Erika Steinbach verlässt die CDU

Es hat schon einen bitteren Beigeschmack, wenn ehemalige Kriegsflüchtlinge gegen Kriegsflüchtlinge hetzen. Erika Steinbach (*1943) hat sich als Sprecherin für Menschenrechte der CDU-Fraktion generell nie besonders menschlich und mitfühlend verhalten. Nun ist sie wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die ja in den letzten Monaten eigentlich eher aus Verschärfungen des Asylrechts bestand, sogar aus der CDU ausgetreten. Leider hat sie dabei allerdings vergessen, auch ihren Sitz im Bundestag zu räumen, sodass uns ihre rassistischen Anmerkungen auch in Zukunft erheitern werden.

So teilte sie auf Facebook schon mal ein Bild, auf dem ein blondes Mädchen von dunkelhäutigen Personen umringt ist und kommentierte, dass so die Zukunft Deutschlands im Jahr 2030 aussehen werde. Dumm nur, dass das Bild gar nicht Deutschland, sondern in Indien geknipst wurde. Die Touristen, deren Kind darauf abgebildet war, sind außerdem gar keine Rassisten und ihr Foto wurde einfach von Rechten geklaut und missbraucht. Derartige Aktionen sind bei Frau Steinbach kein Einzelfall, weshalb wir hier noch einmal ihre dümmsten Tweets revue passieren lassen.

Quelle

Übrigens gab Erika Steinbach an, in keine andere Partei eintreten zu wollen. Darauf sollten jetzt allerdings keine Wetten abgeschlossen werden, denn bei dem kurzen Weg zur AfD könnte man sonst ziemlich schnell seinen Wetteinsatz verlieren.

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Die homophoben Ängste der AfD

Obwohl die AfD inzwischen selbst eine Homogruppe mit schwulen und lesbischen Mitgliedern hat, setzt die Partei weiterhin auf Homophobie. Ähnliches kennt man bereits von der CDU, die sogar mit einer Gruppe auf dem Christopher Street Day vertreten ist, sich aber dennoch strikt gegen eine Gleichberechtigung homosexueller Paare ausspricht. Warum fühlen sich überhaupt einige Schwule und Lesben von homophoben Parteien angezogen? Dummheit? Selbsthass?

Jedenfalls arbeitet die AfD ausschließlich mit Ängsten. Angst vor Überfremdung, Angst vor dem „Volkstod“, Angst vor dem Islam, Angst vor der „Zerstörung der Familie“ und natürlich Angst vor der „Homodiktatur“. Angst, Angst, Angst!!! Die Deutschen lieben Angst. Wer keine Angst hat, ist suspekt. Also immer schön Angst haben, das verschafft Anerkennung. Selbst wenn diese Angst total unbegründet und irrational ist.

So haben die AfD-Politiker und ihre Wähler sagenhafte Angst davor, dass deutsche Kinder in deutschen Schulen zur Homosexualität „erzogen“ werden. Hintergrund: Im Rahmen der sexuellen Aufklärung werden auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften erwähnt. Den Schülerinnen und Schülern wird also lediglich erzählt, dass es so etwas gibt und das auch völlig normal und okay ist. Wie sie dadurch homosexuell werden sollen, muss die AfD erst einmal erklären. Das ist in etwa so abwegig, als würden Jungs spontan das Geschlecht wechseln, sobald sie wissen, dass es auch Mädchen gibt.

Homosexualität lässt sich nicht anerziehen und Aufklärung fördert maximal die Toleranz gegenüber Andersliebenden. Aber das ist ja genau das, was die AfD eigentlich ablehnt – Toleranz. Wer aus dem Rahmen des streng konservativen Weltbildes fällt, hat für sie schlichtweg keine Daseinsberechtigung. So knallhart möchte man sich bei der AfD dann aber doch nicht ausdrücken, da nazistische Vernichtungsphantasien bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht gut ankommen. Also greift man zum Mittel der Propaganda.

Dabei ist keine Behauptung zu absurd, um sie nicht in die Welt zu setzen. So verbreiten die Rechtspopulisten, dass schon in der Grundschule Schwulenpornos zum Unterricht gehören würden. Ähm, Pornos sind generell erst ab 18 freigegeben und jeder Lehrer, der derartiges über einen Beamer laufen lassen würde, wäre nicht nur seinen Job los, sondern würde darüber hinaus strafrechtlich verfolgt werden. Aber solche frei erfundenen Argumente drehen ja wunderbar an der Angstschraube besorgter Eltern.

Ebenso absurd sind Begriffe wie „Zwangsunterricht“. Es gibt in Deutschland eine allgemeine Schulpflicht, womit im Prinzip jeder Schulunterricht bindend ist. Das ist definitiv zu befürworten, denn sonst hätten wir bald eine total verblödete Bevölkerung, die weder lesen, schreiben noch rechnen kann und auch sonst keine Ahnung von der Welt hat. Mit anderen Worten eine Bevölkerung, die extrem anfällig für die stumpfsinnige Hetze der AfD wäre.

Aber noch mal zurück zum Schlagwort „Zwangsunterricht“. Während der Unterricht zumindest in den Naturwissenschaften und Sprachfächern recht trocken und objektiv ist, fordert AfD ihrerseits eine Erziehung zu mehr Patriotismus. Im Fach Deutsch sollen nur noch deutsche Klassiker gelesen werden, zu denen einige AfD-Politiker wohl auch Hitlers „Mein Kampf“ zählen dürften, und in Musik sollen nur noch deutsche Volkslieder geträllert werden. Es ist pure Heuchelei, wenn eine Partei, die derartiges fordert, dem aktuellen Bildungssystem Indoktrination vorwirft. Politische Indoktrination gibt es mehr oder weniger nur im Geschichtsunterricht und damit dürfte sich Björn Höcke als ehemaliger Geschichtslehrer ja bestens auskennen.

Aber das meint die AfD ja auch gar nicht mit ideologischer Indoktrination. Gerade im Bereich der sexuellen Aufklärung geht es doch eigentlich um Freiheit und Akzeptanz. Das ist jetzt so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was die Rechtspopulisten unterstellen. Tatsächlich ist es die AfD, die hier gegen die Freiheit wettert und Kindern vorschreiben will, wie sie zu leben und wohin sie sich zu entwickeln haben. Ihre Politiker sind es, die Kinder und Jugendliche in ein enges ideologisches Korsett zwingen wollen.

Das Ganze wird dann noch mit inhaltsleeren Kampfbegriffen wie „Genderismus“ garniert, wo niemand so genau weiß, was das eigentlich bedeuten soll. Aber bei den Erzkonservativen geht die Welt ja schon unter, wenn Mädchen Hosen tragen und Jungs mit Puppen spielen. Dabei weiß doch jeder, dass echte Kerle nur mit Panzern spielen und Mädchen nur rosa tragen dürfen. Sonst werden die Mädchen noch schwul und die Jungs lesbisch.

Der Knaller ist aber die vermeintliche Homo-Diktatur. Homosexuelle dürfen in Deutschland nicht mal Kinder adoptieren, aber sollen angeblich das Land beherrschen? Was haben diese rechtspopulistischen Knallchargen geraucht? Nur weil eine Minderheit die gleichen Rechte wie die Mehrheit fordert, ist das noch längst keine Diktatur. Im Gegenteil gehört der Minderheitenschutz zu den Kernaufgaben einer echten Demokratie. Und nur so nebenbei bedeutet die Gleichstellung der Homoehe keine Entwertung der Heteroehe.

Der AfD bleibt im Prinzip gar nichts anderes übrig, als maßlos zu übertreiben, um mit ihrer homophoben Propaganda überhaupt noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken zu können. Dementsprechend wird einfach mal behauptet, dass ein Promille der Bevölkerung über den gesamten Rest bestimmen würde. Zum einen wird der Einfluss der Homosexuellen geradezu lächerlich überdramatisiert, zum anderen wird diese Minderheit kleiner gemacht, als sie tatsächlich ist. Ein Promille wären gerade einmal 0,01 %. Tatsächlich liegt der Anteil der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen in der Gesamtbevölkerung aber zwischen 5 bis 10 %. Es soll hier lediglich der Eindruck erweckt werden, dass ein paar hundert Menschen die gesamte Macht für sich beanspruchen, was ja auch schon die Nazis den Juden unterstellt haben.

Mit der angeblichen Bedrohung unserer Kinder durch vermeintliche Homopropaganda macht die AfD lediglich Stimmung auf Kosten einer ihr verhassten Minderheit. Die Hetze gegen Andersliebende und sexuelle Aufklärung funktioniert nach denselben Mustern wie die Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam. Die AfD will uns alle zu Angstmenschen machen, um ihre Machtinteressen durchzusetzen. Punkt!

Dabei ist Angst alles andere als gesund. Angst bedeutet psychischen Stress und permanenter Psychostress wirkt sich letztendlich auch auf die physische Gesundheit aus. Im eigenen Interesse sollte sich daher niemand in eine ständige Angstsituation versetzen lassen. Schon gar nicht, wenn es sich um unbegründete Ängste handelt.

Der Grund, warum Parteien wie die AfD auf Angst setzen, ist sehr einfach, denn unter Angsteinfluss handeln Menschen unvernünftig. Das Hirn entscheidet nur noch, ob Angriff oder Flucht die beste Option ist, wobei die AfD natürlich Angriff als einzigen Ausweg anbietet. Für ein vernünftiges Abwägen von Argumenten lässt einem das Kleinhirn im Angstmodus überhaupt keine Zeit, was die Umfragewerte der AfD erklären dürfte. Von daher sollten sich erst einmal alle beruhigen, die Fakten zusammentragen und anschließend eine wohl überlegte Entscheidung treffen – gegen Homophobie.

Hier noch ein paar Zahlen:

Die Vril-Gesellschaft – Nazi-UFOs und Channelmedien

von Shinzon

Die Vril-Gesellschaft ist ein historisch kaum nachweisbarer Mythos, über den mehr Verschwörungstheorien als Fakten kursieren. Bereits die Herleitung des Namens führt direkt in die Rubrik Science Fiction. Das Wort „Vril“ tauchte nämlich erstmals in einem 1871 erschienen Roman mit dem Titel „The Coming Race“/„Das kommende Geschlecht“ auf. Abgeleitet wurde es wahrscheinlich vom lateinischen „virilis“, was sich mit „kraftvoll“ übersetzen lässt.

Illustration zu "The Coming Race"

Illustration zu „The Coming Race“

Das würde Sinn ergeben, denn in der Erzählung trifft der Protagonist auf die Vril-ya, eine unterirdisch lebende Menschenrasse, welche sich vom Rest der Menschheit abgespalten hat und über telepathische sowie telekinetische Kräfte verfügt. Obwohl die Unterirdischen im Roman in Höhlensystemen leben, ist dieses Werk wohl gleichermaßen die Ausgangslage für die Verknüpfung des Vril-Mythos mit der Theorie der hohlen Erde, wie er in modernen Verschwörungstheorien häufig anzutreffen ist.

