Die Kabbala und der Weltenbaum – Jüdische versus okkulte Mystik

von Shinzon

Die Kabbala (auch Kabbalah) ist ursprünglich eine mystische Tradition des Judentums, welche ihre Wurzeln im Tanach hat. Das Wort bedeutet übersetzt so viel wie „Überlieferung“, was zunächst sehr allgemein zu verstehen war. Im 12. Jahrhundert kristallisierte sich schließlich eine religiöse Bedeutung heraus, der zufolge die Kabbala dem Streben nach einer unmittelbaren Beziehung zu Gott dient.

Das erste Buch, welches einen modernen kabbalistischen Text enthält, ist das 1180 fertig gestellte „Sefer ha-Bahir“. Es stellte lange Zeit die Hauptgrundlage der kabbalistischen Geheimlehre dar. Ende des 13. Jahrhunderts folgte dann der Zohar aus der Feder von Mosche de Leon (†1305), welcher kanonische Geltung erlangte und andere kabbalistische Schriften in den Hintergrund verdrängte. Der Zohar enthält, neben Auslegungen der Tora, vor allem Spekulationen über Zahlen und Buchstaben als Fundamente der Welt.

Im Mittelalter bildeten sich darüber hinaus einige kabbalistische Zentren, darunter der Chassidismus im Rheinland und die prophetische Kabbala in Spanien. Im 14. Jahrhundert verbreitete sich die Kabbala von Nordspanien aus über ganz Europa. Im 15. Jahrhundert spaltete sich schließlich sogar eine christliche Kabbala ab, deren wichtigster Vertreter Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) war.

Die christliche Kabbala wurde mitunter genutzt, um Juden zum Christentum zu konvertieren. Auf der anderen Seite wurde die Kabbala als göttliche Wahrheit verstanden, wodurch einige jüdische Bücher vor der Verbrennung gerettet werden konnten, da ihnen kabbalistische Inhalte zugesprochen wurden. Nichtsdestotrotz waren die christlichen Kabbalisten verständlicherweise eher an einer christlichen Auslegung sowie der Suche nach griechischer Philosophie interessiert.

Symbolisiert wird die Kabbala durch den Weltenbaum (hebr. Sephiroth), welcher die zehn göttlichen Emanationen umfasst. Diese werden als Sphären dargestellt, wobei das aus dem griechischen stammende Wort „Sphäre“ laut kabbalistischer Deutung von dem hebräischen „Sephira“ abstammen soll. „Sephira“ bedeutet wiederum „Ziffer“, womit im Sephiroth bereits die kabbalistische Zahlenmystik angedeutet wird.

Kabbala

Der Welten- oder Lebensbaum spiegelt die göttliche Schöpfung wider, wobei die Sephiroth Gegensatzpaare bilden, die in der mittleren Achse einen Ausgleich erfahren. Laut Auslegung des Rabbiners und Kabbalisten Isaak Luria (1534-1572) bilden die Sephiroth in ihrer Gesamtheit zudem den „himmlischen Menschen“ ab.

Interessanterweise gibt es auch in der nordischen Mythologie einen Weltenbaum, der ganz ähnlich aussieht, allerdings nur 9 statt 10 Sphären enthält. Die 9 Sphären des nordischen Weltenbaums Yggdrasil stehen für die jeweils 3 Welten von Asgard, Midgard und Utgard. Wie bei den jüdischen Sephiroth stellt auch der nordische Welten- oder Lebensbaum eine göttliche Ordnung dar.

Weltenbaum

Bei den Wurzeln des nordischen Weltbaums findet sich indes die Schlange Nidhöggr, welche der Mythologie zufolge die Toten peinigt. Dies deckt sich mit anderen europäischen Legenden von Drachen, die in Höhlen hausen. Nach prä-astronautischer Lesart könnten diese Legenden eine Anspielung auf im Untergrund lebende Reptiloide sein. Die Unterwelt wäre demnach im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle unter Erden.

Doch zurück zum Weltenbaum bzw. Baum des Lebens. Dieser findet sich nicht nur in der jüdischen Kabbala sowie der nordischen Mythologie. Es gibt ihn auch bei den antiken Sumerern, Babyloniern, Griechen (Baum der Hesperiden), Persern (Simurgh-Baum) und sogar bei den Maya (Wacah Chan und Yax Cheel Cab). Bis heute wird der Baum des Lebens zudem in Indien (Asvattha-Baum) und im Islam (Tūbā) verehrt. Es handelt sich also um eine weltweit verbreitete Symbolik, welche auf eine untergegangene globale Hochzivilisation zurückzuführen sein könnte.

Das alles ist zwar hochinteressant, hat jedoch bis hier hin wenig mit dem Okkultismus zu tun. Nun findet man die Kabbala sowie den Weltenbaum aber häufig in der modernen Pop-Okkultur wieder. Unter anderem zeigt eine Karte des Tarot die Sephiroth, was häufig zu Missverständnissen führt. Schnell werden dabei vor allem den Juden finstere Absichten unterstellt, obwohl diese gar nichts mit der okkulten Auslegung der Kabbala zu tun haben.

Man darf nicht vergessen, dass Juden und Christen in der Kabbala ein Werkzeug sehen, mit dem sie eine Beziehung zu Gott aufbauen. Die esoterisch-okkulte Kabbala stellt die absolute Antithese dazu dar. Im Gegensatz zur jüdischen und christlichen Kabbala vertritt die hermetische Qabalah einen universellen Ansatz. Mit anderen Worten klammert sie Gott aus und legt ihren Schwerpunkt auf Magie. Dabei bedienen sich hermetische Kabbalisten esoterischer Hilfsmittel wie Tarot-Karten, Astrologie und Numerologie.

Die Sephiroth zwischen Jachin und Boas

Die Sephiroth zwischen Jachin und Boas

Ähnlich wie diese Hilfsmittel wird auch die Kabbala im Okkultismus benutzt, um die Zukunft vorherzusagen. So war z.B. der berühmte Hellseher Michel de Nostradame ein Kabbalist. Zwar könnte die Zukunft in der Tat mathematisch berechnet werden, da alles im Universum auf dem Prinzip Aktion-Reaktion basiert, doch die okkulte Kabbala vertritt keinen wissenschaftlichen, sondern einen rein magischen Ansatz.

