Die Rosenkreuzer – Bindeglied zwischen Freimaurerei und Satanismus

von Shinzon

Die Bezeichnung Rosenkreuzer sowie das goldene Kreuz mit der Rose wirken auf den ersten Blick christlich und tatsächlich basiert der Geheimbund auf einer literarischen Figur des Theologen Johann Valentin Andreae (1586-1654). Mit seinem Werk „Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz“ wollte dieser eine Generalreformation der Lebensumstände und Wissenschaften anregen, womit Andreae als Vordenker der Aufklärung gesehen werden kann.

Die Absichten hinter der Schrift waren an und für sich ehrenwert und der Orden des Christian Rosencreutz eine reine Fiktion. Einige Zeitgenossen von Andreae missverstanden dessen Werk jedoch. Sie glaubten irrtümlich, bei Christian Rosencreutz handele es sich um eine reale historische Person und so gründeten sie in Tübingen eine Reformbewegung nach seinem Vorbild. Einer dieser Reformer war der Theologe Johann Amos Comenius (1592-1670), welcher die erste Rosenkreuzerbruderschaft leitete. Auch er war ein Mann der Wissenschaften und die Reformbewegung als Ganzes hatte Anteil an der Gründung der Royal Society, der britischen Akademie der Wissenschaften.

Es ist wichtig zu wissen, dass weder diese Reformbewegung noch Andreae selbst etwas mit den heutigen Rosenkreuzern zu tun hatten. Diese gründeten sich erst rund 140 Jahre später und beriefen sich auf zwei weitere Manifeste, welche bewusst die Geschichte verfälschten. In der „Fama Fraternitatis“ von 1614 wurde eine Bruderschaft der Rosenkreuzer im 14. Jahrhundert verortet und in der dazugehörigen Verteidigungsschrift „Confessio Fraternitatis“ von 1615 war von einer „löblichen Brüderschaft des hoch geehrten Rosen Creutzes“ die Rede. Obwohl beide Werke geschichtsrevisionistisch sind, tragen sie doch den Keim der Aufklärung in sich, was angesichts der späteren Ziele der Rosenkreuzer überraschend ist.

Der erste Orden der Gold- und Rosenkreuzer, welcher sich irgendwann um das Jahr 1757 in Frankfurt am Main formierte, vertrat nämlich so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was Andreae beabsichtigt hatte. Die modernen Rosenkreuzer bildeten sich im Umfeld der deutschen Hochgradfreimaurerei und vertraten von Anfang an ein antiaufklärerisches Weltbild, voll von Alchemie, Magie und Kabbalistik. Statt Wissenschaft und Gesellschaft zu reformieren, verschrieben sich die Rosenkreuzer dem mystischen Irrationalismus und Illuminismus.

Wo wir schon mal beim Irrationalismus sind: Entgegen den historischen Tatsachen verorten die Rosenkreuzer ihre Anfänge in den Zeiten von Moses und manche sogar in der Genesis. Adam wäre demnach der erste Rosenkreuzer gewesen, was natürlich in jeder Hinsicht totaler Schwachsinn ist. Die wahren Initiatoren des ersten Rosenkreuzerordens hießen Johann Christoph von Woellner (1732-1800) und Johann Rudolf von Bischoffwerder (1741-1803). Beide waren Hochgradfreimaurer und Staatsmänner unter Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744-1797).

Letzterer trat später ebenfalls den Rosenkreuzern bei und wurde Zeuge einer der ersten Geisterbeschwörungen auf Schloss Charlottenburg. Offenbar war er recht leichtgläubig, denn das ganze Theater war lediglich eine Inszenierung. Séancen gehören bis heute zum Repertoire der Rosenkreuzer, wobei die Führungsriege natürlich wissen muss, dass alles nur Show ist. Der gesunde Menschenverstand muss ernsthaft an dieser Organisation zweifeln, doch wie gesagt vertritt diese den Irrationalismus.

Schlimm wird es, wenn solch krude Vereine politische Macht gewinnen. Diese hatten sie leider von Anfang an, denn unter Friedrich Wilhelm II. wurden von Bischoffwerder zum Kriegsminister und von Woellner zum Kultusminister ernannt. In diesen Funktionen schafften sie es sogar, das Bündnis zwischen preußischer Staatskirche und Aufklärungsprotestantismus aufzukündigen. Allerdings endete dieser Einfluss, als Friedrich Wilhelm II. fünf Jahre vor seinem Tod auf Abstand zu den Rosenkreuzern ging. Ob er wohl bemerkt hat, dass er von ihnen übers Ohr gehauen wurde?

Interessant war während der Gründungsphase der Rosenkreuzer auch deren Verhältnis zu anderen Geheimbünden. Während sich die Johannesfreimaurerei den Zielen der Aufklärung verschrieben hatte, unterstützte die Hochgradfreimaurerei den antiaufklärerischen Kurs der Rosenkreuzer. Es kam in der Folge schon damals zu zahlreichen Doppelmitgliedschaften. Ein positives Verhältnis suchten die Rosenkreuzer weiterhin zu den Jesuiten, mit deren Unterstützung sie den aufklärerischen Illuminatenorden Adam Weißhaupts ausrotten wollten. Den verborgenen Krieg zwischen diversen freimaurerischen Geheimgesellschaften gab es also schon im 18. Jahrhundert.

Nachdem sich der Orden der Gold- und Rosenkreuzer in Deutschland mit den Illuminaten gekloppt hatte, verschrieb sich die 1865 von Robert Wentworth Little (1840–1878) in London gegründete Societas Rosicruciana in Anglia ganz und gar der Freimaurerei. Mitglied konnten dort von Beginn an nur jene werden, die mindestens den Meistergrad erreicht hatten. Alsbald gründeten sich neue Zweigstellen wie die schottische Societas Rosicruciana in Scotia oder in den USA die Societas Rosicruciana in Civitatibus Foederatis. In den Vereinigten Staaten kam es 1908 unter George Winslow Plummer zu einer Abspaltung, wobei dessen Societas Rosicruciana in America auch Nichtfreimaurer aufnahm.

Hier sind wir nun beim modernen Rosenkreuzertum, welches im Wesentlichen auf dem deutschen Orden der Gold- und Rosenkreuzer basiert. So wurde die Organisation in einem System von 9 Graden übernommen. Der erste Orden (Lehrlinge) umfasst die vier Grade: Zelator, Theoricus, Practicus und Philosophus. Der zweite Orden (Lehrer oder Adepten) besteht aus den drei Graden: Adeptus Minor, Adeptus Major und Adeptus Exemptus. Der dritte Orden (Herrscher oder Magi) umfasst schlussendlich die zwei Grade: Magister und Magus. Die Träger des neunten Grades sind die Inhaber der höchsten Führerschaft und gelten als gottähnlich.

