Die größten Okkultisten: Hansruedi Giger – Die schwarze Kunst des Biomechanoiden

von Shinzon

Hans Rudolf Giger war ein Schweizer Künstler, der am 5. Februar 1940 in Chur (Schweiz) geboren wurde. Er wuchs in gut behüteten Verhältnissen auf und erweiterte seinen Spielplatz auf die Apotheke seines Vaters Hans Richard. Dennoch war er während seiner Kindheit sehr in sich gekehrt und schüchtern. Laut eigenen Angaben verängstigte ihn das andere Geschlecht und er mied die Spiele seiner Alterskameraden in der Schule.

Während seiner Zeit am Gymnasium entdeckte er die Zeitschrift „Panderma“ des Basler Verlegers und Sammlers Carl Laszlo. Dem ungarischen Auschwitz-Überlebenden war es zu verdanken, dass Hansruedis Interesse an der Kunst geweckt wurde und er folgte gerne dessen Einladung nach Basel. Das Menschenbild Laszlos war allerdings recht trostlos, wie dessen Artikel „Nichts ist der Mensch“ verdeutlichte. Gigers eigene Haltung gegenüber dem Leben wurde zudem von einer Selbstmordwelle geprägt, welche in seinem 20. Lebensjahr über Chur hereinbrach und auch einige Bekannte von ihm erfasste.

Seine katholische Erziehung war hingegen nicht sehr streng und erzeugte daher auch keine grundsätzliche Abneigung gegen die christliche Religion. Viel mehr integrierte er den gotischen Stil der Kirchen später in seine Kunst und träumte schon früh davon, Architekt zu werden. Nach dem Abschluss des Gymnasiums sollte er dann ab 1962 tatsächlich Architektur und Industriedesign an der Hochschule für angewandte Kunst in Zürich studieren.

Selbstportrait

Selbstportrait

Während Gigers Studium entstanden seine ersten Tuschezeichnungen, die in Untergrundmagazinen wie „Hotcha!“, „Clou“ und „Agitation“ veröffentlicht wurden. 1966 schloss er sein Studium erfolgreich ab und etablierte sich als Innenarchitekt. Die Arbeit als Designer an einem Büromöbelprogramm der Firma Knoll-International brachte ihm schließlich erste Lorbeeren ein, was ihm einige Türen öffnen sollte.

Neben seiner Arbeit als Innenarchitekt lebte er weiter sein künstlerisches Hobby aus. Es entstanden düstere Werke wie „Astreunuchen“, „Koffer-Baby“ und „Gebärmaschine“. Bei letzterem Gemälde, welches Kinder als Kugeln in einer Pistole zeigt, war ihm gewiss ein weiteres Hobby aus seiner Jugendzeit hilfreich. Damals sammelte er Handfeuerwaffen, deren Mechanik er gründlich erforschte.

Gebärmaschine

Gebärmaschine

Nach einigen Ausstellungen, darunter in Zürich, wurde Giger ausreichend bekannt, um als Künstler kommerziell erfolgreich zu sein. Bereits ab 1968 war er ausschließlich als Künstler und Filmemacher tätig. Dabei bezog er zunehmend sexualisierte Darstellungen in seine Werke ein. Auf einer provokativen Plakatgestaltung für die die Band Floh de Cologne aus dem Jahr 1974 erkennt man z.B. erst bei näherem Hinsehen, dass die Spitze des Schlagstocks ein erigierter Phallus ist.

Giger Plakat - Floh the Cologne

Privat war Giger zu dieser Zeit mit der Schauspielerin Lil Tobler zusammen, welche 1975 Selbstmord beging. Die genauen Gründe für ihren Suizid sind nicht bekannt, jedoch könnte man spekulieren, dass sie zu lange Hansruedis düsterem, lebensverneinendem Einfluss ausgesetzt war. In der Tat kann sein Wirken im Großen und Ganzen als finster und obszön bezeichnet werden.

Vier Jahre nach Lils Suizid heiratete er Mia Bonzanigo, welche ihn zu seiner Bildserie „Erotomechanics“ inspirierte. Allerdings hielt es auch Mia nicht lange mit dem Okkultisten aus und so trennte sie sich bereits nach nur eineinhalb Jahren wieder von ihm.

Das Jahr 1979 hatte aber auch seine positiven Seiten für Giger. So entstand für Ridley Scotts Film „Alien“ eine seiner wenigen wirklich faszinierenden Arbeiten, welche ihm sowohl Kultstatus als auch einen Oscar verschaffte. Sie umfasste sowohl den Xenomorph als auch das fremde Raumschiff, welches auf dem leblosen Mond LV-426 abgestürzt war. 1992 entwarf er noch einmal einen Xenomorph für „Alien 3“ und 1995 die Außerirdische Sil sowie einen Albtraumzug für „Species“.

Alien Artwork_1

Alien Artwork_2

Weiterhin vertiefte sich Giger in seine Biomechanoiden, womit er einen surrealistischen Beitrag zur Cyborg-Agenda lieferte.

Biomechanoid

Zwischenzeitlich betätigte sich Hansruedi auch wieder als Möbeldesigner. Nach einer Ausstellung 1987 in Japan entstand auf Basis seiner Konzepte eine Giger Bar in Tokio. Zwar hatte er über Pläne für eine solche Bar diskutiert, doch wurde sie letztendlich ohne seine Einwilligung gebaut. Später übernahm mit der Yakuza das organisierte Verbrechen die Kontrolle über die Bar, welche nach einem Mordfall geschlossen wurde. Mit all dem hatte Giger jedoch nichts zu tun, dessen originale Möbel seit 1991 in einer autorisierten Giger Bar in Chur zu bewundern sind.

Gigerbar

Während H.R. Giger mit der Yakuza nix am Hut hatte, traf er sich 1993 mit Steve Bonge im Hell’s Angels Club in New York.

H.R. Giger & Steve Bonge

H.R. Giger & Steve Bonge

Diese Berührung mit dem organisierten Verbrechen war jedoch bei weitem nicht seine einzige fragwürdige Bekanntschaft. Zu Hansruedis Freunden zählte u.a. der Psychologe Timothy Francis Leary (1920-1996), welcher den freien Zugang zu psychedelischen Drogen wie LSD und Meskalin propagierte.

Angesicht seines freundschaftlichen Umfeldes sowie seiner finsteren Werke bleibt am Ende noch die Frage, in welcher Verbindung Giger zu Geheimgesellschaften stand? Ein Bild aus seinem bei Taschen erschienen Buch könnte Aufschluss darüber geben. Es zeigt ihn mit Chris Stein und Jello Biafra in Steins Wohnung. An der Wand sind sehr deutlich zwei Freimaurerschürzen zu erkennen.

Chris Stein, Jello Biafra , H.R. Giger

Chris Stein, Jello Biafra , H.R. Giger

Daraus kann abgeleitet werden, dass Hansruedi definitiv Freunde in der Freimaurerei hat. Er selbst gab jedoch in einem Interview an, keiner Loge anzugehören, wie folgender Auszug belegt.

Giger: „Ich zeichne das, wovor ich Angst habe. Und zeichnen darf man doch alles, oder? Ich bin weder in einer Loge noch habe ich an Ritualen teilgenommen.“

Reporter: „Aber für Satanisten sind Sie ein Idol.“

Giger: „Ja, ja. Aber die meisten Bilder in dieser Richtung sind schon alt. Es ist eine Weile her, dass ich mich für Satanismus interessiert habe. Es gab natürlich verrückte Leute, die mich hier belagert haben.“

Reporter: „Sie sind also gar kein Teufelsanbeter?“

Giger: „Nein, um Gottes willen. Da können Sie alle fragen, die mich kennen. Sogar die Nachbarn mögen mich.“

Reporter: „Aber betreiben Sie nicht eine Selbststilisierung in diese Richtung? Sie tragen immer Schwarz…“

Giger: „Wenn ich mit Tusche arbeite, ist das die beste Kleidung.“

Reporter: „Und alle Wände in Schwarz…“

Giger: „Ich finde, meine Bilder wirken einfach besser auf Schwarz.“

Reporter: „Woran glauben Sie überhaupt?“

Giger: „An die Zahlenmystik.“

Halten wir also fest: Nach eigenen Angaben gehörte H.R. Giger keiner Freimaurerloge an. Allerdings stellt sich die Frage, wie sein „Emblem für eine Geheimgesellschaft“ mit überdeutlicher Pyramidenhandgeste zu deuten ist?

„Emblem für eine Geheimgesellschaft"

„Emblem für eine Geheimgesellschaft“

Des Weiteren behauptete Giger, kein Satanist zu sein, interessierte sich aber sehr wohl für Satanismus und gestaltete 1988 Schuber für eine zehnbändige Ausgabe von Werken Aleister Crowleys. Ein Bezug zum Satanismus lässt sich auch in anderen seiner Werke nicht leugnen. Darunter ein Baphomet, dessen Fackel ins Genial einer Frau fährt. Das ganze Arrangement wird durch Schlangen sowie zwei Pentagramme ergänzt, welche nach oben und unten zeigen und damit sowohl das Prinzip „Wie im Himmel, so auf Erden“ als auch die luziferisch-satanische Dualität darstellen.

Baphomet Pentagramme

Weiterhin brachte er 1993 ein „Tarot der Unterwelt“ heraus, von welchem ebenfalls der Baphomet grüßt.

Giger Tarot

Neben dieser Affinität zum Satanismus, die laut Gigers eigener Aussage nur eine Phase ohne tiefere Bedeutung gewesen sein soll, gab er allerdings offen zu, ein Anhänger der Kabbalah zu sein. Damit entlarvte er sich am Ende doch noch als Okkultist. Es wäre ohnehin unglaubwürdig, wenn er behauptet hätte, alles Okkulte sei ihm fremd. Es gibt einige Werke von ihm, die eindeutige Illuminatensymbole zeigen. Allen voran die Pyramide mit dem allsehenden Auge.

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Allsehende Pyramide_3

Sein Vorschlag, in der Schweiz ein Netz aus 5 Pyramiden von Sklavenarbeitern erbauen und mit Tunneln in Form eines Pentagramms verbinden zu lassen, wirft zudem Fragen über seinen geistigen Zustand auf.

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Hansruedi Gigers Leben endete am 12. Mai 2014. Er starb infolge eines Sturzes in einem Züricher Krankenhaus. Obgleich er trotz alledem nicht zum harten Kern um Aleister Crowley und Anton Szandor LaVey gezählt werden kann und wohl auch nicht wollte, war H.R. Giger dennoch einer der einflussreichen okkulten Künstler des letzten Jahrhunderts. Eine gewisse Absicht musste er sich dabei durchaus unterstellen lassen, denn solch finstere Werke mit expliziter Symbolik erschafft niemand einfach so aus einer Laune heraus.

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Die größten Okkultisten: Marilyn Manson – Antichrist und Superstar

von Shinzon

Marilyn Manson wurde am 5. Januar 1969 als Brian Hugh Warner in Canton (Ohio) geboren. Seine Eltern Barbara und Hugh schickten ihn an die Heritage Christian School, eine streng christliche Privatschule. Wie bereits Edward Alexander Crowley kam Brian Warner ebenfalls durch diese religiöse Erziehung früh in Kontakt mit dem Begriff des Antichristen. Und wie Crowley bezeichnete sich auch Warner später gern selbst als Antichrist.

Während seiner Schulzeit dealte er mit unerlaubten Musikaufnahmen und Süßigkeiten, was entsprechende Strafen nach sich zog. Er begann, einen Groll gegen die streng religiöse Schule zu entwickeln, fand zudem Gefallen an Rockbands wie Kiss und eiferte diesen nach. Unter anderem schminkte er sich sogar wie Peter Criss von KISS, woraus sich später sein eigener Stil entwickeln sollte.

Neben der streng christlichen Erziehung erwähnt Manson in seiner Autobiografie „The Long Hard Road Out of Hell“ noch einen weiteren Grund, warum er das Christentum ablehnte. Sein Großvater, der sich nach außen als frommer Christ gab, war in Wirklichkeit ein eifriger Sammler obszöner Pornografien. In den Schubladen seines Opas entdeckte er sogar Aufnahmen von Tierpornographie, was überhaupt nicht mit der christlichen Strenge des alten Sacks vereinbar war. Das Christentum selbst geriet dem jungen Brian daher zur blanken Heuchelei.

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Nach dem Umzug seiner Eltern nach Fort Lauderdale (Florida), besuchte Brian Warner das Broward Community College, wo er Journalismus und Theater studierte. Er begann, Gedichte sowie Kurzgeschichten zu schreiben und war als Musikjournalist beim Magazin 25th Parallel tätig. Er interviewte einige Bands, darunter seine Idole KISS. Allerdings waren diese Interviews eine Enttäuschung für ihn, da ihm laut eigenen Aussagen klar wurde, wie unecht vieles im Musikgeschäft war.

