Literatur zum Heulen

In der Literatur kommen Werwölfe bereits seit der Antike vor. Im fast 4.000 Jahre alten Gilgamesch-Epos verwandelt z.B. die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf. Es ist zwar durchaus möglich, dass dieser Epos einen wahren Kern hat, da er Bezug auf reale Ereignisse wie die Sintflut nimmt, doch eine solche Verwandlung ließe sich nur mittels prä-astronautischer Theorien erklären.

Bei der „Naturalis Historia“ von Plinius dem Älteren (ca. 24-79) handelt es sich indes um eine definitiv naturwissenschaftliche Abhandlung, in welcher ebenfalls Wolfsmenschen erwähnt werden. Plinius hielt diese zwar für einen Mythos, doch könnte dieser sehr wohl plausibel durch die Hypertrichose erklärt werden. Dies gilt jedoch nicht für nächtliche Verwandlungen bei Vollmond, wie sie der schwedische Katholik Olaus Magnus (1490-1557) in seinem Werk „Geschichte der nördlichen Völker“ ernsthaft in Erwägung zog. Statt einer wissenschaftlichen Arbeit lieferte Magnus ein religiöses Pamphlet ab, welches aber die Grundlage der modernen Werwolfsliteratur darstellt.

Einer der ältesten Romane des Werwolf-Genres ist “Wagner, the Werewolf” von George W. M. Reynolds, welcher 1846 erschien.

Wagner The Werewolf

In den letzten 25 Jahren erschien eine wahre Flut von Werwolfsromanen, sodass an dieser Stelle eine unvollständige Auflistung ausreichen muss. Wie bereits beim Vampir-Genre dürfte der Markt bald von den Werwolfsgeschichten nach Schema F übersättigt sein.

● Guy Endore: „The Werewolf of Paris“,1933
● Louis Whitley Strieber: „Wolfsbrut“, 1978
● Stephen King: „Das Jahr des Werwolfs“, Kalendergeschichten von 1988, und „Der Werwolf von Tarker Mills“, Kalendergeschichten von 1991
● Roger L. DiSilvestro: „Werwölfe küssen gut“, 1989
● Wayne Smith: „Thor“, 1991
● Laurell K. Hamilton: „Anita-Blake”-Serie, seit 1993
● Gillian Bradshaw: „Das Lied des Wolfes“ (Originaltitel „The Wolf Hunt“), 1997
● Wolfgang Hohlbein: „Wolfsherz“, 1999

Wolfsherz

● Joanne K. Rowling: „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, 1999
● Alice Borchardt „Die Silberwölfin“, 2000, und „Der Gesang der Wölfin“, 2001
● Donna Boyd: „Das Haus der Wölfe“ und „Die Schneewölfin“, 2001
● Kelley Armstrong: „Die Nacht der Wölfin“, 2003, und „Rückkehr der Wölfin“, 2004
● Markus Heitz: „Ritus“ und „Sanctum“, 2006

Ritus & Sanctum

● Sarah Baines: „Die Spur der Wölfin“, 2006
● Stephenie Meyer: „Bis(s)“-Serie, ab 2006
● Patricia Briggs: „Ruf des Mondes“, 2007
● Jim Butcher: „Wolfsjagd“, dt. Erstausgabe 2007
● Kit Whitfield: „Wolfsspur“, 2007

Cover in Blau/Rot

Cover in Blau/Rot.

● Lynn Raven: „Werwolf“, 2008
● Kresley Cole: „Nacht des Begehrens“, 2008, und „Versuchung des Blutes“, 2009
● Brigitte Melzer: „Wolfsgier”, 2009

Cover in Blau/Rot

Cover in Blau/Rot.

● Christoph Hardebusch: „Die Werwölfe“, 2009

Noch mehr Blau/Rot-Symbolik…

Noch mehr Blau/Rot-Symbolik…

● Nicholas Pekearo: „Wolfsrache”, 2009

Cover mit allsehendem Auge.

Cover mit allsehendem Auge.

● Carrie Vaughn: „Midnight Hour”-Serie, 2009
● Sandra Henke: „Alphawolf“, 2010 und weitere Bände der „Alpha“-Reihe
● Rainer Stenzenberger: „Berlin Werwolf – Blutsbrüder“ und „Berlin Werwolf – Rache“, 2012

Berlin Werwolf

● Simone Dorra: „Fluchmond“, 2014
● André Wiesler: „Hexenmacher. Die Chroniken des Hagen von Stein“; „Teufelshatz. Die Chroniken des Hagen von Stein 2“; „Wolfsfluch. Die Chroniken des Hagen von Stein 3“
● Lori Handeland: „Night Creature: “Wolfskuss”; „Night Creature: Wolfsgesang”; „Night Creature: Wolfsglut”; „Night Creature: Wolfsfieber”; „Night Creature:. Wolfsbann “; „Night Creature: Wolfspfade”
● Kim Harrison: „Rachel-Morgan“-Serie

Noch mehr allsehende Augen…

Noch mehr allsehende Augen…

Werwolfsmusik

Da es den Glauben an Werwölfe und ähnliche Wesen seit Jahrtausenden in vielen Kulturen gibt, ist es nicht verwunderlich, dass er vielen Künstlern als Inspiration diente. Primär sind Lieder über Werwölfe in musikalischen Subgenres wie Metal und Gothic vertreten. Neben Moonspell ist die „Lykanthropie“/“Lycanthropy“ auch bei ASP und Six Feet Under verbreitet. Den „Werwolf“ beim Namen nennen u.a. Rage und F.R. feat. Casper & Phreaky Flave. Von der Rückkehr des Werwolfs kündet indes „Return of the Werewolf“ von Usurper.

Die deutsche Horrorpunkband Der Fluch veröffentlichte 1982 ein Lied mit dem Titel „Junger Werwolf“, in dem es um den Spaß am Töten geht. Das ist wohl „Die traurige Wahrheit über Werwölfe“, welche auch die Band Transilvanian Beat Club kennt. Die deutsche Pseudo-Gothband E Nomine schilderte in ihrem Stück „Wolfen (das Tier in mir)“ ebenfalls die animalischen Begierden und Taten aus der Sicht eines Mannes, der vom Fluch des Werwolfs betroffen ist.