Das Versprechen der Gottwerdung des Menschen stellt eine erstaunliche Parallele zur Theosophie dar und tatsächlich gibt es starke Verbindungen der Rosenkreuzer zu Blavatskys Theosophischer Gesellschaft. Diese sind sowohl personell als auch ideologisch. Unter anderem beschäftigen sich beide Organisationen mit Geisterbeschwörung, Astrologie und Kabbalistik. Es kommt aber noch besser, denn die Rosenkreuzer schlagen nicht nur eine Brücke zwischen Hochgradfreimaurerei und Esoterik, sondern auch zum Satanismus.

Am 12. Februar 1888 gründeten die Rosenkreuzer William Wynn Westcott (1848-1925), William Robert Woodman (1828-1891) und Samuel Liddell „MacGregor“ Mathers (1854-1918) in London den Hermetic Order of the Golden Dawn. Der Orden sah sich in direkter Tradition der Rosenkreuzer und übernahm dessen Gradsystem, fügte allerdings den zehnten Grad des Ipsissimus hinzu. Wie eng die Verbindungen waren zeigte sich 1891. In diesem Jahr übernahm William Wynn Westcott, der obendrein auch noch Theosoph war, als Oberster Magus die Leitung der Societas Rosicruciana in Anglia. Darüber hinaus waren alle drei Gründungsmitglieder Freimaurer.

Das bekannteste Mitglied des Hermetic Order of the Golden Dawn sollte später Aleister Crowley (1875-1947) werden und obgleich sich einige Mitglieder des Londoner Tempels Isis-Urania No. 3 gegen dessen Aufnahme in den inneren Orden sträubten, stand die Führung der Rosenkreuzer doch hinter dem Satanisten. Aus dem Golden Dawn gingen sowohl Crowleys Thelema als auch die Wicca-Bewegung hervor. Nach der Auflösung des Tempels Isis-Urania No. 3 im Jahr 1903 spaltete der ehemalige Mitbegründer Samuel Liddell Mathers seinen eigenen Orden Alpha et Omega ab und parallel dazu gründete Robert William Felkin (1853-1926) den Orden Stella Matutina (dt.: „Morgenstern“).

Eine weitere Nachfolgeorganisation des Golden Dawn entstand 1922 in Los Angeles. Die Builders of the Adytum wurden von Paul Foster Case (1884–1954) gegründet, welcher das Rosenkreuzertum weniger als Organisation verstand, sondern als Bewusstseinszustand. Bereits 1918 war Case Schatzmeister der Thot-Hermes-Lodge of the Rosicrucian Order of Alpha and Omega, einer Loge des Ordens von Samuel Liddell Mathers.

Drehen wir die Zeit aber noch etwas weiter zurück. Im selben Jahr, in dem der Golden Dawn seinen Anfang nahm, gründeten französische Okkultisten den Ordre Martiniste. Aus diesem ging noch im selben Jahr der Ordre Kabbalistique de la Rose-Croix hervor, welcher schon dem Namen nach kabbalistisch ausgerichtet war. Die Gründer waren Joséphin Péladan (1858-1918) und Stanislas de Guaita (1861-1897). Ersterer verabschiedete sich jedoch 1890, da er als katholischer Mystiker dem offen praktizierten Satanismus de Guaitas nichts abgewinnen konnte. Zwei Jahre später gründete Péladan den Ordre de la Rose Croix Catholique et esthétique du Temple et du Graal, welcher eine gegensätzliche Ideologie vertrat.

Stanislas de Guaita übernahm indes die Leitung des Ordre Kabbalistique de la Rose-Croix und brachte den Orden auf den Pfad zur linken Hand. Ihm folgten u.a. der Astrologe und Alchemist Albert Faucheaux (1838–1921) und der Schriftsteller Paul Adam (1862–1920). Der Ordre Kabbalistique de la Rose-Croix ist bis heute aktiv und viele Rosenkreuzerorganisationen leiten ihre Autorität von ihm ab. Welche Rolle dieser satanistische Flügel der Rosenkreuzer beim weit verbreiteten rituellen Kindesmissbrauch spielt, lässt sich nur erahnen.

Logo Ordre Kabbalistique

Ein weiterer satanistischer Orden mit engen Verbindungen zu den Rosenkreuzern entstand mit dem Ordo Templi Orientis, welcher wahrscheinlich am 1. September 1901 gründet wurde. Da die Gründung im Geheimen stattfand, weichen die Daten in dem Punkt teils erheblich voneinander ab. Gesichert ist jedoch, dass die Gründer allesamt Freimaurer waren. Darunter der Wiener Industrielle Carl Kellner (1850-1905), der deutsche Theosoph Franz Hartman und Heinrich Klein. Diese sahen den OTO zunächst als Erweiterung zur blauen Freimaurerei und hofften auf Anerkennung durch die Vereinigte Großloge von England.

Später übernahm der Rosenkreuzer Theodor Reuß (1855-1923) die Führung des OTO, nach dessen Aussagen der Orden zu dieser Zeit die äußere Fassade des Rosenkreuzertums in Europa war. Reuß, der zugleich Freimaurer und Theosoph war, sah im Ordo Templi Orientis zudem die Chance zur Widerbelebung von Adam Weißhaupts Illuminatenorden. Angesichts der ehemaligen Feindschaft zwischen Rosenkreuzern und Illuminaten ist es erstaunlich, dass sich der OTO von da an offiziell als Nachfolger des Illuminatenordens betrachtete.

Theodor Reuß in Freimaurerschürze.

Theodor Reuß in Freimaurerschürze.

Zu den bekanntesten Mitgliedern des Ordo Templi Orientis zählte der Satanist Aleister Crowley. Am 25. Oktober 1921 wurde dieser zwar aus dem OTO ausgeschlossen, doch nachdem Theodor Reuß verstarb, ohne zuvor einen Nachfolger zu benennen, übernahm er 1925 eigenmächtig die Leitung des Ordens. Infolge dessen zerfiel der OTO in mehrere Zweige, von denen Crowleys Sektion die maßgebliche blieb. Ein weiteres bekanntes OTO-Mitglied, der Raketenwissenschaftler Jack Parsons (1914-1952), war einer der wichtigsten Schüler des satanistischen Großmeisters.

Des Weiteren war auch der ehemalige Theosoph Rudolf Steiner (1861-1925) Mitglied des OTO. Gesichert ist ebenfalls, dass Steiner Rosenkreuzer war und an die Wahrhaftigkeit der fiktiven Figur des Christian Rosencreutz glaubte. Er dichtete diesem Charakter sogar noch einiges Absurdes an, was dessen Erfinder Andreae nie in den Sinn gekommen wäre. So soll Rosencreutz laut Steiner von Buddha auf den Mars geschickt worden sein, wo er eine Opfertat analog zu Jesus’ Kreuzigung auf dem Hügel Golgatha vollbracht habe. Steiner nahm auch die Manifeste der Rosenkreuzer für bare Münze und verlegte den Beginn der Rosenkreuzerbewegung ins 13. Jahrhundert.