Die Anfänge der hermetischen Kabbala liegen bei den Okkultisten Robert Fludd (1574-1637) und John Dee (1527-1608). Einige Historiker sehen in der okkulten Philosophie sogar eine Triebfeder der Renaissance, in welcher viele antike Lehren und Stile ihre Wiedergeburt feierten. Ihre Blütezeit erreichte die hermetische Kabbala schließlich im 18. und 19. Jahrhundert, wo sie u.a. Einzug in die Theosophie und den Geheimbund „Hermetic Order of the Golden Dawn“ fand. Angesichts dessen wird der okkulten Kabbala sogar von offizieller Seite eine antichristliche Ausrichtung attestiert. Allerdings entwickelte sich diese Ausrichtung wohl nicht erst im 18. und 19. Jahrhundert, sondern lag schon immer in der Natur okkulter Praktiken.

Im Okkultismus ist es außerdem üblich, die Wahrheit zu verzerren. Es verwundert daher nicht, dass Autoren wie der französische Schöpfer des modernen Baphomet, Éliphas Lévi (1810-1875), die kabbalistischen Lehren nur verfälscht wiedergaben. Dem amerikanischen Okkultisten Arthur Edward Waite (1857-1942) wird dagegen zwar nachgesagt, er hätte sich um eine korrekte Darstellung der Kabbala bemüht, doch konnte er weder Hebräisch noch Aramäisch. Daher übernahm er sämtliche Fehler aus Jean de Paulys Zohar-Übersetzung. Waites daraus resultierendes Werk „The Secret Doctrine in Israel“ dürfe ebenfalls für einige Missverständnisse verantwortlich sein, welche die Judenfeindlichkeit in Bezug auf die okkulte Kabbala befeuert haben.

Aus der hermetischen Kabbala entwickelte sich im 20. Jahrhundert die so genannte „Hollywood-Kabbala“. Diese geht auf Philip Bergs Kabbalah Centre zurück, welches 1969 in Tel Aviv gegründet wurde und inzwischen weltweit 40 Filialen hat. Philip Berg (1929-2013), dessen eigentlicher Name Feivel Gruberger lautete, war tatsächlich Jude. Er vertrat jedoch eine esoterische Auslegung der Kabbala, in welcher er auch Nichtjuden unterrichtete. Unter Rabbinern und jüdischen Kabbalisten ist Berg daher sehr umstritten.

Einige Kritiker sehen in Bergs New Age-Kabbala, welche er ab seinem Umzug nach Los Angeles in den 1990ern in Hollywood verbreitete, sogar die Antithese zur jüdischen Kabbala. Kein Wunder also, dass sie bei den Stars der Pop-Okkultur so beliebt ist. Zu ihren Anhängern zählen u.a. Madonna und Britney Spears – beide Nichtjüdinnen.

Die heutige Hollywood-Kabbala steht absolut in der Tradition der hermetischen Auslegung, welche sich in der freimaurerischen Gnosis, der Theosophie und dem Satanismus wieder findet. Wenn sich dementsprechend Stars als Kabbalisten outen, so hat dies rein gar nichts mit dem Judentum oder Christentum zu tun. Die Rolle von Philip Berg ist bei alledem sehr zweifelhaft. War er nur ein mieser Geschäftemacher, der den Okkultisten in Hollywood gelegen kam, oder war er selbst zum Okkultismus konvertiert und verbreitete absichtlich eine verzerrte New Age-Version der Kabbala?

Know1ng – Prophetische Zahlenmystik

von Shinzon

Mit „Know1ng“ wagt sich Alex Proyas, der bereits den Mind Control-Film „Dark City“ drehte, an das Thema Numerologie heran. Wie alle seine Filme ist auch dieser bildgewaltig und spannend erzählt. In Bezug auf okkulte Symbolik ist „Know1ng“ allerdings das wohl bedeutendste Werk von Proyas. Als solches beginnt es auch gleich mit etwas Numerologie.

Zahlencode Vorspann 33

Vor dem eigentlichen Vorspann startet der Film mit einer Szene 50 Jahre in der Vergangenheit. Ein kleines Schulmädchen namens Lucinda Embry (Lara Robinson) hört unheimliche Stimmen, die ihr unentwegt zuflüstern. Als Lucindas Idee, zur Einweihung der Schule eine Zeitkapsel zu vergraben, ausgewählt wird, sollen die Schüler ihre Zukunftsvisionen zu Papier bringen. Doch während alle Kinder Bilder malen, schreibt Lucinda endlos lange Zahlenkolonnen. Selbst nachdem die Zeitkapsel bereits vergraben ist, kann Lucinda nicht von ihrem Werk ablassen und ritzt mit ihren Fingernägeln weitere Zahlen in eine Tür, bis die Finger bluten.

Zunächst haben wir es hier mit einem Channeling zu tun. Lucinda erhält telepathische Informationen, die sie zwanghaft zu Papier bringen muss. Man nennt diese Form des Channeling auch automatisches Schreiben. Des Weiteren fällt der Name des Mädchens auf. Namen wie Lucius, Lucy und Lucinda werden von Okkultisten gerne als Synonym für Lucifer genommen. Es geht hier also um ein vom Teufel besessenes Kind, welches durch okkulte Praktiken Informationen über die Zukunft erhält.

Automatisches Schreiben Lucinda

Um was für Informationen es sich handelt, wird 50 Jahre später der Astrophysik-Professor Jonathan Koestler (Nicolas Cage) herausfinden. Sein Sohn Caleb (Chandler Canterbury), dem er gleich nach dem Vorspann ausgerechnet den Planeten Saturn zeigt, geht nämlich auf dieselbe Schule wie Lucinda. Als die Zeitkapsel, welche sich passenderweise unter einem achtzackigen Ištar-Stern befindet, ausgegraben wird und die Briefe der Kinder von damals an die Schüler verteilt werden, erhält Caleb ausgerechnet Lucindas Zahlenkolonnen.

Ištar-Sternkapsel

Zu Beginn lehrt Prof. Koestler seine Studenten noch den Unterschied zwischen Zufall und Determinismus. Schon bald wird er ein Anhänger des Letzteren werden. Sein Sohn vermutet bereits, dass es sich bei Lucindas Vermächtnis um ein Zahlenrätsel handeln könnte. Als Jonathan aus Versehen ein übergelaufenes Glas Whisky auf dem Zettel abstellt, werden einige Zahlen eingekreist, die sein Interesse erregen. Darunter wie vorherbestimmt das Datum und die Opferzahlen der 9/11-Anschläge von 2001. Eine bitterböse Anspielung darauf, dass Hollywood die Anschläge mehrfach unterschwellig angekündigt hatte.