DeWolff haben ein ganzes Konzeptalbum mit dem Titel „Roux-Ga-Roux“ herausgebracht. Der Wolf steht auf dem Cover aber weniger im Licht des Vollmondes, sondern viel mehr im Zeichen von Venus und Saturn.

DeWolff - Roux Ga Roux

Allerdings sind nicht ausschließlich Männer von diesem Fluch betroffen. Sowohl Megadeth als auch Shakira haben schon über den „She Wolf“ gesungen.

Shakira Wolf

In der Regel dominieren jedoch die patriarchalen Klischees, welche vor allem in der Rock- und Metal-Szene verbreitet sind. Im Bereich Trash Rock’n’Roll wäre da „I am the Wolfman“ von der österreichischen Band The Incredible Staggers, in der Heavy-Metal-Sparte gibt es „Of Wolf and Man“ von Metallica und „Animal“ von Disturbed. “The Animal I Have Become” von Three Days Grace deckt den Bereich Alternative Rock ab, “Sunshine the Werewolf” von The Dillinger Escape Plan ist im Mathcore angesiedelt und die Power-Metal-Band Iced Earth hat ebenfalls einen „Wolf“ in ihrem Musikzoo. Gleiches gilt für die südkoreanische Pop-Band Exo, deren „Wolf“ jedoch musikalisch total aus der Rolle fällt. Der ist bestenfalls Futter für den unangefochtenen „Alphawolf“, den wir bei der thüringischen Death-Metal-Band Eisregen finden.

Als „Alphatier“ bezeichnete sich auch Honey von der Elektropop-Band welle:erdball auf dem 2006 erschienenen Album „Chaos total“. Außerdem fand sich bereits auf dem zweiten Album „Alles ist möglich“ von 1995 die Single „W.O.L.F.“ Offensichtlich „ein Fehler der Natur“, hat dieser Werwolf nur ein Auge.

WOLF

Marius Müller-Westernhagen sieht sich auf seinem neusten Album von 2014 ebenfalls als „Alphatier“, passend mit Werwolfsaugen.

Westernhagen - Alphawolf

Bleiben wir noch etwas in den deutschen Wäldern und machen eine musikalische Reise ins Mittelalter, wo Schandmaul einst den „Wolfsmensch“ und Saltation Mortis den „Varulfen“ besangen. Subway to Sally hatten ebenfalls schon einen „Wolfstraum“, während die deutsche Hard-Rock Band Motorjesus das Werwolfdasein in ihrem Titel „The Howling“ eher als Alptraum betrachtete.

Ein weiteres Verbreitungsgebiet von Werwölfen scheint London zu sein, wo das Thema eher humoristisch bis makaber verarbeitet wird. So z.B. im vielfach interpretierten Gassenhauer „Werewolves of London“ von Warren Zevon (1947-2003) und in „American Werewolves in London“ von Wednesday 13.

Warren Zevon - Werewolfes of London

Ebenfalls Macrabe ist „The Werewolf of Bedburg”, denn dieser wird von der entsprechenden US-Death-Metal-Band besungen. Von „Werewolves of Armenia” weiß indes die deutsche Power Metal-Band mit dem passenden Namen Powerwolf zu berichten.

Powerwolf - Alive in the Night

Da sich Werwölfe bekanntlich bei Vollmond verwandeln, gibt es zahlreiche Titel mit entsprechenden Bezugnahmen. Darunter „Full Moon“ von Sonata Arctica, welches vom Leben eines Werwolfes in Menschengestalt bis zu seiner Verwandlung erzählt. Die meisten Albencover der Band zeigen zudem Wölfe.

Sonata Arctica - The Last Greys

Sonata Arctica Wolf

Sonata Arctica - The Collection

Da könnte man glatt den Mond anheulen. Wobei der Schockrocker Ozzy Osbourne dem bereits 1983 mit seinem Album „Bark at the Moon“ nachkam.

Bark at the Moon

Ceremonial Castings gaben auf einer MCD gleichermaßen ihre „Fullmoon Passions“ offen zu.

Ceremonial Castings - Fullmoon Passions

Songs über den „Wolfmoon“ gab es weiterhin schon von Type O Negative und The Vision Bleak. Die deutsche Mittelalterband In Extremo verarbeitete das Thema ebenfalls in „Schau zum Mond“ und die niederländische Popgruppe Loona besang 1998 in „Hijo de la luna“ die Sage einer Zigeunerin, die den Mond um einen Mann bittet. Im Gegenzug muss sie ihm dafür den Erstgeborenen als „Kind des Mondes“ geben, was allegorisch zu „Werwolf“ zu verstehen ist.

Loona

In „Waking the Demon“ von Bullet for my Valentine geht es indes um einen Jungen, der in der Schule gemobbt wird, bis er sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt und sich an einem seiner Peiniger rächt.

Neben dem Werwolfsthema gibt es noch eine Reihe von Beispielen, in denen Wölfe eine zentrale Rolle spielen, wie die folgenden Albencover zeigen.

Goetia Wolf

Never Cry Wolf

Videoanalyse: Michael Jacksons Thriller

1982 erschien Michael Jacksons Album „Thriller”. Für die gleichnamige Single wurde ein aufwendiges Horrorvideo produziert, in welchem sich der Sänger in einen Werwolf verwandelt. Trotz des hochgradig okkulten Themas betonte Michael Jackson (1958-2009) gleich vorweg, dass er aufgrund seiner persönlichen Überzeugungen mit diesem Film nicht für den Glauben an das Okkulte werben wollte.

01 Hinweis

Das ist ein wenig ironisch, denn zu diesem Zeitpunkt war er bereits komplett von okkulten Symbolen umgeben. Der Hinweis ergibt aber dennoch Sinn, da Michael Jackson wohl tatsächlich nur ein Spielball der okkulten Musikmafia war. Er konnte sich ohnehin nie so ganz mit der satanistischen Elite anfreunden, die im Kern stark rassistisch ist und ihn als Afroamerikaner stets nur ausbeutete. Zwar wurde Jackson ab Mitte der 1980er durch die Hautkrankheit Vitiligo selbst zu einem Weißen, was er jedoch offen bedauerte. Er stand zu dem, was er war und kehrte Sony nach 2000 den Rücken zu.