Eine reale Verbindung des Romans zum Okkultismus gibt es derweil tatsächlich. Der Autor von „The Coming Race“, der Brite Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873), war nämlich Patron der Societas Rosicruciana in Anglia. Angeblich wurde ihm der Titel gegen seinen Willen verliehen, doch in seinen Werken tauchten die Rosenkreuzer sowie deren esoterische Lehren immer wieder auf. Erst ab den 1850ern ging er allmählich auf Distanz zur Esoterik, nachdem immer mehr Spiritisten als Betrüger entlarvt wurden.

Die mentalen Fähigkeiten der Vril-ya betrachtete er dementsprechend auch nicht aus einem esoterischen Blickwinkel, sondern versuchte sie mit naturwissenschaftlichen Mitteln zu erklären. Auf Anfrage der London Dialectical Society verfasste er am 28. Februar 1869 eine Stellungnahme, in der er Geister als Ursachen für spiritistische Phänomene ausschloss. Stattdessen führte er sie auf das Vorhandensein einer alles durchdringenden Naturkraft zurück. Lytton dürfte damit der Ideengeber für die Macht in „Star Wars“ gewesen sein. Seine posthume Popularität bei den Theosophen war jedoch keineswegs seine Intention.

Die Theosophen und andere okkulte Gruppierungen interpretierten „The Coming Race“ auf ihre Weise und glaubten, die Vril-Kraft für sich nutzen zu können. 1886 brachten einige Esoteriker sogar ein Rindfleischextrakt mit dem Namen „Bovril“ auf den Markt, weil sie sich durch den Bezug auf die fiktive Vril-Kraft einen höheren Absatz erhofften. Der Blödsinn gipfelte schließlich in einem Vril-ya-Bazaar, welcher vom 5. bis 7. März 1891 in der großen Londoner Royal Albert Hall stattfand.

Auch die oberste Theosophin Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891) griff die Vril-Kraft in ihrem Werk „Die entschleierte Isis“ von 1877 auf. Die unterirdische Urrasse übernahm sie jedoch nicht aus Lyttons Roman. In ihrem späteren Buch „Die Geheimlehre“ von 1888 behauptete sie stattdessen, die Bewohner von Atlantis hätten die Vril-Kraft zum Bau kolossaler Gebäude benutzt, ähnlich wie Apocalypse bei den „X-Men“. Nach dem Untergang von Atlantis habe dann eine kleine Gruppe überlebender Priester das Wissen um die Vril-Kraft bewahrt.

Die X-Men, von Hollywood als "das kommende Geschlecht" gefeiert.

Die X-Men, von Hollywood als „das kommende Geschlecht“ gefeiert.

Während die Nutzung des Vril-Begriffes durch die Theosophische Gesellschaft bestens belegt ist, sieht es bei der Existenz der Vril-Gesellschaft schon anders aus. Historisch nachweisbar ist lediglich ein Vril-ya-Club, welcher 1904 in London gegründet wurde. Dabei handelte es sich jedoch um einen theosophischen Esoterikclub, welcher keine belegbaren Verbindungen zu den späteren Nazis hatte.

Nach Deutschland kam der Begriff erstmalig 1874 mit der Erstübersetzung von Lyttons Roman. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich auch deutsche Okkultisten für die darin beschriebene Vril-Kraft zu interessieren. Es verwundert daher nicht, dass eine weitere deutsche Übersetzung von „Das kommende Geschlecht“ 1922 vom Anthroposophen Guenther Wachsmuth (1893-1963) in Umlauf gebracht wurde – auf ausdrücklichen Wunsch Rudolf Steiners (1861-1925).

An dieser Stelle kann schon mal zusammenfassend gesagt werden, dass der Mythos der fiktiven Vril-Kraft auch unter deutschen Esoterikern weit verbreitet war. Hinzu kam mindestens ein Privatzirkel aus Berlin, der sich explizit mit dieser Vril-Kraft beschäftigte. Dieser nannte sich jedoch nicht Vril-Gesellschaft, sondern Wahrheitsgesellschaft.

Der deutsche Raketenpionier Willy Ley (1906-1969), der nach der Machtergreifung der Nazis 1935 in die USA emigrierte, gab den irrationalen Überzeugungen dieser und anderer esoterischer Zirkel eine Mitschuld am Aufstieg der Nationalsozialisten. Ley veröffentlichte 1947 einen Artikel im Magazin Astounding Science Fiction, in welchem er die Wahrheitgesellschaft korrekt auf Lyttons Roman „The Coming Race“ zurückführte und ihre Überzeugung schilderte, die Vril-Kraft sei real. Mit der eigentlich ominösen Vril-Gesellschaft hatte aber auch die Wahrheitsgesellschaft nichts zu tun.

Ausschlaggebend für den Mythos waren wohl zwei Pamphlete aus dem Jahre 1930, welche mit „Weltdynamismus“ und „Vril“ betitelt waren. Veröffentlicht wurden sie von einem okkulten Zirkel namens „Reichsarbeitsgemeinschaft: Das kommende Deutschland“. Die Gruppe behauptete in ihren Schriften, sie sei im Besitz von Technologie, welche die Vril-Kraft nutzen könne. Allerdings handelte es sich mehr oder weniger um die Abschrift einer Broschüre des österreichischen Autoren Carl Schappeller (1875-1947), in welcher dieser ein Perpetuum Mobile propagierte.

Vril - Die komische Urkraft

Der Gründer der Reichsarbeitsgemeinschaft soll ein Johannes Täufer gewesen sein, was aber wohl nur ein Pseudonym war. Hinter diesem wird der Verleger und Theosoph Otto Wilhelm Barth (1882-Todesdatum unbekannt) vermutet. Das würde passen, weil bis dato schon immer die Theosophen hinter allem steckten, was mit Vril zu tun hatte.

Für die weitere Existenz der Reichsarbeitsgemeinschaft sowie der Wahrheitsgesellschaft nach 1930 gibt es indessen keine Belege. Und obwohl einige Okkultisten den Nazis ideologisch durchaus nahe standen, gibt es keine nachweisbaren Verbindungen der Vril-Gläubigen zur Führungsebene des 3. Reiches. Angeblich sollen sämtliche Materialien von den Alliierten beiseite geschafft worden sein, aber schaut man sich einmal genauer an, wer solche Behauptungen verbreitet, kommt man schnell auf rechte Esoteriker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad.

Erstmalig erwähnt wurde die Vril-Gesellschaft allerdings schon 1960 von den französischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier (1912-1978). Den beiden selbsterklärten Okkultisten zufolge soll die Vril-Gesellschaft Anfang der 1920er aus der „Loge der Brüder vom Licht“ hervorgegangen sein. Sie beriefen sich dabei zwar auf die Aussagen Willy Leys, doch ihre Daten deckten sich nicht mit denen der von Ley beschriebenen Wahrheitsgesellschaft. Lediglich die erwähnte Verbindung der Vril-Gläubigen zu den Theosophen und Rosenkreuzern entsprach den Tatsachen.

Vril-Logo

Was die neurechten Esoteriker verbreiten, ist noch abenteuerlicher. So soll die Vril-Gesellschaft unter der Leitung von Maria Orsitsch Anfang der 1920er telepathischen Kontakt mit einer Zivilisation vom Aldebaran aufgenommen haben. Um einen besseren Empfang zu haben, sollen sich die Vril-Mitglieder die Haare besonders lang wachsen lassen haben. Allein das ist schon ha(u)nebüchener Unsinn, denn Aldebaran ist ein Doppelsternsystem, dessen Hauptstern ein roter Riese ist. Wenn es dort überhaupt je Leben gab, dann wäre dieses schon vor hunderten Millionen Jahren verbrannt. Natürlich halten solche Fakten einen Reiner Feistle nicht davon ab, zu behaupten, dass die Vorfahren der weißen Europäer von dort gekommen seien.

Projekt Aldebaran

Allerdings gilt dies den rechten Esoterikern zufolge nur für die weißen Aldebaraner, die als einzige ihre Göttlichkeit bewahrt haben sollen, während die anderen Bewohner des Aldebaransystems durch Rassenvermischung degeneriert sein sollen. Das ist eine zutiefst rassistische Irrlehre, die durch wissenschaftliche Fakten leicht zu widerlegen ist. Im Gegenteil wirkt nämlich ein seichter Genpool degenerierend. Die ganze Story um die Aldebaraner ist gleichermaßen lächerlich wie verwerflich.

Es wird aber noch kruder, denn 1922 soll es der Vril-Gesellschaft gelungen sein, mithilfe der Channelingbotschaften eine Jenseitsflugmaschine zu bauen. Da stellt sich einem doch die Frage: Wenn die Nazis schon über 10 Jahre vor ihrer Machtergreifung über funktionstüchtige Reichsflugscheiben verfügten, wie konnten sie dann den Krieg verlieren? Und wieso haben die Aldebaraner den Nazis nicht gleich direkt geholfen, den Krieg zu gewinnen? Stattdessen sollen sie einfach zugesehen und anschließend Maria Orsistsch Asyl auf ihrem Planeten gewährt haben? Wer diesen Schwachsinn glaubt, der sucht auch am Nordpol nach dem Weihnachtsmann oder eben am Südpol nach Hitler.

Ebenso unwahr wie die kruden Verschwörungstheorien sind die Behauptungen, die Wahrheit über die okkulten Umtriebe der Nazis würden unterdrückt werden. Dokus wie „Schwarze Magie im braunen Hemd“ behandeln die Wurzeln des Naziregimes in der Ariosophie und Thule-Gesellschaft sogar äußerst detailliert. Des Weiteren ist es durchaus historisch anerkannt, dass es bereits in der Weimarer Republik Esoteriker gab, die sich mit Channelings und UFOs beschäftigten. Nur ist die Beschäftigung mit solchen Themen eben kein Beweis für Kontakte der Nazis mit Außerirdischen. Es beweist lediglich, dass es UFO-Sekten schon lange vor dem 2. Weltkrieg gab.

Gleiches gilt für die hoch entwickelte Technologie der Nazis. Wernher von Brauns Raketenforschung bei Peenemünde war bereits so weit gediehen, dass die V2 an der Grenze zum Weltraum kratzte. Doch statt damit zum Mond zu fliegen, hat Hitler sie lieber auf London schießen lassen. Ebenso fortgeschritten war das erste Überschallflugzeug der Gebrüder Horten. Zum Glück kam der Durchbruch zu spät, um die Niederlage noch abzuwenden. Gleiches galt für die Atombombenforschung, die kurz vor Kriegsende vor dem Durchbruch stand.

Kein Historiker würde leugnen, dass Deutschland unter dem Naziregime technologisch sehr weit fortgeschritten war. Inzwischen beschäftigen sich seriöse Historiker sogar offen mit dem Projekt Glocke, welches sich um Antigravitation gedreht haben soll. Allerdings besteht bei der Glocke keinerlei Verbindung zur Vril-Gesellschaft. Im Rahmen des Projektes wurde reguläre Elektrizität genutzt und keine fiktive Vril-Kraft. Außerdem handelte es sich um keine Flugscheibe, sondern um ein glockenförmiges Objekt. Der Erfolg ist bei alledem nicht belegt und so kann die Glocke als eines von vielen gescheiterten Geheimprojekten der Nazis betrachtet werden.

