Boriska und das Märchen vom Mars

Um die Jahrtausendwende machte ein russischer Junge namens Boriska von sich reden, indem er behauptete, in einem früheren Leben ein Marsianer gewesen zu sein. Seine Schilderungen des roten Planeten waren derart detailliert, dass er viele Menschen in Erstaunen versetzte. Es dauerte nicht lange und die Internetgemeinde sah in ihm ein so genanntes „Indigokind“, also einen hochbegabten Wunderknaben. Seine Behauptungen über den Mars wurden jedoch immer abenteuerlicher und er berichtete von einer ganzen Marszivilisation, der er einst angehört haben wollte und die sich selbst mittels Atomwaffen ausgelöscht habe.

Nun ist es tatsächlich so, dass Erinnerungen an frühere Leben fast ausschließlich bei Kindern an die Oberfläche kommen und später wieder vergessen werden. Allerdings unterscheiden sich die glaubwürdigen Fälle erheblich von Boriskas Aussagen. Die von Kindern erinnerten Vorleben haben sich in der Regel auf der Erde abgespielt und sind daher nachprüfbar. Bekannte aus früheren Leben und dokumentierte Todesfälle, die den Beschreibungen der Kinder entsprechen, können zur Verifikation herangezogen werden.

Das ist bei Boriska aufgrund der Entfernung zum Mars nicht der Fall. Allerdings haben sämtliche Marsmissionen keine Hinweise auf eine blühende Marszivilisation gefunden und erst recht nicht auf eine erhöhte Radioaktivität, wie sie ein Atomkrieg hinterlassen hätte. Abgesehen von einigen Artefakten, die bestenfalls als Indizien für antike außerirdische Aktivitäten aufgeführt werden können, gibt es keinerlei Beweise für Boriskas Aussagen.

Seine überdurchschnittliche Intelligenz kann ebenfalls mitnichten als Beweis für seine außerirdische Herkunft gelten. Zwar konnte er bereits mit nur 4 Monaten erste Worte sprechen und begann mit einem Jahr zu lesen. Die bedeutet jedoch, dass er sich das Wissen über den Mars schon frühzeitig angelesen haben kann. Astronomiebücher für Kinder waren Ende der 1990er keine Neuheit mehr, sodass im Prinzip jedes Kind mit diesem Wissen hätte aufwarten können. Ebenso waren Filme wie „Mission to Mars“ aus dem Jahr 2000 und erst recht „Die Mars-Chroniken“ von 1979 noch vor Boriskas Einschulung aktuell und bei Kindern beliebt.

Der einzige Unterschied zu normalen Kids war das extrem junge Alter des am 11. Januar 1996 geborenen Russen, in welchem er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit ging. Seine hohe Intelligenz steht dementsprechend außer Zweifel. Dank dieser Intelligenz konnte er auch eine so überzeugende Lügengeschichte um seine Person stricken, die er noch heute mit über 20 Jahren vertritt. Er wusste, dass seine Behauptungen schwierig nachzuprüfen sind und sein Fachwissen über den Mars seine Glaubwürdigkeit untermauern würde.

Ein weiterer geschickter Schachzug war seine Zukunftsvision, laut der sich die Menschheit und das Leben auf der Erde verändern würden, sobald die Menschen die Tür hinter dem Ohr der Sphinx öffnen würden. Zum einen befindet sich dort lediglich eine rechteckige Gesteinsformation. Diese stellt zwar keine Tür dar, aber da die meisten Menschen niemals vor Ort nachsehen werden, könnten sich entsprechend viele Leute davon beeindrucken lassen.

Darüber hinaus verbietet die ägyptische Regierung aus Angst vor Beschädigungen seit Jahrzehnten jede genauere Untersuchung der Sphinx, weshalb Boriskas Schwindel in absehbarer Zeit nicht auffliegen wird. Seine Prophezeiung ist schlauerweise auch nicht datiert, weshalb sie sich stetig weiter in die Zukunft verschieben lässt. So wird eine reine Glaubensfrage daraus und Esoterik ist nun mal ein Glaube und keine Wissenschaft.

Zum Schluss stellt sich die Frage, warum Boriska sich etwas Derartiges ausgedacht hat? Dafür könnte es einen ganz pragmatischen Grund geben, denn Intelligenz gerät auf diesem stumpfsinnigen Planeten schnell zum Fluch. Intelligente Kinder werden von ihren Altersgenossen oft gemobbt und angefeindet. Ihr einziger Ausweg besteht darin, sich interessant zu machen. Wenn einen dann noch die Eltern in allem unterstützen und Kapital aus den Phantasien ihres hochintelligenten Kindes schlagen, wird daraus schnell ein Selbstläufer.

Unabhängig davon, was wirklich auf dem Mars vor sich geht, sind Boriskas Schilderungen reine Fantasy und teilweise sogar trotz der Distanz widerlegt. Wenn niemand auf seine Story hereinfallen würde, wäre er sicherlich schon so schlau gewesen, sich davon zu distanzieren. Sein Festhalten an den alten Kindheitsphantasien hat wohl in erster Linie einen monetären Hintergrund. Im schlimmsten Falle könnte er inzwischen aber durchaus selbst daran glauben, da in der Erinnerung die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit zuweilen verschwimmen können.

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Die Theorie der hohlen Erde – Beweis für hohle Köpfe?

von Shinzon

Menschen sind eine leicht zu manipulierende Spezies und wenn sie einmal eine Idee verinnerlicht haben, egal wie unlogisch und krude diese ist, werden sie voller Überzeugung und gegen jede Vernunft dafür eintreten. Es sollte daher nicht verwundern, dass es neben der Theorie der flachen Erde auch noch die Theorie der hohlen Erde gibt. Interessanterweise handelt es sich dabei um keine moderne Verschwörungstheorie und auch nicht um religiösen Wahn, sondern um eine ursprünglich wissenschaftliche Theorie aus dem 17. Jahrhundert.

Es mag ein wenig überraschen, dass die erste Hohlwelttheorie auf den britischen Astronom Edmond Halley (1656-1742) zurückgeht. Zu seiner Zeit gingen die Gelehrten davon aus, dass alle Materie der Planeten und Monde die gleiche Dichte hätte, woraus Halley schlussfolgerte, dass ein Teil der Erde hohl sein müsse. Ein wissenschaftlicher Irrtum, wie sich später herausstellte.

Leider sollte es nicht der einzige Irrtum bleiben, dem Halley aufsaß. Nachdem am 6. März 1716 über England und weiten Teilen Europas starke Polarlichter zu sehen waren, wurde er von der Royal Society beauftragt, dieses Phänomen zu erklären. Da zu diesem Zeitpunkt noch niemand die Pole der Erde erforscht hatte und nichts über die Entstehung der Polarlichter bekannt war, mutmaßte Halley, dass die Erdkruste in den nördlichen Breiten dünner sei und daher Licht aus dem Erdinneren durchscheine.

Aus heutiger Sicht erscheinen diese Erklärungsansätze selbstverständlich lächerlich, doch im 17. Jahrhundert wusste es schlichtweg niemand besser. Edmond Halley blieb mangels neuer Erkenntnisse bis zu seinem Tode von der Hohlwelttheorie überzeugt und ließ sich im Alter von 80 Jahren sogar mit einem entsprechenden Diagramm abbilden.

Edmond Halley

Die heutigen Anhänger der Hohlwelttheorie berufen sich indes weiterhin auf Halley, obwohl die Pole inzwischen erforscht sind und bekannt ist, dass Polarlichter durch vom Sonnenwind ionisierte Partikel in der oberen Erdatmosphäre entstehen. Halley selbst hätten diese Korrekturen seiner falschen Annahmen sicherlich zum Umdenken gebracht, da er ein Mann der Wissenschaft war. Selbiges kann man von den Fantasten, die seinen Irrtümern immer noch nachhängen, nicht behaupten.

Die Berufung auf längst überholte Theorien dient nur dazu, dem Mythos der Hohlwelt einen Anstrich von Seriosität zu geben. Gedankenexperimente werden dabei als wissenschaftliche Fakten dargestellt, obwohl dies mitnichten zutrifft. So war die Annahme des Schweizer Mathematikers Leonhard Euler (1707-1783), die Erde sowie die anderen Planeten könnten innen hohl und von inneren Sonnen erleuchtet sein, nur ein Diskussionsbeitrag und keine wissenschaftliche Erkenntnis.

Die Behauptungen des schottischen Physikers John Leslie (1766-1832), der auf dem Gebiet der Wärmeübertragung sicherlich Bahnbrechendes geleistet hat, grenzten indes an reine Fantasie. Er setzte gleich zwei Sonnen ins Erdinnere, die er Pluto und Proserpina nannte. Nun ist inzwischen aber bekannt, dass ein Stern erst ab einer gewissen Masse die Kernfusion zünden kann, sonst endet er als brauner Zwerg. Braune Zwerge sind ihrerseits immer noch größer als der Jupiter, was bedeutet, dass keine Sonne klein genug wäre, um ins Erdinnere zu passen.

Lediglich ein weißer Zwerg könnte tatsächlich im Erdinnern Platz finden. Doch zum einen würde sich die Frage stellen, wie der Überrest eines toten Sterns in einen Planeten gelangen sollte? Während der aktiven Phase wäre der Stern noch zu groß gewesen und seinen Kollaps hätte kein Planet überleben können. Außerdem würden die starken Gravitationskräfte eines weißen Zwerges jeden Planeten zerreißen – egal ob von innen oder außen. Von den Auswirkungen eines Magnetares, Pulsars und dergleichen fangen wir lieber gar nicht erst an.

Als einzige Möglichkeit bliebe noch, eine Miniatursonne künstlich unter enormen Druck zu erzeugen, wobei künstlich genau das richtige Stichwort ist. Eine Hohlwelt könnte nämlich ebenfalls nur konstruiert werden und niemals auf natürlichem Wege entstehen. Wie Planeten entstehen, ist inzwischen nämlich gut erforscht. Weltraumteleskope haben längst protoplanetare Scheiben entdeckt und Astronauten haben nachgewiesen, dass sich Staubpartikel in der Schwerelosigkeit zusammenklumpen.

Die Planetenentstehung beginnt also mit elektrostatischen Effekten und sobald die Klumpen genügend Masse besitzen, kommt die Gravitation ins Spiel. Beim Aufeinandertreffen von Asteroiden wird Energie freigesetzt, welche diese zum Schmelzen bringt, sodass sie zusammenwachsen. Ab einer bestimmten Masse werden die noch kochenden Protoplaneten in eine annähernde Kugelform gezwungen. Das hängt u.a. damit zusammen, dass die schweren Elemente absinken und ein Gravitationszentrum bilden, von dem die Schwerkraft mehr oder weniger gleichmäßig nach unten wirkt.

Es ist schlichtweg unmöglich, dass dabei ein Planet entstehen kann, der hohl wie eine Christbaumkugel ist. So etwas schafft nur ein Glasbläser! Ebenso ist das Argument, dass die Zentrifugalkraft das flüssige Erdinnere an den Innenrand drängen könnte, wie die Wäsche in einer Schleuder, totaler Mumpitz! Die Zentrifugalkraft gibt es zwar, doch wirkt ihr die Gravitation entgegen. Der einzige Effekt, der sich durch die Erdrotation tatsächlich ergibt, ist eine Abflachung an den Polen.

Tatsächlich sind alle Planeten und auch Sterne keine perfekten Kugeln, sondern Rotationsellipsoide. Dies spricht wiederum gegen die Theorie der hohlen Erde, denn würde die Erde nur aus einer Kruste bestehen, würde sie durch solche Kräfte zerbrechen. Tatsächlich ist die Erdkruste sogar sehr brüchig, was man an der Bewegung der Kontinentalplatten beobachten kann. Würden diese Platten nicht auf dem zähen Erdmantel schwimmen, hätte es die Erde längst im Sonnensystem zerstreut.

Und da wären wir beim nächsten Punkt, der die Hohlwelttheorie ad absurdum führt. Durch die Plattentektonik kommt es immer wieder zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Während Erdbeben eine hohle Erde sofort auseinanderreißen würden, beweisen Vulkane, dass das Erdinnere flüssig ist. Dafür haben die Anhänger der Hohlerde schlichtweg keine Erklärung. Ebenso wenig für die Ähnlichkeit zwischen Erde und Mond, die nur das Resultat einer kosmischen Kollision sein kann, welche für jeden hohlen Planeten das Ende bedeutet hätte.

Aber halt, der Mond ist ja ein getarnter Todesstern oder wahlweise auch ein Hologramm. Wenn den Anhänger kruder Theorien die Argumente ausgehen, greifen sie zur Science Fiction. In diesem Genre wimmelt es von Hohlweltromanen, die sicherlich der Unterhaltung dienen, aber ganz gewiss nicht der Beweisführung. Am bekanntesten ist sicherlich Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1864), wobei in diesem Werk eher eine durchlöcherte Erde als eine bewohnte Innenseite beschrieben wird. Immerhin geht es bis zum Mittelpunkt hinunter.

Klassische Hohlweltdarstellungen finden sich derweil in „Pellucidar“ (1914) von Edgar Rice Burroughs, Wladimir Obrutschews Werk „Plutonien“ (1924) sowie Arno Schmidts Satire „Tina oder über die Unsterblichkeit“ (1955). In der modernen Literatur wird die Theorie der hohlen Erde u.a. in dem Steampunk-Roman „Hohlwelt“ von Rudy Rucker sowie in Thomas Pynchons „Gegen den Tag“ aufgegriffen. Bei den älteren Werken könnte man den Autoren noch mangelndes Wissen vorwerfen, die neueren Erscheinungen sind dagegen im Bereich Fantasy anzusiedeln.

In jedem Falle sollte davon Abstand genommen werden, solche Literatur als Grundlage für eine Argumentation heranzuziehen. Ebenso basieren die Behauptungen von John Cleves Symmes, Jr. (1779-1829) über zwei schiffbare Polarmeere, die ins Erdinnere führen würden, auf purer Phantasie. Dennoch sind die Anhänger der Hohlwelttheorie bis heute von der Existenz der polaren Eingänge ins Erdinnere überzeugt.

Die zahlreichen Satellitenaufnahmen tun die Fanatiker selbstverständlich als Fälschungen ab und präsentieren gerne eigene Bilder, bei denen es sich definitiv um Fotomontagen handelt. Außerdem bleiben sie eine Erklärung schuldig, warum das Nordpolarmeer nicht ins Erdinnere abfließt, wenn sich dort doch angeblich ein Loch befinden soll? Wer diesen widersprüchlichen Behauptungen und offensichtlich gefälschten Bildern glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen!

Fotomontage des Nordpolochs.

Der Mythos der hohlen Erde hat dabei längst die Grenze zur Verschwörungstheorie überschritten und das nicht nur wegen der Behauptung, dass sämtliche Weltraumagenturen und Regierungen uns über die Eingänge in die Innererde belügen würden. Noch kruder sind die Behauptungen, dass die Nazis am Südpol einen Eingang in die innere Erde gefunden hätten und dort bis heute friedlich mit Innerirdischen und Dinosauriern auf einem Kontinent namens Agartha zusammenleben.

Grundlage dieser Fantastereien ist eine Antarktisexpedition der Nazis, die tatsächlich in den Jahren 1938 bis 1939 stattgefunden hat. Der ehemalige Frachter Schwabenland, der von der Deutschen Lufthansa als Katapultschiff für eine Luftpoststrecke im Südatlantik eingesetzt worden war, wurde für die Expedition 1936 zu einem Forschungsschiff umgebaut. Während der Forschungsreise wurde ein 600.000 km² großes Küstengebiet mittels eines mitgeführten Flugzeugs mit Reichsfahnen abgesteckt und nach dem Schiff „Neuschwabenland“ getauft. Soweit die historischen Fakten.