Diese Erkenntnis hielt ihn jedoch nicht davon ab, eine eigene Band zu gründen, mit der er sich zunehmend selbst zum Lakaien okkulter Mächte machte. 1989 gründete er die Gruppe Marilyn Manson and the Spooky Kids, wobei sein eigener Künstlername eine Zusammensetzung aus Marilyn Monroe und dem Massenmörder Charles Manson ist. Laut ihm soll dies die widersprüchliche Natur der Gesellschaft widerspiegeln.

Die anderen Bandmitglieder benannten sich ebenfalls noch Popikonen und Serienmördern. Darunter Madonna Wayne Gacy, was eine Kombination aus der Pop-Diva Madonna und dem Serienmörder und Sexualstraftäter John Wayne Gacy alias Pogo darstellt. Neben solchen Provokationen setzte die Band allerdings von Beginn an auch auf okkulte Symbolik. Bereits auf den Plakaten zu den frühsten Konzerten war z.B. der klassische Baphomet nach Éliphas Lévi abgebildet.

Marilyn Baphomet

Nach der Gründungsphase bekam die Band Unterstützung von Trent Reznor, dem Sänger der Nine Inch Nails. Marilyn Manson hatte ihn während seiner Zeit als Musikjournalist kennen gelernt und konnte 1994 sein erstes Album „Portrait of an American Family“ bei Reznors Label Nothing Records veröffentlichen. Eine anschließende gemeinsame Tour mit den Nine Inch Nails machte Marilyn Manson and the Spooky Kids letztendlich über die Grenzen Floridas hinaus bekannt.

Manson The complete spooky kids tapes

Im Erscheinungsjahr seines Debütalbums machte Marilyn Manson eine weitere prägende Bekanntschaft, als er der Einlandung von Anton Szandor LaVey folgte. Von diesem wurde er zum Ehrenmitglied der Church of Satan ernannt. Zwar distanzierte sich Manson später von dieser Mitgliedschaft und betonte, nie eine Eintrittserklärung unterzeichnet zu haben, aber offenbar verstand er sich dennoch sehr gut mit dem Gründer der Church of Satan und war dessen Gedankengut nicht gerade abgeneigt.

Im Gegenteil benannte er Anton LaVey, neben Friedrich Nietzsche und Aleister Crowley, als seine größte Inspiration und gab wie dieser mehrfach offen zu, dass er das Christentum zerstören wolle. Zitat: „I’ll be remembered as the person who brought an end to christianity.”

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Das Christentum bezeichnete Manson von Anfang an als faschistisch. Auf die Evangelikalen und einige vatikanische Organisationen wie die Jesuiten und Opus Dei mag dies sogar durchaus zutreffen. Doch die haben mit dem, was Jesus einst predigte, rein gar nichts zu tun. Diese pseudochristlichen Institutionen schaden dem Christentum durch ihre radikale Hasspropaganda weit mehr, als es Manson je könnte. Sie bieten im geradezu eine Steilvorlage für seine antichristliche Ideologie, welche mindestens ebenso faschistisch daher kommt. Man könnte fast meinen, beide Seiten arbeiten für dasselbe Ziel und wenn man die finsteren Abgründe des Vatikans und manch Evangelikaler (Stichwort: Bush) kennt, ergibt das alles plötzlich Sinn.

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Neben dieser faschistoid-okkulten Symbolik fällt auf, dass Marilyn Manson für eine lange Phase nie ohne weiße Kontaktlinse im linken Auge auftrat. Diese Symbolik des allsehenden Auges kommt nicht von ungefähr, zeigte sich auf einem späteren Foto doch ein fetter Freimaurerring an seinem Finger. Dieser war dann auch noch im Rot der hohen Freimaurergrade gehalten, wobei allerdings unklar ist, welchen Grad genau er inne hat und wann er welcher Loge beigetreten ist.

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Unstrittig ist dagegen, dass Brian Warner ein Hochgradfreimaurer ist. Dies belegt nicht nur der Ring, sondern auch die Geste der verdeckten Hand.

Marilyn hidden Hand

Den großen Durchbruch hatte seine Band jedenfalls mit dem Album „Antichrist Superstar“ im Jahr 1996. Laut seiner Biografie fiel der Band die Arbeit an dem Album sehr schwer, da Manson und seine Freunde während dieser Phase mit allerhand Drogen herumexperimentierten. Im Gegensatz zu Aleister Crowley schaffte Marilyn aber den Absprung und verarbeitete seine Erfahrungen im Album „Mechanical Animals“. Auf dieser 1998 erschienenen Platte finden sich unter anderem Song wie „I don’t like the drugs, but the drugs like me“ und „Coma White“. Musikalisch war es das ruhigste und melodischste Album.

Privat kam Marilyn in diesem Jahr mit der Schauspielerin Rose McGowan zusammen. Diese Beziehung fiel in eine Zeit, in der er sich zunehmenden Angriffen ausgesetzt sah. Der berechtigten Kritik an den okkulten Ausschweifungen Mansons, der schon mal eine Bibel auf einem seiner Auftritte zerriss, folgte 1999 eine wahre Hexenjagd durch die Massenmedien. Nach dem Amoklauf an der Columbine High School wurde nämlich er für die Bluttat verantwortlich gemacht. Dumm nur, dass die beiden Amokläufer gar keine Fans von ihm waren und er in diesem Falle unschuldig war. 2002 äußerte er sich in Michael Moores Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ zu den Vorwürfen.

Musikalisch ging es 2000 mit dem Album „Holy Wood“ weiter, welches wieder eine härtere Gangart an den Tag legte und einen regelrechten Affront gegen die christliche Wertegemeinschaft darstellte. Im Jahr darauf trennte er sich von Rose McGowan, doch seine neue Flamme trat bereits im Video der ersten Singleauskopplung seines nächsten Albums „The Golden Age of Grotesque“ von 2003 auf. In „mOBSCENE“ schwamm Dita Von Teese noch in einem Cocktailglas herum, 2005 heirateten die beiden schließlich. Die Ehe verlief allerdings nicht sehr glücklich und schon am 29. Dezember 2006 reichte Von Teese die Scheidung ein.

Etwas erfolgreicher lief dagegen ein Geschäft, welches Manson 2007 mit der Destillerie Matter-Luginbühl AG in der Schweiz einging. Für diese entwickelte er einen Absinth mit dem Titel Mansinthe. 2008 gewann das Gebräu mit einem Alkoholanteil von 66,6% auf der World Spirits Competition in San Francisco eine Goldmedaille. Eine Auszeichnung für Warners Beitrag zur Alkohol-Agenda und die damit einhergehende Zerstörung von Hirnmasse in Größenordnungen.

Mansinthe

Ebenfalls 2007 hieß es auch wieder: Ein neues Album, eine neue Frau. Die Schauspielerin Evan Rachel Wood hatte im Video der ersten Singleauskopplung „Heart Shaped Glasses“ sogar einige Softpornoszenen mit Marilyn. Die Beziehung der beiden galt einigen als äußerst fragwürdig, da Wood zwar zu diesem Zeitpunkt volljährig war, aber dennoch über 18 Jahre jünger als Manson ist. Zudem lässt der Albumtitel „Eat Me, Drink Me“, welcher eine Anspielung auf „Alice im Wunderland“ ist, nichts Gutes erahnen.

Ein Jahr später plante Manson zudem die Dreharbeiten eines filmischen Denkmals für den pädophilen Autor Lewis Carroll. Bei dem 2010 erschienen Film „Phantasmagoria“ spielte er zugleich die Hauptrolle und führte Regie. Seine zweifelhafte Beziehung ging derweil den Bach runter. 2008 nahm Evan Rachel schon wieder Abstand von dem Schockrocker und trennte sich 2010 endgültig von ihm. Ob dies mit Mansons Bewunderung für Lewis Carroll und dessen drogenverherrlichendes Werk zu tun hatte, ist nicht überliefert.

„Phantasmagoria“ war indes nicht das erste filmische Werk von Marilyn Manson. Bereits für „The Golden Age of Grotesque“ drehte er den grotesken Softporno „Doppelherz“, der in einer Special Edition des Albums erschien. Nebenbei spielte er auch in einigen anderen Filmen mit. Darunter „Party Monster“ von 2003, in dem er zusammen mit dem ehemaligen Kinderstar und Missbrauchsopfer Macaulay Culkin („Kevin allein zu Haus“) auftrat. Culkin trat bereits als Kind in Michael Jacksons Musikvideo zu „Black or White“ auf, womit die Arbeit an der Seite Mansons nicht dessen erster Kontakt zu zweifelhaften Figuren aus der Musikindustrie war.

Doch zurück zu Brian Warner alias Marilyn Manson. Neben seinen musikalischen und filmischen Werken entdeckte er ab 1998 auch sein malerisches Talent. Mit seinen Werken provozierte er bereits in Berlin, wo er u.a. seine Interpretation des Reichstagsbrandes ausstellte. Ein anderes seiner Aquarelle – ein Selbstportrait, welches ihn als Satan zeigt – zierte indes 2004 sein Best of Album „Lest We Forget“.

Lest we forget Satan

Um das Ganze abzurunden, machte er 2005 einen Ausflug in die Welt der PC-Spiele. In „Area 51“ lieh er einem überdimensionierten Grey-Alien in einem Formaldehydtank seine Stimme. Im Spiel wimmelt es von Anspielungen auf Verschwörungsthemen wie die Mondlandung oder Kornkreise, wobei stets der enge Zusammenhang zwischen den Illuminaten und den Grey betont wird.

Area 51 Oberalien

Zuletzt veröffentlichte Marilyn Manson die Alben „The High End of Low“ (2009) und „Born Villain“ (2012). Ein Jahr zuvor hatte bereits Lady Gaga ihr ähnlich klingendes Album „Born This Way“ veröffentlich. Tatsächlich arbeiten die beiden seit ihre ersten gemeinsamen Single „Love Game“ aus dem Jahr 2009 eng zusammen.

Manson & Gaga

In Medienberichten wurden die beiden damals ein „ungleiches Paar“ genannt, was die Fans des ehemaligen Schockrockers zuweilen ähnlich sahen. Seinen ursprünglichen Stil hatte Manson zudem bereits mit dem Album „Eat Me, Drink Me“ verlassen, worunter seine Popularität in der Subkultur ebenfalls stark gelitten hatte. Doch obgleich Marilyn Manson nunmehr im Mainstream angekommen ist, läge nichts weiter von der Wahrheit entfernt, als ihn und Lady Gaga ein „ungleiches Paar“ zu nennen. Beide verwenden in ihren Werken dieselbe satanistische Symbolik und propagieren dieselben diabolischen Ziele der okkulten Elite. Trotz ihrer musikalischen Differenzen ergänzen sie sich perfekt im Hinblick auf ihre zur Schau gestellte Perversion.

Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehung von Manson und Gaga weiter entwickelt. Vielleicht ist dies ja der Beginn eines größeren Zusammenwachsens innerhalb der Pop-Okkultur. Denkbar wären auch gemeinsame Auftritte von Beyoncé mit Dummi Borgir oder Rihanna mit Cradle of Filth. In Deutschland könnten sich indessen Lena Meyer-Landruth und der inzwischen kastrierte Unheilig mit Eisregen zusammentun. Satans Legionen weltweit vereint!

Bandflagge

Berühmte Mitglieder der Church of Satan

von Shinzon

Die Church of Satan hat viele Mitglieder in der Entertainmentindustrie. Die meisten arbeiten im Hintergrund als Computerspielentwickler, Maskenbildner und Designer. Es gibt aber auch sehr viele Prominente, die LaVeys Satanistenclub angehören oder ihm nahe stehen.

Eines der bekanntesten Ehrenmitglieder war der bekannte amerikanische Entertainer Sammy Davis Jr. (1925-1990), der zusammen mit Frank Sinatra und Dean Martin das berühmte Rat Pack bildete.

Sammy Davis Jr. (m.) neben Anton LaVey (r.)

Sammy Davis Jr. (m.) neben Anton LaVey (r.)

Zudem spielte er in der Bill Cosby Show und Filmen wie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ (1981) mit. Seine satanistische Einstellung brachte er zudem in „Poor Devil“ (1973) überdeutlich zu Ausdruck.

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Nicht weiter verwundern sollte ein Name wie Vincent Crowley, Mitglied der Band Acheron. Vincent Crowley wurde einst von Anton LaVey persönlich zum Priester der Church of Satan ernannt, wird inzwischen jedoch als ehemaliges Mitglied geführt.

Vincent Crowley

Vincent Crowley

Das auffälligste Mitglied, dessen Bezug zur Church of Satan mehr als offensichtlich ist, nennt sich King Diamond. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich der Musiker Kim Bendix Petersen (*1956), der vor seiner Solokarriere zur Band Mercyful Fate gehörte. Seine Markenzeichen sind umgedrehte Kreuze und ein freimaurerischer Zylinder.