Ab 2001 sprach er dann mehrfach sehr direkt von einer Verschwörung innerhalb der Musikindustrie, welche sein letztes Album in zahlreichen Negativkritiken verrissen hatte. Bei einem Auftritt am 15. Juni 2002 in London nannte er den damaligen Sony-Chef Tommy Mottola sogar den Teufel. 2009 wurde Jackson schließlich kurz vor dem Beginn seiner finalen Tournee mit dem Titel „This is it“ ermordet.

Gehen wir also davon aus, dass die okkulte Symbolik nicht auf Michael Jacksons eigenem Mist gewachsen ist. Dennoch ist sie in „Thriller“ für jedermann gut sichtbar.

02 Thriller

Das Video beginnt mit einem harmlosen Nachtspaziergang, bei dem Michael seiner Angebeteten einen Verlobungsring überreicht. Er teilt ihr außerdem mit, dass er nicht so wie die anderen Jungs ist. Was er damit meint, zeigt sich kurz darauf, als gegen Mitternacht der Vollmond sichtbar wird.

03 Vollmond

Als die Verwandlung zum Werwolf einsetzt, bekommt Michael nicht etwa Wolfsaugen, sondern Reptilienaugen.

04 Reptojacko

Nun, vielleicht ist er ja auch ein Werkater. So genau kann man das nicht einordnen, aber zumindest würde das seine geschlitzten Pupillen erklären.

05 Verwandlung_1

06 Verwandlung_2

Die nächste Minute hetzt Jacko seine Freundin durch den Wald. Wie sich jedoch herausstellt, ist alles nur ein Film, den er sich mit einer anderen Freundin ansieht. Deren Jacke hat ein blaues Leopardenfellmuster, was sie dezent zu seinem Sexkätzchen degradiert.

07 Sexkitten_1

08 Sexkitten_2

Michaels Freundin rennt aus dem Kino, wo es rechts neben dem Filmtitel gleich mal etwas Schleichwerbung für das verantwortliche Label Sony gibt.

09 Product Placement

Jacko folgt seiner Angebeteten und tänzelt zunächst einmal um sie herum. Auffällig ist, dass Sie eine Blau/Rot-Kombination trägt, während Michael komplett in satanisches Rot gekleidet ist.

10 BlauRot

Seine Worte sind ebenso wenig beruhigend:

„“It’s close to midnight
And something evil’s lurking in the dark
Under the moonlight
You see a sight that almost stops your heart”

“Es ist kurz vor Mitternacht
Und etwas Böses lauert im Dunkeln
Unter dem Mondlicht
Siehst du einen Anblick, der fast dein Herz anhält”

Passend dazu kommen die beiden an einem Friedhof vorbei, auf dem sich alsbald die Zombies aus ihren Gräbern erheben. Eine Stimme verkündet, dass es Mitternacht ist und die betreffenden Kreaturen auf der Suche nach Blut sind.

11 Friedhof

Es folgt der erste Zombiewalk in einem Musikvideo…

12 Zombiewalk

Als das Teeniepärchen von den Zombies umzingelt wird, verwandelt sich Michael plötzlich selbst in einen. Das ist nicht wirklich besser als die Verwandlung in einen Werwolf, ein paar Minuten zuvor. Offensichtlich ist Jacko der Anführer der Untoten und sie tanzen im wahrsten Sinne des Wortes nach seiner Pfeife.

„Cause this is Thriller, Thriller night
And no one’s gonna save you”

“Denn das ist Thriller, Thriller-Nacht
Und niemand wird dich retten“

13 Oberzombie

Seine Freundin flieht indes in eine verlassene Bruchbude, wo sie letztendlich in der Falle sitzt. Passend dazu heißt es im Text:

„You hear a door slam
And realize there’s nowhere left to run
You feel the cold hand
And wonder if you’ll ever see the sun
You close your eyes
And hope that this is just imagination”

“Du hörst die Türe zuknallen
Und realisiert, du kannst nirgendwo hin entkommen
Du fühlst eine kalte Hand
Und würdest dich wundern, wenn du jemals wieder die Sonne siehst
Du schließt deine Augen
Und hoffst, dass alles nur Einbildung ist“

Und tatsächlich: Als Michael nach ihr greift, wacht sie auf. Scheinbar war alles nur ein Traum. Oder doch nicht? In der letzten Einstellung blickt Michael Jackson noch einmal zurück und hat erneut Reptilienaugen. Rechts neben ihm steht ein weißer Obelisk, der den freimaurerisch-okkulten Charakter dieses Musikvideos noch einmal unterstreicht.

14 Reptoobelisk

Okkult ist auch die folgende Textpassage:

„They’re out to get you
There’s demons closing in on every side
They will possess you”

“Sie wollen dich bekommen,
Da sind Dämonen, die von allen Seiten kommen
Sie werden dich besetzen“

Das Lied ist voll von solch dämonischen Szenarios und dreht sich ausschließlich darum, Menschen zu schockieren und zu ängstigen. Selbstverständlich steht dies im Widerspruch zum Hinweis am Beginn des Videos, aber wie gesagt spiegelt dieser nur Michael Jacksons persönliche Meinung wieder und nicht die der Produzenten dieses okkulten Gruseltheaters.

Videoanalyse: Moonspell und der böse Wolf

Die portugiesische Gothic Metal-Band Moonspell kann gleich mit mehreren Songs zum Thema (Wer)Wölfe aufwarten. Bereits auf ihrem Debütalbum „Wolfheart“ finden sich u.a. Songtitel wie „Full Moon Madness“ und „Wolfshade“.

Moonspell - Wolfheart

Weitere Titel zum Thema sind „Wolves From The Fog“ und „Lickanthrope“. Das Video zu letzterem Song ähnelt dem Film „Red Riding Hood“ und macht ebenfalls aus dem Märchen „Rotkäppchen“ eine Werwolfsgeschichte. Bezugnahmen auf das Märchen der Gebrüder Grimm gibt es dabei sowohl in Wort als auch in Bild.