Gleiches gilt für die Entwicklungen des Österreichers Viktor Schauberger (1885-1958). Laut rechten Verschwörungstheorien soll Schauberger in Kontakt mit der Vril-Gesellschaft gestanden haben und an der Entwicklung der Vril 7 Flugscheibe beteiligt gewesen sein. Dumm nur, dass Schauberger Zeit seines Lebens nie etwas Derartiges von sich behauptet hat. Er glaubte nicht einmal an die Vril-Kraft, sondern behauptete lediglich, einen Implosionsmotor entwickelt zu haben. Die Funktionstüchtigkeit der so genannten Repulsine konnte jedoch nie nachgewiesen werden.

Gleichermaßen stellte sich Schaubergers Flugscheibe als absoluter Flop heraus und ihm wurden sämtliche Gelder gestrichen. Es handelte sich mitnichten um den Nachbau eines weltraumtauglichen UFOs, sondern um eine Art deutsches Avro-Car, welches konventionell betrieben wurde. Möglicherweise basierte sogar das Avro-Car der Amerikaner auf erbeuteten Plänen Schaubergers, aber auch dieses Vehikel entpuppte sich als totaler Reinfall und hob nicht mehr als einen Meter ab.

Für weitere Gerüchte sorgten einige Nurflügler, mit welchen die Nazis experimentierten. Im Prinzip probierten die deutschen Flugzeugkonstrukteure so ziemlich jede nur erdenkliche Form aus, wovon die meisten jedoch kläglich scheiterten. Darunter befand sich tatsächlich auch ein Rundflugzeug. Dieses trug aber weder die Bezeichnung Vril oder Haunebu, noch hatte es irgendetwas Überirdisches an sich. Es handelte sich schlicht um ein konventionell betriebenes Flugzeug mit runden Flügeln. Auf den wenigen glaubhaften Fotos lassen sich auch ganz klar Landeklappen sowie Heckflosse erkennen, welche bei einem Antigravitationsvehikel überflüssig wären. Ob die verantwortlichen Konstrukteure mit dieser Form versuchten, UFOs nachzubauen, ist nicht überliefert.

Nurflügler-Prototyp

Nurflügler-Prototyp

Historisch belegbar ist einzig und allein der mythologische Ursprung der Vril-Flugmaschinen. Detaillierte Beschreibungen lieferte der Theosoph William Scott-Elliot bereits in seinem 1896 erschienen Buch „The Story of Atlantis“. Laut diesem Werk sollen die Atlanter einst Flugmaschinen gebaut haben, welche die Vril-Kraft als Antriebsenergie nutzten. Es erscheint keineswegs abwegig, dass auch Okkultisten des 3. Reiches von dieser fiktiven Geschichte fasziniert waren. Heinrich Himmler (1900-1945) war z.B. vom Atlantis-Mythos besessen und beschäftigte sich ebenso mit den Vimanas aus der indischen Mahabharata.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass es wahrscheinlich keine Vril-Gesellschaft gab, allerdings sehr wohl theosophische Zirkel, die von der Existenz einer Vril-Kraft überzeugt waren. Was das Thema Reichflugscheiben angeht, gab es wohl ebenfalls eher UFO-begeisterte Okkultisten als tatsächlich funktionierende Naziraumgleiter. Und mal ehrlich, wenn die Deutschen diese Technologie besessen hätten, sähe die Welt heute ganz anders aus.

Was rechtsesoterische Verschwörungstheoretiker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad verbreiten, sind theosophische Irrlehren, die obendrein das 3. Reich verherrlichen. Mit diesem ha(u)nebüchenen Unsinn lassen sich maximal ein paar enttäuschte Neonazis begeistern, die immer noch darauf hoffen, dass ihr Führer irgendwann mit einer Flugscheibenflotte auftaucht, um das Reich wiederaufzubauen. Na da können sie lange warten, denn Hitler wird weder sein Versteck in der Antarktis, der hohlen Erde oder auf dem Aldebaran je verlassen.

Alienleiche ist ein Mensch

Dr. Steven Greer, der Anfang des Jahrtausends mit dem Disclosure Project weltbekannt wurde, ist unlängst in die Esoterikecke abgedriftet. Es sind jedoch nicht nur seine Behauptungen über freundliche Raumbrüder, welche in völliger Ignoranz gegenüber negativen UFO-Begegnungen Greers Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen. Zu seinen Geldgebern gehören außerdem die Rockefellers, welche sich schon lange für die UFO-Thematik interessieren.

Den Gipfel der Unglaubwürdigkeit hat Greer nunmehr mit seinem letzten Werk „Sirius“ erreicht. In diesem wirbt er mit einer angeblichen Alienleiche, welche 2003 in der Atacamawüste entdeckt wurde. Über Umwege gelangte sie nach Barcelona, wo sie schließlich von Greer entdeckt wurde. Bei dem „ATA“ getauften Wesen handelt es sich tatsächlich um ein echtes Skelett, welches auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich wirkt. DNS-Tests haben jedoch erwiesen, dass es sich um menschliches Erbgut handelt und die Mutter chilenischer Herkunft sein muss. Das winzige Skelett ist nicht einmal besonders alt und die Deformierungen rühren möglicherweise von einer illegalen Abtreibung her.

Das wirklich Perfide bei Greers Umgang mit dem Leichnam ist die Tatsache, dass die Doku „Sirius“ zum selben Schluss gelangt, der Trailer jedoch suggeriert, dass es sich bei ATA um einen Außerirdischen handelt. Das Ganze ist also nicht mehr als eine gezielte PR-Kampagne, um einen relativ unspektakulären Film besser zu verkaufen. Steven Greer geht es inzwischen nur noch um Profit, der Respekt vor den Toten bleibt dabei auf der Strecke.

Wesentlich interessanter sind da schon die Recherchen des 2013 verstorbenen Lloyd Pye zum Starchild-Schädel.

UFO-Sekten Teil 2 – Organisierter Wahnsinn

von Shinzon

Im ersten Teil haben wir uns mit den theosophisch angehauchten UFO-Sekten beschäftigt, die sich vor allem durch gechannelten Schwachsinn auszeichnen. Die vermeintlichen Kontakte zu blonden Aliens von den Plejaden oder der Andromeda-Galaxie waren dabei noch eher unterhaltsam. Es bedarf schon einer großen Portion Naivität, um auf solch esoterische Desinformation hereinzufallen. Im zweiten Teil wird es nun etwas ernster, denn die folgenden UFO-Sekten sind weitaus besser organisiert und teilweise sogar gemeingefährlich.

Als erstes wäre da die Rael-Bewegung, welche 1973 von Claude Vorilhon noch unter dem Titel MADECH (mouvement pour l’accueil des extraterrestres, créateurs de l’humanité / deutsch: Bewegung für den Empfang der Außerirdischen, Schöpfer der Menschheit) gegründet wurde. Die Umbenennung der UFO-Religion in Raelismus erfolgte drei Jahre später.

Der 1946 im französischen Vichy geborene Sektengründer ist der Sohn einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Es ist recht offensichtlich, dass er sich beim Raelismus von den Religionen seiner Eltern inspirieren ließ und das Ergebnis anschließend mit Okkultismus anreicherte. So behauptet er, 1973 einem Außerirdischen namens Yahweh begegnet zu sein, was der Name Gottes im Judentum ist. Im Prinzip hätte er seine UFO-Religion auch gleich Israelismus nennen können, wenn er schon einmal dabei ist, das Judentum zu verunglimpfen.

In die gleiche Richtung geht das ursprüngliche Symbol des Raelismus, welches aus einem Hakenkreuz in einem Hexagramm besteht. Für sich genommen haben beide Symbole eine okkulte Deutungsmöglichkeit und kommen auch in der Freimaurerei vor. In anbetracht des persönlichen Hintergrundes von Claude Vorilhon wirkt diese Kombination jedoch eher wie eine Gleichsetzung des Davidsterns mit dem Symbol des Hitlerfaschismus. Wohl aus diesem Grund wurde das Hakenkreuz inzwischen durch einen Wirbel ersetzt.

Raelianerlogo

Die Schöpfungsgeschichte hat Claude Vorilhon indes dem alten Testament der Bibel entlehnt. Mit der Behauptung, dass die Elohim Außerirdische waren, welche die Menschheit erschaffen haben, könnte er dabei sogar richtig liegen. Allerdings ist diese Vorstellung nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern fester Bestandteil der Prä-Astronautik. Es ist davon auszugehen, dass er dieses Wissen nicht von einem Alien namens Yahweh erhalten, sondern schlichtweg bei Erich von Däniken abgeschrieben hat.

Da es etwas auffällig gewesen wäre und wohl auch entsprechende Urheberrechtsklagen nach sich gezogen hätte, von Dänikens Bücher komplett zu kopieren, hat Vorilhon seine Irrlehre mit eigenem Nonsens angereichert. So soll die Erde erst vor 22.000 Jahren von den Elohim erschaffen worden sein. Spätestens ab diesem Punkt würde kein ernstzunehmender Prä-Astronautik-Befürworter Vorilhons Bullshit noch weiter unterstützen. Zumal die Elohim nach raelistischer Lehre bereits vor 25.000 Jahren das erste Mal die Erde betreten haben, also 3.000 Jahre bevor sie den Planeten überhaupt erschaffen haben sollen.

Ebenso wenig wie die Prä-Astronautiker würden die Juden den Raelismus unterstützen, obgleich dieser durchaus philosemitisch ist. So sieht Vorilhon in den Juden zwar das auserwählte Volks, aber eben nicht auserwählt von Gott, sondern von Außerirdischen. Seiner Auffassung nach sind die Juden das gelungenste Genexperiment der Elohim, was völlig außer Acht lässt, dass die ersten Juden eigentlich nur eine Glaubensgemeinschaft unter den Ägyptern waren.

Aber egal, wie sehr sich Vorilhon bei den Juden einzuschleimen versucht, als Messias werden sie ihn gewiss niemals akzeptieren. Als solcher feiert er sich nämlich selbst und nennt sich seit seiner herbei fantasierten Begegnung mit Yahweh selbst nur noch Raël. Weiterhin behauptet er, der Halbbruder von Jesus zu sein und sein Vater Yahweh hätte ihn am 25. Dezember 1945 gezeugt. 1946, das Jahr seiner tatsächlichen Geburt, ist das Jahr 1 des raelianischen Kalenders. Ähnlichen Größenwahnsinn findet man sonst nur in Nordkorea, wo das Geburtsjahr von Kim Il Sung ebenfalls das Jahr 1. des koreanischen Kalenders ist.

Claude Vorilhon grüßt seinen wahren Meister.

Claude Vorilhon grüßt seinen wahren Meister.