Er glaubte fest daran, dass die Rosenkreuzer Abgesandte der weißen Loge sowie die geheimen Drahtzieher hinter allen politischen Aktivitäten seien. Zumindest dieser Punkt scheint nicht vollends aus der Luft gegriffen zu sein, denn Rosenkreuzer sowie Freimaurer finden sich in zahlreichen Schlüsselpositionen von Politik, Justiz, Religion und Unterhaltungsindustrie. Rudolf Steiner sorgte nicht zuletzt selbst dafür, das Rosenkreuzertum über seine Anthroposophie in der Gesellschaft zu verankern. Die Anthroposophische Gesellschaft gründete Steiner am 28. Dezember 1912 in Köln, nachdem es in der Theosophischen Gesellschaft zu internen Konflikten gekommen war. Verbindungen zu den Rosenkreuzern haben jedoch nach wie vor beide Vereine.

Rudolf Steiners Rosenkreuz

Rudolf Steiners Rosenkreuz

Auf Steiners anthroposophischem Rosenkreuzertum basiert auch die Rosicrucian Fellowship (Rosenkreuzer-Gemeinschaft), welche 1909 von Carl Louis Fredrik Graßhoff unter dem Pseudonym Max Heindel in den USA gegründet wurde. Zwei Jahre zuvor hatte Graßhoff einige Vorträge sowie Schulungen von Rudolph Steiner besucht und wurde in die Steinersche Freimaurerei eingeweiht. Später zog er sich jedoch den Zorn seines Meisters zu, indem er dessen geheim gehaltene Rosenkreuzerlehren veröffentlichte.

Damit wären eigentlich die wichtigsten Rosenkreuzerorganisationen abgehandelt. Es gibt jedoch noch mehr als ein Dutzend weitere, die oft länderspezifisch oder auf ein bestimmtes Kernthema festgelegt sind. So gründete der Okkultist Paschal Beverly Randolph (1825–1875), welcher als erster Rosenkreuzer der USA gilt, Mitte des 19. Jahrhundert in San Francisco den Triplicate Order of Rosucrucia, Phythianae and Eulis, welcher auf das Thema der Sexualmagie zugeschnitten war. Nach seinem Tod zerfiel der Puff jedoch, was vermuten lässt, dass er allein den sexuellen Gelüsten seines Gründers diente.

1910 formierten sich die US-amerikanischen Rosenkreuzer unter der Führung von Reuben Swinburne Clymer (1878–1966) neu, welcher in Quakertown (Pennsylvania) die Fraternitas Rosae Crucis gründete. Clymer sah sich als rechtmäßiger Nachfolger Randolphs und erhob für sich einen Alleinvertretungsanspruch im Rosenkreuzertum. Um seine Autorität zu unterstreichen, verbreitete er falsche historische Angaben über seine eigene Bruderschaft. Der Bekämpfung anderer Rosenkreuzergruppierungen widmete er ganze Bücher.

Hauptkonkurrent von Clymers Bruderschaft war der 1915 in New York gegründete Antiquus Mysticus Ordo Rosae Crucis (dt.: „Alter mystischer Orden vom Rosenkreuz“). Gründer des AMORC war Harvey Spencer Lewis (1883-1939), welcher bis zu seinem Tode auch dessen Vorsitzender blieb. Lewis war Clymer gar nicht mal so unähnlich, da er zumindest für Nordamerika ebenfalls einen Alleinvertretungsanspruch erhob und ebenfalls Sexualmagie lehrte. Allerdings wurde der AMORC vom OTO anerkannt und unterhielt enge Beziehungen zu Theodor Reuß.

Sowie sich der OTO in Amerika verbreitete, gründete der AMORC seinerseits Ableger in Europa. Die Großloge der deutschsprachigen Länder existiert seit 1952 und hat ihren Sitz seit 1963 in Baden-Baden (Baden-Württemberg). Der erste deutsche Großmeister Martin Erler verließ den Orden aufgrund von Meinungsverschiedenheiten jedoch schon 1954 wieder und gründete seinen eigenen Ordo rosae aurea.

Allmählich beginnt es, unübersichtlich zu werden. Zumindest ähneln sich aber die Logos der verschiedenen Rosenkreuzerorganisationen. In der Regel handelt es sich um ein goldenes Kreuz mit einer Rose. Beim AMORC befindet sich das Kreuz zudem in einer umgedrehten Pyramide. Der oberer Pyramidenbalken sowie der Vertikalbalken des Kreuzes bilden Teile eines ägyptischen Anch.

Logo AMORC

Rosenkreuz

Die größte Rosenkreuzergruppe im spanischen Sprachraum wurde in den 1920ern von Arnold Krumm-Heller (1876-1949) gegründet. Der gebürtige Deutsche war mit 16 nach Mexiko ausgewandert. Er hatte die Lehren von Helena Blavatsky studiert und war ein Schützling von Aleister Crowley. Seine Fraternitas Rosicruciana Antiqua gründete sich dementsprechend neben der Freimaurerei auch auf die Theosophie und Sexualmagie.

Basierend auf der Bruderschaft wurde in den 1950ern in Mexiko die Gnostic Church von Victor Gómez Rodriguez alias Samael Aun Weot (1917–1977) begründet. Nach dem Tod des Kolumbianers Weot zerfiel dessen Gnostic Church in mehrere rivalisierende Gruppen, die sich jedoch allesamt an die Fraternitas Rosicruciana Antiqua anlehnen.

Um die Jahre 1927/28 bildete sich in London die Fraternity of the Inner Light, welche auf Samuel Liddell Mathers Alpha et Omega basiert. Die walisische Theosophin und Rosenkreuzerin Violet Mary Firth alias Dion Fortune (1890-1946) trat 1922 aus Alpha et Omega aus, setzte ihre Ausbildung dann bei Stella Matutina fort und ging schließlich eigene Wege. 1939 nannte sie ihre Bruderschaft in Society of the Inner Light um, welche in dieser Form bis heute existiert. Aus ihr gingen später außerdem die Servants of the Light hervor, die von W.E. Butler gegründet wurden.

Traurige Berühmtheit erlangte indes der 1984 von Joseph Di Mambro (1924-1994) gegründete französische Ordre du Temple Solaire. Di Mambro gehörte 1956 bis 1968 dem AMORC an, orientierte sich jedoch mehr an den Tempelrittern. Dies schlug sich auch im Logo der Sonnentempler nieder. Sein diesbezüglicher Kontakt Jacques Breyer hatte bereits 1952 eine Neugründung des mittelalterlichen Templerordens mit theosophischen Einflüssen unternommen. Von ihm übernahm Di Mambro auch die apokalyptischen Wahnideen, mit denen er später seine Sonnentempler indoktrinierte.