911 Angaben

Schnell findet Prof. Koestler heraus, dass auch die anderen Zahlen im Zusammenhang mit großen Katastrophen stehen, die Lucinda präzise vorausgesagt hat. Unter den Angaben befinden sich auch jene des Hotelbrandes, bei dem Jonathans Frau umgekommen ist. Hätte er die Prophezeiungen eher erhalten, hätte er sie vielleicht retten können.

Jonathans Entdeckung löst bei seinen Mitmenschen natürlich sofort Ablehnung aus. Sein Kollege am MIT-Observatorium meint, dass sich seine Theorie wahnsinnig anhört und verweist auf nicht umrandete Zahlen, die offenbar keine Bedeutung haben. Also doch alles nur Zufall? Jonathans Kollege nennt einige Systeme, die nach Bedeutung in Zahlen suchen, darunter die Kabbala und den Pythagoras-Kult. Im Film geht es um nichts anderes, als diesen Systemen Recht zu geben und damit okkulte Numerologie zu propagieren.

Prof. Koestler gibt die Suche nach Antworten nicht auf und sucht Lucindas alte Lehrerin (Alethea McGrath) im Altenheim auf. Hier findet sich wieder Numerologie nebst okkulter Symbolik, denn die alte Dame wohnt im Zimmer Nr. 6 und schielt zunächst mit dem linken (Horus-)Auge aus dem Türspalt.

Zimmer 6

Wirklich viel erfährt Jonathan nicht von Mrs. Taylor. Außer, dass Lucinda sich in einer Kammer unter der Sporthalle versteckt und dort Zahlen in die Tür geritzt hat. Inzwischen ist sie jedoch verstorben, womit diese Spur im wahrsten Sinne des Wortes tot ist.

Wieder daheim, versucht er über die Schule an weitere Informationen zu bekommen, während sein Sohn von den unheimlichen Flüstermenschen heimgesucht wird. Diese sehen aus wie die berüchtigten Nordic-Aliens (groß und blond) und treten wie Men in Black auf. Tatsächlich gibt es einige Zeugenberichte, in welchen die Man in Black als „seltsam“ und sogar „außerirdisch“ beschrieben werden. Interessant, dass der Film solche Vorwälle aufgreift. In jedem Falle sind die Flüstermenschen extrem gruslig und verfolgen den kleinen Caleb bereits seit dem Heben der Zeitkapsel. In der Nähe der Schule trat eines dieser Wesen wohl nicht zufällig neben zwei roten Pentagrammen auf.

Flüstermensch Pentagramme

Bei ihrem zweiten Auftritt überreichen sie Caleb einen schwarzen Stein. Sein Vater warnt ihn daraufhin, sich keinen Fremden anzuvertrauen. Nicht nur, weil Pädophile genau auf diese Weise – mit kleinen Geschenken – vorgehen. Diese Wesen sind noch eine Spur unheimlicher.

Flüsterstein

In der folgenden Nacht durchforstet Jonathan die Nachrichten. Dabei fällt eine Meldung auf, in der es um eine havarierte Bohrinsel im Golf von Mexiko geht. Man bedenke: Der Film ist von 2009 und ein Jahr später kam es zur Katastrophe auf der Deep Water Horizon, welche im Golf von Mexiko liegt. Bei einem Film, der sich mit Numerologie und der Vorhersage von Katastrophen beschäftigt, mag man hier nicht mehr an Zufälle glauben. Sehr wahrscheinlich war das „Unglück“ auf der Deep Water Horizon genauso ein inszeniertes Ritual wie die 9/11-Anschläge. Zumal letztere im Film ja ebenfalls rückwirkend angekündigt werden.

Deep Water Horizon Ankündigung

Die Prophezeiungen erfüllen dabei weniger einen göttlichen Plan, als viel mehr einen diabolischen. Als die Meldung über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beginnt, ist es gerade exakt Mitternacht und Jonathan greift zu Lucindas Zahlenkolonnen. Dabei wird ganz gezielt eine 666 in die Bildmitte platziert. Wer da noch von Zufällen spricht, der hat einfach nicht kapiert, welche Mächte in Hollywood das Sagen haben.

666 Code

Die Stunden vor der Glotze rasen dahin und die nächste Überleitung beginnt wieder mit etwas Numerologie. Die Uhr springt auf 3:29 Uhr. 2+9 gibt 11 und das mal 3 macht 33.

3 Uhr 29

Die 33 findet sich auch schon zu Beginn des Films sowie mehrfach auf Lucindas Niederschrift wieder. Ganz prominent steht sie sogar am Ende der Prophezeiungen und gibt die letzte Opferzahl an.

33 EE

Am nächsten Tag verpennt Jonathan erwartungsgemäß und verpasst es fast, seinen Sohn von der Schule abzuholen. Während Caleb warten muss, steckt sein Vater im Stau fest. Ein Blick auf sein Navi verrät ihm, was es mit den scheinbar bedeutungslosen Zahlen auf sich hat. Es sind Koordinaten und er steht auf exakt auf denen, wo die nächste Katastrophe stattfinden soll.

Der Unfall, der den Stau verursacht hat, ist schon mal nicht gemeint, denn dabei gab es nur Verletzte. Doch kaum grübelt Jonathan darüber nach, was nun geschehen könnte, stürzt vor seiner Nase ein Flugzeug ab. Die Menschen kommen dabei auf besonders grausame Weise ums Leben, indem sie im Kerosinfeuer verbrennen. Wenn man diese Szene zum ersten Mal im Kino sieht, stockt einem der Atem, doch dieses Entsetzen ist wohl gewollt.

Flugzeugabsturz

Flammenopfer

Jonathans Eingreifen führt bei alledem genau zu den Opferzahlen, die Lucinda aufgeschrieben hat. Allen, die er retten kann, war es vorherbestimmt, zu überleben. Genauso wie es vorherbestimmt war, dass er das Rätsel löst und exakt so handelt. Doch wenn man die Katastrophen nicht verhindern kann, warum wurden Lucinda dann die entsprechenden Daten gechannelt? Nur damit ein Mensch begreift, dass eh alles sinnlos ist? Die Theorie der Parallelwelten, nach der jede Entscheidung ein Paralleluniversum entstehen lässt, hat in diesem Film jedenfalls keinen Platz.

In der darauf folgenden Nacht spricht Jonathan noch einmal mit seinem Arbeitskollegen, der total überrascht ist, dass die Prophezeiung eingetreten ist und die scheinbar unbedeutenden Zahlen ein sehr exakte Bedeutung haben. Während Jonathan einfach nur noch schlafen will, haben die Flüstermenschen mit seinem Sohn etwas anderes vor. Sie dringen in sein Zimmer ein und zeigen ihm apokalyptische Bilder von einer brennenden Erde. Also genau das, was kleine Kinder vor dem Schlafengehen sehen sollten.