Quelle 1

Quelle 2

Der Legende nach soll Admiral Karl Dönitz später noch mehrere U-Boote in die Antarktis geschickt haben, woraufhin er Hitler angeblich meldete: „Meine U-Boot-Fahrer entdeckten ein echtes irdisches Paradies.“ 1943 soll Dönitz schließlich noch verkündet haben: „Die U-Boot-Flotte Deutschlands kann stolz sein, dass sie am anderen Ende der Welt für den Führer eine uneinnehmbare Festung errichtet hat.“

Zum einen handelt es sich hier um historisch nicht verifizierbare Zitate, die obendrein vielseitig interpretierbar sind. Hat die deutsche Marine Shangri La entdeckt, wie manche behaupten? Oder eventuell nur Bodenschätze? Den Spekulationen sind hier keine Grenzen gesetzt, aber mit Sicherheit haben die Nazis keinen Eingang zur inneren Erde entdeckt! Sieht man einmal davon ab, dass die vermeintliche Aussagen von Dönitz nichts weiterer als kühne Behauptungen von Verschwörungstheoretikern sind, ist die Rede immer noch von einem „irdischen Paradies“ und nicht etwa von einem „innerirdischen“.

Nicht einmal für die angebliche Festung in der Antarktis gibt es Beweise. Im Gegenteil wurde das Neuschwabenlandgebiet schon am 14. Januar 1939 von Norwegen beansprucht und in Königin-Maud-Land umgetauft. Eine weitere Antarktisexpedition des Deutschen Reiches war indes zwar geplant, wurde aber aufgrund des Kriegsbeginns am 1. September desselben Jahres abgeblasen. Die Nazis kehrten offiziell nie zur Antarktis zurück und die gegen Kriegsende vermissten U-Boote nahmen wohl eher Kurs auf Lateinamerika. Dort tauchten nachweislich zahlreiche Nazigrößen unter, darunter Dr. Josef Mengele und Adolf Eichmann. Mit Sicherheit war das viel bequemer, als sich auf Antarktika den Arsch abzufrieren.

Ein weiteres Indiz für die angebliche Eroberung der Antarktis durch die Nazis, welches immer wieder angeführt wird, ist die Operation Highjump von 1946/1947. An dieser vermeintlichen Forschungsexpedition unter dem Kommando von Admiral Richard Evelyn Byrd nahmen ein Flugzeugträger, 11 Kriegsschiffe und ein U-Boot mit insgesamt rund 4.000 Mann Besatzung teil. Ebenfalls mit an Bord waren 26 Flugzeuge und 30 Hubschrauber. Das hört sich so gar nicht nach einer friedlichen Forschungsreise an und tatsächlich räumte Byrd kurz vor der Abreise am 2. Dezember 1946 gegenüber der Presse ein, dass seine Reise „einen militärischen Charakter“ habe.

Worin genau die Mission bestand, ist genauso unbekannt wie die Gründe für den Abbruch selbiger nach nur zwei Monaten. Fakt ist lediglich, dass Ende Januar 1947 die Flugaufklärung u.a. über dem ehemaligen Neuschwabenland begann, wobei über 70.000 Fotos geschossen wurden. Alles, was über diese Informationen hinaus geht, ist wilde Spekulation.

Quelle

Angeblich soll die amerikanische Flotte von Flugscheiben angegriffen worden sein und hohe Verluste erlitten haben. Beweise dafür gibt es jedoch keine und selbst wenn dem so wäre, bedeutet dies nicht, dass die Nazis bis heute in ihrer geheimen Antarktisbasis finstere Welteroberungspläne schmieden oder gar mit den Innerirdischen auf Dinosauriern reiten. Vielleicht sind die Amerikaner stattdessen mit Außerirdischen aneinander geraten, wer weiß?

Die einzige Quelle für das angebliche Gefecht ist jedenfalls Dr. Dimitri Filippowitsch, der von sich selbst behauptet, zu Sowjetzeiten ein hochrangiger Militäroffizier gewesen zu sein. Als solcher will er Zugang zu Geheimunterlagen erlangt haben. Im Falle der Operation High Jump geht es jedoch um amerikanische und nicht um russische Geheimunterlagen, was seine Glaubwürdigkeit in arge Zweifel zieht. Er war es auch, der die angeblichen Zitate von Admiral Dönitz über eine versteckte Nazibasis auf Antarktika in Umlauf gebracht hat. Keine andere Quelle konnte die Behauptungen von Filippowitsch bisher unabhängig bestätigen.

Am wahrscheinlichsten ist also, dass die Amerikaner unter dem Kommando von Admiral Byrd tatsächlich Gerüchten einer geheimen Nazibasis nachgegangen sind und die Mission abgebrochen haben, weil sie schlichtweg nichts gefunden haben! Das würde auch erklären, warum alle späteren Forschungsexpeditionen auf den unbewohnten Kontinent unbehelligt blieben. Es gab, abgesehen von einem Schiffsunglück, nicht einen nennenswerten Zwischenfall.

Nichtdestotrotz wird das Märchen von den Eisnazis und dem angeblichen Eingang zur inneren Erde stetig weiter befeuert. Darunter von einem Fantasten namens Virgil Armstrong, der angeblich für die CIA gearbeitet hat. Das Interview mit ihm, welches seit 1996 viral durch das Internet kursiert, gehört zu den Perlen verschwörungstheoretischen Entertainments. Seine Behauptungen sind nicht nur unglaublich, sondern in höchstem Maße unglaubhaft.

Das Interview beginnt mit den UFO-Abstürzen von Roswell und White Sands, wohl um UFO-Enthusiasten zu ködern. Obwohl diese Vorfälle allgemein bekannt sind, ist es unglaubwürdig, dass Armstrong bei letzterem live dabei gewesen sein will. Er kann keine Beweise für seine Behauptungen vorlegen und wiederholt stattdessen lediglich die Aussagen anderer Whistleblower und Zeitzeugen.

Nach nur 10 Minuten kommt er dann schon auf die „Haunebuleute“ von der Antarktis zu sprechen, die laut seinen Aussagen gute Menschen seien. Hitler soll laut Armstrong allerdings nicht nach Neuschwabenland geflohen sein, sondern sich mit seiner Frau Eva in Argentinien niedergelassen haben, wo er mit 98 Jahren verstarb. So gesundheitlich angeschlagen, wie der Diktator bereits ein Jahr vor Kriegsende war, ist dieses hohe Alter vollkommen unglaubwürdig.

Es wird aber noch abstruser. So sollen die Deutschen schon 1929 auf dem Mond gewesen sein. Das war mitten in der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik und lange bevor Werner von Braun die erste V2 in Peenemünde an den Start brachte. Spätestens an dieser Stelle würde jeder vernunftbegabte Zuschauer wegschalten, aber das Beste kommt erst noch.

Aliens vom Aldebaran sollen nämlich eine positive Energie gezielt auf Deutschland strahlen, weshalb dort alle Menschen überdurchschnittlich intelligent seien. Diese Behauptung ist dermaßen bescheuert, dass es schon weh tut! In Deutschland leben gleichermaßen intelligente wie strunzdumme Menschen, genau wie in jedem anderen Land auch, wobei der Anteil der geistig Minderbemittelten stets überwiegt. Das beweisen nicht nur die Einschaltquoten vom „Dschungelcamp“ und „Germanys Next Top Model“, sondern auch die Anhänger solch kruder Verschwörungsphantasien.

Zum einen lässt sich über eine Entfernung von 67 Lichtjahren kein Energiestrahl punktgenau auf ein Land richten, welches sich obendrein auf einem beweglichen Ziel befindet. Das allein ist schon Schwachsinn vom feinsten! Darüber hinaus ist der Hauptstern des Aldebaransystems ein roter Riese. Vielleicht gab es dort einmal vor Milliarden von Jahren Leben, aber heute ganz bestimmt nicht mehr!

Selbstverständlich halten solche Fakten rechte Verschwörungstheoretiker nicht davon ab, den Nazis und insbesondere der Vril-Gesellschaft ein Bündnis mit fiktiven Aldebaranern anzudichten. Einer der wichtigsten Verfechter dieser Behauptungen ist Rainer Feistle und es sollte nicht verwundern, dass sowohl Feistle als auch Armstrong von dem rechten Esoteriker Jo Conrad interviewt wurden. Von daher passt es auch, dass Virgil in dem Interview so begeistert von den angeblichen Haunebuleuten spricht.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Auf die hohle Erde kommt Virgil Armstrong erstmals in Bezug auf den Mond zu sprechen, der natürlich ebenfalls hohl sein soll. Danach zieht er alle Register des Verschwörungsschwachsinns, angefangen bei den Sirianern und Billy Meiers Plejadern bis hin zu den Behauptungen von Heavens Gate, im Schweif des Kometen Hale-Bopp habe sich ein getarntes Raumschiff befunden. Der Photonengürtel, der uns 2012 das Christusbewusstsein bringen sollte, darf natürlich auch nicht fehlen.

Satte 50 quälende Minuten absurden Stusses muss man über sich ergehen lassen, bevor Armstrong endlich zur Sache kommt und über die hohle Erde berichtet. Angeblich soll Admiral Byrd noch vor der Operation Highjump in den Eingang am Nordpol geflogen sein und dort phantastische Abenteuer erlebt haben. Als einzigen weiteren Beleg führt der Märchenonkel das Tagebuch eines anderen Fantasten an, der unterschiedlichste Zivilisationen auf der Innenseite der Erdkruste entdeckt haben will.

Eine dieser innerirdischen Zivilisationen soll dabei aus deutschen Exilanten bestehen. Nette Nazis, die frei von jeglichem Rassismus friedlich mit den Argathern zusammenleben. Im Prinzip fehlt nur noch, dass die Hohlweltnazis auf Dinosauriern reiten. Was für eine gequirlte Scheiße!

Das Interview ist, wie bereits erwähnt, von 1996. Weitere Beiträge von Virgil Armstrong sind nicht zu erwarten, da er die Erde im Jahre 2008 verlassen hat. Im Klartext bedeutet dies wohl, dass er im Alter von 85 gestorben ist, aber die Esoterikgemeinde munkelt, er habe sich nach Aldebaran verabschiedet, von wo aus er heute noch dumme Gedanken an die Erde schickt.

Wenn Edmond Halley gewusst hätte, welchen Unsinn die Menschheit einst auf Grundlage seiner falschen Annahmen verbreiten würde, hätte er wohl nie den Begriff „Hollow Earth“ in den Mund genommen, geschweige denn eine Skizze davon angefertigt. Inzwischen wird jede nur erdenkliche Aussage von Whistleblowern über das Erdinnere mit der Theorie der hohlen Erde in Verbindung gebracht. Egal ob militärische oder außerirdische Untergrundbasen, einfach alles wird falsch interpretiert und damit ins Lächerliche gezogen.

Fakt ist, dass es Untergrundbasen wie die Area 51 in Arizona oder die Dulce Basis in New Mexico tatsächlich gibt. Ebenso ist die Erdkruste von Höhlensystem durchzogen. Kein Geologe würde das leugnen. Nur bedeuten künstliche wie natürliche Hohlräume in der Erdkruste eben nicht, dass die Erde hohl ist wie eine Christbaumkugel. Im Gegenteil lassen sich durch Auswaschung entstandene Tropfsteinhöhlen, Magmaröhren und von Menschen geschaffene Bergwerksstollen sehr gut mit den gängigen Modellen der Planetenentstehung vereinbaren.

Ob sich in einigen Höhlen auch Grey oder Reptiloide eingenistet haben, ist an dieser Stelle nicht von Belang. Mit Sicherheit leben aber keine Dinosaurier und erst recht keine Nazis auf der Innenseite der Erdkruste und lassen sich dort eine Miniatursonne auf den Kopf scheinen. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die an so etwas glauben, beweist lediglich die Theorie der hohlen Köpfe.

Den Gipfel der Hohlheit haben dabei einige Verschwörungstheoretiker erklommen, die allen Ernstes behaupten, dass wir alle tatsächlich auf der Innenseite der Erde leben und die Sterne am Nachthimmel in Wirklichkeit die Lichter von Städten auf der gegenüberliegenden Seite seien. In diesem Falle müssten die Sterne allerdings am Himmel fest stehen, statt sich durch die Erdrotation zu bewegen. Ebenso müsste die Sonne stets von jedem Standpunkt aus im Zenit stehen und obendrein müsste man am Horizont zu allen Seite die Wölbungen der Erdkruste nach oben sehen.

Aber wie eingangs erwähnt ist keine Behauptung zu krude, um nicht von irgendwelchen Deppen geglaubt zu werden. Es soll auch Leute geben, die ernsthaft an die Bielefeldverschwörung glauben und jeden, der schon mal persönlich in Bielefeld war, der Lüge bezichtigen. Selber würden sie natürlich nicht nach Bielefeld fahren, weil es das ihrer Meinung nach ja nicht gibt. Diesen Hohlbirnen könnte man auch etwas von rosa Einhörnern vom Jupiter erzählen, die Regenbögen pupsen.

Warum sollten wir uns nun mit solchem Stumpfsinn beschäftigen? Ganz einfach, um eine klare Trennlinie zwischen realen Verschwörungen, wahrscheinlichen Verschwörungstheorien und haunebüchenem Verschwörungsmüll zu ziehen. Diese Differenzierung ist wichtig, denn wer sie nicht vollzieht, vermischt alles miteinander und sorgt so dafür, dass die realen Verschwörungen von keinem vernunftbegabten Menschen mehr ernst genommen werden. Neben den vielen religiösen Fanatikern und esoterischen Wichtigtuern gibt es dabei auch gewiss den ein oder anderen bezahlten Desinformanten, der Fakten gezielt mit Fiktionen vermengt. All diesen Leuten muss das Handwerk gelegt werden!

Die Flat Earth Society – Kreationistische Hirnwäsche

von Shinzon

Über das Internet breiten sich neben sinnvollen und wichtigen Informationen leider auch die gröbsten Dummheiten aus. Eine der krudesten Hirnlosigkeiten ist dabei mit Abstand die Behauptung, die Erde sei in Wahrheit flach. Dieser Irrglaube ist vor allem in den USA verbreitet, findet jedoch zunehmend Anhänger in Deutschland und Osteuropa. In der Regel sind diese christliche Kreationisten, aber auch nichtreligiöse Verschwörungstheoretiker fallen immer öfter auf solchen Unfug herein. Es wird also Zeit, diesem besorgniserregenden Trend mit Fakten entgegen zu wirken.

Fangen wir am besten beim Ursprung an. Interessanterweise stammt die Theorie der flachen Erde nicht etwa aus dem christlichen Mittelalter, wie oft behauptet wird. Im Gegenteil war die Kugelgestalt der Erde von der römisch-katholischen Kirche längst anerkannt und lediglich über ihren Platz im Universum wurde noch gestritten. Ebenso ging schon der griechische Astronom Ptolemäus, auf dessen geozentrisches Weltbild sich die Kirche berief, von der Kugelgestalt der Erde aus.

Die Vorstellung der flachen Erde ist weitaus älter und war in antiken Kulturen wie der Mesopotamiens verbreitet. Zuletzt wurde sie von frühen griechischen Philosophen wie Anaximander und Hekataios vertreten. In dieser grauen Vorzeit hatte die Menschheit noch nicht den Wissensstand, den wir heute haben. Von daher ist es eine schlechte Idee, sich auf die Irrtümer primitiver Kulturen zu berufen, die noch nicht einmal die gesamte Welt kannten.

Eine ebenso schlechte Idee ist es, sich auf die Bibel zu stützen, wie es die kreationistischen Flacherdler gerne tun. Diese beinhaltet nämlich sehr widersprüchliche Angaben über die Gestalt der Erde. So herrscht im Alten Testament zwar teilweise noch das mesopotamische Weltbild vor, doch bereits im Buch Hiob ist unmissverständlich vom „Erdenrund“ die Rede. Damit stellt sich die vermeintlich wichtigste Quelle der Flacherdler gegen selbige.