King Diamond

King Diamond

Ebenfalls mit dabei ist Thomas Thorn von der Band The Electric Hellfire Club. Irgendwie passend, denn die Hellfire Clubs waren die frühen Vorläufer der Church of Satan. Während die Band „Sympathy for the Devil“ coverte, haben sie für Jesus wenig Sympathie, wie das folgende Bild zeigt. Auf dem T-Shirt links ist das Logo der Church of Satan zu sehen.

Electric Hellfire Club

Ein weiterer Undergroundmusiker aus dem Umfeld der Church of Satan ist Boyd Rice (*1955). Dieser warb 1999 Marc Almond von der berühmten 80er-Jahre Pop-Band Soft Cell an, was wohl die größte Überraschung sein dürfte. Noch bevor Almond der Church of Satan beitrat, kokettierte er auf seinen frühen Albencovern mit Freimaurersymbolen, womit wieder einmal eine Brücke zwischen Freimaurerei und Satanismus geschlagen wäre.

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Eine weitere Brücke existiert zwischen Marc Almond und Michael Cashmore von Current 93, einer Band mit starken Bezügen zu Aleister Crowley. Wo man in der Musikindustrie hinblickt, wimmelt es von Satanisten und man braucht nur wenig Recherche, um dahinter zu kommen. So beschrieb Almond in einem Interview mit der Zeitung Die Welt ganz offen die Einführung in die Kirche Satans als „wundervoll“ und gab an, von LaVeys Ansichten über Musik und Film fasziniert zu sein. Diese Ansichten sind recht interessant, glaubte LaVey doch, über Musik und Filme satanistische Ideen verbreiten und so den Weg für den Antichristen ebnen zu können.

Dieselbe Taktik benutzen seit jeher auch Neonazis. Über Rechtsrockkonzerte wird mit dem Spaßfaktor für die faschistische Ideologie geworben und in der Tat finden die meisten jungen Menschen über solche Musik den Weg in die rechtsextreme Szene. Und da gibt es die nächste Verbindung, denn auch Michael Moynihan (*1969) von Blood Axis ist ein Mitglied der Church of Satan.

1988 kam er mit Boyd Rice in Kontakt und trat ein Jahr später gemeinsam mit ihm in Osaka (Japan) auf. Bei diesem Auftritt verwendeten die beiden Satanisten explizite NS-Symbole wie SS-Totenköpfe. Weiterhin teilten beide ein Interesse für Faschismus, Nationalsozialismus, ein antichristliches Neuheidentum sowie Charles Manson. Da Rice und Moynihan dem Gründer der Church of Satan sehr nahe standen, offenbart sich hier eine enge Verbindung zwischen Satanismus und Rechtsextremismus.

Michael Moynihan

Michael Moynihan

In diese Kategorie können auch Death in June gezählt werden, die des Öfteren in SS-Uniform auftreten. Zwar steht diese Band in keiner direkten Verbindung zur Church of Satan, aber ihr Gründer Douglas Pearce arbeitete zusammen mit Michael Moynihan am Boyd Rice Album „Music, Martinis and Misantrophy“ mit.

Irrwitzigerweise gibt es nicht nur Nazis in der Church of Satan. Auch aus dem Bereich Punk gibt es Satanisten wie Matt Skiba (*1976) vom Alkaline Trio. Die überkreuzten Arme auf folgendem Bild sind eine altägyptische Geste, die sich bereits von Aleister Crowley wieder fand.

Matt Skiba

Matt Skiba

Quelle

Die Eagles machten auf ihrem Album „Hotel California“ ebenfalls einen auf Satanismus und die gleichnamige Single soll sogar eine direkte Anspielung auf die Church of Satan sein. Der Manager der Band, Larry Salter, soll in einem Interview mit dem Tribune Harold 1982 zugegeben haben, dass die Eagles in die Kirche Satans involviert sind. Dazu passend findet sich auf der Innenseite des Booklets von „Hotel California“ ein Bild mit Anton Szandor LaVey im Hintergrund.

Eagles LaVey

Die größten Okkultisten: Anton Szandor LaVey – Gründer der Church of Satan

von Shinzon

Der Gründer der Church of Satan wurde am 11. April 1930 als Howard Stanton Levey in Chicago (Illinois) geboren. Später zogen seine Eltern Gertrude Augusta und Michael Joseph nach San Francisco (Kalifornien) und Globe (Arizona), wo er seine Kindheit verbrachte.

Howard Stanton war schon früh musikalisch veranlagt und interessierte sich insbesondere für Tasteninstrumente wie Orgeln. Das Klavierspielen brachte er sich selbst bei. In anderen Fächern ließ er sich dagegen ungern belehren und brach die Highschool in Globe ab. Er verließ sein Elternhaus und schloss sich dem „Clyde Beatty Circus“ an, wo er u.a. als Raubtierdompteur und Organist arbeitete.

Während dieser Episode seines Lebens wurde auch seine Sicht auf das Christentum nachhaltig beeinflusst. In der Satanischen Bibel schrieb er später dazu: „Samstagabends sah ich regelmäßig Männer, die lüstern die halbnackten Tanzmädchen auf dem Jahrmarkt anstarrten, und wenn ich Sonntagsmorgens die Veranstaltungen der Evangelisten in einem Zelt am anderen Ende des Festplatzes auf der Orgel begleitete, sah ich die gleichen Männer wieder. Hier saßen sie mit ihren Frauen und Kindern auf den Bänken und baten Gott um Vergebung, und Befreiung von ihren fleischlichen Trieben. Und am nächsten Samstagabend waren sie dann wieder auf dem Festplatz und starrten die Mädchen an.“

Die Doppelmoral solch verlogener Pseudochristen hat schon einige Menschen in die Fänge des Satanismus getrieben. Denn dort wird die Unmoral offen gepredigt, welche in den Kirchen und dem Vatikan nur hinter verschlossenen Türen stattfindet. Von daher war es wohl nicht die Unmoral an sich, die LaVey so abstieß, sondern die anschließende Heuchelei.

Doch noch war es ein weiter Weg für ihn zum Satanismus. Nach dem Verlassen des Zirkus zog LaVey zurück nach San Francisco, wo er zunächst laut seiner eigenen Biografie drei Jahre lang als Polizeifotograf für das San Francisco Police Department arbeitete. Belege für diese Tätigkeit gibt es jedoch keine.

Nach einer angeblichen Affäre mit der noch unbekannten Marilyn Monroe heiratete LaVey 1951 Carole Lansing, die ein Jahr später seine erste Tochter Karla zur Welt brachte. Die Ehe endete jedoch 1960, nachdem er Diane Hegarty kennen lernte. Die beiden heirateten zwar nie, doch gebar ihm Diana 1963 seine zweite Tochter Zeena Galatea.

Abseits von seinem Familienleben machte Lavey durch seine paranormalen Studien sowie seine Auftritte als Orgelspieler auf sich aufmerksam. Seine Partys zogen dabei einige illustre Berühmtheiten an, die sein Interesse am Okkulten weiter schürten. Darunter der Schamane Michael Harner (*1929), einige Science Fiction Autoren wie Fritz Leiber (1910-1992), welcher von H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos inspiriert wurde, und der okkultistische Filmemacher Kenneth Anger (*1927), welcher Crowleys Religion Thelema folgte.

LaVey begann mit regelmäßigen Treffen freitagnachts, bei denen er sich mit anderen in okkulte Themen und Rituale vertiefte. Ein Mitglied dieses Kreises meinte schließlich, dass er die Basis für eine neue Religion hätte, was LaVey dazu veranlasste, sich in der Walpurgisnacht am 30. April 1966 die Haare in einer rituellen Zeremonie abzuscheren und die Church of Satan („Kirche Satans“) zu gründen. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass er das Jahr ’66 wählte, welches er zum ersten Jahr des Zeitalters von Satan umdeklarierte.

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Mit diesem Schritt verschaffte sich LaVey, der sich inzwischen Anton Szandor nannte, einige Aufmerksamkeit. Er trat in Talkshows auf und zierte die Titelseiten zahlreicher Zeitschriften. Es ist geradezu erstaunlich, dass er im urchristlichen Amerika ein solch breites Podium für seine kranke Ideologie bekam. Es spricht einiges dafür, dass hier von Seiten der Verantwortlichen eine absichtliche Provokation geplant war, denn zweifelsohne sorgten kontroverse Figuren schon immer für hohe Einschaltquoten und Verkaufszahlen. Hätte man ihn ignoriert, wäre er vielleicht nie so bedeutend geworden, was zusätzlich die Frage aufwirft, ob er nicht gezielt von den Massenmedien gefördert wurde?

LaVey mit typischer Freimaurergeste.

LaVey mit typischer Freimaurergeste.

Weitere Fragen sollte eine Oben-Ohne-Tänzerin namens „Sharon King“ aufwerfen, welche LaVey 1967 in einer seiner Nachtclub-Shows beschäftigte. Ihr bürgerlicher Name lautete Susan Atkins (1948-2009) und sie gehörte der berüchtigten Manson-Family an, deren Anführer Charles Manson sich ideologisch u.a. bei Aleister Crowley und $cientology bediente.

Zwei Jahre nach ihrem Kontakt mit dem Satanisten LaVey, war sie an der Mordserie der Manson-Familie beteiligt, bei welcher auch Roman Polanskis hochschwangere Frau Sharon Tate ums Leben kam. Polanski hatte indes ein Jahr zuvor der Church of Satan mit seinem Film „Rosemaries Baby“ ein Denkmal gesetzt, in dem ebenfalls das Jahr 1 des satanischen Zeitalters ausgerufen wurde. Man gewinnt den Eindruck, dass sich bei diesen Vorfällen ein größerer Kreis schließt, in dessen Zentrum die Church of Satan steht.

Auf die Filmindustrie sollte LaVey in der Folgezeit noch größeren Einfluss nehmen, indem er des Öfteren bei Horrorfilmen als Berater hinzugezogen wurde. Wer also glaubt, Horrorfilme seien nur bloße Unterhaltung ohne direkten Satanismusbezug, sollte sich diesen Umstand bewusst machen. Ebenso beeinflusste LaVey die Musikindustrie nachhaltig und veröffentliche sogar eine Handvoll eigener Platten. Den Beginn machte 1968 seine LP „The Satanic Mass“.

The satanic Mass

1969 erschien dann seine Satanische Bibel, welche die religiösen Grundlagen des modernen Satanismus zusammenfasste. Die neun Grundsätze der Church of Satan lauten wie folgt:

1. Satan bedeutet Sinnesfreude statt Abstinenz.
2. Satan bedeutet Lebenskraft statt Hirngespinste.
3. Satan bedeutet unverfälschte Weisheit statt heuchlerischem Selbstbetrug.
4. Satan bedeutet Güte gegenüber denen, die sie verdienen, statt Liebe an Undankbare.
5. Satan bedeutet Rache statt Hinhalten der anderen Wange.
6. Satan bedeutet Verantwortung für die Verantwortungsbewussten statt Fürsorge für psychische Vampire.
7. Satan bedeutet, dass der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren ist, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er auf Grund seiner „göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung“ zum bösartigsten aller Tiere geworden ist.
8. Satan bedeutet alle so genannten Sünden, denn sie alle führen zu physischer, geistiger und emotionaler Erfüllung.
9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hielt sie die ganzen Jahre über am Leben, er ist die Rechtfertigung ihrer Existenz.

Die Satanische Bibel ist in vier Bücher unterteilt, die für die vier Elemente stehen. Das Buch Satan (Feuer) ist aus der Sicht des Teufels geschrieben und kritisiert in erster Linie die monotheistischen Religionen. Das Buch Luzifer (Luft) behandelt das Verhältnis zu Gott, satanischen Sex und Feiertage. Interessanterweise distanziert sich LaVey darin von Menschen- und Tieropfern. Im Buch Belial (Erde) werden Theorie und Praxis satanischer Magie und die dazugehörigen Rituale behandelt. Das Buch Leviathan (Wasser) umfasst zu guter Letzt die Anrufung Satans sowie die Beschwörung von Lust, Vernichtung und Mitleid. Zudem finden sich die 19 Henochischen Schlüssel des englischen Mystikers John Dee (1527-1608) darin wieder.

Anton Szandor LaVey schrieb jedoch nicht nur bei John Dee ab. Er plagiierte weiterhin aus dem sozialdarwinistischen Werk „Might is Right“ von Ragnar Redbeard (Pseudonym eines unbekannten Autors) und zitierte aus Aleister Crowleys „Equinox“. Ironischerweise basiert das Alte Testament des Christentums ebenfalls auf älteren Werken, wie dem sumerischen Gilgamesch-Epos.