Nach seiner Erleuchtung durch Yahweh im Jahr 1973 schrieb Raël „Das Buch, das die Wahrheit sagt“. 1975 folgte „Die Außerirdischen haben mich auf ihren Planeten mitgenommen“, in dem er die raelianischen Lebensregeln veröffentlichte. Mit anderen Worten ist Claude Vorilhon ebenso ein verhinderter Science Fiction Autor wie L. Ron Hubbard und obwohl sich beide Sekten gegenseitig nicht ausstehen können, hören ihre Gemeinsamkeiten noch längst nicht auf.

Eines der Ziele des durchgeknallten Irren mit Messiaskomplex ist der Bau einer Botschaft für die Außerirdischen bis zum Jahr 2025. Errichten will er das Gebäude in Israel, wo er allerdings bis heute keine Baugenehmigung für diesen Schwachsinn bekommen hat. $cientology ist da schon einen Schritt weiter, denn die haben genügend eigenen Grundbesitz, auf dem sie eine Botschaft für Xenu errichten können.

Das zweite Ziel der Raelianer ist noch abgefahrener. Während $cientology Milliardengewinne mit Psychospielchen macht, hat sich die Rael-Bewegung auf das Gebiet der Genetik spezialisiert. Die Sekte will tatsächlich das Klonen von Menschen ermöglichen, damit diese nach dem Tod in ein exaktes Duplikat inkarnieren können. Angeblich soll bereits 2002 der erste Klon mit dem Namen „Eve“ im Reagenzglas gezeugt worden sein, was jedoch gemeinhin als Schwindel betrachtet wird. Bis die irdische Gentechnik so weit ist, sollen die Außerirdischen das Klonen übernehmen, wobei die Körperbaupläne der Sektenmitglieder angeblich per Handauflegen des Gurus telepathisch übermittelt werden.

Wer das schon für schwachsinnig hält, den dürfte es wohl erschüttern, dass die BILD-Schlagzeile „UFO-Sekte will jetzt Hitler klonen“ vom 4. August 2001 keine Ente war. Die Raelianer planen tatsächlich, den Führer zu klonen, um ihn seiner Verbrechen anzuklagen. Nur leider funktioniert Reinkarnation nicht so und vor Gericht stünde ein Unschuldiger, der zwar dieselben Gene wie Hitler hätte, aber eine völlig andere Person wäre. Gleiches gilt für die Bestrebungen, Jesus mithilfe des Turiner Grabtuches klonen zu wollen. Dabei käme wohl ohnehin eher ein Klon von Leonardo daVinci heraus, denn das Tuch wurde längst als Fälschung entlarvt.

UFO-Sekte will Hitler klonen

Das Klonen von Menschen ist eine wahrhaft dumme Idee, aber keineswegs die einzige dumme Idee der Raelianer. Parallel zum Klonen sollen nämlich Supercomputer entwickelt werden, in denen das Bewusstsein der verstorbenen Sektenmitglieder zwischengelagert werden kann. Im Prinzip wollen es die Raelianer genauso machen wie die Cylonen in der TV-Serie „Battlestar Galactica“, womit hier ganz eindeutig die transhumanistische Agenda bedient wird. Es ist angesichts dessen wohl kaum ein Zufall, dass Transhumanisten wie der französische Autor Michel Houellebecq zu den bekanntesten Mitgliedern der Sekte zählen. Nun, immerhin hat dieser STO-Verschnitt noch keine Terroranschläge verübt. Die „Caprica“-Fans werden wissen, was gemeint ist.

Zum Schluss bleibt die Frage, wie der ganze Mist finanziert wird. Immerhin kostet die Klonforschung momentan noch mehr als die einbringt. Woher also das Geld nehmen? Ganz einfach, indem jedes Mitglied 3% seines Nettoeinkommens an die Sekte abführt. Bei offiziell rund 40.000 Mitgliedern weltweit kommt da schon eine ansehnliche Summe zusammen. Obendrein bedient sich die Rael-Bewegung bei Erbschaften verstorbener Mitglieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rael-Bewegung im Gegensatz zu den theosophischen Dünnbrettbohrern von der Galaktischen Föderation durchaus gefährlich ist. Die Raelianer verbreiten nicht nur den üblichen New Age Bullshit, sie betreiben darüber hinaus unethische Klonexperimente und fördern den Transhumanismus. Ihr Wirkungsgrad ist dabei weitaus höher als jener von Ashtars lächerlichen Youtube-Videos. Immerhin durfte Claude Vorilhon seine kruden Botschaften schon im französischen Fernsehen verbreiten, was seine Anhängerschaft allein in den ersten zwei Jahren auf 700 Personen anwachsen ließ.

Die Raelianer sind inzwischen die einflussreichste UFO-Sekte nach $cientology. In Sachen Gefährlichkeit werden beide allerdings von einer weitaus kleineren UFO-Sekte getoppt. Die Rede ist von Heaven’s Gate, welche in den 1980ern von Marshall Herff Applewhite (1931–1997) und Bonnie Lu Nettles (1927–1985) gegründet wurde.

Applewhite wurde als Sohn eines presbyterianischen Priesters geboren und trat als Kirchenmusiker zunächst in dessen Fußstapfen. Offensichtlich hatte er bereits zu diesem Zeitpunkt schwere psychische Probleme, denn 1970 wurde er aufgrund von „Gesundheitsproblemen emotionaler Natur“ entlassen. Möglicherweise wurzelten diese in einem Konflikt zwischen seiner sexuellen Orientierung und seiner Religion. Ein Jahr später versuchte er jedenfalls, sich in einem Hospital von seiner Homosexualität heilen zu lassen. Da Homosexualität aber keine Krankheit ist, gibt es dafür auch keine Heilung. Im Gegenteil tragen so genannte Homoheiler nachweislich zur psychischen Destabilisierung ihrer Opfer bei, was wohl auch bei Applewhite der Fall war.

Neben der missglückten Behandlung hatte der Hospitalaufenthalt noch eine weitere negative Folge, denn dort lernte er Bonnie Nettles kennen. Beide lagen auf derselben Wellenlänge, interessierten sich für Astrologie, glaubten sich von Geistern und Schutzengeln umgeben. Sie waren sogar überzeugt, sich aus einem früheren Leben zu kennen. Es ist direkt überraschend, dass Nettles keine Patientin des Hospitals war, sondern als Krankenschwester dort arbeitete. Dennoch hatten sich hier zwei Verrückte gefunden.

Das geistesgestörte Paar trat unter Namen wie „The Two“, „Bo und Peep“ oder „Winnie und Pooh“ auf. Alsbald gründeten sie eine UFO-Religion, zunächst unter dem Namen „Guinea Pig“ (Meerschweinchen bzw. „Versuchskaninchen“). Später wurde daraus HIM (Human Individual Metamorphosis), dann TOA (Total Overcomers Anonymous) und zuletzt Heaven’s Gate. Das Logo der Sekte bestand aus einer angedeuteten Pyramide mit einem Stern an der Spitze.

Heavens Gate Logo

Die Sektenmitglieder lebten wie in einem mittelalterlichen Mönchsorden asketisch und gemeinschaftlich. Privatbesitz sowie Privatsphäre war ihnen untersagt und was Letzteres betraf, war die Villa der Sekte komplett mit technischen Überwachungseinrichtungen ausgestattet. Finanziert wurde dieses zweifelhafte Vergnügen aus unterschiedlichen Quellen, zuletzt mittels professioneller Webseiten-Entwicklung unter dem Namen „Higher Source“. Auch hier fand sich wieder eine Pyramide im Layout.

Higher Source

Während die Gurus der meisten Sekten durchaus schlaue Geschäftsleute sind, die ihre Glaubensgemeinschaft ausbeuten, war Applewhite tatsächlich ebenso bekloppt wie seine Anhänger. Dies äußerte sich unter anderem darin, dass er sich, zusammen mit sechs weiteren Männern der Gemeinschaft, zwecks besserer Askese kastrieren ließ. Zumindest waren damit seine sexuellen Probleme gelöst, aber seine psychopathische Erkrankung stand ihm nach wie vor ins Gesicht geschrieben.

Applewhite

Ein Psychopath war Applewhite in jedem Fall. Er war ein extrem manipulativer Charakter, agierte total verantwortungslos und ohne Empathie. Dies führte schlussendlich auch zum traurigen Untergang der Sekte, die er nach dem Tod von Bonnie Nettles im Jahr 1985 allein leitete. Der Grund für das Ende ist zwar hinlänglich bekannt, doch war keineswegs auf Applewhites eigenem Mist gewachsen.

Alles ging auf ein Foto des Kometen Hale-Bopp zurück, welches der Amateurastronom Chuck Shramek im November 1996 veröffentlichte. Auf dem Foto war ein leuchtendes Objekt zu sehen, welches Shramek als viermal so groß wie die Erde einschätzte. In Wirklichkeit entpuppte es sich sogar als noch größer, denn es handelte sich um einen weit entfernten Stern. Damit hätte der Fall eigentlich erledigt sein können, doch leider wandte sich Shramek vor dieser Erkenntnis an den Radio-Moderator Art Bell. In dessen Sendung gab ein Politikwissenschaftler namens Courtney Brown bekannt, dass Hellseher an seinem Farsight Institute in dem Objekt ein außerirdisches Raumschiff erkannt hätten.

Für Marshall Applewhite war diese Desinformation ein gefundenes Fressen. Er glaubte in dem Kometen ein Zeichen der nahenden Apokalypse zu sehen und in dem vermeintlichen Raumschiff die einzige Rettung. Aus welchen Gründen auch immer glaubte Applewhite jedoch nicht, dass das Raumschiff ihn und seine Anhänger auf physischem Wege abholen würde, also wurde beschlossen, es auf astralem Wege zu erreichen.

Am 19. März 1997, drei Tage bevor Hale-Bopp seinen erdnächsten Punkt erreichen sollte, sprach Applewhite in einer Videobotschaft über Massensuizid. Dies sei ihm zufolge der einzige Weg, die Erde zu verlassen. An Bord des nicht existenten Raumschiffs glaubten seine Anhänger, in eine höhere Daseinsstufe überführt zu werden. Theoretisch hat sich dieser Wunsch für 39 Sektenmitglieder, darunter Applewhite selbst, durchaus erfüllt, wenn auch auf eine etwas andere Weise.

Am 26. März 1997 wurden ihre Leichen entdeckt. Offenbar hatten sie sich in mehreren Stufen von ihren irdischen Hüllen verabschiedet. 15 Mitglieder starben am 24. März, 15 weitere am Tag darauf und die restlichen 9 am 26. März. Alle trugen schwarze Einheitskleidung mit neuen Turnschuhen und waren mit purpurnen Tüchern zugedeckt. Zudem hatten alle ein Armband mit der Aufschrift „Heaven’s Gate Away Team“, was schon derbe zynisch ist, denn von dieser Außenmission kehrte niemand von ihnen zurück. Warum jeder einen 5-Dollar-Schein sowie drei Vierteldollar-Münzen mit sich führte, bleibt indes ein Rätsel. Immerhin sollte man meinen, dass astrale Aliens keinen Eintritt verlangen, zumal solch materielle Dinge ohnehin zurückbleiben.