Logo Sonnentempler

Zunächst hatte der ganze Hokuspokus noch relativ harmlose Ausmaße, die dem späteren Ordensgründer allerdings schon früh Anklagen wegen Betrugs einbrachten. Di Mambro floh in die Nähe von Genf, wo er zunächst eine Tempel-Loge und am 12. Juli 1978 die Golden Way Foundation einrichtete. Die waren bereits die Anfänge der späteren Sonnentempler-Sekte.

1983 gelang seinem Mitstreiter Luc Jouret die Übernahme des vom ehemaligen französischen AMORC-Leiter Raymond Bernard mitgegründete Neo-Templerorden Ordre Rénové du Temple. Für Jouret und Di Mambro war dies ein einträgliches Geschäft, denn mit dem Szenario des drohenden Weltuntergangs knöpften sie ihren Anhängern große Geldbeträge für die Errichtung von Überlebenszentren ab.

Um ihren luxuriösen Lebensstil zu sichern, griffen die beiden Gurus tief in die Trickkiste. Insgesamt 442 Mitgliedern hatten sie mit technischen Tricks „Meister-Erscheinungen“ vorgegaukelt. Außerdem hatte Di Mambro die Abholung durch ein UFO kurz vor der Apokalypse in Aussicht gestellt. Selbstverständlich führten derartige Betrügereien abermals zu Geldrückforderungen sowie Austritten. Die Reaktion Joseph Di Mambros bestand darin, sich dem Verfolgungswahn zu ergeben und vollends in eine ablehnende Haltung gegenüber der Welt abzugleiten.

In der Folge ließ er Waffen beschaffen, um Verräter in den eigenen Reihen zu bestrafen. Jenen, die ihm weiter folgten, skandierte er ab Anfang der 1990er eine elitäre Weltverachtung. Sein Ziel war es fortan, den Transit in eine höhere Entwicklungsstufe zu vollziehen. Dieser Irrsinn gipfelte in mehreren Mord- sowie Selbstmordaktionen in den Jahren 1994, 1995 und 1997, bei denen insgesamt 74 Sektenmitglieder in Kanada, Frankreich und der Schweiz ums Leben kamen. Unter den Opfern befanden sich auch Di Mambro und Jouret, welche am 6. Oktober 1994 zusammen mit über 50 ihrer Anhänger tot aufgefunden wurden.

Neben den satanistischen Verstrickungen zeigt das Beispiel der Sonnentempler am deutlichsten, wohin die Rosenkreuzerei führen kann. Den Keim der Selbstzerstörung trägt auch der seit 1998 in Deutschland registrierte Lectorium Rosicrucianum e. V. in sich. Hervorgegangen ist die so genannte „Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes“ aus der seit 1941 bestehenden Jakob-Böhme-Gesellschaft. Ursprünglich gegründet wurde diese Schule bereits 1945 im niederländischen Haarlem und zu ihren Initiatoren gehörten Jan Leene (1896-1968), Antonin Gadal und Leenes Assistentin Catharose de Petri.

Das Lectorium Rosicrucianum sieht sich als Teil des Gnostischen Rosenkreuzertums in der Tradition der Katharer. Außer der Askese und dem Erlösungsgedanken hat der Verein jedoch nicht allzu viel mit den Katharern gemein. Wie die Sonnentempler betrachten seine Anhänger das Streben nach einer besseren Gesellschaftsordnung als Zeitverschwendung und fordern eine Trennung von der Welt. Bisher haben die rund 12.000 Mitglieder jedoch weder sich selbst von der Welt noch die Welt von sich erlöst.

Logo Lectorium Rosicrucianum

Henk Leene brachte es immerhin fertig, sich vom Lectorium Rosicrucianum zu verabschieden, nachdem es zu Konflikten um den Führungsanspruch sowie Meinungsverschiedenheiten bezüglich der spirituellen Ausrichtung kam. Der Sohn von Jan Leene gründete nach seinem Ausstieg 1969 seine eigene Gemeinschaft R+C, Rosae Crucis. Der wichtigste Unterschied bestand darin, dass bei der Gemeinschaft R+C jeder einen individuellen Weg der Einweihung gehen konnte und nicht dem Gruppenzwang unterlag. Alles in allem also eine weniger extreme und absolute Ausrichtung.

1972 wurde die Gruppe in Esoterische Gemeinschaft Sivas umbenannt. Der Bezug zu den Rosenkreuzern verschwand damit aus dem Namen und zugleich wurde auch die Literatur des Lectorium Rosicrucianum aus der Gruppe verbannt. Henk Leene distanzierte sich auch von anderen Rosenkreuzergruppen und wandte sich dem Hinduismus zu.

Zum Schluss wäre da noch eine der jüngsten Rosenkreuzergruppen, welche sich erst in den 1990ern gebildet haben soll. Angeblich soll der in Österreich beheimatete Antiquus Ordo Rosicrucianis – Alter Orden der Rosenkreuzer zu dieser Zeit von „hohen Eingeweihten“ des Cercle d’Alexandrie gegründet worden sein. Wann genau die Gründung stattgefunden haben soll und wer genau die Gründer waren, ist nicht bekannt. Offenbar soll hier ein moderner Mythos begründet werden, denn der Orden entfaltete erst im März 2006 sichtbare Aktivitäten.

Geleitet wird die Gruppe vom freien Hochzeits- und Bestattungsredner Hamid Mirzaie, welcher sich seit 2011 Elias Rubenstein nennt. Tatsächlich war Mirzaie zuvor schon bei den rosenkreuzerischen Builders of the Adytum tätig, hat also durchaus eine entsprechende Vergangenheit mit Bezügen zum Golden Dawn. Seine Interessen dürften jedoch eher kommerzieller Natur sein, denn für 25 € im Monat bietet er interessierten zwei Lehrbriefe zum Selbststudium an. Diese enthalten Geheimtipps und Übungen zur Verwirklichung von Wünschen und Träumen. Inzwischen gibt es vier weitere Ableger in Österreich, drei in Deutschland und einen in Kroatien.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rosenkreuzer eine vielschichtige freimaurerische Bewegung sind, deren Hauptziel die Verbreitung von esoterischen Irrlehren ist. Die Verbindungen reichen dabei von den Theosophen über die Anthroposophen bis hin zu Hardcore Satanisten. Obwohl sich zumindest einige Gruppierungen von Crowley und de Guaita losgesagt haben, um sich dem Katholizismus zu verschreiben, blieb eine generelle Distanzierung bis heute aus. Im Gegenteil hat der schadhafte Einfluss der Rosenkreuzer sogar zugenommen und gemeinsam mit den Theosophen dominieren sie die Esoterikszene, zu der mitunter auch namhafte Verschwörungsportale gehören.