Die Satanische Bibel blieb leider nicht das letzte Werk LaVeys. Es folgten „The Satanic Rituals“ (1972), „The Satanic Witch“ (1989), „The Devil’s Notebook” (1992) und „Satan speaks!” (1998), wobei Letzteres jedoch erst nach seinem Tod erschien. Seine Diskografie setzte sich dagegen erst in den 1990ern fort. In seinen letzten Lebensjahren erschienen die Single „Answer me/Honolulu Baby, 7“ (1994), die EP „Strange Music“ (ebenfalls 1994) und „Satan Takes a Holiday“ (1995).

LaVey als Schlangenträger.

LaVey als Schlangenträger.

Privat löste sich in der Zwischenzeit seine Beziehung mit Diane Hegarty nach 25 Jahren. Nachdem sie sich 1985 von LaVey getrennt hatte, ließ er sich mit Blanche Barton ein. Mit Barton bekam er am 1. November 1993 seinen ersten Sohn, dem er den kruden Namen Satan Xerxes Carnacki LaVey gab. Nachdem Anton Szandor am 29. Oktober 1997 in San Francisco an einem Lungenödem infolge eines Herzinfarkts starb, übernahmen Blanche Barton und LaVeys Tochter Karla als Co-Hohepriesterinnen die Leitung der Church of Satan. 2001 gaben sie die Leitung jedoch an Peter H. Gilmore ab.

Neben seinem Vordenker Aleister Crowley kann Anton Szandor LaVey wohl als wichtigster Begründer des modernen Satanismus gelten. Seine Church of Satan darf dabei nicht unterschätzt werden, da sie zahlreiche Mitglieder in der Musik-, Film- sowie PC-Spiele-Industrie hat. Wer sich angesichts dessen immer noch wundert, warum satanistische Symbole heutzutage so weit verbreitet sind, braucht sich nur mal eingehender mit LaVeys Erbe zu beschäftigen.

Der Charakter des Kane (Joe Kucan) in „Command and Conquer“ ist dabei sogar mehr als offensichtlich an LaVey angelehnt – die Glatze, der Bart, die Boshaftigkeit. Der Name Kane spielt indessen auf Kain an, der Sohn von Adam und Eva im Alten Testament, der seinen Bruder Abel erschlug. Abwandlungen von Kain (Cain, Cane, Kane) sind im Satanismus eine beliebte Methode, um auf die Abkehr von Gottes Geboten hinzudeuten. „Tu was du willst!“ statt „du sollst nicht töten!“

C&C - LaVey

Dem Gründer der Church of Satan ist es nicht zuletzt zu verdanken, dass Satanismus inzwischen ganz offen zelebriert wird. Was zuvor noch in den Hinterzimmern der Hellfire Clubs oder der Abtei Thelema stattfand, ist seit der Church of Satan Normalität. Sexualmagische Rituale mit nackten Frauen auf Altären inklusive. Lediglich von Tier- und Menschenopfer sowie rituellem Kindesmissbrauch distanziert sich die Church of Satan nach außen.

Ob dies jedoch den Tatsachen entspricht, ist schwer zu beurteilen. Zum einen gibt es noch ein globales Netzwerk satanistischer Geheimlogen, deren menschenverachtende Verbrechen inzwischen durch zahlreiche Aussagen von Opfern sehr gut dokumentiert sind. Es stellt sich dabei die Frage, welche Kontakte es zwischen der Church of Satan und diesen schwarzen Logen gibt? Zum anderen zeigen Fotos der satanistischen Taufe von LaVeys Tochter Zeena am 23. Mai 1967 eine nackte Frau auf dem Altar. Diese Bilder belegen zwar keinen direkten Kindesmissbrauch, doch ist dies sicherlich kein angemessener Umgang für Kinder. In Deutschland wäre die Anwesenheit von Kindern bei solch obszönen Ritualen jedenfalls ein Fall fürs Jugendamt.

Zeenas Taufe

Die Church of Satan, deren Hauptsitz sich inzwischen passenderweise im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen befindet, ist jedem Falle eine verachtenswerte Organisation, die gefährliche Werte vermittelt. Dazu gehören vor allem sexuelle Perversion, Unmoral und Sozialdarwinismus. Sie mag im Vergleich zu den schwarzen Logen harmlos erscheinen, doch fungiert sie als Türöffner für eine menschenverachtende Ideologie sowie religiösen Irrsinn.

Quelle

Fields of the Thelema

Eine Band stellt in Sachen Crowley-Bezüge alle anderen in den Schatten. Die Rede ist von den Fields of the Nephilim.

Der Sänger Carl McCoy ist zwar kein direkter Anhänger der Thelema, greift aber auf crowleysches Gedankengut sowie die Grundsätze der Thelema-Lehre zurück, wie der Titel „Love Under Will“ belegt“. Zudem folgt McCoy einem mystisch-okkulten Glauben. In einigen Interviews gab er z.B. an, seine Live-Auftritte als magische oder schamanische Arbeiten zu sehen.

Aleister Crowley taucht indes immer wieder in den Werken der Fields of the Nephilim auf. Unter anderem ist der Titel “Moonchild” an einen Roman von Crowley aus dem Jahr 1929 angelehnt. „At The Gates of Silent Memory” enthält indes ein Sprachsample des Schwarzmagiers.

Auf dem Cover des Albums Zoon ist der Meister schließlich sogar direkt abgebildet. Allerdings ist das ein Insider, da Crowley auf dem Foto sein Gesicht unter einem Sack versteckt. Dabei macht er die freimaurerische Verschwiegenheitsgeste und stellt die Füße im rechten Winkel.

Zoon Crowley

Neben Crowley begeistern sich die Fields of the Nephilim zudem für den Okkultisten Austin Osman Spare, der 1910 Crowleys Orden Astrum Argenteum beitrat, diesen aber später wieder verließ. Den Titel von Spears Debütroman “Earth Inferno” wählte McCoy für ein Live-Album seiner Band.

Fields OT Nephilim Earth Inferno

Musikalische Tribute an Aleister Crowley

In der Pop-Okkultur wimmelt es von Crowley-Fans, die ihn entweder besingen oder direkt zitieren. Ebenso ist die thelemische Irrlehre unter Musikern recht verbreitet und das weit über die Grenzen des Black Metal hinaus.

Als erstes kommt einem da natürlich die Band Led Zeppelin in den Sinn, deren Gitarrist Jimmy Page das alte Boleskine-Anwesen von Crowley erwarb und restaurierte. Page gilt als wichtigster Sammler von Crowley-Artefakten und eröffnete einen Buchladen, den er nach einem Werk des Schwarzmagiers „The Equinox“ nannte. Die üblichen Symbole sowie Werbung für Crowleys Ordo Templi Orientis finden sich überall bei Led Zeppelin.

Led Zeppelin zoso666

Des Weiteren soll Led Zeppelins Single „Stairway to Heaven“ eine satanische Rückwärtsbotschaft enthalten. Viele mögen dies als zufälliges Kauderwelsch betrachten, aber zumindest hat sich die Band eingehend mit Crowleys Werken beschäftigt, in welchen auch die Rolle von Rückwärtsbotschaften beschrieben wird.

Eine weitere Band, die sich mit Crowley beschäftigt haben soll, sind die Rolling Stones. Im Gegensatz zu Led Zeppelin lassen sich bei Mick Jaggers Leuten zwar keine direkten Anspielungen finden, aber in der Folge ihrer okkulten Studien sollen das Album „Their Satanic Majestic Request“ sowie die Single „Sympathy for the Devil“ entstanden sein. Letzteres ist u.a. im Egoshooter „Call of Duty: Black Ops“ zu hören, wurde aber in der deutsche Fassung zensiert.

Sympathie for the Devil

„Sympathie for the Devil“ wurde später von der schwedischen Band Tiamat (benannt nach der babylonischen Urgöttin) gecovert, deren Sänger Johan Edlund sich offen zum Satanismus bekennt. Edlund teilt zudem einige Ansichten von Crowley und vertonte dessen Gedicht „The Pentagram“ auf dem Album „Prey“. Eine Platte, auf der es auch noch weitere Bezugnahmen auf Crowley gibt.

Die nächste Pop-Ikone mit Crowley-Bezügen ist David Bowie. Dieser sang 1971 in seinem Stück „Quick Sand“:

„I’m closer to the Golden Dawn
Immersed in Crowley’s uniform
Of imagery“

„Ich bin näher am Golden Dawn
Eingetaucht in Crowleys Uniform
Der Phantasie“

Zudem verpasste sich Bowie ein Pharaonenoutfit, welches an ein Foto von Aleister Crowley erinnert.

Crowley Vergleich

Ein weiterer Crowley-Verehrer ist Ozzy Osbourne, der auf seinem ersten Soloalbum „Blizzard of Ozz“ von 1980 den Titel „Mr. Crowley“ veröffentlichte.

Ozzy Osbourne - Mr Crowley

Das Stück wurde von einigen anderen Bands gecovert. Darunter von Cradle of Filth und Moonspell. Letztere Band verwendete zudem in ihren Titeln „Awake“, „A Poisoned Gift“ und „Hymn to Luzifer“ Sprachsamples von Crowley.

Quelle: http://www.moonspell.cz/en/band/interesting-facts/

Coph Nia haben „Mr. Crowley“ ebenfalls ein Lied gewidmet. Interessanterweise ist der Name der Band dem dritten Kapitel des „Liber AL vel Legis“ entlehnt. Darin heißt es: „I am the Lord of the Double Wand of Power; the wand of the Force of Coph Nia (…)”

Das kurioseste Beispiel von allen war jedoch definitiv der englische Jazz- und Blues-Musiker Graham Bond (1937-1974), der sich als außerehelicher Sohn von Aleister Crowley ausgab und sich entsprechend von den Werken seines angeblichen Vaters inspirieren ließ. 1968 veröffentlichte er z.B. ein Album mit dem Titel „Love is the Law“, nach dem thelemischen Gesetz. Während er 1970 noch „Holy Magic“ herausbrachte, schrieb er ein Jahr später bei „We Put Our Magick In You“ das „Magick“ mit „ck“. Glück hat ihm sein okkultes Treiben jedoch nicht gebracht. Im Alter von nur 36 Jahren wurde Graham Bond in der Londoner U-Bahn-Station Finsbury Park von einem Zug überfahren.

Graham Bond

Graham Bond

Graham Bond Magick

Es gibt noch zahlreiche weitere Bezugnahmen auf Crowley sowie dessen Gedankengut in der Musikindustrie. So ist z.B. der Killing Joke-Song „The Fall of Because“ vom „Liber AL vel Legis“ inspiriert. Die mit Killing Joke befreundete Band Joy Division, deren Sänger Ian Curtis sich für crowleysche Magick interessierte, lehnte ihren Titel „Transmission“ an das „Buch des Thoth“ an. Die Gothic-Band Moonchild benannte sich indes nach einem Roman von Aleister Crowley, welcher schlussendlich bei den Beatles auf dem Cover der „Sgt. Pepper“ zu sehen ist.

Sgt Pepper Crowley

Wir werden an dieser Stelle nicht auf alle Beispiele näher eingehen, da der Aufwand schlichtweg jeden Rahmen sprengen würde. Erwähnt seien aber zumindest Bands wie Iron Maiden, Ministry, Nick Cave, Tool, Venom und Witchfynde. Des Weiteren gibt es einige Bands, die sich komplett aus Anhänger von Crowleys Thelema-Religion zusammensetzen. Darunter Current 93, Fire and Ice, Sol Invictus und der Knaller schlechthin: Die Band Thelema.

Weiter Infos gibt es hier.

Die satanischen Abgründe von Crowleywood

Einer der größten Crowley-Fans der Filmgeschichte ist der Filmemacher Kenneth Anger (*1927). Seine Wertschätzung für den Schwarzmagier ging sogar so weit, dass er ins sizilianische Cefalú pilgerte, um sich von den erotisch-magischen Fresken in der ehemaligen Thelema Abtei inspirieren zu lassen.

Alfred Kinsey & Kenneth Anger bei einer Besichtung der Thelema Abtei.

Alfred Kinsey & Kenneth Anger bei einer Besichtung der Thelema Abtei.

Sein 1954 vollendeter Streifen „Inauguration of the Pleasure Dome“ gilt als filmische Umsetzung von Crowleys Visionen. Zudem spielte darin Marjorie Cameron, die zweite Frau von Crowleys Schüler Jack Parsons, mit. Marjorie wurde von Parsons mit magischen Praktiken regelrecht hirngewaschen, bis sie schließlich glaubte, die Hure Babalon in Person zu sein. Entsprechend diesem okkulten Mind Control ist ihr Kopf in Angers Werk in einem Käfig zu sehen.

Kenneth Anger - Pleasure Doom

Für Angers 1980 gedrehtes Werk mit dem bezeichnenden Titel „Lucifer Rising“ wurde ein Teil des Soundtracks von Jimmy Page komponiert, welcher als großer Fan von Crowley dessen Anwesen in Schottland kaufte. Der Rest des Scores stammte von Bobby Beausoleil, einem verurteilten Mörder und Mitglied der Charles Manson Familie.