Nun sollte man meinen, das Thema hätte sich damit erledigt, denn welche Quellen bleiben noch, wenn die heilige Schrift die Kugelgestalt der Erde unterstützt? Tatsächlich gibt es da nur die Werke des Briten Samuel Rowbotham (1816-1884), beginnend mit einem 16-seitigen Pamphlet aus dem Jahre 1849, welches einige sehr frei interpretierte Bibelpassagen enthält.

1865 erweiterte Rowbotham, der unter dem Pseudonym Parallax veröffentlichte, seine kruden Behauptungen auf ein 221-seitiges Buch mit dem Titel „Zetetic Astronomy: Earth Not a Globe“, welches in einer späteren Auflage von 1881 auf 430 Seiten anwuchs. In diesem Werk wurden u.a. Behauptungen aufgestellt, dass die Erde eine Scheibe mit dem Nordpol im Zentrum sei und die Sonne sich weniger als 4.000 Meilen über London befände. Natürlich beruht nichts davon auf wissenschaftlicher Nachforschung. Samuel Rowbotham, der bereits mit 9 Jahren die Schule abgebrochen hatte, saugte sich schlichtweg alles aus den Fingern und hat seine Phantasien anschließend als Wahrheit verkauft.

Die unseriösen Ideen des Samuel Rowbotham wären sicherlich längst vergessen worden, wenn seine Anhänger nicht die Universal Zetetic Society gegründet hätten, die weiterhin die Zeitschrift „The Earth Not a Globe Review“ herausgab. 1956 ging aus diesem Verein die Flat Earth Society hervor, die seitdem eine maßgebliche Triebfeder für die Verbreitung von Rowbothams Wahnvorstellungen ist.

Darüber hinaus wurden Rowbothams Ideen auch von der 1895 gegründeten Christian Catholic Apostolic Church übernommen und fanden so schon frühzeitig ihren Weg in die USA. Dank dem Vormarsch des Kreationismus sind die USA heute das Zentrum der flachen Erde. Die Flat Earth Society ist indes rund um den Globus vertreten, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Überhaupt könnte man glauben, dass die Theorie der flachen Erde im Zeitalter des globalen Reiseverkehrs nur als Satire gemeint sein kann. Dem ist leider nicht so und Flacherdler lassen auch nicht mit sich diskutieren. Sie ignorieren konsequent alle Beweise für die Kugelgestalt der Erde und sind keinen logischen Schlussfolgerungen zugänglich.

Zeigt man ihnen Satellitenbilder oder Aufnahmen der bemannten Raumfahrt, welche die Erde in ihrer Gänze zeigen, lehnen sie diese als angebliche Fälschungen ab. Lässt man selbst einen Wetterballon mit einer Kamera aufsteigen, um die Wölbung der Erde zu fotografieren, begründen die Flacherdler diese mit dem Fischaugeneffekt. Dass man für diesen Effekt auch ein extra Fischaugenobjektiv benötigt, geschenkt! Ja selbst das Auftauchen von Schiffen am Horizont, von denen man immer erst den Mast sieht, tun die Anhänger der flachen Erde als optische Täuschung ab.

Ein weiterer Beweis für die Kugelgestalt der Erde ist der Sonnenstand. Dieser ändert sich sowohl mit den Jahreszeiten als auch mit dem Abstand vom Äquator. Ersteres hat mit der Achsneigung der Erde zu tun und schon dieser Fakt bestätigt die Kugelgestalt der Erde. Mit dem unterschiedlichen Einfallwinkel des Sonnenlichts in Abhängigkeit zum Äquatorabstand lässt sich indes sogar der Erdumfang sehr präzise berechnen.

Die erste Messung wurde bereits im 3. Jahrhundert v.Z. durch Eratosthenes vorgenommen. Er wies nach, dass die Sonne, während sie in Syene (Südägypten) zur Sommersonnenwende mittags im Zenit stand, gleichzeitig in Alexandria 7° vom Zenit abwich. Mit dem Wissen um die ungefähre Entfernung beider Städte (ca. 850 km) konnte er den Erdumfang erstaunlich präzise berechnen. Inwieweit sie abweicht, lässt sich nicht genau sagen, da Eratosthenes‘ genaue Maßeinheit leider nicht überliefert ist. In jedem Falle hat er aber schon mehr als 2000 Jahre vor dem ersten Weltraumbild der Erde den Beweis für ihre Kugelgestalt erbracht.

Die Weltumseglungen von Ferdinand Magellan (1480-1521) und Francis Drake (1540-1596) im 16 Jahrhundert räumten schließlich die letzten Zweifel aus. Heute kann sich inzwischen jeder in ein Flugzeug setzen, die Welt umrunden und sich so selbst von der Kugelgestalt der Erde überzeugen. Ein Blick aus dem Flugzeug reicht dabei schon aus, um eine leichte Wölbung am Horizont zu erkennen.

Selbstverständlich haben die Flachschädel aber auch dafür eine Erklärung. Ihnen zufolge fliegen die Flugzeuge nämlich im Kreis, also einmal rund um den Nordpol im Zentrum der flachen Erde. Das hätte freilich schon einigen Piloten auffallen müssen, weshalb folgerichtig sämtliche Geräte wie der Bordkompass manipuliert sein müssen.

Wie aber erklären sich die Flachpfeifen, die unterschiedlichen Zeitzonen? Wenn die Erde flach wäre, müsste die Sonne überall zu gleichen Zeit auf- und untergehen. Dem ist aber nicht so! Wenn in Europa und Afrika Tag ist, herrscht auf der gegenüberliegenden Seite im Pazifik Nacht. Da wir inzwischen Echtzeitverbindungen rund um den Globus haben, kann dies jeder leicht mit einer Skype-Verbindung nachprüfen.

Doch welch Überraschung, die Flachzangen akzeptieren diesen Beweis ebenfalls nicht! Stattdessen behaupten sie, die Sonne kreise im Abstand von rund 4000 Meilen über der Erde einmal rund um den Nordpol. Allerdings würde das voraussetzen, dass sich ihr Licht wie ein Scheinwerferspot verhält, was definitiv nicht so ist. Außerdem müsste man die Sonne, wenn dieses Modell zuträfe, immer noch in der Ferne mit einem Fernglas ausmachen können. Denn wenn die Erde flach wäre, könnte die Sonne ja nirgendwohin verschwinden, außer hinter die Scheibe und dann wäre wiederum überall gleichzeitig Tag und Nacht.

Außerdem ist die Sonne viel weiter als 4.000 km von der Erde entfernt und damit auch viel größer. Anders ließen sich die Mond- und Venusphasen nicht erklären und diese kann jeder selbst nachvollziehen. Der Mond ist ein gutes Stichwort, denn bei ihm lassen sich nicht nur die Phasen mit bloßem Auge beobachten. Bei einer Mondfinsternis zeichnet sich außerdem der runde Erdschatten deutlich auf dem Mond ab. Doch halt, auch dafür haben die Flachköpfe eine Ausrede. Der Mond ist nämlich ein Hologramm! Dummerweise gibt es die Hologrammtechnologie noch nicht sehr lange, während der Mond und seine Phasen schon aus der Antike überliefert sind.

Des Weiteren erzeugt die Gravitation des Mondes die Gezeiten, die exakt mit dem Mond rund um die Erde laufen und damit ihre Kugelgestalt beweisen. Ein Hologramm hätte sicherlich nicht solche Auswirkungen. Was sagen die Flachhirne also dazu? Natürlich sind das nur Propagandalügen und die Gezeiten entstehen irgendwie anders. Vielleicht durch die Hand Gottes? Denkt euch was aus!

Nicht ausgedacht sind derweil die knallharten Fakten, welche die Astronomie liefert. So steht der Polarstern immer im Norden, während alle anderen Sterne über den Nachthimmel zu wandern scheinen, was natürlich an der Erdrotation liegt. Wer schon einmal den Sternenhimmel mit einer Langzeitbelichtung fotografiert hat, kann dieses scheinbare Kreisen ferner Sonnen um den Polarstern eindrucksvoll nachweisen.

Wäre die Erde nun eine Scheibe, müssten auch an ihren Rändern, also im Süden, alle Sterne um den Polarstern kreisen. Dem ist jedoch nicht so! Auf der Südhalbkugel ist der Polarstern nicht einmal zu sehen und die restlichen Sterne kreisen stattdessen um Sigma Octantis. Zudem sind Sternbilder wie das Kreuz des Südens und die Magellanschen Wolken ausschließlich auf der Südhalbkugel zu sehen, während nördliche Sternbilder nur auf der Nordhalbkugel zu sehen sind. Abhängig von der jahreszeitlichen Achsneigung wandern einige Sternbilder obendrein und sind von einem Standpunkt aus betrachtet nur zu bestimmten Zeiten sichtbar.

All diese Beobachtungen lassen nur den Schluss zu, dass die Erde eine Kugel ist, wenn auch keine perfekte. Das schöne dabei ist, dass jeder die Beobachtungen mit bloßem Auge machen kann. Die Anhänger der flachen Erde verweigern jedoch strikt, das Offensichtliche anzuerkennen. Stattdessen behaupten sie einfach, dass das Weltall eine Erfindung der NASA sei und gar nicht existiere. Einfach die Augen schließen und schon ist es weg!

„Wanderer am Weltrand“ von Camille Flammarion (1888)

Es ist wirklich egal, welches Argument man aufführt, Menschen ohne logisches Denkvermögen sind schlichtweg unfähig, rationale Informationen zu verarbeiten. Für die Flacherdler ist alles Lüge und Täuschung und überhaupt würde die Mehrheit der Weltbevölkerung nur das glauben, was in Lehrbüchern steht. Das liegt vielleicht daran, dass nicht alles, was in Lehrbüchern steht, eine Propagandalüge ist.

Ja, die herrschende Elite belügt uns, vor allem wenn es um Kriege, das Geldsystem und die aktuelle Tagespolitik geht. Doch warum werden wir belogen? Weil sich die Herrschenden dadurch einen Vorteil versprechen, allen voran die Durchsetzung ihrer Machtinteressen. Nun stellt sich die Frage, inwiefern es dem Machterhalt der Elite förderlich sein könnte, wenn sie uns über die Gestalt der Erde belügen würde? Wo läge da der Nutzen? Das wäre in etwa so, als würde die Herrschaftselite uns belügen, wenn sie sagt, dass wir Sauerstoff zum Atmen brauchen. Wer glaubt, dass das nicht stimmt, kann ja gerne mal die Luft für eine Stunde anhalten, dann wäre die Welt um ein paar Schwachköpfe erleichtert.

Es macht absolut keinen Sinn, uns bezüglich des Erscheinungsbildes unserer Welt zu belügen. Jeder kann die Kugelgestalt der Erde mittels eigener Nachforschungen erfassen und logisch begründen. Mit einem Teleskop kann zudem jeder die Kugelgestalt der anderen Planeten unseres Sonnensystems deutlich erkennen. Warum sollte die Erde in eklatanter Weise davon abweichen? Wirklich jeder braucht nur die Augen aufzumachen, um die Wahrheit zu sehen. Die Anhänger der flachen Erde schließen ihre Augen jedoch und meinen, sie so viel besser und klarer sehen zu können.

Einstein sagte einst, dass es nur zwei Dinge gibt, die grenzenlos sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum war sich Einstein allerdings nicht sicher, wohingegen für letzteres die Flacherdler den ultimativen Beweis darstellen. Denn wenn ihnen die Argumente ausgehen, wird aus einem Teleskop plötzlich eine Erfindung des Teufels, die uns Dinge sehen lässt, die gar nicht da sind. Und wer den Mars oder die Venus mit bloßen Augen erkennt, ist ebenfalls Opfer einer satanischen Sinnestäuschung.

Keine Behauptung ist zu blöde, um nicht von den Flachwichsern angeführt zu werden. Sie selbst bleiben der Welt dabei jeglichen Beweis für ihre Theorie der flachen Erde schuldig. Denn wenn die Erde wirklich flach wäre, hätte schon längst irgendwer ihren Rand entdeckt haben müssen. Im Prinzip müsste es sogar ausreichen, auf einen genügend hohen Berg zu klettern, dann müsste man den Rand mit einem ausreichend starken Teleskop sehen können. Dem ist aber nicht so!

Wie genau der Rand aussehen soll, darüber gibt es ebenfalls unterschiedliche Auffassungen. In der Antike glaubte man, die bekannte Welt sei von einem ringförmigen Ozean umgeben. Wäre dies der Fall, so wären die Weltmeere schon längst ins Nichts abgeflossen oder sie wären inzwischen „Wasser für die Elefanten“ aus den Scheibenwelt-Romanen von Tarry Pratchett.

Zumindest darüber hat sich die Flat Earth Society Gedanken gemacht und behauptet, dass die Antarktis einen Ring um die Erdscheibe bildet. Doch warum ist die Erde dann nicht nur am Rand, sondern auch im Mittelpunkt am kältesten? Bei den Polen einer runden Erde stellt sich diese Frage nicht. Gleiches gilt für die Entstehung der Erde. Wenn Materie sich zusammenklumpt, ist eine annähernde Kugelform nur logisch, da Gravitation in jede Richtung nach unten wirkt. Wie sollte jedoch eine Scheibe entstehen? Aber lassen wir das! Zum Glauben an die flache Erde gelangt man schließlich nicht durch Beweise oder logisches Denken, sondern einzig durch billige Youtube-Videos mit lächerlichen Animationen.

Bedauerlicherweise fühlen sich gerade Wahrheitssuchende zunehmend von solchen Beiträgen angesprochen. Das mag daran liegen, dass viele Protagonisten der Bewegung ihr Publikum mit völlig anderen Themen anlocken. Auf ein inhaltlich korrektes Video über den Zustand der Gesellschaft oder den Einfluss satanistischer Geheimbünde folgt immer öfter pure Desinformation, mit der die Wissenschaftsgemeinde pauschal diffamiert werden soll. Im Prinzip werden damit aber nur Wahrheitssuchende in die Irre geführt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Die Anhänger der flachen Erde stehen dabei wie keine andere Gruppe sinnbildlich für den geistigen Niedergang der Menschheit. Nicht einmal der Stuss, der rund um die Uhr auf RTL II läuft, kommt auch nur ansatzweise an die Blödheit der Flat Earth Society heran. Es stellt sich abschließend die Frage, ob es sich ebenso wie bei RTL II um einen gezielten Angriff auf die Gehirne handelt oder die Verfechter der flachen Erde selbst an den Bullshit glauben, den sie verbreiten?

Diagnose: Antideutsch – Wenn Pseudolinke Trump feiern

von Shinzon

Eine der kuriosesten politischen Gruppierungen in Deutschland sind die Antideutschen. Sie sind, wie der Name schon sagt, gegen Deutschland, obwohl sie selbst Deutsche sind. Ebenso rechnen sie sich dem linken Spektrum zu, sind aber gegen so ziemlich alles, wofür die politische Linke steht. Wer ihre Ideologie mit gesundem Menschenverstand zu erklären versucht, ist zum Scheitern verdammt, denn um diese zu verstehen, braucht man mehr als nur einen Knoten im Hirn.

Doch bevor wir näher auf die antideutsche Ideologie eingehen, schauen wir erst kurz, wie so etwas überhaupt entstehen konnte und ob es sich tatsächlich um eine linke Ideologie handelt. Es stimmt zwar, dass die antideutsche Bewegung aus dem linken Spektrum heraus entstand, da dieses dem trennenden Nationalismus schon immer einen völkerverbindenden Internationalismus entgegen gestellt hat. Dies impliziert jedoch nicht die Ablehnung eines bestimmten Landes oder Volkes, sondern vielmehr die Völkerfreundschaft zwischen den Ländern.