Diese Szene ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum einen dürften wohl inzwischen alle darauf gekommen sein, dass die Flüstermenschen tatsächlich Aliens sind. Bei den Nordics handelt es sich laut Zeugenaussagen um Hybriden, die von den Grey gezüchtet werden. Die Grey sind wiederum dafür bekannt, dass sie ihre Opfer bereits im Kindesalter auswählen und nachts im Schlafzimmer heimsuchen. Nicht immer werden die Opfer dabei entführt. Handelt es sich nur um einen nächtlichen Besuch, sprechen die Betroffenen von einem „Bedroom Visitor“, also einem Schlafzimmerbesucher.

Bedroom Visitor

Über das Zeigen von apokalyptischen Bildern gibt es ebenfalls unzählige Zeugenaussagen. Der rote Himmel spielt dabei immer wieder eine zentrale Rolle und kündet laut Berichten von UFO-Entführungsopfern von einem katastrophalen Ereignis in der Zukunft. Es liegt nahe, dass sich Alex Proyas eingehender mit der Materie befasst hat. Entweder das, oder er ist möglicherweise selbst ein Betroffener. Auf jeden Fall kann diese Darstellung in einem solchen Zusammenhang kein Zufall sein.

Weltenbrandvision

Die Flüstermenschen sind allerdings eine Spur grausamer, als die Grey in der Realität. Sie zeigen Caleb nämlich nicht nur das Ende der Welt, sondern auch eine Herde bei lebendigem Leibe brennender Tiere. Welchem Zweck dient diese telepathisch übermittelte Vision, außer der Traumatisierung eines kleinen Kindes? Diese Szene ist einfach nur unnötig grausam und verschärft den dämonischen Eindruck, den die Flüstermenschen ohnehin schon hinterlassen.

Grillparty

Den nächsten Tag nutzt Jonathan, um Lucindas Tochter Diana Wayland (Rose Byrne) zu stalken. Da er sich von ihr mehr Informationen erhofft, arrangiert er ein Treffen im Naturkundemuseum. Dazu schickt er seinen Sohn Caleb vor, sich zu Dianas Tochter Abby (Lara Robinson) zu gesellen. Für sein Stalking erhält er selbstverständlich die entsprechende Quittung und Diana sucht das Weite, nachdem er sie auf seine Mutter und deren Prophezeiungen angesprochen hat.

Es braucht eine weitere Katastrophe, um auch sie zu überzeugen. Diese soll sich schon am nächsten Tag in New York ereignen. Da die Regierung gerade die Terrorwarnstufe erhöht hat, vermutet Prof. Koestler, dass es sich um einen Anschlag handeln wird. Abermals versucht er, Menschenleben zu retten. Er ruft bei der Polizei an und fährt am nächsten Tag persönlich zum Ort der Katastrophe. Und abermals versagt er bei seinem Vorhaben. Die geretteten Menschen ändern nichts an der prophezeiten Opferzahl.

Zudem handelt es sich um keinen Anschlag, sondern um ein U-Bahn-Unglück, welches in gewohnt drastischer Weise dargestellt wird. Bei genauem Hinhören kann man hier an einer Stelle den berühmten Wilhelmsschrei erkennen. Und bei genauem Hinsehen hat einer der Unglückzüge die teuflische Nr. 6.

U-Bahn 6

In den Abendnachrichten wird schließlich eine Parallele gezogen, auf die Prof. Koestler als Astrophysiker seltsamerweise nicht gekommen ist. Sowohl der Flugzeugabsturz als auch das U-Bahnunglück stehen in Zusammenhang mit der gesteigerten Sonnenaktivität. Wer genau aufgepasst hat, wird bereits bemerkt haben, dass der Film im Oktober spielt und in den Wetterberichten immer wieder von einem ungewöhnlich heißen Sommer die Rede ist. Der Film gibt damit nicht nur zu, dass der Klimawandel von der Sonne ausgeht, sondern kündigt bereits die finale Katastrophe an.

Deren Code hat Jonathan nicht ganz korrekt entschlüsselt, aber dafür erhält er unerwartete Hilfe von Diana Wayland, die abends vor seiner Haustür wartet. Unerwartet ist dabei nicht unbedingt, dass sie nach dem Eintreten der angekündigten Katastrophe dem ihr unbekannten Stalker Recht gibt. Viel mehr stellt sich die Frage, woher sie weiß, wo Prof. Koestler wohnt? Er hat ihr nämlich gar nicht seine Adresse gegeben. Er hat ihr nur erzählt, dass er am MIT arbeitet und auf welche Schule sein Sohn geht.

Jedenfalls ist Diana nunmehr bereit, mit Jonathan zur Hütte ihrer Mutter zu fahren. Nach den letzten Ereignissen ist sie nämlich besorgt, dass die letzte Katastrophe, bei der 33 Menschen sterben sollen, auch sie erwischen wird. Diese Sorge ist nicht unbegründet, denn ihre Mutter hat ihr immer wieder erzählt, dass das entsprechende Datum ihr Todestag sein wird. Es ist daher auch nahe liegend, dass sie ihre Hand ständig am Hals hält, um sich zu beruhigen. Ob in den folgenden Szenen die Freimaurergeste gemeint ist, bleibt also fraglich.

Dianas Hand am Hals

Bereits vor dem Haus ihrer Mutter fällt Diana auf, dass die letzte Zahl eigentlich keine 33 ist. Lucinda hat öfter Dinge verkehrt herum geschrieben, womit aus der 33 ein EE wird. Zu dem automatischen Schreiben und der Numerologie gesellen sich nun also noch Rückwärtsbotschaften – mehr Okkultismus geht nicht! Doch was bedeutet „EE“? Die Antwort findet Jonathan unter Lucindas altem Bett, wo sie mehrfach die Worte „Everyone Else“ (deutsch: alle anderen) eingeritzt hat.

Everyone Else

Es werden also in zwei Tagen alle Menschen ausnahmslos sterben. Das erklärt, warum Lucida keine weiteren Ereignisse prophezeit hat. Ebenso macht es Sinn, dass sie für das letzte Ereignis keine Koordinaten aufgeschrieben hat, weil es sich um eine globale Katastrophe handeln wird. Man muss auch nicht lange raten, um darauf zu kommen, dass hier wieder ein Zusammenhang mit der Sonnenaktivität besteht.