Kenneth Anger - Lucifer Rising

Kenneth Anger drehte auch im fortgeschrittenen Alter noch fleißig weiter okkulte Filme. 2002 erschien der Kurzfilm „The Man We Want To Hang“, der aus unzähligen Gemälden Crowleys besteht. Angers gesamtes Wirken strotzt nur so vor Satanismus, Freimaurerei, Ägyptologie und New Age.

Kenneth Anger Magick

Ein weiterer Independentfilmemacher ist Alan Gadney, dessen 1974 erschienener Film „Moonchild“ verdächtig nach einem Roman Crowleys von 1929 klingt. Selbstverständlich gibt es aber nicht nur Underground-Filmemacher, die sich bei Crowley bedienen. Dennis Hopper, der Regisseur und Hauptdarsteller von „Easy Rider“, macht ebenfalls keinen Hehl aus seinen thelemischen Aktivitäten.

2008 tauchte Crowley schließlich direkt in dem Film „Chemical Wedding“ auf, wobei die Doppelrolle Aleister Crowley/Prof. Oliver Haddo vom britischen Schauspieler Simon Callow übernommen wurde. In diesem kruden Werk, welches auch unter dem Titel „Crowley – Back From Hell“ bekannt ist, manifestiert sich der Geist des toten Satanisten durch einen Computerunfall. Der Film basiert auf einer Vorlage von Julian Doyle und dem Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson.

Crowley - Back from Hell

Oliver Haddo ist nebenbei bemerkt ein Synonym für Aleister Crowley, welches aus William Somerset Maughams 1908 erschienenem Schauerroman „The Magician“ stammt. Maugham hatte Crowley in Paris persönlich kennen gelernt und sah in ihm einen gewieften Schwindler und Lügner. In seinem Roman verarbeitete er diese Begegnung, wobei er neben Oliver Haddos Anlehnung an Crowley auch einige Anspielungen versteckte. So leitet sich das Haus namens Skene von Aleisters Wohnsitz Boleskine ab.

1926 nahm der Regisseur Rex Ingram den Roman als Vorlage für seinen Stummfilm „Der Magier“, womit dieser ebenfalls indirekt auf Crowley anspielt.

Der Magier - Rex Ingram

Die größten Okkultisten: Aleister Crowley – Freimaurer und Satanist

von Shinzon

Edward Alexander Crowley wurde am 12. Oktober 1875 in Leamington Spa (England, GB) geboren. Sein Leben begann in einer streng gläubigen Familie, die sich den freikirchlichen Plymouth-Brüdern angeschlossen hatte. Mit ihrer Sittenstrenge und den Bibellesungen erreichten seine Eltern jedoch genau das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigten. Schon früh begann Edward Alexander sich vor allem für das Buch der Offenbarung und den darin beschriebenen Antichristen zu interessieren.

Während die christliche Indoktrination nach hinten losging, blieb das aristokratische Gehabe seiner Eltern dagegen durchaus hängen. Seine Familie berief sich auf eine Abstammung von der bretonischen Familie Quérouaille, die sich während der Herrschaft der Tudors in England niederließ und später im 16. Jahrhundert durch den Dichter Robert Crowley bekannt wurde.

Wirklich aristokratisch war der Beruf seines Vaters Edward Crowley allerdings nicht. Dieser hatte als Bierbrauer die „Crowleys Alton Alehouse“-Kette aufgebaut. Als der Vater 1887 starb, zog der zwölfjährige Sohn mit seiner Mutter nach London. Dort übernahm der Bruder seiner Mutter, der protestantische Fundamentalist Tom Bond Bishop, die Erziehung. Ebenso streng wie die Erziehung daheim war auch der Unterricht an darbystischen Schulen, auf die Edward Alexander geschickt wurde.

Als sich seine Gesundheit verschlechterte, erhielt er zwar christlichen Hausunterricht, doch sein Privatlehrer Archibald Douglas hatte sich insgeheim vom protestantischen Glauben abgekehrt. Douglas freundete sich schnell mit seinem Schüler an und brachte ihn, hinter dem Rücken seiner Familie, mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Frauen in Kontakt. Für einen Heranwachsenden in der Pubertät, dessen Freiheit massiv unterdrückt wurde, war dieser Einfluss natürlich ein willkommenes Ventil.

Seine Mutter reagierte darauf einmal mehr mit völlig falschen Erziehungsmethoden und schickte Edward Alexander 1888 in ein christliches Internat, wo man versuchte, ihn mit Gewalt zu erziehen. Eine denkbar ungeeignete Idee, um einen Pubertierenden von sexuellen Kontakten zu anderen Kindern des Internats abzubringen. Mit sexueller Aufklärung wäre das nicht passiert, aber dagegen sträuben sich die Fundis bekanntlich noch bis heute.

Im Oktober 1895 begann Edward Alexander Crowley am Trinity College der Universität Cambridge ein Studium der Geisteswissenschaften. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da man seinen Zustand in späteren Jahren nur als „geisteskrank“ beschreiben kann. Noch ging es ihm aber relativ gut und seine Interessen galten dem Schachspiel und dem Bergsteigen. Crowley reiste jährlich in die Alpen und erkletterte 1895 im Alleingang den Eiger. Nebenbei veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband „Aceldama“.

Seine Affäre mit einem Kommilitonen im Alter von 22 Jahren brachte ihm indes eine europaweite Polizeifahndung wegen Unzucht mit jungen Männern ein und stieß auch bei seiner Mutter erwartungsgemäß auf Ablehnung. Diese beschimpfte ihn bereits zuvor immer wieder als Antichristen und „Beast“, was letztendlich dazu führte, dass er sich mit dieser Rolle identifizierte und sich selbst als „The Great Beast 666“ bezeichnete.

Selbstportrait Crowleys mit Phallus-Symbolik.

Selbstportrait Crowleys mit Phallus-Symbolik.

Das Erbe seines verstorbenen Vaters, welches er im Alter von 21 Jahren endlich antreten durfte, ermöglichte es Edward Alexander jedoch, sich von seiner Familie unabhängig zu machen. Das Jahr 1896 war allerdings auch in anderer Hinsicht ein bedeutendes Jahr für ihn. Er brach sein Studium ohne Abschluss ab, wandte sich der schwarzen Magie zu und nannte sich fortan keltisierend „Aleister“. Die Silvesternacht 1896 verbrachte er in Stockholm, wo er sich bereits derart stark mit dem Antichristen identifizierte, dass er sein Leben in dieser Nacht endgültig der dunklen Seite widmete.

Nicht die okkulten Lehren selbst hatten ihn auf diesen Weg geführt, sondern die Strenge seiner religiösen Erziehung, der ewige Hass seiner Mutter sowie die Unterdrückung seiner freien Persönlichkeitsentfaltung durch die prüde Gesellschaft. Das sollte den heutigen Evangelikalen, die ihren Kindern jeden Spaß verbieten, doch sehr zu denken geben. Ohne deren einengende Ideologie wäre der Satanismus für Jugendliche gänzlich unattraktiv.

Im Falle von Crowley waren die Auswirkungen des christlichen Fundamentalismus besonders krass. Er wandte sich ohne Umschweife direkt dem Satanismus zu. Er las das „Buch der schwarzen Magie“ und begann eine Korrespondenz mit dessen Autor Arthur Edward Waite (1857-1942), einem Okkultisten, Freimaurer und Rosenkreuzer. Waite verfasste einige Schriften über Hellsehen, Kabbalah sowie Alchemie und war der Miterfinder der heute üblichen Tarotkarten.

Arthur Edward Waite

Arthur Edward Waite

Wie prägend der Kontakt zu Waite für Crowley war, zeigte sich u.a. an dem eigenen Tarotkartensatz, den er später entwickelte. Ob es nur Zufall ist, dass Crowleys Tarot 1942 erschien, dem Jahr, in dem Arthur Edward Waite starb?

Crowley Tarot

Politisch wurde Aleister Crowley in der Zwischenzeit bei den Jakobiten aktiv, die das Haus Stuart auf den britischen Thron zurück befördern wollten. Es ist dabei unklar, ob Crowley ein Monarchist war oder das katholische Haus Stuart aus religiösen Gründen gegen das herrschende Könighaus unterstützte, welches bis heute anglikanisch ist. Weiterhin unterstützte er die ebenfalls katholischen sowie absolutistischen Carlisten in Spanien, welche gegen die liberalen und später republikanischen Kräfte kämpften. Entweder war Crowley ein entschiedener Fortschrittsgegner oder er wusste schon damals über die scheinheiligen Abgründe der katholischen Kirche bescheid.

Seine okkulte Karriere setzte er indes ab 1898 im Hermetic Order of the Golden Dawn fort. In den Orden gelangte Crowley über den Chemiker George Cecil Jones, an den ihn dessen Kollege Julian L. Baker verwiesen hatte. An Baker hatte sich Crowley zuvor gewandt, um ihn nach der „inneren Kirche“ zu fragen, von der er in den Werken des Okkultisten Karl von Eckartshausen gelesen hatte. Im Golden Dawn schien er diese „innere Kirche“ gefunden zu haben.

Golden Dawn Kreuz

Golden Dawn Kreuz

Crowleys Logenname lautete fortan Perdurabo (‚Ich werde ausharren bis zum Ende‘) und er durchlief die ersten drei Grade innerhalb kürzester Zeit vom Dezember 1898 bis Februar 1899. Nebenher veröffentlichte er seinen pornografischen Gedichtband „White Stains“.

1899 lernte der Schnellaufsteiger Allan Bennett kennen, mit dem er ritualmagische Übungen des Ordens praktizierte. Crowley ließ Bennett sogar bei sich wohnen, worauf dieser im Gegenzug zu Aleisters persönlichem Lehrer des Okkulten wurde. Gelehrt hat Bennett ihn jedoch vor allem den Konsum von Opium, Kokain, Morphium, Äther und Chloroform, indem er ihm weis machte, es gäbe eine Droge, die ihm „den Schleier hinter der Welt der Dinge zeige“. Gegen sein Asthma wurde Bennett zudem von den Ärzten Heroin verschrieben, mit welchem Crowley ebenfalls schnell in Kontakt kam. Er sollte bis zu seinem Lebensende heroinsüchtig bleiben.

1900 trennten sich die Wege von Crowley und Bennett wieder, da Letzterer aufgrund seines Gesundheitszustandes nach Ceylon (heute Sri Lanka) zog. Crowley verschlug es indes nach Schottland, wo er ins Boleskine House am Strand von Loch Ness zog und sich fortan Laird of Boleskine nannte. Lange nach seinem Tod wurde sein Anwesen von Jimmy Page, dem Gitarristen von Led Zeppelin, gekauft und restauriert.

Während sich Aleister Crowley in Schottland einrichtete, lief es für ihn im Londoner Golden Dawn nicht wirklich gut. Dessen Mitglieder verweigerten ihm den Aufstieg in den fünften Grad, dem Adeptus Minor, aufgrund seiner homosexuellen Erfahrungen. Im Januar 1900 besuchte Crowley daraufhin MacGragor Mathers, den Gründer des Golden Dawn in Paris, welcher die Einführungszeremonie in den fünften Grad vornahm. Der Londoner Ordenszweig erkannte diese Weihe jedoch nicht an und schloss Mathers sogar aus dem Golden Dawn aus.

Nachdem Crowley versuchte, im Namen Mathers’ die Kontrolle über den Golden Dawn zu erlangen und daraufhin ebenfalls vor die Tür gesetzt wurde, schien er drei Jahre später dessen homophobe Vorwürfe entkräften zu wollen. Zumindest wäre dies eine Erklärung für seine unglückselige Ehe mit der verwitweten Rose Edith Kelly, welche er am 11. August 1903 heiratete.

Während ihrer siebenmonatigen Hochzeitsreise um den halben Globus machten die beiden u.a. in Kairo halt, wo Rose am 8. Februar 1904 bei einer Geisterbeschwörung ihre medialen und hellseherischen Fähigkeiten entdeckt haben soll. Sie bat ihren Mann darum, den Gott Horus anzurufen, den sie auf der Stele des Anchefenschons im Boulak-Museum gesehen hatte. Zufällig trug das Exponat die Nummer 666, was Crowley als Omen wertete.

Pharao Crowley

Auf Weisung seiner Frau, die Horus’ Botschafter Aiwass zu channeln glaubte, fand er sich an drei aufeinander folgenden Tagen jeweils um 12 Uhr in einem Apartment nahe dem Boulak-Museum ein. Am 8., 9. und 10 April 1904 soll ihm dort von Aiwass das „Liber AL vel Legis“ („Buch der Gesetze“) diktiert worden sein. Dieses Buch, in welchem Crowley in Anlehnung an Helena Petrovna Blavatsky ein neues Zeitalter verkündete, zählt zu seinen bedeutendsten Werken.