„Little red riding hood
Godspeed, prostitute”

01 Rotkäppchen

Rotkäppchen sucht offenbar einen Hellfire Club auf, in dem direkt neben leicht bekleideten Tänzerinnen ein kleiner, nackter Junge angeboten wird. Eine sehr direkte Anspielung auf rituellen Kindesmissbrauch.

02 Abuse

Unter dem pentagrammartigen Bandlogo gibt es weitere Unzucht. Dabei erscheint kurz ein Regenbogen, der von Luzifers Präsenz kündet. Da Luzifer in der okkulten Astrologie mit dem Planeten Venus assoziiert wird, heißt es im Text entsprechend:

„Under the stars, under Venus”

03 Pentagrammunzucht

In der abgeschmackten Spelunke begegnet Rotkäppchen zudem einem einäugigen Mann…

04 Einauge

…und zwei dämonischen Clowns.

05 Evil Clowns

An der Wand hängt hinter einer Tänzerin eine Sense – Symbol für den Grim Reaper.

06 Sense

Dem Tod läuft Rotkäppchen einen Tisch weiter über den Weg, wo ein paar Idioten russisches Roulette spielen.

07 Russisch Roulette_1

08 Russisch Roulette_2

Kurz vor dem Höhepunkt des Videos begegnet die Lady in Rot dem Betreiber der Spelunke. Dieser ist ein Reptiloid, wie man unschwer an seinen spitzen Zähnen erkennen kann.

09 Repto

Nachdem das geklärt wäre, kommt endlich Sänger Fernando Ribeiro zum Zug. Das umgedrehte Pentagramm am Hals sagt eigentlich schon alles über dessen Gesinnung.

10 Satanist

Er passt also perfekt in die Rolle des Werwolfs.

11 Verwandlung_1

12 Verwandlung_2

Rotkäppchen gerät ihm allerdings zur Femme Fatale, die ihn kurzerhand köpft. Also nix mit:

„Ride the bitch to ecstasy
Can’t go wrong, lickanthrope!”

13 Enthauptung_1

14 Enthauptung_2

Lykanthropie – Das Tier in dir

von Joe Doe

Legenden von Werwölfen sind vor allem in der nordischen Mythologie verbreitet, woher sich auch der Name ableitet. Das germanische „Wer“ bedeutet „Mann“, während die Bedeutung von „Wolf“ unverändert geblieben ist. Der Wortstamm findet sich weiterhin im niederländischen „weerwolf“ sowie im altenglischen „werewolf“. Die alten europäischen Sagen vom Mannwolf haben überraschend wenig mit den heutigen Darstellungen in Horrorfilmen gemein und reichen sehr weit in die Antike zurück.

Die älteste bekannte Metamorphose eines Menschen zu einem Wolf stammt aus dem sumerischen Gilgamesch-Epos. In diesem verwandelt die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf. In der griechischen Literatur sowie in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid wird der arkadische Sagenkönig Lykaon von Zeus in einen Wolf verwandelt, weil er seinem Gott Menschenfleisch vorsetzte. Auffällig ist dabei, dass der Name Lykaon dem altgriechischen Wort „lýkos“ für „Wolf“ ähnelt.

Lykaon (Druck von 1589)

Lykaon (Druck von 1589)

In mittelalterlichen Legenden wurde aus der Strafe der Götter ein Pakt mit dem Teufel. Dieser habe seinen Dienern einen Gürtel aus Wolfsfell gegeben, mit dessen Hilfe sie sich angeblich in Wölfe verwandeln konnten. Teilweise wurden solche Fabeln sogar ernst genommen. Zum Beispiel glaubte der Dominikaner Thomas von Aquin (1225-1274), dass Werwölfe von Dämonen erzeugte Scheinbilder seien. Einige Werwolfsgeschichten kommen allerdings auch ohne Teufel aus. Zu den bekanntesten Werwolfslegenden gehören die isländische „Egils Saga“ aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und die ebenfalls isländische „Völsunga Saga“ aus der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts.

Die Verwandlung bei Vollmond wurde erstmal im 1. Jahrhundert von Titus Petronius Arbiter (14-66) in dessen Erzählung „Gastmahl des Trimalchio“ beschrieben. Bei dieser Episode aus dem Roman „Satyricon“ handelt es sich selbstverständlich nur um eine Phantasiegeschichte. Eine gänzlich ernsthafte Behauptung über nordische Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandeln, stellte dagegen der schwedische Katholik Olaus Magnus (1490-1557) in seinem Werk „Geschichte der nördlichen Völker“ auf. Damit widersprach er Plinius dem Älteren (ca. 24-79), welcher zwar Wolfsmenschen in seiner „Naturalis Historia“ erwähnte, diese aber für ein Gerücht hielt.

Geistliche wie Olaus Magnus waren mit ihren Äußerungen mitverantwortlich, dass im Zuge der europäischen Hexenverfolgung auch zahlreiche Männer der Werwolfsverwandlung bezichtigt und hingerichtet wurden. Bei einem dieser Prozesse wurde der Bauer Peter Stump zusammen mit seiner Geliebten und seiner Tochter hingerichtet. Stump selbst wurde auf besonders grausame Weise zunächst gerädert und anschließend enthauptet. Seine angeblichen Taten wurden im westlichen Rheinland zur Legende und aus seinem Rufnamen Stubbe entwickelte sich der Stüpp.

Andere Werwolfsprozesse können indes mit Wolfsplagen in Verbindung gebracht werden. Neben dem Hunsrück und Westerwald war vor allem Frankreich betroffen, wo es zwischen 1520 und 1630 zu rund 30.000 Wolfsangriffen gekommen sein soll. Dies führte nicht nur zu fast vollständigen Ausrottung der Wölfe in Westeuropa, sondern diente zugleich als Vorwand, unliebsame Personen als Werwölfe zu denunzieren und hinzurichten.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde schließlich eine Verbindung zwischen Lykanthropie und Vampirismus gezogen. In einigen Vampirsagen verwandeln sich demzufolge zum Werwolf mutierte Menschen nach dem Tod in Vampire. Die Verbindung beider Mythen wird in der Bezeichnung „Wudodalak“ deutlich, welche sich von „Wurdalak“ ableitet. „Wurdalak“ wird in den griechischen und slawischen Sprachen gleichermaßen als Bezeichnung für Werwolf und Vampir verwendet und bedeutet „wolfhaarig“. Ähnliche Begriffe gibt es in Serbien („Vukodlak“), Polen („Wilkolak“), Bulgarien und Slowenien („Vrkolak“) sowie in Weißrussland („Wawkalak“).