Karl Marx meinte mit seinem Leitspruch „Krieg den deutschen Zuständen“ dementsprechend auch nicht einen Kampf gegen die deutsche Kultur, sondern gegen die kapitalistischen Zustände, die seinerzeit in Deutschland herrschten und das Land während der Industrialisierung prägten. Ähnlich sah es bei der 68er-Bewegung aus, in deren Zuge der Begriff „Antideutsche Agitation“ erstmals in der 27. Ausgabe des Untergrundblattes „883“ vom 14. August 1969 Erwähnung fand. Gemeint waren hier abermals deutsche Zustände, wenn auch andere als 1844.

Nach dem Ende der Nazidiktatur wurden bekanntlich viele NSDAP-Mitglieder in den BRD-Staatsdienst übernommen und deren faschistische Ideologie prägte immer noch in weiten Teilen die Gesellschaft. Gegen diese „deutschen Zustände“ musste sich die nächste Generation einfach stellen, um sich von den Verbrechen der Eltern und Großeltern zu distanzieren. Es war ein nötiger Bruch mit den faschistischen Kontinuitäten.

Eine direkte Verteufelung Deutschlands und seiner Bevölkerung gab es bis zur Entstehung der Antideutschen dagegen nur von außerhalb. So attestierte der britische Diplomat Robert Gilbert Vansittart (1881-1957) allen Deutschen eine „pathologische Aggressivität“ und bezeichnete sie als „Störenfriede der Zivilisation“. Auf die Nazis bezogen hatte er damit sicherlich recht, dennoch verdient es kein Volk, pauschal abgeurteilt zu werden.

Die Bevölkerung eines jeden Landes besteht aus unterschiedlichsten Individuen, weshalb verallgemeinernde Attribute weder im negativen noch im positiven Sinne vergeben werden können. Von daher wirkt es umso kruder, wenn Deutsche pauschal gegen Deutsche sind, sich selbst aber davon ausnehmen, wie es die Antideutschen heutzutage praktizieren. Interessanterweise war das nicht immer so.

Die antideutsche Bewegung formierte sich Anfang 1989 im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands. Grundlage war die Befürchtung, im wiedervereinten Deutschland könne ein neuer rechter Nationalismus entstehen und die BRD erneut zu einer imperialistischen Großmacht werden. Wie wir heute wissen, war diese Sorge absolut berechtigt. Bereits kurz nach der Wende kam es zu rechtsextremen Pogromen in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda, die NPD zog in mehrere ostdeutsche Landtage ein und nach deren Abgesang befeuert nun die AfD den Rechtsruck.

Deutschland ist ebenso zu dem befürchteten Imperium geworden, welches maßgeblich die EU-Politik diktiert und seit 1999 wieder weltweit Kriege führt. Interessanteweise wurde letzteres ausgerechnet von einer Regierung aus SPD und Grünen forciert, also aus genau dem politischen Lager, welches ursprünglich dagegen war. Das ist besonders interessant, da der linke Flügel der Grünen einst zu den Kreisen gehörte, aus denen die antideutsche Bewegung hervorging.

Weitere beteiligte Gruppen waren die Trotzkisten, der Kommunistische Bund, die Initiative Sozialistisches Forum, die Zeitschrift Konkret sowie Autonome unterschiedlichster Couleur. In Teilen waren diese zwar durchaus radikal, ihre Forderung „Nie wieder Deutschland!“ war in Bezug auf den gesellschaftlichen Rechtsruck und den staatlichen Imperialismus aber dennoch nachvollziehbar. Es ging den Antideutschen schlichtweg um das deutsche Großmachtstreben, welches bereits zwei Weltkriege (mit) zu verantworten hatte.

Bis 1991 war also noch alles so weit verständlich. Der Bruch mit dem Großteil der politischen Linken erfolgte erst im Zuge des zweiten Golfkrieges, welchen die Antideutschen aus übertriebener Israelsolidarität befürworteten. Ohne Zweifel war Saddam Hussein ein grausamer Diktator, doch Krieg hat noch nie solche Probleme gelöst, sondern schon immer nur neue geschaffen. Die Linke verstand sich genau deshalb schon immer als Teil der Friedensbewegung. Ein Krieg, in dem vornehmlich Unschuldige sterben, konnte daher unmöglich befürwortet werden.

Darüber hinaus war der Irak zu keinem Zeitpunkt eine direkte Bedrohung für Israel. Der Golfkrieg wurde in erster Linie von den USA für Öl geführt. Indem die Antideutschen dem ihre Unterstützung gaben, brachen sie mit dem linken Anti-Imperialismus. Der Treppenwitz dabei war, dass die deutsche Regierung unter Helmut Kohl den Golfkrieg maßgeblich mitfinanzierte (übrigens vom Soli) und die Antideutschen damit indirekt auch den verhassten deutschen Imperialismus unterstützten. Schon damals zeichnete sich also ab, dass diesen Knallchargen die Fähigkeit fehlt, in größeren Zusammenhängen zu denken.

Das beweist auch die Tatsache, dass die USA Saddam Hussein einst unterstützt und mit Waffen beliefert hatten. Gegen den Iran war er noch ein wichtiger Verbündeter und jedes noch so abartige Verbrechen des irakischen Regimes, darunter der Einsatz von international geächtetem Giftgas, wurde stillschweigend geduldet. Erst als Hussein in Kuweit einmarschierte, wurde er plötzlich unbequem und zum Feind der USA. Deren Doppelmoral haben die Antideutschen einfach unhinterfragt übernommen.

In der Folge sollten die Antideutschen nur noch einmal einen Krieg ablehnen und zwar den Jugoslawienkrieg 1999. Bei diesem zeichneten sich historische Muster ab und da Deutschland eine maßgebliche Triebfeder des Angriffs war, wollte man sich dieses eine Mal nicht hinter die NATO stellen. Allerdings grenzten sich die Antideutschen dennoch in einem Punkt vom Rest der linken Friedensbewegung ab. Während alle vernunftbegabten Pazifisten das Regime von Slobodan Milošević (1941-2006) zu recht kritisierten und aus pazifistischen Erwägungen gegen den Krieg waren, feierten die Antideutschen den serbischen Despoten.

Eine rationale, differenzierte Weltsicht liegt diesen Blitzbirnen einfach nicht. Egal wofür oder wogegen sie sind, Hauptsache es ist radikal. So verwundert es auch nicht, dass die Antideutschen nach dem 11. September 2001 total ausgetickt sind und sich gänzlich hinter den westlichen Imperialismus gestellt haben. Seitdem haben sie wirklich jeden US-geführten Angriffskrieg verteidigt und fordern sogar von sich aus weitere Kriege, allen voran gegen den Iran.

Dem Iran wird dabei unterstellt, er wolle Israel von der Landkarte streichen. Es stimmt zwar, dass der Iran Terrororganisationen wie die Hamas und Hisbollah unterstützt, doch die vermeintliche Vernichtungsphantasie gegen Israel beruht lediglich auf der falschen Übersetzung einer Rede des ehemaligen iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Dass der inzwischen gar nicht mehr aktuell und der neue Präsident Rohani prowestlich eingestellt ist, wird genauso ignoriert, wie die Aggressionen Israels gegen den Iran.

Wer hier eigentlich Vernichtungsphantasien hat, zeigen die Antideutschen mit jedem Argument, welches sie gegen die Iran auffahren. Aktuell sind das wieder einmal angebliche Atomwaffen. Die haben sich bereits im Falle des Irak als Propagandalüge herausgestellt und dass Israel die einzige Atommacht im Nahen Osten ist, muss man ja nicht weiter erwähnen.

Auch sonst glänzen die Antideutschen durch Unkenntnis sämtlicher Hintergründe. So wird der Iran als Aggressor in den Konflikten in Syrien und dem Jemen hingestellt, obwohl dort Saudi Arabien die treibende Kraft ist. Das alles hat auch herzlich wenig mit Israel zu tun, sondern mit dem innerislamischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Und in diesem Konflikt beziehen die Antideutschen ausgerechnet Stellung für die Saudis als vermeintliche Schutzmacht Israels.

Zum einen benutzen die Saudis Israel nur als Verbündeten gegen den gemeinsamen Feind Iran. Ist der erst mal ausgeschaltet, werden Salman und seine Sippe sich recht schnell darauf besinnen, dass sie eigentlich schon immer Antisemiten waren. Unfassbar, wie naiv die Antideutschen sind!

Zum anderen sind die wahhabitischen Sunniten auf der arabischen Halbinsel bei weitem menschenverachtender als die Mullahs im Iran. In Saudi Arabien werden Menschen schon wegen kleinster Vergehen geköpft und zu Tode gesteinigt, kritische Journalisten werden hinterrücks in Stücke gehackt, Frauen werden massiv unterdrückt, andere Religionen sind strikt verboten und es gibt nicht mal ansatzweise so etwas wie Demokratie. Außerdem sollte erwähnt werden, dass auch die Saudis Terrororganisationen unterstützen, darunter den IS, Al Kaida und Al Nusra.

Dagegen wirkt der Iran trotz zahlreicher Menschenrechtsverletzungen schon fast aufgeklärt. Es gibt ein gewähltes Parlament, Frauen dürfen studieren und arbeiten, andere Religionen, darunter auch das Judentum, werden toleriert und zumindest für einige Vergehen wie Drogenbesitz wurde die Todesstrafe inzwischen abgeschafft. Das Mullahregime ist zudem längst nicht mehr so mächtig wie es noch vor einigen Jahren war und es kommt immer häufiger zu Massenprotesten, die in Saudi Arabien schon aus purer Angst niemals zustande kämen.

Der Iran befindet sich im Umbruch und ein Krieg würde ihn lediglich in die Steinzeit zurückwerfen, wie man an Afghanistan sehen kann. Zudem darf nicht vergessen werden, dass es die Einmischung des Westens war, welche die Mullahs auf indirektem Wege überhaupt erst an die Macht gebracht hat. Vor der Installation des Schah-Regimes war der Iran nämlich eine westliche Demokratie!

Doch davon wollen die Antideutschen nichts hören. Stattdessen reden sie Donald Trump nach dem Mund, den sie allen Ernstes als großes Vorbild feiern. Spätestens an dieser Stelle kann man diese Hohlbirnen nun wirklich nicht mehr dem linken Spektrum zuordnen. Trump ist nicht nur ein Milliardär, der einzig seine persönlichen Interessen vertritt und sich selbst Steuererleichterungen verschafft, während ihm die Arbeiterklasse am Arsch vorbei geht. Er ist zudem ein Sexist, ein Rassist und ein Protofaschist, der Wählerstimmen aus dem gesamten rechten Spektrum von der Tea Party bis zum Ku Klux Klan bekommt.

Wie kann man so einen kaputten Psychopathen toll finden und das auch noch, weil er einem Land mit Krieg droht? Ach ja, außerdem hat er ja noch Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt und die US-Botschaft dorthin verlegen lassen. Aber auch in diesem Punkt erkennen die Antideutschen weder das hochgefährliche Konfliktpotential dieser Entscheidung noch die wahren Absichten Trumps. Der ist nämlich alles andere als ein Judenfreund. Hinter der Israelpolitik der USA steckt seit jeher der christliche Zionismus, dessen Ziel die Vertreibung der Muslime aus dem „heiligen Land“ ist. Israel ist dabei nur Mittel zum Zweck, denn im Kern ist die christliche Rechte absolut judenfeindlich.

Es stellt sich wirklich die Frage, ob die Antideutschen einfach nur unaufgeklärt und blind sind oder geisteskrank? Wohl eher Letzteres, denn wo sie auftauchen, sieht man sie nicht nur Mit US- oder Israel-Flagge, sondern immer öfter auch mit Aluhut. Klar, damit wollen sie sich über vermeintliche Verschwörungstheoretiker lustig machen. Es fällt aber schon irgendwie auf, dass sie die einzigen Aluhutträger sind und obendrein ziemlichen Stumpfsinn verzapfen.

Unter anderem haben sie 2016 am Rande einer Anti-TTIP-Demo Stunk gemacht, weil die Freihandelsgegner in ihren Augen Antiamerikanismus verbreitet haben und der ist ja bekanntlich der kleine Bruder des Antisemitismus. Haben die etwa Salmonellen im Hirn? Die bundesweiten Demos richteten sich nicht gegen die USA als Land, sondern explizit gegen das Freihandelsabkommen. Außerdem bestand das Demobündnis komplett aus linken Parteien, Gewerkschaften und Organisationen, darunter DIE LINKE, die Grünen, Jusos und Attac. Denen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu unterstellen grenzt schon an Schwachsinn!

Der Gag dabei war, dass zu diesem Zeitpunkt die US-Präsidentschaftswahlen noch bevor standen und sich wohl einige gefragt haben, wie vermeintliche Antifaschisten wohl reagieren würden, wenn ein Rechter Präsident wird? Nun sitzt Trump im Weißen Haus und wird von den Antideutschen gefeiert. Die einzigen anderen, die ein Herz für diesen Pussygrabber haben, sind die Rechtspopulisten von der AfD. Interessanterweise ist das längst nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Antideutschen und AfD.

So haben die Rechtspopulisten längst ihre bedingungslose Solidarität zu Israel erklärt und das gilt übrigens auch für den französischen Front National. Weiterhin auf einer Wellenlänge liegen AfD und Antideutsche in Sachen Islam. Beide empfinden diese Religion als faschistisch und setzen über eine Milliarde Gläubige mit radikalen Islamisten gleich. Wenn man manche antideutschen Publikationen durchliest, könnte man meinen, sie hätten bei der AfD abgeschrieben.

In Sachen Volksverhetzung liegen also beide Seiten gleichauf. Allerdings kommt bei den Antideutschen noch ein pauschaler Antisemitismusvorwurf hinzu, der sich jedoch leicht widerlegen lässt. So gibt es in Israel eine gemeinsame Friedensbewegung, in der sich sowohl Israelis als auch Palästinenser engagieren. In den USA war derweil im Präsidentschaftswahlkampf die Unterstützung für Bernie Sanders in den Bundesstaaten mit dem höchsten Anteil an Muslimen mit am größten. Viele amerikanische Moslems konnten sich also vorstellen, einen Juden zum Präsidenten zu wählen.

Aber Antisemit ist man bei den Antideutschen ohnehin schneller, als man „auweia“ sagen kann. Wer auch nur ansatzweise Israels rechtsnationalistische Regierung kritisiert, gilt sofort als Antisemit. Das trifft auch für israelische Oppositionspolitiker wie Uri Avnery oder jüdische Friedensaktivisten wie Noam Chomsky zu, die kurzerhand als „jüdische Antisemiten“ deklariert werden. Wer die US-Regierung kritisiert ist antiamerikanisch und damit faktisch ebenfalls Antisemit. Gleiches gilt, wenn einem irgendetwas nicht passt, was irgendeinen Bezug zu den USA hat. Aber Moment mal, gilt das dann auch für den antisemitischen Ku Klux Klan? Der kommt ja immerhin auch aus Amerika…

Und überhaupt, waren die Antideutschen nicht eigentlich gegen Nationalismus? Ach so, nur gegen den deutschen Nationalismus. Amerikanische und israelische Patrioten sind natürlich okay. Ist zwar so gesehen derselbe Scheiß in neuen Tüten, aber ohne die Fähigkeiten zum differenzierten Denken passt das schon irgendwie.

Wer jetzt noch keinen Knoten im Hirn hat, sollte gut aufpassen, denn es kommt noch besser. Der Imperialismus der NATO-Staaten darf nämlich ebenfalls nicht angezweifelt werden. Doch halt, ist nicht auch Deutschland NATO-Mitglied? Außerdem ist Deutschland ein treuer US-Vasall und enger Verbündeter Israels. Wie passt das jetzt mit dem antideutschen Anspruch zusammen? Doppelknoten im Hirn!