Gleichzeitig ist es aber auch eines seiner abscheulichsten Werke, da der darin gepredigte Sozialdarwinismus große Gemeinsamkeiten zur Ideologie Adolf Hitlers aufweist. Unter anderen spiegelt sich dieses Denken in folgenden Sätzen wider: „Zertrete die Verdammten und Schwachen, so will es das Gesetz der Starken.“, „Sei stark, Mensch!“ oder der Grundsatz des modernen Satanismus: „Es gibt kein Gesetz außer: Tu was du willst!“.

Das „Liber AL vel Legis“ mag durchaus berechtigt als ein Fundament des Faschismus gelten, obgleich es in erster Linie die Basis für Crowleys eigene Lehre der Thelema bildete. Der Unterschied zwischen thelemischer Ethik und faschistischer Ideologie ist jedoch marginal. So verdammte Crowley in seinem Buch jede Form von Mitleid, während er Krieg für bewundernswert hielt. Die Demokratie lehnte er als „ekelerregenden Kult der Schwäche“ ab und hielt dem in 220 Versen seine eigene Vorstellung von der Evolution des Menschen entgegen.

Von seinen eigenen Lehren beflügelt, gründete Crowley 1907 seine erste eigene Geheimgesellschaft Astrum Argenteum (den „Orden des Silbernen Sterns“), in welcher er die Selbsteinweihung sowie den Hass des Ichs lehrte. Das Gradsystem entlehnte er beim Golden Dawn, dessen Rituale er zwei Jahre später in zehn Bänden der Zeitschrift „The Equinox“ jeweils zur Sommer- und Wintersonnenwende veröffentlichte. Dies brachte ihm natürlich den Zorn des Golden Dawn ein, aber auch den Respekt von zahlreichen Winkelmaurern und Okkultisten.

Wie diese Beispiele zeigen, trug die Beziehung zwischen Aleister und Rose in Hinsicht auf sein okkultes Wirken einige verdorbene Früchte. Doch Rose’ Ehe mit dem drogensüchtigen Satanisten stand nicht wirklich unter einem guten Stern. Ihre 1904 geborene erste Tochter Lilith, benannt nach der sumerischen Göttin und Dämonin, starb 1906 in Rangun an Typhus. Erst die zweite Tochter von Aleister und Rose, die 1907 geborene Lola Zaza, überlebte ihre Eltern. Deren Ehe wurde 1909 geschieden und zwei Jahre später, am 27. September 1911, wurde Rose geistig umnachtet in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Dies kann als Spätfolge ihrer Ehe mit Crowley angesehen werden, da der Grund für ihren geistigen Verfall im Missbrauch von Drogen und Alkohol lag.

Grund für die Scheidung dürfte mitunter Crowleys Bekanntschaft mit Victor Benjamin Neuburg gewesen sein, den er 1908 kennen lernte und in magischen Praktiken unterrichtete. Dies war jedoch nicht das einzige, worin er Neuburg einige Lektionen erteilte. Er weihte seinen Schüler überdies in homosexuelle Ritualpraktiken ein, wobei Crowley stark sadomasochistische Elemente mit einbezog. Ende 1909 reisten Crowley und Neuburg nach Nordafrika. Vom 23. November bis 19. Dezember wanderten die beiden durch Marokko, wo sie eine henochische Anrufung des englischen Mystikers John Dee (1527-1608) vollzogen.

Eine weitere Bekanntschaft machte Crowley zwischen 1910 und 1912 mit dem deutschen Freimaurer und Theosophen Theodor Reuß (1855-1923), welcher zu dieser Zeit den Ordo Templi Orientis gründete. 1912 wurde Crowley von ihm beauftragt, die englische Sektion des O.T.O. aufzubauen, welche den Namen „Mysteria Mystica Maxima“ erhielt. Zudem weihte Reuß ihn in seine Techniken der Sexualmagie ein, für welche der O.T.O. noch berüchtigt werden sollte.

Theodor Reuß in Freimaurerkluft.

Theodor Reuß in Freimaurerkluft.

Anfang 1914, als Crowley bereits den 11. Grad innerhalb des von ihm mitbegründeten O.T.O. erreicht hatte, erprobte er einige der sexualmagischen Praktiken an seinem Freund Victor Neuburg. Mit diesen homosexuellen Operationen sollten Merkur und Jupiter angerufen werden, um einerseits Weisheit und Inspiration zu erlangen sowie Geld aus dem Nichts herbei zaubern zu können. Letzteres hatte wohl damit zu tun, dass Aleister das restliche Vermögen seines Vater in diesem Jahr verjubelt hatte.

Andererseits waren derartige Rituale auch Ausdruck seiner fortgeschrittenen Geisteskrankheit. Diese äußerte sich auch in den sadomasochistischen Ausschweifungen des so genannten „The Paris Workings“. Im Februar 1914 beendete Neuburg ihre Beziehung laut einem Biographen aus dem Grund, dass Crowley sich bei Streitigkeiten schnell im Ton vergriff und Neuburgs jüdische Familie zum Anlass nahm, ihn zu beleidigen. Zudem hatte Crowley ihm bei den sexualmagischen Ritualen so sehr zugesetzt hat, dass Neuburg auch in dieser Hinsicht nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.

Neben der Frage nach seiner geistigen Gesundheit stellt sich angesichts dessen auch die Frage, ob Aleister Crowley tatsächlich bisexuell war? Denn Liebe schien ihm als Satanisten völlig fremd zu sein. Seine zahlreichen Sexualpartner/-innen bedeuteten ihm dementsprechend herzlich wenig, sondern waren ihm nur Mittel zum Zweck. Möglicherweise nutzte er seine Affären mit Männern lediglich zu Ritualzwecken und um sich gegen die homophoben Moralvorstellungen der christlichen Fundamentalisten zu stellen.

1914 sollte jedoch nicht nur Aleisters Beziehung zu Victor Neuburg ein Ende finden. Der gesamten Welt drohte mit Beginn des ersten Weltkrieges der Zusammenbruch. Crowley hielt sich bei Kriegsaubruch in der Schweiz auf und reiste umgehend zurück, um sich den britischen Geheimdiensten anzudienen. Diese lehnten ihn jedoch ab, was ihn wohl dazu bewogen hat, später antibritische Artikel in diversen Zeitungen zu veröffentlichen. 1917 wurde daraufhin der britische Hauptsitz des O.T.O. in London von der Polizei durchsucht.

Möglicherweise war seine antipatriotische Propagandatätigkeit für das Deutsche Reich aber auch nur Tarnung. Denn wie der Historiker Richard B. Spence herausfand, war Crowley an britischen Spionageaktionen in den USA beteiligt und arbeitete wahrscheinlich doch mit dem SIS (Secret Intelligence Service, später MI6) zusammen. Sein fünfjähriger Aufenthalt in den USA, während dem Crowley die US-Staatsbürgerschaft erhielt, hatte allerdings auch noch andere Gründe.

In den Vereinigten Staaten lernte er seine „Scharlachfrau“ Jeanne Foster kennen, die ihm einen Sohn gebar. Am 6. Oktober 1915 reisten die beiden zur Weltausstellung nach San Francisco und trafen sich im Anschluss am 19. Oktober mit dem Astrum Argenteum-Mitglied Achad in Vancouver. Ihre Reise ging weiter nach Point Loma, wo Aleister Crowley sich mit der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in Amerika, Katherine Tingley, treffen wollte, um ihr eine Zusammenarbeit mit seinem Astrum Argenteum Orden anzubieten. Tingley verweigerte ihm jedoch die Audienz und als er erbost nach New Orleans abreiste, verließ ihn obendrein noch seine Frau, weil diese seine Analsexpraktiken nicht mehr ertragen konnte.

Kaum war diese Beziehung zu Jeanne Foster beendet, machte Crowley sich an die Frau des indisch-englischen Kunsthistorikers Ananda Kentish Coomaraswamy heran. Er unterzog Alice Richardson, welche unter dem Pseudonym Ratan Devi als Sängerin bekannt war, diversen Praktiken von Sexualmagie, woraufhin sie schwanger wurde. Als ihr Mann sie mit auf eine Schiffsreise nahm, auf der sie eine Fehlgeburt erlitt, griff Crowley ihn scharf an und scheute dabei nicht einmal rassistische Beleidigungen wegen Coomaraswamys indischer Herkunft.

Im Sommer des Jahres 1916 weihte sich Crowley in den vorletzten Grad des Golden Dawn, den Grad des Magus, ein. Dazu hielt er im Juni ein schwarzmagisches Ritual ab, mit welchem die Überreste des vergangenen Äons entsorgt und dessen sterbender Gott gebannt werden sollte. Abgesehen von solchen wahnhaften Phantasien war Crowleys Amerikaaufenthalt aber alles in allem nicht gerade von Erfolgen gekrönt. Lediglich während der vorübergehenden Leitung der Zeitschrift The International im Jahr 1917 konnte er mittels Artikeln, Gedichten und Erzählungen ein wenig Werbung für seine Thelema-Religion machen.

1918 traf Crowley in New York auf Harvey Spencer Lewis, was ihm die Zeit in den USA doch noch etwas versüßte. Lewis Geheimorden AMORC („Antiquus Mysticusque Ordo Rosæ Crucis“, oder zu Deutsch „Alter und mystischer Orden vom Rosenkreuz“) berief sich sowohl auf die Tradition der Rosenkreuzer als auch Crowleys Ideale „Do what you wilt!“ und „Love ist the law, love under will.“ Lewis schmeichelte Crowley sogar derart, dass er behauptete, diese Regeln wären angeblich klassische Rosenkreuzergesetze.

In Sachen Sex kam Crowley im gleichen Jahr mit der Lehrerin Leah Hirsig zusammen, die ihn zusammen mit ihrer Schwester Alma in Manhattan aufgesucht hatte. Leah wurde seine neue „Frau in Scharlach“ und wenig später gebar sie die gemeinsame Tochter Anna Leah. Zusammen mit seiner neuen Familie kehrte Aleister 1919 zunächst nach England zurück und siedelte ein Jahr später nach Cefalú auf Sizilien (Italien) um.

Leah Hirsig vor einem Gemälde von Crowley.

Leah Hirsig vor einem Gemälde von Crowley.

In Cefalú mietete Crowley ein Haus, in dem er die Abtei Thelema gründete. Diese führte er wie ein Sektenguru, dem alle hörig und sexuell gefällig sein mussten. Darüber hinaus mussten alle Abteimitglieder ein magisches Tagebuch führen, welches sie Crowley regelmäßig vorzulegen hatten. Während die Frauen zu Repräsentationen der „Frau in Scharlach“ verkleidet wurden, mussten sich die Männer ihre Köpfe bis auf eine Phalluslocke kahl scheren. Diese Stirnlocke stand zum einen für die magische Kraft von Horus, zum anderen für die Hörner des Pan. Die Gestalt des Pan gilt dank Crowley bis heute als Symbol der Pädophilie und man ahnt bereits, welches Martyrium möglicherweise Kinder in Crowleys Thelema Abtei durchmachen mussten.

Am 14. Oktober 1920 starb z.B. die kleine Anna Leah noch vor ihrem ersten Geburtstag unter ungeklärten Umständen. Obgleich die hygienischen Zustände in der Abtei katastrophal waren, wirft ihr Tod die Frage nach rituellen Kindstötungen auf. Derartige Abscheulichkeiten sind im Satanismus keineswegs unüblich. Bekräftigt wird der Verdacht durch den Tod Raoul Lovedays, welcher ebenfalls in Crowleys Abtei starb, nachdem er bei einem satanistischen Ritual das Blut einer geopferten Katze trinken musste. (Als alternative Todesursache wird auch angegeben, dass er danach aus einem unsauberen Fluss in der Gegend trank und sich dadurch eine Infektion zuzog.) Lovedays Witwe Betty May verklagte den Thelemagründer daraufhin mit Erfolg und wandte sich an die britische Presse.

Es gab in der Abtei Thelema, neben zahlreichen Tieropferungen, also mindestens zwei menschliche Todesopfer, von denen eines Crowleys eigene Tochter war. Zur Frage nach dem rituellen Kindesmissbrauch sowie Kindstötungen liest sich folgendes Zitat des Gurus wie eine Bestätigung: „Für die höchste spirituelle Arbeit muss man dementsprechend das Opfer wählen, das die größte und reinste Kraft in sich birgt. Ein männliches Kind von vollkommener Unschuld und hoher Intelligenz ist das befriedigendste und geeignetste Opfer.“ In wie weit er diese ekelhaften Phantasien tatsächlich auslebte, wäre eine interessante Forschungsaufgabe für Historiker.

Während seiner Zeit in Cefalú schrieb Crowley, der inzwischen täglich drei Gran Heroin verbrauchte, nebenbei auch seinen Roman „Tagebuch eines Drogenabhängigen“, der 1922 erschien. Doch im Gegensatz zu anderen autobiografischen Werken wie „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ rechnete er keineswegs mit dem Heroin ab, sondern rief im Gegenteil zum hemmungslosen Drogenkonsum auf.