In der modernen Horrorliteratur und den entsprechenden Filmen treffen Werwölfe und Vampire ebenfalls häufig aufeinander. Allerdings werden sie in den meisten Fällen als verfeindete Spezies dargestellt. Die Werwölfe erfuhren zudem eine starke Wandlung. So wurde zum Beispiel Silber als Waffe gegen Werwölfe entdeckt. Zudem ist Lykanthropie heutzutage keine Strafe der Götter mehr und ebenso wenig ein Geschenk des Teufels. Zum Werwolf wird man in den meisten Fällen nur durch einen Biss von einem selbigen. Zuweilen kann der Fluch wieder aufgehoben werden, wenn das Opfer den Werwolf tötet, von dem es gebissen wurde. In Filmen mit eher wissenschaftlicher Auffassung handelt es sich indes um eine virale Infektion.

Letzteres könnte dabei durchaus eine realistische Erklärung für den Ursprung von Werwolfslegenden sein. Möglicherweise könnten nämlich durch Wolfsbisse übertragene Tollwutinfektionen die passende Inspiration geliefert haben. Ein weiteres Erklärungsmodell bietet die Hypertrichose, bei deren Auftreten an sonst unbehaarten Körperstellen wie dem Gesicht dichtes Fell wächst. Die eine Möglichkeit schließt dabei die andere keineswegs aus.

Barbara "Chewbacca" Vanbeck

Barbara „Chewbacca“ Vanbeck

Die Verwandlung bei Vollmond dürfte indessen auf den Mythos zurückzuführen sein, dass Wölfe den Mond anheulen. Dies ist zwar wissenschaftlich widerlegt, doch wir reden hier von Zeiten, in denen tiefer Aberglaube herrschte und Wissenschaft als Ketzerei galt. Als es in Europa noch dichte Wälder gab, erzeugte nächtliches Wolfsgeheul gewiss so manche Gänsehaut und in Vollmondnächten war dies noch grusliger. Wenn dann noch irgendwo eine Leiche im Wald gefunden wurde, musste dies eine perfekte Steilvorlage für Werwolfsgeschichten sein.

Wolfsmond

Naziwerwölfe ohne Schafspelz

von Shinzon

Die häufige Bezugnahme auf Werwölfe im 3. Reich kann auf Adolf Hitlers Vornamen zurückgeführt werden, welcher übersetzt „edler Wolf“ bedeutet. Edel war Hitler zwar nicht, aber von den Kindern aus dem engsten Kreise der Naziführung wurde er stets „Onkel Wolf“ genannt.

Von Hitlers Vornamen leiten sich nachweislich die Namen der drei Führerhauptquartiere Wolfsschanze (bei Görlitz, ehem. Ostpreußen, heute Polen), Wolfsschlucht (nahe Couvin, Belgien) und Werwolf (Stryschawka, Ukraine) ab. Werwolf war das am weitesten von Berlin entfernte Führerhauptquartier und von Juli 1942 bis Februar 1943 in Betrieb. Hitler war nur dreimal vor Ort und hielt sich meist in der Wolfsschanze auf.

Lage des FHQ Werwolf in der Ukraine

Lage des FHQ Werwolf in der Ukraine

Im September 1944 gründete der Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900-1945) eine Freischärlerbewegung namens „Werwolf“, die in feindlich besetzten Gebieten des Reiches Sabotageakte, Attentate und Terroranschläge durchführen sollte. Das erinnert stark an die später von der NATO und CIA gegründeten Stay-behind-Organisationen wie Gladio, für welche ebenfalls Nazis rekrutiert wurden.

Die Aufrufe zur Bildung von We(h)rwolf-Gruppen verliefen allerdings größtenteils im Sande. Die Mehrheit der Deutschen hatte den „Totalen Krieg“ inzwischen einfach satt. Nach Hitlers Tod untersagte schließlich dessen Rechtsnachfolger Großadmiral Karl Dönitz (1891-1980) am 5. Mai 1945 weitere Kampfaktionen der Werwölfe. Obwohl ihre militärische Bedeutung von Historikern eher gering eingeschätzt wird, waren die Nazilykaner dennoch nicht untätig. Im April 2015 veröffentlichte der Journalist Cordt Schnibben einen Artikel über seinen Vater, der Mitglied einer Werwolfeinheit und gegen Ende des Krieges an einem Mord an einem Zivilisten beteiligt war.

Das Symbol der Untergrundgruppe war passender Weise ein Winkel mit Wolfsangel.

Werwolfsangel

Die Wolfsangel wird heute abermals von der ukrainischen Freischärlergruppe Asow-Bataillon verwendet.

Asow-Bataillon

Der Bezeichnung Werwolf wurde indes in der deutschen Neonaziszene erneut aufgegriffen. Bereits 1979 wurde eine Wehrsportgruppe Werwolf vom NPD-Kader Michael Kühnen (1955-1991) gegründet. Noch im selben Jahr kam es zum Bückeburger Werwolfprozess, bei dem es selbstverständlich nicht wie zu Zeiten der Hexenverfolgung um angebliche Werwolfsverwandlungen ging. Es war der erste Prozess in Deutschland, bei dem Rechtsextremisten als Terroristen verurteilt wurden. Neben Michael Kühnen saßen damals Manfred Börm (heute NPD-Bundesvorstand), Lothar Schulte, Lutz Wegener, Uwe Röhwer und Klaus-Dieter Puls auf der Anklagebank. Alle erhielten mehrjährige Haftstrafen.

Michael Kühnen (2. v.l.) mit der Aktionsfront Nationaler Sozialisten

Michael Kühnen (2. v.l.) mit der Aktionsfront Nationaler Sozialisten

Eine Affinität zu Werwölfen hat auch der bekennende Satanist Hendrik Möbus von der NSBM-Band Absurd. Auf der EP „Thuringian Pagan Madness“ von 1995 veröffentlichte die Naziband den Titel „Werwolf“, in welchem Möbus seiner kranken Phantasie freien Lauf lässt und darüber singt, wie gern er Menschen in Stücke reißen würde. Wie ernst es ihm und seinen Bandkollegen damit ist, bewiesen sie, indem sie das Grab des 1993 von ihnen ermordeten Sandro Beyer auf dem Plattencover der Erstauflage abbildeten.