Politisch sind die Rosenkreuzer ebenfalls noch sehr aktiv und arbeiten zusammen mit den Freimaurern an einer neuen Weltordnung. Die 1978 in Elbert County (Georgia) errichteten Guidestones, auf welchen die 10 Gebote dieser neuen Weltordnung in 11 Sprachen aufgeführt sind, tragen ganz klar die Handschrift der Rosenkreuzer. Als Auftraggeber ist nämlich nur das Pseudonym „R.C. Christian“ aufgeführt, was eine ziemlich unverhohlene Anspielung auf Christian RosenCreutz ist.

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Sonnensymbole – Licht heißt Leben

von Anton Nymous

Ohne die Sonne wäre das Leben wie wir es kennen kaum denkbar. Ohne Sonnenlicht gäbe es keine Photosynthese und damit keinen Sauerstoff in der Erdatmosphäre. Zudem bilden Pflanzen, neben Mikroorganismen, die Grundlage der Nahrungskette. Das tierische Leben verfügt darüber hinaus über Augen und obgleich es durchaus Tiere gibt, die in völliger Dunkelheit überleben können, wäre für die meisten tagaktiven Spezies das Leben ohne Licht doch eher traurig.

Das schließt natürlich uns Menschen mit ein. Sonne macht glücklich und das nicht nur, weil ihr Licht die Vitamin-D-Bildung in der Haut antreibt. Die Abwesenheit von Sonnenlicht verursacht psychische Probleme, die bis hin zu Depressionen reichen können. Ein paar verregnete Tage am Stück schlagen vielen Menschen bereits aufs Gemüt und in den dunklen Wintermonaten ist die Selbstmordrate am höchsten.

Angesichts der weitreichenden biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Sonne ist es nicht verwunderlich, dass sie seit Menschengedenken verehrt wird. Diese Verehrung hat dabei sogar ganz pragmatische Gründe, denn tagsüber kann man am Sonnenstand lassen sich die Jahreszeiten ablesen, was die Grundlage eines jeden Kalendersystems ist.

Im Sonnenkalender bilden die Winter- und Sommersonnenwenden sowie die Tag-Nacht-Gleichen wichtige Orientierungspunkte. Sonnenwendfeiern können bereits für die Steinzeit belegt werden und Megalithbauten wie Stonehenge sind präzise auf solche Ereignisse ausgelegt. Es sollte nicht verwundern, dass der Wintersonnenwende bei alledem die größte Bedeutung zukommt, denn ab diesem Punkt werden die Tage wieder länger und es steigt die Vorfreude auf den nächsten Frühling, der neue Fruchtbarkeit verspricht. Bei alljährlichen Feiern wie dem Eisenacher Sommergewinn siegt schließlich die Sonne über den Winter.

Sommergewinn

Bis zu diesem Punkt ist die Sonnenanbetung noch absolut verständlich und fernab irgendwelcher okkulten Umtriebe. Die Probleme begannen erst mit der Personifizierung der Sonne als Gottheit. Die Liste der Sonnengötter ist sehr lang. Allein im antiken Ägypten gab es im Laufe der Zeit 6 Sonnengötter, von denen Ra, Horus und Aton die bekanntesten sind. Die Perser kannten u.a. Mithra, der auch in Rom als Mithras verehrt wurde.

Statue der Mithras

Die Römer übernahmen zudem den Lichtgott Apollo von den Griechen und hatten vier weitere eigene Sonnengötter, von denen Sol der wichtigste war. Sol ist heute die wissenschaftliche Bezeichnung der Sonne, wohingegen das deutsche Wort „Sonne“ sowie das englische „Sun“ von der germanischen Göttin Sunna abgeleitet sind. Eine vollständigere Liste der Sonnengötter gibt es hier.

Sonne

Wo es keinen separaten Sonnengott gab, wurden indes andere Gottheiten darum gebeten, die Sonne scheinen zu lassen. Solche naiven Vorstellungen wurzelten in einer Zeit, in der die betreffenden Menschen noch nichts über die Gestalt und Funktionsweise unseres Sonnensystems wussten. Zuweilen führte solch primitiver Aberglauben gar zu blutrünstigen Ritualen wie den berüchtigten Opferzeremonien der Maya zu Ehren Kukulkans.

Ähnlich naiv gestaltet sich bei genauerer Betrachtung aber auch der moderne Monotheismus. Dieser geht laut dem alten Testament auf Abraham zurück, dessen 12 Söhne die Urväter der 12 Stämme Israels sein sollen. Historisch belegbar ist diese Geschichte nicht. Ein historischer Fakt ist dagegen der Atonkult des Pharao Amenophis IV., dessen Herrschaftszeit in die Mitte des zweiten Jahrtausends vor Beginn der Zeitrechnung fällt. Das ist in etwa die Zeit, in der auch Abraham eingeordnet wird.

Aus wissenschaftlicher Sicht gilt Amenophis IV. als Begründer des Monotheismus. Er verbot kurzerhand die Anbetung aller Götter mit Ausnahme von Aton. Sein angenommener Name Echnaton bedeutet in etwa so viel wie „Der Aton dient“. Seine neue Hauptstadt benannte er ebenfalls nach seinem einzigen Gott Achet-Aton. Symbol für den einzigen Gott war eine Sonnenscheibe.

Echnaton_2

Mit Echnatons Tod wurde der Atonkult zerschlagen und die alten Götter kehrten in die Tempel zurück. Doch war dies wirklich das Ende des ägyptischen Monotheismus? Fakt ist, dass Moses ein Ägypter war, der zusammen mit seiner Glaubensgemeinschaft ca. ein halbes Jahrhundert später von Ramses II. aus Ägypten vertrieben wurde. Die zeitliche Nähe lässt inzwischen auch seriöse Historiker und Archäologen vermuten, dass Moses möglicherweise einem Teil der ägyptischen Priesterschaft angehörte, die Echnatons Monotheismus im Untergrund fortführte. Damit wäre das Judentum im Ursprung ein pharaonischer Sonnenkult.

Im babylonischen Exil übernahm das Judentum auch Aspekte aus dem Zoroastrismus. Aus dieser persischen Religion stammt unter anderem das duale Prinzip eines Schöpfergottes (Ahura Mazda) auf der einen und eines Teufels (Ahriman) auf der anderen Seite. Das Judentum blieb also kein reiner Sonnenkult, sondern entwickelte sich weiter und übernahm dabei Aspekte zahlreicher anderer, auch polytheistischer Religionen.

