophilen Nazis ist lang und kann in zwei Artikeln hier und hier nachgelesen werden. Ein dritter Teil ist bereits in Arbeit.

Die Verbindung pädophiler Netzwerke zum Satanismus, wie sie von QAnon unterstellt wird, basiert ebenfalls auf Fakten. Was QAnon jedoch verschweigt, ist die Verbindung zwischen Satanismus und Faschismus. Diese bestand schon vor dem 3. Reich in der Thule-Gesellschaft und findet sich heute u.a. in der NSBM-Szene wieder. Die rechtsextreme Black Metal Band Absurd zeichnete sich sogar für den Mord an dem 15-jährigen Sandro Beyer 1993 verantwortlich. Im gleichen Jahr verübte in Norwegen auch der rechtsextreme Sänger der satanistischen Death Metal Band Burzum einen Mord und steckte überdies mehrere Kirchen in Brand.

Es ist schon eine bittere Ironie, dass die Behauptungen QAnons von rechtsextremen Terrornetzwerken als Rechtfertigung für ihre Bluttaten benutzt werden, obwohl diese doch selbst Teil einer mordlüsternen Verschwörung sind. Die faschistische Terrororganisation Atomwaffendivision ist beispielsweise eng mit dem satanistischen Order of the Ninth Circle verknüpft und strebt einen apokalyptischen Rassenkrieg an. Das erweckt schon stark den Eindruck, als würden die Nazis von sich auf andere schließen. Frei nach dem Motto: Was ich selber denk und tu, das trau ich auch den andren zu.

Ihre Opfer sind dabei keineswegs Mitarbeiter des Tiefenstaates, korrupte Politiker oder gar Satanisten. Es ist nicht ein Fall bekannt, in dem ein Neonazi einen NSA-, CIA- oder BND-Spitzel ermordet hätte. Im Gegenteil werden Vertreter des Tiefenstaates wie Hans-Georg Maaßen in rechten Kreisen sogar als Helden verehrt. Erschossen werden stattdessen unschuldige Juden (Pittsburgh 2018), Muslime (Christchurch 2019) und Menschen mit Migrationshintergrund (Hanau 2020).

Die extreme Rechte nutzt die Verschwörungstheorien um Tiefenstaat, pädophile Netzwerke und Satanismus als Vorwand, um Jagd auf Menschen zu machen, die damit überhaupt nichts zu tun haben. Die Opfergruppen sind dabei immer dieselben. Daran hat sich im Prinzip seit dem Holocaust nichts geändert, außer dass Muslime als neue Opfergruppe hinzugekommen sind. Die V-Leute des Tiefenstaates, Kinderschänder und Satanisten sucht man dagegen lieber in den Reihen der Faschisten selbst.

Den meisten dieser Täter liegt ein geschlossen rassistisches und antisemitisches Weltbild zugrunde, wie das z.B. beim NSU der Fall war. Die verzerrten Verschwörungstheorien von QAnon können derweil als moderner Ersatz für die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung gesehen werden. Alter Scheiß in neuen Tüten, der sich nach außen hin aber nicht so offen antisemitisch und rassistisch anhört. Damit können die Rechtspopulisten von heute immer schön abstreiten, Nazis zu sein.

Wie gefährlich solche Verschwörungstheorien sein können, zeigen die Anschläge der letzten Jahre. Dabei spielt es keine Rolle, dass es bezüglich Tiefenstaat, Pädophilie und Satanismus einen realen Kern gibt, solange dieser verzerrt dargestellt wird und die eigentlichen Täter zu vermeintlichen Rettern stilisiert werden. Dadurch wird eine Filterblase geschaffen, in der sich Rechtsextremisten radikalisieren und ihre Hemmschwellen abbauen. Wenn die Betreffenden dann noch paranoid und psychopathisch veranlagt sind, passieren Morde wie in Hanau.

Der Rechtsterrorist Tobias Rathjen (†) vertrat in seinem Manifest exakt das Weltbild, welches QAnon propagiert. Dennoch räumte er nicht etwa in einer satanistischen Geheimloge auf, sondern erschoss 11 Zivilisten, darunter eine schwangere Frau und seine eigene Mutter. Es mag sein, dass Rathjen ein geisteskranker Irrer war, dennoch steckt hinter seiner Tat ein System.

Wer auch immer hinter QAnon steckt, ist sich absolut darüber im Klaren, was er mit seiner Hetze im Internet in der realen Welt anrichtet. Es wäre gut möglich, dass QAnon selbst ein pädokrimineller Satanist ist, der für einen US-Geheimdienst arbeitet und sich mit Donald Trump über jedes angerichtete Blutbad amüsiert. Beweisen lässt sich das freilich nicht, vorstellbar wäre es aber. In jedem Fall steckt hinter QAnon eine oder mehrere Personen, die eine gezielte Agenda verfolgen.

Unterstützung erhalten sie dabei von bekannten rechtspopulistischen Desinformanten wie Alex Jones, der fleißig QAnons Inhalte teilt. In Deutschland übernehmen die Verbreitung dieser Inhalte gleich direkt Neonazis aus dem Umfeld von NPD und III. Weg. Also die üblichen Päderasten, welche ironischerweise die Todesstrafe für Kinderschänder fordern, ohne diese konsequent in ihren Reihen durchzusetzen. Wer noch halbwegs klar denken kann, sollte also die Finger von QAnon lassen!

YouTube-Empfehlung

Seit Mitte 2018 gibt es einen neuen YouTube-Kanal, der im Januar 2019 damit begonnen hat, Videos über die Wirkmechanismen des Kapitalismus hochzuladen. „Willkommen im Neoliberalismus“ erklärt die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft so, dass es wirklich jeder verstehen kann. Wem Marx‘ „Das Kapital“ zu trocken und anstrengend ist, sollte es mit diesen Videos versuchen.

Zunächst einmal erklärt „Willkommen im Neoliberalismus“ den Unterschied zwischen Links und Rechts. Woher kommen die Begriffe eigentlich und wofür stehen sie?

Der Grund, warum die meisten Menschen ein völlig falsches Bild davon haben und der Illusion einer ausgewogenen Mitte anhängen, die eigentlich rechts und menschenfeindlich ist, sind die 10 Methoden der Manipulation. Diese wurden unlängst vom Kapitalismuskritiker Noam Chomsky aufgedeckt. Ein wirklich sehenswerter Beitrag, der die Grundlage dafür ist, sich aus den Fängen der neoliberalen Propaganda zu befreien.

Manipuliert werden wir aktuell vor allem von Rechtspopulisten – teils unwissentlich, oft aber auch wissentlich im Auftrag der Neoliberalisten. Im folgenden Video wird auf etwas satirische Weise erklärt, wie das Feindbild Islam aufgebaut wird, um von den wirklichen Feinden der Menschheit abzulenken.

Schlussendlich geht „Willkommen im Neoliberalismus“ auf aktuelle politische Entwicklungen ein, die von den Massenmedien ignoriert oder falsch dargestellt werden. Dabei werden alle Hintergründe aufgedeckt, die uns von den systemtreuen Medien absichtlich vorenthalten werden. Ein Musterbeispiel sind die Proteste in Chile, bei denen es um weit mehr als die Erhöhung der Ticketpreise des ÖPNV geht.