Nach dem Anti-Imperialismus fällt schlussendlich auch der Antikapitalismus als linkes Thema der antideutschen Antisemitismuskeule zum Opfer. Wer Banken kritisiert oder gar Worte wie „Hochfinanz“ in den Mund nimmt, gerät ganz schnell ins Visier der Spinner. Die berufen sich dabei in Sachen Finanzmafia gerne auf die Rothschilds, Warburgs oder Goldman Sachs.

Richtig ist, dass die Gründer dieser Banken allesamt Juden waren. Das nimmt sie aber weder von jeglicher Kritik aus noch bedeutet dies, dass alle Banker Juden sind. Die Rockefellers und J.P. Morgan widerlegen die Theorie von der „jüdischen Hochfinanz“. Außerdem arbeiten für die Rothschilds und Goldman Sachs auch Nichtjuden wie Emmanuel Macron und Alice Weidel. Ein noch krasseres Beispiel ist schlussendlich die Deutsche Bank, welche den 2. Weltkrieg und Auschwitz mitfinanziert hat. Fassen wir also zusammen, dass die Religion der Bankengründer bei der linken Kapitalismuskritik überhaupt keine Rolle spielt, sondern allein die Raffgier sämtlicher Investmentbanker.

Die antisemitische Verschwörungstheorie von der angeblich „jüdischen Hochfinanz“ wird dagegen ausgerechnet von den Antideutschen befeuert, indem sie nämlich trotz dieser Gegenbeispiele die Hochfinanz mit dem Judentum gleichsetzen. Im Gegensatz zu den Rechtsextremen werten sie die Finanzmafia dabei zwar positiv, aber letztendlich teilen sie das Weltbild der Faschisten. Leider sind sie zu stur und zu blöde, um es zu bemerken.

Aus der Verdammung jeglicher Kapitalismuskritik ergibt sich abermals eine Nähe zur AfD. Deren Fraktionsvorsitzende ist immerhin Investmentbankerin und hat u.a. bei Goldman Sachs gearbeitet. Kritik an Alice Weidel müsste demnach also ebenfalls Antisemitismus sein. Gleiches gilt für die AfD als Ganzes, da es sich immerhin um eine marktradikale Partei handelt, die ganz im Sinne der Banken und Konzerne handelt. Und war in der Hayek-Gesellschaft nicht auch Henryk M. Broder Mitglied?

Es gibt in der Tat sogar direkte Verbindungen zwischen AfD und Antideutschen, denn der parteinahe Verschwörungstheoretiker und Publizist Jürgen Elsässer war einst ein wichtiger Mitbegründer der antideutschen Bewegung. Heute macht er aktiv Wahlkampf für die AfD und tritt als Redner bei Pegida und deren Ablegern auf. Bei den Antideutschen scheint die Hufeisentheorie ausnahmsweise zu funktionieren, sofern man sie überhaupt noch dem linken Spektrum zuordnen möchte.

Groteskerweise merken die Antideutschen überhaupt nicht, wie widersprüchlich sie sind. Mit Vernunft braucht man diesen Leuten nicht zu kommen, weshalb die Gräben zwischen Linken und Antideutschen inzwischen tiefer sind als der Grand Canyon. Die Deutschlandhasser als links zu bezeichnen kommt bei genauerer Betrachtung schon gar nicht mehr infrage, auch wenn sie immer wieder versuchen, linke Strukturen für sich zu vereinnahmen.

Besonders verbreitet sind antideutsche Ansichten in diversen Antifa-Gruppen und der Linksjugend [‘solid]. Diese sollten zwar nicht pauschal als Antideutsche diffamiert werden, denn es gibt auch zahlreiche Antifaschisten und linke Jugendliche, die sich klar von selbigen distanzieren. Es ist jedoch eine starke Tendenz festzustellen, solche Gruppen zu unterwandern. In linken Kreisen wird sogar vermutet, dass die Antideutschen von US-Geheimdiensten gesteuert werden, um sämtliche progressiven Bewegungen, Organisationen und Parteien von innen zu zerstören.

Auf die führenden Köpfe der Antideutschen mag dies durchaus zutreffen, an der Basis gibt es aber vor allem viele junge Leute, die sich leicht mit radikalem Gedankengut manipulieren lassen. Oft stammen diese Jugendlichen aus Gegenden mit einem massiven Rechtsextremismusproblem. Sie sind sozusagen Opfer ihrer Umstände und entwickeln aufgrund der ständigen Bedrohung durch Neonazis einen abgrundtiefen Hass auf die deutschen Zustände. Das ist wohl auch der Grund, warum die Antideutschen in Sachsen besonders stark vertreten sind.

Ein gewisses Verständnis, wie junge Menschen in die Fänge solch extremistischer Strömungen geraten, sollte durchaus aufgebracht werden. Wie beim Rechtsextremismus und Islamismus spielt Perspektivlosigkeit eine große Rolle. Das macht es Rattenfängern aller Couleur leicht, die Kids zu begeistern. Wie bei einer religiösen Sekte werden diese dann aus ihrem sozialen Umfeld gelöst und einer Hirnwäsche unterzogen.

Im Prinzip müsste ein Ausstiegsprogramm für Antideutsche geschaffen werden, doch leider haben die führenden Köpfe bereits einige Schlüsselpositionen in der Politik besetzt, mit denen antideutsche Karrieren gefördert werden. Bestes Beispiel ist die Bundesprecherin des BAK Schalom der Linksjugend [‘solid] Sarah Rambatz, die 2017 auch als Kandidatin der Hamburger Linkspartei für die Bundestagswahl aufgestellt wurde. Mitten im Wahlkampf fragte sie auf Facebook nach einer „antideutschen Filmempfehlung“, womit sie „grundsätzlich alles, wo Deutsche sterben“ meinte.

Quelle

Derartiges im Wahlkampf zu äußern ist schon ein starkes Anzeichen von Geisteskrankheit. Dabei hätte es ihr wohl niemand übel genommen, wenn es um Filme gegangen wäre, in denen Nazis sterben. Dergleichen gibt es viele und einige davon sind sogar oscarprämiert. Nazis sind nun einmal böse, sie nicht zu mögen, ist okay. Nun ging es aber explizit um Hass auf Deutsche und damit verbunden einem pauschalen Todeswunsch gegen rund 82 Millionen Menschen. Damit ist die Grenze zur Volksverhetzung und Menschenverachtung definitiv überschritten!

Ebenso überschritten ist aber auch die Grenze zum Schwachsinn. Immerhin sind Rambatz‘ Genossen mehrheitlich Deutsche und auch sie selbst ist davon nicht ausgenommen. Wenn sie also einen Film möchte, in dem Deutsche sterben, kann sie ja einen Snuff-Movie mit sich in der Hauptrolle drehen. Zum Glück meinen wir das nur ironisch. Ganz im Gegensatz zu den Antideutschen, die es durchaus ernst meinen, wenn sie skandieren: „Bomber Harris do it again!“ Übrigens war Arthur Travers Harris ein ziemlicher Rassist und Menschenfeind, aber das nur so am Rande.

Zumindest DIE LINKE Hamburg zog angesichts der menschenverachtenden Äußerungen von Rambatz die Reißleine und forderte sie zum Rücktritt von ihrer Kandidatur auf. Die Partei ist also noch nicht gänzlich verloren. In der Linksjugend nehmen die antideutschen Tendenzen dagegen langsam überhand und statt aus dem Fehler von Sarah Rambatz zu lernen, werden auf Facebook fleißig Seiten wie „Filme, in denen Deutsche sterben“ geliked.

Was sich sonst noch so an antideutschen Gruppen in den sozialen Netzwerken herumtreibt, ist geradezu obskur. Da gibt es z.B. eine „Antideutsche Internetbrigade Leipzig“, die allen Ernstes einen Ikea-Sockenhalter in Form eines Kraken für antisemitisch befindet. Hintergrund ist, dass es im 3. Reich einige Karikaturen gab, in denen die fiktive „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ als die Welt umklammernde Krake dargestellt wurde. Daraus zu schließen, dass nun alle Darstellungen von Kraken antisemitisch seien, ist an Absurdität jedoch kaum zu Überbieten. Was ist mit Kindern, die einfach nur Tintenfische mögen? Allesamt Antisemiten?

Nichts ist den Antideutschen zu peinlich.

Selbstverständlich werden solche hirnverbannten Meinungen in Deutschland niemals mehrheitsfähig werden, das ist der beruhigende Unterschied zur extremen Rechten. Allerdings haben die Antideutschen das Potential, linke Bewegungen und Organisationen von innen heraus zu zersetzen, was letztendlich den gesellschaftlichen Rechtsruck noch weiter befeuert. Ihren antifaschistischen Anspruch haben die Antideutschen damit verwirkt! Es läuft wohl doch eher darauf hinaus, dass diese krude Bewegung von kognitiv eingeschränkten Vollpfosten ein Konstrukt westlicher Geheimdienste ist.

Die Antideutschen scheinen Teil einer Doppeldenkstrategie zu sein. Während rechte Gruppierungen gezielt gefördert werden, um sie an die Macht zu bringen und eine faschistische neue Weltordnung durchzusetzen, werden auf der linken Seite die größten Knallköpfe gefördert, um die progressiven Kräfte lahm zu legen und sie nach außen der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Antideutschen sind dabei mit Abstand das haarsträubendste Beispiel und es ist sehr befremdlich, wie viele Anhänger sich für diese groteske Strömung begeistern lassen.

Libertär ist nicht gleich liberal

von Shinzon

In den alternativen Medien gibt es allerhand Leute, die sich selbst als „libertär“ bezeichnen. Die Auslegungen reichen dabei von freiheitlich bis neoliberal. Dementsprechend definieren sich sowohl Anarchisten als auch Kapitalisten als Libertäre. Das ist sehr konträr und daher ist es an der Zeit, den Begriff einmal näher zu analysieren, für was er steht und mit was er nicht verwechselt werden sollte.

Grundsätzlich muss erst einmal zwischen libertär und liberal unterschieden werden. Der Liberalismus ist dabei ein allgemeiner Freiheitsbegriff, der politisch keinem Lager zugeordnet werden kann. Gemeint ist vor allem die Freiheit des Individuums. Es geht also um Selbstverwirklichung.

Doch wie viel Freiheit ist gesund? Darf sich z.B. ein Serienmörder oder Kinderschänder frei entfalten? Folgt man dem Leitspruch des Okkultisten Aleister Crowley, bedeutet Freiheit: „Tu was du willst!“ Dies bedeutet jedoch, dass jeder frei sei, einem anderen die Freiheit zu nehmen. Daraus ergibt sich folgerichtig ein Widerspruch.

Weit vernünftiger und sozial verträglicher ist da der Spruch, der Immanuel Kant zugeschrieben wird: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Um dies zu regeln, gibt es Gesetze. Natürlich können Unrechtsregime auch Gesetze erlassen, die Freiheiten generell einschränken, darum soll es hier aber nicht gehen. Gemeint sind an dieser Stelle gesetzliche Standards, die z.B. dazu dienen, Verbraucher vor Abzocke, Arbeiter vor Ausbeutung oder die Umwelt vor ihrer Zerstörung zu bewahren.

Und genau da kommen die Libertären ins Spiel. Die sehen in solchen gesetzlichen Regelungen nämlich eine Einmischung des Staates in die freie Wirtschaft. Gerhard Schröder (SPD) kann in dieser Hinsicht als bisher libertärster Bundeskanzler gesehen werden, da er u.a. Hedge Fonds legalisiert und Europas größten Niedriglohnsektor möglich gemacht hat. Er könnte jedoch bald von Friedrich Merz (CDU) übertroffen werden, sollte dieser Mitarbeiter des Investmentkonzerns BlackRock tatsächlich nächster Bundeskanzler werden.

Die Freiheit des Marktes geht den Libertären über alles. Scheiß auf die Umwelt, wenn ein Lebensmittelkonzern gentechnisch veränderte Soja anbauen will, muss der Regenwald halt weg! Scheiß auf die Verbraucher, wenn sich mit geplanter Obsoleszenz und Weichmachern wie Quecksilber Gewinn erwirtschaften lässt, dann wachsen halt in Afrika die Müllberge und Kinder werden blöd im Kopf! Scheiß auf die Arbeiter, wenn die einen Betriebsrat gründen wollen, landen sie auf der Straße! Scheiß auf die ganzen Obdachlosen, Wohnungen sind zum Spekulieren da! Immerhin leben wir in einer „marktkonformen Demokratie“, wie Angela Merkel (CDU) unlängst feststellte.

So drastisch würden es die Libertären selbst natürlich nicht ausdrücken, denn das würde ihrem Ansehen schaden. Stattdessen verbreiten sie den Irrglauben, dass der Markt sich schon irgendwie selbst reguliert. Wenn die Verbraucher kein Mikroplastik in der Zahnpasta oder keinen Genmais im Popcorn haben wollen, müssen sie es ja schließlich nicht kaufen. Die Sache hat allerdings einen Haken, denn die Verbraucher sind oft nicht über solche Inhaltsstoffe informiert und eine Kennzeichnungspflicht lehnen die Libertären ab. Pflicht ist nämlich gleich Zwang und Zwang ist böse!

Gleiches gilt für den Zwang der Arbeitgeber, paritätisch in die Sozialversicherung und Rentenkasse einzahlen zu müssen. Alles was mit „Sozial“ beginnt, trägt schließlich den Wortstamm von „Sozialismus“ in sich und Sozialismus ist das erklärte Feindbild der Libertären. Die Kapitalisten scheißen auf das Allgemeinwohl und kontern mit dem Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht.“ Wozu also sollen Unternehmer überhaupt irgendetwas an den Staat und seine Institutionen abdrücken?

In der Tat lehnen die Libertären jede Form von Steuern als Zwangsabgaben an den Staat ab und schreien sofort „Enteignung“, wenn irgendwo das Wort „Vermögenssteuer“ in den Mund genommen wird. Sie ignorieren dabei völlig, dass der Staat davon im Gegenzug eine Infrastruktur finanziert, die auch von der Wirtschaft genutzt wird. Die produzierten Waren werden über steuerfinanzierte Straßen transportiert und ohne staatliche Schulen könnten die Arbeiter weder lesen, noch schreiben oder rechnen, wären also geistig arbeitsunfähig.

Die Lösung der Libertären lautet, die komplette Infrastruktur, das Bildungssystem und die öffentliche Daseinsvorsorge zu privatisieren. Mit anderen Worten, die Enteignung der Bevölkerung ist für die Libertären okay. Doch was passiert, wenn Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Sozialwohnungen nur noch dazu da sind, Profit abzuwerfen? Richtig, es wird alles kaputt gespart! Welche Konsequenzen das hat, zeigte erst im August 2018 der Einsturz einer privat betriebenen Autobahnbrücke in Genua, bei dem 42 Menschen starben.

Und das ist nur das krasseste Beispiel. Überall, wo Wohnungen privatisiert werden, steigen die Mieten, während die Wohnqualität abnimmt. Wo die Wasserversorgung privatisiert ist, schmeckt das Trinkwasser oft nach Chlor, weil dieser Giftstoff billiger ist als die Reparatur leckender Leitungen. Privaten Krankenhäusern geht es nicht um das Wohl der Patienten, sondern darum, die Betten möglichst schnell wieder frei zu bekommen. In privaten Pflegeheimen muss sich eine Pflegekraft für einen Hungerlohn um Dutzende Menschen kümmern, weil Einsparungen beim Personal die Rendite erhöhen.

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, aber es dürfte bereits klar sein, dass der Markt nichts regelt, außer den Profit und die Dividenden der Aktionäre. Dabei ist der Gewinn keineswegs ehrlich erwirtschaftet. Er ist bis auf wenige Ausnahmen das Produkt von Ausbeutung und Umweltzerstörung. Die Vermögenssteuer wäre daher auch keine Enteignung, sondern vielmehr die Rückführung gestohlener Lebensleistung von Arbeitern!