Während Diana und Jonathan diese Entdeckung machen, werden ihre Kinder im Auto einmal mehr von den Flüstermenschen bedrängt. Über diese gibt es in Lucindas Hütte auch einen kleinen Hinweis. Zwischen all den Katastrophenmeldungen hängt ein Bild von Hesekiels Begegnung mit einem UFO, neben dem das Biest der Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes zu sehen ist. Erich von Däniken trifft auf Endzeit-Prophetie.

Hesekiel

Biest

Nachdem Caleb die Flüstermenschen mit einem Hieb auf die Autohupe vertrieben hat, heftet sich Jonathan an deren Fersen. Es gelingt ihm, eine der Schauergestalten auf einer Waldlichtung zu stellen, doch das Wesen blendet ihn mit einem Lichtstrahl aus seinem Mund. Damit dürfte dann wohl klar sein, dass die physische Erscheinung der Fremden nur eine Maske ist, hinter der sich etwas weitaus Unheimlicheres, Extradimensionales verbirgt.

Mundlampe

Zurück im Haus des Professors gesteht Diana, dass ihre Tochter ebenfalls schon seit Tagen von den Men in Black verfolgt wird. Abby ist es auch, die den Astrophysiker darauf hinweisen muss, dass die Sonne der Auslöser der Katastrophen sein wird und bereits mit den alten biblischen Prophezeiungen in Zusammenhang steht. Offensichtlich hat der Professor sein Fach verfehlt, wenn ihm das erst so spät bewusst wird. Dem aufmerksamen Zuschauer wird dagegen ziemlich schnell bewusst, dass hier wieder einmal mit der Symbolik des allsehenden Auges gespielt wird.

Sonniges Auge des Ra

Zusammen fahren die vier ins Sternenobservatorium, wo Jonathan seinen Kollegen vor einer kommenden Supersonneneruption warnt. An dieser Stelle fragt sich der Professor völlig zu recht, warum er die Prophezeiung überhaupt bekommen hat, wenn er die Katastrophe ohnehin nicht verhindern kann. Die extradimensionalen Besucher spielen offensichtlich nur mit den Menschen. Es muss ihnen direkt Vergnügen bereiten, die Menschen vor ihrem Tod in Panik zu versetzen, indem sie sie auf das nahende Ende hinweisen.

Das Ende an sich ist dabei nicht einmal völlig aus der Luft gegriffen. Eine Supersonneneruption ist keineswegs unmöglich, müsste aber schon direkt in Richtung Erde zielen, um Schaden anzurichten. Die meisten großen Eruptionen verfehlen die Erde. Dennoch scheint die herrschende Elite genügend besorgt zu sein, um schon seit Jahrzehnten große unterirdische Städte zu errichten – so genannte DUMBs (Deep Underground Military Bases). Ob diese etwas nützen würden, wenn die Erde tatsächlich von einer Supereruption getroffen wird, bleibt allerdings fraglich. Jonathan erzählt Diana jedenfalls nur von den Höhlen, um sie zu beruhigen.

Eine ähnliche Empfehlung gibt später auch die Regierung ab. Nur Jonathans Vater begegnet dem nahenden Weltuntergang mit Gelassenheit. Als Pfaffe ist er bereit, dem Tod ins Auge zu sehen, wenn sein Herr ihn ruft. Immerhin kann Jonathan noch seinen Frieden mit ihm schließen, bevor die Telefonverbindung aufgrund der starken Sonnenstrahlung abbricht. Kurz darauf will er zusammen mit Diana und den Kindern aufbrechen, doch Caleb ist gerade mit automatischem Schreiben beschäftigt. Daten für zukünftige Katastrophen machen jedoch nur Sinn, wenn einige Menschen überleben.

Jedenfalls liegen bei diesem okkulten Hokuspokus wieder einmal eine Pyramide und eine Handvoll Kuben auf dem Tisch und auf und an der Stuhllehne findet sich ein Rad des Lebens. Hinzu kommt die Figur eines Tyrannosaurus Rex, was wohl ein versteckter Hinweis darauf sein soll, dass die gechannelten Botschaften in Wahrheit von Reptiloiden stammen.

Automatisches Schreiben Caleb

Statt sich nun schleunigst auf den Weg zu den Höhlen zu machen, fährt Jonathan noch einmal zur Schule und klaut die Tür, in die Lucinda vor 50 Jahren Zahlen eingeritzt hat. Und siehe da, sie hat doch Koordinaten angegeben. Allerdings nicht die Koordinaten der Katastrophe, sondern die für einen Abholpunkt. Während Koestler daheim nach den Zahlen sucht, schnappt sich Diana die Kinder und fährt los.

Als sie an einer Tankstelle hält, entführen die Flüstermenschen Caleb und Abby mit Dianas Auto. Während der anschließenden Verfolgungsjagd wird Dianas geklautes Fahrzeug von einem LKW erfasst und sie stirbt Punkt 12 Uhr, also am nächsten Tag, den ihr ihre Mutter als Todestag prophezeit hat. Wieder jemand, den Jonathan nicht retten konnte.

Immerhin werden aber Abby und Caleb von den Flüstermenschen abgeholt. Wie sich zeigt, hatte er mit Lucindas Koordinaten Recht und ein Raumschiff senkt sich herab. Dieses besteht aus sich drehenden Rädern innerhalb von Rädern, wie es im Buch Hesekiel beschrieben wird.

Himmelswagen

Was nun folgt, ist die Entrückung der Unschuldigen vor der Apokalypse, wie sie in der Bibel beschrieben wird. Nun, vielleicht nicht ganz so, da hier die Prä-Astronautik bedient wird. Zudem nehmen die Flüstermenschen nur Kinder mit, während sie deren Eltern eiskalt verrecken lassen – gleichgültig wie gut diese sind. Das ist nicht das Verhalten von wohlwollenden Außerirdischen und erst recht nicht das von Engeln, als welche die Flüstermenschen sich am Ende zeigen.

Gefallene Lichtengel_1

Gefallene Lichtengel_2

Sie lassen ihre humanoiden Hüllen fallen und verwandeln sich in schemenhafte Wesen aus reiner Energie. Derartige Verwandlungskünste werden eher Dämonen nachgesagt, womit diese Gruselfiguren maximal gefallene Engel sein können. Das wäre zumindest die religiöse Sichtweise. Realistisch betrachtet erinnern die Flüstermenschen nach wie vor an die Grey bzw. deren Hybriden. Das würde auch erklären, warum sie nur an Kindern interessiert sind. Sie wollen eine neue Menschheit aussäen, deren Entwicklung sie kontrollieren können. Wir sind nichts weiter als Vieh für sie.