Im selben Jahr kamen in Italien die Faschisten an die Macht und scheinbar durch Zufall machte Aleister Crowley gerade in Rom Zwischenstopp, als dort Mussolinis Schwarzhemden einmarschierten. Ein Triumph war dies jedoch nicht für ihn, denn obwohl die Faschisten sein sozialdarwinistisches Weltbild teilten, hatten sie eine gespielte Abneigung gegen Geheimbünde. Diese wurden, mit Ausnahme der Propaganda Due und vatikanischer Orden, allesamt verboten. Dementsprechend wurde Crowley am 23. April 1923 des Landes verwiesen. In seinem tunesischen Exil verfasste er eine Gedichtsammlung mit dem Titel „Songs for Italy“, welche sich gegen das Mussolini-Regime richtete.

1923 verstarb zudem Aleisters Freund Theodor Reuß, der bereits im Jahr zuvor aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter beim Ordo Templi Orientis niedergelegt und an Crowley übergegeben hatte. Seine Nachfolgeregelung konnte er jedoch nicht durchsetzen, da in Deutschland eine gewisse Abneigung gegen Crowleys Lehren herrschte. Die Kontrolle über den deutschen O.T.O. übernahm daraufhin der Theosoph Heinrich Tränker (1880-1956).

Im Sommer 1925 veranstaltete schließlich die deutsche Rosenkreuzerbewegung, zu welcher der deutsche O.T.O. gehörte, eine Konferenz im thüringischen Weida, auf der ein neuer Leiter gewählt werden sollte. Tränker und Konsorten luden dazu auch Crowley ein, der zusammen mit Leah Hirsig aus Paris anreiste, wo er sich inzwischen niedergelassen hatte. Tränker sollte diese Einladung später noch bereuen.

Crowley glaubte sich zu dieser Zeit bereits in der Rolle des Retters der Menschheit sowie des Verkünders einer neuen religiösen Botschaft. Er verglich sich sogar mit dem von der Theosophischen Gesellschaft erwarteten Weltlehrer Maitreya, wobei er sich von der „Weißen Bruderschaft“ legitimiert sah. In Weida verfolgte er schließlich den Plan, sich von Deutschland ausgehend zum Weltheiland ausrufen zu lassen. Vergleichbare Allüren hatte zur selben Zeit auch schon ein gewisser Österreicher, der ähnliche Pläne in Deutschland hegte und dabei leider mehr Erfolg hatte.

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Crowley schaffte es dagegen lediglich, die Rosenkreuzer zu spalten. Einige erkannten ihn als internationales Oberhaupt an und unterschrieben seine Ermächtigung zum Weltlehrer. Als „Bruder Baphomet“ übernahm er die Leitung des O.T.O. und denunzierte Heinrich Tränker, nachdem dieser seine Unterstützung kurz nach der Weida-Konferenz zurückgezogen hatte. Obendrein führte das Zerwürfnis zur Auflösung von Tränkers Pansophischer Loge, aus der jedoch die Fraternitas Saturni („Bruderschaft des Saturn“) hervorging. Tränker bezeichnete Crowley fortan als Judas und soll 1928 alle Freimaurerlogen dazu aufgerufen haben, den selbsternannten Weltlehrer zu verhaften, sofern dieser jemals wieder nach Deutschland einzureisen versuche.

In Deutschland wurde dem Thelemagründer im darauf folgenden Jahrzehnt aber ohnehin einmal mehr die Show gestohlen. Zuvor verkündete er noch, dass derjenigen Nation die Weltherrschaft zufallen würde, die sein Buch „Liber Legis“ zum Staatsgrundsatz erklärt. Deutschland machte aber stattdessen Hitlers „Mein Kampf“ zum Staatsgrundsatz. Satan kann schon ein ziemlicher Arsch sein, wenn er seine Jünger gegeneinander ausspielt…

Es verhält sich nicht gerade so, dass unter den okkulten Geheimgesellschaften perfekte Harmonie herrschen würde. Oft waren und sind sie sich untereinander überhaupt nicht grün. So begrüßten es auch die Theosophen keineswegs, dass Crowley sich als ihr Weltlehrer präsentierte. Als solchen hatte Blavatskys Esotruppe bereits den Inder Jiddu Krishnamurti (1895-1986) auserkoren. Krishnamurti und Crowley waren sich spinnefeind, obgleich es keiner von beiden zum Weltlehrer schaffte. Zumindest erlangte Crowley jedoch durchaus die größere Popularität.

Der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Am 17. März 1929 wurde Aleister Crowley wegen angeblicher Spionage aus Frankreich ausgewiesen, womit er bereits in drei Ländern höchst unwillkommen war. Nach Deutschland kehrte er allerdings noch mehrfach zurück. So heiratete er im August 1929 in Leipzig seine nächste „Scharlachfrau“, die aus Nicaragua stammende Maria Theresa de Miramar. Mit der Heirat bekam diese die britische Staatsbürgerschaft und noch im selben Monat zogen die beiden nach Kent, wo sie sich in einem Landhaus niederließen.

1930 zogen die zwei wieder zurück nach Deutschland, wo Crowley seine zweifelhaften Kunstwerke ausstellen wollte. Nachdem sich Aleister in Berlin in die gerade einmal 19-jährige Künstlerin Hanni Jaeger verliebte, landete seine zurückgelassene Ehefrau Maria Theresa in einer Nervenheilanstalt. Crowley hatte ein wahres Talent, seine Frauen um deren geistige Gesundheit zu bringen.

Mit Hanni reiste er indes nach Lissabon, wo diese ihn jedoch verließ und nach Deutschland zurückreiste. Möglicherweise inszenierte er ihretwegen seinen Suizid in der Nähe von Cascais, wobei ihm der portugiesische Dichter Fernando Pessoa half. Der französische Esoteriker René Guénon mutmaßte dagegen in einem Brief an den italienischen Rassentheoretiker Julius Evola, dass Crowley mit dem fingierten Selbstmord die Absicht verfolgte, in die Rolle von Hitlers okkultem Berater zu schlüpfen.

Tatsächlich verweilte der satanistische Weltlehrer bis Mitte 1932 in Berlin, wo er jedoch zunächst unangenehme Bekanntschaft mit einem SA-Schlägertrupp machte. Am 3. August 1931 hatte Crowley schon wieder eine Lady in Rot bei einem Spaziergang Unter den Linden kennen gelernt. Er weihte sie zur „großen Hure des Tieres 666“ und missbrauchte sie nach allen Regeln der Kunst. Als er während eines heftigen Streits auf offener Straße auf die einschlug, kam ihr ein SA-Trupp zu Hilfe und prügelte den Frauenfeind in den Rinnstein.

Es steckt schon eine gewisse Ironie darin, wenn sich die Bösen gegenseitig die Visagen eintreten. An anderer Stelle ergänzten sich die Mächte der Finsternis jedoch wieder. Unter anderem pflegte Crowley während seines Berlinaufenthalts Kontakt mit Aldous Huxley (1894-1963), dem Autor von „Brave New World“. Rein zufällig erschien diese Dystopie genau ein Jahr vor Hitlers Machtergreifung und angesichts von Huxleys Umfeld kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass „Brave New World“ nicht als Warnung, sondern als Steilvorlage für die Neue Weltordnung gedacht war.

Der freimaurerische Begriff der neuen Weltordnung war natürlich auch den Nazis nicht fremd, wobei deren Thule-Gesellschaft davon eine etwas andere Vorstellung hatte als die anderen Logen in Deutschland, die 1937 verboten wurden. Von ausländischen Hochgradfreimaurern, darunter Henry Ford, wurden die Nazis indes weiter unterstützt. Ebenso von Crowley, der den 33. und damit den höchsten Grad der Freimaurerei bekleidete.

Hidden Finger

Seiner unerfreulichen Erfahrung mit der SA sowie dem Verbot des Ordo Templi Orientis durch Heydrich am 20. Juli 1937 zum Trotz, erkannte der Schwarzmagier eine große Seelenverwandtschaft zu Adolf Hitler (1889-1945). Im Führer sah er den Vollstrecker seiner satanistischen Ideologie. Zudem sah Crowley starke Ähnlichkeiten zwischen seiner Thelema und Hitlers okkultem Orden. Zwischen 1942 und 1944 notierte er seine dahingehenden Gedanken in einem Exemplar von Hermann Rauschnings „Gespräche mit Hitler“ und strich Textpassagen an, in denen Rauschning beschreibt, wie Hitler von einer „neuen Weltordnung“ und dem Zerfall des alten Wertesystems sprach.

Es dürfte inzwischen jedem gut informierten Menschen klar sein, dass es eine enge Verbindung der neuen Weltordnung mit dem Faschismus und Satanismus gibt. Obgleich sich diverse okkulte Geheimbünde durchaus immer wieder gegenseitig behaken, bilden sie doch das Bindeglied zwischen der NWO und den politischen sowie religiösen Ideologien der Verdammnis. Wie eine Schuppenflechte legt sich das Netz der Geheimlogen über den Globus und zersetzt die menschliche Gesellschaft.

Wen sollte es in Anbetracht dessen noch verwundern, dass Hitlers Verlautbarungen über die Verneinung der Moral, den Einsatz von Gewalt sowie den Triumph des Willens direkt aus Crowleys „Buch der Gesetze“ abgeschrieben sein könnten? Wäre es tatsächlich eine Überraschung, wenn sich am Ende doch noch herausstellte, dass der Begründer des modernen Satanismus dem Gründer des 3. Reichs beratend zur Seite stand?

Allerdings blieb Crowley nicht bis zu Hitlers Machtergreifung in Berlin. Ein knappes halbes Jahr zuvor kehrte er nach England zurück, wo er den Rest seines armseligen Lebens verbrachte. Während seine Gesundheit aufgrund seiner Heroinsucht zusehends den Bach runter ging und er auf die finanzielle Unterstützung seiner Schüler angewiesen war, schwand auch sein gesellschaftlicher Einfluss.

1934 verklagte er seine einstige Freundin Nina Hamnett, weil diese sich in ihren Memoiren unvorteilhaft über seine Abtei Thelema geäußert hatte. Diesen Schritt hätte er, wie so ziemlich alles in seinem Leben, lieber lassen sollen. Nach vier Tagen endete das Verfahren für Crowley mit einer Niederlage und er wurde selbst zum Angeklagten, da er Briefe gestohlen hatte, um sie im Prozess gegen Nina Hamnett zu verwenden. Er bekam zwei Jahre auf Bewährung.

Im Jahr darauf musste er vor seinen Gläubigern kapitulieren und er wurde für bankrott erklärt. Ideologisch war Aleister Crowley dennoch nicht am Boden und hinterließ der Nachwelt noch einige okkulte Werke. Darunter das „Thoth Tarot“, welches er gemeinsam mit der Gattin des liberalen Politikers Percey Alfred Harris entwickelte. Frieda Harris (1877-1962) hatte er 1937 kennen gelernt und er arbeitete bis zu seinem Tod mit ihr zusammen.

Dennoch verstarb Aleister Crowley vereinsamt am 1. Dezember 1947 in Hastings. Es ist direkt erstaunlich, dass sein Herz trotz der langjährigen Drogenkrankheit erst im Alter von 72 Jahren den Dienst versagte. Seine letzten Worte „I’m perplexed“ („Ich bin überrascht“), sorgten indes für einige wilde Spekulationen. Sah Aleister etwa dasselbe Licht, welches Menschen mit Nahtoderfahrungen als voller Liebe und Vergebung beschreiben? Für einen krankhaften Satanisten wie Crowley müsste es jedenfalls der Inbegriff der Hölle sein, wenn ihm an einem solchen Ort der Harmonie bewusst werden würde, dass er sein Leben gänzlich verschwendet hat.

Bei ähnlich verkrachten Existenzen erlangten Crowleys Werke nach seinem Tod noch durchaus große Popularität. Der von ihm mitbegründete Ordo Templi Orientis existiert zwar bis heute, ist jedoch in zahlreiche Einzelgruppierungen zerfallen. Die bedeutendste davon ist der amerikanische Calipaths-O.T.O., der auch die Rechte an Crowleys Tarot besitzt.

In Deutschland gründete sich 1979 der Thelema-Orden des Argentum Astrum, dessen Initiator Michael Dietmar Eschner (1949-2007) von sich behauptete, die Reinkarnation Aleister Crowleys zu sein. 1982 wurde der Orden in Thelema umbenannt und machte zunehmend Schlagzeilen wegen verschiedensten Formen von ritueller Gewalt. 1992 wurde Eschner schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung eines Gruppenmitgliedes zu sechs Jahren Knast verurteilt.

2001 wurde die Sekte abermals umbenannt und trägt nunmehr die Bezeichnung Thelema Society. Ein Jahr später hagelte es wieder Schlagzeilen über sexuelle Ausbeutung innerhalb der Gruppe, womit Michael Dietmar Eschner tatsächlich in der schmutzigen Tradition Crowleys stand.