Es ist eben nicht ehrlich und gerecht, wenn sich Firmenvorstände Millionengehälter in die eigene Tasche stecken oder Börsenspekulanten sich an der Leistung anderer dumm und dämlich verdienen. Die Gewinne werden von den Arbeitern erwirtschaftet und nicht von den Kapitalisten! Diese sind nichts anderes als Parasiten, die andere für sich roboten lassen. Die Freiheit der Milliardäre ist die Lohnsklaverei für Milliarden Menschen!

Die Libertären vertreten einen absolut pervertierten, rein materialistischen Freiheitsbegriff, der allein der maßlosen Bereicherung einer kleinen Elite dient. Diese Elite betreibt Steuervermeidung wo es nur geht (Stichwort Amazon und Co.), während ihre Lohnsklaven die Aufstockung ihres Niedriglohns mit Hartz IV selbst finanzieren müssen. Einige Milliardäre überlegen sogar, schwimmende Städte in internationalen Gewässern zu bauen, um zukünftig gar keine Steuern mehr zahlen müssen, während diejenigen, die ihren Reichtum erwirtschaften, in Slums verrotten sollen.

Quelle

Da fragt man sich, warum sich libertäres Gedankengut auch in der einfachen Bevölkerung breitzumachen beginnt? Neben dem missverstandenen Freiheitsbegriff liegt dies vor allem an der geschickten Manipulation der Massen durch die Eliten. Zum einen erzählen diese den Menschen, dass es jeder von ihnen vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann und jeder seines Glückes Schmied sei. Wer einmal ein Jobcenter aufsuchen musste, weiß, was für ein Quatsch das ist!

Zum anderen wird permanent Angst vor einem angeblich bösen Sozialismus bzw. Kommunismus geschürt, der allen Menschen die Freiheit und Individualität rauben will. Für den Stalinismus, wie er in den ehemaligen Ostblockstaaten praktiziert wurde und heute immer noch in Nordkorea praktiziert wird, mag das sicherlich zutreffen. Doch von echtem Kommunismus waren und sind solche Diktaturen Lichtjahre weit entfernt. Um zu begreifen, was Kommunismus wirklich bedeutet, sollte man Karl Marx lesen. Für diesen war nämlich „die Freiheit des Einzelnen die Voraussetzung für die Freiheit aller“. Liberaler geht es kaum. Libertärer hingegen schon.

Für die Libertären ist nämlich alles mindestens Sozialismus, was auch nur annähernd nach Allgemeinwohl riecht. So z.B. die Gesundheitsreform von Barack Obama, der für einige schon als Inbegriff eines Kommunisten gilt. Das ist zwar an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, aber von den Libertären absolut ernst gemeint. Geht es nach ihnen, hätten weiterhin alle Geringverdiener, die sich keine Gesundheitsversorgung leisten können, gefälligst verrecken sollen, da die gesetzliche Krankenversicherung Zwang und damit schlimmer als der Tod sei.

Wer das schon als geisteskrank empfindet, sollte sich jetzt gut festhalten. Manche Libertäre behaupten nämlich sogar, wir würden gar nicht im Kapitalismus leben, sondern im Sozialismus. Als Beweise dafür werden u.a. die Verstaatlichungen von Pleitebanken herangezogen. Was da während der letzten großen Finanzkrise stattfand, war allerdings nichts anderes als die Vergesellschaftung privater Schulden, während man die öffentlichen Gewinne ganz schnell wieder privatisiert hat. Es ist schon mehr als tollkühn, diese Korruption als Sozialismus zu bezeichnen! Im Prinzip haben die Staaten – allen voran Deutschland – kriminelle Kapitalisten auf Kosten der Allgemeinheit vor ihrem selbstverschuldeten Ruin gerettet.

Es sollte nicht verwundern, dass die Libertären im Gegenzug Donald Trump feiern, der den Reichen – allen voran sich selbst – die Steuerlast erheblich erleichtert hat. In Deutschland finden sich die Libertären entsprechend im Dunstkreis der AfD sowie der marktradikalen Hayek-Gesellschaft.

Bekanntester Vertreter der deutschen Libertären ist Oliver Janich, der vor allem für die von ihm gegründete Partei der Vernunft Bekanntheit erlangte. Die Wahlerfolge blieben jedoch aus, da noch eine Partei, die den Sozialstaat ablehnt, nicht nur unvernünftig, sondern überflüssig ist. Inzwischen unterstützt er die AfD, da diese die nötige Durchsetzungskraft für marktradikale Forderungen hat. Er würde sich eigentlich ganz gut als festes Mitglied machen, da gegen ihn bereits wegen Börsenkursmanipulation ermittelt wurde. So viel zum Thema rechtmäßig angeeigneter Reichtum.

Ein absoluter Janich-Fan war lange Zeit Tilman Knechtel, der die YouTube-Kanäle Bürgerberg und TrauKeinemPromi betreibt. Was auf letzterem Kanal zum Thema okkulte Symbolik zu finden ist, kann man dabei durchaus weiterempfehlen. Wie auch auf diesem Blog werden die Bedeutungen von Zeichen und Gesten sowie die Verbindungen der Promis zu Geheimgesellschaften aufgedeckt. So weit so gut.

Kaum geht es jedoch um Politik, wird der haarsträubendste Unsinn behauptet. Knechtel impliziert eine kommunistische Weltverschwörung, der u.a. Banker wie die Rockefellers und Rothschilds angehören sollen. Das riecht schon fast „jüdisch-bolschewistischer Weltverschwörung“. Während er allerdings richtig erkannt hat, dass die Rothschilds eigentlich Satanisten sind, will er nicht wahr haben, dass sie auch Kapitalisten sind. Das was ihr Laufbursche Macron gerade in Frankreich durchsetzt, könnte nämlich nicht weiter von Sozialismus oder gar Kommunismus entfernt sein. Es ist der pure Raubtierkapitalismus, die Enteignung der Massen zugunsten einer kleinen Elite aus Investmentbankern.

Allerdings nicht, wenn es nach Knechtel geht. Die Hochfinanz und multinationale Konzerne befinden sich laut seinem Glaubensmodell allesamt in der Hand von Kommunisten, die von den Ideen eines Karl Marx geleitet werden. Nun wollte Marx aber eine klassenlose Gesellschaft, während aktuell die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Welch kognitive Dissonanz führt zu solch offensichtlichen Widersprüchen? Oder wird hier gezielt Desinformation betrieben? So nach dem Motto: Kommunismus ist Profitmaximierung, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit ist Stärke!

Das würde passen, denn weiterhin lehnt Tilman die Menschenrechte kategorisch ab, weil sie für ihn der Inbegriff einer Neuen Weltordnung sind. Es stimmt zwar, dass die Menschenrechte die Handschrift der Freimaurer tragen, doch sind es gerade die Mächtigen, die sie am häufigsten brechen. Knechtel würde ihnen gern dabei helfen, denn er spricht den Menschen sämtliche Grundrechte wie das auf Nahrung, Wasser, Obdach usw. ab. Als Libertärer möchte er all dies in privater Hand wissen und glaubt, die Menschen bräuchten ausschließlich das Recht am eigenen Körper, um wahrhaftig frei zu sein. Nur werden sie ihren Körper bzw. ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um sich das nackte Überleben leisten zu können, wodurch sie wiederum zu Sklaven werden.

Wer diese Widersprüche offenlegt, muss den Zorn des libertären Großinquisitors fürchten, denn mit politischen Gegnern verfährt Knechtel gnadenlos. So bezeichnete er u.a. Gregor Gysi als „minderwertig“ und die Rapper von K.I.Z als „Untermenschen“. Nun kann man ja Gysi durchaus zu recht kritisieren und was K.I.Z für gewöhnlich zusammentexten, ist unter aller Sau. Das rechtfertigt jedoch keinen Nazijargon! Laut Artikel 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar, auch die von Politikern und Gangsterrappern. Aber vielleicht ist das Grundgesetz in den Augen von Libertären auch nur so ein kommunistisches Unterdrückungspamphlet?

Auf dem Bürgerberg-Kanal hat er indes Sahra Wagenknecht am Rande einer Parteiveranstaltung einen stalinistischen Artikel von 1992 vorgeworfen, von dem sie sich schon längst distanziert hatte. Mit ihren Antworten hat er sich nicht zufrieden gegeben, da sie nicht zur Untermauerung seines Weltbildes geeignet waren. Stattdessen hat er sich mit der immer gleichen Frage nach vorne gedrängelt. Guter Journalismus sieht anders aus und setzt einen fairen Umgang miteinander voraus. Doch was LINKE-Politiker angeht, ist Knechtel ganz auf Markus Lanz-Niveau oder eher noch darunter.

Irrwitzigerweise reagierte sein einstiges Vorbild Oliver Janich weitaus ablehnender auf eine Interviewanfrage und schlussendlich mag auch Tilman keine spontanen Interviews. Die Kritik muss er sich wohl oder übel gefallen lassen.

Im Prinzip sind Janich und Knechtel allerdings nur die auffälligsten Libertären. Selbst sind sie weit von denen entfernt, die wirklich von der Durchsetzung libertärer Politik profitieren. Die wahrhaft libertären heißen Donald Trump, Silvio Berlusconi und Andrej Babiš – allesamt Milliardäre, die als Staats- und Regierungschefs einzig ihre eigenen Interessen vertreten haben.

Alle anderen, die sich als libertär bezeichnen, sind entweder wirr oder verwechseln da was. So auch das Libertäre Kultur- und Aktionszentrum Schwarze Katze in Hamburg, welches ein Anlaufpunkt für Anarchisten ist. Wobei die Linksautonomen zumindest etwas mit den Marktradikalen gemeinsam haben, nämlich die Ablehnung des Staates. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf und ebenso sind die Intentionen von Grund auf verschieden.

Liberale können sich dagegen mit dem Staat arrangieren, sofern dieser die freiheitlichen Bürgerrechte nicht angreift. In diesem Punkt ist die FDP tatsächlich liberal, im Bereich Wirtschaft ist sie hingegen absolut neoliberal, was wieder etwas anderes bedeutet.

Insgesamt ist der Liberalismus indes eher links anzusiedeln, da der Bruch von gesellschaftlichen Konventionen die Voraussetzung für die Selbstverwirklichung aller Menschen ist. Seien es bunte Haare, Transgender oder die Ehe für alle – die Akzeptanz von Andersartigkeit findet man vor allem bei Linken. Die politische Rechte versucht dagegen mittels Zwang Konformität zu erreichen. Ein Beispiel ist die von der AfD geforderte deutsche Leitkultur, wie auch immer diese aussehen soll. Die Rechtspopulisten sind daher bestenfalls libertär, aber auf keinen Fall liberal!

Das Maaßen ist voll!

von A. Tom Shroom

Schon die Regierungsbildung nach der letzten Bundestagswahl war die reinste Katastrophe, sodass man sich wie in einer Neuverfilmung von „Das hält kein Jahr“ vorkam. Seitdem reihte sich ein Eklat an den nächsten. Der letzte große Skandal drehte sich um den Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Anlass war seine Verharmlosung der rechtsextremen Übergriffe in Chemnitz, doch das Misstrauen liegt eigentlich viel tiefer.

Im Prinzip spielt es keine Rolle, ob man die Übergriffe von Chemnitz nun aufbauschend „Hetzjagden“ nennt oder sachlich von Propaganda- und Gewaltdelikten spricht. Das Problem des Rechtsextremismus ist offensichtlich und da ist Maaßens Versuch der Leugnung einfach fehl am Platz. Als nunmehr ehemaliger Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) sollte er es besser wissen und gewiss tut er das auch. Nur liegt eben genau da das Problem. Der Verfassungsschutz weiß um die Gefahr von rechts, doch statt etwas dagegen zu unternehmen, werden faschistische Strukturen finanziert und anschließend wird alles vertuscht. Man denke nur an die Konfettiparty nach dem Auffliegen des NSU.

Die Personalie Maaßen passt da ganz gut ins Gesamtbild. So traf er sich bereits mit mindestens 5 AfD-Politikern, darunter mit Frauke Petry und nach deren Austritt mit Alexander Gauland. Bei der Gelegenheit hat er der AfD auch gleich geheime Informationen weitergegeben. Inhaltlich ging es dabei wohl vorrangig um islamistische Gefährder, womit Maaßen der AfD Argumente für deren Propaganda geliefert hätte.

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Die AfD hat sich inzwischen offiziell bei Maaßen bedankt und ihn öffentlich verteidigt. Auf Facebook gibt es sogar eine Solidaritätsseite mit rund 3.000 Likes, vornehmlich von AfD-Anhängern. Maaßen wird regelrecht dafür gefeiert, dass er angeblich die Wahrheit über Chemnitz gesagt hätte und sich schon seit den 1990ern gegen Flüchtlinge engagiert.

Angesichts dieser wechselseitigen Zuneigung ist es eigentlich ganz gut, dass die AfD nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Schon die Beobachtung der NPD hatte dieser mehr geholfen als geschadet und auch den NSU hätte es ohne die tatkräftige Unterstützung des Verfassungsschutzes wohl nie in dieser Form gegeben. Aber was soll man schon anderes von einem deutschen Inlandgeheimdienst erwarten, der in der Tradition von Reinhard Gehlen und Co. steht?

Auf Steuergeld ist die AfD im Gegensatz zur NPD allerdings nicht angewiesen. Sie bekommt bereits genügend Fördermittel für jede Stimme, für jedes Mitglied und inzwischen auch für ihre neu gegründete Stiftung. Hinzu kommen die großzügigen Spenden von superreichen Unternehmern wie August von Finck. Dennoch wäre ein Netz von V-Leuten eine zusätzliche Belastung für uns Steuerzahler.

Ein weiteres Argument gegen eine Beobachtung der AfD wäre die Weitergabe sensibler Daten über politische Gegner an die Rechtspopulisten, so wie das im Falle der NPD bereits beim V-Mann Dienelt geschehen ist. Und schwubbs hatten die Neonazis Namen und Adressen von Linken und Gewerkschaftern. Wie es scheint, braucht die AfD aber gar nicht erst vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden, da Maaßen ihr solche Informationen ohnehin längst frei Haus geliefert hat.

Wer also glaubt, dass der Verfassungsschutz die Verfassung schützt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Dieser Geheimdienst gehört aufgelöst und durch ein Institut für Demokratie ersetzt, welches ganz ohne V-Leute Informationen über Verfassungsfeinde sammeln und weitaus realistischer Gefahreneinschätzungen abgeben könnte.

Leider ist das noch Zukunftsmusik. Bis es so weit ist, müsste der BRD-Staatsapparat erst einmal gründlich entnazifiziert werden. Doch damit tut sich die Bundesregierung schwer, wie auch der Fall Maaßen zeigt. Jeder normale Arbeiter wird ohne Abfindung auf die Straße gesetzt, wenn er am Arbeitsplatz Scheiße baut. Da reichen zuweilen schon Nichtigkeiten wie das Einlösen eines liegen gebliebenen Pfandbons oder das Mitnehmen von nicht verkauften Lebensmitteln, die ohnehin in die Tonne geflogen wären.

Ähnlich sieht es beim Bamf-Skandal. Die damalige Leiterin Jutta Cordt musste aufgrund der auch durch Seehofer angeheizten öffentlichen Empörung ihren Hut nehmen und hat jetzt eine Stelle drei Gehaltsstufen unter ihrer vorherigen Position. Dabei stellte sich nach akribischer Überprüfung der angebliche Skandal im Bamf als reine Luftnummer heraus.

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Nicht so bei Maaßen! Den wollte die Bundesregierung für seine Verfehlungen zunächst sogar befördern. Er sollte zum Staatssekretär im Bundesinnenministerium aufsteigen, wobei sein Gehalt um zwei Stufen von 11.577,13 € im Monat auf monatlich 14,157,33 € gestiegen wäre. Von einem solchen Einkommen können die einfachen Arbeiter nur träumen und der Einsatz der AfD für Maaßen zeigt einmal mehr, dass sie keine Partei der kleinen Leute ist!