Und so wie die Grey in der Realität keine Rücksicht auf unsere Gefühle nehmen, verfahren auch die Flüstermenschen in „Know1ng“ mit Caleb und seinem Vater. Der Junge und das Mädchen dürfen mit, Daddy und Mami müssen sterben. Lediglich zwei Kaninchen dürfen die beiden Kids mitnehmen, was wiederum nur aus symbolischer Sicht Sinn macht. Denn eine solche Spezies auf einem fremden Planeten auszusetzen, würde eine ökologische Katastrophe heraufbeschwören. Australien kann ein Liedchen davon singen. Nein, der wahre Grund für diese Geste ist kein Mitleid mit den niedlichen Tierchen. Die Botschaft dahinter lautet, dass die Kinder dem weißen Kaninchen ins Wunderland folgen.

Weiße Kaninchen

Während Jonathan weinend am Boden zusammenbricht und seine letzte Nacht im Freien verbringt, werden die Kinder entrückt. Allerdings nicht nur Abby und Caleb. Weltweit steigen die Kristallraumschiffe der gefallenen Engel auf und fliegen mit Warpgeschwindigkeit davon.

Entrückung

Am nächsten Morgen entschließt sich Jonathan, die letzten Stunden bei seinen Eltern und seiner Schwester zu verbringen. Die Tür seines Elternhauses ist ironischerweise mit Sonnensymbolen verziert. Gleiches gilt für die Inneneinrichtung. Die Anbetung dieses Sterns dürfte den Menschen inzwischen jedoch vergangen sein.

Sonnensymbole Pfaffenbude_1

Sonnensymbole Pfaffenbude_2

In den Straßen plündern die Leute derweil, als könnten sie noch etwas mit all dem weltlichen Krempel anfangen. Das Chaos bricht ganz stilgerecht zu klassischer Musik aus und kaum hat Jonathan den Frieden in den Armen seiner Familie gefunden, naht auch schon das Ende. Übrigens ist es wohl kaum ein Zufall, dass ausgerechnet schon wieder einmal New York in Flammen gezeigt wird – eine Stadt, die man in naher Zukunft offenbar meiden sollte.

Apokalypse New York_1

Apokalypse New York_2

Earth Inferno

Doch während die Erde stirbt, fangen Abby und Caleb eine neue Zeitrechnung auf einer neuen Welt an. Die beiden werden in einem Kornkreis abgesetzt und zuerst wird auf die weißen Kaninchen geblendet, damit auch der Letzte kapiert, dass die beiden im Wunderland angekommen sind.

Weiße Kornkreiskaninchen

Dominiert wird die Märchenlandschaft von einem Weltenbaum, der in einem Film über kabbalistische Zahlenmystik selbstverständlich nicht fehlen darf. Die beiden Kinder rennen auf den Baum zu und wenn sie nicht bei einer angekündigten Katastrophe gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Weltenbaum_2

Fazit: Auf den ersten Blick ist „Know1ng“ interessant, spannend und zuweilen auch schockierend. Als Weltuntergangsfilm funktioniert er prima und wartet mit einigen Überraschungen auf. Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch satanische Abgründe. Menschen und Tiere verbrennen bei lebendigem Leibe und in Armageddon wird kein Unterschied zwischen Gut und Böse gemacht.

Es mag sein, dass ein Teil der Menschheit es nicht anders verdient hätte. Ebenso wirkt die momentane Situation auf Erden ziemlich verfahren, sodass ein Neustart keine allzu schlechte Idee wäre. Doch die dargebotene Radikalkur ist einfach übertrieben. Die Flüstermenschen hätten durchaus mehr gute Seelen retten können. Ebenso hätten sie mit ihrer Technologie die Katastrophe verhindern und der Menschheit einen alternativen Weg zeigen können. Stattdessen pflanzen sie eine elternlose Generation auf einen neuen Planeten, nachdem sie ihnen die kulturellen Wurzeln abgerissen haben.

Zudem fragt man sich, warum sie den Menschen überhaupt die Zukunft offenbaren, wenn diese ihren freien Willen nicht nutzen können, um einen anderen Weg zu wählen? Es ist purer Sadismus, den Menschen ihren Tod vorauszusagen, sich dann hinzustellen und zu sagen: „Ätsch, ihr könnt eh nix daran ändern!“ Zudem übermitteln die extradimensionalen Wesen nur negative Informationen über grausame Gemetzel. Sie sagen nichts Positives voraus, so als bestünde das gesamte Leben nur aus Leid und Tod. Und genau darauf konzentriert sich auch der gesamte Film.

Ein Film über eine Supersonneneruption wäre dabei durchaus interessant gewesen. Die endzeitliche Katastrophe mit Prophetie zu vermengen und dem Buch der Offenbarung eine wissenschaftliche Betrachtungsweise abzuringen, wäre ebenfalls noch akzeptabel gewesen. Der ganze düstere Quatsch um die okkulte Kabbala, die sich obendrein auf gechannelte Botschaften stützt, zieht den Film jedoch stark ins Negative. Zugegeben, gerade diese Zahlenmystik ist es, die den Film zu einem spannenden Puzzle macht. Allerdings sollten sich die Zuschauer über die genaue Bedeutung der dargebotenen Symbolik im Klaren sein und das sind die meisten eben nicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von „Know1ng“ eine morbide Faszination ausgeht und er einen ähnlich anziehenden Effekt hat, wie die Prophezeiungen des Nostradamus. Der Film ist einerseits fesselnd, andererseits aber auch schockierend. Für das normale Publikum ist er sicherlich unterhaltsam, während die Wissenden genug Material für eine genauere Analyse erhalten.

Transformers 4 – Ära des Untergangs

von Shinzon

Nach der großen Invasion im dritten Teil der Transformers-Reihe schien diese eigentlich abgeschlossen zu sein. In gewisser Weise ist sie das auch, denn keiner der vertrauten Schauspieler ist im vierten Teil dabei. Selbst von den Autobots bleiben den Fans nur noch Optimus Prime und Bumblebee. Ansonsten ist alles anders … und doch irgendwie gleich. Denn Michael Bay führte wieder Regie, was viel Action und Krachbumm bedeutet.

Und natürlich Schleichwerbung.

Und natürlich Schleichwerbung.

Immerhin tritt diesmal das Militär etwas in den Hintergrund, welches die ersten drei Teile mit reichlich (Propaganda-)Material versorgte. An Stelle der US-Army rückt diesmal die CIA ins Zentrum der Handlung, kommt allerdings weit weniger gut davon. Denn statt die Welt von verbliebenen Decepticons zu säubern, lässt der US-Geheimdienst befreundete Autobots von Black Ops Kommandos abschlachten bzw. ausschlachten. Ziel ist dabei die Sicherung der technologischen Überlegenheit der USA. Undank ist dieser Welt Lohn.