Den Massensuizid überlebte nur ein einziges Sektenmitglied. Rio Di Angelo hatte Wochen vor dem Ereignis mit Applewhite vereinbart, die Gruppe zu verlassen, um deren Videos und Schriften weiterzuverbreiten. Von ihm stammt auch ein Video der Villa in Rancho Santa Fe, welches der Polizei fünf Jahre nach dem Gruppenselbstmord zukam. Trotz Rio Di Angelos Bemühungen ging die Heaven’s Gate Sekte mit dem Tod ihres Anführer unter. Das Endresultat ist auch nicht wirklich zur Nachahmung geeignet.

Allerdings blieb zumindest das Konzept von Raumschiffen, die sich in Kometenschweifen verstecken, bis heute erhalten. 2013 geisterten sogar Behauptungen durchs Internet, der Komet ISON sei selbst ein intelligent gesteuertes Raumschiff. Anfang Dezember 2013 zerbrach der Komet, womit die Diskussion vorzeitig beendet wurde. Zum Glück noch bevor sich die nächsten Deppen einen Schierlingsbecher runterkippen konnten, um auf ein Raumschiff zu gelangen, das gar nicht existiert. Dennoch scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste UFO-Sekte psychisch labile New Age Anhänger mit ha(u)nebüchenen Behauptungen auf dumme Gedanken bringt.

Edward Snowden weiß nichts über UFOs

Im Gegensatz zu diversen Geheimdiensten, die sich sehr wohl mit UFOs befassen, weiß Edward Snowden bisher nichts Konkretes zum Thema zu berichten. Warum uns das eine Meldung wert ist? Ganz einfach, weil das Internet voll mit kruden Behauptungen über vermeintliche Äußerungen Snowdens ist.

Bei den meisten Meldungen handelt es sich um frei erfundene Geschichten und mal ehrlich, wenn Snowden wirklich etwas über geheime UFO-Projekte gesagt hätte, wären die Schlagzeilen voll davon. Eine Bemerkung über Außerirdische hat er jedoch tatsächlich vor kurzem im Interview mit Star Talk gemacht. Hört sich spektakulär an, ist es aber nicht. Denn er sprach keineswegs davon, dass die NSA auch außerirdische Botschaften abgehört hätte. Es handelte sich lediglich um ein hypothetisches Gedankenspiel, bei dem er spekulierte, dass es wohl unmöglich wäre, solche Botschaften zu entschlüsseln.

Die erfundene Querfront

Seit dem Sommer 2015 geistern Dutzende Artikel durch die Mainstream-Presse, in denen von einer „Querfront“ schwadroniert wird. Unkritisch werden dabei Rechtspopulisten wie Jürgen Elsässer mit freien Journalisten wie Ken Jebsen in einen Topf geworfen. Grundlage sämtlicher dahingehender Behauptungen, die in namhaften Zeitungen erschienen sind, ist die Studie eines Prof. Wolfgang Storz, welche im Auftrag der IG-Metall-nahen Otto-Brenner-Stiftung erstellt wurde.

Schon im Vorwort heißt es, dass die Akteure der vermeintlichen Querfront „von Massenmedien und offizieller Politik als Antisemiten, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker charakterisiert“ werden. Die Studie macht sich gar nicht erst die Mühe, entsprechende Beweise für diese Behauptungen zu finden. Auf einige Personen wie Jürgen Elsässer mögen diese sogar zutreffen, aber Prof. Storz holt gleich mit der großen Kelle gegen alle alternativen Medien aus und unterstellt ein Netzwerk. Dabei werden aus dem Nichts heraus Verbindungen gezogen, die absurder nicht sein könnten.

Einige gehen dabei allein auf frühere Begegnungen zurück. So sind Ken Jebsen und Jürgen Elsässer tatsächlich schon gemeinsam auf Friedensmahnwachen aufgetreten und haben Interviews miteinander gemacht. Seitdem ist jedoch einige Zeit vergangen und Ken Jebsen hat sich inzwischen aufgrund der zunehmend ausländerfeindlichen sowie homophoben Äußerungen Elsässers von diesem distanziert. Nun war Elsässer in den 1990er Jahren, damals noch als überzeugter Kommunist, eine Zeit lang Chefredakteur der Jungen Welt. Auch das ist lange her und bei der Zeitung will man von Elsässer ebenfalls nichts mehr wissen. Eine aktuelle Verbindung der linken Zeitung zum heutigen Rechtspopulisten zieht die Studie aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Warum dann aber bei KenFM?

Diese Gleichsetzung ist bei alledem nicht der einzige grobe Schnitzer, welcher der Otto-Brenner-Stiftung unterlaufen ist. So wurde die linke Plattform Weltnetz TV kurzerhand zur Querfront gezählt, obwohl dort der Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (DIE LINKE), der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler und der Liedermacher Konstantin Wecker zu den Akteuren zählen. Ein peinlicher Fauxpas, der sogleich unter den Teppich gekehrt wurde. Es gab keinerlei Richtigstellung, sondern einfach nur die Streichung von Weltnetz TV sowie die saudämliche Entschuldigung, man hätte nicht richtig recherchiert. Mit diesem Bekenntnis hat die Otto-Brenner-Stiftung ihre Studie eigentlich schon der Lächerlichkeit preisgegeben, doch leider berichten die Massenmedien darüber nichts.

Grund für die bösen Ausrutscher war übrigens die schlampige Recherche über die Plattform Alternativ TV, welche Videos von KenFM, Weltnetz TV, Elsässers Compact-Magazin und vielen anderen verlinkt hat. Wie weich in der Birne muss man eigentlich sein, um daraus ein Netzwerk abzuleiten? Im Internet kann jeder alles verlinken, auch ohne vorherige Absprache oder Genehmigung. Sollte es Prof. Storz an derartigem Allgemeinwissen fehlen, würde ihn das als Medienanalytiker sofort disqualifizieren.

Facepalm

Allerdings scheint viel mehr böse Absicht dahinter zu stecken, denn auf Alternativ TV sind ebenso Videos von LINKE-Politikern wie Gregor Gysi sowie von Kabarettisten wie Georg Schramm und Volker Pispers verlinkt. Diese hätte Storz folgerichtig ebenfalls der von ihm postulierten Querfront zurechnen müssen. Nur welche Zeitung hätte seine Studie dann noch zitiert? Das würde doch kein Mensch ernst nehmen!

Um die nächste Studie schon mal vorweg zu nehmen: Wir bilden weder mit KenFM noch mit Weltnetz TV ein Netzwerk und wir kennen niemanden von denen persönlich. Wir verlinken die folgenden Videos nur, weil wir sie inhaltlich gut finden und der Meinung sind, dass diese Informationen verbreitet werden sollten. Eine Querfront mit Rechten lassen wir uns schon gar nicht unterstellen, unsere Statements in diese Richtung sollten eigentlich sehr klar und unmissverständlich sein.

Wake News – Für alle, die weiterschlafen wollen

von Shinzon

Das Desinformationsportal Wake News sowie der dazugehörige Youtube-Kanal Wake News TV werden von Detlev Hegeler betrieben. Der am 28. Dezember 1954 in Heepen (NRW) geborene Hegeler schloss zunächst ein Studium als Betriebswirt ab und zog 1994 als Angestellter eines Großkonzerns in die Schweiz. Später machte er sich selbstständig, verlor jedoch zusehends Kunden. Nachdem er seine Consulting-Unternehmen vor den Baum gefahren hatte, suchte er die Schuld beim Staat. Schnell machte er sich dabei die Theorien der Reichsbürgerbewegung zu Eigen.

Bei der Firma General News Service Network Association bestellte er sich für rund 130 € plus einer Jahrespauschale von rund 20 € einen Presseausweis, um sich fortan Journalist nennen zu können. Seitdem macht er das Internet mit seinen Theorien unsicher, deren Hauptzweck scheinbar darin besteht, Mitleid zu erregen. Inzwischen lebt er nämlich in einer Basler Sozialwohnung und kassiert Sozialhilfe. Die Suche nach einem neuen Job hat er längst aufgegeben und da man als freier Internetjournalist nicht wirklich was verdient, besteht die Hälfte seines Programms aus Werbung für Merchandise.

Wake News ist weniger ein Nachrichtenportal als viel mehr eine Marke, mit der richtig viel Geld zu verdienen ist. Da mag er noch so rumjammern, dass die 50 Aufkleber für 5 € lediglich die Selbstkosten decken. Die T-Shirts mit „Wake News“-Aufdruck kosten bereits zwischen 17,90 € und 21,90 €, Hoodies gibt es für 39,90 €, Westen für 59,90 € und die Bomberjacken kosten stolze 99,90 €. Angeblich will er auch mit solchen Angeboten, die er dreist „günstig“ nennt, keinen Gewinn machen. Nur mal zum Vergleich: Band-T-Shirts auf Festivals gibt es bereits ab 15 € und die Händler machen trotz Standgebühren gute Gewinne. Wenn Hegeler also nichts daran verdient, dann nur, weil kaum jemand seinen Schrott kauft.

Bomberjacke

Er braucht sich auch gar nicht hinter dem externen Laufteufel-Shop zu verstecken, wo er Provision auf alle Verkäufe erhält. Immerhin ist Wake News seine Marke. Der Verdacht liegt nahe, dass seine Behauptungen, nichts zu verdienen, auf das Finanzamt abzielen. Dazu würde passen, dass er von seinen Zuschauern verlangt, Geld in Alufolie gewickelt an ein Postfach zu schicken. Immer schön am Fiskus vorbei.

Spenden gingen indes zunächst auf das Konto einer Jutta Lackhaus. Nach wohlverdienter Kritik wurde im Juli 2015 ein Vereinskonto für Spenden eröffnet. Der „Verein zur Förderung internationaler freier Medien“ ist selbstverständlich nirgendwo eingetragen und wohin das Geld wirklich fließt, kann sich jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch denken. Es hat wohl seine Gründe, dass Detlev Hegeler sämtliche Gesetze gegen Steuerhinterziehung kategorisch ablehnt und weder den Staat noch dessen Justiz anerkennt. Doch dazu später mehr.

Halten wir bis hier hin erst mal fest, dass Detlev Clemens Hegeler ein knallharter Geschäftemacher ist. Seine Fans wollen das vielleicht nicht wahrhaben, aber die das omnipräsente Product Placement ist kaum zu leugnen. Es gibt kaum eine Websendung oder Internetseite, die mehr mit Werbung zugeknallt ist als Wake News. Zwar vertreiben andere Internetaktivisten ebenfalls Merchandise oder finanzieren sich über Crowdfunding, doch Hinweise darauf gibt es meist nur am Ende der Sendung und zudem führen fast alle anderen brav ihre Steuern ab.

Was Hegeler dagegen abzieht, ist dermaßen durchschaubar und dreist, dass es eigentlich selbst dem dümmsten Freak auffallen müsste. Der Gipfel ist dabei die Kooperation mit dem Shop Laufteufel. Da schwadroniert Hegeler über die okkulte Elite und dann geht er selbst den Pakt mit dem sprichwörtlichen Teufel ein? Wer sich wirklich ernsthaft mit okkulter Symbolik beschäftigt, sollte den Firmennamen sowie das Dreizack-Logo zu deuten wissen.