Vom Judentum spaltete sich wiederum nach dem Tod von Jesus das Christentum ab und später auch der Islam. Von allen drei monotheistischen Religionen finden sich im Christentum bis heute die meisten Sonnensymbole. Das fängt schon beim Kreuz an, welches den jährlichen Sonnenverlauf zeigt. Das kurze obere Ende steht dabei für die Wintersonnenwende, der lange untere Teile für die Sommersonnenwende und die beiden gleich langen Enden des Querbalkens für die Tage-Nacht-Gleichen. In einigen Darstellungen wird das Kreuz sogar durch einen Kreis ergänzt, der für den ewigen Kreislauf der Jahreszeiten steht. Dieses Symbol kannten bereits die Kelten vor ihrer Christianisierung.

Keltenkreuze

Am offensichtlichsten ist die Bedeutung des kreuzes als Sonnensymbol bei der Neoapostolischen Kirche.

Neoapostolisches Sonnenkreuz

Es gibt allerdings noch weitaus konkretere Sonnendarstellungen in Kirchen und dem Vatikan.

Man beachte die Betonung des Horusauges.

Man beachte die Betonung des Horusauges.

Nicht zu vergessen des Logo des Jesuitenordens, welches die Buchstaben „IHS“ in einem Sonnenkranz zeigt.

Jesuitenkirche

Der allgegenwärtige Heiligenschein repräsentiert ebenfalls die Sonne und erinnert stark an die Sonnenscheiben, die einige ägyptische Gottheiten über dem Kopf trugen. Hier werden die antiken Wurzeln des Christentums im Aton-Kult offensichtlich.

Heiligenschein

Mehr Sonnensymbolik gibt es eigentlich nur noch in der Freimaurerei. Zum einen wäre da die geflügelte Sonne, welche ebenfalls aus dem antiken Ägypten stammt und bereits bei den Sumerern zu finden war.

gefluegelte-sonne-altes-aegypten

Die reine Sonnenscheibe ist allerdings noch weiter verbreitet und vor allem in der Architektur omnipräsent. In der Regel wird die Sonnenscheibe von zwei quadratischen Elementen umrahmt, wodurch wiederum der Eindruck einer geflügelten Sonne entsteht. Jeder kann für sich selbst das Experiment machen, durch eine beliebige Stadt zu spazieren und diese Sonnendarstellungen zu zählen. Es werden in jedem Falle hunderte sein, die sich meist unter oder über Fenstern, an Balken oder auf Türen befinden. In jedem Fall kann davon ausgegangen werden, dass der Architekt oder Bauherr ein Freimaurer war.

Sonnensymbol 1

Sonnensymbol 2

Weitere Sonnensymbole finden sich auf Staatsflaggen wie z.B. der von Japan oder Tibet. Mit Freimaurerei muss dies aber nicht immer zu tun haben, da die entsprechenden Sonnenkulte in eine Zeit weit vor der Gründung der ersten Loge zurückreichen.

Flagge Japan

Die japanische Sonnengöttin Amaterasu.

Die japanische Sonnengöttin Amaterasu.

Interessanterweise war die Sonnenanbetung auch im eher atheistisch geprägten Ostblock weit verbreitet. Sonnensymbole gab es dabei sowohl in der Sowjetunion als auch in der DDR, ganz konkret bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Ein freimaurerischer Hintergrund ist nicht auszuschließen, sollte jedoch nicht überbewertet werden.

FDJ Sonne

Neben der goldenen Sonne, die aus nachvollziehbaren Gründen durch alle Zeitalter hinweg verehrt wurde, gibt es auch noch die schwarze Sonne, die u.a. von den Nazis angebetet wurde. Gemeint ist damit der Planet Saturn, der für Satan steht. Während die helle Sonne das Leben verkörpert, repräsentiert die schwarze Sonne folgerichtig den Tod. Es ist daher einleuchtend, dass sie den Boden des Obergruppenführersaals in der Wewelsburg ziert, dem Zentrum von Heinrich Himmlers SS.

Black Sun Wewelsburg

Das Weltenei – Geburt einer Schlange

von Anton Nymous

Das Weltenei ist Bestandteil vieler Schöpfungsmythen und damit ein universelles Symbol. Aus dem Ei soll den Legenden nach die Welt in Gestalt eines Allgottes geschlüpft sein, der interessanterweise in vielen Kulturen mit oder sogar als Schlange dargestellt wird. Es handelt sich also offensichtlich nicht um ein Hühnerei und sollte dementsprechend auch nicht mit diesem Fruchtbarkeitssymbol verwechselt werden, welches bunt angemalt als Osterdekoration dient.

Weltenei

In der ägyptischen Götterlehre war alles noch etwas anders. Der Legende nach legte Amun ein Gänseei, aus dem die Welt hervorging. Er galt den Ägyptern als Allgott, der als halb männlich und halb weiblich dargestellt wurde. Sein Name war so geheim, dass er mit einem Fluch belegt war. Allerdings könnte sein Ruf bis nach Mali gelangt sein, wo die Dogon bis heute einen Schöpfergott namens Amman anbeten. Die Ähnlichkeit der Namen ist verblüffend und darüber hinaus erschuf Amman ebenso wie Amun ein Weltenei.

Im antiken Griechenland war das Weltenei Teil des Dionysoskultes. In diesem schlüpfte ein ebenfalls zweigeschlechtlicher Schöpfergott aus einem Ei und dieser war ebenso geheimnisumwittert wie Amun. Weitere Parallelen gibt es zum hinduistischen Schöpfungsmythos, in dem sich der Samen des Gottes Prajapati in ein goldenes Ei verwandelte, aus welchem er selbst nach einem Jahr als Brahman schlüpfte. Aus den beiden Schalenhälften formte er anschließend Himmel und Erde. Ebenso wie Amun ist Brahman halb männlich, halb weiblich. Zu beachten ist bei diesem Hindu-Mythos darüber hinaus die goldene Färbung des Eies, welche im Originaltext mit der Sonne assoziiert wird.

Einen ähnlichen Schöpfungsmythos gibt es auch in Skandinavien. Dem finnischen Nationalepos Kalevala zufolge legte eine Tauchente ein Ei in den Schoß der Luftgöttin Ilmata. Wie in der Hindu-Mythologie formte diese aus der unteren Schalenhälfte die Erde und aus der oberen den Himmel. Zusätzlich schuf Ilmata aus dem Eiweiß den Mond und aus dem Dotter die Sonne.

Diese Assoziation ist so simpel wie einleuchtend und führt uns direkt zum Mithraskult im antiken Rom. In diesem wurde der Sonnengott Mithras in einem Ei dargestellt, welches von den 12 Tierkreiszeichen umringt ist. Nun ist es durchaus logisch, dass Mithras als Verkörperung der Sonne in der Mitte des Tierkreises steht, dieser müsste aber eigentlich 13 Sternbilder umfassen. Der Schlangenträger fehlt in dieser Darstellung aber keineswegs. Mithras selbst trägt die Schlange.