Absurd - Werwolf

Neben Werwölfen hat die Rechtsrockszene auch noch die Weissen Wölfe aus dem Sauerland zu bieten. Die Band verbreitet rassistischen Hatecore und gehört zum Blood & Honor-Netzwerk. 2011 gründete sich in Anlehnung an die rechtsextreme Sauerlandzelle ein gewaltbereiter Fanclub in Hamburg, der sich Weisse Wölfe Terrorcrew nennt.

Eine eng verwandte Art sind die Grauen Wölfe. Dabei handelt es sich um die Mitglieder der 1961 gegründeten türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung („Milliyetçi Hareket Partisi“, MHP). Auf das Konto der türkischen Nazipartei gehen zahlreiche Gewalttaten bis hin zu Mordanschlägen und Terrorismus. In Deutschland sind die Grauen Wölfe in der Organisation „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ aktiv, obgleich sie weder demokratisch noch sonderlich idealistisch sind. Es handelt sich viel mehr um kriminelle Ausländer vom Schlage Safet Babic, deren Abschiebung nicht von der NPD gefordert wird.

Graue Wölfe

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Weissen und Grauen Wölfe allenfalls in den Zoo hinter Gitter gehören. In der freien Wildbahn sind sie viel zu gefährlich, da sie vermehrt Menschen angreifen. Als sich Naturschützer für die Wiederansiedelung der Wölfe in deutschen Wäldern einsetzten, hatten sie zudem wohl eher die Tiere im Sinn und keine Mannwölfe mit brauner Gesinnung.

Es gibt allerdings auch zugezogene Wölfe, die sich als harmlos herausgestellt haben. Es handelt sich dabei um die russischen Nachtwölfe, welche sich inzwischen wieder auf dem Heimweg befinden. Diese kamen für den 8. Mai 2015 nach Berlin, um den 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus zu feiern. Den mitgeführten Fahnen nach handelte es sich wohl um eine Gattung des motorisierten Rotwolfes.

Der in Russland heimische  gute Nachtwolf.

Der in Russland heimische gute Nachtwolf.

Chroniken der Unterwelt – City of Skull and Bones

von Joe Doe

„Chroniken der Unterwelt“ basiert auf der „City of Bones“-Romanserie von Cassandra Clare. Ähnlich der „Harry Potter“-Reihe von Joanne K. Rowling geht es auch in dieser Romanverfilmung um eine verborgene Welt des Okkultismus, in die die Hauptperson scheinbar durch Zufall hineinstolpert. Die Parallelen zwischen beiden Werken sind dabei ebenso offensichtlich wie deren satanistische Tendenzen.

Wie im Himmel so auf Erden...

Wie im Himmel so auf Erden…

Statt mit einem kindlichen Zauberlehrling beginnt „Chroniken der Unterwelt“ mit einer jugendlichen Schattenjägerin. Allerdings weiß Clary Fray (Lily Collins) ebenso wie Harry Potter noch nicht, wer ihre Eltern wirklich sind. Im Haus ihrer leiblichen Mutter (Lena Headey), deren Mann im Krieg gefallen sein soll, beginnt Clary aus einem inneren Antrieb heraus, okkulte Symbole zu zeichnen. Gleich in der ersten Szene schmiert sie ein umgedrehtes Pentagramm an ihren Badezimmerspiegel.

Den Abend ihres 16. Geburtstags verbringt sie mit ihrem Freund Simon Lewis (Robert Sheehan) in einem Club namens „Pandemonium“. Das „DEMON“ ist dabei absichtlich hervorgehoben, denn in dieser Spelunke begegnet Clary ihrem ersten Dämon.

PanDämonium

Wie bereits die geheimen Zeichen am Eingang kann nur sie sehen, wie der Dämon mitten in der Menschenmenge von Schattenjägern niedergemetzelt wird. Eine der Schattengestalten benutzt dabei eine Schlangenkette, die ein Eigenleben zu besitzen scheint. Die Bruderschaft der Schlange lässt grüßen.

Schlangenarmband

Der Film weicht nebenbei bemerkt bereits in dieser Szene von der Romanvorlage ab, in der alles in einem Hinterzimmer stattfindet. Diese Kritik soll sich jedoch auf die Verfilmung konzentrieren. In dieser offenbart sich Clary viel eher, dass mit ihrem Leben etwas nicht stimmt. Denn als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist ihr Zimmer mit Teufelsrunen geschmückt. Sie hat die Kreide noch in der Hand, weiß aber nicht, wie ihr geschehen ist. Es scheint fast so, als wäre sie nunmehr selbst von einem Dämon besessen.

Runen Zimmer

Hilfesuchend wendet Clary sich an Simon. Er meint, die Situation erinnere ihn an den Film „Unheimliche Begegnung der 3. Art“, in dem eine Frau ebenfalls aus einem unerklärlichen Antrieb heraus dutzende Bilder vom Devil’s Mountain zeichnet. Es ist wohl kein Zufall, dass hier eine Parallele zwischen den Grey-Aliens und Dämonen gezogen wird. Eine Parallele, die so häufig ist wie Kruzifixe in der Kirche.

In dieser extrem wichtigen Szene begegnet Clary der mysteriöse blonde Schattenjäger Jace Wayland (Jamie C. Bower) wieder, den nur sie sehen kann. In Anbetracht der Tatsache, dass laut diversen Berichten die extradimensionalen Grey an der Erschaffung einer blonden Hybridrasse arbeiten, soll hier wohl angedeutet werden, dass diese sich unerkannt unter den Menschen bewegen können.

Clary stellt den Unsichtbaren zur Rede, erhält jedoch zunächst nur einige Andeutungen statt Antworten. Indessen wird ihre Mutter daheim angegriffen und entführt. Als Clary nach Hause kommt, ist die Wohnung zertrümmert und der Kampfhund der Einbrecher erwartet sie. Dieser entpuppt sich als Dämon, den sie schließlich mit einer Gasexplosion in die Luft sprengt. Allerdings fließen die Fleischfetzen wieder zusammen, was stark an den T-1000 aus „Terminator 2“ erinnert.