Die menschen- und alienverachtende Rücksichtslosigkeit bekommt alsbald auch Cade Yeager (Mark Wahlberg) zu spüren. Als Erfinder ist er ständig auf der Suche nach Material für seine Basteleien. Dabei gerät er an einen alten Truck, den er wieder auf Vordermann bringen will. Wie es der Zufall will, handelt es sich bei dem zerschossenen Gefährt um Optimus Prime, der durch die Starthilfe zu neuem Leben erwacht. Das Ganze spielt sich in einer Scheune ab, an der ein gigantisches Pentagramm prangt. Neben Schrott scheint Cade auch okkulte Symbole auf seiner Ranch zu horten, deren Miete er kaum zahlen kann.

Pentagrammscheune

Kaum ist Optimus erwacht, bekommt Cades Kumpel und Geschäftspartner Lucas Flannery (J.T. Miller) Panik. Kein Wunder, denn Optimus schlägt ihn erst mal aus Versehen k.o., entschuldigt sich aber. Dennoch entschließt sich Lucas, die Notfallhotline für Aliensichtungen anzurufen, wobei er auf das leere Versprechen einer Belohnung in Höhe von 100.000 Dollar hereinfällt. Zwar geht die Regierung inzwischen offen mit der Existenz von Außerirdischen um, statt diese wie nach dem ersten Zwischenfall zu vertuschen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die CIA bei ihren schmutzigen Aktionen Zeugen braucht.

Alien Hotline

Die Black Ops Truppe von Harold Attinger (Kelsey Grammer) besetzt unter der Führung von James Savoy (Titus Welliver) die Ranch von Cade Yeager und verlangt die Herausgabe von Optimus. Als sie den Autobot nicht finden können und Cade seinen Standort nicht nennen kann, droht Savoy kurzerhand, dessen Tochter Tessa (Nicola Peltz) zu erschießen.

An dieser Stelle wird offensichtlich, dass die CIA sich alles herausnehmen kann. Es beginnt mit Landfriedensbruch und endet mit einer Morddrohung. Das entspricht bereits heute der Realität, wobei die Black Ops Kommandos vor allem im Ausland tätig sind und dort unbequeme Regierungen beseitigen und Menschen ermorden. Das Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung ist dank dem Patriot Act ebenfalls nichts Neues mehr, aber dennoch offenbart „Transformers 4“ ein ungewohnt brutales Vorgehen. Offensichtlich dient die zurückliegende Invasion als Rechtfertigung für den Einsatz von Todesschwadronen gegen aufmüpfige Bürger.

Selbstverständlich verhilft Optimus seinen Rettern sowie dem Verräter Lucas zur Flucht. Zusätzliche Hilfe erhalten sie von Tessas Freund Shane Dyson (Jack Reynor), der die drei mit seinem Auto abholt. Als Profirennfahrer meistert er die anschließende Verfolgungsjagd mit Bravour, kann Tessas Vater aber dennoch nicht überzeugen, die Beziehung zu dessen Tochter zu akzeptieren. Überhaupt ist Cade ein fürchterlicher Vater, der Tessa ständig gängelt und der 17-Jährigen jeden Kontakt zum männlichen Geschlecht untersagt. Dabei ist er nicht mal ein evangelikaler Fundamentalist.

Verfolgt werden die Vier indes nicht nur von dem Killerkommando der CIA, sondern auch von deren außerirdischen Verbündeten Lockdown. Dessen Mannschaft stellt, neben den Autobots und Decepticons, eine dritte Fraktion der Transformers dar. Während die Autobots blaue und die Decepticons dämonisch rote Augen haben, sind jene von Lockdowns Truppe zur besseren Unterscheidung grün.

Die dritte Transformers-Fraktion ist überdies in Besitz einer grässlichen Waffe, mit welcher die Schöpfer der Transformers bereits vor 65. Mio. Jahren die Dinosaurier ausgerottet haben. Die so genannte Saat verwandelt normale Materie in Transformium – ein Erz, aus welchem die formwandelnden Blechmänner bestehen. Warum deren Schöpfer zu diesem Zwecke die Dinos gekillt haben, bleibt allerdings fraglich. Die ganze Aktion ist ziemlich sinnlos, da sie auch die Materie eines toten Planeten hätten umwandeln können. Die Waffe auf Lucas abzufeuern macht da schon mehr Sinn. Immerhin ist er ein nerviger, überflüssiger Charakter, der sich dieses Ende selbst zuzuschreiben hat.

Das prähistorische Transformium, welches zu Beginn des Films in der Arktis entdeckt wird, nimmt derweil einen anderen Weg. Und zwar direkt zum Rüstungskonzern KSI, den Cade und die Autobots nach der geglückten Flucht infiltrieren. Das Logo des Konzerns ist übrigens eine Sonnenscheibe.

KSI Logo

Beim Einbruch ist ihnen eine erbeutete Minimilitärdrohne behilflich, welche stark an jene aus dem Egoshooter „Half Life 2“ erinnert. Warum die CIA die erbeutete Drohne und damit die Flüchtigen nicht orten konnte, sollte man allerdings lieber nicht hinterfragen. Das ist nur einer von vielen Filmfehlern.

Der größte Fehler ist jedoch, dass die KSI die Transformertechnologie verbessert und sich dabei auch der Decepticonwracks bedient. Es wird ziemlich schnell klar, dass diese Technologie sich gegen ihre Schöpfer wenden wird und so verlieren die KSI-Techniker bereits beim ersten Einsatz die Kontrolle über ihr Galvatron-Modell. In diesen hat sich nämlich Megatrons Bewusstsein herunter geladen, als dessen Kopf ausgeschlachtet wurde. Galvatron ist mit anderen Worten die Reinkarnation von Megatron.

Wirklich innovativ ist die Idee einer solchen Maschinenrebellion nicht. Zum einen gab es da schon die „Terminator“- und „Matrix“-Filme. Auf Nanotechnologie basierende Roboter, die sich gegen die Menschheit stellen, scheinen indes Hollywoods Thema des Jahres 2014 zu sein. Dem neuen „Transformers“-Streifen gingen bereits „Transcendence“ und „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ voraus. Will uns die Filmindustrie mit solchen Werken auf die kommende Nanotechnologie einstimmen? Wenn das Ergebnis ähnlich wie in diesen Filmen aussehen wird, sollten die Entwickler lieber die Finger davon lassen.