Dabei haben sich die AfD und Horst Seehofer mit ihren Forderungen am Ende auch noch durchgesetzt. Zwar hat die SPD bei der Beförderung schlussendlich nicht mitgemacht, weil ihr zuvor die Wähler in Scharen davongelaufen sind. Inzwischen wurde jedoch ein fauler Kompromiss ausgehandelt. Für Hans-Georg Maaßen wurde eigens eine neue Beraterstelle im Innenministerium eingerichtet, bei augenscheinlich gleich bleibendem Gehalt. Bei genauerer Betrachtung bekommt er allerdings eine Ministerialzulage von 400 € im Monat. Also doch eine Gehaltserhöhung fürs Scheißebauen!

Darauf versteht sich Hans-Georg Maaßen übrigens nicht nur aktuell bezüglich AfD und Chemnitz. Die Liste seiner Vergehen ist dermaßen lang, dass man sich wundern muss, warum er nicht schon vor Jahren als untragbar eingestuft und vor die Tür gesetzt wurde. Zumindest, wenn man kein rechtskonservativer Hardliner ist und Horst Seehofer heißt.

Schon lange bevor Maaßen im August 2012 zum Chef des Bundesverfassungsschutzes ernannt wurde, war er maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass der unschuldig in Guantanamo Bay internierte Murat Kurnaz nicht zurück nach Deutschland reisen durfte und daher weiter in dem Foltercamp schmoren musste. Aufgrund dieser Affäre wurde Maaßen 2012 eine Honorarprofessur an der Freien Universität Berlin vom Akademischen Senat verweigert. Wenigstens dort legte man offensichtlich mehr Wert auf Qualität bei der Personalauswahl.

Während seiner Zeit als Verfassungsschutzchef genehmigte er dem US-Geheimdienst NSA den Einsatz von Spionagetechnik auf deutschem Boden. Interessant, dass die AfD sich inzwischen für einen solchen Hochverräter einsetzt. Verrat warf Maaßen jedoch seinerseits dem Whistleblower Edward Snowden vor und unterstellte ihm gar, ein russischer Spion zu sein.

Landesverräter sah Maaßen 2015 zudem in zwei Bloggern von Netzpolitik.org, gegen die er Ermittlungsverfahren anstieß. Sie hatten u.a. publik gemacht, dass im Budgetplan des BfV 2,75 Millionen Euro für den Aufbau einer Behördeneinheit zur Massendatenerfassung in sozialen Netzwerken ausgewiesen waren. Mit anderen Worten war Maaßen gerade dabei eine Internetstasi zu etablieren. Davon sollte die Öffentlichkeit aber nichts erfahren.

Ebenfalls vertuscht werden sollten alle Informationen zum mysteriösen Tod des V-Mannes „Corelli“, der in den NSU verstrickt war und 2014 unter mysteriösen Umständen verstarb. Wieder hagelte es von Maaßen eine Anzeige gegen einen Medienbericht. Für die Pressefreiheit hatte der ehemalige Chef des BfV offensichtlich nie viel übrig.

Um das Maaßen voll zu machen, hat Hans-Georg 2017 im Fall Anis Amri das Parlament knallhart belogen, als er behauptete, nichts von einem V-Mann im Umfeld des islamistischen Attentäters gewusst zu haben. Spätestens an dieser Stelle hätte er eigentlich rausfliegen müssen. Doch er durfte einfach weiter die Sicherheit der Bevölkerung gefährden und darf dies auf seinem neuen Posten auch weiterhin tun. Es ist schlichtweg unfassbar, was in diesem Land abgeht. Und wer glaubt, die AfD sei eine Alternative, sollte sich ihr Verhalten gegenüber Maaßen sehr genau anschauen!

Erika Steinbach verlässt die CDU

Es hat schon einen bitteren Beigeschmack, wenn ehemalige Kriegsflüchtlinge gegen Kriegsflüchtlinge hetzen. Erika Steinbach (*1943) hat sich als Sprecherin für Menschenrechte der CDU-Fraktion generell nie besonders menschlich und mitfühlend verhalten. Nun ist sie wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die ja in den letzten Monaten eigentlich eher aus Verschärfungen des Asylrechts bestand, sogar aus der CDU ausgetreten. Leider hat sie dabei allerdings vergessen, auch ihren Sitz im Bundestag zu räumen, sodass uns ihre rassistischen Anmerkungen auch in Zukunft erheitern werden.

So teilte sie auf Facebook schon mal ein Bild, auf dem ein blondes Mädchen von dunkelhäutigen Personen umringt ist und kommentierte, dass so die Zukunft Deutschlands im Jahr 2030 aussehen werde. Dumm nur, dass das Bild gar nicht Deutschland, sondern in Indien geknipst wurde. Die Touristen, deren Kind darauf abgebildet war, sind außerdem gar keine Rassisten und ihr Foto wurde einfach von Rechten geklaut und missbraucht. Derartige Aktionen sind bei Frau Steinbach kein Einzelfall, weshalb wir hier noch einmal ihre dümmsten Tweets revue passieren lassen.

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Übrigens gab Erika Steinbach an, in keine andere Partei eintreten zu wollen. Darauf sollten jetzt allerdings keine Wetten abgeschlossen werden, denn bei dem kurzen Weg zur AfD könnte man sonst ziemlich schnell seinen Wetteinsatz verlieren.

Die homophoben Ängste der AfD

Obwohl die AfD inzwischen selbst eine Homogruppe mit schwulen und lesbischen Mitgliedern hat, setzt die Partei weiterhin auf Homophobie. Ähnliches kennt man bereits von der CDU, die sogar mit einer Gruppe auf dem Christopher Street Day vertreten ist, sich aber dennoch strikt gegen eine Gleichberechtigung homosexueller Paare ausspricht. Warum fühlen sich überhaupt einige Schwule und Lesben von homophoben Parteien angezogen? Dummheit? Selbsthass?

Jedenfalls arbeitet die AfD ausschließlich mit Ängsten. Angst vor Überfremdung, Angst vor dem „Volkstod“, Angst vor dem Islam, Angst vor der „Zerstörung der Familie“ und natürlich Angst vor der „Homodiktatur“. Angst, Angst, Angst!!! Die Deutschen lieben Angst. Wer keine Angst hat, ist suspekt. Also immer schön Angst haben, das verschafft Anerkennung. Selbst wenn diese Angst total unbegründet und irrational ist.

So haben die AfD-Politiker und ihre Wähler sagenhafte Angst davor, dass deutsche Kinder in deutschen Schulen zur Homosexualität „erzogen“ werden. Hintergrund: Im Rahmen der sexuellen Aufklärung werden auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften erwähnt. Den Schülerinnen und Schülern wird also lediglich erzählt, dass es so etwas gibt und das auch völlig normal und okay ist. Wie sie dadurch homosexuell werden sollen, muss die AfD erst einmal erklären. Das ist in etwa so abwegig, als würden Jungs spontan das Geschlecht wechseln, sobald sie wissen, dass es auch Mädchen gibt.

Homosexualität lässt sich nicht anerziehen und Aufklärung fördert maximal die Toleranz gegenüber Andersliebenden. Aber das ist ja genau das, was die AfD eigentlich ablehnt – Toleranz. Wer aus dem Rahmen des streng konservativen Weltbildes fällt, hat für sie schlichtweg keine Daseinsberechtigung. So knallhart möchte man sich bei der AfD dann aber doch nicht ausdrücken, da nazistische Vernichtungsphantasien bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht gut ankommen. Also greift man zum Mittel der Propaganda.

Dabei ist keine Behauptung zu absurd, um sie nicht in die Welt zu setzen. So verbreiten die Rechtspopulisten, dass schon in der Grundschule Schwulenpornos zum Unterricht gehören würden. Ähm, Pornos sind generell erst ab 18 freigegeben und jeder Lehrer, der derartiges über einen Beamer laufen lassen würde, wäre nicht nur seinen Job los, sondern würde darüber hinaus strafrechtlich verfolgt werden. Aber solche frei erfundenen Argumente drehen ja wunderbar an der Angstschraube besorgter Eltern.

Ebenso absurd sind Begriffe wie „Zwangsunterricht“. Es gibt in Deutschland eine allgemeine Schulpflicht, womit im Prinzip jeder Schulunterricht bindend ist. Das ist definitiv zu befürworten, denn sonst hätten wir bald eine total verblödete Bevölkerung, die weder lesen, schreiben noch rechnen kann und auch sonst keine Ahnung von der Welt hat. Mit anderen Worten eine Bevölkerung, die extrem anfällig für die stumpfsinnige Hetze der AfD wäre.

Aber noch mal zurück zum Schlagwort „Zwangsunterricht“. Während der Unterricht zumindest in den Naturwissenschaften und Sprachfächern recht trocken und objektiv ist, fordert AfD ihrerseits eine Erziehung zu mehr Patriotismus. Im Fach Deutsch sollen nur noch deutsche Klassiker gelesen werden, zu denen einige AfD-Politiker wohl auch Hitlers „Mein Kampf“ zählen dürften, und in Musik sollen nur noch deutsche Volkslieder geträllert werden. Es ist pure Heuchelei, wenn eine Partei, die derartiges fordert, dem aktuellen Bildungssystem Indoktrination vorwirft. Politische Indoktrination gibt es mehr oder weniger nur im Geschichtsunterricht und damit dürfte sich Björn Höcke als ehemaliger Geschichtslehrer ja bestens auskennen.

Aber das meint die AfD ja auch gar nicht mit ideologischer Indoktrination. Gerade im Bereich der sexuellen Aufklärung geht es doch eigentlich um Freiheit und Akzeptanz. Das ist jetzt so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was die Rechtspopulisten unterstellen. Tatsächlich ist es die AfD, die hier gegen die Freiheit wettert und Kindern vorschreiben will, wie sie zu leben und wohin sie sich zu entwickeln haben. Ihre Politiker sind es, die Kinder und Jugendliche in ein enges ideologisches Korsett zwingen wollen.

Das Ganze wird dann noch mit inhaltsleeren Kampfbegriffen wie „Genderismus“ garniert, wo niemand so genau weiß, was das eigentlich bedeuten soll. Aber bei den Erzkonservativen geht die Welt ja schon unter, wenn Mädchen Hosen tragen und Jungs mit Puppen spielen. Dabei weiß doch jeder, dass echte Kerle nur mit Panzern spielen und Mädchen nur rosa tragen dürfen. Sonst werden die Mädchen noch schwul und die Jungs lesbisch.

Der Knaller ist aber die vermeintliche Homo-Diktatur. Homosexuelle dürfen in Deutschland nicht mal Kinder adoptieren, aber sollen angeblich das Land beherrschen? Was haben diese rechtspopulistischen Knallchargen geraucht? Nur weil eine Minderheit die gleichen Rechte wie die Mehrheit fordert, ist das noch längst keine Diktatur. Im Gegenteil gehört der Minderheitenschutz zu den Kernaufgaben einer echten Demokratie. Und nur so nebenbei bedeutet die Gleichstellung der Homoehe keine Entwertung der Heteroehe.

Der AfD bleibt im Prinzip gar nichts anderes übrig, als maßlos zu übertreiben, um mit ihrer homophoben Propaganda überhaupt noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken zu können. Dementsprechend wird einfach mal behauptet, dass ein Promille der Bevölkerung über den gesamten Rest bestimmen würde. Zum einen wird der Einfluss der Homosexuellen geradezu lächerlich überdramatisiert, zum anderen wird diese Minderheit kleiner gemacht, als sie tatsächlich ist. Ein Promille wären gerade einmal 0,01 %. Tatsächlich liegt der Anteil der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen in der Gesamtbevölkerung aber zwischen 5 bis 10 %. Es soll hier lediglich der Eindruck erweckt werden, dass ein paar hundert Menschen die gesamte Macht für sich beanspruchen, was ja auch schon die Nazis den Juden unterstellt haben.

Mit der angeblichen Bedrohung unserer Kinder durch vermeintliche Homopropaganda macht die AfD lediglich Stimmung auf Kosten einer ihr verhassten Minderheit. Die Hetze gegen Andersliebende und sexuelle Aufklärung funktioniert nach denselben Mustern wie die Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam. Die AfD will uns alle zu Angstmenschen machen, um ihre Machtinteressen durchzusetzen. Punkt!

Dabei ist Angst alles andere als gesund. Angst bedeutet psychischen Stress und permanenter Psychostress wirkt sich letztendlich auch auf die physische Gesundheit aus. Im eigenen Interesse sollte sich daher niemand in eine ständige Angstsituation versetzen lassen. Schon gar nicht, wenn es sich um unbegründete Ängste handelt.

Der Grund, warum Parteien wie die AfD auf Angst setzen, ist sehr einfach, denn unter Angsteinfluss handeln Menschen unvernünftig. Das Hirn entscheidet nur noch, ob Angriff oder Flucht die beste Option ist, wobei die AfD natürlich Angriff als einzigen Ausweg anbietet. Für ein vernünftiges Abwägen von Argumenten lässt einem das Kleinhirn im Angstmodus überhaupt keine Zeit, was die Umfragewerte der AfD erklären dürfte. Von daher sollten sich erst einmal alle beruhigen, die Fakten zusammentragen und anschließend eine wohl überlegte Entscheidung treffen – gegen Homophobie.

Hier noch ein paar Zahlen:

Die Vril-Gesellschaft – Nazi-UFOs und Channelmedien

von Shinzon

Die Vril-Gesellschaft ist ein historisch kaum nachweisbarer Mythos, über den mehr Verschwörungstheorien als Fakten kursieren. Bereits die Herleitung des Namens führt direkt in die Rubrik Science Fiction. Das Wort „Vril“ tauchte nämlich erstmals in einem 1871 erschienen Roman mit dem Titel „The Coming Race“/„Das kommende Geschlecht“ auf. Abgeleitet wurde es wahrscheinlich vom lateinischen „virilis“, was sich mit „kraftvoll“ übersetzen lässt.

Illustration zu "The Coming Race"

Illustration zu „The Coming Race“

Das würde Sinn ergeben, denn in der Erzählung trifft der Protagonist auf die Vril-ya, eine unterirdisch lebende Menschenrasse, welche sich vom Rest der Menschheit abgespalten hat und über telepathische sowie telekinetische Kräfte verfügt. Obwohl die Unterirdischen im Roman in Höhlensystemen leben, ist dieses Werk wohl gleichermaßen die Ausgangslage für die Verknüpfung des Vril-Mythos mit der Theorie der hohlen Erde, wie er in modernen Verschwörungstheorien häufig anzutreffen ist.

Eine reale Verbindung des Romans zum Okkultismus gibt es derweil tatsächlich. Der Autor von „The Coming Race“, der Brite Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873), war nämlich Patron der Societas Rosicruciana in Anglia. Angeblich wurde ihm der Titel gegen seinen Willen verliehen, doch in seinen Werken tauchten die Rosenkreuzer sowie deren esoterische Lehren immer wieder auf. Erst ab den 1850ern ging er allmählich auf Distanz zur Esoterik, nachdem immer mehr Spiritisten als Betrüger entlarvt wurden.

Die mentalen Fähigkeiten der Vril-ya betrachtete er dementsprechend auch nicht aus einem esoterischen Blickwinkel, sondern versuchte sie mit naturwissenschaftlichen Mitteln zu erklären. Auf Anfrage der London Dialectical Society verfasste er am 28. Februar 1869 eine Stellungnahme, in der er Geister als Ursachen für spiritistische Phänomene ausschloss. Stattdessen führte er sie auf das Vorhandensein einer alles durchdringenden Naturkraft zurück. Lytton dürfte damit der Ideengeber für die Macht in „Star Wars“ gewesen sein. Seine posthume Popularität bei den Theosophen war jedoch keineswegs seine Intention.