In letzter Sekunde eilt Jace ihr zu Hilfe und erledigt den Dämon mit seinem magischen Schwert. Er bringt sie und Simon, dem sie unterwegs begegnen, zum Hauptquartier der Schattenjäger. Dieses sieht für Normalbürger wie eine Ruine aus, aber Jace und Clary erkennen die Kathedrale in ihrer vollen Pracht. Dumm nur, dass auch diese Szene aus einem anderen Film geklaut ist. Nämlich aus „Shadow und der Fluch des Khan“, der ebenfalls in New York spielt.

Rune Tor

Die Welt der Schattenjäger ist wenig überwältigend und erinnert an „Constantine“. Der Unterschied liegt lediglich in der kruden Mystik. Die Schattenjäger werden als solche geboren oder erschaffen, indem Menschen aus einem magischen Gral des Erzengels Raziel trinken. Die Suche nach dem heiligen Gral wird dabei noch von zentraler Bedeutung für den weiteren Handlungsverlauf sein und um die Parallelen zur Gralslegende noch zu steigern, findet sich auf der Truhe des Bechers eine Fleur de Lys.

Beim Erzengel Raziel scheint es sich indessen eher um einen gefallenen Engel zu handeln, denn sein Zeichen ist die allgegenwärtige Rune in Form eines Baphometkopfes. Dieses satanische Symbol dominiert sowohl die Buchreihe als auf den Film.

Gefallener Engel Raziel

Auch sonst schmücken sich die Schattenjäger mit allerhand magischen Runen, was so gar nicht zu ihrer Rolle als angebliche Halbengel im Auftrag des Guten passen will. In einer späteren Szene werden sie gar als „Kinder der Nephilim“ bezeichnet. Sie sind also Nachfahren von Halbgöttern, die laut den Apokryphen von großer Boshaftigkeit waren.

Jace mit Wolfsangel auf dem Rücken.

Jace mit Wolfsangel auf dem Rücken.

Es sollte daher nicht verwundern, dass einer der ihren, ein gewisser Valentin Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers), der dunklen Seite der Macht verfallen ist. Er trachtet nach dem heiligen Kelch, um mit ihm eine Herrenrasse von Schattenjägern zu erschaffen. Hier kann eine Parallele zu Dan Browns „Sakrileg“ gezogen werden, demnach der heilige Gral in Wirklichkeit der Schoß von Maria Magdalena war, mit der Jesus wohl tatsächlich Nachkommen gehabt haben könnte. Halten wir also fest, dass es in „Chroniken der Unterwelt“ um transhumanistische Genetik geht, was zu den bereits erwähnten Anspielungen auf die Grey passt.

An Valentin Morgenstern ist aber noch etwas anderes interessant. Nämlich der Nachname. Der Morgenstern ist die Venus, welche in der okkulten Astrologie Luzifer darstellt. Wie Luzifer ist Valentin ein Gefallener, der zuvor auf der Seite Gottes stand und nunmehr seine eigenen egoistischen Ziele verfolgt. Er beschwört und kontrolliert zudem Dämonen, die er für seine Zwecke arbeiten lässt.

Allerdings spielt er noch eine weitere Rolle, die sich später noch herausstellen soll. Zunächst einmal muss Clary jedoch ihre Gedächtnisblockade entfernen. Es ist bereits offensichtlich, dass ihre Mutter eine Schattenjägerin ist, doch warum hat sie das vor ihr geheim gehalten? Und vor allem wie?

Es stellt sich heraus, dass Clarys Mutter seit ihrer frühsten Kindheit regelmäßig mit ihr zu einem Magier namens Magnus Bane (Godfrey Gao) gegangen ist, um ihr die Erinnerungen zu nehmen. Das ist eine dermaßen unverhohlene Anspielung auf Mind Control, dass es sogar unbedarften Zuschauern auffallen muss. Zudem zeigt der Löwenkopf an der Tür zu Banes Pornobude, dass es sich um eine satanistische Loge handelt.

Wir finden hier sämtliche Anzeichen, die von Opfern rituellen Missbrauchs geschildert werden. Clary wächst in einer Satanistenfamilie auf. Ihr Zimmer ist mit Totenschädeln, Drachenfiguren und ähnlich okkultem Krempel angefüllt. Sie wurde von klein an regelmäßig in einen sexuell anrüchigen Tempel verschleppt und dort magischen Ritualen unterzogen.

Die Traumata führten schließlich zur einer multiplen Persönlichkeitsspaltung, weshalb sie sich auch nicht daran erinnern konnte, über Nacht hunderte Runen gezeichnet zu haben. Zudem konnte sie ihre traumatischen Erfahrungen als Hirnwäscheopfer auf diese Weise tief in ihrem Innersten vergraben.

Der erste Film der Reihe stellt ihre Initiation in die okkulte Bruderschaft dar, welche nicht zufällig mit ihrem 16. Geburtstag beginnt. Eines der Initiationsrituale findet auf einem Friedhof statt. Sie wird von finsteren Kapuzenträgern in eine Gruft geführt, wo sie in einen Kreis treten muss, in dessen Zentrum sich ein allsehendes Auge befindet. Doch dies ist nur eine Station auf ihrem Weg, an dessen Ende sie in den Stand einer vollwertigen Schattenjägerin bzw. satanistischen Hohepriesterin erhoben wird.

Grim Reaper Ritual

Auge im Kreis

Es ist fraglich, ob die Schauspielerin Lily Collins selbst ein derartiges Martyrium durchleben musste. Als Tochter von Phil Collins wuchs sie jedenfalls direkt in die Pop-Okkultur hinein, moderierte bereits auf dem freimaurerisch kontrollierten US-Sender Nickelodeon und spielte in Filmen wie „Atemlos“ und „Priest“ mit, die ebenfalls nur so von Freimaurersymbolen und -ideen strotzen.

