Cebit 2016 – Die Cyborgmesse

Auf der Cebit werden seit 1986 jedes Jahr die neusten Technologien vorgestellt. Was auf den ersten Blick nach dem schönen Leben in Tomorrow World aussieht, verkommt jedoch immer mehr zu einem orwellschen Alptraum. Fast alle dargebotenen Technologien können dazu benutzt werden, die Konsumenten zukünftig noch besser auszuspionieren. Intelligente Kühlschränke, die alles über die Essgewohnheiten ihrer Besitzer an die NSA weiterleiten, Überwachungssoftware, Spionagedrohnen und RFID-Chips.

Gerade die Cyborg-Phantasien mancher Hersteller sind mehr als gruselig. Auf der einen Seite werden Roboter immer menschlicher, womit man sich potentiell feindliche Agenten direkt in die Wohnung holt. Auf der anderen Seite werden Menschen Implantate eingesetzt, mit denen sie zu Cyborgs umfunktioniert werden.

2016 waren RFID-Chips der absolute Renner in Hannover. Besucher der Messe konnten sie sich gleich vor Ort in die Hand implantieren lassen. Passend dazu gab es Türschlösser, die sich mit den Chips öffnen lassen. In Zukunft braucht also niemand mehr einen Schlüssel für die Wohnung oder das Auto. Ebenso sollen Ausweispapiere, Bankkarten und Bargeld durch den Chip ersetzt werden. Der Vorteil sei angeblich, dass der Chip im Gegensatz zu Schlüsseln, Geld und Karten diebstahlsicher sein soll.

Die Diebe der Zukunft würden natürlich niemals auf die Idee kommen, die Hände ihrer Opfer abzuhacken. Wobei, so drastisch müssen sie gar nicht mal vorgehen, wenn sie schlau sind. Statt hacken könnten Diebe nämlich genauso gut hacken. Also das englische Wort „hacken“, womit natürlich der Chip und nicht die Hand gemeint ist. Wie leicht das geht, hat schon vor Jahren der Chaos Computer Club bewiesen. Neue Verschlüsselung hin oder her, kein System ist sicher!

Es geht den Schöpfern dieser Monstrositäten aber ohnehin um die Sicherheit ihrer Kunden. Wir sind auf bestem Wege, zu gläsernen Bürgern zu werden und sämtliche Medien propagieren dies als Fortschritt. Die Reporter gehen dabei mit schlechtem Beispiel voran und lassen sich vor laufender Kamera chippen. Einige erwähnen dabei sogar noch, dass Hunde und Katzen solche Chips bereits tragen, ohne zu merken, wie sie sich selbst gerade zu Haustieren der Herrschenden degradieren. Wie naiv und leichtgläubig muss man sein, sich freiwillig Big Brother auszuliefern?

Die Herstellerfirma Digiwell äußert sich ihrerseits überrascht darüber, welches Interesse sämtliche Medien gerade an ihrem Stand haben. Es wirkt geradezu wie abgesprochen, dass TV-Sender aller Länder sich ausgerechnet auf das RFID-Thema stürzen, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Cebit zu sehen. Ganz so als wollten uns die Massenmedien dazu auffordern, dass wir uns alle chippen lassen.

Das ZDF hat bereits vor der Cebit für RFID-Chips und die Abschaffung des Bargeldes geworden. Schweden fungiert bereits als Versuchslabor und in der Tat gehen vor allem Jugendliche voll auf das Bezahlen per Smartphone ab. Die Erziehung durch Filme und bunte Werbung zahlt sich also aus. Lediglich ältere Menschen sind davon überhaupt nicht begeistert und zahlen lieber weiter bar.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s