Weltenei Mithras

Im Zoroastrismus diente das Weltenei ebenfalls dem Gott des Lichtes, Ahura Mazda, als Behältnis für die von ihm geschaffenen Sterne sowie die 30 guten Götter. Allerdings ist in dieser antiken Religion nicht der Gott des Lichtes der Schlangenträger. Sein Gegenspieler Ahriman, der Gott der Finsternis, erschuf in der Folge ebenso viele böse Götter, welche sich auf allen Seiten in das Weltenei bohrten und hineinschlüpften. Ahriman ist die Vorlage des biblischen Luzifers, welcher u.a. als Schlange dargestellt wird. Es gibt jedoch kleinere Unterschiede, denn Luzifer ist laut Bibel ein gefallener Engel Gottes, während Ahriman und Ahura Mazda beide Söhne von Zurvan, dem Gott der endlosen Zeit, sind.

Neben der Rolle des Schlangenträgers und der Vergiftung des Welteneies durch böse Götter gibt es schlussendlich noch die Mythologie der marokkanischen Gnawa, laut der die Welt direkt aus einem Schlangenei entstand. Lässt sich daraus nun ableiten, dass unsere Welt oder zumindest die frühen Kulturen von Schlangenwesen begründet wurden?

Die phrygische Mütze der Jakobiner

von Anton Nymous

Die Jakobiner trugen während der französischen Revolution als Erkennungszeichen rote Mützen mit einem runden Zipfel. Die Form dieser Mützen stammt aus der Antike und war bei den Phrygern populär, welche ihren kulturellen Höhepunkt um 800 v.Z. hatten. Angefertigt wurde die phrygische Mütze damals aus gegerbtem Stier-Hodensack, was ihr einen sexuellen Charakter verleiht.

Phrygische Mütze

Es ist jedoch anzuzweifeln, dass die Jakobiner die phrygische Mützenform aus diesem Grund wählten. Zumal sie ihre Mützen aus rot gefärbtem Stoff nähten, statt sich wie die Phryger Hodensäcke auf den Kopf zu setzen. Offiziell erlagen die Jakobiner schlichtweg dem Irrtum, in der Antike hätten freigelassene Sklaven solche Mützen getragen, weshalb diese zum Symbol der Freiheit erhoben wurden. Tatsächlich trugen die freigelassenen Sklaven der Antike aber eine Pileus genannte Kappe.

Diese Erklärung scheint alles in allem stark konstruiert. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass die Jakobiner die phrygische Mütze vom römischen Sonnengott Mithras übernahmen. Denn während ihrer Terrorherrschaft versuchten führende Jakobiner, einen gnostischen Sonnenkult zu etablieren, der das Christentum ablösen sollte. Robespierre höchstpersönlich ließ sogar einen neuen Feiertag zu Ehren eines nicht näher benannten „höchsten Wesens“ ausrufen. Die Mithrasmütze scheint damit eine weitaus okkultere Bedeutung zu haben, als es zunächst den Anschein hat.

Antike Darstellung des Sonnengottes Mithras

Antike Darstellung des Sonnengottes Mithras

Die Freiheit führt das Volk (Eugène Delacroix)

Die Freiheit führt das Volk (Eugène Delacroix)

Abgeleitet von der Jakobinermütze ist übrigens auch die Zipfelmütze des „deutschen Michels“. Deren Zipfel ist jedoch viel länger und hängt nach unten, womit in Karikaturen auf die passive Haltung der Deutschen verwiesen wurde, die ihre Chance zur Revolution verpennt hatten.

Deutscher Michel

Die Fackel – Es werde Licht

von Anton Nymous

Die Fackel ist neben dem Lagerfeuer die älteste Lichtquelle der Menschheit und erlaubte es unseren Urahnen, das Feuer mit sich zu tragen. Für die Menschen stellte die Kontrolle über das Feuer einen kulturellen Evolutionssprung dar. Es erlaubte ihnen zunächst, sich gegen Raubtiere zu verteidigen und Beutetiere zu garen. Später entwickelten sich zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten wie das Brennen von Ziegeln und das Schmelzen von Metall.

Die mythologische Bedeutung knüpft unmittelbar an die Nutzbarmachung des Feuers durch den Menschen an. Die Fackel steht daher für den Erwerb von Wissen und in diesem Sinne für geistige Erleuchtung. Der griechische Gott Prometheus nutzte zum Beispiel der Legende nach den Stängel eines Riesenfenchels als Fackel, mit der er die Funken der Sonne auffing, um den Menschen das Feuer zurück zu bringen. Dieses war den Sterblichen zuvor als Strafmaßnahme von den anderen Göttern genommen worden.

Prometheus

Hier ergeben sich gewisse Parallelen zu Luzifers Rolle in der Bibel, welcher den Menschen ebenfalls die Erkenntnis brachte und dafür hart bestraft wurde. Allerdings gibt es auch gravierende Unterschiede. So sind Luzifer und Gott im Alten Testament Kontrahenten, während die Menschen in der griechischen Mythologie nicht nur von Prometheus erleuchtet, sondern auch von ihm aus Ton erschaffen worden sind. Prometheus vereint also beide Aspekte in sich und wird dadurch zu einem gänzlich positiven Charakter.

Weiterhin wird die Erkenntnis in der Bibel nicht mit Feuer assoziiert, sondern mit einem Baum. Auf der anderen Seite bedeutet der lateinische Name Luzifer jedoch übersetzt „Lichtträger“, womit auch ihm die Fackel in die Hand gedrückt wird. Ebenso wird in den modernen Darstellungen des Baphomet nach Éliphas Lévi dieser mit einer Fackel auf dem Kopf dargestellt. Mit solch okkulten Interpretationen wird der eigentlich positive Prozess der Erleuchtung negiert, was ganz im Sinne der katholischen Kirche ist, die die Menschheit schon immer unwissend und dumm gehalten hat.

Baphomet Fackel

Die Fackel kann jedoch nicht auf eine luziferische Bedeutung reduziert werden. Im Gegenteil kommt sie sogar im Christentum selbst als Symbol für die Kardinalstugend der Weisheit vor. Auf den britischen Hebrideninseln war es indes Brauch, dreimal täglich eine Fackel um die Wiege eines noch ungetauften Säuglings zu tragen, um böse Geister fern zu halten.

Wie bei so vielen Symbolen kommt es auch bei der Interpretation der Fackel auf den Kontext an. In der Freimaurerei muss dieser nicht zwangsläufig luziferisch sein. Die Logenbrüder machten die Fackel im 17. Jahrhundert als Symbol der Aufklärung populär, was im positiven Sinne eher eine Anspielung auf Prometheus sein dürfte.