Unter den weiteren Anhängern Crowleys finden sich auch bekanntere Namen wie Anton Szandor LaVey (1930-1997), der in Crowley den bedeutendsten Vorreiter des „nietzscheanischen Satanismus“ sah. Neben der Church of Satan wurde aber auch die Psychosekte $cientology indirekt von Crowley beeinflusst. Das Erbe von Aleister Crowley kann also alles in allem als äußerst verdorben angesehen werden.

Allerdings kann der wohl größte Okkultist der Moderne auch als mahnendes Beispiel gelten, was Satanismus, Esoterik und Drogenmissbrauch aus Menschen machen können. Obwohl er durchaus alt wurde und erheblichen Einfluss auf das Weltgeschehen nahm, war sein Leben doch überwiegend von persönlichen Rückschlägen und Niederlagen gekennzeichnet. Der Pakt mit dem Teufel bescherte ihm weder Glück noch Reichtum.

Stattdessen war er schwer drogenkrank, was wiederum seiner geistigen Gesundheit äußerst abträglich war. Unter Drogeneinfluss glaubte er gar, während des „Amalantrah Working“ 1919 einen Außerirdischen namens Lam sowie die bereits erwähnte Gottheit Aiwass zu channeln. Zumindest liegt es nahe, derartige Kontakte Crowleys Drogenkonsum zuzuschreiben, wohingegen andere Channelmedien angeblich auch ohne Heroin und lustige Pilze auskommen sollen.

LAM

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Ebenso fraglich ist Crowleys Selbstdarstellung als bösester Mensch des 20. Jahrhunderts, da ihm Hitler, Stalin und Pol Pot durchaus Konkurrenz machten. Zweifellos war Crowley ein extrem widerwärtiger Charakter und ein ideologischer Vordenker dieser Menschenschlächter. Dennoch scheint der Titel des geistig umnachtetsten Menschen weitaus angebrachter zu sein. Und vielleicht ist es ja genau diese geistige Umnachtung, die ihn bis heute so gefährlich macht.

Quelle (deutsch und englisch)

Die größten Okkultisten: Jack Parsons – Crowley-Schüler und Raketenforscher

von Shinzon

John („Jack“) Whiteside Parsons wurde am 2. Oktober 1924 in Los Angeles geboren. Sein eigentlicher Geburtsname lautete allerdings Marvel und nicht John. Bekannt wurde er vor allem als Raketenantriebsforscher. Ähnlich wie sein Kollege Wernher von Braun begeisterte sich Parsons bereits in seiner Jugend für Raketen und experimentierte schon ab 1928 zusammen mit seinem Schulfreund Edward Forman an Amateurraketen.

Beinahe wäre Jacks Traum jedoch wie eine Seifenblase zerplatzt, denn während der großen Depression musste er die Stanford Universität verlassen. 1934 tat er sich jedoch wieder mit Forman und Frank Malina zusammen, mit denen er die an die Caltech angegliederte GALCIT Rocket Research Group bildete. 1939 arbeitete die Gruppe an der National Academy of Science am Jet-assisted Take Off (JATO, zu Deutsch „strahlantriebsgestützter Flugzeugstart“) für das US-Militär.

Später nannte sich die Gruppe in „Jet Propulsion Laboratory“ um und gründete zudem die Aerojet Corporation. Parsons ist als Mitgründer des renommierten JPL (scherzhaft „Jack Parsons Lab“) gleichzeitig einer der Väter des US-amerikanischen Raumfahrtprogramms. Wernher von Braun, der allgemein als Vater des Raumfahrtprogramms gilt, gab diesen Titel sogar bereitwillig an Parsons ab. Das „Jet Propulsion Laboratory“, welches zum California Institute of Technology (Caltech) gehört, baut und steuert indes bis heute einen Großteil der NASA-Satelliten und -Raumsonden.

Doch der begabte Raketenforscher, nach dem die NASA sogar einen Krater auf dem Mond benannte, hatte auch eine sehr düstere Seite. Während Wernher von Brauns Nazikarriere als SS-Obersturmbahnführer sehr gut dokumentiert ist, stand Parsons stets in von Brauns Schatten. Dabei ging er anfangs den genau entgegen gesetzten Weg und wurde zunächst Marxist. Er vertrat eine stark antikapitalistische sowie pazifistische Haltung und überlegte sogar, der kommunistischen Partei der USA beizutreten.

Doch schnell verließ er diesen viel versprechenden Pfad wieder und konvertierte zur neuen religiösen Bewegung des englischen Okkultisten Aleister Crowley. 1941 trat er, zusammen mit seiner Frau Helen Northrup, der Agape-Loge des kalifornischen Ordo Templi Orientis bei, zu deren Leiter er ein Jahr später ernannt wurde.

OTO-Loge mit Schachbrettboden und Obelisken.

OTO-Loge mit Schachbrettboden und Obelisken.

Parsons, dessen Logenname Frater Jopan 210 lautete, lernte Crowley zwar nie persönlich kennen, stand aber in einem regen Briefkontakt mit ihm. Später handelte er sich Crowleys Zorn ein, als er zusammen mit L. Ron Hubbard versuchte, ein „Moonchild“ zu erzeugen. Der Meister persönlich hatte das dazugehörige Ritual in seinem Roman „Moonchild“ beschrieben und sah es wohl nicht gern, dass Parsons seine Idee klaute. Crowley warf Jack allerdings nicht aus dem Orden.

Dafür wurde Parsons allerdings von Hubbard hintergangen. Zunächst hatte er noch mit ihm und Sara „Betty“ Northrup zusammen eine Firma für Schiffshandel gegründet. Während Parsons eine Summe von 21.000 $ in die Allied Enterprises investierte, beteiligte sich Hubbard lediglich mit 1.200 $. Schließlich entwendete L. Ron eine Yacht und obendrein machte er Jack seine Freundin Sara abspenstig. Letzteres war besonders bitter für ihn, da ihm zuvor bereits seine erste Frau und Saras Halbschwester Helen von Wilfred Smith, dem vorherigen Leiter der Agape-Loge, ausgespannt worden war.

Erbost über diesen neuerlichen Verrat durch L. Ron und Sara, soll Jack in seinem Hotelzimmer einen Sturm heraufbeschworen haben. Tatsächlich wurde das von seinen beiden Ex-Geschäftspartnern gestohlene Boot von einem Unwetter zum Kentern gebracht. Ob da ein Zusammenhang besteht, ist natürlich reine Spekulation.

Zumindest war Parsons selbst aber absolut von seinem magischen Wirken überzeugt. Als Anhänger von Thelema praktizierte er in vielerlei Hinsicht Crowleysche „Magick“. Gemeinsam mit Hubbard versuchte er nicht nur, ein „Moonchild“ zu zeugen, sondern betrieb obendrein in der Mojave-Wüste (Kalifornien) das so genannte Babalon Working. Mit dieser okkulten Praktik wollten die beiden ein Dimensionstor öffnen und einen weiblichen Messias, die Göttin Babalon aus Crowleys „Liber AL vel Legis“ („Buch der Gesetze“), auf der Erde inkarnieren lassen.

Weiterhin soll Parsons paranormale Phänomene wie Poltergeister, Orbs und Banshees heraufbeschworen haben. Als würde dies noch nicht reichen, um an seinem Verstand zu zweifeln, praktizierte er außerdem Sexualmagie. In Ritualen, basierend auf enochianischer Magie, masturbierte er zur Musik des russischen Komponisten Sergei Prokofjew auf magische Tabletts, um Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zu verzaubern. Bei derartigen Praktiken war mitunter auch Hubbard anwesend, da er ihn für sensibel gegenüber magischen Phänomenen hielt.

Zu seinem satanistischen Lebensstil passte dann auch Jacks zweite Frau Marjorie Cameron, deren rote Haare und blau-grüne Augen seiner Vorstellung der Göttin „Babalon“ entsprachen. Er überredete sie, an seinen magischen Arbeiten teilzunehmen, bis sie schließlich selbst glaubte, eine Inkarnation „Babalons“ zu sein. In Kenneth Angers Film „Inauguration of the Pleasure Dome“ (1954) spielte sie später sogar die „scharlachrote Hure Babalon“ sowie die indische Göttin Khali. Kurz bevor Jack Marjorie heiratete, legte er alle seine Ämter beim OTO nieder, was jedoch nicht das Ende seiner okkulten Ausschweifungen bedeutete.

Nebenbei war Jack Parsons auch Mitglied der Mañana Literary Society, wo er sich mit Autoren wie dem Antikommunisten Robert A. Heinlein anfreundete. Er selbst schrieb aber weniger Science Fiction als viel mehr okkulte Werke über Magie. Angesichts dessen stellt sich die Frage, in wie weit er seinen Beruf als Raketenforscher wissenschaftlich sah?

Mad Scientist Parsons

Parsons’ okkultes Treiben umfasste nämlich nicht nur sein Privatleben, sondern auch seine Arbeit für die NASA. So führte er vor jedem Raketenstart eine Invokation des Gottes Pan durch. Keine Seltenheit bei der NASA, denn auch die Apollo-Astronauten, die allesamt Freimaurer waren, hielten auf dem Mond okkulte Rituale ab. Christliche Gebete, sofern diese bei der NASA überhaupt praktiziert werden, scheinen dagegen nur Blendwerk für die Massen zu sein.

Die NASA, die eigentlich ein wissenschaftlich-rationales Weltbild vertreten sollte, ist in Wirklichkeit eine hochgradig okkulte Organisation, die von Nazis, Freimaurern und Satanisten gegründet wurde und offenbar bis heute von solchen Figuren geleitet wird. Zudem untersteht sie dem Pentagon und verfolgt damit vorrangig militärische sowie Spionagezwecke. Die wissenschaftliche Erforschung des Weltraums ist nur Nebensache und dient als Rechtfertigung nach außen.

Selbstverständlich gibt es viele NASA-Mitarbeiter, die nichts mit den militaristischen und okkulten Machenschaften zu tun haben. Diese bekleiden jedoch nur einfache Posten von der Flugkontrolle über Wartung bis hin zur Putzfrau. Wie diese Mitarbeiter wohl über den Geisteszustand ihrer Vorgesetzten denken, sofern sie überhaupt etwas von deren Machenschaften mitbekommen?

Zumindest über die Vertuschung von UFOs durch die NASA haben sich schon einige öffentlich geäußert, was in Hinblick auf die extradimensionale Natur eines Teils des Phänomens sicherlich interessant ist. Möglicherweise gibt es da einen Zusammenhang. Die Vertuschung der außerirdischen Präsenz sowie die okkulten Rituale finden jedenfalls in den oberen Etagen der NASA statt. Der Fisch stinkt wie immer vom Kopf.

Für die internationale Gemeinde der Astronomen und Astrophysiker dürfte indes die Erkenntnis, dass die Spitze der NASA offenbar geistig nicht zurechnungsfähig ist, ein herber Schock sein. Daran ändert auch der frühe Tod Jack Parsons am 17. Juni 1952 nichts, da es immer noch mehr als genug Hochgradfreimaurer und Satanisten bei der US-Raumfahrtbehörde gibt. Die Todesumstände von Parsons sind derweil wieder einmal sehr bezeichnend.

In seinem Buch „Liber Babalon“ prophezeite sich Jack Parsons selbst ein Ende in Flammen und tatsächlich starb er im Alter von nur 37 Jahren bei einer Explosion von Knallquecksilber. Während seine thelemischen Anhänger dies als Beweis für die Authentizität des „Liber Babalon“ sehen, könnte man als Kritiker zu dem hämischen Schluss gelangen, dass er durch das wohl verdiente Fegefeuer gegangen ist.

Ein wirklicher Verlust war Parsons ohnehin nur für die Raketentechnologie. In erster Linie hat die Welt mit seinem Ableben einen Schwarzmagier weniger. Groteskerweise war Parsons aber nicht nur ein Okkultist, sondern auch ein Zionist, der sich stark für die Gründung Israels engagierte. Er überlegte sogar kurz vor seinem Tod, nach Israel auszuwandern.

Das lässt den Zionismus in einem gänzlich anderen Licht erscheinen, denn Parsons war – wie die meisten Zionisten – kein Jude. Im Gegenteil arbeitete er eng mit Nazis wie von Braun zusammen, während seine Religion Crowleys Thelema war. Auch andere Zionisten wie George W. Bush und dessen Vater tummeln sich im Bereich okkulter Geheimbünde wie der Hochgradfreimaurerei oder Skull & Bones. Sein Großvater Prescott Bush hatte indes beste Geschäftsverbindungen zu den Nazis. Kein Wunder also, dass die große Mehrheit der Juden den Zionismus als politische Richtung strikt ablehnt. Dieser hat rein gar nichts mit ihrer Religion zu tun und Jack Parsons war der beste Beweis dafür!

Quelle (deutsch)

Quelle (englisch)