Lauf Teufel lauf!

Obgleich der Geschäftemacher noch nicht der Steuerhinterziehung überführt wurde, geriet er durchaus schon mit dem Gesetz in Konflikt. So geschehen 2012, als seine Wohnung polizeilich durchsucht und er wegen übler Nachrede verurteilt wurde. Am 27. April 2015 geriet er dann im baden-württembergischen Grenzach-Wyhlen in eine Verkehrskontrolle, bei der er hops genommen wurde. Allerdings erfolgte die Verhaftung erst, nachdem er Widerstand gegen die Staatsgewalt leistete und deren Legitimität infrage stellte. Übrigens fährt er für einen Sozialhilfeempfänger ein ziemlich schickes rotes Chrysler-Cabrio.

Detlevs Bonzenkarre

Kaum wieder auf freiem Fuß, produzierte Hegeler am 30. April 2015 eine Sondersendung mit dem bizarren Titel „’Justiz’ sperrte Detlev ins Foltergefängnis GUANTANAMO Freiburg“. Die Gleichsetzung seiner Zelle in Freiburg mit dem US-Foltergefängnis in Guantanamo Bay kann eigentlich nur ein derber Scherz sein. Jeder einigermaßen intelligente Zuschauer muss sich spätestens ab diesem Punkt verzweifelt die Hand vors Gesicht schlagen.

Facepalm

Für ein Folteropfer sah Märchenonkel Detlev nach seiner Entlassung selbstverständlich noch ziemlich frisch aus. Keine blauen Flecken oder Brüche, keinerlei Erschöpfung aufgrund stundenlangen Waterboardings und auch keine Spuren von Peitschenhieben oder Daumenschrauben. Es wird zwar gemunkelt, dass sein Gehirn während der Inhaftierung amputiert wurde, allerdings könnte dies auch schon Jahre zuvor geschehen sein.

Das würde zumindest auch erklären, warum er „Justiz“ in Anführungszeichen setzt. Es gibt zwar tatsächlich Justizskandale, wie der Fall Gustl Mollath belegt, doch das lässt sich mit Hegelers Festnahme nicht einmal ansatzweise vergleichen. Immerhin wurde er wenig später wieder freigelassen und nicht mal rechtskräftig verurteilt. Bei alledem ist es ziemlich offensichtlich, dass es Wake News gar nicht um echte Justizskandale geht, sondern um die generelle Delegitimierung der deutschen Justiz als solche.

Und da wären wir auch schon bei Detlev Hegelers Nähe zur Reichdeutschenbewegung. Diese braun gefärbte Gruppierung interessiert sich nicht wirklich für die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland, welche spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen tatsächlich angezweifelt werden darf. Es geht den Reichsdeutschen um nichts Geringeres als um die Fortführung des 3. Reiches. Sie wollen die BRD nicht reformieren, die Regierung nicht abwählen und das Grundgesetz nicht zur Verfassung erheben. Sie wollen einfach nur alles Bestehende hinwegfegen und das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 zurück.

Dabei wird völlig ignoriert, dass Nazideutschland den 2. Weltkrieg verloren hat. Großadmiral Karl Dönitz kapitulierte auch nicht nur für die Wehrmacht, sondern war zu diesem Zeitpunkt bereits von Hitler zum Nachfolger als Reichskanzler ernannt worden. Das Reich hat also kapituliert und die BRD trat die Rechtsnachfolge an. Da können reichsdeutsche Knallchargen wie Detlev Hegeler behaupten, was sie wollen.

Ohnehin lebt der selbsternannte Journalist schon seit über 20 Jahren in der Schweiz und die ist weder besiegt noch besetzt. Dennoch erkennt er auch diesen Staat nicht an, wobei er die Sozialhilfe allerdings durchaus gern in Anspruch nimmt. Keine Steuern zahlen wollen, aber auf Steuerkosten leben. Hegeler will bestimmt nicht wissen, wie mit solchen Subjekten im Deutschen Reich verfahren wurde. Er würde sich angesichts dessen wohl in seine Freiburger Zelle zurück wünschen und den Polizeibeamten für ihre Nachsicht danken.

Selbstverständlich wollen Detlev Hegeler und seine Gesinnungsgenossen nur das Reich zurück, aber nicht Hitler oder Auschwitz. Immerhin wäre das etwas zu offensichtlich und gegen das Label „Nazis“ wird sich vehement gewehrt. Allerdings nicht, ohne die Geschichte entsprechend zu verdrehen. So wird aus dem tyrannischen Psychopathen Hitler schnell mal eine armselige Marionette, die lediglich von höheren Mächten benutzt wurde. Zwar stimmt es, dass Hitler von Kapitalisten wie Henry Ford, den Krupps und Quandts unterstützt wurde, doch ihn als ohnmächtiges Opfer darzustellen ignoriert sowohl seine menschenverachtende Gesinnung als auch seine tatsächliche Macht, die er als Diktator sehr wohl hatte.

Ebenso absurd ist die Behauptung, dass Hitler ein Rothschildabkömmling gewesen sei. So wird der Antisemit zum Juden erklärt oder mit anderen Worten seien die Juden selbst schuld an ihrer Vernichtung.

Haunebüchener Bullshit by Wake News.

Haunebüchener Bullshit by Wake News.

Entsprechend verhält es sich mit der Darstellung der Shoa. Diese offen zu leugnen wagt sich Hegeler zwar nicht, aber zumindest verharmlost er sie, indem er die Opferzahlen anzweifelt. Offenbar fürchtet er trotz seiner Weigerung, die deutsche Justiz anzuerkennen, rechtliche Konsequenzen. Dafür verlinkt er dann halt rechte Webseiten wie den Honigmannblog, die beim Thema Holocaustleugnung wesentlich konkreter werden. Warum sich selbst die Finger verbrennen, wenn das schon andere tun?

Die Juden sind jedoch ohnehin nicht der Hauptfeind in der kleingeistigen Welt von Wake News. Seinen Hass spart sich Hegeler lieber für die Ausländer auf. Da schwimmt er voll und ganz auf der Welle von Pegida, deren Anhänger teils schon vom jüdisch-christlichen Abendland reden, welches gegen vermeintliche „Asylschmarotzer“ verteidigt werden müsse.

Wie die meisten Pegida-Anhänger fühlt sich der Pseudojournalist dabei zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt. Unter anderem jammerte er in einem Artikel mit dem Titel „Ein Alptraum nimmt Formen an!“ vom 1. September 2015, dass er und andere vom „System“ als „Nazis“ und „Rechte“ bezeichnet würden. Wie käme man denn nur auf die Idee, Wake News und ähnliche Formate auch nur in die Nähe von Neonazis zu rücken?

Vielleicht gibt das folgende Zitat Aufschluss darüber, welches Hegeler nur wenige Zeilen später im selben Artikel vom Stapel ließ: „die Systemlinge im Auftrag der DIMs wollen diese unheilige und tyrannische “Neue Welt Ordnung” umsetzen, koste es, was es wolle. Dazu brauchen sie diese unfreiwilligen, herbeigelockten Mithelfer aus Afrika, dem Nahen Osten, woher auch immer, als Asylanten-Invasions-Heer um hier alles zu zerrütten um unseren Widerstand zu erdrücken mit Menschen, die keinen Bezug hierher haben, vielleicht werden diese auch noch vom System bewaffnet, im Moment des Schlachtens, wer weiss.“

Allein die Bezeichnung „Asylanten-Invasions-Heer“ sagt eigentlich schon alles. Kein kritisches Wort über die Fluchtursachen, stattdessen nur Angstmache vor allem, was fremd ist. Angeblich sollen die Flüchtlinge, die gerade dem Regime in Eritrea oder dem IS in Syrien entkommen sind, sogar bewaffnet werden, um uns Deutsche im eigenen Land auszurotten. Wie meschugge muss man sein, zu glauben, traumatisierte Kriegsflüchtlinge kämen mit solch kranken Zielen hierher? Die allermeisten von ihnen dürften für den Rest ihres Lebens genug von Krieg, Waffen und Gewalt haben.

Mit Gewalt werden die Asylsuchenden dann aber doch wieder konfrontiert. Zum Beispiel in Heidenau, wo es zu rechten Krawallen kam. Auf seiner Facebook-Seite geht Hegeler jedoch mit keinem Wort auf die braune „Willkommenskultur“ ein, sondern predigt erneut die „Asylanteninvasion“ herbei. Ganz so, als wären alle Flüchtlinge Teil einer gigantischen Weltverschwörung und auch der ärmste Eritreer ein finsterer Illuminat.

Wake News FB Asylanteninvasion

Für seine wiederholte Hetze gegen Ausländer bekam der Hassprediger auf seiner Facebook-Seite inzwischen sogar Solidaritätsbekundungen von Hogesa-Aktivisten. Nur zur Erinnerung: Das waren die gewalttätigen rechten Hooligans, die vor nicht allzu langer Zeit in Köln gewütet haben. Obwohl sich Hegeler selbst nicht als Nazi betrachtet, hat er offensichtlich keine Probleme mit denen, die offen zu ihrer rechtsextremen Gesinnung stehen.

Wake News FB Hogesa

Diese verlogene Argumentation, von wegen „Ich bin kein Rassist, ich hasse nur Ausländer!“, hängt einem langsam zu Halse raus. Das ist wie mit dem identitären Slogan „0% Rassistisch“, aber 100% ausländerfeindlich. Menschen, die solche Propaganda glauben, wollen offensichtlich verarscht werden. Oder sie wissen, dass es gelogen ist, und stehen voll dahinter. Die breite Masse der Bevölkerung werden sie damit jedenfalls nicht überzeugen können.

Jeder, der noch bei klarem Verstand ist, weiß, worauf Wake News hinaus will. Wenn Hegeler in Zeiten brennender Asylheime und zunehmender Angriffe auf Flüchtlinge und Migranten seine Sendung mit „Ein Volk erwacht!“ übertitelt, ist das eine unmissverständliche Sympathiebekundung für die rechtsextremen Täter. Damit führt er dann auch gleich seinen angeblichen Kampf gegen die NWO ad absurdum, denn er propagiert das Prinzip „teile und herrsche“. Es sind die Faschisten, die den angestrebten Bürgerkrieg in Europa anzetteln, das sollte inzwischen sogar dem dümmsten Verschwörungstheoretiker klar sein.

Selbst Detlev Hegeler dürfte das längst kapiert haben, aber offenbar unterstützt er dieses Ziel der NWO. Wie wir nämlich alle wissen, ist die Weltdiktatur faschistisch und fremdenfeindliche Hasspropaganda trägt zur Machtübernahme der Faschisten bei. Allerdings ist das nur ein Übergangstadium, denn die wahre neue Weltordnung ist das esoterische Wassermannzeitalter. Und siehe da, auch bei diesem gefährlichen Unfug ist Hegeler an vorderster Front dabei.