Für die KSI ist es jedenfalls zu spät. Sie haben Megatron nicht nur wieder belebt, sondern ihm gleich noch ein Upgrade verpasst. Er kann sich nun nach Belieben zusammensetzen, wodurch er für konventionelle Waffen nahezu unverwundbar wird. Doch noch ahnt der KSI-Chef und Milliardär Joshua Joyce (Stanley Tucci) nichts von der drohenden Gefahr. Nachdem die Autobots seine Firmenzentrale in Chicago überrannt haben, setzt er sich nach China ab, wo die Produktion offenbar weitaus günstiger fortgesetzt wird. (In der Realität kommen von dort auch die Actionfiguren zum Film her.)

Die Autobots schlagen sich indes noch mit Lockdown herum, der Optimus auf seinem Raumschiff gefangen genommen hat. Durch einen unglücklichen Zufall wurde auch das Auto mit an Bord gehoben, in welchem sich Cades Tochter Tessa während der Schlacht mit Galvatron auf der Autobahn verkrochen hatte. Daher gehen auch Cade und Shane mit an Bord. Zusammen mit den Autobots befreien sie die beiden Gefangenen und fliehen mit einem kleineren Beiboot, auf welchen sich auch Lockdowns Trophäen befinden. Diese werden später noch eine tragende Rolle spielen.

In Hong Kong bekommt Joshua Joyce erst einmal einen Anruf von Cade, der ihm von Erfinder zu Erfinder über Megatron aufklärt. Sowohl Megatron als auch Lockdown und dessen CIA-Verbündete wollen die Saat zünden, was einem Atomschlag gleichkommen würde. Joyce hatte zwar ähnliche Pläne, wollte diese jedoch in einem unbewohnten Abschnitt der Wüste Gobi umsetzen, um so das begehrte Transformium zu produzieren. Als er jedoch von der Absicht der Bösewichte erfährt, die Waffe in der Millionenstadt Hong Kong zu zünden, wechselt er schließlich die Seiten und versucht, die Saat aus der Stadt zu bringen.

Interessant ist an dieser Stelle, dass die CIA in der Realität tatsächlich in Hong Kong aktiv ist, um die Spaltung Chinas voranzutreiben. Verbindet man dies nun mit der Botschaft des Films, in dem die CIA einen quasi thermonuklearen Anschlag auf diese Metropole plant, sollte sich das Reich der Mitte wohl in Acht nehmen. Immerhin bereitet die US-geführte NATO derzeit einen Krieg gegen Russland und China vor und da hinterlassen Filme, die China als Kriegsschauplatz zeigen, einen bitteren Nachgeschmack.

Zumindest Hong Kong wird in „Transformers 4“ tatsächlich zum Schlachtfeld, als Autobots, Decepticons und Lockdowns dritte Fraktion aufeinander losgehen. Direkt unbedeutend wirkt daneben der zweite Showdown zwischen Cade Yeagers Familie und der CIA. Letztere will die unbequemen Zeugen immer noch aus dem Weg räumen, wobei Cade den sadistischen James Savoy verdienterweise dem Jenseits überantwortet. Der Hong Konger Fenstersturz ist einer der Höhepunkte des Films, in welchem offensichtlich jeder miese Bastard das bekommt, was er verdient.

Während die Menschen das Töten in Notwehr durchweg ernst nehmen, sieht die Sache bei den Autobots etwas anders aus. Diese rocken die ganze Zeit über platte Sprüche, über deren Niveau gerade eine Kellerwohnung frei geworden ist. Jedem Kind wären bessere Sprüche eingefallen als „Ich werde dich töten!“ Die Drehbuchautoren sollten sich was schämen.

Doch stattdessen geben sie noch einen drauf, indem sie Optimus die Trophäen von Lockdown befreien lassen. Nachdem diese sich vom Anführer der Autobots überzeugen lassen haben, gegen ihre Peiniger in die Schlacht zu ziehen, nehmen sie die Form von Dinosauriern an. Soll damit der Bogen zurück zum Beginn des Films gespannt werden? Es scheint eher so, als würde der Bogen damit überspannt.

Zumal der T-Rex, den Optimus reitet, Teufelshörner hat. Dies entspricht in keiner Weise dem biologischen Original. Da stellt sich die Frage, ob hier eine Verbindung zwischen außerirdischen Reptiloiden und Satan gezogen werden soll? Man denke in diesem Zusammenhang nur an Shockwave aus Teil 3, der ebenfalls mit Teufelshörnern und allsehendem Auge daher kam. Es geht offensichtlich einfach nicht ohne satanistische Anspielungen.

Transformersaurus Rex

transformers_3_shockwave-wide

Das Ende ist wenig überraschend. Es gibt eine gigantische Materialschlacht, wie man sie von Michael Bay gewohnt ist. Hong Kong wird stark in Mitleidenschaft gezogen, die Metalldinos fressen die von KSI produzierten Decepticons und auch Lockdown wird besiegt. Die Saat geht nicht auf und wird von den Autobots eingesammelt, da die Menschen offensichtlich noch nicht bereit für diese Technologie sind.

Der Weg für die Fortsetzung wird ebenfalls geebnet, da Megatron alias Galvatron das Gemetzel überlebt und Optimus Prime in die Tiefen des Alls aufbricht, um die Schöpfer der Transformers zu suchen. Auf Megatrons Überleben hätte man eigentlich verzichten können, da dieser Gegner inzwischen absolut ausgereizt ist. Die Handlung um die Schöpfer scheint dagegen viel spannender und könnte Teil 5 mit Sicherheit allein ausfüllen.

Fazit: „Transformers: Ära des Untergangs“ bietet die gewohnte Kost der ersten drei Teile – viel Action und wenig Hirn. Immerhin tut der neue Cast dem Film durchaus gut. Ohne den spätpubertären Sam Witwicky (Shia LaBeouf) und den gezwungen komischen Seymour Simmons (John Turturro) wirkt der vierte Teil wesentlich erwachsener. Die gigantischen Logiklücken macht das natürlich nicht wett, aber mal ehrlich: Wer von diesem Film etwas anderes erwartet hat, ist selbst schuld.

Bleibt am Ende noch die Frage nach dem Titel. „Ära des Untergangs“ hätte eher zur Invasion in Teil 3 gepasst. Von einem drohenden Weltuntergang ist die Erde in diesem Film Lichtjahre weit entfernt. Oder bezog sich der Titel vielleicht auf die Dinosaurier von 65 Mio. Jahren? Entweder das oder das Pentagon hat hier einen Hinweis auf den kommenden 3. Weltkrieg gegen China versteckt.