Es gibt jedoch ebenso Hinweise auf eine Verbindung der Freimaurerei zum Mithraskult, welcher im antiken Rom verbreitet war. Da der römische Gott Mithras (nicht zu verwechseln mit dem persischen Gott Mithra) eine mythologische Verkörperung der Sonne war, handelt es sich bei seiner Anhängerschaft um einen Sonnenkult. Sonnensymbole sind in der Freimaurerei ebenfalls weit verbreitet und zu deren Symbolen zählt auch die Fackel. Wie bereits im Mithraskult steht dabei die nach oben gerichtete Fackel für den Sonnenaufgang, während die nach unten gerichtete Fackel den Sonnenuntergang symbolisiert.

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Eine weitere Verbindung zum Mithraskult stellt die am 28. Oktober 1886 eingeweihte amerikanische Freiheitsstaue dar, die eigentlich aus Frankreich stammt. Die Statue geht auf eine Idee des französischen Politikers Édouard René Lefebvre de Laboulaye (1811-1883) zurück, der für die Zusammenarbeit der USA und Frankreich an einem gemeinschaftlichen Werk eintrat. Obwohl er die neue Weltordnung nicht namentlich nannte, zeigen bereits die Farben der Nationalflaggen beider Länder, dass es sich nur um Freimaurerwerk handeln kann. Entworfen wurde die Freiheitsstatue dementsprechend von einem hochrangigen Freimaurer, dem französischen Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi (1834-1904).

Bartholdi mit verdeckter Hand

Bartholdi mit verdeckter Hand

Bartholdi entwickelte das Design zunächst in Anlehnung an den Koloss von Rhodos als Leuchtturm für das nördliche Ende des Suez-Kanals. Der Koloss von Rhodos stellte den griechischen Sonnengott Helios dar, was die Ähnlichkeiten zur Freiheitsstatue erklärt. Diese ist mit anderen Worten ganz offiziell eine Sonnengöttin.

Statue des Helios

Ähnlichkeiten gibt es ebenso zwischen Helios und Mithras, denn immerhin waren beide Sonnengötter. Die Römer übernahmen fast das gesamte Pantheon der Griechen, gaben den Göttern allerdings neue Namen (Zeus=Jupiter etc.). Es ist also vollkommen egal, ob man in der Freiheitsstatue eine Repräsentation von Mithras oder Helios sieht, da es aufs selbe hinausläuft.

Statue der Mithras

Eine weitere Parallele gibt es zwischen der Freiheitsstatue und der fiktiven Figur Columbia, die nach Columbus benannt wurde und seit dem 18. Jahrhundert die Vereinigten Staaten von Amerika repräsentiert. Als sich die US-Filmschmiede Cohn-Brandt-Cohn Film Sales Corporation (CBC) 1924 in Columbia Pictures umbenannte, stellten sie die Columbia als antike Göttin mit einer Fackel dar.

Möglicherweise wurde hier einfach die Columbia mit der Freiheitsstatue vermischt, da beide Figuren mit den USA assoziiert werden können und man mit solch patriotischen Symbolen ganz offiziell das Image des Konzerns aufpolieren wollte. Allerdings gibt es diverse andere Theorien über den mythologischen Ursprung der Columbia. Auffällig ist dabei, dass man bei ihr auf die Krone aus Sonnenstrahlen verzichtete, die der New Yorker Sonnengöttin zueigen sind. Im Gegenzug darf die Columbia auf einer Stufenpyramide stehen, die in eine illuminierte Wolkenpyramide übergeht.

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Die Fackel ist jedoch nicht allein Sonnengöttern vorbehalten. Sie ist außerdem ein Attribut der syrischen Gottheiten Astarte und Anat sowie der persischen Anahita. In der griechischen Mythologie steht Prometheus ebenfalls nicht allein mit Fackel da. Die Göttin der Magie und Nekromantie, Hekate, ist ebenfalls eine Fackelträgerin. Erstaunlicherweise weist auch sie Ähnlichkeiten mit der Freiheitsstatue auf, was jedoch dem Umstand geschuldet sein dürfte, dass sie wie Helios zum griechischen Pantheon gehört.

Statue der Hekate

Eine weitere Göttin, die zwar selbst keine Fackel trägt, aber der zu Ehren das Olympische Feuer entzündet wird, ist Hestia, Göttin des Herd- und Opferfeuers. Die Fackelläufe in der Antike unterschieden sich jedoch erheblich von den heutigen Ritualen. Ursprünglich handelte es sich um nächtliche Wettläufe, bei denen es nicht nur auf Schnelligkeit ankam, sondern auch darauf, das Feuer nicht ausgehen zu lassen. Diese Sportart wurde zudem nicht nur zur Olympiade durchgeführt, sondern ebenso an anderen Festen zu ehren der olympischen Feuergötter.

Der heutige Fackellauf, bei welchem das olympische Feuer von Athen aus zu den Austragungsorten der Olympischen Spiele getragen wird, hat indes eine ziemlich düstere Geschichte. Zwar wurde das erste olympische Feuer der Neuzeit 1928 in Amsterdam entzündet, der erste Fackellauf fand jedoch erst 1936 im Vorfeld der Olympischen Spiele in Berlin statt. Die Anweisung zu dieser Inszenierung stammte von keinem geringeren, als dem deutschen Propagandaminister Joseph Goebbels. Die Kommunistische Partei Griechenlands versuchte damals leider erfolglos, diese Entweihung des Olympischen Feuers zu verhindern.

Man beachte die Pyramiden auf den Trikots...

Man beachte die Pyramiden auf den Trikots…

Die Nazis hatten ihrerseits bereits in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1933 Erfahrungen mit Fackelzügen gemacht. Anlass für den Fackelzug durch das Brandenburger Tor in Berlin war damals die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Angesichts dieser Vergangenheit ist die heutige Verwendung von Fackeln beim Zapfenstreich der Bundeswehr historisch absolut unverantwortlich.

Fackelzug 33

Vergleichbare Fackelzüge gab es bei den deutschen Burschenschaften bis in den 1960er Jahre hinein. Die inzwischen verbotene rechtsextreme Gruppierung der „Unsterblichen“ suchte das Land gar erst vor wenigen Jahren mit derartigen nächtlichen Inszenierungen heim. Diese gruslige Verwendung der Fackel ist in jedem Falle okkult zu deuten. Gleiches gilt für die Fackelumzüge während der alljährlichen Walpurgisnacht, was nahe liegend erscheint.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Fackel in erster Linie für das Feuer der Sonne steht sowie als Symbol der Erleuchtung. Letzteres kann zwar luziferisch gedeutet werden, muss es aber nicht in jedem Fall. Ebenso hängt die Bedeutung von Fackelzügen vom kulturellen Kontext ab. In Deutschland haben sie dank den Nazis freilich einen sehr negativen Beigeschmack.