Auf seinem Programm stehen nicht nur regelmäßige Besuche auf Esoterikmessen, ihn verbindet zudem eine tiefe Freundschaft mit Norbert Brakenwagen. Wake News war schon des Öfteren bei Time To Do zu Gast und umgekehrt war auch Brakenwagen schon bei Wake News. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Zum Beispiel, dass der Verschwörungstheoretiker in Wirklichkeit ein esoterischer Verschwörer ist. Seine Wahlheimat Schweiz ist ja ohnehin als freimaurerische Esoterikhochburg bekannt.

Mit Sicherheit werden wir schon bald Nachricht von Detlev Clemens Hegeler erhalten bzw. in seiner Sendung als „bezahlte Geheimdiensttrolle“ gebrandmarkt werden. Natürlich sind wir das nicht. Wir fallen einfach nur nicht auf seine fremdenfeindliche Hetze und seine billige Abzocke herein. Aber wozu sollte er schon Beweise für derartige Anschuldigungen brauchen? Behauptungen haben ihm bisher immer vollkommen ausgereicht. Wir hingegen haben hier durchaus eindeutige Beweise geliefert, dass Hegeler ein Rassist, Esoteriker, Desinformant und Geschäftemacher ist.

Das alles weiß er auch, denn er kann zwar andere belügen, aber nicht sich selbst. Wie ernst er seinen eigenen Bullshit nimmt, stellt es durch ständiges Gelächter unter Beweis. Er kann selbst nicht glauben, was er da von sich gibt und ein Lachen lässt sich nun mal schwer unterdrücken.

Die Lösung des Dropa-Rätsels – Alles Schwindel!

In einem Gebirgszug in Zentralchina soll vor 12.000 Jahren ein UFO abgestürzt sein, dessen Insassen die Kultur der Dropa begründet haben sollen. Zu ihren Hinterlassenschaften zählen angeblich Steinscheiben, die wie antike Schallplatten funktionieren und einen sagenhaften Informationsschatz enthalten sollen. Zudem haben sich die Dropa angeblich mit Menschen vermischt haben, deren Nachfahren noch heute unter uns wandeln sollen.

Blöd nur, dass die gesamte Dropa-Story komplett erfunden ist. Sie erschien 1962 als Kurzgeschichte in der Zeitschrift „Vegetarisches Universum“. Der Schriftsteller David Agamon weitete diese Geschichte später zu einem Roman mit dem Titel „Sungods in Exile“ aus, welches 1979 erschien. In diesem Buch finden sich sämtliche Details der Dropa-Geschichte, inklusive der Namen aller Beteiligten an der vermeintlich wahren Story. Zum Selbstläufer entwickelte sich das Ganze, als die russische Zeitschrift „Sputnik“ die Geschichte ungeprüft aus dem „Vegetarischen Universum“ übernahm. Von der Sputnik kopierten sie wiederum zahlreiche UFO-Magazine, in der Annahme, es handele sich um einen Tatsachenbericht.

Erich von Däniken – Wurden unsere Ahnen von Aliens besucht?

von Shinzon

Erich von Däniken ist auch außerhalb der UFO-Szene vielen Menschen ein Begriff. Die Bücher des schweizerischen Schriftstellers gehören zu den Top-Bestsellern des Prä-Astronautik-Genres und werden oft zitiert, wenn es um Beweise für antike Kontakte der Menschheit mit Außerirdischen geht. Doch wie vertrauenswürdig ist von Däniken?

Blicken wir zunächst kurz auf seinen Lebenslauf. Erich von Däniken wurde am 14. April 1935 in Zofingen (Schweiz) geboren. Nach seinem Besuch der Volksschule in Schaffhausen wechselte er auf das Jesuiten-Internat Collège St. Michel in Freiburg, wo er sich nach eigenen Angaben mit Theologie und Archäologie zu beschäftigen begann. Welche Rolle die Jesuiten dabei spielten, ist nicht bekannt. Der Vatikan begann jedenfalls erst rund 50 Jahre später, sich offiziell mit der UFO-Thematik zu beschäftigen, obgleich den Kirchenvätern die Wahrheit wohl schon weitaus länger bewusst sein dürfte.

Nach der Schule machte von Däniken zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachkraft und arbeitete anschließend in verschiedenen Hotels sowie der Suppenfabrik Knorr. In dieser Phase lernte er im Züricher Hotel Ascot seine Frau Elisabeth Skaja kennen, die er 1960 heiratete. Dem jungen Paar ging es nicht schlecht, da von Dänikens Karriere steil bergauf ging. Erst wurde er zum Geschäftsführer des Restaurants Mirabeau in Bern, 1964 übernahm er dann das Hotel Rosenhügel in Davos.

Sein Hobby der Prä-Astronautik verfolgte er in seiner Freizeit konsequent weiter und nach anfänglichen Ablehnungen erschien 1968 sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ im Econ Verlag. Innerhalb kürzester Zeit wurde von Däniken zum Auflagenmillionär, doch mit dem Erfolg begann gleichzeitig der Ärger. Ihm wurde vorgeworfen, sein Buch sei ein Plagiat, da er sich der Ideen anderer Autoren bedient und teilweise sogar ganze Passagen abgeschrieben hätte. Zudem waren seine Interpretationen wissenschaftlicher Quellen manipuliert und wurden durch verfälschte Abbildungen untermauert.

Ende 1968 wurde Erich von Däniken schließlich festgenommen und am 13. Februar 1970 wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Seinem Ansehen schadete dieser Prozess jedoch nicht. Im Gegenteil wurde sein Bestseller während seiner Inhaftierung von Harald Reinl (1908-1986) verfilmt. Der Film erhielt eine Oscarnominierung, womit von Däniken regelrecht geadelt wurde. Ein zweiter Film folgte 1976.

Nach seiner Haftentlassung gab von Däniken das Hotelgeschäft auf und widmete sich ganz und gar der lukrativen Prä-Astronautik. Er verfasste über 20 weitere Bücher und hielt gut besuchte Vorträge in aller Welt. 1973 gründete er zudem die „Ancient Astronaut Society“, welche 1998 als „Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI“ in Form einer GmbH neu formiert wurde.

Die 1990er Jahre waren für von Däniken das wohl erfolgreichste Jahrzehnt. In dieser Zeit produzierte er mehrere populäre Dokumentationen für die Privatsender Sat.1 und RTL sowie für die American Broadcasting Company. Bei seinen anschließenden Vortragsreisen verwendete er oft Ausschnitte aus diesen Dokus. Darüber hinaus wurde ihm zu Ehren 1996 eine Erich-von-Däniken-Stiftung ins Leben gerufen.

Der Gipfel der Vermarktung wurde schließlich 2003 mit der Eröffnung des Mystery Parks in Interlaken erreicht. Trotz rund einer Million Besuchern innerhalb von drei Jahren musste der Park 2006 aufgrund finanzieller Probleme schließen. 2009 wurde der Mystery Park noch einmal für eine Sommersaison geöffnet, bevor er von den neuen Besitzern endgültig umgestaltet wurde.

2008 kehrte von Däniken als Gast ins Privatfernsehen zurück und trat in der Pro7-Show „Uri Geller Live: Ufos und Aliens – Das unglaubliche TV-Experiment“ auf. Der Kontakt mit dem israelischen Hochstapler Geller tat seinem Ruf jedoch keineswegs gut und so distanzierte sich von Däniken im Namen seiner Forschungsgesellschaft schnell wieder von der Show. Offensichtlich war ihm der esoterische Hokuspokus im Nachhinein sehr unangenehm und er versuchte fortan, sich um ein bodenständiges Image zumindest zu bemühen.

Selbstverständlich hielt ihn das nicht davon ab, den 2012-Mythos mit einem Buch auszubeuten. Im Gegensatz zu anderen Mystery-Autoren verwies er aber immerhin darauf, dass die Welt 2012 nicht untergehen werde, da der Maya-Kalender einfach von vorn beginnt. Für den neuen Zyklus sagte von Däniken dennoch die Rückkehr der Maya-Götter voraus, wollte sich allerdings dabei nicht auf 2012 festlegen. Wie man sieht, lernt auch er dazu.

von Däniken

Seinem Kernthema der Prä-Astronautik blieb Erich von Däniken über all die Jahre treu, denn immerhin verdiente er damit Millionen. Außerdem ist dieses Thema hochinteressant und keineswegs so absurd, wie es scheint. Warum sollten uns weitaus ältere Zivilisationen erst in der Zukunft besuchen und nicht schon von Beginn an studiert haben? Die Grundprämisse der Prä-Astronautik ist weder lächerlich noch falsch, nur weil skrupellose Geschäftemacher das Thema ausschlachten.

Natürlich sind von Dänikens Theorien dennoch mit Vorsicht zu genießen, denn es ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Betrachten wir einige seiner Aussagen daher etwas genauer. Eines der bekanntesten Beispiele sind die in den 1920ern wieder entdeckten Steinbilder von Nazca in Peru, die von der Nazca-Kultur zwischen 800 v. Z. Bis 600 n. Z. in den Boden gescharrt wurden. Dies geschah zwar auf äußerst präzise Weise, war jedoch mit den damaligen Möglichkeiten durchaus zu bewerkstelligen.

Von Däniken behauptet nun, diese Bildnisse wären an die Astronautengötter gerichtet und dienten diesen als Landeplätze. Das klingt erst einmal einleuchtend, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als Unsinn. Zum einen sind die Bilder nur oberflächlich in den Boden gescharrt und blieben nur deshalb so lange erhalten, weil die Luft in der Region besonders trocken ist, es kaum regnet und so eine Erosion verhindert wird. Es ist undenkbar, dass außerirdische Raumschiffe dort gelandet sein sollen, da die Bilder damit unweigerlich zerstört worden wären. Zudem brauchen UFO’s für eine Landung keine Muster, die Affen, Kolibris oder Spinnen darstellen.

Der Zweck der Nazca-Bilder ist viel eher astrologischer Natur, da die Formationen Sternbilder wiederzuspiegeln scheinen. Sie könnten dabei durchaus als Hilferuf an die Götter zu verstehen gewesen sein, denn sie entstanden in einer Zeit, in der die Region zunehmend austrocknete. Die Nazca könnten die Linien rituell genutzt haben, um Regen zu erbitten, damit ihr Land wieder fruchtbar werden möge. Eine kalendarische Bedeutung ist dabei ebenfalls nicht auszuschließen.

Kein Indiz gibt es dagegen für einen Kontakt der Nazca-Kultur mit Außerirdischen. Zwar wären solche Begegnungen nicht völlig undenkbar, aber offensichtlich wären die Außerirdischen in einem solchen Fall keine große Hilfe gewesen. Die Bitten der Nazca um Regen blieben nämlich ungehört, was zum Verschwinden ihrer Kultur ca. 600 n. Z. führte. Alles, was sie hinterließen, war eine ausgetrocknete Landschaft mit einmaligen Kunstwerken.