Die Theosophen und andere okkulte Gruppierungen interpretierten „The Coming Race“ auf ihre Weise und glaubten, die Vril-Kraft für sich nutzen zu können. 1886 brachten einige Esoteriker sogar ein Rindfleischextrakt mit dem Namen „Bovril“ auf den Markt, weil sie sich durch den Bezug auf die fiktive Vril-Kraft einen höheren Absatz erhofften. Der Blödsinn gipfelte schließlich in einem Vril-ya-Bazaar, welcher vom 5. bis 7. März 1891 in der großen Londoner Royal Albert Hall stattfand.

Auch die oberste Theosophin Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891) griff die Vril-Kraft in ihrem Werk „Die entschleierte Isis“ von 1877 auf. Die unterirdische Urrasse übernahm sie jedoch nicht aus Lyttons Roman. In ihrem späteren Buch „Die Geheimlehre“ von 1888 behauptete sie stattdessen, die Bewohner von Atlantis hätten die Vril-Kraft zum Bau kolossaler Gebäude benutzt, ähnlich wie Apocalypse bei den „X-Men“. Nach dem Untergang von Atlantis habe dann eine kleine Gruppe überlebender Priester das Wissen um die Vril-Kraft bewahrt.

Die X-Men, von Hollywood als "das kommende Geschlecht" gefeiert.

Die X-Men, von Hollywood als „das kommende Geschlecht“ gefeiert.

Während die Nutzung des Vril-Begriffes durch die Theosophische Gesellschaft bestens belegt ist, sieht es bei der Existenz der Vril-Gesellschaft schon anders aus. Historisch nachweisbar ist lediglich ein Vril-ya-Club, welcher 1904 in London gegründet wurde. Dabei handelte es sich jedoch um einen theosophischen Esoterikclub, welcher keine belegbaren Verbindungen zu den späteren Nazis hatte.

Nach Deutschland kam der Begriff erstmalig 1874 mit der Erstübersetzung von Lyttons Roman. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich auch deutsche Okkultisten für die darin beschriebene Vril-Kraft zu interessieren. Es verwundert daher nicht, dass eine weitere deutsche Übersetzung von „Das kommende Geschlecht“ 1922 vom Anthroposophen Guenther Wachsmuth (1893-1963) in Umlauf gebracht wurde – auf ausdrücklichen Wunsch Rudolf Steiners (1861-1925).

An dieser Stelle kann schon mal zusammenfassend gesagt werden, dass der Mythos der fiktiven Vril-Kraft auch unter deutschen Esoterikern weit verbreitet war. Hinzu kam mindestens ein Privatzirkel aus Berlin, der sich explizit mit dieser Vril-Kraft beschäftigte. Dieser nannte sich jedoch nicht Vril-Gesellschaft, sondern Wahrheitsgesellschaft.

Der deutsche Raketenpionier Willy Ley (1906-1969), der nach der Machtergreifung der Nazis 1935 in die USA emigrierte, gab den irrationalen Überzeugungen dieser und anderer esoterischer Zirkel eine Mitschuld am Aufstieg der Nationalsozialisten. Ley veröffentlichte 1947 einen Artikel im Magazin Astounding Science Fiction, in welchem er die Wahrheitgesellschaft korrekt auf Lyttons Roman „The Coming Race“ zurückführte und ihre Überzeugung schilderte, die Vril-Kraft sei real. Mit der eigentlich ominösen Vril-Gesellschaft hatte aber auch die Wahrheitsgesellschaft nichts zu tun.

Ausschlaggebend für den Mythos waren wohl zwei Pamphlete aus dem Jahre 1930, welche mit „Weltdynamismus“ und „Vril“ betitelt waren. Veröffentlicht wurden sie von einem okkulten Zirkel namens „Reichsarbeitsgemeinschaft: Das kommende Deutschland“. Die Gruppe behauptete in ihren Schriften, sie sei im Besitz von Technologie, welche die Vril-Kraft nutzen könne. Allerdings handelte es sich mehr oder weniger um die Abschrift einer Broschüre des österreichischen Autoren Carl Schappeller (1875-1947), in welcher dieser ein Perpetuum Mobile propagierte.

Vril - Die komische Urkraft

Der Gründer der Reichsarbeitsgemeinschaft soll ein Johannes Täufer gewesen sein, was aber wohl nur ein Pseudonym war. Hinter diesem wird der Verleger und Theosoph Otto Wilhelm Barth (1882-Todesdatum unbekannt) vermutet. Das würde passen, weil bis dato schon immer die Theosophen hinter allem steckten, was mit Vril zu tun hatte.

Für die weitere Existenz der Reichsarbeitsgemeinschaft sowie der Wahrheitsgesellschaft nach 1930 gibt es indessen keine Belege. Und obwohl einige Okkultisten den Nazis ideologisch durchaus nahe standen, gibt es keine nachweisbaren Verbindungen der Vril-Gläubigen zur Führungsebene des 3. Reiches. Angeblich sollen sämtliche Materialien von den Alliierten beiseite geschafft worden sein, aber schaut man sich einmal genauer an, wer solche Behauptungen verbreitet, kommt man schnell auf rechte Esoteriker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad.

Erstmalig erwähnt wurde die Vril-Gesellschaft allerdings schon 1960 von den französischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier (1912-1978). Den beiden selbsterklärten Okkultisten zufolge soll die Vril-Gesellschaft Anfang der 1920er aus der „Loge der Brüder vom Licht“ hervorgegangen sein. Sie beriefen sich dabei zwar auf die Aussagen Willy Leys, doch ihre Daten deckten sich nicht mit denen der von Ley beschriebenen Wahrheitsgesellschaft. Lediglich die erwähnte Verbindung der Vril-Gläubigen zu den Theosophen und Rosenkreuzern entsprach den Tatsachen.

Vril-Logo

Was die neurechten Esoteriker verbreiten, ist noch abenteuerlicher. So soll die Vril-Gesellschaft unter der Leitung von Maria Orsitsch Anfang der 1920er telepathischen Kontakt mit einer Zivilisation vom Aldebaran aufgenommen haben. Um einen besseren Empfang zu haben, sollen sich die Vril-Mitglieder die Haare besonders lang wachsen lassen haben. Allein das ist schon ha(u)nebüchener Unsinn, denn Aldebaran ist ein Doppelsternsystem, dessen Hauptstern ein roter Riese ist. Wenn es dort überhaupt je Leben gab, dann wäre dieses schon vor hunderten Millionen Jahren verbrannt. Natürlich halten solche Fakten einen Reiner Feistle nicht davon ab, zu behaupten, dass die Vorfahren der weißen Europäer von dort gekommen seien.

Projekt Aldebaran

Allerdings gilt dies den rechten Esoterikern zufolge nur für die weißen Aldebaraner, die als einzige ihre Göttlichkeit bewahrt haben sollen, während die anderen Bewohner des Aldebaransystems durch Rassenvermischung degeneriert sein sollen. Das ist eine zutiefst rassistische Irrlehre, die durch wissenschaftliche Fakten leicht zu widerlegen ist. Im Gegenteil wirkt nämlich ein seichter Genpool degenerierend. Die ganze Story um die Aldebaraner ist gleichermaßen lächerlich wie verwerflich.

Es wird aber noch kruder, denn 1922 soll es der Vril-Gesellschaft gelungen sein, mithilfe der Channelingbotschaften eine Jenseitsflugmaschine zu bauen. Da stellt sich einem doch die Frage: Wenn die Nazis schon über 10 Jahre vor ihrer Machtergreifung über funktionstüchtige Reichsflugscheiben verfügten, wie konnten sie dann den Krieg verlieren? Und wieso haben die Aldebaraner den Nazis nicht gleich direkt geholfen, den Krieg zu gewinnen? Stattdessen sollen sie einfach zugesehen und anschließend Maria Orsistsch Asyl auf ihrem Planeten gewährt haben? Wer diesen Schwachsinn glaubt, der sucht auch am Nordpol nach dem Weihnachtsmann oder eben am Südpol nach Hitler.

Ebenso unwahr wie die kruden Verschwörungstheorien sind die Behauptungen, die Wahrheit über die okkulten Umtriebe der Nazis würden unterdrückt werden. Dokus wie „Schwarze Magie im braunen Hemd“ behandeln die Wurzeln des Naziregimes in der Ariosophie und Thule-Gesellschaft sogar äußerst detailliert. Des Weiteren ist es durchaus historisch anerkannt, dass es bereits in der Weimarer Republik Esoteriker gab, die sich mit Channelings und UFOs beschäftigten. Nur ist die Beschäftigung mit solchen Themen eben kein Beweis für Kontakte der Nazis mit Außerirdischen. Es beweist lediglich, dass es UFO-Sekten schon lange vor dem 2. Weltkrieg gab.

Gleiches gilt für die hoch entwickelte Technologie der Nazis. Wernher von Brauns Raketenforschung bei Peenemünde war bereits so weit gediehen, dass die V2 an der Grenze zum Weltraum kratzte. Doch statt damit zum Mond zu fliegen, hat Hitler sie lieber auf London schießen lassen. Ebenso fortgeschritten war das erste Überschallflugzeug der Gebrüder Horten. Zum Glück kam der Durchbruch zu spät, um die Niederlage noch abzuwenden. Gleiches galt für die Atombombenforschung, die kurz vor Kriegsende vor dem Durchbruch stand.

Kein Historiker würde leugnen, dass Deutschland unter dem Naziregime technologisch sehr weit fortgeschritten war. Inzwischen beschäftigen sich seriöse Historiker sogar offen mit dem Projekt Glocke, welches sich um Antigravitation gedreht haben soll. Allerdings besteht bei der Glocke keinerlei Verbindung zur Vril-Gesellschaft. Im Rahmen des Projektes wurde reguläre Elektrizität genutzt und keine fiktive Vril-Kraft. Außerdem handelte es sich um keine Flugscheibe, sondern um ein glockenförmiges Objekt. Der Erfolg ist bei alledem nicht belegt und so kann die Glocke als eines von vielen gescheiterten Geheimprojekten der Nazis betrachtet werden.

Gleiches gilt für die Entwicklungen des Österreichers Viktor Schauberger (1885-1958). Laut rechten Verschwörungstheorien soll Schauberger in Kontakt mit der Vril-Gesellschaft gestanden haben und an der Entwicklung der Vril 7 Flugscheibe beteiligt gewesen sein. Dumm nur, dass Schauberger Zeit seines Lebens nie etwas Derartiges von sich behauptet hat. Er glaubte nicht einmal an die Vril-Kraft, sondern behauptete lediglich, einen Implosionsmotor entwickelt zu haben. Die Funktionstüchtigkeit der so genannten Repulsine konnte jedoch nie nachgewiesen werden.

Gleichermaßen stellte sich Schaubergers Flugscheibe als absoluter Flop heraus und ihm wurden sämtliche Gelder gestrichen. Es handelte sich mitnichten um den Nachbau eines weltraumtauglichen UFOs, sondern um eine Art deutsches Avro-Car, welches konventionell betrieben wurde. Möglicherweise basierte sogar das Avro-Car der Amerikaner auf erbeuteten Plänen Schaubergers, aber auch dieses Vehikel entpuppte sich als totaler Reinfall und hob nicht mehr als einen Meter ab.

Für weitere Gerüchte sorgten einige Nurflügler, mit welchen die Nazis experimentierten. Im Prinzip probierten die deutschen Flugzeugkonstrukteure so ziemlich jede nur erdenkliche Form aus, wovon die meisten jedoch kläglich scheiterten. Darunter befand sich tatsächlich auch ein Rundflugzeug. Dieses trug aber weder die Bezeichnung Vril oder Haunebu, noch hatte es irgendetwas Überirdisches an sich. Es handelte sich schlicht um ein konventionell betriebenes Flugzeug mit runden Flügeln. Auf den wenigen glaubhaften Fotos lassen sich auch ganz klar Landeklappen sowie Heckflosse erkennen, welche bei einem Antigravitationsvehikel überflüssig wären. Ob die verantwortlichen Konstrukteure mit dieser Form versuchten, UFOs nachzubauen, ist nicht überliefert.

Nurflügler-Prototyp

Nurflügler-Prototyp

Historisch belegbar ist einzig und allein der mythologische Ursprung der Vril-Flugmaschinen. Detaillierte Beschreibungen lieferte der Theosoph William Scott-Elliot bereits in seinem 1896 erschienen Buch „The Story of Atlantis“. Laut diesem Werk sollen die Atlanter einst Flugmaschinen gebaut haben, welche die Vril-Kraft als Antriebsenergie nutzten. Es erscheint keineswegs abwegig, dass auch Okkultisten des 3. Reiches von dieser fiktiven Geschichte fasziniert waren. Heinrich Himmler (1900-1945) war z.B. vom Atlantis-Mythos besessen und beschäftigte sich ebenso mit den Vimanas aus der indischen Mahabharata.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass es wahrscheinlich keine Vril-Gesellschaft gab, allerdings sehr wohl theosophische Zirkel, die von der Existenz einer Vril-Kraft überzeugt waren. Was das Thema Reichflugscheiben angeht, gab es wohl ebenfalls eher UFO-begeisterte Okkultisten als tatsächlich funktionierende Naziraumgleiter. Und mal ehrlich, wenn die Deutschen diese Technologie besessen hätten, sähe die Welt heute ganz anders aus.

Was rechtsesoterische Verschwörungstheoretiker wie Jan Udo Holey, Reiner Feistle und Jo Conrad verbreiten, sind theosophische Irrlehren, die obendrein das 3. Reich verherrlichen. Mit diesem ha(u)nebüchenen Unsinn lassen sich maximal ein paar enttäuschte Neonazis begeistern, die immer noch darauf hoffen, dass ihr Führer irgendwann mit einer Flugscheibenflotte auftaucht, um das Reich wiederaufzubauen. Na da können sie lange warten, denn Hitler wird weder sein Versteck in der Antarktis, der hohlen Erde oder auf dem Aldebaran je verlassen.

Alienleiche ist ein Mensch

Dr. Steven Greer, der Anfang des Jahrtausends mit dem Disclosure Project weltbekannt wurde, ist unlängst in die Esoterikecke abgedriftet. Es sind jedoch nicht nur seine Behauptungen über freundliche Raumbrüder, welche in völliger Ignoranz gegenüber negativen UFO-Begegnungen Greers Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen. Zu seinen Geldgebern gehören außerdem die Rockefellers, welche sich schon lange für die UFO-Thematik interessieren.

Den Gipfel der Unglaubwürdigkeit hat Greer nunmehr mit seinem letzten Werk „Sirius“ erreicht. In diesem wirbt er mit einer angeblichen Alienleiche, welche 2003 in der Atacamawüste entdeckt wurde. Über Umwege gelangte sie nach Barcelona, wo sie schließlich von Greer entdeckt wurde. Bei dem „ATA“ getauften Wesen handelt es sich tatsächlich um ein echtes Skelett, welches auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich wirkt. DNS-Tests haben jedoch erwiesen, dass es sich um menschliches Erbgut handelt und die Mutter chilenischer Herkunft sein muss. Das winzige Skelett ist nicht einmal besonders alt und die Deformierungen rühren möglicherweise von einer illegalen Abtreibung her.

Das wirklich Perfide bei Greers Umgang mit dem Leichnam ist die Tatsache, dass die Doku „Sirius“ zum selben Schluss gelangt, der Trailer jedoch suggeriert, dass es sich bei ATA um einen Außerirdischen handelt. Das Ganze ist also nicht mehr als eine gezielte PR-Kampagne, um einen relativ unspektakulären Film besser zu verkaufen. Steven Greer geht es inzwischen nur noch um Profit, der Respekt vor den Toten bleibt dabei auf der Strecke.

Wesentlich interessanter sind da schon die Recherchen des 2013 verstorbenen Lloyd Pye zum Starchild-Schädel.