Nickelodeon

Doch zurück zum Film. In diesem okkulten Machwerk darf natürlich auch die Esoterik nicht zu kurz kommen. Clarys Nachbarin ist daher eine Hexe, die ihr Geld als Wahrsagerin verdient. Für ihren Job bekam sie von Clarys Mutter Jocelyn einst ein paar Tarotkarten geschenkt, womit die Nähe der Satanisten zu den luziferischen Esoterikern verdeutlicht wird.

City of Tarot

Als Clary herausfindet, dass ihre Mom den heiligen Gral in einer der Karten versteckt hat und diesen aus dem Bild zieht, verwandelt sich die alte Gewitterhexe nicht ganz überraschend in einen Dämon. Das kommt davon, wenn man zu viel mit Tarotkarten und Ouijaboards spielt.

Nachdem wir nun schon genügend Dämonen hatten, wird Clarys Freund Simon zu allem Überfluss von Vampiren entführt und zum Trocknen aufgehängt. Das Quälen von nahe stehenden Personen ist eine typische Hirnwäschemethode, die im Satanismus gerne angewendet wird. Normalerweise eignen sich Geschwister, insbesondere Zwillinge, am Besten dafür. Hier muss ein enger Freund herhalten, was jedoch nichts am Kern der Sache ändert. Ungewöhnlich ist nur, dass es Clary gelingt, Simon zu retten.

Hangman Ritual

Der Vampirplot an sich ist vollkommen überflüssig, ebenso das Eingreifen der Werwölfe im großen Finale. „Die Werwölfe kommen uns zu Hilfe. Wer hätte das gedacht?“ Ganz einfach: Jeder der die „Twilight“-Saga gesehen bzw. gelesen hat. Es kommt der Verdacht auf, dass sich die Autorin Cassandra Clare hier schamlos bei Stephanie Meyer bedient hat, um an deren Erfolg anzuknüpfen.

Die nächste gestohlene Idee wartet jedoch schon in den Startlöchern. Es stellt sich nämlich heraus, dass der gefallene Engel Valentin Clarys Erzeuger ist. „Ich bin dein Vater, Luke!“ Mal ehrlich: niemand hat etwas gegen eine kleine Hommage, wenn diese als solche erkennbar ist. Doch „Chroniken der Unterwelt“ setzt sich nahezu ausschließlich aus geklauten Szenen großer Filmklassiker zusammen.

Der Gipfel ist spätestens dann erreicht, als Clary herausfindet, dass sie noch einen Bruder hat und dieser Jace ist, den sie kurz zuvor noch geküsst hat. Luke und Leia Skywalker in vertauschten Rollen! Der Unterschied besteht jedoch darin, dass Jace und Clary die Wahrheit ablehnen und weiterhin füreinander schmachten. Was soll das denn werden? Ein Inzestdrama? Zumindest wäre das für eine Satanistenfamilie nicht ungewöhnlich.

Kommen wir jedoch noch einmal zu den Urheberrechtsverletzungen zurück. Denn geklaut wird nicht nur bei „Star Wars“, sondern auch bei „Stargate“. Ein selbiges befindet sich nämlich nicht nur unter dem Cheyenne Mountain, sondern auch in der Schattenjägerkathedrale in New York. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, einen eigenen Wurmlocheffekt zu kreieren, sondern einfach den Wassereffekt aus der Science Fiction-Saga übernommen. Das ist wirklich mehr als armselig.

Teuflisches Stargate

Teuflisches Stargate_2

Da nützt es auch nichts, dass das Stargate in „Chroniken der Unterwelt“ eher einem Höllentor gleicht. Immerhin kommen in der Serie auch Grey, Reptiloide und von Schlangenwesen besessene Menschen aus dem Wurmloch heraus. Im Abklatsch ist es halt der gefallene Engel Luzifer, was nicht wirklich einen Unterschied macht.

Valentin wurde indes vom Verräter Hodge Starkweather (Jared Harris) rein gelassen. Logisch, es muss ja immer einen Verräter geben. Das ist ebenso kreativ wie die Erkenntnis, dass Hodge von Valentin hintergangen wird. Dieser schickt sich nämlich gleich nach seiner Ankunft an, ein Pentagramm aus Schwertern und Lanzen in den Boden zu rammen und damit Dämonen heraufzubeschwören. Fehlen eigentlich nur noch schwarze Kerzen.

Im Übrigen, wer immer noch glaubt, dass Pentagramme ein Schutzzauber sind, weil dieser Unsinn in Tim Burtons hochgradig okkultem „Sleepy Hollow“ gelehrt wird, dem ist nicht mehr zu helfen!

Die Dämonen erscheinen als Krähen und werden in dieser Gestalt schließlich von der Schattenjägerin Isabelle Lightwood (Jemima West) mit einem Flammenwerfer abgefackelt. Inzwischen sollte es schon niemanden mehr überraschen, dass es eine ähnliche Szene mit Zombiekrähen bereits in „Resident Evil – Extinction“ gab.

Nach dem wenig kreativen Effektfeuerwerk stößt Clary ihren Vater ins Stargate zurück, der natürlich wiederkommt, um dann abermals zu verschwinden, als Jace das Höllentor zerstört. Der Spuk ist vorbei, der Film kurz darauf auch und darüber kann man nur verdammt froh sein.

Fazit: „Chroniken der Unterwelt“ kann man schon fast nicht mehr als eigenständigen Film bezeichnen, sondern eher als Best Of großer Klassiker. Was bei „Scary Movie“ als Satire durchaus noch funktioniert, muss bei einem Film mit Eigenständigkeitsanspruch zwangsläufig scheitern. Zudem weicht der Film erheblich von der Buchvorlage ab, das Ende ist gar ein völlig anderes.

Wirklich bedenklich ist die Hintergrundgeschichte der Hauptrolle Clary Fray. Diese enthält derart massive Elemente aus Schilderungen von Satanismusopfern, dass es wirklich nicht mehr schön ist. Kinder sollte man von diesem Film möglichst fern halten. Als ich im Kino war, saßen in der Reihe vor mir ein paar kleine Mädchen, von denen sich zweie übergeben mussten und vorzeitig den Saal verlassen haben. Hoffentlich überlegen sich deren Eltern in Zukunft zweimal, ob sie ihren Kindern Geld für solch abartigen Satanistenschund geben.