Ebenso spekulativ wie die Kontakte der Nazca mit Aliens sind von Dänikens Behauptungen über diverse Bibeltexte. Moses hatte die 10 Gebote nicht von Gott, sondern von Göttern? Möglich, ja – bewiesen, nein. Zumindest behauptet Erich von Däniken aber, dass Moses über die sagenumwobene Bundeslade mit den Astronautengöttern kommunizieren konnte. Die Beschreibung liest sich laut ihm wie die Bauanleitung für ein antikes Handy. Das hört sich nicht nur absurd an, es ist auch absurd. Wenn die Götter ihm ein Kommunikationsgerät gegeben hätten, so wäre dieses sicherlich nicht größer als ein heutiges Handy gewesen. Dass eine uns weit überlegene Kultur für ein einfaches Telefonat einen solch großen Kasten aus Akazienholz braucht, ist purer Stumpfsinn.

Zudem war die Lade mit Gold überzogen, was nicht unbedingt die beste Tarnung gewesen wäre. Im Gegenteil lud das eher zum Diebstahl ein. Doch dagegen war die Bundeslade laut von Däniken angeblich mit einer elektrischen Selbstverteidigungsfunktion geschützt. Bei wissenschaftlichen Versuchen mit einem originalgetreuen Nachbau fanden Forscher zwar heraus, dass die in der Bibel erwähnten Todesfälle im Zusammenhang mit der Bundeslade wohl tatsächlich durch elektrische Schläge verursacht wurden, jedoch war die Erklärung eine viel banalere. Da die Lade komplett mit Gold überzogen war, konnte sie durch Reibung elektrisch aufgeladen werden und diese Ladung bei Berührung in einem tödlichen Schlag abgeben. Das hat mehr mit einfacher Physik zu tun, als mit außerirdischer Technologie.

Interessanter ist da schon das erste Kapitel des Buches Ezechiel. In diesem Fall braucht es wahrlich nicht viel Phantasie, um darin die Landung eines hoch entwickelten Fluggeräts sowie die anschließende Entführung Ezechiels zu sehen. Das beschriebene Gefährt wurde sogar von NASA-Mitarbeiter als Modell nachgebaut und für realistisch befunden. In der Tat ist dies die glaubwürdigste aller Behauptungen, die Erich von Däniken im Laufe seiner Karriere aufgestellt hat. Doch wie sagt man so schön: Auch eine blinde Katze findet mal eine tote Ratte.

Daneben liegt von Däniken dann wieder mit seiner Behauptung, Sodom und Gomorrha wären von den Astronautengöttern mit einer Atombombe zerstört worden, weil die Einwohner der beiden Städte so sündhaft gelebt hatten. Den außerirdischen Besuchern dürfte es wohl ziemlich egal gewesen sein, wie die Menschen damals lebten, sonst hätten sie unzählige Städte in allen Epochen vernichten müssen. Ein Atomschlag gegen eine unterentwickelte Kultur wäre zudem drastisch übertrieben und hätte den Besuchern keinerlei Vorteile gebracht. Außerdem wäre der flüchtige Lot mit seiner Familie auch außerhalb der Städte niemals der tödlichen Strahlung entkommen und seine Frau konnte auch nicht zu einer Salzsäule erstarren, weil sie in einen Atomblitz gesehen hat. Menschen verwandeln sich nämlich nicht in Salz, wenn sie einen Atomblitz sehen.

Und was sagt die Wissenschaft dazu? Sodom und Gomorrha lagen am Toten Meer, wo sich keinerlei Spuren einer Atomexplosion finden lassen. Allerdings kann es dort durch Unterspülung zu Bodenverflüssigungen kommen. Geschieht dies, können ganze Areale samt Häusern und Menschen ins Tote Meer abrutschen. Dieses Szenario wurde bereits im Labor nachgestellt und bietet bis heute die wahrscheinlichste Erklärung für den Untergang der beiden antiken Metropolen. Bleibt also nur noch die Frage nach Lots versteinerter Frau. Die Antwort darauf ist wieder einmal sehr banal. Am Toten Meer gibt es jede Menge Salzsäulen. Lots Frau könnte von dem Erdrutsch erfasst worden sein und als Lot zurück blickte, sah er eine dieser Salzsäulen und dachte, seine Gemahlin wäre zu dieser erstarrt. So entstehen Legenden.

Von Dänikens Behauptungen beweisen nur eines, nämlich, dass er absolut unwissenschaftlich vorgeht und anstatt intensiv zu recherchieren, lieber seiner Phantasie freien Lauf lässt. Wie weit diese Phantasie geht, zeigen seine Schilderungen über ein Tunnelsystem unter Lateinamerika, in dem er neben unglaublichen Goldschätzen auch eine antike Bibliothek entdeckt haben will. In dieser sollen Metallplatten lagern, die mit antiken Computern gelesen worden sein sollen. Eine unglaubliche Geschichte über eine untergegangene Hochkultur, die Technologie besessen haben soll und natürlich von den Sternen kam.

Aber warum hat von Däniken keine Beweise mitgebracht? Weil die Höhlen angeblich von einem alten indigenen Stamm bewacht werden, der alle Eindringlinge gnadenlos tötet und deshalb sollte natürlich jeder interessierte Archäologe die Höhleneingänge in Ecuador tunlichst meiden. Von Däniken, der aus unerfindlichen Gründen verschont wurde, wagte es nicht einmal, die beschriebenen Gegenstände zu fotografieren, obwohl er eine Kamera dabei hatte und speiste seine Leser stattdessen mit Bildern muffiger Grotten ab. Das klingt alles ein wenig nach Indiana Jones und wahrscheinlich ist es auch genau das.

Den beschriebenen indigenen Stamm gibt es nachweislich nicht. In Lateinamerika sind zwar einige unterirdische Höhlensysteme bekannt, die jedoch alle natürlichen Ursprungs sind und auch kein Eldorado an Gold oder Information beherbergen. Die komplette Geschichte ist frei erfunden und Erich von Däniken hat nie eine der Höhlen betreten, wie sein damaliger Weggefährte Juan Moricz 1973 in einem Spiegelinterview bekannt gab. Es folgte eine heftige juristische Auseinandersetzung zwischen den beiden und von Däniken musste letztendlich einräumen, in vielen Punkten übertrieben und Bilder für seine Bücher manipuliert zu haben. Dennoch bleibt er bei seinen sagenhaften Behauptungen, egal wie wenig Glaubwürdigkeit sie nach seinen Zugeständnissen noch haben.

Dies ist beileibe nicht die einzige Betrügerei, bei der von Däniken erwischt wurde. Schon 1961 machte er sich eines Versicherungsbetrugs schuldig und sogar über den Tod seines Sohnes machte er falsche Angaben. Offensichtlich haben wir es bei Erich von Däniken mit einem notorischen Lügner und Märchenonkel zu tun. Der größte Knaller sind dabei aber nicht seine Beiträge zur Prä-Astronautik, sondern seine angebliche Begegnung mit einem leibhaftigen Alien.

Dieser Kontakt soll sich 1987 in der Wüste von Pakistan ereignet haben. Sein einziger Begleiter wurde auf der Reise praktischerweise plötzlich krank und lag im Delirium. Von Däniken selbst übernachtete im Freien und gibt an, im Morgengrauen von einem Knall geweckt worden zu sein. Es folgten weitere Knallgeräusche und schließlich bemerkte er, dass die Heckscheibe seines Wagens sowie einige Wasserflaschen zu Bruch gegangen waren. Das Wasser soll anschließend einen Wirbel gebildet haben, aus dem sich ein Wesen bildete, welches schnell heranwuchs und Erich von Dänikens Aussehen annahm.

Das ist nun schon sagenhaft selbstherrlich, dass ein fremdes Wesen ausgerechnet seine Form angenommen haben soll. Allerdings nicht seinen Namen, denn es soll sich ihm als „Tomy“ von der Wega vorgestellt haben. Tomy soll Erich einige Details über seine Heimat erzählt haben, offenbarte ihm dann aber, dass er eigentlich hier sei, um etwas über die Erde zu lernen. Gesagt, getan, hat Erich ihn nach eigenen Angaben in die Schweiz ins Hotel Krone eingeladen, wo er sein jüngeres Ich seiner Frau vorgestellt haben will.

An die Öffentlich ging von Däniken mit dieser Story erst knapp 25 Jahre nach den angeblichen Ereignissen. Er begründete die Verzögerung damit, dass er Ende der 1980er seinen Ruf als Sachbuchautor nicht aufs Spiel setzen wollte. Heute ist ihm sein Leumund inzwischen egal. Weiterhin behauptet von Däniken, er hätte Fotos von der Begegnung. Diese wolle er aber nicht veröffentlichen, da er sich Sorgen mache, nicht für voll genommen zu werden. Das ist nicht besonders überzeugend, denn gerade das Unterschlagen von vermeintlichen Beweisen macht seine Story tatsächlich unglaubwürdig.

Hinzu kommt, dass er nicht etwa ein Sachbuch über seinen Kontakt mit Tomy geschrieben hat, sondern einen Roman. Dieser soll zwar auf Tatsachen beruhen, aber von Däniken gibt ganz offen zu, dass er Details hinzugedichtet hat. Was nun wahr und was fiktiv ist, müssen die Leser also selbst entscheiden. Eine Entscheidung, die ihnen selbstverständlich nicht zusteht und so erhärtet sich der Verdacht, dass man es hier mit einer reinen Lügengeschichte zu tun hat. Ironischerweise heißt das Buch auch noch „Tomy und der Planet der Lüge“.

Der Erste, der auf diese hanebüchene Geschichte hereinfiel, ist Robert Fleischer von der Deutschen Initiative für Exopolitik. Immerhin ist Erich von Däniken eine weltbekannte Ikone und Storys mit ihm lassen sich gut verkaufen, egal wie krude sie sind. Stolze 9,90 € kostet die DVD mit dem kompletten Interview.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von Dänikens Bücher auf den ersten Blick sehr interessant erscheinen, allerdings als Science Fiction gelesen werden sollten. Ihr Geld sind sie gewiss nicht wert und wer hofft, in diesen Werken Antworten zu finden, wird wohl bitter enttäuscht werden oder Illusionen erliegen. Mit seinen Halbwahrheiten und Phantastereien hat Erich von Däniken längst ein Vermögen verdient und genau das war wohl auch sein Antrieb.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Erde noch nie Besuch von Außerirdischen hatte und diese von unseren Ahnen nicht als Götter verehrt wurden. Dafür gibt es genügend Indizien und vielleicht ist von Däniken hier und da durch Zufall doch auf etwas gestoßen. Aber im Bereich Prä-Astronautik gibt es wesentlich bessere Bücher und Artikel, die auf gründlichen Recherchen basieren und die auch keine Antworten geben, sondern Fragen aufwerfen. Das ist der wichtigste Unterschied zu Phantasten wie von Däniken, die mit wenig stichhaltigen Belegen bereits ein gesamtes Weltbild präsentieren.

Quelle

Empfohlene Literatur:
Helmut Höfling „Ufos Urwelt Ungeheuer“
ISBN 3-404-60345-1